Jahresband 1902

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg



DIARIUM BELLI BOHEMICI
ET ALIARUM MEMORABILIUM.

(Schluß von Band VI, Heft 3.)

[Dr. jur. A. E. E. L. von Duve.]

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ANNO 1631. *)

Schreiben Palatini Ungariae Esterhasi an Ragotzi Georgen.

Es verwundert Vns hoch, daß Ihr Euch für einen Fürsten in Siebenbürgen auffwerfet, da wir doch wohl wissen, daß nur Ewer verderben darauff erfolget und konntet auch bei Ewer Grenzen mitt mehr reputation, alß ein vermeinter Fürst in Siebenbürgen leben. Es ist aber weltkundig vnd habens zeithero viel exempel an den tag geben daß derjenige, so ohne vrsache von seinem natürlichen herrn abtrünnig vnd meineidig worden vnd sich vmb eine Sache, so ihme vnmüglich außzuführen, oder zue bestreiten, angenohmen, von Gott hochlich gestraffet vnd zue boden geworffen worden. Demnach warne ich Euch; wollet Ihr nuhn von Ewren vornehmen abstehn, so erbieten wir vnß, Euch bei der Kay. Mayt. volligen Pardon zue erlangen, daß wir sonsten Ewre Person nicht, sondern deß lieben vaterlandeß halber thun wollen.
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*) Ad annum 1630 wird in dem Mscr. noch ein umfangreiches „Protocollum cogitationum in conventu Ratisbonensi“ mitgetheilt, von dessen Wiedergabe abgesehen worden.

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Herrn Ragotzi Antwort.

Daß das herrliche Königreich Ungarn, mitt einer solchen vnzeitigen Geburt zum palatino versehn, ist hoch zu bedawren. Wir haben aber seine hoch tieffe verwunderung mit schmertzen angehöret vnd wann solche thorichte Phanatasie vmb etwaß nach den heiligen Weihnachten Feiertag verschoben, hätten wir eß einem Fastnachtstraum zuegemessen; denn daß vns, die wir auß der ältesten Häuser vnd Geschlechte einem entsprossen, von solchen aberwitzige vngarische Ochsenknechte gerathen werden will, daßjenige Fürstenthumb so Vns vngezweifelt in so vieler Widerwärtigen Meinung die göttliche Providenz selbst auffgeladen, auß vorgeblicher Zagheit und papiernen Schrecken zue verlassen vnd vielleicht dem spanisch-ungarischen Slaven in seine ungewaschene Hände lieffern oder mit Stockfisch Hausen außgebrütet, wäre bei der ganzen vernünftigen welt spottlich. Daß wir aber einen Meineidt darume begangen, oder vnserm natürlichen Herrn abtrünnig worden, wird der wahnsinnige Rathgeber vns mitt wahrheit nicht beibringen können. Vermuthlich ist aber darauß, daß ihm sein vngewaschen Maul von dem Ochsenstaub also verschleimet worden, daß eß ihme bißchen die Donow nicht außwaschen können; wäre derwegen entgegen vnßer wolgemeinter Rath, so er seine spatzirende fünf Sinne wieder zusammen klaubet, dem vaterland getrew vorzustehen vnd nicht in hundestagen im Schlitten zue fahren, oder vmb Weihnachten Gras zu mähen, ihme vornehme. Wider Kais. Mayt. haben wir wissentlich nichts mißhandelt, so pardonnirens bedürftig; weilen aber Herr vorwitziger palatinus vielleicht selbst mehr gehandelt als er zue verantworten weiß, mögte Er in Kurzem nicht selber genugsamb pardon bekommen können. Daß ihme schließlich vnsre Person zue geringe sein will ist dem gemeinen Sprüchworte zuezumessen, daß ein Ochsendreck nichtsnutzet, wenn er nicht nach der Herberg

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schmeckt, mit welche Er seine vngesalzene abmahnung, der geburt nach, condiren vnd abwiegen soll.

Februarius. Den 6. Febr. ist der König von Sweden vor Demmin gekommen vnd eß also bald gestürmet, aber abgeschlagen; hats darvff 3 Tage continue beschossen, darnach wieder gestürmtet vnd im dritten Sturm erobert vnd 5 Compagnien niederhaven lassen. Der Duc de Savelli ist gefangen, der Lieutenant Quist (?) so zuvor den König verrathen wollen, davon gekommen. In Malchin vnd N. Brandenburgk hatt den Teutschen Quartier geben, die Italiäner aber vnd Crabaten, weil sie in Passewalk so vbel gehauset, im Beisein der Teutschen alle niederhawen laßen, die Teutschen aber für solche vnmenschliche Tyrannei gewarnet.

Martius. Den 12. Martii hatt sich Colberg den Sweden ergeben vnd sindt darauß gezogen 1,800 Muscetirer vnd 2 Cornet Curashirer; haben darin gestunden vnd bekommen 224 Tonnen Pulver vnd 56 Stücke Geschosses, mehrentheilß ganze vnd halbe Carthaunen.

Nienbrandenburgk hatt der G. Tylli im dritten Sturmb einbekommen, weil daß swedische Volk eß zue entsetzen zue spät kommen; hat aber 3,000 in dem Stürmen verloren.

Aprilis. Dux Venetiae Ao. aetatis 78 mortuus (26. Martii). In ejus locum surrogatus est Franciscus Erïzzus.

3. April hat Rex Sueciae Frankfurt an der Oder ohne einige pressa mitt stürmender Handt eingenohmen darin der Feltmarschalk Tiefenbach, G. von Schauenburgk, Montecuculi vnd bei 6000 Tillysche gewesen, der alte Schauenburger ist todt, Sparr, Heiden, Butler vnd viele Obristen gefangen. Obrist Götz und Coloredo sollen auch niedergehawen sein. Die Besatzung ist in vindictam der Brandenburgischen meist niedergehawen; haben darin bekommen 16 Fahnen, 6 Cornet, 600 Tonnen Pulver, 20 ganze, 4 halbe Carthaunen, 1,200 Centner

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Blei und bleierne Musqueten Kugeln, 700 Centner Lunten, 1,000 Stücke eiserne Kugeln, 70 Stücke Geschützes, an Getraide einen ziemlichen Vorrath. Die Kaisersche haben nichts von ihre pagage wegbringen können, rechnen ihren Schaden uf 300,000 Rthlr. Vber 1,000 Soldaten haben sie nach der ersten Furie gefangen, darvnter Obristen Sparr vnd der von Walde sein Obrist Lieutenant, 10 Capitaine und andere fürnehme Offiziere gewesen. Die Gefangenen, darunter viele Crabaten, sollen in Sweden in die Kupferbergwerke gebracht werden und allda arbeiten.

Cüstrin ist dem Köning mit accordo vbergeben worden.

Den 25. Aprill hat der Swede die Kuhrschanze vor Landsperg mitt stürmender Handt einbekommen vnd darin 300 Crobaten niedergemacht, darvf sich die in der Stadt ergeben vnd abgezogen, deren bei 4,000 gewesen, in 7 Monat wider den Köning zue dienen. In der Vestung ist großer Vorrath an Munition, Kraut, Loth vnd proviant gefunden.

Majus Den 10 May frue morgens umb 7 Uhren, wie er zuvor durch Wegführung der pagage-wagen nach Halberstadt als durch ein sonderlich Stratagem, die Bürger vnd Soldaten sicher gemacht, alß wenn er mit dem Lager vfbrochen wollen, hatt General Tilly die Stadt Magdeburgk angefallen vnd entlich, nachdem ein groß Fewer in der Stadt vfkommen, ihme auch S. Ulrichs Thor geöffent worden, dieselbe mitt gewalt und prodition einbekommen. Ist fast alleß erschlagen vnd in fewer verbrannt; die Vbrigen gefangen vnd alß das viehe verkauft. Der Obriste Falkenberg ist im ersten Anfall durch den Kopf geschossen; der Administrator Christian Wilhelm von Brandenburgk gefangen, die ganze Stadt ist, außerhalb deß Thumbs vnd wenig Häuser, ganz vnd gar abgebrennet vnd eingeäschert. O admiranda et profunda Dei judicia.

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D. MATTHIAE HOHE VERANTWORTUNG VND
PREDIGT, SO ER ZU LEIPZIG AUSZ DEM
83 PSALM GETHAN 1631.

De causis et origine praesentis belli Germanici.

Der allererste Vrsprung alleß entstandenen Vnwesens rühret her von den Jesuiten vnd ihrem Anhange, welchen den Majestätsbrieff Kais. Rudolphi II ein Dorn in Augen gewest vnd die da gemeinet haben, es könne vnd müsse anderß nicht sein, alß daß solcher Mejestätsbrieff wieder vfgehoben werde. Zu dem Ende haben sie lapides offensionis vnd Steine deß Anstoßes den Evangelischen allenthalben geleget; sie geängstiget und gequälet; eine erbawete Kirche niedergerissen vnd sonsten in viel wege sie gereitzet. Daß ist die erste Veranlassung aller entstandenen Vnruhe. Was darvf vnrechts geschehen ist zwar nicht zu billigen, wirdt auch von mir nicht gut geheißen; es mögten aber die Jesuiten an den alten Spruch denken: „Furor fit laesa saepius patientia.“

Ibidem:

Eß wird begehrt, ich sollte sagen, was ich vom König in Sweden halte? ob er ein ächter Gideon sei? vnd der kein Wasser betrübet? Wenn ich nuhn antwortete, wie Christus dem Hohenpriester: „Du sagst es,“ oder wie Christus zu Pilato: „Redest Du von Dir selbst, oder haben dieß Andere gesagt“, so geschiehe dem Scribenten kaum Recht. Ich will aber anderß antworten und sage:

Ich halte den König in Sweden, für einen großmächtigen Potentaten;

für einen gottseligen, christlichen, Evangelischen König, dem auch seine feinde das Lob geben, daß Ihre Majt. ein devoter vnd andächtiger König vnd Herr sei; Ich halte ihn für einen Kriegserfahrenen König, der nicht newlich erst im Harnisch sich befindet.

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Ich halte Ihre Majt. für einen großmüthigen Helden, der bishero kein Hasen Panier vfgeworfen. Ob sie aber der rechte Gideon sei, das wirdt Gott vnd die Zeit eröffnen.

Vom General Tylli schreibt Caspar Schoppuus also:

Comes de Tylli vir admirandae non minus innocentia et sanctitatis, quoque fortitudinis ac fidei, verusque aetatis nostrae Gideon et rei catholicae propugnaculum.“

Allermaaßen man nuhn sonsten vf beiden Theilen spaltig ist in der Religion, also ist auch gewiß, so wol von weltlichen als geistlichen sachen vnterschiedentliche opinion. Dann wie die Katholische den H. Grafen Tylli für einen rechten Gideon halten, also sein vielleicht viel 1,000 Evangelische die den Köning in Sweden dafür erkennen vnd achten, wie ich dann weiß, daß auch etzliche catholische hohes Standes Personen selbst, den König in Sweden für den Evangelischen Maccabeum und Gideon außgeruffen haben. Daß aber Ihre Majt. kein wasser trüben sag’ und glaube ich nicht. Sie haben manches wasser durchwaten, durchreiten vnd durchfahren müssen; sollte eß so gar ohn alles truben angangen sein? daß glaube ich nicht. Von der Hauptsach sonsten, Ihr König. Maj. und dero Kriegsbefugniß gehöret nicht für mich, sondern für weltliche zue vrtheilen; ich bleibe in terminis des gebets vnd bitte täglich: Gott wolle dem helffen, der seinen des Herrn Krieg führet; Er wolle dem helffen der für Gottes Ehre der für sein volk vnd wahre Kirche, ja der für die allein selig machende gottliche Lehre streite vnd nach geführten und vollbrachten Kriege den lieben hochgewünschten frieden gebe vnd beschere, vmb Christi willen. Dabei laß ich eß verbleiben vnd will den sehen, er sei, weß Standeß, oder religion er sei, der mit fueg, dieses mein Gebet tadeln kann.

Junius. GRIPSWALD hatt sich den 16. Juni per accorde dem Koning in Sweden ergeben. Die Kais.

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sindt mitt Sack vnd Pack, ober vnd unter-gewehr vnd fliegenden fähnlein abgezogen, ihnen auf der todten *) – vnd andere gefolgt worden; ist nunmehr ganz Pommern von der Kais. Soldatesca frei. Hernach haben sie alle ihren rest bekommen, weil sie von dem Reingrafischen zwischen Robel vnd Plaw sollen niedergemacht sein.

Großen Glogow in Silesia ist den 24. Junii durch Verwarlosung deß fewers so in ein malzhause außkommen, mehrere häuser abgebrannt vnd zue aschen worden, ohn 2 Kirchen vnd etwa 15 oder 16 Häuser so bestehen blieben. Das Rathauß, die proviant häuser, Jesuiten vnd Nonnen Kirchen, ist alleß abgebrandt.

