Jahresband 1908

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

MISCELLEN.

Aufgaben der Geschichtsschreibung
für das Herzogtum Lauenburg.

Von J.

Das Kleeblatt der großen Geschichtsschreiber Lauenburgs von Kobbe, Masch und von Duve hat die wechselreiche Geschichte unserer Heimat mit großer Hingabe und vielem Fleiß bearbeitet. Von dem Verein für die Geschichte des Herzogtums Lauenburgs ist in dem ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens eine große Fülle von geschichtlichen Darstellungen in seinem Archiv publiziert worden. Und doch fehlt noch manches dran, daß die gange Geschichte unseres Landes aufgehellt ist und alle Geschichtsquellen vollständig ausgeschöpft sind. Es ist als sicher anzusehen, daß noch sehr viel unbenutztes geschichtliches Material in den Archiven, in den Gutsregistraturen, sowie in Bürger- und Bauernhäusern vorhanden ist.

Drei große Aufgaben hat m. E. noch insbesondere die Geschichtsschreibung Lauenburgs zu lösen.

1. Die Geschichte der Besiedelung unseres Landes ist noch im einzelnen aufzuhellen und darzustellen. Der Stoff hierzu liegt neben dem, was die Archive und die Werke der alten Schriftsteller, eines Helmold, Adams v. Bremen u. a. bieten, vor allem in den FLURNAMEN vor. Es ist eine dringende Notwendigkeit, daß die Geschichtsfreunde in allen Teilen Lauenburgs sich daran machen, alle Flurnamen festzustellen und aufzuzeichnen; die alten Formen dieser Namen müßten auch ermittelt werden, worauf ein sprachenkundiger Mann diese Namen

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zu bearbeiten und sichere Ergebnisse daraus zu gewinnen hätte.

2. Die Einführung der Reformation in Lauenburg liegt noch sehr im Dunkeln. Während man in allen benachbarten Ländern viele Nachrichten über die Reformationszeit hat, ist bei uns außer der bekannten Notiz in der Kirchenordnung und der Inschrift an der Kirche zu Lauenburg kaum etwas hierüber vorhanden. Sollte es aber nicht möglich sein, doch noch über die Einführung der Reformation hierzulande etwas mehr festzustellen? Ich möchte glauben, daß eine planmäßige Durchforschung unserer Archive, der Publikationen über die Reformationsgeschichte in den Nachbarländern, der Matrikel der Universitäten u. a. m. doch noch einige Nachrichten zutage fördern werden.

Jeder Ort, ob Stadt, Gutsbezirk oder Landgemeinde muß eine Darstellung seiner eigenen Geschichte haben. Wie würde das die Heimatliebe anregen! Es wird für so manche Zwecke viel Geld aufgewendet; wäre es nicht möglich, daß die Gutsherren, Magistrate und Gemeindevertretungen auch einmal eine Summe in den Etat einstellten, um die Geschichte ihrer Ortschaften erforschen und zusammenstellen zu lassen? Es sei hiermit dazu eine Anregung gegeben. Meines Wissens ist auch das Großherzogliche Geheime und Hauptarchiv in Schwerin bereit, die Ausarbeitung solcher Ortschroniken zu übernehmen.


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