Deutsche Schlager-Plattencovers der 50er Jahre

Zum 10jährigen Bestehen der 50er Jahre-Abteilung
im Kreismuseum in Ratzeburg

1. August - 1. September 2013
 


Das Kreismuseum in Ratzeburg zeigt aus Anlass des 10jährigen Bestehens seiner Abteilung „Das Lebensgefühl der 50er Jahre“ eine Sonderausstellung mit deutschen Schlager-Plattencovers der 50er Jahre. Für viele Besucher wird dies eine Zeitreise in die eigene Jugend werden.

1897 hatte der Deutsche Emil Berliner die Schellackplatte erfunden, die man meist mit 78 Umdrehungen pro Minute abspielte. Die empfindlichen großen Platten wurden anfangs nur in braune Papiertüten verpackt, die aber auch Werbeaufdrucke des Plattenhändlers oder eines Grammophonherstellers tragen konnten. In Amerika kam die Mode auf, Name und Logo der Plattenfirma auf die Hülle zu drucken, später speziell für einzelne Platten den Namen des Interpreten und auch des Musiktitels.

In Deutschland gab es für Schellackplatten nur ein Dutzend dieser individuellen, farbigen Covers in den 50er Jahren. Die Ausstellung zeigt die meisten davon. Im Vergleich kann man feststellen, dass Musiktitel auf Schellackplatte und der neu aufkommenden Vinyl-Single, die mit 45 Umdrehungen pro Minute lief und in Deutschland ab 1953 erhältlich war, gleichzeitig mit identischen Hüllen auf dem Markt waren und damit verschiedene Käuferschichten ansprechen sollten, bis die sperrigen Schellackplatten 1957 ihr Ende fanden.

Zunächst beschränkte man sich bei den Hüllen der Singles auf beige-braune „Tüten“ oder einfarbige Firmenlochcovers oder Personal-Covers - eine preiswerte Lösung, welche die Verpackung verschiedener Plattentitel eines Interpreten mit einer einzigen Hüllensorte ermöglichte, erst in der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurden individuelle Covers für die Spitzenstars zur Regel. Vor allem für die etwas kostspieligeren EPs („Extended Play“) gestaltete man meist individuelle Covers. EPs waren Singles, die bei gleicher Plattengröße eine längere Spieldauer (meist 4 Musikstücke) hatten. Dies wurde durch die neue „Füllschrift“ (Rhein’sches Verfahren) ermöglicht, die mit einer dichteren „Wicklung“ der Plattenrille arbeitete.

Polydor entwickelte zeitweise einen ganz eigenen, für die zweite Hälfte der 50er Jahre typischen, graphischen Stil für seine Plattencovers oder setzte als Streifen das „firmeneigene“ Orange ein, das auch bei den Firmenlochcovern Verwendung fand. Electrola versuchte eine Markenerkennung durch die Farbkombination Grün-Orange in Verbindung mit einem Schwarz-Weiß-Foto. Erst die 1958 gegründete Plattenfirma Ariola ging konsequent den neuen Weg zum farbigen Fotocover, das bereits für den Stil der 60er Jahre stand.

Ende der 50er Jahre kam die „LP“, die Langspielplatte, auf den Markt, eine Vinyl-Platte von zunächst 25 cm, dann 33 cm Durchmesser und einer Abspielgeschwindigkeit von 33 Umdrehungen pro Minute mit deutlich verlängerter Spieldauer gegenüber der EP. Die Plattenhüllen der LPs erfuhren fast alle von Anfang an eine individuelle Gestaltung.

Erst in den frühen 60er Jahren wurden individuelle Covers für fast alle westdeutschen Schallplatten zum Standard.

Die Gesamtszahl der von 1953-60 herausgegebenen individuellen Plattenhüllen ist relativ gering, denn nicht alle Platten gelangten zur Ehre eines Bildcovers. Nur ca. 500 Singles und EPs und ein Dutzend Schellackplatten dürften auf diese Art ausgestattet gewesen sein.
 


 

Die Ausstellung zeigt ca. 300 originale Plattenhüllen, die nicht nur durch ihre graphische Gestaltung Ausdruck des jeweiligen Zeitgeistes sind, sondern gibt darüber hinaus auch einen Überblick über Themen, wie das Fernweh in südliche Länder wie Hawaii, Südamerika oder zumindest Italien und viele Interpreten der deutschen Unterhaltungsmusik der 50er Jahre, wie Freddy Quinn, Vico Torriani, Peter Alexander, Caterina Valente oder Lys Assia.

Diese Schlager sind - trotz ihrer oft belanglosen Inhalte - kulturgeschichtlich durchaus wichtig, weil zum ersten Mal in der Geschichte die Jugend eigene Musik hatte, besonders der Rock’n Roll war hier von großer Bedeutung. Diese neue Musik, mit der man sich von der Eltern-Generation und von den zurückliegenden Geschehnissen des Dritten Reiches und des Krieges absetzen wollte, fand ihren Ausdruck auch in der kleinen, unzerbrechlichen, leichten Vinyl-Single im Gegensatz zur großen, zerbrechlichen, schweren Schellackplatte. Wichtig wurden dafür nun auch die gestalteten Hüllen, die - vorher oft weggeworfen - jetzt mit den Platten aufgehoben wurden, wofür es nun spezielle Alben mit Taschen aus durchsichtiger Plastikfolie gab.