Julius. Den 17. Julii. Dom. 6. p. Trinit ist der Swedische Obriste Collenbach mitt 2,000 reutern vnd 500 Dragoner ins Dorf Angern gefallen vnd allda folgende Tillische Obristen: Bernstein mitt 12 Cornet reutern, Holcken mit 5 Cornet Curassierer vnd 5 Cornet Achibusirer, Coronino mitt 10 Cornet Curassierer, Montecuculi mitt 10 Cornet reuter angetroffen vnd dieselben getrennet, 29 Fahnen vnd alle Bagage bekommen, das volk mehrentheilß niedergemacht, Obrist Bernstein ist durchs Hertz geschossen; Montecuculi ist auch geblieben.

September. Am 7. Septemb. ist die große Schlacht zwischen dem Koning zue Sweden vnd Churst. zue Sachsen wider den Tilly, der mit 60,000 man in die Chur Sachsen gefallen, auch Leiptzig schon per accord eingehabt, ein weill bei Leipzig gehalten, darin der Tilly vfs haupt geschlagen vnd die gantze Armee ruiniret worden. Sollen beiderseits mehr denn 20,000 vf der wahlstät geblieben sein. Der Koning hatt die ganze Artolerie deß feindes vnd sonsten einen großen schatz an goldt, perlen vnd andern sachen bekommen, vf Tilly
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*) Das hier stehende und abgekürzte Wort ist unleserlich, es scheint „Provision“ zu sein.

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seiten ist der hertzog von holstein, hertzog Adolf gefangen vnd darnach vom schuß, so er bekommen, gestorben.

Verzeichniß der Stücken, so der Koning bekommen.

1, Drei halbe Carthaunen, mitt dem Kugel Wagen, ao. 627 gegossen.

2, Eine viertheil Carthaune, 12 Pfd., ao. 629 gegossen.
 
3, Vier halbe Carthaunen, mitt pfalzgraf Friderichs wapen vnd nahmen, ao. 1618.

4, Zwei halbe Carthaunen, mitt dem pfaltzischen wapen ohn namen vnd jare.

5, Zwei halbe Carthaunen, so der Baierfürst ao. 618 gießen lassen.

6, Zwo 16pfundige stücken ejusdem Bavari et codem ao,

7
, Eine dreipfundige veldslange mitt der Stadt Brunßwig wapen,

8
, Zwo Steinstücke,

9
, Zwo 16pfundige Stücke mitt H. Fridrich Vlrichs zu B. nahmen vnd wapen ao. 1629 gegossen,

10
, Eine achtpfundige veltslange ejusdem Ducis,

11
, Eine dreipfundige veltlslange mit dem Braunßw. wapen,

12
, Zwo kurze achtpfundige Stücke, dem Walstein zuestendig.

item noch 29 Stücke, sonst churf. Sachsische, so der feindt schon weghabt, hatt der Koning wieder erobert. Noch sindt 4 Stücke gefunden, so der feindt verlauffen vnd dann 2 halbe Carthaunen, so in Leipzig hinterblieben.

Vmb dieselbe Zeit den 13. Septemb. haben die spanische einen Anschlag vf Bergen ob Som gemacht, zue schiff mitt 7 oder 8,000 man, sindt aber heßlich empfangen worden, denn bei 3,000 im stich geblieben, 4,000 gefangen, vber 100 metallene Stücke, samt allen schiffen, daran 3 oder 4 jar zugerüstet, bekommen. Gott sei ewig lob vnd Dank.

Diarium


wieß mitt und nach der Schlacht vor Leipzig zuegangen.

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September. Den 2. Septemb. bricht G. Tilly mitt seiner gantzen Armee vff von Halle, beneben Pappenheimb, Fürstenberg vnd andern Officieren, nachdem er 12 tage in vnd vmb Halle gelegen.

Den 3. Sept. kombt Tilly vor Leiptzig, die drin wehren sich vnd schießen herauß.

Den 4. Septemb. werden alle vorstede abgebrandt vmb sich desto besser zu wehren.

Den 5. Sept. ergibt sich die Stadt Leiptzig mitt accordo vnd geschieht die Conjunctur Sweden vnd Sachsen.

Den 6. Sept. zieht der Koning vf Düben von Wittenberg.

Den 7. Sept. ist die Schlacht vorgangen vnd hatt 3 stunde davor hauptmann Schepelitz daß Castell Pleissenburgk vbergeben, da Er doch noch einen tag bedenk Zeit gehabt.

Den 10. Sept. vmb 5 vhren kam der Koning in Halle, der Rath zog ihme entgegen vnd empfing ihn mitt einer ovation, darauff ihr Majt. gesagt: „Die Wort waren gut, wens Hertz also were.“

Den 11. Septemb. ließ ihr Majt. eine Predigt thun im Thumb zue Halle vnd Gott danken vor erhaltener Victorie. Nachmittags ergab sich das Schloß, Capitain Dolphin wurde pardonniret, der Oberhauptmann Winkelmann in arrest genohmen.

Den 13. Septemb. ergaben sich die Kaisersche in Leiptzig. Der Obr: Wangeler zog ab mit etzlichen volke, mußte schweren neben seinen Officieren, gegen Sweden Sachsen vnd Adhaerenten nicht zue dienen sein lebetage vnd Gen: Commissarius Walmerod idt neben dem Coronini vnd anderen mehrern gefangen.

Den 17. Septemb. ist der Konig vmb 12 vhre vfgebrochen nacher Querfurt, bliebe vber nacht zue Passendorff.

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Den 22. Septemb. ist der Konig zue Erfurtt angelanget und hat die Stadt den 24. Sept. daß juramm. fidelitatis abgelegt, auch die Cyriacksburgk vbergeben müßen.

Darnach ist der Konig vbern Thüringer Wald gezogen mitt seiner Armee, welches 3 ganze Tage gewehret.

October. Den 2. Oct. ist der Konig mitt 18 Cornet Reuter zue Sweinfurt angelanget.

Den 4. Octb. hat Er Kitzing eingenohmen.

Den 5. Octb. hatt sich Wirtzburgk ergeben vnd gibt für die Plünderung dem Koning 3 Tonnen goldes.

Den 9. Octb. ist Koningshofen auch vbergangen vnd dem Koning vfgeben worden.

Den 11. Octb. hatt der Koning DASZ SCHLOSZ zue Wirtzburgk mit sturmender Handt einbekommen vnd bei 1,000 daruf niedermachen lassen; der Konigschen sindt bei 400 geblieben. Von dem großen Schatz ist nicht zu sagen, so darvf gewesen; 4,000 Curassier harnisch, 400 Centner Pulver vnd bei 80 stücke geschütz darvf bekommen. Zwei Jesuiten haben sich vom Schloß in den graben gestürtzet, auch einer sich mit Schießen auß groben stücken gewaltig gewehret vnd den Soldaten biß vf den letzten man sich zue wehren, zugesprochen. Die Kon. Reuter streiften weit vber Rotenburgk hinvff. Der Bavarus lesset sein gantzes Landt uffbieten.

November. 11. Novemb. ist Prag, nachdem sie vor 11 Jaren vom Baiern und Tilly eingenohmen von Chur Sachsen eingenohmen.

17. Novemb. hatt der Koning per accorde Frankfurt einbekommen.

Mansfelt hat sich per accorde dem Swedischen Obristen ergeben 29. Novbr.

December. Den 29. Novb. ist Tilly von Nurenberg wieder abgezogen mitt schlechtem seinen contante.

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Maintz hat sich auch dem Koning in Sweden ergeben. (11. Decb.)

8. Dec. hatt der Rhatt vnd die Bürgerschaft zue Frankfurt dem Koning schweren müssen, so lang der Religions Krieg währt ihme getrew zue bleiben.

Den 9. Decb. hatt der Koning in Sweden Gustavus Adolphus daß 37 Jahr seines alterß erreichet, cui vita et felicitas.

Vfm Ligischen Convent zue Ingolstatt hatt die liga an Chur Baiern rechnung begeret, wohin die contribution gewendet worden.

Den 19. Dec. ist Sigismundus Wilhelmus, Markgr. zue Brandenburgk, Admin. zur Magdeburgk gefangen nach Wien gebracht, soll nach der Newstatt geführet werden.

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Anno 1632.

Janarius. Der Berg Soma (mons Vesuvius), 12 welsche Meilen von Neapolis hatt sich vfgethan, darauß fewer vnd großer rauch durchs Aschenfelt gehet.

Auß Westindien hatt man, daß die Hauptstatt Mexico im wasser ganz vntergangen sei, welcher schade af 20 Millionen taxiret wirdt.

Bei Schwabisch Halle liegt ein Kloster, heißt Campen drin ein großer Stein gefunden, worvf mitt großen alten Buchstaben geschrieben gestanden: Gustavus Adolphus, Lutheranus, Imperator.

Manheim ist auch vom Sweden erobert vnd der Obriste Ammoille daselbst gefangen. Item haben sich Gemersheim, Kron-Weissenburgk, Speier und andere Oerter ergeben.

Magdeburgk haben die Kaisersche gar quitiret. Schorendorff in Wirtenberg haben die Tillysche auch quitiret (den 7. Febr.)

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Februarius. Goslar ist vom Hertzog zue Weimar per accordo eingenohmen.

Bamberg vom Sweden eingenohmen.

Göttingen hatt sich auch den Sweden ergeben, den 21. Febr., oder vielmehr der Obr: Bannier hats mitt stürmender Handt erobert vnd darin 2 Compagnien zue pferde vnd 3 Compagnien zue Fuß niedergehawet.

Creutzenach von Koning zue Sweden eingenohmen mit den Sturm, daß Schloß mitt accord.

Zu Cöln ist der Obr: von der Nahen (?), Freiherr Johan von Tyrmondt (?), so in Rostock gelegen, vom Obr: Offenbach vorm Jesuiten Collegio erschossen vnd der Thäter davon gewischet.

Martius. Tilly ist wieder vf Altorf, 3 meilen von Nürnberg, mitt seiner Armada ankommen. Man kann sich in seine marche nicht richten. Den 2. Martii st. n. ist er unversehens vf Bamberg kommen, ist in die vorstatt kommen, ehe in der Stadt lermen worden. Die Sweden haben fast die gantze Nacht mit ihme scharmutziret, biß mitternachts der veltmarschalk Horn, das veltgeschütz, pagagi vnd anderes zue wasser vnd zu Lande auß Bamberg geführet. Tilly ist an 24,000 Mann stark gewesen; das Solmische vnd Muffel Regiment hatt ihn in die 9 stunden mitt scharmutziren vfgehalten. Eß sindt beiderseits bei 400 geblieben; vf Tylli seiten ist der Graf von Sultz vnd der Crabaten Obrist Lieutenant geblieben.

Vom 10. Martii. Tilly hatt Bamberg wieder verlassen und hatt der veltmarschalk Horn die Tillischen wieder in ihren Quartieren vberfallen vnd 2 Regiment zue roß, (daß Merodische vnd Plankhartische) geschlagen vnd 6 Cornet erobert.

Der Konig eilet mitt vielem Volk dem Tylli nach. Den 5 Martii hatt Er zue Steinaw gelegen vnd zue Aschaffenburgk den Renevoß angestellet; hatt 37 regi-

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menter zue fuß vnd 7 Regiment zue pferde bei sich. Rusteberg vfm Eichsfeldt hatt sich dem Hessen (ergeben); ist ein vester ortt vnd ist aller alda gefundene vorratt nach Kassel geführet.

Der Bischoff von Bamberg hatt sich nach Fillach in Kerndten in seine eigen Heerschaft davon gemacht.

Bransfels das veste Hauß hatt accocdirt vnd ziehen die Spanische mitt sack und Pack abe; Statt vnd Landt haben G. Moritz vnd Hinrich von Nassow, gebrüderen, gehuldiget vnd die Jesuiten vortgeschickt.

20. Martii. Tilly hat Bamberg verlassen vnd Forcheim mitt wenigen Landvolk besetzet, nimbt den weg nach der oberen pfalz da er herkommen; nimbt alles mitt was Er antrifft, schont auch der Kirchen nicht, vormeinet den Thonow Strom gegen den Konig zu bewahren. Der Koning ist schon zue Swienfurtt, Kitzingen, Wirtzheim vnd Newstadt an der Aisch ankommen.

Der Tilly marchirt immer vor vf Baiern zue, will nicht standt halten. Bamberg hat Er gar verlassen, aber in Forchemb hat Er noch besatzung.

