Jahresband 1901

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


DIARIUM BELLI BOHEMICI
ET ALIARUM MEMORABILIUM.

(Fortsetzung von Band VI, Heft 2.)


[Dr. jur. A. E. E. L. von Duve.]

* * *

Anno 1627.

Den 21. Januarii. Aus Preußen hatt man, daß der junge Graf von Thurn eine Schanze nahe beim polnischen Lager verfertigen vnd vnterminiren lassen, darnach entwichen, als wenn ers nicht halten konnte und hätten die Polen sich mit Haft hineinbegeben, inmittelst geht Pulver an und bei 4000 Polen in Rauch vfgangen sein sollen.

Februarius. Vor Wenden ist ein starkes Treffen zwischen Polen vnd Schweden furgangen, darin die Schweden obgesiegt, also daß die Polen ganz vnd gar das Veld quitirt, ausgerissen vnd sich in Littaw retiriret; also ist ganz Lifland itzo in des Schweden Gewalt.

7. Febr. Tilly hatt im Abzuge von Nienburg das Haus Ottersberg im Stifte Bremen mit Gewalt angefallen vnd gesturmbt, aber unverrichtet sich abmachen müssen.

9. Febr. Von Frankfurt wird berichtet, daß Walsteins Völker bis dato nicht vber die Oder kommen. Allein haben sie an die Stadt Frankfurt 1500 Rthlr. begehrt. Das Volk so umb Crossen vnd an der Grenze liegt, soll ein krank und matt Volk sein.

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Dieses Orts hat man Gewisses nicht mehr, außer daß die Weimarschen in Mähren mehrtheils vorrucket, daselbst Sternber, Mährisch Neustadt, Littow vnd Radisch früh Abends eingenohmen. In Schlesien haben sie den Ruhm verdienet, daß sie ihnen weniger Schaden gethan, denn ihr eigen Volk vnd Soldaten.

Es verlautet unterschiedentlich, das Bethlens starke Krieges Verfassung vnd sei der Ufbruch vorhanden, weil die Friedens-Tractaten ganz cassiret.

Der junge Herr von Dohna, wie er an die Vestung Jägerndorf gesetzt, soll von den Weimarschen geschlagen, er selbst gefangen vnd viele Soldaten niedergehauen sein. Der General von Weimar ist zu Sct. Martyr den 15. Dec. [1]626 am hitzigen Fieber gestorben. Dessen Armada hat dem König von Dänemark de novo geschworen; wird itzt von einem Pfalzgrafen von Birkenfeld, Carpezow, Baudis, Spugna (?) und Mitzlaf commandirt vnd geführt. Es sind noch 4000 Ungarn unter dem Herbert Georg mit herauskommen, so dem Kaiser Volke ganz keine Ruhe lassen, sondern mit dem Weimarschen Volk täglich Angriff thun.

Aus Elbing 23. Jan. [1]627.

Ob wohl der Pole hiesiger Stadt hart drawet, so ists doch vermuthlich, was der Swede eingenohmen, werde der Pohle mitt Gewalt nicht wieder nehmen können, da er solche Vestung wie hiesige Stadt, mit keiner Reuterei, damit er mehrentheils zu Velde kommt, wieder wird einnehmen können vnd es ist gewiß, daß der Pole noch täglich geschlagen wird. Neulich sind sie vor Plotzky gewesen vnd alda uber 1000 Mann in Stich gelassen, also daß sie das geringste Flecken darin starke Besatzung ist, nicht können einnehmen, dahero ich *)
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*) Es scheint dieses „ich“ zu der Muthmaßung zu berechtigen, daß die Nachricht aus Elbingen eine briefliche war.

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wegen der Stadt Danzig große Gefahr sehe. So bald der Schwede wieder hier ins Land kombt, wird man große Veränderung haben.

Fürst Carl von Lichtenstein, Statthalter zue Prag ist den 12. Febr. an einen Catharr gestorben.

      Ex Londino den 2. Febr. 1627.

Die Confusiones zwischen dieser vnd der Crone von Frankreich accresciren täglich mehr vnd mehr, auch geht das Anhalten der Schiffe vnd Bekümmerung der Güter noch stets fort. Alhier ist vnd wird bei den gemeinen Kaufmanen großer Schaden gelitten vnd läßt sich ansehn, daß diese Beschwerung das Ende noch nicht erreichet, auch vermeinet man, daß derjenige, so in der meisten possesion am besten daran sei vnd kann durch die Klarsichtigste nicht gesehn werden, durch was Mittel und Wege man zu der vorgewesenen, aber leider verlassenen guten Ordnung wiederumb gerathen möge.

Die désegne des Cardinals de Richelieu, welcher durch Dressiren einer Compagnie Kaufmannschaft, der Kaufleute Macht dem Könige von Frankreich hat vermeinet in Händen zu stellen, die von Rochelle damit zu zwingen, ist ausgebrochen vnd lippis et tonsoribus bekannt gemacht.

Diejenige so ihre Güter vnd Gelder in guter Meinung herein haben wollen gebracht, sind fern von denselben verschoben vnd ist keine ander Apparenz, denn daß sie das Nachlaufen vnd Suchen umb dieselben wiederumb zu reoccupiren, vor ihren Gewinn werden haben müssen.

Die Größesten des Reichs sind alle mißlich gealteriret vnd dem Cardinal sehr unwillig vnd vbel zufrieden, dieweil sie Umbraluturen *) haben, daß des Königs Vornehmen, nach Eroberung der Stadt Rochelle,
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*) So steht im Msc.

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alle Französische Gubernemente triennal zu machen gemeinet sei, welches, wie alle politici meinen, Ihre May. mächtig genug sollte sein, zu practisiren, wenn er diese Rochellesche Casse und Zuflucht den Prinzen sollte benommen haben, weswegen die hochg. Prinzen, so wohl Protestanten als Catholiken geresolviret, die Stadt Rochelle in ihrem vorigen Stande continuiret zu sehen. Est regnum divisum und es läßt sich ansehen: daß der Herr welcher seine Kirchen und Gemeinde allzeit in äuserster Noth beschirmet durch die Confusion seiner Feinde dieselbe beschützen und erhalten wolle.

Allhie werden viel Gelder aus Kraft des consentirten Subsidii regalis versammelt und in des Königs Kasten gebracht. Der Herzog von Buckingham ist zu dem Ende neben anderen gecommittirten ins Land gewesen vnd haben die erwartete Früchte ihrer Arbeit glücklich gesehen.

Es werden alhier 150 Schiffe ausgerüstet, vermeinende erster Tage in die See zu laufen, Gott gebe zu guten effect vnd Glück!

In Schottland will man mitt Gewalt eine Admiralität causiren, darzu die instructiones täglich geformiret vnd versammelt werden.

Allda ist ein Hollandisch Schiff, welches aus freto Davidis gekommen, mit unterschiedentlichen köstlichen güldenen und silber mineralien beladen, gearriviret. *) Man vermeinet, daß dieser gefundene Schatz oder Reichthumb dieser Minen keines Gleichen habe. Es ist zu vermuthen, daß andere Prinzen auch ein Auge darvf gewinnen vnd holen werden.

(Anni obitus regum Danorum ex familia Oldenburgica.
Christianus I. obiit A. aetatis 56 Chr. 1482.

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*) Daß in der Davids Straße edle Erze gefunden und damals Hofnungen auf ähnliche Funde erregten, scheint eine der Nachrichten zu sein, welche nur dies diarium aufbewahret hat.

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Johannes ob. 1513. Aetatis 58.
Christianus 11. ob. 1559, aetatis 77 ½.
Fridericus I. ob. 1533, aetatis 56.
Christianus III. ob. 1559., aetatis 55.
Fridericus II. ob. 1588, aetatis 54.
Christianus IV. natus 1574.)

Den 22. April haben der Graf von Fürstenberg, Anhalt vnd der Obriste Erwitte die neue Schanze über der Weser in Dreye bei dem Zollhofe im Amte Sieke, mit Macht an 4 Orten angegriffen, sind aber mitt Verlust 200 Mann wieder abgetrieben vnd hatt der König mit 8 Stück vber die Weser im Sturm unter sie geschossen vnd damit großen Schaden gethan. Unter andern ist ein Obrister, so vf einem weißen Pferde gesessen vnd die Soldaten tapfer angeführet, mitt einem Stücke herunter geschossen. Darvf sie also bald wieder abgezogen vnd sich in ihr Quartier retiriret; man vermeinet es sei der Obriste Erwitte gewesen.

Majus. Nachdem die Tillische Brandenburg vnd Havelberg eingenohmen vnd ihnen also einen Paß vf Magdeburg eröffnet, als hatt der König durch Slamerstorfen, Obristen Wachtmeister, den Domb zue Halberstadt wieder eingenohmen vnd Havelberg in Brand schießen lassen, hat gleichwohl die Tillischen dadurch nicht austreiben können, sondern haben sich new wieder darin verschanzet.

Der König selbst ist zue Boitzenburg über die Elbe geschifft, die Dörfer Brakel vnd Radegast in Brand gesteckt vnd alda vier große Schanzen formiret, auch Blekede berennen lassen. Es ist auch der vertriebene Markgraf von Durlach alda zue Boitzenburg zum König kommen und General über die Armada proclamiret.

Junius. Weil zu Blekede inmittelst die Tillische Entsatzung ankommen, so sich hernach in die Vithow (ein Holz also genannt zwischen Blekede vnd Brakede)

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beschanzet, hatt sich der König wieder nach Boitzenburg retiriren müssen.

Den 17. Junii ist Northeimb von Graf Jacob Ludewig von Fürstenberg per accord eingenohmen vnd die Besatzung mitt Sack vnd Pack nach Wolfenbüttel convoyiret worden.

Den 10. Julii ist G. Tilly mitt 8 oder 9000 Mann zue Scharnebek ankommen.

Die Kaiserschen haben Stoltenow dagegen Limbach, Drakenburg abgebrennet.

Den 30. Junii hatt der Köning Winsen halb und sonsten in der Marsch über 20 und vff der Geest 11 Dörfer vnd darunter Asendorf auch abgebrennet.

Nachdem Tilly mitt der ganzen Armada zu Scharnebek angelangt, ist er vor Lüdershausen gerücket vnd hat es anfangen zu beschießen, inmittelst etzliche durch die Marsch geschicket vnd Artlenburg unverschanzt eingenohmen, dadurch denen zu Lüdershausen aller Entsatz abgeschnitten, welche sich darvf den 17. Julii ergeben vnd hatt Tilly die Besatzung mitt Ober- vnd Unterwehre lassen abziehen vnd nach Lauenburg convoyiren.

Darnach hatt er die Schanze in ostio Elmenow vergeblich gestürmet, ist davon mitt Hülfe des Hamburgischen Capitains, des von Hatzfeld, welcher die Königschen mit 400 Mann secundiret, abgetrieben, hatt sich darvf den 19. Julii an die Schanz auf Teldau neben Boitzenburg gemacht.

Jägerndorf vnd cosel hatt der Walsteiner per accord erobert.

Die zwei pfälzische Festungen Manheimb vnd Frankenthal, so viel Tonnen Goldes zu bauen gekostet, sollen auf Anordnung des Churfürsten von Trier niedergerissen vnd geschleifet werden.

Die Schanze an der Weichsel soll der König von Schweden durch ein stratagema eingenohmen haben.

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Die Stadt Groll hat der Prinz von Oranien 16. Julii berannt vnd blocquirt. Item 4 Schiffe aus India 14. Julii zu Amsterdam arriviret, haben einen großen Schatz vnd vnter andern 48 485 Säcke Pfeffer mittgebracht.

Stolzenow *) vnd Wölpe haben sich den Tillischen wegen großer Gewalt so mitt Schießen dafür gebracht vf Accord ergeben müssen. Graf Ludwig aber von Fürstenberg **) vnd andere vornehme Cavalire, so vor der Stolzenow geblieben sein, werden hochlich beklagt. [NB In der nächsten Zeitung ist der von Fürstenberg wieder lebendig geworden.] ***)

Nienburg ist blocquirt, Lüneburg aber ist resolviret es zu erhalten.

28. Julii ist G. Tilly bei Blekede mitt 3 Regimenter überkommen, darvber die Königschen endlich die Schanze bei Boitzenburg quitiret, die Stadt ausgeplündert vnd hafengängig ausgerissen vnd hatt Tilly darvf den 31. Julii Boitzenburg vnd Lauenburg eingenohmen.

Mansfeld Ernestus, welcher in Istria gestorben, ist zu Spalatro begraben.

Cosel in Schlesien hatt sich nach schlechten Widerstand dem Walsteiner ergeben vnd ist also die Weimarsche Armee fast zerschlagen vnd getrennet. In Cosel sindt 11 Fähnlein erobert worden.

18. Julii hatt der König zue Sweden die Danzker Schanze in Wenden einbekommen vnd sindt darin 18 eiserne, 4 metallene Stücke, sampt 30 Tonnen Pulvers vnd 60 000 Musketen Kugeln erobert vnd hatt der Obriste Ako Tott, Finnus, mit 2 Cornet Pferden den
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*) Vergl. oben die frühere Nachricht.
**) Am Rande ist hinzugefügt (von derselben Hand): „Dieser ist darnach wieder erwachet vnd den 2. Aug. zu Barnstedt mit seiner Armada gewesen.“
***) Dies ist später hinzugeschrieben.

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obristen Befehl, den polnischen Feldherrn König Polzky, welcher 13 Cornet Kosacken, 2 Cornet Husaren vnd ein Cornet Dragoner bei sich gehabt, geschlagen vnd 4 Cornet bekommen. Ueber 150 Polen geblieben, dahero der Ako Tott zum Ritter geschlagen.
 

IMP. FERDINANDI SCHREIBEN AN DIE STADT LÜBECK
wegen
Commission an Hamburg vnd Bremen sie zur parition
zu vermahnen.

„Ehrsam liebe Getreue. Euch ist zumal ganz vnverborgen wie gnädig vnd mehr denn väterlich Wir nicht allein die gesammte Fürsten vnd Stände des Niedersächsischen Kreises ins gemein, sondern auch in specie vnd insonderheit auch die zwo Städte Hamburg vnd Bremen, zur Schuldigkeit, Gewissens vnd Uns geleisteten Treue, Eides vnd Pflichten mehrmale erinert vnd dieselbe so wohl durch Schickung als beweg- vnd ernstliche, an sie abgegangene dehortationes vnd Verwarnungs Schreiben vermahnen lassen, Unsere, aller Orten publicirten vnd ihnen zeitlich genug intimirten Kais. mandatis avocatoriis vnd inhibitoriis wirkliche parition zu leisten vnd namtlich ihren schuldigen Gehorsamb, mehrers durch die Werke zu demonstriren, als mit scheinbaren Worten allein zu färben vnd anzugeben.

