Vaterländisches Archiv
für das Herzogthum Lauenburg
 


 

Vaterländisches Archiv für das Herzogthum Lauenburg.

Unter Mitwirkung landeskundiger Männer herausgegeben vom
Auditeur und Gerichtshalter Sachau.

Erster Band.

Ratzeburg. Verlag der Buchhandlung von H. Linsen. 1857

 

 Inhalt des ersten Bandes.
 

 
Vorwort
 
7
I. v. Warnstedt, C. L.,
Kammerherr, Amtmann, R.v.D., zu Steinhorst.
Über die wichtigsten rechtlichen Verhältnisse
der Bauern im Amte Steinhorst.
 
13
II. v. Duve. Dr. jur.
zu Ratzeburg.
Sind die nicht zur Jagd berechtigten Grundbesitzer des Herzogthums Lauenburg nicht wenigstens berechtigt, von dem Jagdherrn zu fordern, daß er die, durch das Wild verursachte Schäden vollständig erstatte? und zwar ohne Beschränkungen; oder ihrerseits als Pflicht zu erfüllende Bedingungen. Beantwortet nach den vorhandenen particularrechtlichen Vorschriften und gemeinrechtlichen Grundsätzen.
 
30
III. Meyer, C.,
Advokat zu Lauenburg.
Zur Würdigung des Werthes der Actenverschickung bei Lauenburg. Gerichten.
 
83
IV. Bödeker, G. A.,
Gutspächter zu Neugüster.
Die landwirthschaftlichen Vereine des Herzogthums Lauenburg.
 
93
V. Bobertag, H. P. M.,
Rector an der Gelehrtenschule zu Ratzeburg.
Die Gliederung der Schule, in ihrer Anwendung auf das Herzogthum Lauenburg. Erste Abtheilung.
 
99
VI. Miscellen.
siehe unten.
 
99
VII. Lappenberg, Dr.,
Archivar zu Hamburg.
Von den Schlössern der Sachsen-Lauenburgischen Raubritter.
 
131
VIII. Bobertag, H. P. M.,
Rector an der Gelehrtenschule zu Ratzeburg.
Die Gliederung der Schule, in ihrer Anwendung auf das Herzogthum Lauenburg. Zweite Abtheilung.
 
177
IX. v. Schädtler,
Capitain im 14ten L.-Infanteriebataillon zu Ratzeburg.
Entwurf zur Errichtung eines Arbeitshauses für das Herzogthum Lauenburg. Mit einer Zeichnung.
 
200
X. Meyer, C.,
Advokat zu Lauenburg.
Fromme Wünsche eines Lauenburgischen Juristen. Erster Beitrag.
 
217



Nicht paginiert (III).



VI

 


XI.
 
Vieth, A.,
Pastor zu Cuddewörde.
Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenburg.
(Aus den Nordalbingischen Studien von S. F. Heine.)
 
271

XII.
 
v. Warnstedt, C. L,
Kammerherr, Amtmann, R.v.D., zu Steinhorst.
Über die Zahl der unehelichen Geburten.
 
281

XIII.
 
Arndt, K. F. L.,
Pastor zu Schlagsdorf.
Beschwerdeschrift des Bischofs von Ratzeburg,
Johann von Parkentin, gegen den Herzog Johann von Sachsen.
Aus einer alten Handschrift mitgetheilt.
 
289

XIV.
 
Miscellen.
s. unten.
 
 

XV.
 
Deecke, Dr.,
Professor am Catharineum zu Lübeck.
Marienwold. Historische Abhandlung.
 
341

XVI.
 
Rohrdantz, L.,
Pastor zu Lütau.
Für die Consistorialgerichtsbarkeit - wider Herrn Meyer.
 
399

XVII.
 
v. Warnstedt, C. L,
Kammerherr, Amtmann, R.v.D., zu Steinhorst.
Bruchstücke aus einer Beschreibung des Amts Steinhorst.
 
423

XVIII.
 
Moraht, A,
Pastor zu Mölln.
Einige Bemerkungen zu dem Aufsatze:
Ueber die Zahl der unehelichen Geburten.
 
434

XIX.
 
Moraht, A,
Pastor zu Mölln.
Die Kirche und das Rathhaus in Mölln.
 
440

XX.
 