Von Cadis hatt man, daß von nova Spannia von 30 Schiffen nur 2 ankommen, die vbrigen zerstreuet vnd zue grunde gangen. Es ist auch zwischen Lima vnd Panama 1 Schiff geblieben, so 200 Silber Platten, jede zue 2,000 Pfd. schwer vf gehabt, geblieben.

Goa in Ost Indien ist mit hülfe der Hollander, von selben volkern, den Spanischen abgenohmen, da denn also mügen die Spanier Ost Indien valediciren. Der Schade der Silberflott in India wirdt vf 10 Millionen geschätzet.

Den 24. Martii ist der Koning mitt seiner Armee vmb Dillingen ankommen.

Donawerth, nachdem sie sich einen ganzen Tag vnd halbe nacht sehr geweret, ist vom Koning mit dem Sturm erobert vnd die Stadt gantz spolieret vnd die meiste Besatzung erschlagen.

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Aprilis. Weil G. Tylli dem Koning nirgend standt halten wollen, ist der Koning endlich 6. April bei Rain am Lech vber gesetzt, dem Tylli vnd Bairfürsten sein Lager angegriffen und also bald in die Flucht gebracht vnd vber 8,000 in der Flucht niedergemacht worden. Tylli selbst ist beim Gemächte hartt getroffen. Altringer tödlich durch den Kopf geschossen, der von Merode ganz geblieben. Der Koning hatt alleß waß im Lager gewest bekommen. Augspurg hatt sich den 10. April an Kön. Majt. in Sweden auch ergeben; die Bai. Besatzung, 17 fehnlein zue fuß vnd 7 Cornet ist abgezogen mitt fliegenden fahnen nach Landeßberg.

Tylli ist zue Ingolstadt von dem empfangen Schuß gestorben.

Memmingen, Leutkirch, Ravensperg vnd Biberach sindt auch vom Sweden eingenohmen.

Eß wardt der große schade der spanischen Silberflota continuiret vnd daß die tempeta in Indien so groß gewest, daß kein mensch gedenket, habe ganze Berge vnd Seheflecken ruinirt.
 

RELATION VON DER SCHLACHT BEI RAIN AM LECH

Eß wird von hohen Officieren, so den 6.-16. April zue Rain personlich bei dem Trefen gewesen, außgesagt, daß der Koning durch Gottes sonderbare Gnade, eine vberauß große vnd wider die naturliche, auch Krieges ration, eine herrliche victoriam gegen dem Bavaro vnd Tilly erhalten, dem der Baierfürst in einem solchen vortheil gelegen vnd einen wald zum besten gehabt, daß wenn eß Gott nicht sonderlich geschickt hette, der Swede, wenn Er schon mitt 100,000 man ankommen, sie nicht darauß bringen können, daß der Tylli soll gesagt haben: „Gott, das Wetter, Luft vnd Sterne favorisiren alles dem Sweden, der für ihnen nicht sein könnte, deß gebe der Nebel Zeugniß, so am morgen wie der anfall geschehen,

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gewesen, denn sie nicht gewußt, wo der Swede ansetzen werde.“ Sobald Tylli geschossen, hatt Er gerathen sich zu reteriren. Da ists an ein gelauf gegangen, das Landtvolk die gewehr von sich geworfen vnd gelaufen waß sie gekonnt. Es hatt das continuirliche schießen ein solch Donner und Krachen in dem erwehnten Holz oder Wald gemacht, alß wenn viel Holzhawer zugleich darin arbeiteten vnd die Beume fälleten, allso daß baiersche Volk, weil sie so woll wegen heftigen Schießens, in dem ihnen die Stück in fronte und flanco heftig zugesetzt, anch von fallenden Beumen vnd Ästen großen schaden empfangen, sich mitt verwunderung aus ihrem so großen vortheil, worauß der Koning, wie schon gedacht, menschlicher vernunft nach, sie mit 100,000 man nicht bringen mögen, begeben, die flucht genohmen vnd hin vnd wieder zerstrewet worden. Tylli, welcher mitt einer 3-pfundigen Kugel getroffen, hatt sein Retirade vf Newburgk genohmen; Altringer tödlich am Kopf verwundet. Eß hatt der almechtige Gott demnach dem so tapfern christlichen mitternächtigen Königshelden abermals einen solchen großen Sieg, als es im feld geschehen kann, verliehen. Dieseß verursachet unter den papisten große perplexität. Laus, gloria & honor soli Deo vivo & vero in sempiternum!

Der Koning lasset durch Johanem Bauidium, Bischoffen zu Lincopen in Sweden vnd Ostgothen, so von hoher erudition vnd vornehmen qualitäten, daß religion wesen im Stift Magdeburgk vnd Halberstadt wieder erigiren; hatt auch dem Statthalter zue Wirzburgk befohlen, auß dem gantzen Herzogthumb Franken den papistischen Sauerteig außzuefegen, wozu der vornehme Theologe D. Christophorus Schleiferus berufen worden. Der große Erzbischof vuserer Seelen, wolle solchs christliches werk, vnd hiedurch seines heiligen nahmens ehre vnd vieler tausendt blinden menschen heill gnediglich befordern!

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Jurtum Civitatis Augustanae
   

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Regi Sueciae

pstitum

„Wir B. pp. geloben vnd schwören, daß wird dem allerdurchl. großmächtigsten fürsten vnd herrn, herrn Gustaff Adolfen der Sweden, Gothen vnd Wenden Koning vnd der Kron Sweden, getrew, hold vnd gehorsamb sein, dero Bestes suchen vnd allen schaden eußerster müglichkeit abwenden, auch alles das thun wollen, waß getrewe Vnderthanen, ihrem naturlichen herrn zue thun oblieget, trewlich und ohn gefehrde; So war vnß Gott helfe zue Seele und leib.“

Zu Constantinopel ist von den Janitscharen, weil der Soldan den Vezier, so General contra Persien gewest, enthaupten lassen, eine große rebellion erreget, haben den Schatzmeister vmbgebracht vnd weiss man nicht, ob der Soldan lebendig oder todt sei; andere meinen, Er hab sich nach Adrianopel salviret vnd wollen die Janitscharen seinen bruder vfwerfen vnd gehe zue Constantinopel alles vber vnd vber wegen der Janitscharen hochmuth, so sie gegen menniglich ohn Vnterscheidt vben.

Ingolstadt ist vom Koning blocquirt, alda ist den 20. April deß Konings pferdt vnter ihme vnd Marcgraf Christof von Baden Durlach nebenst ihme erschossen, wogegen die Sweden eine Schanze eingenohmen darin eine fahne Tyllische niedergehawen, der Capitain gefangen, welcher bestestigt, daß Tylli, freitags Ms. den 20. April gestorben.

Landtsberg, Kaufbeuren, Kempten, Mundelheim, Wasserhorn, Kirchberg, Ravensburgk, Biberach hatt sich alles dem Sweden ergeben vnd ist der Pass bis an Lindow besetzet.

Zue Memmingen sindt die Jesuiten außgeschaffet.

Majus. Den 23. April ist durch den Obr. Horneg den Spaniern die Stadt Spaa vfgegeben, vngeachtet der entsatz nahe gewesen. Der Lottringer hatt sich dem

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Franzosen erkleret, eß gehe ihme wie eß wolle, bei der liga zue halten.

DESCRIPTIO BAVARIAE.
 

25 Städte, mitt maueren vmbfangen, 94 marktflecken, 8 Stifter, 75 Kloster, ohn die Bettelorden, 720 Schlosser vnd herrn Sitz, 4700 Dörfer, 2874 Kirchen vfm Lande, 4130 Einöden, 5 Schifreiche wasser, 160 Sehe, 65 wasser, so alle nahmen haben, 220 Kleine wasser ohne nahmen, 350 Teiche, 240 große geburge, 263 große walde.

7. Mai auß Venedig.

Die Venediger haben sich erkleret, sich nicht in die liga zwischen Kais. vnd Kon. Majt. in Spanien einzuelassen, noch volk zue vnterhalten. Die Italienische fursten vnd herrschaften sindt dem hauß Östereich schlecht affectionirt, sonderlich wegen deß vnschuldigen Mantua’s das Er so jemmerlich ruiniret. Zue Mantua wäre der Kais. Ambassador vom populo erschlagen worden, wo ihme der herzog nicht geschützet hette; ist ihme anstatt deß begerten Succurss der Stadt jammerlich ruin, so die Kaiserl. vervbet, gewiesen worden, dem Kaiser zue referiren.

Auß Breßlaw den 6. Mai wirdt vor gewiß avisiret, daß der alte Koning von Pohlen gewiß todeß vorfahren, den 29. April nachts inter 2 & 3 horas Warsoviae.

Landeshut vnd Freisingen vom Sweden eingenohmen.

Den 13. Maji ist der Koning zue München eingeritten; gibt für die Plünderung 400,000 Thaler; haben die Schlüssel biß an Freisingen ihme entgegen getragen. Freisingen gibt 20,000 vnd Landeshut 100,000 Rthl. für die Plünderung. Eß sindt fast in 700 Dorfer in Baiern in Brandt gestecket, weil die Bawern mitt den Soldaten so vnbarmherzig vmbgangen vnd ihnen Nasen vnd Ohren abgesnitten, anch theilß die augen außgestochen. Im zeughauß hatt man 110 stücke vnd in

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50 doppel vnd ganze Karthaunen gefunden, darunter 12 doppelte, so die Apostel genandt.

Wasserburgk, ein Pass vf Salzburg hatt auch accordiret.

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PAPAE RESPONSUM LEGATO CAESARIS,
CARDINALI STRIGONIENSI DATUM.

Wie dieser den Bapst zur liga mitt dem hauß Österreich bereden wollen, dahero daß der Swede vber 200,000 guter Soldaten zue seinen willen hette vnd da Er den Kaiser in Teutschland wurde vnter sich gebracht haben, Er sich mitt der Zeit gar zum herrn der gantzen welt würde machen, hatt der pabst geantwortet:

„Da ferne dan keiner ist, der diesen Strom auffhalt, was können dan wir thun, alß vns der gottlichen providentz zue accommodiren, vnd dem belieben oder bisposition, dieses newen Julii Caesaris vns zue vnterwerffen? denn sein glück ist wunderbar vnd mitt solchen moralischen vnd heroischen tugenden comitiret, daß kein Obstaculum in der welt, daß ihne könne vfhalten.“

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Ein Lied.
1.

Durch Tilli fall ist gantz verderbet
Das gantz ligistisch wesen,
Solch gifft ist vf den Kaiser geerbet,
Daß Er nimmer kann genesen,
Weil niemandt ist
Der zue dieser frist
Den Schaden wieder brechte
Darin die Schlacht
Bei Leiptzig bracht
Das ganze pfaffen geschlechte.
 

2.

Weill der Jesuiten Schlemp hat gebracht
Den Kaiser zum Abfalle

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Von Reichsgesetzen, die er veracht,
Die Evangelische alle
Zu bringen in todt,
So war ihnen Not,
Daß Gott vns sollte geben
Auß Mitternacht
Durchs Sweden macht
Gotteß wort, freiheit vnd Leben.
 

3.

Wie nuhn durch fremdes joch vnser Landt
Der Kaiser vnterdrücket,
Also hatt Gott durch fremde handt
Ihme den Kompaß verrücket,
Vnd wie wir alle
Durch fridrichs fall
Der Freiheit abgestorben,
Also hatt Gott
Durch Tylli todt
Ernewert, daß was verdorben.

4.

So Er vnß dann von mitternacht
Einen Patronen erwecket,
Der vnß zue gutt kein gefahr einacht,
Sein leben selbst darstrecket,
Durch den wir sein
Gemachet rein
Von dem geschmierten hauffen,
Wer wollte dann
Gleich strackes
Sporensteichs
Dem Sweden nicht zuelauffen.

5.

Er ist der hocherhabene heldt
Nach Gottes weisen willen,
Von ewigkeit dazu erwehlt

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DDen Antichrist zue stillen,
Zue sein ein schutz
Dem papst zue Trutz
Allen bedrengten Christen
Darumb wirdt bald
Kein Macht noch gewalt
Den Antichrist mehr fristen.

6.

Der mensch ist gottloß vnd verflucht,
Lasst euch nicht anderß bereden,
Der hülff beim Pabst vnd Kaiser sucht
Vnd nicht nach Gott, beim Sweden,
Denn wer ihm will
Ein ander Ziel
Nach Gott ohn Sweden stecken,
Dem wirdt gar baldt
Die Spannische gewalt
Mitt ihrer list erschrecken.

7.

Wer hofft in Gott vnd Sweden trawet,
Der wirdt nimmer zue schanden,
Vnd wer vf diesen felsen bawet,
Bleibt woll bei seinen landen
Sicher, verlacht
Die Spanische Macht,
Pabstes Bann vnd Kaisers achte
Hast Schwedisch huld,
Hab nur gedult,
Den Pabst keines hellerß achte.

