Jahresband 1903

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


KOSTBARKEITEN AUS DEM BESITZE DER HERZOGIN SIBYLLE.

Von Max Schmidt in Ratzeburg.
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Unter dem Titel „Preise von Juwelen und Kunstgegenständen vor 125 Jahren“ veröffentlichte Prof. Dr. M. Kirmis im Daheim 1903 Nr. 17, einen kurzen Auszug eines aus dem Almanac genéalogique pour l’année 1779 (Lauenbourg chez J. C. Berenberg) stammenden Berichtes, der für uns insofern von großem Interesse ist, weil die darin aufgeführten Gegenstände aus dem Besitze einer lauenburgischen Prinzessin stammten. Die jüngste Tochter des Herzogs Julius Franz und seiner Gemahlin Hedwig, Pfalzgräfin von Sulzbach, war Franziska Auguste SIBYLLE, die mit dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden verheiratet war. *) Sie hinterließ bei ihrem am 10. Juli 1733 erfolgten Tode eine Menge Kostbarkeiten, von denen ein Teil nach dem Aussterben der Linie erbteilshalber später versteigert wurde, wobei aber viele Gegenstände, deren jeder heute einen großen Wert repräsentieren würde, trotz der niedrigen Taxen keine Käufer fanden.

Der angezogene Bericht, der in französischer Sprache abgefaßt ist, lautet in der Uebersetzung folgendermaßen:

Im Jahre 1775 ließ man zum Zwecke des öffentlichen Verkaufs durch die bedeutendsten Juweliere Deutschlands eine auserlesene Sammlung von edlen Steinen und anderen Kostbarkeiten in Offenburg abschätzen, die der Fürstin Auguste Sibylle, Witwe des Markgrafen von Baden und geborenen Herzogin von Sachsen-Lauenburg gehört hatten.
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*) Ueber diese Prinzessin vergl. III 3 p 65 ff des Archivs.

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Wir geben hiermit ein Verzeichnis des Taxpreises der hauptsächlichsten Gegenstände nebst Angabe der Preise, die sie in der Versteigerung erzielten.

Ein Diamant, Dickstein von reinstem Wasser, ohne Fehler, 30 1/8 Karat wiegend, wurde auf 91 666 Florins *) geschätzt, blieb aber unverkauft.

Ein länglicher Brillant von reinstem Wasser und ohne Fehler, 11 1/16 Karat wiegend, der auf 9900 Flor. geschätzt wurde, erzielte 11 000 Flor.

Ein anderer, länglicher, weißer und fehlerfreier Brillant von 5 3/16 Karat, der auf 2700 Flor. geschätzt wurde, ging für 2300 Flor. weg.

Ein weißer, fehlerfreier Brillant von 5 3/8 Karat, auf 1500 Flor. taxiert, brachte es auf 2300 Flor.

Ein rundlicher Brillant, ohne Fehler, 4 5/16 Karat wiegend, wurde auf 2000 Flor. geschätzt, blieb aber unverkauft.

Ein rundlicher Brillant, ohne Fehler, auch zu 4 5/16 Karat, auf 1000 Flor. geschätzt, blieb gleichfalls unverkauft.

Ein anderer Brillant von 4 3/8 Karat, auf 700 Flor. gewertet, blieb unverkauft.

Ein rundlicher Brillant von 4 1/4 Karat, auf 1000 Florins geschätzt, blieb unverkauft.

Ein Brillant von 2 5/8 Karat, auf 185 Flor. geschätzt, wurde für 230 Flor. verkauft.

Ein Brillant von 1 1/4 Karat wurde auf 90 Flor. geschätzt und erzielte 126 Flor.

Zwei Brillanten, 4 3/4 Karat wiegend, wurden mit 430 Flor. eingesetzt und ergaben 600 Flor.

Ein äußerst schöner Brillant von reinstem Wasser, der 13 13/32 Karat wog, wurde auf 11 000 Flor. geschätzt.

Ferner ein anderer, ebenfalls sehr schöner Brillant, der 13 4/32 Karat wog, war auf 10 500 Flor. geschätzt.
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*) Unter Florin ist hier der süddeutsche Gulden zu verstehen, der einen Wert von 1,75 Mark hatte.

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Dieser und der vorhergehende, die zu zwei Ringen Verwendung finden oder auch wegen ihrer Aehnlichkeit als Ohrringe dienen könnten, wurden zusammen für 22 850 Flor. verkauft.

Ein birnenförmiger, oben gelochter Tropfenbrillant, rosettiert geschliffen, zu 7 3/16 Karat, wurde auf 488 Flor. geschätzt, blieb aber unverkauft.

Zwei gelochte Brillant-Ohrgehänge, beide von der Größe und dem Schnitt einer holländischen Rosette, im Gewichte von 5 3/8 Karat, geschätzt auf 700 Flor., erzielten 701 Flor.

Zwei Ohrgehänge vom selben Schnitt, 4 3/8 Karat schwer, auf 350 Flor. taxiert, wurden für 955 Flor. verkauft.