Miscellen.  
1. Zur Lauenburgischen Bücherkunde 121
2. Die Lauenburgischen Sparcassen 122
3. Die Lauenburgischen Finanzüberschüsse 125
4. Zur Kunde des Armenwesens 323
5. Ueber Brandversicherungen 326
6. Von Maaß, Gewicht und Münzen 328
7. Das Wappenzeichen des Herzogthums Lauenburg. 331
8. Generalliste über die in den 33 Gemeinden des Herzogthums Lauenburg im Jahre 1856 Geborenen, Gestorbenen, Confirmirten, copulirten Paare und Communicanten. (335)
9. Repartitions-Verzeichnis der Lauenburgischen s. g. Syndicats- und Necessarien-Gelder. 448
10. Unrichtigkeiten auf der Karte des Herzogthums Lauenburgs. 449
  Schlußwort der Redaktion.
 
453




 


IV


Titelwiederholung
 


nicht paginiert (3)



Erstes Subscribenten-Verzeichniß.
 


Se. Königl. Hoheit Erbprinz Frederik Ferdinand zu Dänemark.
Se. Hochfürstl. Durchlaucht Herzog Carl zu Holstein-Glücksburg.

A.
Athenaeum, das, in Kopenhagen.
Adler, A., Königl. Stadt-Commissair, in Ratzeburg.

B.
v. Brackel, C. W., Amtmann zu Schwarzenbek
Bahr, N. S., Advokat in Oldesloe.
Bibliothek, die große Königliche, in Kopenhagen.
Bibliothek, die, der Universität, in Kopenhagen,
Bibliothek, die, des Reichstages für das Königreich, in Kopenhagen.
Brinckmann, C. F. R., Hofgerichtsrath, in Ratzeburg.
Brinckmann, H., Advokat, in Ahrensburg,
Bobertag, H. P. M., Rector an der Gelehrtenschule, in Ratzeburg,
Bödeker, G. A., Gutspächter zu Neugüster.
Brömel, A. R., Superintendent und Pastor, R. v. D., in Ratzeburg.
Buchhandlung, die akademische, in Kiel.
Burmeister, G. H., Pastor, zu Siebenbäumen.
Bureau, das statistische, in Kopenhagen.
v. Brüsselle, Baron, Gutsbesitzer auf Basthorst.

C.
Cabinetssecretariat, das Königliche, in Kopenhagen.
Callisen, Justizrath, in Lauenburg.
Catenhusen, C. A. J., Compastor zu Sandesneben.
Comtoir, das, für Militairsachen unter dem Königlichen Ministerium für die Herzogthümer Holstein und Lauenburg, in Kopenhagen.
v. Cossel, C. L., Kammerherr, Forst- und Jägermeister, R. v. D., in Plön.
Curtius, Dr. jur., Senator, in Lübeck.

D.
Dahm, W., Königlicher Stadthauptmann, in Mölln.

 


1857/0 - 3


1857/0 - 4
 

Domainen-Directorat, das Königliche, in Kopenhagen.
Domainen-, Forst- u. Jagd-Comtoir, das, für Holstein u. Lauenburg, in Kopenhagen.

E.
Eck, F. G., Förster, D. M., zu Brunstorf.
Eckermann, H. R. C., Landschaftssecretair, Hofgerichtsprocurator, in Ratzeburg.

F.
Frandsen, Amtsauditor, in Lauenburg.
Finanzministerium, das Königliche, in Kopenhagen.
Förster, F. L. C., Pastor, zu Pötrau.

G.
General-Postdirectorat, das Königliche, in Kopenhagen.
General-Zolldirectorat, das Königliche, in Kopenhagen.
Genzken, Consistorialrath, Domhof bei Ratzeburg.
Gestefeldt, Wiegemeister, Ratzeburger Bahnhof.
Gottschalck, F., Pastor, zu Basthorst.
Grote, J., Vollhufn. zu Sandesneben.
v. Gundlach, Gutsbesitzer, auf Fürstenhof.
Gusmann, J., Kaufmann, in Ratzeburg.


H.
Haase. L., Advokat, in Ratzeburg.
Hantelmann, C. G., Justizrath, Hofgerichtssecretair, in Ratzeburg.
Hein, C., Kammerjunker, Hofgerichtsrath, R. v. D., in Ratzeburg.
Hjort, P., Dr. phil., Professor, R. v. D., in Kopenhagen.
Hochstädt, Justizrath, in Ratzeburg.
v. Hollen, Dr. jur., Hofjägermeister, auf Tüschenbeck.

J.
Justiz-Comtoir, das, unter dem Königlichen Ministerium
für die Herzogthümer Holstein u. Lauenburg, in Kopenhagen.
Justizministerium, das Königliche, in Kopenhagen.