8.

Ich bitte o herr auß hertzen grundt
Wollet glück vnd sieg verleihen
Dem Konig in Schweden zue aller stundt,
Sein’ anschlag lass gedeihen,

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Mit heldenmuth
Vns komm zue gut
Dein gesalbter, lieber herre,
Weil Er sich fest
Vf dich verlesst,
Seine feind vor ihme zerstöre.

9.

Weill Er allein dein heiliges wort
Begeret fort zue pflantzen
Und hält Dich für seinen höchsten hort,
Lobt dich in seinen Schantzen,
In seinem gebet,
In Schlachten, im felt,
So segne seine thaten,
Regier’ sein’ muth
Vnd waß Er thut,
Lass du here woll gerathen!

10.

Wo ist wol der, rath’, Kaiser, rath’!
Der dieß liedt hatt erdichtet?
Er ist der, so mitt wort vnd that
Sich gentzlich hatt verpflichtet,
Swedisch zue sein,
Vnd hasset Dein
Falsch Spanisch finceriren
Bittet Gott, dass Bald
Swedische Gewalt
In Swaben möge floriren.

5.

W

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Junius. Antorf. Den II. Junii sind G. Wilhelm von Nassow vnd Morgan mitt ihrer flota die Schelde hinvf gesegelt, haben die Creutzschantze (alda sie die entsatzung auß Flandern kommend vnter Don Carolo de Columna, auß 1 Regiment Spanier, 2 Reg. Italianer, 6 Compagnien pferdte zuerück geschlagen, mitt verlust 600 Man vnd 4 Capitaines), die Schantz S. Jacob vnd die Philips Schantz erobert.

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Den 4. Junii hatt Venlo Printz Hinrich Fridrich mit accord ergeben.

Den 13. Junii ist der Printz mitt dem lager vor Mastricht kommen vnd ist belagert, wird sich kaum 2 Monat halten. Der Hertzog von Arschot vnd andere, in der Zhal neun oder zehen Herrn, haben zue Luyk bei Graf Hinrich von Bergen ihren Dienst dem Spanier vfgekündigt, malcontent wegen der Spanischen regierung

Augustus. Den 17. Aug. hatt Pappenheimb deß Prinzen von Oranien lager vor Mastricht in großer furor angefallen, hatt zwei Stürme dafür, neben 2,000 Man vnd vber 33 Obristen vnd Officiere die verloren, hatt mitt schaden müssen abziehen.

Den 21. Aug. hatt sich Mastricht dem Printz ergeben nach eilff wochen belagerung, in Angesicht beider Armeen, so wol deß Kaisers alß Könings von Spanien. Laus Deo!

Im Dorff Kienblad im Stift Wirtzburgk, wie ein Kais. Soldat mitt eines bauern Tochter zue grob scherzen wollen, ist Er von ihr vnd andern Weibern vbermeistert, castriret vnd in ein Teich erseufft worden.

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NOMINA MALECONTENTORUM, VEL HISPANO
REBELLANTIUM IN PROVINCIIS BELGICIS.

1. Henricus de Berge Comes, 2. Herman de Berge Comes, 3. Dux de Arschot, 4. Comes Walsise, 5. Comes de Barbonson, 6. Comes de Rochefort, 7. Comes de Styrum, 8. Comes Egmondanus, 9. Princeps de Espinoi.

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REGIS SUECIAE INVECTIVA IN DUCES & MILITES
SUOS OB CONTEMPTAM DISCIPLINAM *)

„Ihr Fürsten, Graffen, Herrn vnd Edelleute, ihr seidt diejenigen, die ihr vntrew an ewren vaterlande
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*) Mit Weglassen des Titels des Königes, des Ortes von wo aus diese Proclamation erlassen (Nürnberg) und des Datums vom Verfasser des Diarii, abgeschrieben nach einem gedruckten Exemplare (1/2 Bogen) noch vorhanden in 4to unter den Collectaneen des Vf.

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beweiset; ihr Obristen vnd Officiere, vom högsten biß vf den niedrigsten, ihr seidt diejenige die ihr stelt vnd raubet bei ewren glaubensgenossen; ihr gebet mir vrsach, daß ich einen ekel an euch habe vnd Gott, mein Schöpfer sei Zeuge, daß mir das herz im Leibe gellet, wenn ich nur einen ansehe, daßß ihr der guten gesetze vnd meiner Gebot verbrecher seidt vnd vrsach gebet, dass man offentlich saget: „Der Konig Vnser freundt, machts ärger vnd thuet vns mehr schaden, alß der feindt.“ Ihr hettet, wo ihr rechte Christen wäret, zue bedenken, was ich an vnd bei euch thue, wie ich meinen Kon. Leib vnd leben, für euch vnd ewre freiheit deß zeitlichen vnd ewigen guts spendire. Ich habe meine Krone ewrenthalben ihres schatzes entbloßet vnd in die 40 Tonnen goldeß vfgewendet; ich habe von euch vnd ewren Teutschen reich nicht bekommen, daß ich mir ein par hosen machen lassen könnte, den ich habe euch alleß geben, was mir Gott in meine handt gegeben hat; ich habe nicht einen Sawstall behalten, den ich nicht vnter euch getheilet habe. Keiner vnter euch hatt mich jemalß worvmb angesprochen, daß ich ihme nicht gegeben, den mein brauch ist es, keinem seine bitte fhel schlagen zue lassen. Wo ihr meine ordnung in acht genohmen, wollte ich daß gantze Baierlandt ordentlich außgetheilet haben, wie auch gleichfalß gantz Franken. Ich bin reich genug; ich begere von euch nichts. Vnd wan ihr auch gottes vergessen, oder gantz von mir setzen wollet, vnd gleich zue entlaufen gedechtet, So soll die gantze Christenheit erfahren, daß ich mein leben vnd mich alß ein christlicher Koning, der den befhel Gottes außrichtet, vf den platz lassen will. Da ihr wollet rebelliren, So will ich mich
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dieses Tagebuches. Aus einer im Lager bei Nürnberg durch den König gehaltenen Rede wird der Inhalt, unter Berufen auf Loccenii Hist. Succ. tit. VIX. p. 599 angeführet: in lmm. Weber Diss. Gustavus Adolphus etcet. Germanicae libertatis vindex Francofurti 1703 pag. 78.

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zuvorn mitt euch hervmb hawen, daß die Stücke von vnß fliehen sollen. Ich bitte euch vmb die barnherzigkeit Gottes, gehet doch in ewer gewissen, wie ihr haußhaltet vnd wie ihr mich betrübet, so weit daß mir die trenen in den augen stehen. Ihr handelt vbel an mir wegen vbeler disciplin, nicht aber wegen ewres fechtens, den hierzu habt ihr gehandelt alß redtliche Cavalliri vnd dafür ich euch viel obligiret bin. Bitt euch nochmalß, gehet mitt euch alle zue rath vnd in ewer gewissen, wie ihr rechenschafft für Gott geben wollet. Mir ist so wehe bei euch, daß ich in meinem Konigreich viel lieber die Sew (Säue) hüten, dan mitt einer solchen verkehrten Nation vmbgehen wollte. Nehmet Eß zue Herzen waß ich mit euch rede, morgen oder vbermorgen wollen wir sehen lassen an vnsern feindt, wie redlich ein Cavallier ist!“ –

September. Daß Kais. Volk, bei 20,000 stark ist bei der Steinaw in Schlesien vom Obristen Dubald vnd den Sachs. vnd Brandenb. ganz ruinirt vnd in die flucht geschlagen, die Stadt abgebrandt vnd die Schantz eingenohmen worden.

Den 25. Septemb. ist die Papenheimische Armee vor hildeßheimb kommen; den 29. Sept. hatt sie sich ergeben, weil kein entsatz zue hoffen, auch kein volk darin gewesen; gibt 200,000 thaler für die Plünderung; wirdt ihme aber nicht gehalten, sondern werden alle deß ihrigen beraubet; haben dem Cöln vfs new huldigen müssen; werden ihnen auch ihre Kirchen genohmen. Gott stehe ihnen bei, vnd helffe ihnen in ihrer noth! –

Den 13. Sept. ist Leopoldus Austriacus zu Schwatz Todeß verblichen.

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CONDITIONES HILDEBURGENSIBUS
PROPOSITAE A PAPENHEIMIANIS.

1. Sch. Moritzburg mit dem Kloster vnd Capell vor hildeßheimb wieder zu bawen.

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2. Steuerwald vf ihre Kosten wieder vfzubawen vnd mit munition, wie sie vorhin gewesen zu vorsehen.

3. Die halben Kriegskosten also bald zu zhalen.

4. Den Jesuiten, geistlichen Ordenßleuten vnd Juden, ihren schaden zue recompensiren.

5. Die 40,000 Thal., welche die Geistlichen der Swedischen Armada geben müssen, zu bezhalen vnd den Dombherrn wegen abgang ihrer redituum vnd Zugefugnisse, schimpfs vnd despects erstattung zue thun.

6. 200,000 Thaler vor die Plünderung zue geben.

7. 1,300 Soldaten zue fueß einzunehmen, (welche darnach vf 4 oder 5,000 gekommen).

October. Vladislavus primogenitus Regis Sigismundi ist zum Konig in Polen, unanimi consensu ejusdem ordinum erwehlet worden.

November. Den 6. November hatt der Koning in Sweden eine herrliche Victorie wider den Walstein, Imperatoris Generalem, zwischen Weissenfelß vnd Leiptzig in Misnia erhalten, da fast 16,000 Man beiderseits vfm Platz geblieben. Der Konig ist früe morgens vmb 9 Uhr mitt 3 Kugeln geschossen, daß Er stracks blieben vnd vnter den Todten gefunden worden. Der feindt hatt 25 stücke vnd alle pagagie im stich gelassen. Ist stark gewesen 34,000 Man, dagegen der Konig nicht vber 18,000 Man gehabt. Wie Walstein schon vf der flucht gewesen ist der Papenheimb mitt den seinigen mitt solcher furie angesetzet, alß ob Er teuffel vnd hölle gar stürmen wollen; Er ist aber für seine person mitt einem falconet gewillkomet, daß Er sitzen blieben; seine völker sindt auch dermaßen empfangen vnd begrüßet, daß sie nicht so viel Platz vnd raum, wohin sie alle fliehen wollen, einer vor dem andern finden können. Der feindt hatt sich vf Leiptzig, Altenburgk vnd gar vf Bohemen retiriret, welchem tapfer nachgesetzt vnd vnterschiedentliche Partien geschlagen worden. Gott helfe ferner mitt gnaden!

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Papenheimb hatt ihnen dieß vorher propheceiet, da Er zue hildeßheimb vber der taffel diese worte geredet:

„Er hette dem Niedersächsischen Kreiß eine Zeit hero viel Knipken geben, Er fürchte, der Konig in Sweden würde ihme gute Ohrfeigen wieder geben;“ praesagirte hoc ipsi mala sua conscientia, ita evenit.

RELATIO DE OBITU INVICTI HEROIS GUSTAVI
ADOLPHI, REGIS SUECORUM ET PARTA PER EJUS
MILITES SPLENDISSIMA VICTORIA CONTRA
WALSTEINIUM & PAPENHEIMIUM PROPE
LUTZEN IN MISNIA 6. NOV. A. C. 1632.

Nachdem der Fridlender den 26. Oct. von vnser Reuterey zue Eulenberg in großer Confusion wieder vber deme Pass getrieben, hatt Er erfahren, dass der Koning zue Naumburgk angelangett, dahero Er alsobald mitt allem volk vf Leiptzig gerücket, vnd wie der Koning mitt seinen bei sich habenden 18,000 Man immer fort näher Leiptzig sich gemacht, vnd der feindt solchs erfaren, ist er den 5. Nov. dem Koning mit 34,000 Man biss näher Lützen vnde Weißenfels entgegen gezogen, vnd hinter dreyen Graben, die sie vfgeworfen, die nacht in Bataglia gehalten biß morgens früe vmb 7 Vhr; Da der Koning immer näher gerücket vnd mechtig mit stücken vf sie gespielet, dass sie den ersten graben verlassen vnd in den andern sich reteriren müssen. Weiln aber der Koning so hefftig vf sie getrungen, haben sie nicht ohn verlust vieles volkes an beiden seiten die graben quitiren vnd sich in eine offentliche Bataglia stellen müssen, da dann das Treffen erst angangen. Vnd weill der Koning gar zue furios hineingesetzt vnd sechs Obr. Leutenant von des feindeß Trouppen mitt dem degen erstochen, ist er durch den linken arm geschossen, dass der Knoche fast abgekommen, dahero er den Zuegel schießen vnd fallen lassen, auch daß mutige pferdt nicht mehr halten können, welchs zur seiten außgangen. Wie

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solchs deß Konings Stalmeister einer von der Schulenborgk vnd behertzter Cavallier siehet, eilet er mitt 13 oder 14 pferdten zum Konige vnd bittet, er müge à part kommen, nimbt den Zügel deß pferdes in die handt vnd reiten fort. Indem trifft ein gantz regiment Courassier an dieselbe, worvnter einer herfürreitet, der Ihr Ko. Mayt. gekannt, zue ihm eilet vnd setzett ihm die pistole an die rechten seiten vnd gibt feur, dass auch der Koning alsobald hervnter sinckett. Wie der Stalmeister daß sihet, setzet er seine pistole demselben vnter daß Bruststück vnd gibt ihm den rest wieder. Wie sie aber zue starck treffen, muss er den Koning verlassen vnd sich reteriren, da der Konig noch 4 schuss vnd einen stich bekommen. Ist auch lang vnter den feindt gewesen, biß er vfs hembd außgetzogen.

