Jahresband 1910

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg



Bericht über die lauenburgische Forstverwaltung.

CARL BOHN, Forstsekretär a. D.
 

Nachdem die unter Leitung des Kgl. Oberforstmeisters Riebel zu Eberwalde durch den Kgl. Forstassessor Stahl in den Jahren 1903-1905 ausgeführten Arbeiten zur Herstellung eines neuen Betriebseinrichtungswerkes für die Forsten des Lauenburgischen Landeskommunal-Verbandes beendet sind, erscheint es empfehlenswert, einen Überblick über die Entwickelung des Forstbetriebes seit dem Jahre 1872, als dem Zeitpunkte, an dem die Verwaltung des Lauenburgischen Domaniums der damaligen Ritter- und Landschaft übertragen wurde, zu schaffen, und zwar: von verwaltungsrechtlichen, von wirtschaftlichen und von finanziellen Gesichtspunkten aus.

Bei dem engen Zusammenhang des Ganzen ist indesscn eine scharfe Trennung der einzelnen Materien nicht möglich.

Unter der baltischen Regierung waren die landesherrlichen Forsten des Herzogtums Lauenburg in 16 selbständige Revierförsterverwaltungsbezirke eingeteilt, die zwei Oberförstern als Inspektionsbeamten unterstellt waren.

Die Aufsicht über das Ganze führte das damals für Lauenburg zuständige Forst und Jagdamt in Plön. Der erste Inspektionsbezirk wurde aus dem Aemtern Ratzeburg und Steinhorst, der zweite aus den Aemtcrn Schwarzenbek und Lauenburg gebildet. Die Verwaltung, wie sie jetzt der Kreisausschuß ausübt, wurde von den betreffenden Aemtern unter Mitwirkung der zuständigen Oberförster geführt. Die Ernennung der Beamten erfolgte indessen durch den König, bezw. durch das Königl. Ministerium in Kopenhagen, Den Revierförsternd, die

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sämtlich wissenschaftlich vorgebildet waren, lag außer der Ausführung der angeordneten Wirtschaftsmaßregeln, die Wahrnehmung des Forstschutzes ob. Wo die verstreute Lage der Waldungen es erforderte, waren den Revierförstern Holzvögte, bezw. Holzwärter  im ganzen 14  zur Verstärkung des Forstschutzes beigegeben. Diese Verwaltungseinrichtung bestand noch, als durch den Rezeß vom 19. Juni 1871 das Lauenburgische Domanium zwischen Sr. Majestät dem Könige Wilhelm I. von Preußen als Herzog von Lauenburg und dem Lande Lauenburg geteilt wurde. Lauenburg verblieben damals die Revierförstereien:

 

1) Farchau mit 3339 Kal. Morgen 55 qur.
2) Salem mit 2353 " " 81 "
3) Brunsmark mit 2340 " " 78 "
4) Anker mit 2957 " " 113 "
5) Borstorf mit 2117 " " 29 "
6) Koberg mit 2587 " " 41 "
7) Linau mit 1738 " " 62 "
8) Steinhorst mit 2064 " " 18 "
9) Grünhof mit 4097 " " 34 "
10) Franzhof mit 1362 " " 87 "
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in Größe von zus. 24598 Kal. Morgen 118 qur.
      Holzbodenfläche = 6585 qur.

Wenngleich schon damals der Kgl. Landforstmeister Müller in Berlin nach örtlicher Besichtigung der Ansicht Ausdruck gab, daß der Landeskommunalverband zur Bewirtschaftung seiner Forsten höchstens drei wissenschaftlich gebildete Beamte gebrauche, denen ein lediglich praktisch ausgebildetes Betriebs und Schutzpersonal beizugeben wäre, so konnte doch dieser Anregung mit Rücksicht auf die Zahl der aus dem Staatsverbande des Herzogtums übernommenen dienstfähigen Verwaltungsbeamten die eventl. zu mehr als 2/3 hätten in den Ruhestand versetzt werden müssen, vorläufig keine Folge gegeben werden. Die ursprünglich dänische Betriebseinrichtung blieb zunächst bestehen und bekam in der Person des ständischen Forstmeisters v. Wasmer, dem

