Jahresband 1906

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Lauenburgische Beamte.

[W. Dührsen]

Von jeher hat das Herzogtum Lauenburg seine eigene Regierung gehabt, ebenso seine Aemter. Beide Institutionen stammen noch aus der Zeit der Herzöge askanischen Stammes, die 1689 mit Julius Franz ausstarben, und haben sich erhalten, bis das Herzogtum in den 70er Jahren des vor. Jahrhunderts ein preußischer Kreis unter dem Namen „Kreis Herzogtum Lauenburg" wurde. Auch ein eigenes Obergericht (Hofgericht) besaß das Land und ebenso ein eigenes Konsistorium. Beide Behörden waren mit der Regierung solange vereinigt, bis in den oberen Instanzen die Trennung der Justiz von der Verwaltung um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erfolgte. In den unteren Instanzen bei den Aemtern, adlichen Gerichten und Stadtgerichten blieben Justiz und Verwaltung vereinigt bis zur Einrichtung der Amtsgerichte im Jahre 1870. Es gab im Lande 4 Aemter: Lauenburg, Schwarzenbek, Ratzeburg und Steinhorst. Diese wurden verwaltet von einem Amtmann (1. Beamter) und einem 2. Beamten, der gewöhnlich auch den Titel „Amtmann" führte. Diesen waren untergeordnet außer den Auditoren (unbesoldet, ohne votum, etwa den heutigen Assessoren entsprechend) die Amtsvögte und die Unterbeamten (Amtspförtner, Amtsexcutor, Stockmeister usw.). Die Amtsvögte waren subalterne Beamte und jedem Amt war Einer attachirt, ausgenommen das Amt Ratzeburg, welches zwei Amts-

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Vogteien (Mölln und Ratzeburg) hatte. Dann stand den Aemtern noch das Landdragonercorps (Landgensd'armerie) zur Verfügung, eine heilsame Institution, da Lauenburg von den zahlreichen Vagabunden als gesegneter Aufenthalt stark besucht wurde und bei ihnen unter dem Namen „Rosengarten" sich eines hohen Ansehens erfreute. Die drei Städte Lauenburg, Mölln und Ratzeburg hatten ihre Stadtgerichte, bestehend aus den vom Landesherrn ernannten juristischen Beamten als Vertretern des Domaniums (in Lauenburg „Gerichtsschulze", in Mölln „Stadthauptmann" und in Ratzeburg „Königlicher Kommissarius", später auch „Stadthauptmann" genannt) und dem Magistrat („Bürgermeister und Rat"), und die adlichen Gerichte wurden von den Justitiarien verwaltet, die der Gerichtsherr (Besitzer des betr. adlichen Gutes) aus der Zahl der im Lande wohnhaften Juristen (Beamte, Advokaten, Ritter- und landschaftliche Beamten etc.) wählte und ernannte, ohne daß es dazu der landesherrlichen Bestätigung (wie in Holstein) bedurfte. Die Justitiarien waren sogar kündbar, ein Umstand, der gegen das moderne Inamovibilitätsprinzip verstieß und geeignet war, den Patrimonialrichter zu einem Werkzeug in der Hand des Gerichtsherrn zu machen. Doch ist wohl kaum jemals von dem Kündigungsrecht seitens der Letzteren Gebrauch gemacht worden.

Der Präsident der Regierung führte den altehrwürdigen Titel „Landdrost", in der der dänischen Zeit auch „Gouverneur" und später „Präsident". Neben ihm fungierten 2 Regierungsräte, 2 studierte Sekretäre und die Kanzlisten etc. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts versahen dies Amt v. Pechlin, vorher dänischer Bundestagsgesandter in Frankfurt a. M., darnach v. Kardorff, vorher Amtmann des Amtes Steinburg in Itzehoe, nach ihm Graf v. Kielmannsegge auf Gülzow (Schwiegersohn des berühmten Freiherrn von und zum Stein, Von den sächsisch-hannoverschen Bundeskommissaren v. Könneritz und

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Rieper 1864 ernannt.) Räte waren v. Linstow und Susemihl, beide aus dem lauenburgischen Beamtenstande hervorgegangen. Als Susemihl sein Amt Anfang der 50er Jahre niederlegte, trat an seine Stelle v. Moltke, vorher Amtmann auf Fehmarn (ein Bruder des berühmten Feldmarschalls Grafen v. Moltke). Sekretäre waren die Justizräte Romundt und Münch. Der Regierungspräsident war zugleich Präses des lauenburgischen Konsistoriums, dem der Superintendent, ein Geistlicher als Konsistorialrat, ein Bürgermeister der 3 Städte u. a. angehörten. Superintendent (dem Propst in Holstein entsprechend) war nach Catenhusen D. Brömel, zuvor Prediger in Lassahn. Das Hofgericht bestand aus 1 Hofrichter als Präses, 2 Räten und einem Sekretär („protonotarius"). Hofrichter war Graf G. Reventlow, Räte Hein und Brinkmann, nach des Letzteren Tobe Hudemann und nach Hein's Abgang Lübbe; Sekretär Justizrat Hantelmann.