Der Stallmeister aber nimmt also bald ein Regiment Reuter, schlegt den feind zurücke vnd bekombt den Konig wieder, lesset ihn also bald vf einen Munitionwagen legen vnd bedecken, daß eß vnter der Armee nitt erschallen, vnd wan nachfrage kommen, wor der Konig, hatt Er bald an dießem, bald an jenem ortt gewiesen vnd gesagt, das der Konig befholen, sie solten jeder an seinen ortt redtlich fechten, biß der feindt entweder erlegt, oder sie alle todt, vnd dahero so nahe vf vnd an den feindt getrungen daß sie allererst, da sie nur 5 schritt mehr von einander gewesen, fewer gegeben. Dieses hatt gewehret von 3 Vhr früe biß 8 Vhr zue Abendß, daß keiner mehr hatt sehn können, vnd ist kein augenblick vom schießen still geworden. Vnd weill der feindt fast noch einmall so starck alß der Konig gewesen, hatt er sein volk besser secundiren können vnd sind die Vnsern darüber sehr abgemattet worden, doch haben sie daß alleß nicht geachtet. Es sindt Regimenter die 10, 12 mall getroffen, vera sunt quae dico. Deß Konigs leibregiment hatt funfzehn mall getroffn, dahero eß auch kaum noch hundertt vnd etzliche man starck.

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Weil eß aber nacht worden, ist der feindt auß dem felde gewichen vnd hatt 40 stück geschütz mitt aller munition vorlassen, vnd sich vf Leiptzig reiteriren müssen, vnd weren nuhr 1,000 frische pferde gewesen, die nachsetzen können, hetten sie die gantze Armada erlegt. Deß feindeß Reuterey ist bald im anfang außgerissen vnd geflogen.

Indem kombt der Papenheimb, der sonsten mitt 4 Regimentern zue fuß vnd zwey zue pferdte nach Westphalen commandirett, von Halle wieder zuerück, vermeint auch die außreissende Reuter wieder in ordnung vnd zum Stande zue bringen. wie aber solchs vnmöglich, setzett Er in großer Furi vf deß Konings eintzige regiment, da Er alsobald im anfang geblieben vnd 15 schusse bekommen. Wie seine Reuterey daß sihet, gibt sie auch die flucht vnd werden meistentheilß niedergehawen vnd bleiben also fast in einer Stunde die beiden groseßten helden die itzo die welt gehabt. Der Konig ist zue Naumburgk vnd Papenheimb zue Leiptzig balsamirett worden. Sobald papenheimb todt, ist deß feindeß gantzes Volk verzaget worden. Der feindt hatt vber 10,000 man vf der walstatt vnd der Koning 4,000 man gelassen. Weil der feindt aber mehr frischer Soldaten alß die Vnsrigen gehabt, alß haben sie von den Vnsrigen 14 oder 15 Fendlein“ (Fähnlein) auch etzliche Cornet bekommen vnd die Konigliche vom feind derselben nicht so viel, auß oberwehnten vfsachen. Der Konig hatt kein wapen anziehen wollen vnd wie Er hochlich darumb gebethen, hatt er geantwortet: „Ach lieben leute, ach lieben leute, waß krenket Ihr mich doch mitt den waffen, der ich gar zue schwer fellig. Ich bezeuge vor Gott, daß ich vor seine ehre, seine liebe tewr erkauffte gemeine vnd vnsere religion fechte; hatt mir nuhn Gott mein ende itzo gesetzett, welches ich fast vermuthe, so wirdt kein waffen helfen, wo nicht, wirdt Er mich woll behueten.“ Wie er auch von dero Gemahlin abscheid genohmen,

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haben sie bitterlich geweinet, daß sonsten niemalen einer gesehen.

Eine Zeitt hero sindt des Konings aller beste pferde niedergefallen, haben 3, 4 Tage gestanden, weder gefressen noch gesoffen, nur den Kopf vnter die Krippe gehengt, alß gleichsamb des tewren vnd werthen heldenß todt betrawrend, vnd hingefallen, vnde sagt der Stalmeister Er habe sie alle vffschneiden vnd gleichsamb anatomiren lassen, habe aber an keinem daß allergeringste zum tode gefunden.

Wie die Schlacht angehe sollen, ist deß Konings beste pferdt zweymall mitt ihm gestrauchelt, daß es niemalß gethan, da hero der Konig auch gesagt: „daß wirdt mir nicht viel guts bedeuten vnd wirdt mir diese Schlacht schwer ankommen.“

Alß auch vor dreie Wochen dem Konig ein priester ein bettbuch dediciret vnd ihme heftig vnd vber gebühr darin außgestrichen vnd geschmeichelt haben, hatt der Konig dermaßen darvber geeifertt, daß er erstarret vnd wie er wieder zue sich selber kommen, hatt er diese nachdenkliche wortt geseufftzet: „Hilff ewiger Gott, was machen die Leute auß mich. Soll ich dan ein irdischer Gott sein, der ich ein sterblicher mensch gleich andern bin? Nuhn ich bin gewiss, Gott wirdt mich darumb bald vonn hinnen nehmen, welchs ich auch von Herzen begere, damitt dass sie sollen lernen vff Gott bawen vnd nicht vff menschen. Er wirdt dennoch die seinigen nicht verlassen, besondern den feindt seiner gemeine mechtig stürtzen.“ – Das sindt ja warlich woll nachdenkliche wortt.

Den folgenden tag sendet Hertzog Bernhard, Generall Majore vber die Cavallerie vnd Kniphusen, Generall Major der Infanterie nach Leiptzig vnd fordern den feindt noch einmal in des Konigß nahmen zu feldt. Sobald der Trompeter in Leiptzig kombt, packen sie noch in der nacht vf vnd ziehn immer fort nach Born, Colditz vnd Chemnitz mitt großem schrecken zue vnd

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halten durchauß keinen standt. In Leiptzig sein allein eilfhundert vnd etzliche vnd sechtzig todlich verwundete kommen. Walsteiner ist am schenkel gestreiffet, Merode ist todt, Chomargo todtlich verwundt, Coloredo gleichergestalt, Abt von Fulda wirdt auch todt gesagt, summa eß ist nur ein eintziger Obrister vom feinde vnbeschedigett davon kommen. Vffs Konigs seiten sindt weinig Obristen geblieben, auch vnter dem regiment daß am starckesten getroffen nur drei Capitains beschedigt worden.

Nachdem wir nun zue Torgow von etzlichen gefangenen die Schlacht vernohmen *) vnd wir vom Koning keine brieff oder bericht bekommen, beginnen wir an daß Konigs Leben, wie woll nicht an der victori zue zweifeln vnd wirdt der Generall, mit dem General Major, dem K. von Hoffkirchen zue rath, zuesambt der Reuterey vf Leiptzig zugehn, vnd den Konig zu suchen, welches dan auch geschen. Wie wir aber den 10. November gegen abend vor Leiptzig kommen, kombt aviso, daß der feindt daß schloss mit 300 man, die stadt aber mitt weinigen volcke besetzett, waren auch von den feindenn viel beschedigte vnd sonsten andere darin; dahero werden etzliche Troupen von den Reutern zue recognosciren außcommandiret, die fast nahe an das Thor kommen. Sechs von denselbigen reiten biß an daß Thor; da sindt 6 Musquetierer vom feindt vnd etzliche burger in der wacht vnd wie die Burger vornehmen, dass es freundt, helfen sie die wacht niederschlagen vnd kommen die Sechse zum ersten in die stadt. Darvf folget der vortrab von 200 pferden. Da ging es an ein quetschen vnd niederhawen. Die Burger haben allein vber 200 niedergeschlagen. Waß entlauffen konnte, reterirett sich vfs schloss, was bekommen wardt mußte sterben, also das auch die Todten so dick vf den gassen lagen, dass
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*) Der Berichterstatter (offenbar ein Officier im schwedischen Heere) war mithin in der Schlacht nicht selbst gegenwärtig und berichtete darüber nur nach Mittheilungen.

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man kaum durchreiten konnte, wurden nackend außgezogen vnd hernach vf packwagen außgefuhret vnd haben vnsere Leute stattliche beute bekommen.

Die vfm schloss halten sich noch, weilen aber stücke vnd fueßvolck dafür kommen, wird eß nicht lange weren können. Eß commandirett darvf deß Obristen Breunerß Major. Den Sontag Abend sindt wir von dar biß nahe Grimmen Marchirett, da Hertzog Bernhardt mitt der Armada den montag zue vns kommen vnd liggen noch dato stille. Eß sind aber 6,000 pferdte aus vnd folgen dem feindt in meinung denselben wieder zum stande zu bringen; haben schon einen gefangenen Rittmeister eingeschickett vnd 80 vom feinde niedergehawen. Der feindt geht immer nach Behemen zue, vermuthlich wirdt zue Eger vber die Mulda gehen, vnsere Reutereye folgett im immer nach.

Chemnitz, funf meile von hinnen, hatt der feindt besetzett, doch vielleicht nicht dero meining den besatz drin zue lassen, weil sie aber vnsere Reuterey sie vbereilet vnd der feindt immer fliehet, haben sie fueß halten müssen; ist derwegen der Generall Majeur Kniphusen mit 1,000 Dragonern vnd 3,000 Musquetierer außkommandirett volck neben 4 Karthaunen dahin gegangen, vnd weil eß keine festung, wird eß wunderliche arbeitt geben. Gott helffe weiter.

ap. Grimmen 19 November 1632.

December. Hoc mense obiit *) Fridericus Palatinus, Rex Bohemiae, calamitosissimus, peste, Moguntiae.

* * *

Dicere tu Caesar? – nil inte Caesare dignum Romanum Imperium victima caesa tua est. Diceris Augustus? Tua namque aeraria praedis Praedo auges amplis, milite

*) Berichtigend ist von derselben Hand später übergeschrieben: „19. November.“

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terrifero. Tam diu Caesar eris, privatorumque bonorum Auctor, dum caedat te, imminuatque Deus. *)

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Annus 1633.

Janarius. Der Hertzog zue Bullion, Gubernier zue Mastricht hatt den 3. dieß S. Veit in Lützenburgk vberraschet vnd eingenohmen, imgleichen das starcke Castell Somsom, 2 stunde gehendt von Namur.

Februarius. Der Moscowiter hatt vf jenseits Smolensko alleß verhert, auch Smolensko schon 3 mal gestürmet, aber abgetrieben worden. [Endlich soll erß haben eingekriegt.] **).

Die Baierschen haben in Kempten kein hauß unspolliret gelassen, in 70 heuser verbrannt, bei 400 personen ermordet, einen Prediger, so zue einen Kranken gehn wollen, vf der gasse den Kopf mitt ein Beil gespalten, den D. Jenisch im hembt vf den marckt geführet vnd zue stücken zerhawen vnd sonsten mitt den weibern vbel gehauset.

Zue Wien ist am Eisern Thorm am schönen wetter dem Adeler der linke flügel abgefallen, zue Lintz am Landthauß hatt der windt dem hohen Adeler daß haltende schwerdt auß den Klawen gerissen, der Scepter ist blieben.

Am 25. 26. 27. Janr. sindt durch Oldendorf 14 Regimenter mitt 36 Canonen vber die Brücken passirt; den dritten tags sindt die Englischen zue fuß (welche respectu der vorigen billig „Engel“ zue nennen vnd sich
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*) Hierauf folgen a) auf 5 Quartblättern Prophezeiungen auf das Jahr 1633, überschrieben: „Antonius Maginus de anno 1633“ und b) auf ferneren 5 Quartblättern Prophezeiungen hinsichtlich eben dieses Jahres, überschrieben: Martinus Horky von Lochowitz de anno 1633. Beide, gegen die Katholiken besonders die Jesuiten, und den Kaiser feindlich lautend, und letztere in astrologischer Form abgefaßt, werden in vorliegender Mittheilung des diarii weggelassen, weil sie jetzt schwerlich für interessant gehalten werden würden.
**) Später von derselben Hand mit anderer Tinte hinzugefügt.