Wie wenig aber Unser hieneben gebrauchter, der Welt bekannte Lang- und Sauftmütigkeit, Güte vnd Clemenz, sonderlich bei gedachten beiden Städten bishero gefruchtet, das geben ihre jegliche actiones vnd mit Unsern Widerwärtigen, so ohne Scheu, als heimlich gemachte Conspiration und Adhaerenz genugsamb an Tag vnd scheint nunmehr, daß alle Unsere wohlgemeinte, heilsame Erinnerung fast ganz vergebens vnd vmbsonsten gewesen, auch wie bishero, also eben hinfüro der Glimpf bei ihnen geringer Raum vnd Platz mehr finden werde; sintemal Wir glaublichen vnd gewissen Bericht vnd


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Nachrichtung erlangt, daß sich diese beide Städte ihrer, ob wohl (wie solches die Worte bezeugen) zum Schein allein gethane vfzügliche Verbal Erklärung ganz zuwider, zue Unsere Widerwärtigen inmittelst jemehr vnd mehr geschlagen, denselben mit Munition, Proviant, Wechsel vnd andern zu ihrer Behuef nothwendig gehörigen Sachen ausgeholfen; zu Unserm merklichen Schaden vnd Nachtheil aber Beide den Weser- vnd Elbstrohm de facto sperren lassen vnd dahero Wir nun längst überflüssige Ursache gehabt hätten, zu Erhaltung gebührenden schuldigen respects anstatt bishero erzeigten Kais. Milde vnd Gütigkeit dermalenst den Ernst sehen zu lassen vnd wider mehrbesagte beide Städte, den Gehorsamen zur Warnung, den Ungehorsamen aber zur Abscheu, diejenige Mittel, welche Uns die Rechte vnd Reichs Constitutiones an die hand geben vnd vorberühret Unsre öffentlich angeschlagenen Mandatis deutlich einverleibet, ohne fernere Cunction vnd Nachsehn fürzunehmen vnd zu gebrauchen.

Wann Wir Uns hiebei gleichwohl auch in Gnaden erinnern vnd dessen gute Nachricht vnd Wissenschaft tragen, daß demnach in diesen beiden Städten, sonderlich zu Hamburg vnd meistentheils des Rathes, Obristen vnd der Bürgerschaft, Unsre väterliche Sorgfältigkeit, friedliebende Consilia, heilsame vnd rechtmäßige Intention einigst genugsamb verspüren vnd zumal wohl erkennen, wohin Unsrer Widerwärtigen bishero geführten Practiken vnd gefährliche machinationes zielen vnd gerichtet, auch deren allein etzliche Wenige aus des Rathes Mittel die vornehmste Stifter alles Uebels sein, welche mehr umb fremde vnd ihres eignen privat Interesses, als des gemeinen Wesens vnd ihres geliebten Vaterlandes Heil und Wohlfahrt willen, dergleichen gefährliche Sachen anspinnen, den gemeinen Mann unter allerhand erdichteten Schein verleiten und wider Uns, ihren Kaiser vnd Herrn verhetzen und anreitzen, Euch aber zumal wohl bewußt,

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als Unsre Widerwärtige von vielen Jahren her, nicht Anders gesuchet, denn wie sie diese Beide, vnd da es ihnen gelingen wollen, alle andere Hansastädte vom Reiche an sich ziehen, dieselbe umb ihre Freiheit und consequentia unter ihr Joch, wie sie denn albereits durch Einführung frembder Commercien, der Gemeine den Bart gleichsamb für dem Maul abgeschnitten, bringen mögen, daß sie bei niemand anderm, als Uns ihrem Kaiser vnd höchsten Oberhaupt sich einziger zuverlässigen Rettung zu versehn, welche ihnen auch hinfüro, wann sie sich anders Unsrer Kais. Gnade widerumb fähig machen vnd des schuldigen Gehorsambs verhalten werden, im Werke zu leisten; inmaaßen Wir denn auch bis auf dato alhie sowohl an Unserm Kaiserlichen Hofe, als dem Kammer Gerichte zu Speier, in Sachen, so bei Unsrer Regierung vorgangen, an Uns nichts erwiedern zu lassen gemeinet vnd entschlossen sein; welches Alles sie denn in Erwägung ihrer Schuldigheit vnd eigenen Bestens, billig zu Herzen nehmen vnd sich der Zeit gegen Uns anders erzeigen sollen.

Wie wohl sie nun aber dessen allen ungeachtet, sie mit Unsern Feinden also gemahnter, ihnen selbst schädliche Correspondenz continuiren und in viele Wegen wider den klaren Inhalt vorangezogener Unsrer, ihnen absonderlich insinuirten Kais. Mandate fort vnd fort unverantwortlich vorgreifen, also ihren beharrlichen Ungehorsam jederman bekannt machen, gestalt Uns sie hiedurch auf die executionsmittel vnd Bestrafung, die in mehr besagten Mandatis vfgesetzet, das mal eins zu ergehen vnd wider sie mit Ernst verfahren zu lassen, mehr denn zu viel Ursach gegeben. So haben Wir ihnen doch vorhero vnd ehe Wir es zu der scharfen vnd wirkliche execution kommen lassen, sich eines Besseren zu bedenken, zu allem Ueberflusse vnd solches aus lauter Kaiserlicher Clemenz, angeborener Milde und Gütigheit, zuförderst aber auch vmb der hierunter begriffene

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unschuldige Bürgerschaften willen, noch eine, doch kurze Zeit zu verwilligen, sie von ihrem Unfug vnd unverantwortlichen Beginnen ab vnd zur Wiedereröffnung so wohl des Elb- vnd Weserstrohms, wie auch sonsten oft berührten Unsern mandatis avocatoriis, in Allem, sowohl in Werken, als mit Worten vollkomblich zu pariren noch eines ernstlich ermahnen zu lassen, nicht vmbgehen können noch wollen. Solchs aber der Zeit Beschaffenheit nach am füglichsten und damit sich Niemand, wer der auch sei, mit der Unwissenheit, oder daß Wir es mit ihnen nicht recht väterlich und gnädigst gemeinet, inskünftige zu entschuldigen haben möge, zu Werke zu setzen, haben Wir den nähesten vnd sichersten Weg zu sein erachtet, Euch, welche ohne das über die gesambte Hanse Städte das Directorium führet, zu Denen Wir, zumal auch umb Eurer Uns wohl bekannten vnd in viel Wege erwiesenen beständigen Trewe willen, Unser sonderbar gnädigstes Vertrauen dies Ortes vornehmblich gestellt haben, diese Commission vfzutragen, nicht zweifelnd, Ihr werdet Euch die Sache umb so viel lieber damit gleichwohl die unschuldige Gemeine, so sich von etzlichen wenigen wider Uns verleiten lassen, wie erst angedeutet, bishero darunter mit leiden müssen, mit allem Ernste und Eifer angelegen sein lassen;

Und befehlen Euch hiemit gnädigst vnd wollen, daß Ihr nicht allein oft vnd vielgedachte Bürgermeister vnd Rathmanne der Städte Hamburg und Bremen, sondern auch deren einen vnd allen Zunften, der ganzen bürgerschaft daselbst absonderlich, diese Unsre gnädigste Intention, väterliche Warnung vnd endliche Vermahnung in Unserm Namen zu wissen machen vnd denselben mit allen Umbständen auch Einerinnerung ihres Uns geleisteten theuren Eides beweglich zu Gemüth führen vnd noch ein für alle mal ernstlich vermahnen wollet, daß sie sich Unserm daselbst publicirten Kaiserl. avocatoriis ihrer Schuldigkeit nach nicht allein gehorsamblich

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bequemen, sondern auch, daß sie denselben in Allem durch real demonstration pariret mit dem Elb- vnd Weserstrohm zu erzeigen, daß ihnen die freie Commercien, vermöge der von Uns ihnen confirmirten Privilegien, lieb und ernst sein, eröffnet haben, darthun vnd erweisen, sonsten auf den Widrigen, die angedrohten vnd Uns in alle Wege obliegende schwere execution gewärtig sein; Diejenigen aber, welche sich durch wirkliche parition, in echter wahrer Treu zu Uns wenden, Unsrer Widerwärtiger gefährlichen Anschlägen gänzlich entsagen, denselben wird mit Munition, Proviant, auch andern Dingen vorschub than vnd sich dadurch Unsrer Kais. Gnade, Schutzes vnd Protection würdig machen, gänzlich assecuriret vnd versichert sein sollen, daß Wir dieselbe wider Unsre vnd ihre Feinde, die bishero nach ihrer Libertät vnd Freiheit, ihnen zu Wasser vnd Lande die freie commercia abzuschneiden, gefährlicher Weise entsetzten, ihrem Vermögen nach bishero getrachtet, mit mächtiger Hand rathen vnd defendiren wollen, darauf sie sich zu verlassen haben vnd Ihr werdet in der Sache, Unsrer gnädigen Zuversicht nach mehr zu thun wissen, der Wir etc. etc.“

Geben zu Wien 1. Julii 1627.

Den 2. Aug. hatt G. Ludwig von Fürstenberg mitt seiner Armada, etzliche 1000 stark, zu Barnstedt vnd in den umbliegenden Dörfern das Nachtlager gehalten vnd Alles verderbt vnd weggeraubt was noch vorhanden vnd übrig gewesen. Den folgenden Tag sindt sie nach Winsen marchirt vf des Königs Schanze so an der Elmenow gebawet.

Den 6. Aug. ist er mit seiner Armada zu Lauenburg vber die Schiffbrücke gekommen. [Hatt noch den 22. Aug. sein Nachtlager zu Pötrow.] *)
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*) Dies ist von derselben Hand nachträglich hinzugefügt.

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Den 28. Julii ist Tilly mit seinem Volke zu Blekede unerwarteter Sache über die Elbe kommen, derowegen die Königschen Boitzenburg vnd Lauenburg verlassen vnd vf Holstein zugewichen. So hat auch der Durlacher deshalben den Pass an der Havel verlassen vnd sich vfs Land zu Polen *) (?) retiriret.

Troppau hatt sich auch dem Walstein den 30. Julii ergeben vnd ist also ganz Schlesien von den Weimarschen nunmehr quitiret.

Im Lande zue Braunsweig vnd Lüneburg sindt bis vf dato in Zeit dieses Krieges über 400 Dörfer verbrannt vnd in die Asche gelegt vnd sindt allein innerhalb der nächsten vier Wochen von der Besatzung zue Wolfenbüttel bei 25 Dörfer (mehrentheils Kirchdörfer) verbrannt vnd zu Grunde verwüstet, als:

1. großen Stockheim, 2. klein Stöckheim, 3. Lafferde, 4. Ahlem, 5. Artzen, 6. Salzdalen, 7. Wendesheimb, 8. Groß Denkte, 9. Klein Denkte, 10. Wettmarsen, 11. Sothmar, 12. Neuendorf, 13. Kissenbrügge sammt der Kirche, 14. Linden, 15. Halchter, 16. Dorstadt, 17. Drutte, 18. Tyde, 19. Fümmelse, 20. Steterburg, 21. Immendorf, 22. Cramm, 23. Barum, 24. Geerte, davon noch etwas steht, 25. das Vorgebau am Kloster Riddagshausen.

Dömitz ist dem Tilly auch vom Kapitän Oberberg, jussu sui principis vfgegeben worden.

30. Julii ist in Apulia ein schrecklich Erdbeben 4 Stunden lang gewesen, welches 6 Städte ruiniret als S. Paulo, Sora, Coponino (?), Portici, Torre magiore, S. Severo, Casal magiore vnd noch ein Ort, vnd darin an 12 000 Menschen umbkommen.

Das Wetter hatt auch in des Herzogen von Savoja Pallast geschlagen, den portier berühret, davon der ganze Hof ruiniret vnd zertrümmert worden.
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*) Es steht deutlich Polen, was freilich von der Havel sehr entfernt ist.

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Den 17. Aug. ist Herzog Friedrich zu Holstein mitt 100 Pferden zu Lübeck angekommen vnd den 19. huj. zum Tilly ins Lager nach Lauenburg geritten; ist den 26. Aug. wieder zu Lübeck angekommen, hat das Amt Gottorf frei vor sich behalten, sonsten Einquartierung in seinem ganzen Lande bewilligen müssen.

Trittow hatt sich den Kaiserschen übergeben müssen.

Cvoll (Zwoll?) hatt sich 19. Aug. dem Prinzen von Oranien per accord ergeben müssen.
 

CONDITIONES PACIS A TILLIO REGI DANIAE PROPOSITAE:

1. Alle Soldaten zu licenciiren.
2. Allen Anspruch des Fürstenthumbs Schleswig Holstein sich zu begeben, auch die Ordnung so Ihre Kais. Maj. darin machen würden, sich gefallen lassen.
3. Aller Ansprach geistlicher Güter sich zu begeben, auch was deme mehr anhängig.
4. Allen Schaden, so dem Fürstenthumb Lüneburg mit Brennen, Rauben und Ausplündern bis dahin zugefügt worden zu erstatten.
5. Die Vestung Glückstadt abzutreten vnd zu übergeben.
6. Die Kaiserl. Armee zu bezahlen vnd des heil. Reichs Erkenntniß wegen verübter Gewalt zu erwarten.
7. Alle Ansprach an das Fürstenthumb Braunsweig, es sei für vorschossene Gelder oder sonsten gemachte pacten vnd Verträge, sich zu begeben vnd das Fürstenthumb freizustellen.
8. Des vfgesetzten Zolls im Sund vnd anderswo, ohn’ des heil. Reichs Vorwissen Steigerung vnd Zoll abzuthun.
9. Allen Bündnissen gegen das heil. Römische Reich abzusagen auch deren künftig keine zu machen.
10. Des Kreisobristen Amtes sich gänzlich begeben vnd darauf renunciiren.


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11. Dieses Alles mitt seinem genügsamen, beliebten vnd annehmlichen Revers zue bestärken.

September. Pinneberg ist auch vom Tilly durch Aufgebung eingenohmen, er, Tilly, aber ist durch einen Schenkel geschossen.

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ALLER NEUTRALISTEN SPIEGEL,
das ist
Eine sehr schwere und große Klage eines armen
Salzsieders zu Hall in Sachsen
über
des Kais. Wallsteinische Kriegsvolkes Einzug
und Einquartierung 1626.

