Jahresband 1904

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


MISCELLEN.
____________________

Belehnung des v. Bülow mit Stintenburg. 1633. *)

PROTOKOLLUM
bei Curtt von Bulow zur Stinttburgk belehnung gehalten.

Actum
Ratzeburgk, den 14. Oktober anno 1633.

[N. N.]

Nachdem im Protokoll ausführlich berichtet ist, wie am 14. Oktober den ganzen Nachmittag und auch noch am 15. frühmorgens allerlei Besprechungen und Verhandlungen zwischen dem Herzog Augustus und seinen Räten einerseits und Curt v. Bülow andererseits über von letzterem beigebrachte Mutzettel und einen Lehnbrief Stintenburg betreffend, stattgefunden haben, heißt es wörtlich:

„Ist demnach darauff umb 9 Vhr die würckliche Investitur solemniter dieser gestaldt beschehen, daß J. F. G. in Persohn auff einen Blawentuch in dem großen Saall gleich vor der taffel der Vice Cancellarius D. Anton Köhler, welcher neben einem Rahtt D. Johan von Hyllen, an einer seitten die Junckhern benanttlich der Hr: Oberschenck Thomas von Göhren der Hertzogin hoffmeister Christoffer Berntt von Plate, der Jägermeister Otto Korff auff der andern seitten und der von Bulow in der Mitte Vntten im Saall gestanden, waß bißher vorgangen mitt zierlicher beredung repetirt, den altten Lehnbrieff vor 200 Jahren gegeben mitt großen anhengenden Siegell, und die von fällen zu fällen ertheilete
____________________

*) Vergleiche Seite 73.

1904/04 - 01 - (115)


1904/04 - 01 - 116

Muhtzettullen offentlich vorgezeiget, undt entlich angedeutet dafern Cortt von Bulowen in allen denen waß vorhin ihm vorgehaltten und vormeldet worden, auch das Er S. F. G. genugsahme beweißtumb wegen seiner descendentia einbringen, und alles waß ihm vermuege eines Corpörlichen Aydes vorgehaltten werde gehorsamblich nachleben wollte, Soltte Ihme darauff die würckliche belehnung wiederfahren. Darauff gegen S. F. G. der Von Bülow sich mitt offerirung seiner schuldigen Vnderthenigen Diensten, wie einen trewen Lehnman undt Vnderthanen gebühret, Vnderthänig angelobet, vnd daß er solches alles, waß ihm in diesem actu vorgetragen worden, trew und gehorsamblich nachleben wolte, daß Instrumentum fidelitatis et subjectionis, das die Ritterschafft bey der huldigung anno 1620 geschworen, und alhier von wortten zu wortten beygelegt vom Hern Vice Cancellario D. Anton Köhler ihm erstlichen lautt undt deuttlich Vorgelesen, undt darauß befragtt, ob Er solchs eingenommen undt verstanden, auch demselben getrewlich nachkommen wolte. Wie Er solchs bekrefftiget, ist solchs repetirt, also langsamb, daß der von Bülow Jedes wortt nachsagen Können, da Er dan und alsovortt mitt aufgehobenen fingern selber nachgesagtt, und also den aydt gebuerlich abgestattet, wie solches verricht, Ist darauf vom hern Vicecancellario hinwiederumb ein erinnerung geschehen, Es wehre Lehnrechtens auch im Heil: Römisch Reich herkommens, daß bey Embfahung der Lehn, eine würckliche traditio oder eine gewiß actus possessorius verrichtet wurden, welchß instar traditionis daß einer in die Lehne von dem Lehnhern solemniter gesetzet worden: bey denen Reichß Fürsten, wen dieselben die Lehn empfangen wehre vor alters ein panihr oder Zeltt im öffentlichem felde, im Nahmen Kayß: Maytt: geschlagen, dieselben hetten die belehneten Fürsten mußen angreiffen, welchß mitt fliegenden Fahnen geschehen, dahero die Reichß Lehn auch noch den nahmen, daß man

1904/04 - 01 - 116


1904/04 - 01 - 117

sie Reichßfähnlen nenett bey verschiedenen Fürstlich heussern werden Verschiedene ritus und gebreuche gehaltten, Frl. End. hetten bey dero angetrettenen Regierung den brauch haltten, daß so sie belehnett, deroselben, den hutt angegrieffen hetten. Daß soltte der Von Bülow auch thuen.

Wie nun zu S. F. G. Er hierauff getretten undt F. G. ihm den hutt, so sie in der handt gehabt, gezeigtt, hatt Er denselben am Rande angegrieffen, da hatt der Vicecancellarius gesagtt, damitt wolle f. gd. Ihm, seine Vettern undt Bruederen, so von dem alten Viecken von Buhlav herkehmen, auff die Maß wie Ihm Lehnbrieff solte specificiret werden, in die würckliche possession deßelben solemniter gesetzet undt verwiesen haben, wie dan drauff die Lehnbrieff und Reverße solten gegeben werden, damitt man müchlich, und so lange noch von dem geblühte Verhanden sie dessen Zeugnuß hetten, Und hatt cum gratiarum actione diesen solemnem actum damitt beschlossen. Worauff S. F. g. selbst Ihm neher getretten dehme von Bülow die handt gebohten, und glueck darzu gewünschet, welches hernacher vorbenantte officirer, Rähtte und Diener nach der Ordnung auch gethan haben; Vnd seind f. g. darauff nach dem Hoffgerichte geritten, da der Von Bülow abermahll den Assessorn aidt abgelegt und daselbst Vermittelst des Vicecancellarii ausführlicher admonition, was an der Justitz gelegen, und welcher gestaldt darüber alß ein großen Kleinodt, worauff die grundtfeste des Landeß beruhen solemniter assessore dem hoffgericht beygesetz worden, wie desselben Protokoll mitt mehren wirdt aufweißen.“

Aus Acta des Königl. Staatsarchivs zu Schleswig erwachsen bei der Herzogl. Lauenburg. Regierung zu Ratzeburg. Mitgeteilt von P. JÖNS-Lassahn.


 

____________________


 



 

 

 

 


*