Jahresband 1909

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Ein Notabene von ganz eigener Art.

[N. N.]
 

1909/4 - 02 - 102

Vom Grafen Aug. Joseph Ludwig von Wackerbarth brachten wir im 7. Bande Heft 2 p. 77 ff. eine Lebensskizze und p. 100 ein Verzeichnis seiner vielen Schriften, denen wir hierunter noch einen „Steckbrief" folgen lassen, den der edle Graf unter der Ueberschrift: „EIN NOTABENE VON GANZ EIGENER ART" in einem fliegenden Blatt hinter einem Herrn Moritz De Vignron erließ,

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welcher die Gutmütigkeit des Grafen ausbeutend diesen erheblich beschwindelt zu haben scheint.

"Ein Notabene von ganz eigener Art.

Der Raugrav VON WACKERBARTH hat im letzten Winter dem Herrn MORITZ DE VIGNRON - ein junger Mann von ungefähr 40 Jahren, groß und schön gewachsen, bezaubernd im Umgange und durchdringend an Verstande - - eine Obligation von 10,000 Thaler und einige andere Papiere, mit seiner Namens-Unterschrift versehen, anvertraut, ohne das geringste anders, als leere Versprechungen dafür erhalten zu haben. Da nun - wie erst ganz kürzlich bekannt geworden ist - dieser Herr MORITZ DE VIGNRON die seltsame Kunst versteht, alle Schriften, vermöge eines chymischen [sic!] Mittels, auszulöschen und auf das geduldige Papier zu schreiben, was ihm gutdünkt - da er heimlich Hamburg verlassen hat, um in der Gegend von Brüssel seine Anverwandten mit diesen und andern Papieren zu besalben - da keine rechtschaffene Regierung und kein weises Gesetz diese gefährlichen Künste jemals begünstigen kann; so erklärt er hierdurch öffentlich, daß er diese ihm gleichsam geraubten Papiere nie bezahlen wird. Er bittet alle seine biedern teutschen Brüder, sich in Acht zu nehmen vor diesem pfiffigen französischen Gaudieb.

Ratzeburg, den 5ten October 1815.

WACKERBARTH."



 


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