Jahresband 1905

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


DER BILDHAUER JEREMIAS SÜSNER.

Mitteilung von Dr. GEORG HILLE in Schleswig.
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Die Originale der nachfolgenden beiden Schreiben befinden sich bei den Lauenburgischen Akten D. I 1. Nr. 1154 im Staatsarchiv zu Schleswig. Das erste hat der große Kurfürst, das zweite der Kurprinz Friedrich eigenhändig unterzeichnet. Daß auf das erste keine Antwort erfolgt ist, erfährt man aus dem zweiten. Ob dieses beantwortet ist, konnte ich nicht feststellen.

Gern hätte ich hier näheres über den Bildhauer Jeremias Süsner mitgeteilt. Ich habe aber in den Schleswiger Akten nichts weiter über ihn ermitteln können, keine Nachricht darüber, daß er wirklich ein geborener Lauenburger gewesen ist, und nichts über von ihm geschaffene Werke.

Daß er um 1685 und 1687 marmorne Statuen für den großen Kurfürsten verfertigt hat, ist, wie man mir freundlichst mitgeteilt hat, bekannt aus Nicolais zu Berlin 1786 erschienener Nachricht von den Baumeistern, Bildhauern u. s. w., welche sich in und um Berlin aufgehalten haben.

Erwünscht wäre es, wenn ein Leser dieses Archivs noch vorhandene Werke Süsners nachzuweisen vermöchte.

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1) Unsern freundlichen Dienst und was Wir mehr liebes und gutes vermögen zuvor. Durchleuchtiger hochgeborner Fürst, freundlicher lieber Vetter und Gevatter. Ew. Ld. geben Wir hierdurch zu vernehmen, was gestalt

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der Bildhauer Jeremias Süsner Uns bei seiner hiesigen Anwesenheit einige Arbeit verfertiget, woran Wir einen besondern Gefallen tragen: Dieweil Wir nun an Bildhauern Mangel haben und dahero resolviret, denselben in unsere Dienste auf und anzunehmen, Uns aber bewust, daß erwehnter Süsner Ew. Ld. mit Leibeigenschaft unterthan und er dahero umb so viel weniger ohne Derselben Einwilligung Unsere Dienste antreten kan, so haben Wir Ew. Ld. hiedurch freundvetterlich ersuchen wollen, Uns den angenehmen Gefallen zu erweisen und mehrbesagten Bildhauer zu vergönnen, daß bei uns derselbe sich engagire, ihn auch zu dem Ende seine Dimission zugeben.

Dessen Wollen Wir Uns also zu Ew. Ld. freundvetterlich versehen, dero wir schließlich alle angenehme Dienste zu erweisen alstedts geflissen verbleiben. Gegeben zu Cölln an der Spree, den 23. Aprilis Anno 1682.

Von Gottes Gnaden Friderich Wilhelm, Marggraf zu Brandenburg, des heil. Röm. Reichs Ertz Cämmerer und Churfürs in Preußen u. s w. (voller Titel)

Ew. Ld.
dienstwilliger Vetter
Vatter und Gevatter
Friderich Wilhelm Churfürst.

An Hertzog Julium Frantzen.

Auf der äußeren Adresse des mit großem Siegel verschlossenen Schreibens:

Dem Durchleuchtigen hochgebornen Fürsten, Unserm freundlichen lieben Vettern und Gevattern, Herrn Julio Frantzen, Hertzogen zu Sachsen Engern und Westphalen, der Röm. Kayserl. Mayst. p. über dero sämbtlichen Cavallerie Generaln, wie auch des heyl. Röm. Reichs General Lieutenanten.

Praes.
Neuhaus, den 8. May 1682.

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2) Unsern freundlichen Dienst und was Wir mehr liebes und gutes vermögen zuvor. Durchleuchtiger hochgeborner Fürst, freundlicher lieber Vetter und Gevatter. Ew. Ld. wird außer Zweifel annoch erinnerlich sein, was Wir wegen des Bildhauers Süßnern unterm 23. Aprilis negst abgewichenen Jahres an Dieselbe freundvetterlich gelangen lassen: Ob Wir nun zwar auf sothanes Unser Schreiben bishero die Antwort erwartet, so ist Uns doch dieselbe über Verhoffen bis dato noch nicht zugekommen: Weilen wir aber wegen eingangs gedachten Bildhauers gerne Nachricht haben wollten, ob Ew. Ld. gefällig sein mögte, denselben aus denen in erwehnten Unserm freundvetterlichen Schreiben angeführten Motiven zu vergönnen, daß er bei Uns sich engagire? So ersuchen wir dieselbe anderweit hiermit freundvetterlich, Sie belieben Uns den freundvetterlichen Gefallen zu erzeigen und Uns desfalß mit einer Resolution mit dem förderlichsten zu versehen. Wir verbleiben dahingegen Ew. Ld. zu Erweisung aller angenehmen freundvetterlichen Dienste alstads geflissen und bereit. Gegeben zu Cölln an der Spree, den 14. Januarii Anno 1683.

Von Gottes Gnaden Friderich Wilhelm Markgraf zu Brandenburg, des heil. Röm. Reichs Ertz Cämmerer und Churfürst, in Preußen u. s. w. (voller Titel)

Ew. Ld.
dienstwilliger Vetter
und Bruder
Friderich Chfst. zu Br.

Aeußere Adresse und Verschluß ebenso wie beim vorhergehenden Schreiben.

Praes. Neuhaus den 6. Feb. [1]683.


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