Jahresband 1906

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Das Hospital zum heiligen Geist bei Kuddewörde.

[N. N.]
 

Am 1. Mai 1613 stiftete Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg ein "Hospital" oder "Armenhaus" für 6 Arme (3 männliche und 3 weibliche) aus dem Amte Schwarzenbek, welches dem Grander Zollhause gegenüber angelegt wurde, auf derselben Stelle, auf der Herzog Johann IV. schon im Jahre 1497 ein Augustinerbettelkloster gegründet hatte, das inzwischen wieder eingegangen war. Bis 1695 haben dann auch wirklich 4 Arme aus dem Amte Schwarzenbek in diesem Hause gewohnt, nachdem es 1672 auf Vorstellung des Pastors Vetter zu Kuddewörde neu hergestellt war. Von da an wurde es jedoch schlecht in Stand gehalten und verfiel immer mehr. Man vermietete es nun an "Einleger". Noch einmal nahm sich im Jahre 1775 der Pastor Fesser zu Kuddewörde der Herstellung des Hauses ernstlich an. Die erstrebte Wiederherstellung gelang jedoch nicht, und so wurde es im Jahre 1780 abgebrochen und von einem Neubau vorläufig abgesehen. Aus den Ueberresten dieser Stiftung existiert jedoch heute noch ein Hospitalfonds, welcher von dem Prediger zu Kuddewörde und einem Hospitalsjuraten ehrenamtlich verwaltet wird. Das auf der Schwarzenbeker Sparkasse liegende, zinstragende Kapital der Stiftung beträgt gegenwärtig etwa 14 000 Mark; außerdem sind gegen 3000 Mark in Obligationen angelegt. Aus der Kreiskommunalkasse gehen Michaelis jeden Jahres an Holzersatzgeldern 67,20 Mark und an Naturalienersatzgeldern 158,92 Mark ein. Aus diesen

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Einnahmen erhalten nun 17 Arme aus dem Amte Schwarzenbek, vorzugsweise Witwen aus der Kirchengemeinde Kuddewörde, zu Ostern und Herbst jeden Jahres Unterstützungen zu je 12,50 Mark, eine nur zwar geringe, aber bis an ihr Lebensende stetig wiederkehrende Beihülfe, auf die sie immer wieder mit Bestimmtheit rechnen können und die sie mit Freude entgegennehmen. Zur Aufnahme einr neuen Hospitalistin anstelle einer verstorbenen bedarf es zunächst der Zustimmung sowohl des Predigers wie des Hospitaljuraten zu Kuddewörde, dann aber auch des Regierungspräsidenten in Schleswig, der die Oberaufsicht über diese Stiftung führt und der besonders darüber wacht, daß alle Zinsen, die zur Verteilung nicht gebraucht werden, zum Kapital geschlagen werden, damit mit der Zeit die ursprüngliche Absicht des Stifters, die Erbauung eines Armenhauses, womöglich noch einmal wieder verwirklicht werden kann.
 

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Fehler-Berichtigung:
Seite 56, 2. Zeile von unten, statt 1225 1275.
Seite 62 stets statt Horbek; Hoibek.
 



 

 

 

 



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