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bisherigen Oberförster der ersten Forstinspektion des Herzogtums Lauenburg den ersten leitenden Beamten. Als jedoch der reitende Förster NeumannGrünhof auf seinen Antrag am 1. Mai 1875 pensioniert wurde, wurde der Revierförster Friderici von Anker nach Grünhof versetzt und das Forstrevier Anker derart aufgeteilt, daß die eine Hälfte, die den heutigen Schutzbezirk Gretenberge bildet, zu Farchau, und die andere Hälfte, die den heutigen Schutzbezirk Duvensee bildet, zu Koberg gelegt wurde. Das Forstgehöft Anker nebst dem Dienstlande in Größe von 17 ha wurde an den Hufner Brandt in Anker für 25500 Mk. verkauft. Da weiter der Forstmeister von Wasmer seine Pensionierung zum 1. Januar 1878 beantragte, war der Ritter- und Landschaft die erwünschte Gelegenheit gegeben, Verhandlungen zur Organisation der Forstverwaltung aufzunehmen. Die zu diesem Zwecke gewählte Kommission sprach sich indessen unterm 28. Mai 1878 gegen den vom Landforstmeister Müller im Jahre 1872 aufgestellten Organisationsplan aus, nach welchem, wie vorerwähnt, neben dem die Verwaltung und den Vetrieb leitenden und kontrollierenden Forstmeister drei Oberförster mit dem Sitze in Ratzeburg, bezw. Koberg und Lauenburg angestellt werden sollten. Mit Ausnahme eines Herrn waren sämtliche Kommissionsmitglieder der Ansicht, daß die vorgeschlagenen Verwaltungsbezirke, zum mindesten der Ratzeburger und Koberger Bezirk, viel zu groß seien, als daß dieselben mit gutem Erfolge von je einem Oberförster verwaltet werden könnten. Man bezweifelte, daß die preußische Staatsforstverwaltung als Muster für kommunale Verwaltungen hingestellt werden könne, zumal in Preußen die Verwaltungskosten sich auf 50 % der Roheinnahme stellten, während sie in Lauenburg bei den damals vorhandenen 8 Revieren unter wissenschaftlich vorgebildeten Revierverwaltern nur ca. 30 % der Roheinnahme betrugen. Die Kommission schlug vor, 4 Oberförstereien einzurichten, nämlich:

1) Steinhorst, bestehend aus den Forstrevieren Steinhorst, Linau und Duvensee.

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2) Koberg, umfassend die Forstreviere Koberg und Borstorf.
3) Grünhof, umfassend die Forstreviere Grünhof und Franzhof.
4) Farchau, umfassend die Forstreviere Farchau, Brunsmark und Salem.

Nach Anhörung des königlichen Oberforstmeisters von Warendorf in Schleswig, der Kgl. Forstmeister König in Trittau und von der Lühe in Schildfeld und des Oberförsters Lange in Friedrichsruh, die sich sämtlich mehr oder weniger für die Zusammenlegung der 7 (Franzhof war inzwischen mit Grünhof unter einem Verwaltungsbeamten vereinigt) kleinen Verwaltungsbezirke in größere Oberförstereibezirke aussprachen, beschloß die Ritter- und Landschaft in ihrer Sitzung vom 15. November 1881 die Bildung von 3 Oberförstereien unter Inspektion eines Forstmeisters mit dem Dienstwohnsitze in Ratzeburg. Das Oberförstersystem beruht im großen und ganzen auf dem Gedanken, daß der praktisch vorgebildete Förster (Forstschutzbeamte) neben der Beschützung der Forsten die im Reviere vorfallenden Betriebsarbeiten ausführt, und die verkauften Produkte dem Käufer anweist, daß der wissenschaftlich vorgebildete Oberförster (Revierverwalter) die Verwaltungsgeschäfte besorgt, die jährlichen Hauungs, Kultur und sonstigen Pläne aufstellt, deren Ausführung anordnet, den Verkauf der Forstprodukte bewirkt und die Rechnungen führte; daß der Forstinspektionsbeamte die jährlichen Wirtschaftspläne feststellt und deren richtige Ausführung kontrolliert.

Zum Nachfolger des Forstmeisters v. Wasmer wurde der Revierförster Friderich zu Grünhof ernannt, der als Forstmeister bis zum Jahre 1884 in Ratzeburg amtierte. Die Verwaltung des Grünhofer Reviers wurde 1878 dem Revierförster Homburg zu Franzhof übertragen, der nach Grünhof versetzt wurde und die Verwaltungsgeschäfte für seinen bisherigen Forstbezirk Franzhof fortführen mußte. Damit war die heutige Oberförsterei Grünhof begründet. Auch war die Oberförsterei Farchau in ihrer gegenwärtigen