Ach Gott wollest Dich erbarmen mein,
Muß denn die Welt voll Teufel sein?
Ich hab’ auch einen in dem Hauß,
Der treibt mich bald zur Stadt hinaus;
Ich kann nicht mehr darinnen sein
Vnd sollt der Teufel schlagen drein.
Was ich ergreif’ nur vnd erkratz,
Frißt vnd säuft mir der schlimme Fratz
Indessen daß ich Hunger leide
Mit meinen Kindern vnd meinem Weibe;
Soll mich dazu lassen schlagen,
Nein das verdauet nicht mein Magen!
Er wird mich endlich doch ausjagen!
Wenn er verzehrt hat all’ das Mein’
Muß ich doch noch vertrieben sein.
Vnd in das Elend ziehn hinaus,
Was wird denn letzlich werden daraus? –
Wo wollen wir nun fliehen hin?
Es ist mir immer das zu sinn:
Ganz Teutschland allenthalben sei
Von dieser Tyrannei nicht frei.
Pfui ihr Hoe Doctor mein,
Wie habt ihr’s troffen also fein,

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Wir habens gar schon ausgericht,
Ihr habt uns immer zum Bericht:
„Die Zwingler habens nur gethan,
Denen gibt der Kaiser ihren Lohn.
Wir sollten nicht warten ihr,
Wir hätten Brief vnd Siegel dafür.“
Der Teufel trau ein’m Brief der Fürsten,
Die regierungssüchtig nach Blut dürsten,
Brief’ sind sehr liederliche Vesten.
Wenn man vermeinet man sei am Besten
Vnd hoffet am sichersten zu sein,
Thut der Tyrann einen Schnitt hinein,
Reißt von dem Zaun geschwind die Ursach’
Vnd dann ein Brücklein drüber macht,
Daß er werf’ Alles über vnd unter,
Drum hält man den Brief für ganzen Plunder
Mir that nie etwas Gut’s davon träumen,
Ich konnt’ die Wort’ und Werk’ nicht reimen,
Ein ander Wort ein andrer Nam,
Daß Jedermann Spanisch fürkam.
Man nannt es Zins-ehr-atz-iohn *),
Der Ausgang lehrt mich’s nun verstohn.
Wir sein in Unser Zins vnd Ehr
Und Atzes worden ohn’ vnd leer.
Wir wollten andern Leuten nicht glauben
Bis wir den Glauben in Händen han,
Wir vorsichtige Neutralisten. –
Man thut uns schon vor Andern fristen,
Wir sein neutral, bis vnsre Freund
Mit vnsern Nachbarn fertig seind,
Bis sie vns haben abgerannt,
Allen Pass vnd Vortheil vnerkannt.
Weil wir denn durch Andrer Schaden
Nicht weiser werden, noch vns besser rathen,
So sage mir Hoe Doctor mein,

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*) Am Rande ist zur Erklärung bemerket: „Sinceration“.

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Wer mag doch daran schuldig sein,
Dass teutsche Freiheit, Ehr vnd Geld,
Religion vnd Alles schmählich fällt?
Gewiss Ihr habt mir Rath vnd That
Weidlich geschoben an dem Rad,
Bis es im Schlamm ist blieben stecken,
Nun helft’s auch wieder aus den Drecken,
Seid Ihr ein solcher Doctor Hoe
Und habt ein bislein Scham noch nach!
Ihr habt vns wahrlich nicht getäuschet,
Ich glaube Ihr seid auch beräuschet,
Von einer der Huren Babylon
Vnd von den Spanischen Dublon!
Sollt’ Doktor Luther itzt aufstehen,
Er würde Euch anders darvmb ansehen.
Gott läßt wohl einmal mitt ihm scherzen,
Straft aber ernstlich falsche Herzen,
Der wird Euch geben Euren Lohn.
Denn Josephs Schaden ist nackt, ein Hohn,
Da Ihr helft wieder richten auf
Des antichristischen Reiches Lauf,
Da Ihr, so viel an Euch, dem Thier
Der Hure helft tragen mit Begier,
Vnd so viel Tausend arme Seelen
Stürzet in Verfolgung vnd in Quälen,
Die Fürsten zur Unzeit verhetzet
Und sämtlich in Gefahr versetzet,
Gepredigt: „Fried, Friede, fürchtet Euch nicht!“ –
Da doch nichts mehr als Friede gebricht;
Verkauft Teutschland vnd Gottes Wort,
Dass wir verlieren immer fort
Eine Kirch’, eine Stadt, ein Stift, ein Land
Nach einander ohne Widerstand.
Ich bin ein armer geringer Mann,
Der nichts als nur Salz sieden kann,
doch hab’ ich Alles soviel gehöret,

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Dass anders nichts mehr hab’ verstöhret,
Dass Constanipolitanische Kaiserreich
Vnd auch Jerusalem zugleich,
Als einheimisch Mißtrauen vnd Streit,
Als Landsleute Zank vnd Pfaffen Neid,
Als jämmerliche Vneinigkeit,
die ihrem Feind’ den Weg macht breit.
Weil’s dann in Teutschland auch so steht,
Darumb es billig vns auch so geht,
Dass wir endlich müssen noch
Verschleift sein unter fremdes Joch.
Doch was gehet mich dies Alles an,
Ich kann stets andre Herren ha’n,
Die Herren können nicht wieder umbei
Sobald andere Länder bekommen.
Wer nicht will sehen, bleibe blind,
Ich ziehe davon mit Weib und Kind,
Ich ziehe aus von Babylon
Sonst wird mir Theil an ihrem Lohn’.

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FRIEDENS ARTIKEL, SO DURCH DIE POLNISCHE
COMMISSARIEN DEN STÄNDISCHEN GESANDTEN
DER SCHWEDEN VORGESCHLAGEN WORDEN:

1. Dass beide Könige Zeit ihres Lebens den Titel von Schweden sollen führen, auch dass König Gustav soll in der Regierung bleiben vnd dagegen jährlich dem Könige von Polen 100 000 Rthlr. baar bezahlen.

2. Des Königs von Polen Söhne, Gesandte vnd Diener sollen ungehindert in vnd außer Land reisen und ihre Geschäfte ohn Jemandes Verhinderung vornehmen.

3. Alle denjenigen, hohen vnd niedrigen Standes, so sich beim Polen aufhalten, sollen ihre Güter nicht allein im lande restituiret, sondern auch in der Qualität vnd dem Zustand, so sie zuvor gehabt, wieder gesetzet werden.

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4. Der König Gustav soll alle Orte in Preußen vnd Liefland vnd was er sonst der Krone Polen gehörig possediret, wiederumb alsobald abtreten und restituiren.

5. Nach Absterben Königs Gustav soll die Crone vf die Linie des Königs Sigismundi erblich fallen und seine Gustavi hinterlassene Erben sich Weiteres nicht mehr anmaßen vnd praetendiren, als das Theil so König Gustav Vater, Carolo, erblich zugetheilet worden.

Replica Suedorum.

Vf diese vorgetragene Artikel ist durch den Kanzler Oxenstiern, Feldmarschaln Wrangel, Hofmarschal Dietrich von Falkenberg und Obristen Tott nebst deputirten Schwedischen Commissarien vmbständlich repliciret worden, was die Ursachen gewesen zu einer andern Wahl zu schreiten, daß daran Niemand anders schuldig, als der böse Ralh dem König Sigismund diesmal gefolgt; wären auch keineswegs in Friedens tractation sich weiter einzulassen, oder auf einige Artikel sich zu erklären gesonnen, es wäre denn, daß der König in Polen folgende 2 Artikel zuvor approbire:

1. Dass wegen oberzählten genugsamen Ursachen, die Stände in Schweden Recht, Fug vnd Macht gehabt, einen andern König zu wählen.

2. Dass der König in Polen, den König Gastavum für einen rechtmäßigen König der Krone Schweden anerkennet, auch dass er solches acceptiret, nicht gethan, vnd weitere alle diffamation einstellen wolle.

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PASQUILLUS IN DEFENSORES EVANGELII.
   
Palatinus
  Quum demens aliena peto, mea perdo, reliqui
Perniciem patriae, nil nisi bella aliis.
Rex Daniae
  Securus poteram turbas spectare rebellas;
Quando Aquilam impugno, meque meosque ruo.

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Mauritius Hassus
  Grammaticam pueros satius docuisse fuisset
Quam quatere Imperium seditione gravi.
Bethlen Gabor
  Nec pace, nec bello valet, metuendus et hosti
Et sociis, neutri fidus, avarusque, iners.
Christianus Brunsvicensis
  Nec prudens, nec fortis eram; temerarius, audax,
Pene puer volui multa, nihil politus.
Durlacensis
  Induperator erat belli, sed desiit ante
Quam fuerat; notus non nisi clade sua est.
Onolbaccensis
  Spinola non vicit me, sed deterruit; heros
Sum, si sic fas est fari inter amicos.
Mauritius Nassovius
  Fortunate heros, Breda ni deserta fuisset
Metu tibi haec vitae est, imperiique tui.
Suecus
  Nil patri indignum molitur Suecus avisque,
Dent nescire vires, prospera votu tibi.
Sabandus
  Hispanos rerum dominus, Genuamque potentem
Si tibi quidque vis linquere, linque prior.
Wimariensis
  Si mea, me mihi liquiset prudentia, Caesar
Posset honoratos inter me habere Duces.
Mansfeldius
  Mansfeldi quodcunque fuit, quod non habet orcus,
Praeripuit corvus, et sibi servat humus.
Christianus Anhaltinus
  Solus ego didici quod Caesar possit in armis,
Discant et reliqui, pax erit alma rectrix.

1901/1 - 20


1901/1 - 21

Comes Hohenloensis
  Seditiosorum Dux alter eram ipse. Vereri
Caesarem cum tandem cogito, pace fruor.
Comes Thurricus
  Vivo, sed exilii quia sors rapit actus in orben
Consilio everti regna Bohema meo.
Henricus Fuchsius; Nassovius
  Fraterni manes et patris amabile nomen,
Virtutes vestras me date posse sequi.
Rheingravius
  Sum vigilax satis, alius nihilo minus alto
Me occitat e somno, Sum vigilax ne satis?
Colonellus Obentraut
  Te tua commendat virtus, animosa fidesque,
Heros es belli si tibi causa fuit.
Colonellus Fuchsius
  Quid pullos vulpes, aquilinos cauda lacessis?
Respice nam post te, cauda rescissa jacet.

Colonellus Lochhausen

  Dum vires Aquila metitur ab ansere Belgo
Involvit laqueo, compedibusque pedem.
Colonellus Morgan
  Angle redito domum, tibi Caesaris armiger alis
Plectra lyra rumpet, Angle redito domum.
Colonellus Norprhatt
  Cum deessent alii, sum dux ego factus, aquae sic
Saepe lenant, vino deficiente, sitem.
Knyphusius
  Si tantundem armis ego, quantum polleo fraude
Certe is cui fictus milito, victor erit.
Colonellus Limbach
  Nobile Mansfeldi membrum es, perjurus et excors,
Dic mihi num credas amplius eo deum.

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1901/1 - 22

DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE
  Tres sunt concordes Rex Danus, Gallus et Anglus,
Sunt duo discordes, Gallus et Anglus in his.
Venetiae
  Vive tibi, quantumque potes, molle excole pacem,
Namque abs te. Caesar mox sua regna petit.
Helvetii
  Caseus ut putris, virtus Helvetica manet
Antiquos dominus forte habitura brevi.
Hollandi
  Seditiosorum turba, fax et mater, et hospes,
Seditione viget, seditione perit.
Turca
  Auxilium petit abs Christiani nominis hoste
Religio, non plus quam barbara religio.
Saxo Elector
  Saxo quiscit adhuc, propriae pacem anxius optat,
Pacis amans fruitur pace, quietus agit.

Deus

  Non novi te turba rebellis et impia turba
Quae quodcunque legis religione nefas.
Scultetus
  O! utinam atque utinam, ant caruisses, improbe, linqua,
Aut tuus Elector auribus atque oculis!
Camerarius
  Lapsas res domini scribax Comerarius armis
Cum nequeat, reparat pennipotente manu.
Unio
  Bellua multorum capitum, concordia discors,
Deposui fulmen, omnia, nilque fui.
Carpzovius
  Ore leo, sed corde lupus, de conjugesola
Palmam carnifici strenuus ense tuli.

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1901/1 - 23
 

Adminitrator Hallensis
  Nil tecum mihi Mars trux, o Bellona valeto
Nuda mihi absque armis sola Minerva placet.
Palatinus
  Victo Caesare (scilicet) eversaque Vienna
Mactus in expleta laude reviso meos.

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ARTICUL, SO KAISER FERDINAND II. VON DER
STADT HAMBURG BEGEHRT, IM OCTBR. 1627.

1. Sechs Tonnen Goldes dem Kaiser herzuschießen.
2. Den Thumb daselbst zu restituiren.
3. Wie auch alle Klöster, sammt deren Intraden.
4. Einquartierung in die vier Lande und Ham- Ihr burger Dörfer zu vergönnen.
5. Alles was aus Holstein in die Stadt gebracht, Kaiserl. Maj. verabfolgen zu lassen.
6. Den Schauenburger Hof dem Kaiserl. Abgesandten zur Residenz einzuräumen.

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October. In Jütland haben die Königschen abermals verloren, Conrad Nelle und Calenburg sind gefangen vnd 27 Cornette vnd 3 Fahnen verloren worden. Also geht es den Soldaten, wenn sie nicht fechten wollen.

In diesem Monat ist Kaiser Ferdinand II. mit seiner Gemahl zu Prag ankommen vnd solemniter eingeholt worden.

Rochelle hat der König in Frankreich belagert vnd liegen die Englische noch für Sct. Martin.

Der Hollandische Admiral Peter Hains hat mit 41 armirten Schiffen die Vestung Porto Nombre de Dios in Westindien eingenohmen vnd großen Reichthumb darin befunden.

6. Octbr. ist die Pfalzgräfinn wieder eines jungen Herrn niederkommen.

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EX TRACTATU QUODAM MANUSCRIPTO, UBI DICITUR.
»Papatus serret cum Imperio Romano«
subvertens
ex Cap. 26 Nr. 25 & seq.

„No. 25: die Schifffahrten in Ost- und Westindien werden nicht mehr von den Spaniern unsicher sein, noch von einem Volke allein eingehalten, sondern allen Völkern der Gewinn erlaubt, quia juris gentium sunt, quod jus gentium Hispani hactenus voluerunt interversum.

