Jahresband 1892

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Miscellen.
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Was bedeutet der Ausdruck
Ritter- und Landschaft?

[Dr. Hille]
 

Die Antwort auf diese Frage giebt ein Bericht der Ratzeburger Regierung, den ich hier nach dem im Königlichen Staatsarchiv zu Schleswig bei den Akten D. I. 3. No. 313 befindlichen Original mittheile:

Auf das gefällige Schreiben vom 2. v. M., worin eine Erläuterung über den Ausdruck „Landschaft“ verlangt wird, erwidern wir, daß der Ausdruck Ritter- und Landschaft, der schon in der Union von 1585 sehr oft gebraucht wird, bald das ganze Herzogthum, bald die Gutsbesitzer, bald die Gutsbesitzer und Städte, bald aber auch die Repräsentanten des Herzogthums Lauenburg, nemlich die Gutsbesitzer und die Deputirten der Städte, von denen das Interesse der Aemter mit wahrgenommen und ohne deren Bewilligung auch die Aemter nicht mit allgemeinen Steuern belegt werden können, bedeute.

Wenn es in dem Artikel 1 des Landes-Recesses *) heißt, daß Ritter- und Landschaft des Herzogthums bei ihren Juribus und Privilegiis, die sie entweder ins-
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*) vom 15. Sept. 1702 (Lauenburgische Verordungen-Sammlung I No. 211).

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gesammt oder jeder für sich hergebracht, gelassen werden sollen, so muß wohl angenommen werden, daß hier von den Privilegien aller Landes-Einwohner die Rede ist, indem die folgenden Artikel Versicherungen enthalten, die nicht bloß für die adlichen Güter und Städte, sondern für das ganze Land gelten. Dahin gehören namentlich die in den Art. 16 und 17 enthaltenen Versprechungen, daß aus der Contribution die Reichs- und Kreis-Anlagen abzuhalten und daß das platte Land extra casum necessitatis mit Einquartierung von Cavallerie nicht beschwert werden solle, imgleichen die Beibehaltung der Augsburgischen Confession. Wenn es in dem 8. Artikel des Landes-Recesses heißt, daß Ritter- und Landschaft die Gutsherrliche Gerechtigkeit über ihre Gutsleute behalten soll, so können hier unter diesem Ausdruck nur die Gutsbesitzer allein verstanden werden.

In dem Artikel 14 des Recesses hingegen müssen unter dem Ausdrucke Ritter- und Landschaft auch die Städte verstanden werden, weil auch diesen die Senden- und Hurenbrüchen zufließen.

Wo es endlich in dem Receß heißt, daß mit Ritter- und Landschaft über den Punkt der Contribution und über neue Anordnungen communicirt werden soll, da kann unter Ritter- und Landschaft nichts anders verstanden werden, als die Gutsbesitzer und städtischen Deputirten, welche das land repräsentiren.

Bei diesen verschiedenen Bedeutungen, die dem Ausdruck Ritter- und Landschaft beigelegt werden müssen, läßt sich die Frage, welche Personen überhaupt im Herzogthum Lauenburg unter dem Ausdruck Landschaft begriffen sind, eben so wenig allgemein beantworten, als welche Personen in den Städten dazu gerechnet werden.

Ist blos die Rede von den Zoll- und Wegegeldern und wem die Befreiung davon zusteht, so ist es wohl außer Zweifel, daß sie den Bürgern in den Städten so wenig als den Gutsbauern und Amtsunterbehörigen

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zusteht, allein ob die Magistrate darauf Anspruch machen und machen können, imgleichen ob noch andere, als etwan der Ritterschaftliche Syndicus selbige in Anspruch nimmt, ist uns nicht bekannt.

Es scheint auch nicht rathsam, diesen Gegenstand zur Discussion und dadurch Ansprüche, die vielleicht jetzt ruhen, in Anregung zu bringen. Sollte indessen die Königliche Schleswig-Holstein-Lauenburgische Kanzelei es verlangen, so würde der Bericht der Magistrate und allenfalls der Ritter- und Landschaft darüber eingezogen werden können.

Ratzeburg, den 10. März 1819.

Königlich Dännemarkische zur Regierung des Herzogthums Lauenburg verordnete Landdrost und Regierungs-Räthe.

Reventlow. J. G. Böhmer. Prehn.
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Schubert.

 


An die Königliche Schleswig-Holstein-Lauenburgische Kanzelei zu Kopenhagen.

(Mitgetheilt von Herrn Geh. Archivrath Dr. HILLE in Schleswig.)

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