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mitt futter vnd mehl contentiret) und bladt diesen hernach 3 Compagnie Bremische Reuter vnd entlich denselben 13 Compagnien Swedische Reuter, so die Kon. Schwedische Leiche vonvoyert, gefolgett vnd zue Bremen vber die Weser gesetzt.

Martius. Gronsfeld ist den 2 Martii dergestalt angegriffen, dass die Reuterei außgerissen, das fußvolk, etzlich vber 1,000 gefangen. Er selber hatt sich nach Hameln reteriret, welchs daruff belagert vnd am Sontag zue beschießen angefangen worden, dass man billig sage: Tyran trotze noch. Hertzog Georg zu B. v. L. vnd Kniphusen haben bei Eßberg, 3 schuß von Rinteln, eine furth gefunden durch die Weser, darvber sie dem feindt vnvermutlich vber halß kommen vnd also victorisiret. Gott sey lob vnd Danck.

Das Kloster Hamerschleben hatt der Koning dem Commissario D. Stenborg gegeben. Dazue gehören 365 huefen Landeß, eine jede hueffe helt 30 morgen, jeder morgen 120 ruthen oder 3 himpten Insaat, jeder morgen zue 20 Thaler gerechnet (gilt woll 30 Rthl.) bringt 217,000 Thal. Daß lass mir ein geschenck seyn. Das haus Schlanstedt, dazue 7 stattliche Dörffer, von 100 vnd mehr heusern jegliches Dorf bestehend, hatt der Koning dem Obristen *)

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EPITAPHIUM COMITIS PAPENHEIMII,
GOTHFRIDI, HENRICI.

Gothfridus Henricus, S. Romani Imperii Marschallus hereditarius, Comes in Papenheim, Landgravius Stilingii, Eques aurei velleris, hic jacet. Qui dum vixit invictus stetit. Anno vitae ultimo Wimariensem, Hessum Lunaeburgensem castris et ditione exuit, Nassovium ad Mosae trajectum terruit, Sveciae Regem fatigavit, eum moriens stravit, cadendo fortior quam stando.
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*) Der Schluß fehlt hier und es ist zum Hinzufügen ein leerer Raum gelassen, welcher 1/3 der ganzen Seite des Blattes groß ist.

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Caetera ne quaere Hospes; Inter cineres mortuos, viventem fama interroga, quae gloriae suae superstes, inter vivos aeviterna est. Obiit in pugna, penes oppidum Lützen in Misnia; Anno Christi 1632 die 6 Novemb. Vixit annos 38, menses 5 Dies 19.

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DECRETUM HALLENSE DE BELLO
PROSEQUENDO IN JAN. 1633.

1. Rex Francorum Generalissimus.
2. Ochsenstiern Vice Rex adjunctus.
3. Gustavus Horn vnd Banir contra Bavarum & Elsaß.
4. Princeps Danorum vnd Brandenburg mitt Duballo contra Silesiam.
5. Princeps Bernhard von Weimar & Saxo contra Walstein.
6. Princeps Brunsvicensis, Vslar vnd Lohausen; Die Stifter Magdeburgk, Halberstadt, Hildeßheimb vnd Ducatum Brunsv. rein zue machen.
7. Ochsenstiern vnd Hertzog Georg zu B. v. L. neben Kniphusen den Weserstrom nach der Nortseiten rein zue machen.
8. Princeps Hassorum vnd Klein Jacob: den Weserstrom ins Süden sampt dem Stift Paderborn rein zue machen.
9. Der Reingraf vnd Baudiß contra Episc. Coloniensem.

Majus. Rheinberga, nachdem eß 19 tage von Printz Hinrich Fridrich von Vranien belagert gewesen, hatt die Besatzung den 23 ejusdem accordiret vnd ist den 25 Maji mitt 3 stücken geschütz, fliehenden fenlein vnd sack vnd pack abgezogen nach der Maaß.

Heideberg hatt sich auch den Swedischen ergeben.

Junius. Den 28 Junii ist Merode vnd Gronsfeldt, welche Hameln entsetzen wollen, von herzog Georg zue B. u. L. zwischen Rinteln vnd Oldendorf angegriffen,

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geschlagen vnd getrennet worden. Merode sampt vielen Officiren sindt geblieben, 20 vnd mehr fenlein, sampt 14 stücke geschütz erobertt, vber 8,000 man sindt geblieben. Den 11 Julii ist hameln darvf per accord vbergeben. 1300 man mitt fliegenden fenlein vnd trummeln sindt abgezogen, neben 84 wagen, vber vnd vnter gewehr vnd 3 stücke geschützs in 14 schiffen vf Minden convoyert. Daß Ampt Schawenburg hatt von den gebliebenen todten Corpern begraben 3,070 Mau, daß Amt Stathagen hatt begraben 2,062 Man, das Ampt Arnsberg hatt begraben vber 3,000 Man vnd liegen noch hin vnd wieder vnbegraben.

Einer von den gefangenen, wie Er gefragt, wie eß zugangen, das sie die Schlacht verloren hätten, da sie doch den halben theil mehr volk denn ihr gegentheil gehabt, hatt Er geantwortet: „Es were solche furcht in sie gekommen, das auch ihre Trompeter nicht hetten blasen können.“

Der Gronsfelder soll auß Nienburgk an episcopum Osnabrüggensem geschrieben haben: Er solle sich nicht zue sehr dieser niederlage halber betrüben, sie wolten bald volk wieder zuesammen bringen, ihn vnd sein land zue retten“, hoc addito: „Er müsse bekennen, die Feinde füchten nicht wie menschen, sondern wie Teufel“. Die Finnen sollen auch die Teutschen loben, das sie noch nie so woll gefochten hetten, alß dießmal.

Augustus. Den . . . Aug. ist Hertzog Vlrich zue Holstein, deß Konings zue Dennemark jüngster Sohn, Bischoff deß Stifts Swerin vnredlich, stantibus induciis, von Piccolomini Schalksnarren mitt 2 Kugeln durch den leib geschossen davon Er in wenig stunden seinen geist vfgeben müssen. Diß ist in Silesia geschehn.

Ex Lipsia.

Der Obr. Holk, Danus & Tepidissimus Lutheranus, welcher das Churfürstenthumb Sachsen mitt Brandt, raub abnam vnd mordt fast gantz ruinirt, ist zu Adorf

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durch die mechtige handt Gottes gestürzt vnd durch die Pest zue allen teuffeln gesandt, hatt in seiner Todeßnott keins lutterischen Predigers, weil Er die lutterische lehr vnd gottswort in seinem leben verfolgt hatt, konnen mechtig werden.

September. Den 15. Septemb. hatt sich die Petersburg, nachdem Osnabrug sich schon zuevorn ergeben, hertzog Georgen zue B. v. L. per accordt auch ergeben durch den Commandanten Francois de Mont S. Eloy Obristen Leutenant.

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EXTRACT AUSZ DEM VRGICHT
GEISTLICHEN FUCHSSWANTZ 1632.

Eß ist in gemein die liebe teutsche einfalt der Vorderen so gar verloschen, ja der hochmuth ist so jehling gewachsen, gleich alß ob Er selbst erstürtzen wolte, dass sich keiner mehr mitt seinem hergebrachten Tittul, mitt seiner tracht, mitt seinem standt begnügen, sondern immer größer sein wolle.

item.

Insonderheit kann man woll mitt fueg Klagen, dass die Teutschen vor allen andern Nationen alle maaß in Tituln vberschreitten, wie drüber in specie Ruland de commiss. P. I. tib. 5 C. 1 ad tit. k; Ziegeler in S. Landsassii Conclus: 1. no. 201 vnd andere mehr klagen. vide Besold in Thes. pract. tit. VII no. 11.

Es ist auch mitt diesen nugis curialium so weit gerathen, dass man mitt den Tituln nicht mehr vf erden vnter den menschen bleibt, svndern in daß bethauß, ja in daß gebet vnd also gar vor gotts Thron selber bringet.

Ich will nurtt dadvon sagen: wan man Gott anspricht, dass man ihn so schlecht obenhin tituliret, wans aber an die menschen kombt, da weiß man nicht genug zue liebkosen, zu fuchsschwanzen, zue verabgöttern, ja man kan nicht wort, Titull vnd Grillen genug erfinden vnd ersinnen, ihre hoheit vnd ihren ehrgeitz außzuesprechen.

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Wie meint man, dass Gott dem herrn solche woltitulirte gebett gefallen? Man kann wol sagen: „Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, vnd der Herr spottet ihr. Sie erweisen nichts anderß indem sie diesen menschtand vnd von menschlichen ehrgeitz erfundene Hasereyen ins gebett einflicken, dass sie wenig an den gedenken, ihn auch vielleicht nicht kennen, den sie anbeten.“ Was ist loblich an vns vor Gott?

Ridiculum für die Gewaltigen (& consiliarios) den herrn vnd fürsten bitten, die doch oft so wenig gewalt haben, dass sie sich eines verrätherischen Spanischen Karolins, dran sie gebunden vnd gefangen lieggen, nicht erwehren können.

Barbari vnd ihresgleichen haben solchen Hochmuth in brauch gehabt, welchen aber polite Völker verachtet. „Apud Romanos,“ sagt Tacitus in erwehnung dergleichen praesticensvis imperii valet, insania transmittuntur.“

Die Historien bezeugens dass diese Titulsüchtige newerliche wortgeprenge nirgends mehr vberhandt vnd zunehmen, alß wo landt vnd leute, Ehr vnd redlichkeit, trew vnd glauben abnehmen vnd in Summa wo es mitt einem Regiment, mitt einer Republic zum Ende, fall vnd vntergang lauffet, gestalt allezeit Stolz vnd hochmuth vor dem fall hergehet, den wo das Werk mangelt, behilfft man sich gemeinlich mitt worten. Vor alterß, da Teutschlandt vol tapferkeitt (sagt Besoldus an genanntem ort), Tugend vnd heldenthaten war, schriebe man denen Edelleuten, Geschlechtern vnd freyen, ja wol gar den fürsten vnd Hertzogen: „Dem Edlen, Erbarvesten“, jetzo were der geringste Stiefel Schmierer damit nicht zufrieden.

Noch vor wenig jaren sein die vhraltiste Reichsgraffen mitt dem Titul „Wolgebornen“, vernügt gewesen, itzt wollen die nagelnewgebackene Graffen vnd freyherrn (zue welchen würden ja auch Juden vnd judengenossen, Schlosser vnd buchsenmacher, ja Schneiderß vnd Schuster

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Söhne, verstehe aber, ohne die Graff vnd herrschaften, die mögen sie selber bekommen, gelangen können) damitt nicht zuefrieden seyn, sondern „Hochgeboren“ heißen.

Item: Ich halte eß mitt jenem einfältigen Priester, der einem vfgeblasenen Bischoff zue Coln in einer Supplication die vberschrifft also machte: „Dem Erbarn vnd frommen“ etc. etc. vnd alß Er darvber gescholten wartt, dass Er ihm den echten Titull nicht geben, sich also verantworte: „Ihr möchte alle große worter vnd welt zuesammenraspeln vnd gar almechtig in ewren tituln sagen, so dringet doch fromb vnd erbarkeit durch wie wol keine.

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November. Den 4. Novemb. hatt sich die Statt Regenspurg durch accord an Hertzog Bernhardt zue Weimar ergeben.

Den 21. Nov. ist die Infantin Isabella Clara Eugenia zue Brussel gestorben.

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Anno 1634.

Februarius. Weill der Walsteiner eine Conspiration wider den Kaiser vorgehabt ist Er nicht allein von seinem Generalat degradiret, sondern auch in Eger vom Obristen Butler vberfallen vnd meuchlings neben Grafen Tertzky, Kintschky vnd andern mehrern ermordet worden. 15. Febr.

Ingens igitur exemplum hodie casuum humanorum, Walsteinus ille truculentus, 16 legionibus militum stipatus & tamen trucidatus occulto sed justo Dei judicio.

Ejus Epithaphium.


Hier liegt vnd faulet mitt haut und bein
Der mechtige Kriegsfurst Wallenstein,
Der große Kriegsmacht zuesammenbracht
Doch nie eine Schlacht geliefert hatt.
Vielen that Er groß gut schenken
Aber vielmehr thät er vnschuldig hencken.
Durch stirngrichten (?) vnd langs tractiren
That er Landt vnd Leute vorlieren.