Was nun die 4 Aemter betrifft, so waren sie nach althannoverscher Einrichtung mit zwei Beamten besetzt, einem ersten und einem zweiten, welch' letzterer im Amt Steinhorst noch den Titel Amtsschreiber führte. Meistens hatten sich die beiden Beamten die Geschäfte geteilt, so daß Jeder von ihnen sein eigenes Ressort hatte. Gerichtssitzungen und wichtigere Verhöre in crimiualibus hielten sie gemeinschaftlich (in pleno) ab. Oft fungierten bei den Aemtern auch Amtsauditoren, jüngere Juristen, die mit landesherrlicher Genehmigung unbesoldet und ohne Votum den Aemtern zugewiesen wurden und vorzugsweise der Protokollführung oblagen. Aus ihnen sollte sich die lauenburgische Beamtenschaft eigentlich rekrutieren. Dem Amte Lauenburg stand bis 1848 der Kammerherr v. Linstow vor, der zuvor Amtmann in Norburg auf Alsen gewesen. Zweiter Beamter war von Vahrendorff, der im Erhebungsjahr 1848 wegen Unbeliebtheit flüchten mußte und zur Wiederübernahme

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seines Amts nicht zurückkehrte. Da v. Linstow gestorben, so übernahm Graf Fr. Adamson Moltke die Verwaltung des Amts und assistierte ihm dabei als Auditor der: spätere Hofgerichtsrat Hudemann. Als Anfang der 50er Jahre wieder geordnete Verhältnisse eingetreten waren und der König von Dänemark als Herzog von Lauenburg wieder die Regierung des Herzogtums übernommen hatte, ward der Etatsrat Walter, der in der bewegten Zeit mit Höchstädt unter dem Grafen v. Kielmansegge die Statthalterschaft gebildet hatte, erster Beamter des Amts Lauenburg und Graf Moltke ward zweiter und daneben Gerichtsschulze der Stadt Lauenburg. Ersterer starb 1867 in seinem Amte und Letzterer ward Amtmann in Segeberg, dann in Reinbeck (Stormarn) und endlich 1862 Präsident der neu creirten holsteinischen Regierung in Plön. An seine Stelle trat der Amtmann Meyn, bis dahin Ministerialsekretär im holstein-lauenburgischen Ministerium in Kopenhagen; auch er war im Nebenamt Gerichtsschulze der Stadt Lauenburg, daneben aber auch Eisenbahnkommissarius für das Herzogtum Lauenburg. Später ward er zum Ersten Beamten des Amts Steinhorst ernannt und nach Aufhören der Aemter Landgerichtsdirektor in Altona. Sein Nachfolger ward Freiherr von Hollen. Im Amte Schwarzenbek fungierte als Nachfolger Compes, der sich durch die von ihm geleiteten und durchgeführten Verkoppelungen der lauenburgischen Bauerndörfer um das Land sehr verdient gemacht hat *), Seestern-Pauly und als 2. Beamter v. Brackel Nach des Ersteren Tode trat an seine Stelle v. Levetzow, vorher 2. Beamter des Amts Ratzeburg. v. Brackel ward pensioniert und das Amt, da die Aemterverfassung schon im Aussterben begriffen war, nur noch von Einem Beamten verwaltet. Dem Amt Ratzeburg stand viele Jahre der allseitig verehrte Etatsrat Susemihl vor, als 2. Beamter v. Levetzow. Nach des Ersteren Tode trat
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*) Vergl. Vaterl. Archiv (Sachau) III p. 92 f.

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der Kammerherr v. Cossel, bis dahin Amtmann des Amts Rendsburg, an seine Stelle und an v. Levetzow's Stelle trat Franbsen, der später einige Zeit das Amt Lauenburg verwaltete und dann Direktor des 1870 in's Leben tretenden Kreisgerichts in Ratzeburg wurde. Als Landgerichtsdirektor in Altona ließ er sich pensionieren. Sein Nachfolger in Ratzeburg-St. Georgsberg ward Amtsaffefsor Dührsen, 1870 als Amtsrichter nach Mölln berufen an das dort neu eingerichtete Amtsgericht. In Steinhorst wurde bis zur Erhebungszeit und noch darüber hinaus das Amt vom Etatsrat Prehn verwaltet, der gelegentlich von der Statthalterschaft als Diplomat in Berlin verwandt wurde; nach seinem Ableben verwaltete der oben schon genannte Kammerherr v. Levetzow kommissarisch das Amt und zugleich war er Präsident der lauenburgischen Landesversammlung, die 1848 ins Leben gerufen wurde. Diesem Amte zeigte er sich ebenso gewachsen, wie später sein Vetter, der langjährige Reichstagspräsident, dem seinigen. Er begann seine Carrière mit dem bescheidenen Amt eines Amtsschreibers in Steinhorst und als das Herzogtum in seine normalen Verhältnisse zurückkehrte, hörte sein Kommissorium als Erster Beamter in Steinhorst auf und er ward als 2. Beamter nach Ratzeburg-St. Georgsberg versetzt. Amtmann in Steinhorst ward dann Kammerherr v. Warnstedt, der von Flensburg kam, als die dänische Regierung in ihrer beispiellosen Kurzsichtigkeit begann, aus dem Herzogtum Schleswig die deutschen Beamten zu entfernen und alle dortigen Stellen mit Dänen und Renegaten zu besetzen. Amtsschreiber in Steinhorst waren Hudemann, nach ihm Frandsen und darnach Dr. Königsmann.

Wie schon angedeutet traten im Jahre 1870 an die Stelle der Aemter in Durchführung der Trennung der Justiz von der Verwaltung die Amtsgerichte in Lauenburg, Mölln, Ratzeburg, Schwarzenbek und Steinhorst. Die ersten Amtsrichter waren: in Lauenburg Dahm, bis

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dahin Stadthauptmann, ADvokat und Justitiar, in Mölln Dührsen, bis dahin 2. Beamter des Amts Ratzeburg und Justitiar, in Ratzeburg Sachau, bis dahin königl. Stadtkommissarius, Auditeur und Justitiar daselbst, in Schwarzenbek Bredenkamp, im Krieg mit Frankreich 1870 gefallen, dann Königsmann, und in Steinhorst Meyn, Oberamtsrichter und bis dahin Amtmann daselbst.

WD.

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