26) Terra australis wird auch erkundigt werden umb vnd umb, vom Morgen gegen Abend, vom Abend gegen Morgen.

27) Das hochlöbliche Haus zu Sachsen wird allein Herr sein in aller Welt.

28) Es wird die revisionem omnium legum completiren vnd in ein kurzen vnd gewissen formam ordentlich fassen, zu Nutz auch der Idioten.

29) Vnd werden die Advocaten nicht viel mehr gelten als itzo bei uns die Mönche.“

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NICOLAUS MAMERANUS, NATIONE BURGUNDUS
IN CATALOGO EXERCITUS CAROLI V. PONTIFICII,
AUCTOR EST, ET EXPEDITIONI INTERFUIT:

Summa totius exercitus 14 900.
praeter munitionum eqous 6 000.
Summa totius peditatus Germanorum
superioris 19 000.
inferioris 9 000.
Hispanorum 8769.
Italorum 11 000.
Fossorum 25 000.

»Quanta autem in hoc tanta exercitu, turba homi, num ac militum numero comprehensorum fuerit, veluti oratorum, mercatorum, comeatum et patibulum afferentium, mulierum, puerorum, servorum, et hominum occisorum

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et vagantium facile unusquisque aestimare poterit, qui modo militiam unque vidit et castra est secutus, item et equorum, asinorumque et militiae usui destinatorum, ut forsan supra 93. *) ex parte dimidia aequari summa jam expresse poterit. Sed partis adversae majorum et fuisse numerum constat, ut aestimari queat adfuise hominum utriusque bis centena millia, equorum millia triginta. Quae res in miraculum exit, fidemque vincit, quomodo possibile esse poterit, tantam hominum equorum, que multitudinem ad quatuor fere totos menses Augustum, Septembrem, Octobrum et Novembrem, non supra unum milliare perpetuo sibi invicem propinquam, in unius ditionis parvo tractu de spatio (nempe non supra 12 milliaria) longo haesisse et ex omni commeatu, pabulatuque necessario abundanta et sustinari et uttrici potuisse, nec hanc eandem ditionem ita exhaustam fuisse, quin adhuc ad alteros quatuor menses suffectura fuisse credita sit, quum neque tota vel Italia vel Hispania vel quaelibet et frumenti vinique foecunda Gallia ad unum fortasse mensem ex omni necessaria provisione sustentare potuisset. Unio autem Germaniae haud ita magnas valde habere potuit. Nec in his tantis copiis victam Germaniam eo magis dici debet, quae suis ipsius viribus mutuo concisam et labefactatam.«
Haec Mamercus

Ueber die vorigen Summam hat:

Christoph von Wrisperg in Westphalen 1150 Pferde, 21 Fähnlein Knechte. Herzog Erich zu B. hat in Westphalen gehabt 2500 Pferde, 17 Fähnlein Knechte (1 Fähnlein hat sollen haben 500 Köpfe). Markgraf Albrecht in stipendio Caesaris 2000 Pferde, 8 Fähnlein Knechte. In stipendio Ferdinandi 500 Pferde, 6 Fähnlein Knechte. Ferdinandus ad Egram cum Mauritio se conjunxit, hat bei sich 604 schwere Pferde, 1071 Husaren, 272 andere Pferde. Mauritii equitatus 1600 Pferde, 10 Fähnlein
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*) Diese Abkürzung vermag ich nicht zu erklären.

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Knechte. Hans Walther von Heinichen hat zum Kaiser nach Halle gebracht 8 Fähnlein Knechte.

EXERCITUS ELECTORIS SAXONIAE JOHANNIS FRIDERICI:
 

Der Churfürst hat 4000 Pferde, der Landgraf 3000 Pferde, Herzog von Wirtenberg 600 Pferde, Wagenpferde 6000. Thumbsheim 13 Fähnlein, 6000, wie der Wrisperger, 1500 Pferde. Christian Manteufel 6 Fähnlein. Conrad Pfennig 4 Fähnlein

item:

Churfürst Johann Friedrich hat 49 Fähnlein Knechte. Der Landgraf 48 Fähnlein. Herzog Ulrich von Wirtenberg 26 Fähnlein. Civitates confoederatae 36 Fähnlein.

Summa peditum hujus partis 79500.

Capitanei sind gewesen:

Thumbsheim, G. Albrecht von Mansfeld, G. Christoph von Oldenburg, Ernst Johann von Hardek.

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November. Ludovicus Graf von Fürstenberg stirbt zu Lauenburg nach vollendetem Holsteinischen Zuge.

Der Admiral von Holland hatt in Brasilien 13 Schiffe erobert mitt reichen Waaren beladen vnd nach Holland gesandt. Die Englische sollen bei Goa 3 Portugisische Galleonen vnd 6 andere Schiffe erobert haben.

Justinus de Nassow, Admiral, so vor Cvoll (Zwoll?) erschossen, ist im Haag in die Schloss Capelle seinem Herrn Bruder beigesetzet.

Nachdem der Obriste Isaac Limbach zu Nienburg gestorben, ist die Besatzung 1812 Mann stark vnd mitt 2 Stücken Geschütz die Weser hinunter nach dem Vegesack vber Bremen geschiffet.

Ferdinandi II. filius primigenitus in Regem Bohemiae coronatus hoc mense Novbr.

Magnus Dux Mascoviae mortuus est.

8. Decbr. hatt Philipp Reinhart, Graf zu Solms, die Vestung Wolfenbüttel dem Obristen Kaiserschen

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Wachtmeister Gottfried Hinrich von Pappenheim des heil. Reichs Erbmarschalken vf Accord vbergeben.

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MÜNDLICHE ERKLÄRUNG SO KAISER FERDINANDUS II.
DEN UNTERÖSTERREICHISCHEN EVANGELISCHEN
STÄNDEN GEGEBEN, DAS
EXERCITIUM RELIGIONIS BETREFFEND.

„Wir haben vernommen, was Ihr im Namen der anwesenden Augspurgischen Confession zngethanen Stände angebracht habt vnd so viel die Schrift belanget, lassen wir’s an seinen Ort beruhen, das exercitium aber der Augspurgischen Confession betreffend, haben wir Uns also, heroisch, kaiserlich vnd fürstlich gnädigst resolviret, dass sich die Stände mit Fug zu beschweren nicht Ursach haben, in Erwägung wir sie bei den exercitio ermeldter Confession allermaaßen sie es bei Kaisers Matthiae Lebzeiten gehabt imperturbiret ruhig wollen verbleiben lassen, deswegen sie einig Mißtrauen in Uns nicht setzen sollen. Glaubt Unsern Worten, die Wir Euch Alles, so wahr Wir ein geborner Erzherzog, vnd erwählter Römischer Kaiser sein gewißlich halten, Uns auch in einem vnd Andern, gegen die Stände also erzeigen wollen, wie ein Vater sein Kind lieben thut vnd bei demselben leben vnd sterben.“

Hiervf ist den 13. die Erbhuldigung geschehn vnd sindt anwesend gewesen: Prälaten 19; Catholischen Herrn Standes 32; Evangelischen Herrnstandes 33; Catholischen Ritterstandes 30; Evangelischen Ritterstandes 39 vnd von 18 Städten vnd Marktflecken Abgesandte.

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December. Von Danzig wird avisiret, daß der Cracauschen vnd Sandomirschen Palatinen Deputatirten Instruction aus 4 Puncten bestehe:

1. Die hochgestiegene Münze wieder in den alten Stand zu richten;

2.
das Kriegswesen oder Anstalt mitt dem Schweden den polnischen Ständen zu übergeben;

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3. zu den Contributionen auch die Geistliche zuziehen, daß selbige andern Landständen vnd Unterthanen in dem Falle gleich gehalten vnd von ihrem liegenden vnd fahrenden Gütern ebenmäßig contribuiren sollen vnd dann die Gewissen frei zu lassen;

4. die freie Wahl eines Königs soll confirmiret werden vnd da sie dies bei dem Könige nicht erhalten, sollen sie keine Contributiones einwilligen, sondern mitt Protestation wieder nach Haus ziehen.“

Vom Bamberg 4. Dec. Die 2 Könige zu Prag sind stattlich vnd wohl abgangen, aber wenig Zeit hernach groß Ungewitter, Wind, Donner vnd Blitz, Tag und Nacht daheimb wie auch an viel anderen Orten gewesen vnd Nachtszeit das Schloß zu Prag ein Ansehn bekommen als wenn’s mitten im Feuer stände.

Auch ist 8 Meilen von Prag das Feuer an unterschiedentlichen Orten bei großen Stücken vom Himmel gefallen vnd viel Häuser, Menschen und Vieh verbrannt.

Zu Glatz ist ein solcher Sturmwind gewesen, desgleichen nie gehöret, hat übergroßen Schaden gethan.

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Bohemia 36 milliaria longa et lata.

Die alte Stadt Prag hat 14 000 Feuerstätte, die neue Stadt 18 000 Feuerstätte, Summa 32 000 Feuerstätte. Fleischbänke 426.

Amplius habet Bohemia:

Urbes 340, Arces 1300, Villas et pagos 73722, Templa vel aedessacras 26751.

Wenn ein jeglicher Hauswirth gibt 4 Pfg. ist 56431 Rthlr. Zu solchem Gelde gehören 3 385 900 Mann, ist der vierte Mann.

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Anno 1628.

Januarius. Aus Prag wird geschrieben, dass alda Dr. Jacobus Schultz, Pfalzgrafen Augusti von Neuburg

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Gesandter angelanget, in Sachen belangend die Religions Reformation. Hat zum Bescheid erlanget: Daß die Aeltern Herr Pfalzgraf Wolf Wilhelm ex jure superioritatis et primogeniturae in der jungen Herrn Gebrüder Antheil Landes, catholische Religion einzuführen Macht habe; quod et factum est.

Adrian von Bergen, Canonicus zu Strasburg wegen des Bischofs daselbst Gesandter, in Sachen des Strasburger Bisthumb belangend, fordert auch Restitution der geistlichen Güter wider die Stadt Straßburg.

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ACTA MULHUSIANA.

Proposition
 

so Churfürst zu Mainz als Reichskanzler in Germanien im churfürstl. Collegial Tag zu Mülhausen vf 5 Puncte vortragen lassen:

1. Wegen vieler im Reiche bishero vorgangener exorbitantium, wie dieselbe zu remidiren: Desfalls ist im Churfürstl. Collegio vf eine Legation von Mühlhausen ad Caesarem geschlossen worden.

2. Wie allem eingerissenen Mißtrauen zu wehren vnd das rechte deutsche Vertrauen bei des Reiches Fürsten und Ständen wieder zu bringen sei?

3. Wie ein rechter beständiger Friede zu schaffen vnd das Römische Reich dermaleinst in Ruhe zu setzen?

4. Wie allen vnd jeden aufstehenden Rebellen des Römischen Reiches zu begegnen, sie zu dämpfen vnd man sich diesfalls in zukünftig wider sie zu schützen haben möge?

5. Wegen etzlicher Zölle und Anlagen, wie dieselbe Chur- vnd Fürsten, wie auch dem Reiche zum Besten, nach vorstehender jetziger Reichsgelegenheit, mit einem vnd dem andern zu erhöhen, auch etwa in bessere Form vnd Aufnahme zu bringen?

Hiervf ist deliberation gehalten vnd sind in diesem


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Collegio die geistliche Electores gegangen vf 2 Puncte, als: vf Einigkeit der Religion vnd vf Restitution aller geistlichen Güter.

IMPERATORIS POSTULATA beruhen auf acht Puncte.

1. Caesar fordert für sich einen sicheren, richtigen vnd beständigen Frieden; begehrt aus dem Kriege kein Handwerk zu machen; ihm allein *) (spricht er) mit wem er jetzo Frieden machen solle sintemal Niemand wegen Dänemark vnd Pfalz daselbst vorhanden; zu dem so wäre ihm vnerhört vnd nicht gebräuchlich, daß der victor victo zu Füßen falle vnd demselben den Frieden, welcher doch victus zuvor nicht gesuchet, viel weniger begehrt, nachtragen vnd anbieten solle, denn propter inobedientiam des niedersächsischen Kreises, als auch andrer vngehorsamen Fürsten vnd Stände hätte er sich mit seinem vnd des Reiches höchsten Schaden vnd Verderb (welches eben sie causiret) in den Sattel bringen lassen, daraus er sich nicht zu begeben gemeinet vnd gedenke, es erfolge denn eine verwahrliche vnd vollständige vnd annehmliche Caution aus dem Reiche, daß er vor aller künftigen weiteren Rebellion sicher.

2. Wie auch bishero theils Fürsten vnd Stände seine mandata cameralia vnd avocatoria nicht respectiret, wäre am Tage, die Kammer zu Speier und derselben fiscalis würden hierin Maaße zu treffen wissen.

3. So hätten auch viele hin vnd wieder im Reich, zur Verschmälerung Kaiserlicher Autorität ein Crimen laesae majestatis begangen derowegen zu Erhaltung Kaiserlicher Reputation, durch genugsame, als hiezu gewaltsame verordnete Inquisition dieselbige zu gebührlicher Strafe zu ziehn.

4. Wie dem Passauschen Vertrage nicht wäre nachgelebt, da einer vber den Andern zu sich reisse, was man nur bekommen könne, vf seine Religion gezogen,
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*) Hier scheint ausgelassen zu sein: „stehe es zu, zu bestimmen“.

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in’s Gelage hinein reformiret, solches wäre ebenmäßig notorium.

5. Derowegen alle einhabende vnd nach dem Passauschen Vertrage zu sich gezogene geistliche Güter (non distinguendo inter archiepiscopatum et inter monasteria, aut alia bona ecclesiastica, nec inter Electorem Saxoniae et reliquos protestantes) zu restituiren vnd abzutreten. Sonsten vnd außer dem versichere Ihre Kais. Maj. Fürsten vnd Stände, dass der ungeänderten Augspurgischen Confession Zugethane, vermöge des Passauischen Vertrages (si absque impressione bellica sese paci submiserint) von derselben kein Bedrängniss widerfahren solle, sondern welcher Stand im Passauer Vertrage befunden, derselbige soll kaiserlich dabei manuteniret vnd geschützet werden. *)

6. Dann endlich vnd hiernächst, so viel Geld an die Hand zu schaffen, damit die Armée bezahlt werden könne.

7. Eine allgemeine Reichs- vnd Haupsteuer zu bewilligen.

8. Zu einer stets währenden Verfassung wider die aufstehenden Rebellen des Römischen Reiches eine gewisse Anzahl Kriegesvolkes zu unterhalten, so auch nach Gelegenheit wider den Erbfeind zu gebrauchen.“

POSTULATUM DER CHURFÜRSTEN VON
SACHSEN UND BRANDENBURG in 5 Puncten.