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Gahr zart war ihme sein Bohemisch gehirn,
Konnte nicht leiden der Sporen klirrn,
Hüner, Hanen vnd hundt er bandisiret,
An allen Orten wo Er logiret.
Doch musste Er gehen deß todeß Straßen,
Die hanen Kreyen vnd hunde bellen lassen.

Ergo
Queritur per exemplum nemo quem incolumen timet
Sen. in Oedip.

Majus. Bey der Lignitz haben die Chursachsische vnterm Commando deß Generalen Arnimbs eine treffliche Victoriam erhalten, vber 4,000 erleget vnd alles geschütz vnd pagagii bekommen. Ebenmäßig hatt vmb dieselbe Zeitt hertzog Georg zue B. vnd L. wider die von Galen vnd Bonninghusen eine stattliche victorii in Westphalen erhalten, die ganze Armade ruiniret, auch Vnna, Cham, Lunen vnd Ham, dahin sich der rest reiterirt, mitt gewalt eingenohmen, vnd zwar Ham den 17. huj. durch Sturm erobert vnd die Kais. besatzung in 9 Compag. vberall nieder gemacht vnd (vf Hoxerische manier) in die Lippe begraben.

Frankfurt an der Oder hatt sich an den Churfürsten zue Brandenburgk wieder ergeben vnd sind die Kaisersche abgezogen.

Julius. Den Mitte wochen post Visitationis Mariae, war der 9. Julii, ist abermal bey Heisede in praefectura Coldingen, zwischen dem feindt, der bey 4,000 stark, hildeßheim entsetzen wollen vnd den Luneburgischen oder Swedischen ein stark treffen vorgangen. Durch Gottes hülff haben die vnsrigen gesieget, fast alle Infanterie niedergemacht, 4 stück geschütz (mehr haben sie nicht bei sich gehabt) vnd alle pagagii bekommen. Obr. Schelhamer ist geblieben vnd viel Officierer gefangen. Gott sei lob vnd Dank für seine güte.

Die Obristen haben keinen muth zue dießem zug

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gehabt, haben nichts gutes ominiret, haben aber vff anhalten vnd Zusprechen deß Churfürsten von Cöln, welcher das Stift hildeßheimb nicht gern verlieren wollen, front gemacht vnd soll den vbriste Commendant, so daß volk geführet, gesagt haben: „Er wolte sie anführen, wan er auch wüßte, dass kein einiger Soldat davon kommen solte;“ quod et factum est. Eß ist der meister geblieben vnd ist ihr bestes volk, so sie in den Guarnisonen gehabt, gewesen.

Den 16. Julii ist hildeßheimb per deditionem vbergangen, nach . . . wochiger Belagerung. Die Besatzung, 1,000 stark, mitt sack vnd pack vnd fliegenden fenlein außgezogen vnd biß nach Munster confoyiret worden. Den 16., 26. Julii ist Regenspurg nach 3 monatlicher belagerung vbergangen vnd dem Koning in Vngarn vbergeben worden, wegen mangel deß pulverß vnd dass sie von Hertzog Bernhardß Succurß keine nachrichtigung haben können. Ist ein respectirlicher accord, wofern Er nuhrt gehalten wirdt, für die Stadt sowol, alß für die Soldaten: „Die Stadt bleibt bey ihrer libertät in religion vnd prophan Sachen, wie sie vor ao. 1618 gewesen.“ Die Soldaten sindt mit sack vnd pack, fliggenden fehnlein, vber vnd vnter gewehr, brennenden lunten, Kugeln im mundt, vfgezogenen hanen, 200 pagagii wagen, 6 stücken geschützes, (4 großen vnd 2 kleinen) außgezogen. Vor der Stadt sindt in wehrender Belagerung geblieben 8,000 man, 6,000 vngefehr sindt verlauffen, 15,000 Canonenschuss hinein geschehen, vber 2,000 Granaten, theilß zue 150 Pfd. geworfen. Die belagerten sind 45 mal außgefallen vnd haben 7 Stürme abgeschlagen.

An Vorrath ist noch darin gefunden 4,000 Scheffel getreidt, 300 Eimer wein, 1,400 Eimer bier, 2,000 stücke viehe vnd nur 7 Centner Pulver, deßwegen sie accordiren müssen.

Comorgo ist in der belagerung von Regenspurg geblieben.

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Augustus. Der Veltmarschalk Attringer, so den 12. Julii bey Landeßhutt geblieben vnd erschossen, ist den 15 hernach in Kloster Briel begraben, hatt groß gelt vnd gutt nachgelassen (magnus namque fuit latro) ohne die ansehnliche herrschafften vnd mobilien, an Gold, Silber, Edelgestein vf 100 tausend Cronen; hatt zne Genua 500,000 vnd zue Venedig 300,000 Cronen in banco liggen gehabt. Seine gemalin ist kurz zuvor zu Passaw in puerperio gestorben, hatt keine Erben alß zu Lüttich einen Bruder vnd Schwester, so handtwerksleute sein, vorlassen.

Den 10. Aug. intra 11 & 12 noctis hatt zue Dusseldorf das Wetter in den Pulverthorn geschlagen vnd vber 100 Tonnen Pulver angezündet vnd fast die halbe Stadt ruinirt, der Schaden an den gebewden ist nicht mit 150,000 Rthl. zue erstatten.

Den 17 Julii hatt der Konig von Frankreich dem Lotharinger die vast vnvberwindliche Vestung la Mothe durch vntergraben vnd stürmen einnohmen vnd ihn also deß ganzen landeß entsetzen lassen. Deß Konings von Frankreich bruder hatt sich wieder vnter des Spannierß Schutz begeben, welcher ihme eine Armee von 12,000 zue fuß vnd 3,000 pferdt halten wirdt.

Den 7. Aug. ist Zeitung kommen, dass der Baierfürst Donawerth mitt stürmender handt habe eingenohmen vnd alleß darin nieder machen lassen.

Den 11. Aug. ist Hertzog Ulrich Friderich zue Braunßweig gestorben vnd haben beide Hertzoge Augusti der Eltere vnd Jüngere die possession ergriffen. Gott gebe, wer han im Korbe bleiben wirdt.

Reinfelden ist vom Reingraffen eingenohmen.

Ferdnand per Anagramma h pro d posito.
 
Fern Hand.

Sit procul a nobis Ferdinandi dextra Regis.
cum venit in mundum, namque cruenta fuit.

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EXTRACT AUSZ DEM WELT VND REICHS-SPIEGEL 1631.

Nachdem dem Churfürstl. Collegio die threwe beilage der Privilegien deß h. Röm. Reichs Stende fürnemlich concediret vnd anvertrawet, zue dem ende, das sie eß manuteniren vnd verbitten sollen, alß will er auch itzo ihnen gelten, daß sie nemblich sich ihrer eideßpflicht, recht vnd wol erinnern vnd nachm exempel ihrer vorfahren, sich alß conservatores vnd nicht Dissipatores vorgedachter, durch viel blutt, in langen vnd vielen jaren erworbene privilegien erweisen, nicht aber dieselben von andern novis hominibus vud theils terrae filiis, Schneidern, Schustern, Badern, Steinmetzen, Meußfengern vnd Italianischen Hechelträgern vnd Schlottfegern lenger conculciren, oder mit füßen zerpedden laßen, sondern vielmehr wie colomnae vnd seulen daß H: Röm. reichs (wie sie die aurea bella nennet) durch convenientia media vnd wirkliche beforderung damitt die höchst bedrängte Reichsstende befreyhung von den ihnen vfgebürdeten schweren lasten der einquartierung erlangen.

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DIE ALTE WARHEIT 1620.

Welt:






 
Dass die welt der narren Kefig sey vnd ich vnd Du auch darin stecken.

Daß niemand mehr wortt machen, alß die Thier so reden können.

Daß ein Jeder bedünket sein Kupfer sey Gold.

Daß die gantze welt von den pfaffen das geitzen gelernt hatt.
   
Aula:




 
Daß die gewonheit so ferne vberhandt genohmen, daß die warheit nuhn die großeste newe Zeitung ist.

Daß zucht vnd erbarkeit daselbst (in aula) in verfolgung lebe, wie ein Lutheraner in Spanien.

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  Daß Herrn Dienst in einer Stund auß narren witzige leute mache.

Daß gleich wie die Christen durch viel Trübsal ins Reich Gottes gehen müssen, also fahren viel hoffleut durch viel Irfall inß Teufelß reich.

Daß ein hoffmann sey einem rechenpfennige gleich, der gilt bald viel, bald weinig, bald gar nichts.

Daß die Session mehr disputationes mache, alß land vnd leute.

Daß manchmal Bileams Esel viel schärfer sieht, alß sein Herr selbst.
   
Landt:








 
Daß daselbst viel neweß ist, dan es samlet vnd mehret sich im gange gleich wie ein gewelzter Sneeball.

Das die Gemein muß vor die Herren zhalen, daß was man in großer regierung Tyrannen heiße, daß heißet man vf dem lande Schultheis vnd Schöpffen.

Daß wan ein baur Schultheis wirdt, so meint Er, deß Reiches last liegge vf ihm.
   
Kirche:





























 
Daß viel religion, aber weinig Gottesfurcht vnd liebe des nehesten vnter den leuten.

Daß der Lutheraner vnd Kalvinisten Götzen sein: ihr heimlicher neidt, Ehrgeitz, Stoltz, Dünken, Eigenlieb, Vneinigkeit vnd Zanksucht.

Das Gott von seinen Schuldigen eine rechnung vnd eben keine betzalung begere.

Daß die funf Sinne der menschen die größte Siebenschläffer seien.

Das wan Traum vnd wünsch alle wahr weren, so wern weinig nonnen mehr vf der welt.

Daß man so heuffig vnd mitt solchem getreng zum himmel eilet, daß zue besorgen, man gehe den breitten weg.

Daß vnser Leben ist wie ein fußstabst im staubigten weg.

Daß alle weltliche wollust vnd freud sei gleich eines Febricitanten gutem Tage zwischen zween bösen.

Daß mancher ein theologus oder Geistlicher genennet wirdt, der wol pharisaer heißen könnte.

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  Daß keinem zu trawen der Gott gelogen hat.

Daß recht thun, ist sein selbst Lohn, vbel thun, sein selbst Spott vnd hohn.
 
Gericht:







 
Daß Gewalt itzt recht; Recht keine Gewalt mehr hatt.

Daß wer singular vnd besonder sinnig ist der gebe nimmer keinen Assessorn.

Daß es nicht wunder, dass manchem im recht vnrecht geschehe, dieweil man der justiciae die augen verbindet vnd sie blindt zu machen pflegt.

Daß die vmbstende nichts anderß sein, alß Atomi des richters vnd der policey.
 
Univer-sität:












 
Das die begierde in dem Frankfurter meß Catalogo zue stehn mehr vnschuldig papier verkleckt, alß einige purgation.

Daß wan einer zuvor ein Jar oder zwantzig gelogen hatt, so lesst Er sich zum Notari creiren, so muß man ihm glauben.

Daß mussigerleute größte arbeit sey, daß böse auß dem guten zue klauben.

Das die großeste Kunst sei, Kunst verbergen können.

Von daheim her: Daß es besser sey in einem gantzen vnverletzten gewissen, dan in einer gantzen haut zu schlaffen.

Daß wer zue viel bedenket, der thue weinig. Das die beste Music, wenn hertz vnd mundt zusammen stimmt.
 
Ex Ger-mania:






 
Daß die liebe einfalt der alten Teutschen also groß gewesen, dass sie auch ihren nachkommen nurt kein wort oder nahmen hinterlassen, da mit sie das wort affectation vf gutt Teutsch sagen oder nennen können.

Daß es gutt sei: Vnion machen , besser: dieselbe halten, daß allerbeste: keiner bedürffen. Daß viel Köpfe müssen viel Hüte haben vnd keiner dem andern seinen recht vfsetzen könne.

Daß die Jesuiten gleich wie Artischoken sein, zuvor waren sie seltzens, jetzt kan man sie schon vorgebens haben in jedes bauern kate.

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  Wer wider gewalt, der da vber recht ist, legitime procediret, der gehet legitime zue scheitern daß keine enderung der Jahrzeiten ohne groß gewitter vnd kein enderung deß regiments ohne große Zerrütterung zugehe.

Daß wan mancher seine Titull verlöhre, behielte Er gar nichts vbrig.

Daß ein herr ohne landt sey ein großen Titull ohne buch.

Daß ein Titull ohn das Landt sei viel lächerlicher, alß ein Buch ohn Titull.

Daß nimmer weiniger vom Adel gewesen, alß da jedermann will vom Adel sein.

Daß wol vertrawen vnd gern glauben, alle frommen Hertzen einiger mangel sei.