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Zusammensetzung bereits gebildet, als der oben angeführte Beschluß der Ritter- und Landschaft vom 15. November 1881 erging; denn nach dem Abgange des Revierförsters Kahler zu Brunsmark im Jahre 1876 waren die Verwaltungsgeschäfte für diesen Bezirk dem Revierförster von Vett in Farchau übertragen, und als auch dieser 1878 aus dem Amte schied, wurde der Revierförster Eilers von Salem nach Farchau versetzt und Salem mit einem ihm unterstellten Förster besetzt. Dahingegen konnte die Oberförsterei Koberg erst im Jahre 1888 gebildet werden, als der Revierförster Lütkens in Linau aus dem Amte schied. Die Revierförsterei Koberg war im Jahre 1884 durch den Tod des Revierförsters von Bernstorff vacant geworden, und wurde die Verwaltung dieses Reviers dem Kgl. Forstassessor Hornbostel übertragen, der später, als der reitende Förster Krull in Steinhorst und der Revierförster Thormählen in Borstorf am 1. April 1886, bezw. 1. November 1887 auf ihren Antrag pensioniert wurden, auch die Verwaltung der diesen unterstellt gewesenen Reviere Steinhorst und Borstorf übernehmen mußte. Während den beiden Revierverwaltern in Farchau und Grünhof schon im Jahre 1885 der Titel „Oberförster" beigelegt war, wurde nun auch, als die Zusammenlegung der Reviere Koberg, Borstorf, Steinhorst und Linau zu einer Oberförsterei geschehen konnte, dem Revierförster Hornbostel in Koberg durch Beschluß des Kreisausschußes vom 8./10. 1888 der Titel „Oberförster" beigelegt. Obwohl die Ritter- und Landschaft 1881 beschlossen hatte, drei Oberförster anzustellen und außerdem den Forstmeister in Ratzeburg beizubehalten, erschien dem Kreistage, der nach dem Abgange des Forstmeisters Frideric am 11. März 1885 über die anderweite Verwaltung dieses Amtes verhandelte, diese Einrichtung als eine über das Bedürfnis weit hinausgehende, insofern, als die Geschäfte des Forstmeisters die bei dem Revierförstersystem bedeutend gewesen waren, zum großen Teile auf die Oberförster abgeschoben werden konnten. Der Kreistag beschloß daher, die Forstmeister-

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geschäfte dem jedesmaligen Oberförster in Farchau zu übertragen, und so wurde der Oberförster in Farchau, Eilers, der bis dahin die Inspektionsgeschäfte kommissarisch geführt hatte, 1889 definitiv zum Kreisforstmeister ernannt. Am 1. Januar 1896 trat der Oberförster Homburg zu Grünhof in den Ruchestand, und wurde der bisherige Förster in Salem, Tit. Revierförster Thormählen, der als ehemaliger Lauenburgischer Forstkandidat dieselbe wissenschaftliche Ausbildung genossen hatte, wie die verwaltenden Revierförster, zum Oberförster ernannt und mit der Verwaltung der Oberförsterei Grünhof betraut.

Der Abgang des Kreisforstmeisters Eilers zum 1. Oktober 1902 und die gleichzeitig eintretende Notwendigkeit einer Revision des im Jahre 1884 eingeführten Forstbetriebsplanes gab der Kreisvertretung von neuem Veranlassung, die Forstorganisationsfrage zu prüfen. Die als Sachverständige gehörten Königlichen Oberforstmeister Conrades in Schleswig, Runnebaum in Stade und Riebel in Eberswalde schlugen vor, die Oberförstereien mit ihren 14 Schutzbezirken beizubehalten, den Oberförster in Farchau zum Referenten des Kreisausschusses in allen forstlichen Angelegenheiten zu ernennen, und die Geschäfte der technischen Forstinspektion einem auswärtigen höheren Forstbeamten zu übertragen. In Ausführung dieses Beschlusses ist dem Oberförster Hornbostel die Verwaltung der Oberförsterei Farchau definitiv übertragen und mit dem Direktor der Forstakademie in Eberswalde, Kgl. Oberforstmeister Riebel, ein Vertrag abgeschlossen, durch welchen der Oberforstmeister Riebel vom 1. Oktober 1902 ab zunächst auf 5 Jahre die technische Aufsicht über die Verwaltung und Bewirtschaftung der Kreisforsten gegen eine jährliche Pauschalvergütung von Mk. 1500 mit der Verpflichtung übernommen hat, die Lauenburgischen Kreisforsten jährlich dreimal zu bereisen. Die Oberförsterei Koberg ist z. Zt. noch nicht definitiv besetzt. Nachdem ihr erster kommissarischer Verwalter, der Kaiserliche Forstassessor Freiherr von Hoiningen, gen. Huene, am

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25. Januar 1905 starb leitet gegenwärtig auf ein Probejahr der Badische Forstpraktikant (Assessor) Becker die Verwaltung der Oberförsterei. Mit der jetzt bestehenden Drganisation der Forsten hofft die Kreisverwaltung eine im Laufe der Jahre sich immer mehr bewährende Einrichtung erlangt zu haben.