1. Citiren sie die kaiserliche Sincirationes.
2. Berufen sich auf Verträge vnd Kaiserl. Confirmation.
3. Wegen Abschaffung der Armée vnd Auszahlung derselben soll jeder Obrister sich decortiren lassen.
4. Dringen principaliter vf den Religionsfrieden vnd wollen denselben gehalten haben und wissen.
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*) Am Rande macht der Verf. des diarii hiezu die Anmerkung: „Subsistentie hac clausula totus circulus inferior Saxonicus a beneficio Passoviensis transactionis exclusus erit.

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5. Begehren endlich ein liberum concilium Germanicum.

Notandum.

Unter vorhandener deliberation hat ein vornehmer evangelischer Cavalier bei einem catholischen Herrn in einem Bankette über die Tafel vnter Andern diesen Discurs geführet: „Chursachsen würde jetzt gewaltig vf den Religionsfrieden dringen.“ Darvf der Kaiserl. Gesandter vnd vice Reichskanzler Hr. von Stralendorf hisce formalibus geantwortet: „Ja, man würde Chursachsen eine Wurst braten.“ Chur Sachsen, nachdem ihm diese, des von Stralendorf, Rede bald wieder vor Ohren kommen, hat sich nicht wenig darüber commoviret vnd mit Schüttelung des Kopfes diese formalien geführet: „Ich spüre, Kaiser Ferdinand geht mir nicht richtig vnter Augen, ein Churfürst hat einem Kaiser gehalten, was er ihm zugesagt, ein Churfürst will wieder gehalten wissen, was ihm ein Kaiser kaiserlich versprochen.“ – Et paulo post: „Nun die Pfaffen haben mich itzo zum andern Male vexiret vnd betrogen. Ich will darumb reden lassen. Sie werden den Tag nicht erleben, dass sie mich wieder hieher bringen sollen; Caesar wäre für sich gut genug, aber die Schwarzfärbergesellen wollten keinen Frieden haben, noch halten, sollen noch endlich die Mahlzeit bezahlen.“

Haec Hoë ex ore Electoris audivit in specie.

Sonsten bleiben alle Sachen in suspenso vnd weil nichts Gewisses abgehandelt werden können, ist Alles zu einem gemeinen Reichstag verschoben, zu denselben Orte (Nürnberg,  Augspurg oder Regenspurg) denominiret vnd fürgeschlagen, doch hierin keine Gewissheit und Zeit gesetzet werden können. Chur Mainz Vorschlag nach soll er im Majo künftigen Jahres, doch ohne Vernewerung des Ortes fallen. Unterdessen werden die pontificii nicht ruhen, weil sie doch das Spiel in Händen

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vnd die decreta concilii Tridentini, so viel an ihnen, zu effectuiren, sich mächtig angelegen sein lassen. Camera imperialis hat albereits erkannt, daß der Herzog von Wirtemberg vnd die Stadt Strasburg alle Stifte vnd geistliche Güter, so sie nach dem passauischen Vertrage an vnd zu sich gezogen, mit allen Pertinenzien vnd was sie bis dato davon genossen, restituiren sollen.  Dns. a. Wallenrode hat pro relatione vorgegeben: „es mögte bei dem Herzoge von Wirtemberg noch eine Mitigation erfolgen, daß ihm die fructus lucrati gratis zu lassen, sonsten er mitt einem Stecken zum Land hinaus gehen müsse.“ Vnter anderer Orten Abgesandten liquidiret der Benedictiner Mönchsorden allein 3000 Klöster, so ihm hin vnd wieder in Deutschland durch die Reformation eingezogen vnd restituiret werden sollen.

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DIE REICHSSTÄDTE AN IHREN ORTEN
VND VOR SICH SAGEN:

Alle Reichsstädte, so dem Reiche vnterworfen, haben Macht vermöge des Passauischen Vertrages, den 25. Septbr. 1555 aufgerichtet, in ihrem Territorio, so weit sich das erstrecket, zu reformiren. Solches ist auch nach dem Passauischen Vertrage auf allen Reichstagen bewilliget und confirmiret, wird auch aus Reichsabschieden deduciret bis anno 1590. Anno 1622 ist der letzte Reichstag zu Regenspurg gehalten. Jesuitae et Pontificii dicunt: Hanc pacem armis esse partam, illum itaque armis iterum solvendam et abolendam; denn der Passauische Vertrag wäre nur ein Interims Vertrag, der nicht ferner ginge vnd sich weiter nicht erstreckete, denn bis ein allgemein Concilium gehalten wäre. Nun wäre der Passauische Vertrag anno 1555 vfgerichtet; das letzte Concilium aber wäre hernach anno 1562 zu Trident gehalten, darvf auch unsere Theologi als Brentius, item die Andern von Wittenberg, gewesen, also vnd weil solcher Vertrag nicht weiter denn bis dahin

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gemeinet, hätte er durch selbiges concilium, so 7 Jahre hernach gehalten worden, seine Kraft verloren *) vnd wäre gänzlich erloschen.

Protestantium responsio:

Das Concilium Tridentinum sei drei Male prorogiret vnd sein keinmal für ein richtiges, beständiges vnd freies Concilium gehalten. Das erste Mal ist es angesetzet A. C. 1548, das andere Mal A. C. 1553, das dritte Mal A. C. 1562. Vnd weil man die Unsrigen zu keiner Audienz gestatten wollen, ihnen alle Mittel  vnd Wege zur Verantwortung verrannt vnd verlegt, hat es kein concilium liberum et universale sein vnd genannt werden können. Dahero vnsre theologie vom Concilio zurück an Mauritium vnd Augustum geschrieben, sich dessen zum höchsten beschweret, item dass man contra datam fidem mit ihnen handele vnd umbgehe; es wäre ein locus suspectus, man wolle sie nicht vorlassen, viel weniger hören. Solche vnd dergleichen angezogene Beschwerungen haben Churfürsten Mauritium vnd Augustum dahin gebracht, dass sie ihre theologos von dannen wieder avociret und endlich darvf mit einem ansehnlichen Kriegesheere zur Erledigung des  gefangenen Churfürsten vnd Landgrafen, hinter damalen victorisirenden Kaiser Carolo V. hergewesen vnd das concilium zertrümmert.

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DIE LANDSCHAFT BEIDER STIFTE
MAGDEBUEG VND HALBERSTADT:

ziehen einen Vertrag an, so sie tempore Albertis Cardinalis mit einander aufgerichtet, dergestalt, dass die Landschaft Magdeburg ermeldeten Cardinal vnd Erzbischof beider Stifte pro quota hat entrichtet. Die Summa ist gewesen
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*) Hierzu bemerket der Verf. des diarii am Rande: „Huic opinioni obstat fortissime §.“ Und nachdem eine Vergleichuang d. transactionis Passoviensis, ubi expresse statuitus, quod etsi dissidium hoc religionis in futuro concilio componi non possit, haec nihilominus in perpetuum duratura pax esse debeat.

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8000 Rhtlr. Item die Landschaft Halberstadt für sich 4000 Rthlr. Hiefür soll ihnen das exercitium religionis frei sein vnd sollen sie Macht haben, in ihren Landen zu reformiren auch dabei ruhig gelassen vnd gehandhabt werden. Diesen Vertrag hat der Kaiser selbst confirmiret vnd ist von vorigen seinen Antecessoren des Reichs bestätigt worden.

DIE FÜRSTLICH BRAUNSWEIGISCHE GESANDTE

suchen Befreiung ihres Fürstenthums, liquidiren ihren Schaden innerhalb zwei Jahren, so ihnen von der Kaiserschen Armée zugefügt. Imgleichen thun andere Grafen vnd Städte; wie dann unter Andern die Stadt Göttingen liquidiret Tonnen Goldes, so sie in Jahresfrist Schaden gelitten.

Diese vnd dergleichen Querelen sind zwar angehöret, ihre Liquidationes angenommen, sed altum silentium von der Erstattung!

(Ein jeder Stand hat seine Sache bei dieser Zeit wohl wahrzunehmen, fleißig zu vigiliren vnd absque impressione bellica Imperatori sich zu submittiren, das Uebrige Gott zu befehlen, sonsten ist hiebei wohl zu bedenken, wo etwa der liebe Gott mit seinem Worte an jetzo hinaus  will. Orandum aut moniendum.)

FRANZÖSISCHE LEGATION suchet:

Der intercessionem Regis vermöge der vnter ihnen, Frankreich vnd Pfalz vfgerichteten Confoederation, der jungen vnmündigen Herrschaft Erben Interesse zu erhalten; bittet zu kais. Maj. gethane Intercession diesfalls etwas gelten zu lassen vnd endlich sei Ihr Königl. Maj. des Erbietens, durch vielfältige Bemühung Chur Pfalz dahin zu vermögen, dass er allen vnd jeden Ansprüchen, die sie an die Lande praetendiren können, gänzlich renuntiiren, Ihrer Kais. Maj. sich zu submittiren und depriciren, damit die unschuldigen jungen Herrlein gleichwohl verschonen mögte, als die da niemals contra

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Imperatorem delinquiret. Sind also bis vf künftigen Reichstag verwiesen.

Summa summarum pax est in suspenso et Christus pendet inter duos latrones, Calvinianos et Papistas.

NB. Die Kais. Obristen lassen sich nunmehr ungescheuet vernehmen: ehe man die reformirte Stifte nicht wieder in den vorigen Stand gesetzet, hätte man sich der Entledigung der obliegenden Kriegeslast so wenig im Churfürstenthumb Sachsen, als anderswo zu genießen. –

Tacitus lib. III. Annalium:

Memoria proditum est: Tiberium, quoties curia egrederet Graecis verbis in hunc modum eloqui solitum: O homines ad serviendum paratos! Scilicet etiam illum, qui libertatem publicam nollet tam projectae servientium patientiae taedebat.

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REINEKE, LAPLANDIAE VICARIUS, JAM ARCE GUELLERBYTANA ABITURUS, SIC FATUS AD SOCIOS.

 

Jam valete mei sodales,
Fures, mei confratres!
Onustus jam abeo
Ad Regem cum spolio.
Patinis argenteis,
Crateris et aureis
Fibrari nunc sinite,
Amplius et urere.
Nam non habent rustici
Quod magis dent miseri.
Einhusi tu parvule
Inter fures maxime
Salve com Bernstorfio,
Insigni flaminigero.
Laude hoc. Et reliqui
Vos furum manipuli
Valete! Diu vivat

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Schenkius, modo sinat
Carnifex, quem metuo
Quoties ejus audio
Nomen. Vos sequimini,
Eo prae ad Graecum II.

 

APOLOGIA AD VENE NOSUM HONORIS RABULAM.

 

Tu quicunque nebulo
Nos traducis calamo,
Tu quis es?respondeas,
Aut ad II Graecum abeas!
Latro es et carnifex.
Pasquillorum artifex.
Quid quid nos in patinas
Caccavimus argenteas
Hoc edas tu fur pessime
Et nebulonum maxime,
Nam quid quid nos abstulimus
Non fuit majus, sed minus.
Duces, non vero Intimi
Id rapuerunt singuli.
Qui sunt adhuc superstites
Pennales et non milites.
Proh dolor, rapient omnia,
Sive vasa, vel argentea.
Cavete vobis ab istis
Nihil reliquunt in cistis.
Laplandiae vicarius
Laude hoc. Horum amicus
Einhusen, et reliqui
Omnes et capitanei
Una cum nostro Schenkio,
Te vocant, tu ardelio.
Dic illis in praesentia
Non dam, ut pestilentia:
»Videtis fustis fulmina
Quercorum prompta culmina.«

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Queis dignus es, aut abstine
Aut vera, non falsa elige.

         Summa

Veni tu false vates
Et linge nobis nates.

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Februar. In Schlesien vnd der Grafschaft Glatz geht die Reformation stark fort.

Den 11. Febr. ist zu Magdeburg öffentliche Danksagung geschehen pro electo novo Archiepiscopo, Augusto filio Electoris Saxoniae.

In Lübeck sind itzo die Hansestädte Hamburg, Bremen, Danzig, Braunschweig, Magdeburg, Lüneburg, Stralsund, Rostock und Wismar beisammen. Den 18. Febr. sind die Colnische auch ankommen.

Martius. Den 29. Martii sind die beiden Herzoge zu Mecklenburg, Herzog Adolf Friedrich vnd Herzog Hans Albrecht wegen vorgangener beschuldigter Rebellion ihres Fürstenthumbs entsetzet vnd haben die Stände dem Herzoge von Friedland, alias Albrecht, Eusebio von Walstein, deme es Kaiser Ferdinandus II. geschenket, huldigen müssen. Was darvf erfolgt, wird die Zeit geben.

Aprilis. Den 27. April hat sich Stade mit Accord dem General Tilly ergeben vnd ist der Obriste Morgan mit 47 fliegenden Fahnen, stark an die 2500 gesunde soldaten, mit Sack vnd Pack, brennenden Lunten vnd Kugeln im Munde, nach Bremen werts gezogen.

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Majus. REGIS SUECIAE RESCRIPTUM DIE EXULES
IN TEUTSCHLAND WEGEN DER RELIGION BETREFFEND.

