Historische Brettspiele: Halma & Co.


 

Wohl Jeder kennt das gesellige Spiel "Mensch Ärgere Dich nicht". Wußten Sie, dass es von einem indischen Spiel abstammt und ursprünglich als Sinnbild für Grundstrukturen des menschlichen Lebens gelten konnte? - Der Name "Halma" stammt aus dem Griechischen, bedeutet dort "Sprung". Ist es deshalb auch ein sehr altes Spiel? Genau in diesen und ähnlichen Fragen liegt unser Beweggrund, den Besucherinnen und Besuchern unserer Sonderausstellung die faszinierende Geschichte einiger Spiele, die um bzw. kurz nach 1900 entstanden, näher zu bringen.

Oft sind die Regeln dieser historischen Brettspiele sehr einfach zu erklären, was vornehmlich praktische Gründe hat: da man vor dem Würfeln oder Figurenziehen nicht erst lange über Spielregeln sprechen wollte, waren sie kurz und bündig - ganz im Gegensatz zu manchen modernen Ausgaben, bei denen häufig in einem vielgliedrigen Regelwerk nachgesehen werden muss.

Die Kontinuität der Beliebtheit von "Halma & Co." ist ein Beleg dafür, dass sich die Gleichung: "keine schwierigen Regeln, kein hoher Strategiefaktor" als unrichtig erweist. Es ist gerade anders herum: ohne komplexes Regelwerk können sich Spielerinnen und Spieler umso mehr auf die Spieltaktik konzentrieren.

Wir hoffen, dass wir bei Ihnen nach dieser Ausstellung einen besonderen "Stein im Brett" haben werden.



Halma
spiele
 

 


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Das von dem Bostoner Professor Dr. George Howard Monks (1853-1933) im Winter 1883/1884 erfundene Spiel Halma (Monks befand sich zu jener Zeit in Großbritannien, was einige Urheberrechtsstreitigkeiten verursachte) wurde zum ersten Mal 1885 durch die "E. I. Horsman Company" (die sich selbst den Beinamen "The Halma Company" gegeben hatte) herausgegeben.

Monks hatte dabei gedankliche Hilfe und Unterstützung von seinem Schwiegervater, Dr. Thomas Hill (1818-1891). Hill war  Mathematiker, Lehrer und Prediger. Die erhaltenen Unterlagen belegen, daß er half, das Spiel zu entwickeln, und er war es auch, der es "Halma" nannte (das griechische Wort für "Sprung"). Nach dieser Ursprungsausgabe (Spielbrett und Kegel wurden separat verkauft) kamen auch in England Halma-Spiele auf den Markt, die wir in reicher Auswahl in der Ausstellung zeigen.



 

Einen Ausschnitt aus dem reichen Fundus an historischen Halmaspielen des Kreismuseums sehen Sie in der untenstehenden Fotogalerie (bitte auf das Bild klicken):
 


Ludospiele
 

Das Spiel "Ludo" wurde in England 1896 unter der Patentnummer 14636 patentiert, es bildet den Übergang zu "Mensch Ärgere Dich nicht!" und weist bereits einige Merkmale des Nachfolgers auf: gewürfelt wird mit nur einem Würfel. Aus den Ecken (den sogenannten "Yards") darf heraus, wer eine "6" würfelt. Eine "6" ermöglicht einen weiteren Wurf. Es darf nur ein Spielstein auf einem Feld stehen. Steht auf einem Zielfeld eine gegnerische Figur, so wird diese geschlagen und muss zurück in ihre Ecke. Es gibt keine sicheren Felder usw.

 

 



Mensch Ärgere Dich nicht!

 

Um bei den Besucherinnen und Besuchern nicht das Gefühl: "Kenne ich schon!" übermächtig werden zu lassen (trotz des großen Bekanntheitsgrades dieses Brettspiels), haben wir uns auf einen interessanten Nebenweg begeben: wir zeigen (unerlaubte) Abkupferungen, Nachschöpfungen, Imitate. Zwischen 1915 und 1930 erschienen mehr als dreißig verschiedene Varianten und Raubkopien von „Mensch Ärgere Dich nicht!“, getarnt unter Titeln wie: Haste aber Raste - Mensch, verdrück‘ Dich! - Verliere nicht den Kopf - Laß Dich nicht ärgern - Lache nicht zu früh - Mensch, bleib‘ ruhig, etc.

Einen kleinen Überblick über die mehr oder weniger inspirierten Nachahmungen und Neuausgaben sehen Sie in der untenstehenden Fotogalerie (bitte auf das Bild klicken):


 



Schachvarianten

 
Kurz nach 1900 (ein exaktes Datum läßt sich nicht angeben) beginnt eine Entwicklung, die im sogenannten „Reformschach“ endet. Es lassen sich unterscheiden: a) Veränderungen des Figurenprogramms, etwa im „Märchenschach“, b) Veränderungen des Spielbrettes (10x8, 10x10 (das sogenannte "Gross-Schach", wir haben ein Spielbrett in der Ausstellung) etc.).



 

Von den zahlreichen Neuerungen haben wir eine besonders spannende Modifikation ausgewählt: das Einzelfiguren-Schach (die Idee kommt aus den Vereinigten Staaten, heißt dort deshalb „Monotype Chess“). Sie bietet perfekten Spielspaß gerade bei Partnern mit ungleicher Spielstärke, denn z.B. beim 34 Bauern-Spiel helfen Weiß weder Eröffnungs-Spezialwissen noch reichhaltige Mittelspielerfahrung.