Wenn wir uns nun am Schlusse unseres ersten Abschnittes kurz die Zahl der Beamten und ihre Besoldung, wie sie der Landeskommunalverband bei Uebertragung des Domaniums im Jahre 1872 übernehmen mußte und der gegenwärtig zur Verwaltung und Beaufsichtigung Angestellten betrachten, so will es uns auf den ersten Anblick scheinen, als wenn trotz der unausgesetzten Bestrebens der Kreisvertretung, die Forstverwaltung billiger und nutzbringender zu gestalten, im Gegenteil eine Verteuerung eingetreten ist. Die Besoldung der damals vorhandenen 10 Verwaltungs- und 11 Schutzbeamten betrug im ganzen 28102 Mk., während sie z. Zt. für 3 Oberförster, 10 Förster, 2 Forstaufseher und 7 Waldwärter 37 692 Mk. also 9590 Mk. mehr beträgt. Aber abgesehen davon, daß der Geldwert gegenüber der damaligen Zeit ganz erheblich gefallen ist und daß, um tüchtige Beamten zu bekommen, dem Vorbilde Preußens folgend, die Gehälter zu wiederholten Malen haben aufgebessert werden müssen, muß scharf betont werden, daß den alten Beamten Dienstländereien von erheblichem Umfang zur pachtfreien Nutzung überwiesen waren, deren Größe zusammen 234,48 ha betrug, während die gegenwärtigen Forstbeamten für das ihnen überwiesene Dienstland in Größe von im ganzen 99,9154 ha 2423 Mk 33 Pf. Pacht zahlen. Ferner war der Nutzungswert des Dienstlandes früher pensionsanrechnungsfähig, z. Zt. dagegen nicht. Weiter muß beachtet werden, daß Zahl und Unterhaltung der Wirtschaftsgebäude der mit umfangreichen Ländereien ausgestatteten Forstdienststellen dem Kreise größere Kosten verursachen, als wenn, wie es heute der Fall ist, dem Einzelnen lediglich soviel Land gegeben wird, als zur Haltung des für seine Wirtschaft unbedingt

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nötigen Viehes erforderlich ist. Unter diesem Gesichtspunkte war es möglich, das Holzvogtsgewese in Mustin nebst 27 ha Ackerland im Jahre 1882 für 28996 Mk. ferner 1891 das Forstgehöft Franzhof nebst 21 ha Acker für 34 000 Mk. zu verkaufen. Verkauft ist ferner das zur Oberförsterstelle in Grünhof gehörig gewesene Dienstland (19,7 ha umfassend) zum Preise von 29 300 Mk.
 

Die Zinsen dieser Kapitalien,
angenommen zu 4 % = rd.
Mk. 4712,00
Die Landpacht der Forstbeamten von rd.  Mk. 2423,00
und der Ertrag der zum Teil aufgeforsteten, zum Teil an Private verpachteten früheren Dienstländereien in Größe von rd. 49 ha mit durchschnittlich je Mk. 30 pro Jahr und Hektar = Mk. 1470,00

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decken indessen den Mehrbetrag an Personalaufwand mit Mk. 8605,00

 
Der dann noch verbleibende Differenzbetrag von 985 Mk. wird fraglos erspart durch den Fortfall der Unterhaltungskosten der verkauften Gebäude und Baulichkeiten. So darf man denn wohl im allgemeinen von einer nutzbringenden Betriebseinrichtung gegenüber den Zeitverhältnissen von 1872 reden.

Bevor wir zur Betrachtung der gegenwärtigen rationellen Forstwirtschaft übergehen, glauben wir, einen kurzen Ueberblick über ihre Entstehung geben zu müssen. So alt wie die Geschichte ist der deutsche Wald und lange bevor der Landmann zum Körnerbau überging, war er die vornehmste Schöpfstelle seines Unterhalts. Weit umfangreicher und viel urwüchsiger waren ehemals die Bestände der hiesigen herrschaftlichen Forsten. Bis in die letzte Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein charakterisierte sich das Verhältnis der Lauenburgischen Staatsforstverwaltung zu dem geringen Waldbesitz der Amtsdörfer durch Gemeinschaft der Arbeit und des Genusses. Die Nutzung alles Hartholzes (Eichen, Buchen) auch auf dem bäuerlichen Grundbesitz der Amtseingesessenen war Königliches Vorrecht, dagegen genossen letztere neben ausgedehnten