Wir Gustavus Adolphus von Gotts Gnaden, der Schweden, Gothen vnd Wenden König, Großfürst von Finnland, Herzog in Estland und Carden, Herr vber Jngermannland, thun hiemit all denjenigen, so es zu wissen von nöthen, kund vnd zu wissen, dass Wir in Erfahrung kommen, dass eins Theils Vnsrer

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umbliegenden Nachbarn, von ihrem Wiederpart, so heftig bedränget vnd verfolget werden, Haus vnd Hof zu verlassen vnd sich was gestalt sie immer können, sich an andere fremde und sichere Oerter zu begeben und insonderheit ihre viele unter denselben gefunden werden, die ihr refugium unter Unsre defension vnd Schutz in Schweden suchen wollen, wann sie mitt Unsers gnädigsten Consens vnd Bewilligung halber versichert wären. Diewiel Wir aber mit allen denjenigen, die in solcher Noth vnd Gefahr stecken, ein christlich Mitleiden tragen und sonderlich Wir gern sehen, dass Wir Unsern Nachbarn mit Ernst beispringend kommen, nicht allein Unserer Freunde Unterthanen, sondern auch allen Unsern Religions Verwandten, derowegen haben Wir auch diese Unsre gnädigste Affection vnd Bewilligung publiciren lassen, auch dass ein Jeder, der Luft vnd Liebe hat, sich hier in dies land, vnter Unsern Schutz zu retiriren, bis so lang Gott der Allmächtige dermaleinst eine gute Veränderung mit diesem jämmerlichen Zustande machen mögte, zu wießen möge bekommen, dass Wir solches zulassen vnd gestatten wollen vnd versichern sie hiermit:

vors Erste, daß sie mögen frei vnd ohne Beschwerung mit sich führen lassen, Alles was sie an Gute vnd Habe mit sich nehmen wollen,

darnach auch, dass sie im Reiche frei vnd unbeschweret sitzen sollen vnd sich ihres Antheils und Güter brauchen vnd genießen, auch keiner Schatzung oder Tribute deswegen unterworfen sein sollen, so lange sie kein bürgerliche Nahrung oder Handel treiben; vnd so Jemand immer, die Zeit über, sich etwa einer bürgerlichen Nahrung vf eine oder andere Weise zu gebrauchen gefallen mögte, demselben Wir eben die Willkühr und Gelegenheit, als Vnsere eigenen Unterthanen vergönnen vnd

zum Letzten, wenn sie sich wieder von dannen begeben wollten, soll dasselbige beides, ihre Person vnd

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Güter belangend, frei vnd sicher zu thun vergönnet sein, auch keinen Abzug oder zehnten Pfennig, wie es sonsten im Reiche bräuchlich ist zu hinterlassen verpflichtet sein.

Zu mehrer Versicherung haben wir solches mit dem Königl. Secret bekräftigen wollen. Actum Stockholm 1628.

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OBSIDIO STRALSUNDENSIS.

Den 13. Mai ist der Kais. Veldmarschal der von Arnimb nach’n Hainholz, 300 Schritt von der Stadt liegend, marchiret vnd hat sich darin verschanzet.

Den 15. Mai ließ er 11 schwere Conditiones proponiren durch der Städte Lübeck, Hamburg vnd Rostock Abgesandte.

Den 16. Mai nach eingebrachter Resolution der Stralsundischen, stellte sich der von Arnimb zum Frieden geneigt vnd ließ etwas an den Puncten ab; aber die nacht umb 11 Uhr fing er an gräulich zu stürmen vf S. Georg Schanze vor’m Kniepthore vnd anderthalb Stunde hernach vf die Schanze vor’m Frankenthore, so heftig, dass beide Schanzen verloren worden, denn es war zu wenig Volk vnd vermuthete man es nicht. Doch setzten die Sundischen wieder an vnd trieben den Feind aus beiden Schanzen, darvber viele zu Tode geschlagen wurden.

Den 17. Mai fing er an mit Kugeln zu 21 vnd 23 Pfund aus halben Cartaunen in die Stadt zu schießen vnd zogen der Stadt Gesandte wieder ab.

Den 18. Mai zu Nacht fiel der Feind abermals die Schanze zu Sct. Georg an, mußte aber vnverrichtet abziehn.

Den 21. Mai Nachts, stürmte der Feind vmb 11 Uhr vnd eroberte die Sct. Georgs Schanze mit 3 Stücken und 1 Tonne Pulver, die die Sundischen die Schildwache zur Schleifung bestellet hatte, weil sie 8 Tage, Tag vnd Nacht vfgewartet.

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Den 22. Mai reiseten die Schwedischen Gesandten wieder fort vnd hat man, weil sich der Feind gestärket vnd der Stadt heftig zugesetzet, aus dringender Noth, weil sie in der Stadt allein zu schwach waren, die angebothene Hülfe zu großem Danke angenommen.

Den 23. Mai fing der Feind wieder an zu stürmen an dreien Orten, nämlich vor’m Franken-, Kniep- und Spittalthore, beschießt auch die große Schanze vor’m Frankenthore; wurde aber aus der kleinen Schanze wieder abgetrieben, verlor viel Volk, 15 Sturmleitern, Picken, Musqueten, Spaten und andre Sachen. Bekamen also die Sundische gute Beute vnd ist dem lieben Gott wohl zu danken, da das Volk alles matt gewesen vnd der Feind sehr heftig angesetzet hatte. Es sind noch bishero in der ganzen Belagerung nicht 30 Mann vf der Stadt Seiten umbgekommen, aber viele von den Feinden. Es hat der Feind, Gott Lob, mit etzlichen 100 Schüssen aus groben Stücken nicht mehr als 1 Bürger vnd 1 Soldaten getroffen. Es sind auch die Feuerkugeln ohne Effect abgangen.

Den 25. Mai sind 3 Compagnien Schotten mit 1 Compagnie Teutscher in die Stadt kommen, dadurch die Bürger etwas Erleichterung bekommen.

Den 28. Mai fiel der Feind 3 Male des Nachts vor’m Knieperthore an, wurde aber überall wieder zurück geschlagen.

Auch begehrte der Feind man solle den Succurs abschaffen, so werde er abziehen.

Den 29. Mai kamen noch 4 Compagnien Schotten an; es begehrte der Feind 8 Tage Stillstand, wurde ihm aber abgeschlagen.

CONDITIONES DER STADT STRALSUNG VOM
KAISERL. VELDMARSCHALK
HANS GEORG VON ARNIMB
VORGESCHLAGEN DEN 15. Mai 1628.

1. Dass sie den Holin (ist eine öde Insel vor der

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Stadt liegend) wie er im jetzigen Stande ist, mit Schanzen vnd Stücken restituiren.

2. Solle ihm freistehn, vf dieser vnd jener Seite des Wassers, wo es Ihr. Kais. Maj. Dienst erfordere, Schanzen vnd ander Gebäu zu verfertigen.

3.
Ohne dem alten Rest noch 200 M. Rthlr. zu geben vnd dieselbe zwischen dato und Michaelis zu erlegen.

4. Zehn ihrer besten Schiffe mit Stücken und anderm Zugehöre, vnter allen ihren Schiffen ihm auslesen zu lassen.

5.
Keine Schiffe ohne Consens des Obristen, so in Rügen commandiret, aus ihrem Hafen laufen zu lassen, auch die Güter, so sie geladen anzugeben; die anderen aber, so nicht angegeben werden befunden, sollen Ihr. Kais. Maj. verfallen sein.

6. Sie sollen 6 halbe Carthaunen, ganz montiret mit Kugeln, Kraut vnd andern Zubehörungen hergeben.

7. Sie sollen einen eidlichen Revers von sich geben:

1) Ihr Kais. Maj. gehorsambe Getreue zu verbleiben.
2) Mit deroselben Widerwärtigen im Geringsten, bei Verlust alle ihrer Privilegien nicht zu correspondiren.
3) Wann die Insul Rügen vom Feinde attaquiret würde, mit ihren Schiffen vnd sonsten ihrem besten Vermögen, dem Kais. Volke zu assistiren.
4) Alle Frembde, so aus Holstein geflohen, aus der Stadt zu schaffen.
5) Alle derselbigen Güter, so dem Feinde und ihnen zuständig, zu extradiren.
6) Alle victual Einfuhr vnd was sonsten nach vnd nach zu solcher rebellion gegeben, vf sein Erfordern ihm ausantworten.
7) Kein Volk ferner zu werben, auch nichts an der Stadt bauen vnd repariren lassen.

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8. Einen Kaiserl. Agenten, so in der Stadt residiren soll, zu allen ihren Rathschlägen zuziehen vnd mit alle dem Ihrigen demselben für Gefahr zu caviren.
8. [sic!] Schriftlich zu depreciren.
9. Ihr Volk in Kais. Maj. vnd in’s Landsassen eid nehmen zu lassen.
10. Dem Kaiserl. Volke aus der Stadt für gebührliche Bezahlung alles folgen vnd zuführen zu lassen.
11. Vor dies Alles müßten sie und die getreue Landstände caviren.

Wenn sie nun dieses vnd was ihm sonsten noch in der Zeit einfallen mögte, eingehen, so will er sich bemühen, ihnen vollkommenen pardon zu Wege zu bringen vnd will bis Montag mit dem Feindlichen einhalten lassen; im Falle aber in der Zeit nicht Alles in Richtigkeit gebracht, wolle er an keines gebunden sein.

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Franz Wilhelm Graf zu Wartenberg vnd Herr zu Wald, Thumbprobst zu Regenspurg ist zum Bischof zu Osnabrück erwählet, nach Absterben des von Hohenzollern.

Junius. Leopoldi Archeducis filius, Tyroli, 18. huj. baptisatus & nominatus Ferdinandus Carolus, ex Claudia, Medicea.

In diesem 1628 Jahre, den 29. Januar umb 12 Uhr Mittags, ist das erschreckliche Zeichen in der Luft gesehen worden, 4 Meilen von Copenhagen, zwischen Rosenthal vnd Rottmoel bei Helsenburg, wie solches mit einem Eid bezeugen (nämlich dass sie solches gesehen, so wahr ihnen Gott helfen solle): Thomas Petersen, sammt seinem Vater vnd Diener, item Peter Vilsen, ein Schmidt in Helfenburg, Peter Schwensen ein Fuhrmann vnd viel Andere:

Erstlich ist gesehen worden: ein heller Strahl, welcher sich weit aus dem Himmel in Süden und

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Norden ausgebreitet vnd an dem nordischen Ende dieses Strahles ist ein Menschen Angesicht heraus kommen, welches eine Krone auf seinem Haupt gehabt. Darnach verändert sich dieses wie ein alter Mann, der saß vf einem Stuhle; zu diesem alten manne kamen zween andere Männer, die gingen hinter vnd vor ihm vnd erzeigten ihm große Reverenz. Endlich kamen 7 Schiffe aus Süden vnd 2 große Schiffe ans Norden, welche gegen einander angesetzet vnd Feuer vf einander gegeben, also dass man Feuer vnd Rauch hat sehen können. Zuletzt sind so viel Schiffe ankommen, daß man sie nicht hat zählen können, welche oftmal gegen einander lavirten vnd hernach verschwunden. Solche Zeichen hat man auch in Pommern bei der Stadt Stralsund gesehen, was die Bedeutung ist, wird die Erfahrung geben. Gott wolle alles Unglück abwenden, vmb seines lieben Sohnes Jesu Christi willen. Amen. Amen.

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QUERELA SENATUS LIPSIENSIS.

(Im Ton: Am Wasserflusse Babylon.)
 

Zu Torgau *) an der Elbe Fluss
Da saßen wir mit Schmerzen,
Als man vns that sehr großen Verdruss
Da weinten wir von Herzen;
Wir gedachten an das große Gut
Das wir verzehrten mit Uebermuth,
Mit Fressen vnd mit Saufen,
Mit partiren vnd banquetiren,
Mit unendlichen litigiren
Vnd Bürgereid verkaufen.

Wir vermeinten zwar mit großer Ehr
Die Oberstell’ zu behalten
Die vormals Dr. Mosel that

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*) Am Rande ist zur Erklärung beigeschrieben: NB. Wie da der Landtag gewesen.“

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Mit großem Ruhmb verwalten,
Da traten hervor der Ritterstand
Sowie die Städt im ganzen Land,
Die thaten demonstriren:
Dass wir der Rath, auch die Gemein,
Ganz ehrvergessene Leute sein,
Man solle vns removiren.

Wir hätten das gemeine Gut
Zum eignen Nutz verwendet,
Viel armer Leute Schweiß und Blut
Vnter uns selbst verschwendet,
Was Witwen vnd den Waisen,
Vnd was der Kirche solle sein,
Hätten wir zu uns gerissen,
Was wir urkundlich uns obligirt
Das hätten wir ganz retractirt
Treu, Ehr vnd Glauben vergessen.

Sie sprachen ferner ohne Scheu
Wir hätten sie subsiret,
Vnd trügen deshalb keine Scheu
Wie Jedermann gespüret,
Indem wir durch Transaction
Vns zugezogen Spott vnd Hohn
Auch vns selbst zu Schanden gerufen,
Laut: nehmt es zu Ohren
Ihr sämmtliche Creditoren
Die Stadt ist nicht solvendo!

Das müssen wir gestehen all’
Vnd können’s nicht verneinen
Vnd sollten vnsern schweren Fall
Von Herzensgrund beweinen,
Vnd das übel erworbene Gut
Welches vns nicht gedeihen thut,
Zweifach wieder erlegen,
Damit bezahlet werde vnsre Schuld

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Dadurch zu erlangen Gottes Huld
Vnd seinen göttlichen Segen.

Aber in solcher großen Noth,
Schmach vnd Spott so itzt vorhanden,
Suchen wir nicht Rettung beim lieben Gott,
Sondern bitten demüthiglich
Dass vns die Landschaft gnädiglich,
Wiederumb mögt admittiren,
An voriger Stell’, am vorigen Ort’
Welcher vns für diesmal nicht gehört,
Dass wir dürfen votiren.

Dies vnser Suchen, wollte weniglich
Bei ihnen erst verfangen,
Darvf hielten an wir instandlich
Bis endlich wir’s erlangen,
Wiewohl fürwahr mit schlechter Ehr’
Denn man vns zusetzete so sehr,
Dass wir mögten verzagen,
Vor großer Schand, die in dem Land,
Vnd Jedermänniglich ist bekannt
Wie man von vns thut sagen.

Wir ehrvergessene lose Leut’
Wo sollen wir hinlenken,
Dass wir in dieser Fährlichkeit
Die große Schmach abwenden?
Verflucht sei das gottlos Gut,
Das vns doch wenig fruchten thut,
Das wir bisher besessen!
Weh dem der vnsre Kinder klein
Erfaßt vnd schlägt sie an einen Stein,
So wird dann vnsrer vergessen.

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WEITERER VERLAUF DER BELAGERUNG VON STRALSUND.

Den 29. Junii ist ein Ausfall geschehen vnd darin

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das Tiefenbachsche Regiment fast ganz erlegt worden. Dermalen ist ein Schwedischer Capitain von den Wallensteinschen gefangen worden.

Den 30. Junii hat man wieder anfangen zu tractiren, das man dann den Stralsundischen anfangs infidelitatem verwiesen, darin sie aber keinesweges gestanden.

