Jahresband 1903

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg



[Miscelle.]

Patent vom 16. Julius 1816, wegen Uebergabe des
abgetretenen Theils des Herzogthums Lauenburg.

[N. N.]

 

Georg, Prinz Regent, im Namen und von wegen Seiner Majestät, Georg des Dritten, von Gottes Gnaden Königs des vereinigten Reichs Großbritannien und Irland, etc. etc., auch Königs von Hannover, Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg, etc. etc.

Bey der mit Hülfe der alliirten Mächte erfolgten endlichen Befreiung Deutschlands vom fremden Joche, ist Unser eifrigstes Bemühen dahin gerichtet gewesen, die sämmtlichen Besitzungen Unsers Hauses in Deutschland wiederum unter Unserm Zepter zu vereinigen und unzertrennt zu erhalten, und den Unterthanen derselben die Treue und Anhänglichkeit lohnen zu können, von welcher sie Uns auch mitten unter dem Drange der feindlichen Besetzung die rührendsten Beweise gegeben haben. Dieses Bestreben, welches Wir jeder Zeit aller Uns angebotenen äußeren Vergrößerung des Gebiets Unserer Staaten weit vorgezogen haben, hat auch die unzertrennte Erhaltung des Herzogthums Sachsen-Lauenburg, dessen Bewohner Uns jederzeit und ins besondere auch in den kummervollen Jahren, wo Uns der Besitz dieses Landes durch fremde Gewalt entzogen worden, die unzweideutigsten Beweise ihrer Ergebenheit und Anhänglich-

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keit an Uns und Unser Haus gegeben haben, zu einem vorzüglichen Gegenstande Unserer Wünsche und Unserer Bemühungen gemacht, und bereitwillig hätten Wir der Erreichung dieses Zwecks alle die Opfer gebracht, welche sich nur mit dem wahren Besten Unserer gesammten deutschen Staaten vereinbaren lassen.

Wie es indeß eine Folge der mannigfaltigen Veränderungen geworden ist, welche so viele der Europäischen Mächte durch den Drang der Umstände der letzteren Jahre in ihren Besitzungen erfahren haben, daß auch bei der Feststellung der künftigen Territorial-Verhältnisse in Deutschland weder die Stimmen der Mächte, mit deren Hülfe Unser Vaterland von dem fremden Joche befreiet worden, vernachlässiget, noch auch das Interesse Deutschlands und seiner einzelnen Staaten von dem völlig getrennt werden können, was zur Erfüllung einzelner unter auswärtigen Mächten geschlossenen Verträge und zu Erhaltung der davon abhängenden allgemeinen Ruhe nothwendig geworden; so ist in dieser Verbindung Uns die Abtretung eines Theils des Herzogthums Sachsen-Lauenburg auf der rechten Elbseite an Seine Majestät den König von Preußen zu dessen Disposition, als so dringend nothwendig dargestellt worden, daß eine länger fortgesetzte Weigerung an Unserer Seite, ohne diesem Theil Unsrer Unterthanen die Fortdauer seiner Verbindung unter Unserm Zepter zusichern zu können, für das Beste Unsrer gesammten übrigen deutschen Staaten mit den bedenklichsten Folgen verknüpft gewesen seyn würde.

Unter diesen Umständen, und von der Ueberzeugung geleitet, daß es Unsre Pflicht sey, dem Besten des Ganzen dieses Opfer zu bringen, wie schwer es auch Unsrem Herzen und Unsrer auf treue Dienste gegründeten Anhänglichkeit auch an diesem Theil Unsrer Unterthanen wird, haben Wir Uns entschlossen, mittelst eines am 29. May vorigen Jahres mit Seiner Königlichen Majestät

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von Preußen zu Wien geschlossenen und durch einen anderweitigen unterm 23. September vorigen Jahres mit demselben eingegangenen Staatsvertrag näher modificirten Tractats, den auf dem rechten Ufer der Elbe gelegenen Theil des Herzogthums Lauenburg, jedoch mit Ausschluß des Amts Neuhaus und der in diesem Amte oder zwischen demselben und dem Mecklenburgischen Gebiete eingeschlossenen, auf dem rechten Elbufer belegenen Lüneburgischen Ortschaften und Ländereyen, an Seine Majestät den König von Preußen abzutreten und zu dessen Disposition zu stellen, von Höchstwelchem selbiger wiederum sofort an Seine Majestät den König von Dännemark abgetreten worden ist.

Wir haben jedoch dabey die Beibehaltung aller diesem abgetretenen Theile des Herzogthums Sachsen-Lauenburg zustehenden Rechte und Privilegien, und nahmentlich derjenigen, welche auf den mit den Landständen am 15. September 1702 geschlossenen und von Seiner Majestät dem Könige am 21. Juni 1765 bestätigten Receß beruhen, zur Bedingung gemacht, auch sowohl die Uebernahme der Landesschulden durch den neuen Besitzer, als die baldige und richtige Zurückzahlung der seit dem Jahre 1798 zu Bestreitung der Kosten der Demarcations-Linie und der durch die französische Occupation erwachsenen Kosten contrahirten Schulden, als welche ausdrücklich für Landesschuld erklärt worden, stipulirt.

Zur Uebergabe der solchergestalt von Uns abgetretenen Landestheile, haben wir Unserem Oberforstmeister und Drosten, Johann Christian von Düring, Commandeur Unsers Guelphen-Ordens, den Auftrag ertheilt, auch denselben bevollmächtigt, in Unserm Nahmen die Landstände und gesammten Unterthanen und Einwohner der gedachten abgetretenen Landestheile der Huldigungs- und Dienst-Eide zu entlassen, womit sie bisher Uns und Unsrem Hause verpflichtet worden, und

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indem Wir sie hiemit auffordern, ihrem neuen Beherrscher dieselbe Treue und Anhänglichkeit zu beweisen, womit sie bisher Uns und Unsrem Hause zugethan gewesen, ertheilen Wir ihnen gern die Versicherung, daß das Angedenken an ihre Uns und Unsren Vorfahren bewiesene Treue und Ergebenheit in Unsrem Herzen nicht erlöschen werde.

Hannover, den 16. Julius 1816.  

Kraft Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Regenten
Special Befehls.

C. v. d. Decken. v. Bremer. v. Arnswaldt.

Bekanntlich erhielt die Krone Dänemark Lauenburg als Ersatz für Nowegen, das sie an Schweden abgetreten, nachdem letzteres schwedisch Pommern auf die Krone Preußen übertragen.
 

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