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Hut- und Weideberechtigungen in den herrschaftlichen Forsten eine geregelte Wirtschaftsführung nicht zulassende Mitnutzungsrechte. Diese Fesseln zu lösen, war das Streben der staatlichen Forstverwaltung, als durch die Landes-Oekonomie-Verordnung vom 22. November 1768 (Linsen'sche Gesetz-Sammlung Band IV a Seite 221 ff.) Vorschriften zur Verkoppelung der Dorfsfeldmarken erlassen wurden. Auf dem Wege gütlicher Auseinandersetzung entlastete die Landesherrschaft ihre Forsten in den Aemtern Ratzeburg und Steinthorst ganz, in den Aemtern Schwarzenbek und Lauenburg zum wesentlichsten Teile von jenen Rechten Dritter, indem sie jeder Hufenstelle ein Forstgrundstück, sog. Buschkoppel, zur haushälterischen Benutzung, aber nicht zu freier anderweitiger Disposition überließ. (Letztere haben die Stellenbesitzer, nebenbei bemerkt, erst durch das Meiereiablösungsgesetz vom 14. August 1872 erhalten).

Indessen sind die letzten dieser umfangreichen Hut- und Weideberechtigungen der Eingesessenen zu Glüsing, Schnakenbek, Worth, Hamwarde und Grünhof-Tesperhude erst durch bie Rezesse vom 30. 9. 1884 und 11. 6. 1889 abgelöst worden. Das Hütungsrecht mit Rindvieh und Pferden dauerte alljährlich vom 1. Mai bis in den Winter hinein, solange die Witterung es erlaubte.

Bei der allgemeinen Tendenz der Verdoppelung, den Wohlstand der Untertanen gu fördern, mußte der Wald zur Ausstattung der Hufen mit hinreichendem Land erhebliche Flächen seines Bestandes einbüßen. Es sind leider keine Karten aus jener Zeit vorhanden, doch berichten uns die Verkoppelungsakten davon. Aus der Fülle der diesbezüglichen Verhandlungen aus jener Zeit mag hervorgehoben werden, daß bei der Ueberweisung des damals zwischen den Schmilauer Tannen, dem Schmilauer Zuschlag und dem Voßberg vorhanden gewesenen herrschaftlichen Forstareals an die Gemeinde Schmilau 4161 Stück Eichen gefällt werden mußten, deren Gesamtwert von dem Oberförster Greve zu Hahnenburg unterm 12. März 1774 auf 13 035 Taler taxiert wurde. Das

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höchste Taxat für einen Stamm belief sich auf 8 Taler (24 Mk.), das niedrigste auf 4 Schilling (25 Pf.).

Nach Durchführung der Verkoppelung in allen Gemeinden des Herzogtums begann man im Jahre 1839 mit der ersten genauen Vermessung und Aufnahme des Waldbestandes. Auf Grund dieser 1860 vollendeten Arbeiten wurden dann erstmalig auf wissenschaftlichem Boden beruhende Betriebsgrundsätze für eine nach bestimmten Prinzipien geordnete Wirtschaftsführung aufgestellt. Wie die am Schlusse beigefügte Nachweisung über die Bestandesentwickelung in den Kreisforsten von 1860 bis 1904 zeigt, betrug nach Ausscheidung des Sachsenwaldes die Holzbodenfläche damals 6585 Hektar, nämlich 442 Hektar Eichen, 3573 Hektar Buchen, 1070 Hektar anderes Laubholz und 1500 Hektar Nadelholz. Der jährliche Abnutzungssatz war auf 25 416 Fm. Derbholz festgestellt. So stand die Forstwirtschaft, als sie 1872 auf den Landeskommunalverband überging. Das bald darauf neu entworfene Betriebswerk gab die Grundlage für die Wirtschaftsführung bis zum Jahre 1882. Ein besonders durch die Verfügung des Lauenburgischen Ministeriums vom 4. Dezember 1872 während der 6 Wirtschaftsjahre 1873-1878 veranlaßter Mehrhieb von 12 660 Fw. Derbholz gegenüber dem zulässigen Abnutzungssoll wurde 1879 durch die Kommunalaufsichtsbehörde gerügt. Das Ministerium hatte den Mehreinschlag zur Deckung außerordentlicher Ausgaben angeordnet.