K.
Kall, J. C., Dr, jur., Kammerrath, in Kopenhagen.
Kallmeyer, H., Senator, in Ratzeburg.
v. Kamecke, Capitain a. D., in Ratzeburg.
v. Kardorff, C. E., Kammerherr, Landdrost des Herzogthums Lauenburg,
D. v. C. u. D. M., in Ratzeburg.
Kielmann, Justizrath, Zollinspector, in Lauenburg.
v. Kielmansegge, Graf L. F., Vicelandmarschall, auf Gültzow.
Kuntze, F., Kammerrath, in Ratzeburg.

L.
v. Langrehr, Kammerjunker, Capitain a. D., in Ratzeburg.
v. Levetzow, A„ Kammerjunker, Amtmann, in Ratzeburg.
v. Linstow, H., Kammerherr, Regierungsrath, R. v. D., in Ratzeburg.
Lohmeyer, C., Landbauverwalter, in Ratzeburg.
Lühring, F. C., Advokat, in Oldesloe.
Luther, A. M., Pastor, zu Grönau.

M.
Maart. J. H., Zollhebungs-Controlleur, Ratzeburger Bahnhof.
Martensen, H. L., Dr. theol., Bischof des Stiftes Seeland,
R. v. D. u. D. M., in Kopenhagen.
Masch, Pastor, in Demern.

 

1857/0 - 4


1857/0 - 5
 

Meier, G. C., Justizrath, Postmeifter, in Lauenburg.
Metzener, W., Gutsbesitzer, auf Niendorf a. d. Stecknitz.
Meyer, C., Advokat, in Lauenburg.
Ministerium, das Königliche, für die Herzogthümer Holstein u. Lauenbnrg, in Kopenhagen.
Ministerium, das Königliche, der auswärtigen Angelegenheiten, in Kopenhagen.
Ministerium, das Königliche, f. d. gemeinschaftlichen innern Angelegenheiten d. Monarchie in Kopenhagen.
Ministerium, das Königliche, für das Herzogthum Schleswig, in Kopenhagen.
Mirow, C., Cantor, in Ratzeburg.
v. Moltke, L. C. F. W., Kammerjunker, Regierungsrath, R. v. D., in Ratzeburg.
Monrad, D. G., Dr. phil, Bischof und Oberschuldirector, R. v. D. u. D. M., in Kopenhagen.
Moraht. A„ Pastor, in Mölln.
Mourier, C. F. L., Höchstengerichts-Assessor, R. v. D., in Kopenhagen.
Münch, D. A., Regierungssecretair, in Ratzeburg.


O.
Ostwald, C. F. A., Dr. jur., Justizrath, in Kopenhagen.
Örsted, A. S., Dr. jur., Geheimer Conferenzrath, G. K., und D. u. D. M., Excell., in Kopenhagen.
v. Oriolla, Graf A. H., Königl. Preußischer Kammerherr und Gesandter, in Kopenhagen.


P.

Prahl, J. F., Pastor, zu Sandesneben.
Prehn, T., Etatsrath, R. v. D., u. D. M., in Plön.
Poel, G., Justizrath, in Itzehoe.
Polizei-Comtoir, das, unter dem Königlichen Ministerium für die Herzogthümer Holstein u, Lanenburg, in Kopenhagen.
 

R.
v, Reventlow-Criminil, Graf H. A., Geheimer Conferenzrath, Kammerherr,
R. v. E., G. K. v. D. u. D. M.. Excell., auf Ruheleben.
v. Reventlow, Graf G., Kammerherr, Hofrichter, C. v. D. u. D. M., in Ratzeburg.
Richter, J. J., Stadtsecretair, in Ratzeburg.
Richter, J. A. F., in Schwarzenbeck.
v. Ripperda, Freiherr F. W., Capitain a. D., in Kopenhagen.
Rohrdantz, Th. G. P., Hofgerichtsprocurator, in Ratzeburg.
Rohrdantz, L., Pastor, zu Lütau.
Romundt, F. W. J., Justizrath, Regierungssecretair, in Ratzeburg.
Rusch. C. C. E., Dr. med., in Ratzeburg.
 

S.
v. Scavenius, P. B., Kammerherr, C. v. D., in Kopenhagen.
v. Schrader, E. B., Gutsbesitzer auf Culpin u. Rondeshagen.
Secretariat, das, des Königlichen Kriegsministeriums, in Kopenhagen.
Secretariat, das, des Ministerium des Innern für das Königreich, in Kopenhagen.
Steuer-Comtoir, das, unter dem Königlichen Ministerium für die Herzogthümer Holstein u. Lauenburg, in Kopenhagen.
Steuer-Revisions-Comtoir, das, unter dem Königl. Ministerium für die Herzogthümer Holstein und Lauenburg, in Kopenhagen.