Daß ein Spanier vnd Rhodemont oder Großsprecher, termini convertibiles seyn.

Daß von demjenigen Landt weinig zue hoffen, da diejenigen, so dasselbe regieren sollen, vom feind regierett werden.
 
Ex Bohe-mia: Dass die erste Maulschell so gut sey, alß sonsten zwo.

Daß eins freyen Volkes beste Cautel, keinem Tyrannen zue glauben.

Daß ein Jesuit sei ein newer nam eines Verräthers.

Daß kein sicher geleit sicher genug sei, wans an den halß gehet.

Das wo die Obrigkeitt die vnterthanen vnd deren freyheitt vnterdrückt, da vnterdrücket gewiss bald Gott die Obrigkeit.

Daß Gott gemeinlich Tyranney mit rebellion straffe.

Daß der Teuffel alzeit gern auß der religion ein rebellion gemacht hatte.
 
Ex castris: Daß wer hinten keine augen vnd hand habe, der thue sehr narrisch wan Er seinem feinde den rücken wende.

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Ex Gallia: Daß ihre (Gallorum) freundschaft sich mitt ihrem wein vergleiche; die lieblichsten halten sich am weinigsten.
 
Ex Hispa-nia:


















 
Daß das beste mittel sei, fremde Herrschaften bündig zu machen, daß man ihre räthen vnd gesandten zuvor an güldene Ketten lege.

Daß es einem stoltzen menschen viel vbeler verdrieße, wan man ihn veracht, alß wan man ihn nicht fürchten will.

Daß ein promerantz, Rettich vnd ein Zanstöhrer ein ritterlich essen sey.

Daß vf andrer leute Kosten tapfer zehren vnd vf seine eigen Kosten schmale bißlein essen, die beste vnd gesundeste Diät sey.

Daß die regiersucht eine königliche tugend sei.

Daß man im werke spüre vnd mitt schaden gelernt, Germanos nullas ferre posse contumelias.

Daß ein Manßbild mitt einem weibischen Verstandt der ergste Hermaphrodit sei.

Hispani quales? Daß alle Ding in diesem Landt gutt vnd fürtrefflich, außgenohmen das, so reden kann.
 
Ex Italia: Daß wo die Laster vor Rationes status oder regier vortheill gebrauchet werden, daselbsten thun alle diejenige sehr vbel die nichts vbelß thun.

Das eine Romische Wahrheit sey eine Teutsche Lüge.
 
Ex Belgia: Das kein gelerter könne berühmet werden, er fange dan eine Secte vnd newe leer an.

Daß mancher drowet, der sich fürchtet.
 
Neu-trali-
tas:
Daß wer eß mitt keiner vnter zweien Partheien helt, der wirdt endlich beiden zur beuth.

Daß welcher nurt halb vnseres herrn gotts ist, der sey gar deß teuffels.

Das neutral sei nicht anderß dan gutt Spanisch.
 
Jesuitae: Daß die weltliche verhetzung wider einander der geistliche Acker vnd pflug sey, davon sie sich nehren.

Daß kein besser praetext einem andern landt vnd leute zue nehmen, dan eine fortpflantzung der Romischen religion.

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Ex Helve-tia: Daß man gemeinlich embsiger ist, frembd gelt an sich zu bringen, alß daß Seine zue behalten.

Daß man schier mit den moribus die alte freyheit vergisset.
 
Ex fontibus accidit:




 
Daß ein medicus der allerdiensthafteste morder sei.

Daß zu gar gesundt, sey vngesundt.

Daß ihrer mehr von Völlerey alß von Hunger sterben.

Daß die natur das beste thut vnd die Aerzte den lohn davon tragen.
 

Finis der alten warheiten.
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VERGLEICH MITT DEM KONIG ZU
FRANKREICH UND DEN UNIRTEN.

Augustus. 1. Vdenheim vnd Berfeldt (?) *) soll dem Konig vbergeben werden. Vdenheim soll nach außgang deß jars demoliret werden.

2. Gallus soll angehend 400,000 Cronen baar hergeben vnd 12,000 man Herzog Bernhardten vnd Gustav Horn zuschicken.

3. Breysach soll der Franzoß helfen erobern vnd alßdan den Stenden eingeantwortet werden.

Den 27. Aug. ist zwischen den Swedischen vnd Kaiserschen bei Nörtlingen ein haupttreffen vorgangen darin die Swedischen verloren vnd fast die ganze Infanterie darvfgangen vnd die Artolery vnd ganze pagagi verloren, alß 60 stücke geschützs, 200 fahnen vnd Cornet. Gustaff Horn vnd Cratz sampt vielen andern sindt gefangen.

October. Den 11. Octb. ist ein schreckliche wasserflutt auß der Westsehe erstanden, hatt in Ditmarschen, Eiderstadt vnd andern orten vnmenschlichen schaden gethan, viel 1,000 menschen vnd vihe erseufft, viel Carspel vnd Dorffe zue Grunde ruinirt vnd weggespület, dass
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*) im Odenwalde ? (Grafschaft Erbach.) Der Name Berfeldt ist deutlich angegeben.

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man nicht weiß, wo ihre stette gewesen ist. *) Okholm, Fareltofft, Bargen, Suholmersbrügge, Widekenhartt neben dem mohr vnd daß ganze Landt oder hardt sind fast sampt allen menschen erdrunken. In Rehrbeckindß (?) Kirchspiel sindt vber 1,000 menschen ersoffen; der ganze Nordtstrandt ist vntergangen; von holzernen haußgerath an Bänken, Kasten, Schappen, vnd andern wahren so anß landt getrieben, ist so viel, dass wan etzliche 100 wagen jar vnd tag führen, könnte eß nicht alleß weggeführet werden. Im Widinghardt, Riesemohr, in Eiderstadt vnd Nordwest Ditmarschen ist so großer schade geschehn, daß an den meisten orten von 100 menschen nicht 8 oder 10 vbrig, in summa der schade ist so groß, dass es kein mensch außsprechen kan. In Stintebüll lebt kein mensch mehr, in Eiderstadt vnd Stabelholmb ist ein erbarmlicher Zustandt, dass eß nicht zue schildern ist.

November. Minden hatt sich ergeben vnd sindt den 10. huj. mitt fliegenden fehnlein, brennenden lunten, Kugeln im mundt, außgezogen bei 800 Soldaten nebenß 200 Kranken, haben 2 kleine stücke, fewermörser vnd 1 Tonne pulver mitt genohmen.

Der herzog von Lottringen lesset müntzen schlagen mitt dieser vberschrift:
 

Carolus D. G. Rex Austrasiae, Dux Wurtenbergi & Montisbeliardi, Landgravius Alsatiae“, vf der andern seiten: „Habeo et habebo“.

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VERZEICHNUSZ DESZ SCHADENS SO IN
OBGENANDTEN DILUVIO GESCHEHEN:

Summa der menschen so vertrunken, jung vnd alt, worvnter 9 Prediger vnd 12 Köster gewesen 6,123, heuser so ganz weggetrieben 1,336, Windtmühlen so
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*) Am Rande ist hinzugefügt: NB.: Vmb diese Zeitt ist das schiff darvf Canzler Ochsenstirn seinen in Teutschland geraubten schatz vf 30 Tonnen Goldeß gehabt, zu scheitern gangen, dass nurt 15 Personen davon kommen.

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weggetrieben 28, Glockenthurme, so auch weggetrieben 6. An Ochsen, Kuhe, pferdt, Schaff, Schweinen, so daß Landt heuffig gehabt, vngefehr vf 50,000, Einbrüche der Deiche groß vnd klein werden gezhelt 40, Menschen so erhalten, sindt nur in alles 433.

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Anno 1635.

Januarius. Den 7. Jan. ist Wurtzburgk durch den Graffen von Thurmb, wegen mangel deß volkes per accord vbergeben worden, den Kaiserschen.

Martius. Den 15. Martii haben die Spanier vnterm Commando deß Graffen von Embden die Statt Trier erstiegen, die Franzosische besatzung fast alle erschlagen vnd den Churfürsten selber gefangen gekrigt.

Im Januario *) ist die Philipsburgk von Obristen Bamberger nachts erstiegen vnd die Franzosen darin niedergemacht. Nach eroberung der Philipsburgk hatt sich Speyer, weil keine besatzung darin an die Kaisersche ergeben, welchs aber darvf von den Swedischen vnd Franzosen stracks belagert, beschossen vnd per deditionem im Martio wieder erobert worden vnd haben sich vber 1,600 zue fueß vnd bey 400 pferdt vntergestellet, die Officiere aber gefangen; eß sindt neben dem Obr. Goltzen bey 700 man in den schantzen vnd vorstetten geblieben, dafür sindt etwa 200 franzosen vnd 100 Teutsche beschedigt vnd geblieben.

Augspurg hatt sich mitt schweren Conditionen an den Keiser ergeben, haben alle Kirchen müssen abtreten, (die Religion ist ihnen gelassen) sollen sich eine newe bawen.

Coburg hatt sich den 18. Martii auch ergeben, weil kein entsatz vorhanden.

Bebenhusen ist den 15. Febr. vom Mansfelder belagert vnd den 18. Martii quitiret worden; hatt dafür gehabt 6 regimenter zue ross vnd fuß, 2 fewermörser
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*) übergeschrieben ist: 14. huj.

1902/1 - 49


1902/1 - 50

von 120 Pfund, 4 halbe Carthaunen von 24 Pfund, 6 Canonen von vngefehr 12 Pfd. An fewerkugeln zu 120 Pfd. sind siebenzig hineingeschossen, davon 17 doch ohn schaden abgangen; an Carthaunen vnd Canonenschuss sind 398 hineingegangen, habens entlich gesturmet, aber 2 mal ritterlich abgeschlageu worden; darvf sie davon gezogen, hinterlassend bei 350 todte. Der belagerten sindt nicht mehr dan 4 man, 1 weib vnd 1 Junge geblieben. In der Stadt hatt commandirt ein Vitztumbscher Capitan, nahmens Johan Fridrich von Elringshausen.
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Anno 1636.

DE DOCTORE ERICO HEDEMANNO,
CANCELLARIO DUCIS HOLSATIAE.


Fürm Jar vngefehrlich haben 2 Ditmarsche bauern vor der Kantzley zu Gottorf eine rechtfertigung gehabt. Der so injustam causam forciret, geht zu D. Hedemans frawen, gibt ihr 2 stücken Drell, werk vnd linewandt, mitt bitte ihrem herrn, den Canzler seine sache zue recommendiren, als nota meliori, damit Er ein gut vrthel bekommen müge.

Der ander baur, wie er daß erfehrt, wartet dem Canzler vf, wie Er nach der Canzlei fährt (wie es dan in parnasso, hoc tempore alles majestätisch daher gehet), tritt vnerschrocken zu ihme, bittet: seiner in seinen sachen eingedenk zue bleiben. Ille: „wer er sey?!“ Hic: Er sey derjenige der seiner frawen daß Drellwerk vnd linewandt gegeben habe, Cancellarius nimbt seinen nahmen von ihme, schreibt denselben in die Schreibtafel, machet ihme gute Sperantz; bekombt auch darvff ein gutt vrtheill.
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*) Auf enggeschrieben Seiten in 4to folgen hier in lateinischer Sprache klagende Betrachtungen hinsichtlich der am 10. Mai 1631 geschehenen Eroberung, Plünderung und Einäscherung der Stadt Magdeburg.

1902/1 - 50


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Alter ille, wie Er sihet, dass jener daß gute vrtheill bekommen, gehet zum Cantzler, expostuliret mitt ihme, warumb Er ihm kein gutt vftheil wiederfahren lassen, da Er doch seiner frawen beschenkt hatte? Cancellarius agnoscens errorem, confunditur protinus, sagt: „Er habe eß nicht endern können, waß recht were, müsste ergehn.“ schickt gestracks zum andern: Er solle zue ihme kommen. Ille, weill Er den braten gerochen, sagt: „Er hab ein gutt vrtheil bekommen, hette mitt dem Kantzler nichts mehr zue thun“, marchirett darvff nach Dittmarschen zue. Hinc amplissimus ille & rationum plenissimus Cancellarius fabula vulgi factus per totum Ducatum et per hoc et similia facinora infame nomen adeptus; quiscit jam, in coelo an in inferno, ambiquum hoc; meliora nos speramus, veriora ille jam experitur.

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Anno 1637.

5. Jan. ist Keiser Ferdinandt der II. zu Wien am Stein gestorben, wie kurtz zuvor sein Sohn Ferdinandus III. zu Regenspurg zum Rom. Konig erwehlet worden.

10. Martii: Obiit Bogislaus Pommeraniae Dux, ultimus istius familiae et Pommerania ex pacto pervenit ad Marchiones Brandeburgenses.

 


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