In den Jahren 1882-84 fand wiederum eine Neuaufnahme der Forsten statt, und ergab der dabei ermittelte Abnutzungssatz einen jährlichen Ertrag von 23 628 Fw. Derbholz. Nun ging die Forstwirtschaft ihren ruhigen Gang und lieferte mit ihrem jährlichen durch die angehängte Uebersicht dargestellten hohen Reinerträgen der Kreisverwaltung vorwiegend das Geld, das diese zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten gebrauchte, bis der gewaltige Windbruch vom 10.-12. Februar 1894

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wie ein solcher während des verflossenen Jahrhunderts nur einmal, 1838, aufgetreten war, alle Berechnungen für die Zukunft über den Haufen stieß. Es waren 2174 Festmeter Eichen, 12 993 Fm. Buchen, 30 Fm. anderes Laubholz und 53 330 Fm. Nadelholz, im Ganzen 68 527 Festmeter gefallen. Die Verwertung dieser ungeheuren Holzmassen machte große Schwierigkeit. In der Oberförsterei Koberg wurde gur Aufarbeitung der Windbruchmassen eine Sägerei errichtet, die befriedigende Resultate lieferte. Um die bei längerem Lagern im Walde durch eintretende Fäulnis steigende Entwertung des Holzes zu verhindern, mußte die Kreisverwaltung beim Verkauf bis zu 25 % unter Taxe heruntergehen. Unsere größten Abnehmer waren die Firmen Vohwinkel-Gelsenkirchen, Becker-Ruhrost, Alfred Ludewig-Dresden und Heinrich Prüßmann-Mölln.

Die von 1883 bis 1894 erzielte Einsparung von 10420 Fm. in der Hauptnutzung kam jetzt der Forstverwaltung sehr zu statten, um den Windbruchsvorgriff möglichst schnell auszugleichen. Bei energischer Einsparung in den nächsten Jahren war dies denn auch vollkommen erreicht, als nach Ablauf der alten Wirtschaftsperiode die Arbeiten zur Herstellung eines neuen Betriebseinrichtungswerkes für die nächsten 20 Wirtschaftsjahre im Jahre 1903 in Angriff genommen werden mußte.

Abgesehen von kleineren Schadenfeuern in Nadelholzbeständen der Oberförstereien Farchau und Grünhof in den Jahren 1887, 1893, 1899, 1900, 1901 und 1902 sind unsere Forsten von Waldbränden verschont geblieben. Die größte im Jahre 1893 durch Feuer zerstörte Kultur hatte eine Ausdehnung von 18,5 Hektar.

Größere Verkäufe von Forstareal zum Preise von 25 Pf. bis 1,50 Mk. je Quadratmeter haben 1876, 1882, 1884, 1890, 1892 und 1900 stattgefunden. Alleinige Käuferin war die Dynamit-Aktiengesellschaft vorm. Alfred Nobel u. Co. zu Krümmel, die im Ganzen 39,6521 Hektar erworben hat und dafür außer 44506 Mark für

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die Holzbestackung einen Gesamtkaufpreis von 127500 Mark zahlte; im Durchschnitt 32 Pf. für den Quadratmeter, ausschließlich des besonders bezahlten Holzbestandes. Demgegenüber hat die Kreisverwaltung in den Jahren 1892 und 1904 günstige Kaufverträge mit Lehmrader Grundbesitzern abgeschlossen, durch welche zu Aufforstungszwecken 41,7179 Hektar zum Gesamtpreise von 8897 Mk. 64 Pf. = 2 Pf. je Quadratmeter, erworben wurden.

Die Größe der Holzbodenfläche der Forsten beträgt nach der neuesten Vermessung des F'orstassessors Stahl gegenwärtig 6838 Hektar, also 253 Hektar mehr als 1860. Die Entstehung des Zuwachses ist in der nachstehenden Nachweisung erläutert, erfreulich ist, daß die Eichenbestände sich um 562 Hektar vergrößert haben, auch die Nadelholzbestände sind um 327 Hektar gestiegen. Die Buchenbestände zeigen ebenfalls einen Zuwachs von 169 Hektar, während das Weichholz in seinen entwässerten Bruchbeständen zugunsten der wertvolleren Holzarten 805 Hektar eingebüßt bat. In Prozenten ausgedrückt, stellt sich die Bestandesveränderung gegenüber der 1860 abgeschlossenen Vermessung wie folgt:
 

Eichen plus 8 %
Buchen plus 1 %
Nadelholz plus 3 %
Anderes Laubholz plus 12 %


Das Durchschnittsalter der Bestände der ersten Periode ist für Eichen auf 143, für Buchen auf 126, für anderes Laubholz auf 38 und für Nadelholz auf 95 Jahre ermittelt.

Der auf Grund des neuesten Betriebswerkes festgestellte jährliche Abnutzungssatz von 26 759 Festmeter Derbholz, nämlich 4618 Festmeter Eichen, 17 448 Festmeter Buchen, 536 Festmeter anderes Laubholz und 4157 Festmeter Nadelholz, ist durch die Kommunalaufsichtsbehörde unterm 26. September 1905 genehmigt. Gegenüber dem bisherigen Abnutzungssatz von 23 628 Fest-

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meter ist der neue um 3131 Festmeter gestiegen; für das Streben nach höheren forstlichen Einnahmen, zu deren Betrachtung wir jetzt übergehen, ein erfreulicher Umstand.