Den 27. Junii ist der König von Schweden mit viel Tausenden vor Weichselmünd kommen, hat sich in der Nacht vf jene Seite begeben, sich verschanzet vnd Stücke darin gebracht vnd zwei Orlogsschiffe, (das eine ist eine Pinke vnd das andere das vornehmste herrliche Schif, Sct. Georg genannt, gewesen) so die Polen da liegen gehabt, in Brand geschossen, darvf 16 Schiffleute verbrannt; das dritte hat sich nach der Stadt salviret; auf einem sind 40, auf’m andern 32 Stücke gewesen, so sich mit den Schiffsleuten verloren.

Auf’m polnischen Reichstag haben die Stände anders nichts, denn Frieden haben wollen.

Den 4. Julii gegen Abend haben die Walsteinschen wieder angefangen die Stadt zu stürmen vor dem Frankenthore vnd hat gewähret bis auf den Sonntag Mittag. die Kaiserlichen haben diese 3 Tage bei 3000 Mann vnd die Stralsundische bei 400 verloren.

Den 9. Julii ist Rex Danniae mit 519 Musquetirer in die Stadt kommen.

Den 25. Julii sind die Stralsundischen ausgefallen vnd haben die Kaiserschen vber 2 Meilen von der Stadt gejagt vnd ist dasmal die Belagerung damit aufgehoben vnd haben die Stralsundischen darvf das Hainholz abgehauen vnd Alles was in voriger Belagerung schädlich befunden, der Erde gleich gemacht, damit sie sich in künftiger Belagerung desto besser wehren könnten.

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3. Aug. ist eilige Post nach Güstrow kommen, dass der König zu Dänemark mit 8000 Mann bei

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Wolgast in Pommern eingefallen vnd großen Schaden mit Streifen thäte, daher der General Friedländer den 4. Aug. eilig von Güstrow wieder nach Pommern vfgebrochen.

12. Aug. hat der Friedländer Wolgast vnd andere Oerter wieder eingenohmen, der König aber hat über 60 Stücke Geschütz von da mit weggenommen. Vnter den Soldaten ist ein Sprüchwort worden, weil’s so gräuliche Köppen vor Stralsund gegeben:

Zeuchstu nach der Stadt Stralsund
So verleihe dir Gott eine selige Stund.

Den 26. Aug. ist der Gubernator zu Glückstadt mit 1000 Mann Nachts ausgefallen vnd ist derselbe Ausfall so glücklich abgegangen, dass über 1000 Mann der Kaiserschen erschlagen vnd verbrannt; das ganze Lager abgebrannt vnd der Generalwachtmeister Hannibal zu Schauenburg, Ritter zu Malta, 3 Capitains, 2 Lieutenants, 5 Fähndriche vnd 136 Soldaten gefangen worden. Auf’s Königs Seiten sind 10 oder 12 geblieben vnd 20 oder 30 gequetschet worden.

4. November hat sich die Vestung Krempe, so mit Gewalt nicht zu gewinnen gewesen, wenn auch 100 000 Mann dafür wären gebrauchet worden, dem Friedländer ergeben, worin übermäßige Artillerie vnd Kriegessachen hinterlassen worden. Es sind darin 64 metallene Stücke, 446 Centner Pulver, 600 Bund Lunten, ohn’ andern großen Vorrath gefunden.

Peter Heins *), Admiral der Holländer, hat die Silberflott von 22 Schiffen bei Bahia Malmatus (?) übermeistert, darvf über 200 000 Pfd. Silber, ohn’ viel Geld gefunden, 110 bis 120 metallene Stücke Geschützes vnd andere köstliche Waaren darauf bekommen.

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*) Vgl. Dec. 1628.

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EIN LIED VON DEM ITZIGEN BETRÜBTEN
ZUSTANDE DES DEUTSCHLANDES.

Der hinkende Bothe bring newe Mähr,
Er kömmt gleich von Stralsund her.
Höret was sich zugetragen:
Friedland der stürmt mit großer Macht,
Das Geschütz donnert, blitzt und kracht,
Will Alles zu Tode schlagen.

Stralsund du schlimmes Ratzennest
Wer hat dich denn so gemacht so fest?
Wo hast das Herz du hergenommen,
Dass Du dem, der ganz Teutschlands Werth
An Gelde vnd Gut fast vfgezehrt
Durftest unters Antlitz kommen?

Ich glaube, Du hast zu viel Bier getrunken,
Oder Dir ist der Witz entsunken
Dass Du darfst widerstreben,
Dem, der die Welt bezwingen kann
Vnd Alles muß sein ihm Unterthan,
Willst Dich doch nicht ergeben.

Wer hätte gedacht, dass Du so schlecht
(Jedoch in deiner Sache recht)
Friedland solltest Füße machen;
Seine Falschheit die war Gott bekannt,
Auf sein Accord ein Name „land“
Drumb mußtestu so aufwachen.

Der sich berühmet ein Herr zu sein
Ueber Erd vnd Meer, muß legen ein
Sein Trotzen vnd auch ausreissen,
Stralsund willst gewiss nicht Räuber han
Vnd Dir das Deine nehmen lahn,
Dich lieber darumb schmeissen.

Wer allzu schnell steigt vber sich
Der fällt gewiss bald unter sich,

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Gleich wie ein Eierkuchen,
Der wird gebacken, also bald
Gefressen, auch ehe er wird kalt,
Drumb hilft nicht viel das Puchen.

Willst Du ein praver Soldat sein
So such’ vnd schlage die Feinde dein
Vnd nicht die Gutes Dir leisten,
Du trinkest kein Salz vnd Wasser gern,
Thust lieber die Städte im Reiche scheern,
Bis dir’s Papier wird reissen.

Stralsund sollt’s nehmen vber sich,
Bist Du ein Held, pfui schäme dich
Mit solchen lahmen Possen.
Du wußtest, dass gute Beute drin war
Die wollten sie nicht geben dar,
Das hat Dich sehr verdrossen.

Du hast Deines Gottes sehr vergessen
Indem Du Dich so schlecht vermessen,
Die fromme Stadt umbzureissen,
Ja wenn sie schon am Himmel hoch
Mit Ketten gebunden, wolltest Du doch
Sie ganz vnd gar zerschmeissen!

Vor Stralsund Dich Strahl gerühret,
Hätte Dich der Schiffer in die See geführet.
Der Strahl hätte Dich nicht troffen;
Ist Dir zu Lande bescheret dein End’,
Weil Dich die See gar nicht kennt,
So bleibst Du unversoffen.

Aber die Nase stinket Dir sehr
Nach teutscher Fürsten Land vnd Ehr,
Wo Du die kannst verderben
Da bist Du gar ein tapfrer Held,
Selbsten kömmst Du selber ins Feld,
Fürchtest Dich, Du mögtest allda sterben.

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Jedoch hast du große Ehr davon
Wirst auch bekommen Deinen Lohn,
Dass Du Teutschland geschoren;
Der da dem Kaiser treu und fest
Geblieben ist aufs allerbest,
Hat doch das Seine verloren.

Vnd Ihr, die Ihr das Vaterland
Verderben helft, habt keine Schand,
Ihr theilt Euch in die Beute,
Wenn der Krieg wird ein Ende ha’n
So wird Euch rühmen Jedermann,
Ihr seid versuchte Leute.

Nach Geld vnd Silber Ihr nur steuert,
Die Tugend werft Ihr ziemlich weit,
Das Reich nur auszusaugen,
Das ist Euer Kunst und Meisterstück
Wo es Stöße gibt, kehrt Ihr den Rück’
Denn es gibt blaue Augen.

Ihr habt gar einen guten Krieg,
Behaltet oft vnd gewiss den Sieg,
Da Niemand sich darf wehren,
Wenn man Euch Thür vnd Thor aufthut,
Da seid Ihr prave Soldaten gut
Die Bauern zu beschweren.

Fürwahr einem solchen Kriegesmanne gut
Gibt Gold vnd Geld einen starken Muth,
Der sonst kein Herz im Leibe,
Was habt Ihr für Thaten schon gethan,
Den Feind gewiss auß’m Veld geschlagen,
Der gar vnd ganz gewichen!

Fürsten vnd Grafen sind nun herumb,
Wohin setzet Ihr nun Euren Sinn,
Dass Ihr was findet zu mausen,
Die Städte vielleicht noch übrig sein.

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Sind sie nicht klug vnd gehen Euch in,
Werdet Ihr sie tapfer zausen,

Wiewohl die meisten sind gerupfet
Die Federn ziemlich ausgezupfet,
Denn Ihr haltet reine Straaßen,
Das danken Euch die Kaufleute sehr
Dass Mancher muss seinen Glauben vnd Ehr
Muss banquerott verlassen.

In summa es muss gestohlen sein,
Ihr seid deswegen kommen heim,
Es ist also beschlossen,
Dass Kindes Kind davon sagen kann
Was Ihr für Thaten habt gethan,
Ihr Helden unverdrossen.

Das Messer habt Ihr scharf gewetzt
Einem treuen Freund an die Kehle gesetzt,
Wolltet ihm den Garaus machen!
Habt Acht, dass Euch der Streich gelinge
Sonsten mögtet Ihr sehen Wunderdinge,
Er könnt einmal aufwachen.

Kein Türkenkrieg hat so beschweret
Das Reich, als es jetzt wird ausgezehret,
Viel hundert Million
Aus Teutschland werden weggebracht
Vnd wird’s dazu noch ausgelacht
Mit großem Spott vnd Hohn.

Das heißt dem Kaiser das Reich vermehrt
Wenn trewe Stände werden verheert,
Von Land vnd Leute verjagt.
Des Kaisers Herz den Frieden liebt,
Der Friedländer das Reich betrübt,
Sein Ehrgeiz ihn so plagt.

Wann der Adler soll schwingen sich,
Die Federn muss man rupfen nicht

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1901/1 - 53

Aus seinen edlen Glieden,
Auf schwachen Beinen dürft es stehn,
Wann Unglück sollt vom Osten gehn,
Vnd liegen sehr darnieden.

Was hilft’s! Der Krieg ist eben gut
Für die, so haben einen stolzen Muth
Er gibt gute stolze Hosen,
Mit goldnen Posamenten breit
Verbrämet; dabei man kann allzeit
Mit Jungfer Käthen kosen.

Sie haben’s erfochten vor dem Feind’.
Ja hinter sich, bei ihrem Freund
Aus Kisten vnd aus Kasten,
Das Geld führen sie zum Lande hinaus
Mit großen schweren Lasten.

Ein Cujon, der zum Herren wird
Vnd Gewalt bekommt, gar scharf schiert,
Das hat Teutschland wohl erfahren
Also wird es Manchem noch ergehn
Da ihnen zu Gebote er muss stehn,
Kein Prahler thun sie sparen.

Woll’t Gott, hätte mancher ehrlich Mann
Im Anfang, wie Stralsund gethan,
Sich seiner Habe gewehret
So wäre mancher treue Stand im Reich
Gemacht nicht einem Bettler gleich
Vnd Alles aufgezehret.

O Schaaf, du hast dem Wolf vertraut
Nun gilt es Dir Deine beste Haut,
Man zieht sie vber die Ohren,
Hast Dich durch List bethören la’n,
Dein Kreutz nimb nun freiwillig an,
So bedarfst Du keiner Sporen.

Von Reutern viel der Regiment
Gehalten werden an allen End

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1901/1 - 54

Zum Rauben vnd zum Stehlen,
Es müssen alle Rebellen sein,
Das spicket ihnen den Beutel fein
Vnd darf da gar nichts fehlen.

Ihr liegt bald hundert Meilen davon
Da Euch kein Feind itzt sehen kann,
Warumb? vnd zu was Enden? –
Merk’s Tölpel: Es hat was hinter sich
Wird doch der Letzte nicht halten den Stich,
Der Höchste kann Alles wenden.

Denn was mit Unrecht ist erbeut’
Das mundet selten lange Zeit,
Kommt nicht zum dritten Erben,
Wie man’s erlangt, so geht es weg
Unreife Ehr fällt bald in Dreck,
Friedland du mußt einmal auch sterben.

Ob schon Dein Maaß noch nicht ist voll,
Ein wüthend Hund, thörig vnd toll
Mußt endlich doch einbeissen,
Wie Duc de Alba die Niederland
Zeriss mit seinem Mord und Brand,
Da that er sich wohl bescheissen.

Darvmb Teutschland thu die Augen auf
Merk’ was des Wallensteiners Hauf’
In ihren Schilden führen,
Wann du noch länger wirst zusehn
So wird Dir’s an die Gurgel gehn,
Der große Schlag Dich rühren.

Der Jesuit dahinter stecket,
Sein scharfe Klauen hervorrecket,
Die muss man ihm abhacken,
Sonst wird seine Gewalt durch List vollbracht,
Aufwachsen mit sehr großer Macht,
Viel Land dem Reiche abzwacken.

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1901/1 - 55

Ach Gott durch vnsre große Sünd
Haben wir die Strafe wohl verdient
Damit man vns thut plagen,
Wir hoffen, dass Du diese Ruth’
Woll werfen wirst in die höllische Glut,
Darum wollen wir nicht verzagen.

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Relatio.

Durch die hinkende Post ist eingekommen, wie der friedliebende Fürst von Friedland vnd Wallstein, der ein ziemliches Theil des Reichs, zuvörderst das Herzogthumb Holstein vnd Ditmarsen, ein Theil von Dänemark, das uralte fürstl. Haus Mecklenburg vnd Lauenburg vnd die Herzogthumb Braunsweig vnd Lüneburg, das Erzstift Magdeburg vnd Halberstadt, das Fürstenthumb Anhalt, das Churfürstenthumb Brandenburg, das Herzogthumb Pommern, auch Schlesien, Weimar, die beiden Herrschaften Schauenburg vnd Rhein, die Grafschaft Mansfeld, das Land zu Düringen, Sachsen, die Grafschaft Schwarzburg, die Grafschaft Gleichen, der Stadt Erfurt Gebiet, die Fürstenthumb Altenburg vnd Eisenach, das Land zu Franken, Churpfalz, die Bisthumb Würzburg vnd Bamberg, die meisten Grafen im Reich gelegen, viele freien Reichsstädten zuständige Orte, das Land zu Schwaben, Elsaß vnd viele Orte mehr, auch Ober vnd Nieder Lausitz, von der Elbe bis an den Rhein vnd von der Ost- bis an die West-See in seinem Hute gehabt, vber einen Kamm geschoren vnd durch seine Helfer genossen, wohl purgiret vnd an Gold vnd Silber, sammt ihrer Herrlichkeit sauber gereinigt, vor dem leidigen Ratzenneste Stralsund in Pommern absatteln müssen.

