Jahresband 1905

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg



[Miscelle.]

Über Flurnamen.

[J. Jöns]

 

Der Gesamtverein deutscher Geschichtsvereine ist in den letzten Jahren der Frage näher getreten, ob die Flurnamen zu sammeln sind. Auf der Generalversammlung zu Erfurt am 28. September 1903 hat man darüber verhandelt. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Flurnamen für die Lokalgeschichte in vielen Fällen von großer Wichtigkeit sind. Bei meiner Arbeit über Stintenburg habe ich das verschiedentlich erfahren. Alle Geschichtsfreunde unseres Landes würden sich ein großes Verdienst erwerben, wenn sie darauf bedacht wären, in ihrem Bezirk alle Flurnamen, besonders die älteren, zu sammeln, ehe sie der Vergessenheit anheimfallen.

Viele Flurnamen sind sehr alt; andere auch neueren Datums. Wie sie unter Umständen entstehen können, zeigt folgende Geschichte: Auf der großen Stintenburger Insel Kampenwerder befindet sich ein Flurname Riesenkönig. Derselbe ist noch keine 100 Jahre alt, sondern erst um das Jahr 1820 entstanden. Damals war man auf der Ecke der Insel, die den Techiner Viehhörsten gegenüber liegt, beschäftigt, Mergel zu graben. Dabei fand man eines Tages, wie alte Leute zu erzählen wissen, ein Gerippe, das das eines Menschen und zwar nach den Knochen zu rechnen, eines riesenhaften Menschen war. Natürlich mußte dieser Mann, der nun in einem Kriege von der Techiner Seite her erschossen und an dem Orte wo er gefallen, bestattet sein soll, ein Riesenkönig gewesen sein. Und so erhielt jene Gegend den Namen Riesenkönig.

Pastor JÖNS zu Lassahn.


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