Abgesehen von dem abnormen Windbruchjahr 1895 (die Einnahme aus dem Verkauf des 1894 geworfenen Holzes erscheint in der Kreis-Kommunal-Kassenrechnung für 1895), das eine Reineinnahme von 448 287 Mk. brachte, steht mit dem Reinertrage von 366 238 Mk. das Jahr 1875 obenan. Den geringsten Reinertrag lieferte das Jahr 1882 mit 188 714 Mk. Die durchschnittliche Reineinnahme der letzten 30 Jahre beträgt nach der angeschlossenen Rechnungsübersicht 256 567 Mk. oder je Hektar 38 Mk. 23 Pf.

Eine weitere beigefügte Nachweisung veranschaulicht die während der 12 Forstwirtschaftsjahre 1893/1904 erzielten höchsten und niedrigsten Licitationsdurchschnittspreise. Den höchsten Preis mit 70,48 Mk. je Festmeter erzielte ein aus der Oberförsterei Farchau im Jahre 1899 verkaufter Eichen-Sägeblock 1. Klasse. Einige besonders wertvolle Eichenstämme aus der Oberförsterei Koberg wurden 1891 bis zu 1123 Mk. pro Stück, gleich 112 Mk. pro Festmeter, bezahlt.

Der Personalaufwand betrug im Wirtschaftsjahre 1903 für Lokalverwaltung 2,40 Mk., für Forstschutz 2,90 Mark pro Hektar, in Preußen 1,71 Mk. und 3,37 Mk., und in den Forstverwaltungen der Kommunalverbände und größeren Herrschaften, soweit solche dem deutschen Forstverein als Mitglied angehören, durchschnittlich 2,80 Mark und 3,40 Mk. pro Hektar. Abgesehen von den Verwaltungskosten, die in der Preußischen StaatsforstVerwaltung niedriger sind als in der hiesigen Verwaltung, bleiben unsere Personalaufwendungen hinter den weiteren Durchschnittsbeträgen zurück. Die gesammten Ausgaben für Betrieb, Verwaltung und Schutz stellten sich 1903 in unserer Forstverwaltung auf 34,4 % der Roheinnahme, in Preußen auf 41,71 % und bei den Kommunalverbänden p. p. durchschnittlich auf 60,1 %.

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In unseren Nachbargebieten, nämlich:

a) dem Regierungsbezirk Schleswig betrugen die Gesamtausgaben . . . 58,58 %
b) dem Regierungsbezirk Lüneburg betrugen die Gesamtausgaben . . . 58,37 %
c) dem Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin betrugen die Gesamtausgaben . . . 45,6 %

der Roheinnahme.

Hiernach muß man anerkennen, daß unsere Forstverwaltung trotz des oft unangenehm fühlbar gewordenen Mangels an geeigneten Arbeitskräften billig wirtschaftet.

Verpflichtungen zur Lieferung von Deputatholz aus den Forsten an Geistliche und Kirchendiener (inzwischen abgelöst) bestehen nur noch gegenüber dem Pastor und Küster der Lübeck'schen Enklave Nusse. Ersterer bekommt jährlich 33,81 Rm., letzterer 16,90 Rm. Buchenkluftholz gegen Erstattung der Werbungskosten. Unter gleichen Bedingungen erhält außerdem der Schullehrer in Steinhorst jährlich 4 Rm. Knüppelholz. Alle weiteren Holznaturallieferungen an Geistliche p. p. sind in den Jahren 1872 bis 1874 gegen eine fortlaufende jährliche Gesamtentschädigung von 9062 Mk. 25 Pf. abgelöst.

Die früher geübte unentgeltliche Abgabe von jährlich etwa 850-900 Haufen (a 8 Rm.) Abfallreisig an notorisch Arme der Amtsdörfer, wie der Städte Ratzeburg und Lauenburg, ist auf Beschluß des Kreistages vom 26. Februar 1883 eingestellt, da den Kreis als Landarmenverband eine gesetzliche Verpflichtung zu dieser Lieferung nicht zwang. Der Jahreswert des Abfallreisigs betrug etwa 5000-6000 Mk.
Den Forstbeamten wird das erforderliche Brennholz gegen Erstattung der Werbungskosten frei geliefert, hierzu sind jährlich 377 Rm. Buchen-Knüppel erforderlich. Zur Ergänzung des Bedarfs kann unter denselben Bedingungen Reisig verabfolgt werden.