1857/0 - 5


1857/0 - 6


Sprewitz, F. G., Advokat, in Ratzeburg.
Schmidt von Leda, C. G. C., Justizrath, Obersachwalter, R. v. D., in Flensburg.
Schröder, Th., Etatsrath, Oberzollinspector, R. v. D., in Kiel.
v. Schöller, Th. G., Generallieutenant u. Generaladjutant, Kammerherr, C. v. D. u D. M., in Kiel.
Stolterfoth, C., Gutsbesitzer, auf Castorf.
v. Schulz, J. C. L., Rittmeister, Postmeister, R. v. D., in Ratzeburg.
Schumacher, E., Dr. phil., Pastor, zu Hamwarde.


V.
Velschow, H. M., Dr. phil., Professor der Geschichte und der nordischen Antiquitäten, R. v. D., in Kopenhagen.
Vieth, A., Pastor, zu Cuddewörde.


W.
Walter, F. E., Justizrath, Amtmann, R. v. D., in Lauenburg.
v
. Warnstedt, C. L., Kammerherr, Amtmann, R. v. D., zu Steinhorst.
v. Warnstedt, F., Amtsverwalter, zu Tremsbüttel.
Wege - Comtoir, das, unter dem Königlichen Ministerium für die Herzogthümer Holstein u. Lauenburg, in Kopenhagen.
Wegener, C. F., Dr. phil, Conferenzrath, Geheimer Archivar, C. v. D. u. D. M., in Kopenhagen.
Wentorp, J. J., Gutsbesitzer, auf Schenckenberg.
Winckler, E., Dr. jur., in Lübeck.
Witt, J. G. S.. Obergerichtsrath, in Pinneberg.
Witt, J., Advokat, in Fackenburg.
Wittrock, H. A., Landsyndicus, Gerichtshalter, in Ratzeburg.
Wolfhagen, C. P., Advokat, in Oldesloe.
Worsaae, J. J. A., Professor, Inspector der antiquarischen Denkmäler, R. v. D. u. D. M., in Kopenhagen.

Z
.
Zollexpeditions-Comtoir, das Holstein-Lauenburgische, in Kopenhagen.


Fortsetzung folgt im 2ten Heft. (Nicht erschienen)


1857/0 - 6


1857/0 - (7)

 

Vorwort.

Als die Ankündigung dieser Zeitschrift erschien, ist wohl hier und dort die Ansicht ausgesprochen worden, das Herzogthum Lauenburg sei ein zu kleines Land, als daß sich auf die Dauer ein eigenes literarisches Organ für dasselbe werde behaupten können. Es ist wahr, das Ländchen ist klein, es zählt nur 19 -M. und kaum 50,000 Einwohner; es ist gar Manches anders in diesem Ländchen, als in anderen Ländern, und wird es eben die Aufgabe und Folge dieser Zeitschrift sein, eine größere Kunde dieser Eigenthümlichkeiten zu verbreiten. -

Eine Zeitschrift, die sich die Aufgabe gestellt hat, zur Verbreitung der Kunde heimischer Zustände mitzuwirken, und zur Besprechung derartiger Gegenstände ihre Spalten zu öffnen, wird zwar das loben, was zu loben ist, aber auch diejenigen Zustände und Einrichtungen in den Kreis ihrer Erörterungen ziehen, die einer Verbesserung zu bedürfen scheinen. Dankbar muß zuvörderst anerkannt werden, daß seit einer langen Reihe
 

1857/0 - (7)


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von Jahren eine väterliche und patriarchalische Verwaltung von oben das Land seinen stillen Entwickelungsgang hat gehen lassen. Mit Gesetzesleichen ist das Land nicht beglückt. - An der Agrarverfassung der alten Zeit ist nicht gerüttelt; die Hufengeschlossenheit, mit der, durch kein Gesetz im Einzelnen festgestellten Meierverfassung ist strenge aufrecht erhalten, und besteht hierin ein Palladium des Landes.

