Jahresband 1903

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Ein altes Herkommen.

[N. N.]

Als Lauenburg nach dem Tode seines letzten Herzogs aus askanischem Stamme unter die Herrschaft des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, Georg Wilhelm von Celle, gekommen war, fand ein altes Herkommen, welches zwischen dem Amte Lauenburg und der Stadt Lüneburg bestand, sein Ende. Nach diesem alten Herkommen sollten alljährlich Donnerstag vor Fastnacht von dem Amte Lauenburg durch einen Jäger fünf Stück Rehe an die Herren Bürgermeister und Ratmänner in Lüneburg geliefert werden. Nach geschehener Ablieferung
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*) Der Freibrief findet sich (lt. Kobbe l. c.) bei Dreyer in dessen Einleitung zur Kenntniß der von E. H. R. der Reichsstadt Lübeck ergangenen Verordnungen, in dem Aufsatz „de vexationibus quas Lubeca a judiciis Westphalicis sustinuit.“ Lübeck 1769.

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bekam der Jäger Essen und Trinken und einen Dukaten zum Präsent, ohne daß weitere Förmlichkeiten stattfanden. Dagegen hatten Bürgermeister und Rath der Stadt Lüneburg alljährlich Sonntag nach Joh. Bapt. in der Frühe ein Ohm rheinischen Weins in’s fürstliche Amt zu Lauenburg für die gnädigste Herrschaft zu schicken. Damit waren folgende Förmlichkeiten, auf welche der Lauenburger Burgvogt streng zu achten hatte, verbunden:
1) Wenn der Wein in Lauenburg ankam, mußte der Fuhrmann, der ihn brachte, mit dem aus Lüneburg kommenden Bedienten sofort aufs Schloß und dann dreimal im vollem Sprunge um die Wasserkumme herumfahren. 2) Wenn solches geschehen war, hatte der Burgvogt Wagen und Pferde zu besehen; befand er aber, daß etwa ein Radnagel an dem Wagen oder ein Hufnagel an dem Pferde verloren wäre, so waren nicht allein die Pferde, sondern auch der Wagen der gnädigsten Obrigkeit verfallen. 3. Müßte derjenige Bediente, wie auch der Fuhrmann, welche den Wein brachten, von Amts wegen wohl traktiert und mit Essen und Trinken wohl versehen werden. 4) Bekam der Bediente nach abgehaltener Mahlzeit ein doppeltes Markstück von uraltem Gepräge. 5. Mußten Bediente und Fuhrmann selbigen Tags noch über die Elbe fahren und bei Verlust von Wagen und Pferden nicht über Nacht auf lauenburgischer Seite bleiben. Der Herzog hielt solche „mutuelle Obligation“ für ein unnötiges Werk und hob, nachdem Bürgermeister und Rat der Stadt Lüneburg sich einverstanden erklärt hatten, durch ein an die Regierung zu Ratzeburg gerichtetes Reskript vom 26. Mai 1690 die praestatio reciproca auf.

(Aus d. Zeitschr. „Niedersachsen“).

 

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