Indem wir hiermit unseren Bericht schließen, möchten wir besonders feststellen, daß trotz des unausgesetzten Be-

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strebens der Kreisvertretung, den Forsten eine immer größere Rente abzugewinnen, zur dauernden Hebung des Bestandes nichts unterlassen ist, was bewährte Forst-sachverständige für nötig halten. So zeigen unsere Wälder unter dem liebevollen Schutze ihrer Heger und Pfleger ein Bild lebensfrischer, gefunder Entwickelung, und ist es zweifelsfrei, daß die Forsten bei haushälterischer Nutzung als nie versiegende Quelle regelmäßiger, hoher Einnahmen dem Landeskommunalverbande auch in Zukunft das sicherste Fundament seiner finanziellen Existenz bleiben werden.


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Diesem im Jahre 1905 erstatteten Bericht fügen wir nachstehend einen dem Verwaltungsbericht des Lauenburgischen Landeskommunalverbandes pro 1909 entnommenen Bericht für das verflossene Jahr hinzu.   D. R.

Die Größe der Kreisforsten hat sich gegen das Vorjahr nicht geändert. Ihre Gesamtfläche beträgt 6997 Hektar, wovon rund 6861 Hektar Holzboden und 137 Hektar Nichtholzboden sind. Von den Hauptholzarten nehmen ein: Eiche etwa 12 Proz., Buche (einschließlich Esche, Ahorn, Hainbuche, Obstbäume etc.) 55 Proz., Weichhölzer 7 Proz., Nadelhölzer 25 Proz. der Fläche. (Etwa 1 Prozent des Areals beträgt die jährliche Aufforstungsfläche. Der Waldzustand ist im allgemeinen erfreulich, nur das früher auch schon durch Wurzelfäule hervorgerufene Auslichten der Kiefernbestände beeinträchtigt ihn. Der durch dies Absterben der Kiefern entstehende Verlust an Holzvorrat und Zuwachs wird jedoch durch Unterbau mit Buchen, Fichten u. Tannen ausgeglichen. Der Unterbau mit Buche konnte dank der im Herbst eingetretenen reichlichen Mast am Schlusse des Wirtschaftsjahres bereits auf 21 Hektar in Angriff genommen werden. Der Holzeinschlag hat sich im letzten Jahre mit

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den verfügbaren Arbeitskräften rechtzeitig durchführen lassen. Im ganzen sind eingeschlagen 31560 Festmeter Derbholz, das zu 48,2 Prozent, also 15 203 Festmeter, als Nutzholz verwertet wurde, so daß die Nutzholzausbeute annähernd die gleiche war wie im Vorjahre. Die Einnahmen für Holz sind mit rund 426 000 Mk. um etwa 12 Prozent gegen diejenigen des Jahres 1908 zurückgegangen. Der Ausfall erklärt sich z. B. aus dem Sinken der Holzpreise, das in der allgemeinen wirtschaftlichen Depression begründet war. An Nebennutzungen vom Holzboden sind zu erwähnen die Abgabe von Tonerde in der Oberförsterei Grünhof mit 2315 Mk. und die von der Dynamitfabrik Krümmel gezahlte Rauchschadenvergütung von 2136 Mk. Die Beerenernte hatte wegen der anhaltenden Nässe des vergangenen Sommers geringe Bedeutung, es sind deshalb auch nennenswerte Beträge für Erlaubnisscheine nicht vereinnahmt worden. An Kulturgeldern sind 33387 Mark verausgabt. Die Steigerung gegen das Vorjahr ist durch Mehraufwendungen für Wegeausbesserungen und die Schaffung neuer wichtiger Abfuhrlinien entstanden. Besondere Schädigungen durch Naturereignisse und die Tierwelt sind nicht zu verzeichnen. Die Nonne hat sich zwar auch im Sommer 1909 gezeigt, ist aber bis jetzt noch nicht merklich schädlich geworden. Menschliche Uebergriffe gelangten in 18 Fällen zur Bestrafung. Die Arbeiterverhältnisse waren im abgelaufenen Jahre befriedigend. Obgleich die Landwirtschaft bei der ungünstigen Witterung bis in den Herbst hinein viele Kräfte in Anspruch nahm, konnten doch alle geplanten Arbeiten rechtzeitig ohne wesentliche Rückstände erledigt werden. In hohem Grade hat sich hierbei die Ansiedelung von Waldarbeitern in eigenen und Mietshäusern bewährt; ohne den durch sie geschaffenen Stamm von ständigen Arbeitern hätten z. B. die umfangreichen Herbstarbeiten nicht bewältigt werden können.
 


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