Zwei Ohrgehänge vom selben Schnitt, 4 Karat wiegend, auf 450 Flor. geschätzt, wurden für 455 Flor. verkauft.

Zwei Ohrgehänge, rosettiert geschliffen, 4 3/8 Karat wiegend, die auf 400 Flor. geschätzt waren, erzielten 450 Flor.

Zwei andere Gehänge zu 4 3/8 Karat und auf 350 Florins geschätzt, blieben unverkauft.

Ein Ballas-Rubin *) von schönster Farbe und fehlerlos, wog 7 7/8 Karat wurde auf 200 Flor. geschätzt; er erzielte 201 Flor.

Ein Halsband von schönen, weißen und sehr großen orientalischen Perlen. Das Halsband bestand aus 33 Perlen zu 1 1/2 Unze Markgewicht **). (Die größte Perle hatte 13 mm, die kleinste 7 mm Durchmesser). Geschätzt auf 500 Flor., erzielte es 1200 Flor.

Zweihundertfünfundfünfzig schöne, weiße und gleichmäßig große orientalische Perlen im Gewichte von zwei
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*) Rubis Balais, von hellroter oder rosenroter Farbe, nach dem ostindischen Orte Balasia, wo er zuerst gefunden wurde, benannt.
**) 1 Gewichtsmark gleich 233 Gramm.

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Unzen 6 1/2 Quent. Geschätzt auf 14 000 Flor. und zu 1580 Flor. verkauft. *)

Ein massiv goldener Degen, der Griff mit Golddrat umwickelt, reich besetzt mit Diamant-Rosetten, darunter 6 von besonderer Größe zu 8 bis 12 Grän das Stück und 18 von 2, 3 bis 4 Grän auf das Karat, daneben noch mit zwei anderen großen Steinen. Auf 2500 Flor. taxiert und für 3050 Flor. verkauft.

Ein großer, goldener Knopf (Degenknopf) oben mit einem Smaragd und 15 größeren Brillanten besetzt, unten von kleinen Brillanten umgeben, taxiert zu 137 Florins, verkauft mit 172 Flor.

Ein besonders großer, 8eckiger Saphir von schöner Farbe, von 26:28 mm Durchmesser der oberen Fläche; war auf 1000 Flor. geschätzt, blieb aber unverkauft.

Ein besonders reiner Saphir von tiefdunkler Farbe, 16:17 mm Durchmesser der oberen Fläche, wurde für 310 Flor. verkauft, ein Taxpreis war nicht angegeben.

Ein schöner Saphir (16:19 mm Durchmesser) wurde für 215 Flor. verkauft.

Ein Saphir von schöner Farbe (19:21 mm Durchmesser) auf 70 Flor. taxiert, wurde zu 86 Flor. verkauft.

Ein rundlicher Saphir, nicht geschnitten, von schönster Farbe, auf 50 Flor. abgeschätzt, erzielte 150 Flor.

Ein orientalischer Topas von hübscher Farbe, 14 Karat wiegend, auf 100 Flor. abgeschätzt, blieb unverkauft.

Eine Brillantnadel mit 5 großen und 21 kleinen Steinen, auf 1200 Flor. abgeschätzt, blieb unverkauft.

Ein schöner, klarer Brilliant zu 2 15/16 Karat auf 380 Flor. taxiert, blieb unverkauft.

Ein sehr schöner, klarer Brillant von schöner Form zu 5 3/16 Karat zu 700 Flor. (ohne Angabe, ob dies Tax- oder Verkaufspreis ist).
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*) Bezüglich der Preise scheint hier ein Irrtum vorzuliegen, entweder ist der erste zu hoch oder der zweite zu niedrig bemessen.

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Eine große silberne Pendule auf kunstvollem Unterbau, nebst dem Klavier, auf dem sie steht, 9 Fuß hoch. Ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst von prächtigem Aufbau, mit vielen schönen symbolischen Figuren und einer Menge kunstvoll verteilter Schubfächer, in denen namentlich eine Hausapotheke mit Standgefäßen sich befindet. Sie war auf 500 Flor. taxiert und für 1110 Florins verkauft.

Eine Kassette von vergoldetem Silber trug eine Pallas, deren Medusenschild aus einem orientalischen Onyx bestand, während die Lanze, die sie in der anderen Hand trug, eine Diamantspitze hatte. Diese Kassette war mit verschiedenen antiken Kameen und mit einer Menge von Steinen besetzt, wie Chrysolith, Carniol, Amethyst, wobei sich besonders ein prächtiger, oriental. Onyx auszeichnete. Taxe 600 Flor., verkauft zu 750 Flor.

Eine andere Kassette aus vergoldetem Silber, mit vielen Diamanten, Diamantrosetten und Granaten geschmückt, oben bedeckt mit einem in grün und weiß gehaltenen Laubwerk, unten mit einem Geheimfach versehen. Auf 800 Flor. geschätzt und zu 1080 Flor. verkauft.