Wenn sich aber die höchste Aufgabe der Staatskunst, in der Neigung zu erhalten, und in der Geschicklichkeit zu verbessern, d. h. fortzuschreiten, zeigt, und der wahre Begriff des Fortschritts so charakterisirt werden muß, daß in dem Fortschreiten alle Güter des früheren Lebens erhalten werden, und sich vergesellschaften oder vielmehr auf das innigste verschmelzen mit dem, was neu gewonnen werden soll, weshalb derjenige, welcher darauf ausgeht, Neues hervorzubringen, selbst bei der Gefahr, daß darüber etwas Gutes der alten Zeit verloren gehen könne, gewiß nicht auf der rechten Bahn des Fortschritts ist, so soll und kann die Verwaltung nicht immer von dem Vorwurf frei gesprochen werden, daß sie in manchen Punkten zu starr an dem einmal Vorhandenen gehalten hat, ohne auch nur einmal zu untersuchen, und zu erwägen, ob nicht ein Fortschritt in der obigen Begriffsbestimmung möglich gewesen oder möglich sei. -

Dieser vieljährige Stillstand hat dem Lande freilich großes Lehrgeld erspart, und es ist hier nicht das Wort
 

1857/0 - 8


1857/0 - 9

von Göthe anwendbar, wenn er sagt (Nachgel. Werke IX. S. 80): „Aus aller Ordnung entsteht zuletzt Pedanterie; um diese los zu werden, zerstört man jene, und es geht eine Zeit hin, bis man gewahr wird, daß man wieder Ordnung machen muß. Classicismus und Romanticismus, Innungszwang und Gewerbefreihcit, Festhalten und Zersplittern des Grundbesitzes, es ist immer derselbe Conflikt, der zuletzt wieder einen neuen erzeugt." -

Aber doch muß es bedauert werden, daß manche der althergebrachten Zustände zu gewissenhaft und starr aufrecht erhalten sind, weil es schwerer hält, das Nachtheilige jetzt mit schonender Hand zu entfernen. Einem Uebel, daß man von fern kommen sieht, ist meist leicht abzuhelfen, sagt Macchiavelli; wenn man aber wartet, bis dasselbe da ist, so kommt die Arzenei oft zu spät, und es geht, wie die Aerzte von der Lungenschwindsucht sagen, daß sie zu Anfang leicht zu heilen, aber schwer zu erkennen sei; wenn dieselbe aber im Anfang verkannt worden, sei sie in der Folge leicht zu erkennen, aber schwer zu heilen. –

Wir sagten oben: Mit Gesetzesleichen sei das Land nicht beglückt, und es bedarf in dieser Beziehung keines weiteren Hinweises, als auf die Richtersche Sammlung, die die Gesetzgebung der letzten 40 Jahre enthält, und kaum so vielen Platz einnimmt, als die Gesetzsammlung Eines Jahres aus manchem anderen Lande. -

Wir können dem Lande nur Glück wünschen, daß
 

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die Staatsregierung den Grundsatz befolgt hat, der die Sammlung der Gesetze Alfred des Großen einleitet, wo es heißt:

„Ich unterfange mich nicht, irgend viel aus mir selbst als Gesetz zu schreiben; denn ich weiß nicht, wie viel davon denen gefallen wird, die nach uns leben."-

Gesetz aber ist eine Regel des Verhaltens, abgeleitet aus der Natur der Menschen und der Dinge,- Der Inbegriff der Gesetze ist das Recht. - Gewöhnung, Sitte, ist die erste Erscheinungsform des Rechts, und diese Quelle der Rechtsbildung versiegt nie. -

Ist die Gesetzgebung abgeschlossen, so hört die Möglichkeit der ferneren Entwickelung des Rechts auf, und in gewisser Beziehung kann man sagen, daß die Aufzeichnung und Formulirung der Gesetze der Sündenfall der Rechtsentwickelung sei. -

Es wird gewiß noch häufig in dieser Zeitschrift Veranlassung geben, es darzulegen, wie vortrefflich sich das Land bei seiner alten Hufengeschlossenheit und der durch das Leben und Bedürfniß, nicht durch ein Gesetz fortentwickelten Meierverfassung gestanden hat und steht, und eben dadurch ein konservativer und wohlhabender Bauernstand sich herausgebildet hat. –

Der Prospectus des Archivs enthält die Anhaltspunkte für Mitarbeiter und Leser, und wird es daher richtiger sein, im Einzelnen nicht vorzugreifen. So wie schon die ewige Union von 1585, ein Vertrag zwischen den Fürsten, und den Gutsbesitzern und den Städten des
 

1857/0 - 10


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Landes, als dessen Vertretern, es als seine Aufgabe bezeichnet hat, „ein unwandelbares, beständiges und unendliches, gnädiges und unterthänigcs Vertrauen, als unter einer christlichen Obrigkeit und gehorsamen Unterthanen billig sein muß" herzustellen, und die ganze fernere Entwickelung der Landesrepräsentation auf diesen Grundsatz gebaut ist, so darf auch der Wunsch das Erstlingsheft dieses neuen Organs begleiten, daß es nichts berühre und anrege, was mit dem tiefinnersten Wesen Lauenburgischer Eigenthümlichkeit in Widerspruch stehe. -

 



 

 

 

 



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