Eine sehr schöne Ebenholzkassette, für Malfarben eingerichtet, die Muscheln, Phiolen, Büchschen und alle Farbengeräte von emailliertem Golde und mit Brillantrosetten geschmückt; am Deckel befindet sich ein Spiegel mit goldenem Rahmen, der ebenfalls mit Brillantrosetten geschmückt ist. Taxiert auf 1160 Flor. und verkauft für 1810 Flor.

Eine achteckige Kassette von weißem Filigran mit Granaten, Achaten und Türkisen geschmückt, wurde mit 110 Flor. eingesetzt und für 120 Flor. verkauft.

Ein Service von Majolika (?) (d’ouvrage de fonte), wobei ein Spülbecken, zwei Gestelle, 12 größere und 12 kleinere Teller, 12 Löffel, 4 Salzfäßchen, 2 Leuchter, 3 runde Tassen ohne Deckel, 3 große Tassen mit Deckel in weiß, blau und schwarz, mit vergoldetem Silber

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montiert, angefangen, wie man sagt, von Raphael *) und beendigt zwischen 1546-1599 durch einen andern großen Künstler im Geschmacke, Raphaels. Dies Service wurde auf 1000 Flor. abgeschätzt, blieb aber unverkauft.

Eine vollständige Toilette von Bergkrystall mit vergoldetem Silber montiert, wurde zu 850 Flor. taxiert und zu 1670 Flor. verkauft.

36 silberne Teller, vergoldet, 74 Mark wiegend, wurden auf 1480 Flor. geschätzt und für 1507 Flor. verkauft.

Ein Becken mit Wasserkanne aus getriebenem, vergoldetem Silber, aus dem 15. Jahrhundert und sehr gut erhalten, mit Figuren in Niello verziert. Das Becken von 1 Fuß 9 Zoll Durchmesser, die Wasserkanne von 1 Fuß 4 1/2 Zoll französ. Maß. Beide zusammen im Gewichte von 33 Mark 5 3/4 Unzen, auf 640 Flor. geschätzt und für 652 Flor. verkauft.

Ein rundes Becken mit Deckel, Füßen und Henkeln von bestem Onyx und orientalischem Sardonyx, bekrönt mit 2 sehr gut gearbeiteten Büsten vom selben Stein, mit Gold und schwarzweißer Emaille montiert. Auf 200 Flor. geschätzt und für 300 Flor. verkauft.

Ein schönes ovales, goldenes Becken mit einem Deckel in blauer Emaille, verziert mit antiken, schön geschnittenen Onyx und anderen Steinen; wurde auf 1790 Florins geschätzt und erzielte 1960 Flor.

Eine große, ovale Platte aus einem Stück orientalischen Jaspis, deren Fuß mit einer emaillierten Goldborte verziert ist. Wurde auf 33 Flor. geschätzt und für 101 Flor. verkauft.

Ein Korallenhorn, 10 Zoll lang, von lebhafter Farbe, worauf die Figur der heil. Magdalene nebst anderen Figuren eingeschnitten ist, zu 11 Flor. abgeschätzt, wurde für 50 Flor. verkauft.
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*) Was aber fraglich sein dürfte.

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Ein sehr schönes Becken von Bergkrystall, 7 3/4 französ. Zoll hoch und 2 1/2 Zoll breit; Deckel und Fuß sind mit Goldemaille verziert. Eingeschnitten ist eine perspektivisch gehaltene Hagebuchenallee, die ringsherum läuft, in sehr guter Ausführung.

Ein goldenes Ei von ganz besonderer Art. Wenn man es an der Spitze öffnet, findet man ein Flacon für Parfüm. Oeffnet man die entgegengesetzte Seite, so sieht man das Eigelb; bei weiterem Druck zeigt sich ein Hühnchen. Nimmt man dessen Kopf ab, so findet man eine mit Diamanten besetzte Krone, deren Unterteil auf der einen Seite ein Emailleporträt, auf der andern Seite ein Petschaft mit einer Devise enthält. Durch einen Druck am Petschaft kommt ein Ring mit einem großen Diamanten zum Vorschein. Der Kunstwert ward auf 350 Flor. abgeschätzt und zu diesem Preise vom Herzog von Orleans erworben.

Eine goldene Schale mit 35 eingelassenen Goldmünzen der ersten römischen Kaiser, im Gewichte von 106 Dukaten, wurde für 395 Flor. erkauft.

Ein prächtiges Bild der heiligen Jungfrau mit dem Jesuskinde, auf Holz gemalt, 22 Zoll hoch und 17 1/4 Zoll breit, sehr gut erhalten. Ein echter Albrecht Dürer, mit seinem Namen und der Jahreszahl 1523, auf 550 Flor. geschätzt aber nicht verkauft.

Ein Bild, auf Holz gemalt, die „Schwermut“ vorstellend, ein Original von Lucas Cranach, 41 Zoll hoch und 26 1/2 Zoll breit, zu 22 Flor. eingesetzt aber nicht verkauft.


 


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