Gedruckt zu Bergen in Rügen, da die großen Bremsen fliegen. Im Jahr

Da Der fVrst Von VVaLLensteIn DIe grosse kVffe krIgt.

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1901/1 - 55


1901/1 - 56

November. Rochelle hat sich dem König von Frankreich ergeben vnd hat ihnen der König das Leben, ihr Hab und Gut und vorilibertät geschenket, dagegen sie dem Könige 40 000 Cronen versprochen, daneben auf ihre Unkosten ein Schloss in der Stadt dem Könige zu bauen vnd soll die catholische Religion in England öffentlich exerciret werden, gleichsamb die Hugenotten in Frankreich.


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VATICINIUM DE HUJUS BELLI ET EJUS
DIRECTORIS REGIS DANIAE VERO EXILIO.

1625. QVos DIes VIDIt Danos VenIentes sVperbos aCIratos
1626. Hos DIes VIDIt In SaXonIa fVgIentes aCprae-Datos,
1627. Ergo DanorVM reX poenas LVet stVLtItIae.
1628. HIspanVs CrombVrgVm LaetVs oCCVpat InCoLas peLLIt.
1629. SVrget terros Ingens BataVIs propter ea qVae ContIgerVnt DanorVm regI.
1630. ChrIstIanVs, DanIae reX prIVatVra FerDInanDo.
1631. Is postea peLLItVr ex oMnIbVs DItIonIbVs.
1632. Et sVbIbIt DanVs fatVM praVI suI ChrIstIanI.
1633. HIspanI Danos peLLVnt et BaVarVM sVbstItVnt.
1634. ChrIstIanVs qVartVs reX DanIae MorItVr


IN GENERLEM MURIS BALTHICI.

Dum superat Tygrim, vulpemque, lupumque magister,
Bestia Walstenius, sanguine, dente, dolo,
Respuit hoc monstrum tellus, sed suscipit unda
Egregius rapidis, fitque natator aquis.

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December. Auf der Silberflotte in Westindien hat der Peter Heins *) aus Holland erobert 658 Schiffpfund
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*) Vergl. Nov. 1628.

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Silber, ohne Gold vnd andere köstliche Waaren vnd Specereien. 1 Schiffpfund hält 20 Liespfund oder 280 Mark Pfund. [Ex alia relatione: Es sind vf der Flotte erobert 157,249 Pfund Silber, 5 Kisten mit gemachten Silber, 5 lange vnd 71 breite Platten Silber, 55 metallene und 40 eiserne Stücke ohne die andern köstliche Waaren. Die Summe wird geschätzet vf 30 Millionen oder 300 Tonnen Goldes] *)
 

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Anno 1629.

Martius. Zu Lübek vf der instituirten Friedenshandlung haben die Kaiserschen proponiret folgende Articul:

1. Des Reichs vnd Niedersächsischen Kreises sich gänzlich zu äußern.
2. Alle darauf vnd in habende actiones zu quitiren.
3. Alle Kriegskosten zu zahlen.
4. Allen Schaden im Reiche vnd Kreise zu erstatten.
5. Holstein vnd die incorporirte Länder abzutreten, neben Femarn vnd den Wohldländereien.
6. Den Sund, des Reichs vnd Hauses Osterreich Feinden zu sperren vnd den Freunden zu öffnen.
7. Chursachsen wegen Lausnitz zu contentiren.
8. Niemand wider das Reich vnd Haus Osterreich auxilia zu leisten, weder directe noch indirecte.

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COPIA EINES SCHREIBENS DERER VOM ADEL
DES BARTHSCHEN DISTRICTS
AN DEN HERZOG VON POMMERN.

Durchleuchtiger, hochg. Fürst G. H. Wir von dem Vnsern vertriebene vnd ohne jenige Schuld vnd Ursach ganz ruinirte E. F. G. Lehnleute des Barthschen districts haben mit schuldiger Gebühr vnd reverentz empfangen,
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*) Diese Nachricht ist von derselben Hand hinzugefügt.

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was E. F. G. wegen der auf den 4. dieses ausgeschriebenen Zusammenkunft nach Anklam an unsre Wenigkeiten gelangen lassen, zu welchem Landtage, glücklichen Fortgang, Beratschlagung vnd effectuation wir von dem allerhöchsten Gott Glück vnd Segen wünschen. Wollten gern erschienen sein vnd unsre beständige devotion gegen E. F. Gn. vnd unser geliebtes Vaterland ganz willig contestiret vnd bezeuget haben. Denn wiewohl der Weg ganz vnsicher vnd fast weit entlegen, so interessiren an diesen deliberationibus wir doch mehr als sonst keine E. F. Gn. Herzogthumb vnd Landen; zumalen vielfältige Ungelegenheit zu geschweigen, die wir sechs ganzer Monate, der Merodeschen Wallonen (womit Alles gesagt) unbilliges vnd unchristliches Tractament in großer Unordnung empfunden vnd fast allein das ganze Regiment und dessen Officiere, nebenst vielen andern Compagnien, zu Ross und Fuß unterhalten müssen. Dahero wir vnd unsre arme Unterthanen in den Stand der Armseligkeit gesetzet, dass, so viel dieser noch am Leben und durchs Schwerd und Nothzucht nicht elendiglich verdorben, des bittern Hungers in Kurzem storben, wir aber vnd vnsre Nachkommen den Brand werden betteln müssen. Ueber welche Albaische Gewalt wir vielfaltig, bald diesem, bald jenem geklagt, sind entweder gar keiner Antwort gewürdiget, oder aber an die remitiret worden, vber welche wir geklagt vnd bei welchen kein Blutstropfen einiges Mitleiden oder Achten zu finden gewesen. Dahero wir endlich dem allerhöchsten und allergerechtesten Richter Jesu Christo die Sache in Geduld befohlen.

Es hält vns aber von persönlicher Comparition ab, dass keiner unter vns des Vermögens, dass er von hier aus Meklenburg ab, darin wir itzo mit Weib vnd Kindern exuliren, nach Anklam reisen vnd daselbst der Berathschlagung beiwohnen können, nachdem wir weder Saat noch Brodkorn mächtig, ja keine Hand voll Stroh

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das doch gedroschen werden vnd ungedroschen in großer Menge aus Pommern anhero gefahren wird, von Soldaten vnd Bürgern für vns bekommen können; ja wir bezeugen mit Gott, dass vnser Etzliche in dieser halbjährigen Zeit, so mannig tausende Gulden Schaden gelitten, als mannige Hufen in E. F. Gn. Lande wir besitzen und damit E. F. Gn. nicht vermeinen, als würden unglaubliche Dinge angezeiget, oder unnöthige exaggerationes gemacht, so bitten wir nochmals unterthäniglich, man wolle unverlangte Erkundigung berichteter Dinge anstellen vnd den Augenschein einnehmen vnd alsdann rechtmäßíg davon judiciren vnd der Röm. Kaiserl. Maj., vnserm allergnädigsten Herrn, der Sachen Zustand berichten.

Auch wissen wir nicht, was E. F. Gn. wir in dieser Bedrängniss rathen, oder worvf wir vnsre consilia fundiren sollen. Wir haben zwar unterschiedentliche Titul durchgangen, von Gott und seinem Worte, von natürlichen vnd aller Völker Rechte, von Teutscher Fürsten und Einwohner libertaet, von des h. Röm. Reichs Constitutionen und Verfassung, vom alten Herkommen, von Historien, geistlichen vnd weltlichen; von vieler Menschen Geschichte bei Juden, Christen vnd bei Heiden, von Verbündnissen vnd Zusagen; vom Amte der Obrigkeit vnd den Unterthanen; vom Frieden vnd Kriege; aber wenn wir ad hypothesin kommen vnd die unglaublichen inundation vnd pressur des Pommerlandes, dergleichen keiner Nation oder Provinz widerfahren, examiniren, will sich nichts reimen; das Werk ist uns zu hoch und wir könnens nicht begreifen.

Nebucadnezar, der König zu Babel, welchen die Schrift den allergrausamsten vnd unbarmherzigsten König vf Erden nennt, hat wegen Rebellion vnd aus Gottes sonderbaren Getrieb vnd Verhängniss, das Jüdische Königreich zerstöret, doch hat er die Ackerleute im Lande gelassen, wie Jeremias bezeuget; in E. F. Gn.

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Fürstenthumb wird es Alles wüste. Darumb müssen wir nun schweigen vnd vns drücken. Derowegen E. F. Gn. vns gnädig entschuldigt nehmen werden vnd wir bitten Dieselbe umb Gottes vnd der reciprocatur willen, die vnter dem Lehnherrn vnd den Vasallen sich enthalten, Die wollen vnser Elend beherzigen. E. F. Gn. Selbsteigne, sammt der Unterthanen Treue vnd Unschuld in eine Wagschale vnd der entgegen die unmenschliche Abmergelung der Ihrigen in die andere legen vnd uns aus dieser Beschwerung helfen durch Mittel, die verantwortlich zu practiciren! Wir könnens nimmer glauben, dass die Röm. Kais. Maj. oder des heil. Röm. Reichs Churfürsten vnd Stände an diesem Werke ein Gefallen haben, zumal ihnen conservatio imperii anbefohlen, und angelegen sein sollen. Hingegen erzeigen E. F. Gn., was dem hochfürstlichen Amte gemäß vnd vor Gott und alle Welt anständig vnd wir selbst nach äußersten Vermögen mit Darsetzung Leibes vnd Guts zu verdienen, vermöge unser Lehnpflichten willig vnd bereit, sammt Dero Landen in den Schutz Gottes befehlend.



Datum   Ribbenitz, den 2. Martii Anno 1629.
E. F. Gn.
unterthänige vnd gehorsame
des Barthschen Distrikts Lehnleute.


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LEGATUS REGIS GALLIAE AD VENTOS
PRO RESTITUTIONE JESUITARUM:

Serenissime Princeps, patres laudatissimi, magnificentissimi! Christianissimi Regis Maj. legatione expedita, unum hoc a Vobis peto, ut me pro patrum societatis Jesu restitutione orantem, clementissime audiatis. Honestati autem maxime illam in servire Catholici omnes uno ore loquuntur; stante enim illo ordine, stabit pontificis magni authoritas, conciliorum integritas, reipublicae sanitas, immo totius orbis Christiani fundamentum.

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Quis enim ordo majestatem Pont. Rom. contra haereticos Graecos et Germanos acrius defendit, animosius luctatus est? – Jesuitarium. Quis authoritatem conciliorum d. Petri cathedrae subjecit? – Jesuitarum. Quis serenissimam hanc reipublicam in coelum extutit? – Jesuitarum. Quis religionem avitam, (taceo caeteras artes et scientias) qualis ab Apostolorum tempore extitit, ad sanguinis usque profusionem restituit, reparavit, illustravit? – Jesuitarum. Gliscentes haereses extinxit? Rebelles sedavit? et ecclesiam Catholicam pristino suo nitori restituit? – uno verbo: Jesuitarum.

Quare pro antiqua Vestra prudentia et sapientia, serenissime Princeps, illustrissimi Senatores, enitimini, ut hoc peculium divinum, *) quo pietas avita floret, artium et scientiarum pondera reviviscunt, non exterminetis, sed propagetis; non rejiciatis, sed recipiatis; non illi extremum valedicatis, sed in sinum, in cor Vestrum recondatis. Certe Henricus IV. Christianissimus Rex Galliae b. memoriae, majore ignominia, quam Vos, quam Vestra respublica, videbatur notatus, deprehensa tamen ordinis hujus innocentia quidquid antecesserat opinionum perversarum, remisit Rex, regio nomine condonavit, ignovit; immo voluit, ut ignominiam gloria, mortem vita sequatur. Imitamini, quaeso, Christianissimi Regis christianum exemplum; Vos ipsi venite; pauperem et emendicantem ordinem recipite et gaudium erit Romae apud summum Pontificem, apud meum Christianissimum, apud Regem Hispanoriarum catholicum, apud magnum Hetruiriae Ducem, caeterosque Christiani Europae principes, inprimis apud seremissimam domum Austriacum; cui ordo hic inprimis gratiosus. Labente autem ordine hoc, vel repudiato summi Pontificis authoritas (quam tamen sartam tectam, ceu capitis ecclesiae tueri et defendere tenemini)

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*) In Klammern fügt der Verf. des diarii hinzu: „sathanicum rectius dixisset.“

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paulatim labefactabitur, fides catholica (cujus fundamentum et salus) profecto inanis erit et, ut paucis omnia complectar, omnia sursum et deorsum vertuntur et janua Antichristo aperictur. Ne ergo mala haec in ecclesiam Catholicam redundent recipite in fidem Vestram, eam sodalitatem, pro qua Christus singulariter mortuus est, quam beata virgo prae caeteris ordinibus diligit! Hac non salva, imperii Vestri Majestas, reipublicae dignitas, pacis tum internae, tum externae utilitas toto mundo, cum nominis Vestri immortalitate patescent! – Dixi.

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RESPONSIO PROCURATORIS S. MARCI VENETI.

Quamquam inter nobiles nostros Venetos de Jesuitarum restitutione decernere, rebellionis signum est verisimum, amplissime Dne. legate, tamen, quia pro iisdem nomine christianissimi Regis Galliarum intercedis, serenissimus Dux, amplissimi Senatores decretum repetunt: neilli in aeternum recipiantur.

Causas negationes, si scires, non intercederes, sed aliter sentires: periculosi sunt homines, plurimorum et Catholicorum testimonio; religionem pro se ferentes, sed regionem facto ipso petentes. Majores nostri, et extra hunc ordinem, pietati et sanctitati studuerunt. Sunt socii Jesu tantnm secundum dici, non vero secundum esse. Homines isti novi, nullo antiquo concilio interfuerunt et cujus Imperatoris et Regis catholici aulam non perreptaverunt? Cujus Electoris catholici archiva non involarunt? cujus Archeducis consiliarii non sunt? Cum ergo S. Marci vita, D. Ignatii mors, et D. Ignatii vita futura sit S. Marci mors, potius S. Marcum pacificum, beatum, amplissima Respublica Veneta sequi debet, quam hoc relicto, Jesuitis, coriosis et miseris, vitam et fortunam committere Quod legatum illustrissimi Senatores scire voluerunt, cui in rebus aliis studia sua, nec non Christianissimo Francorum Regi honorem et amorem deferunt.

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Den 1. Maji hat Prinz Hinrich Fridrich von Nassau Herzogenbusch in Braband mit 30 000 zu Fuß und 5000 zu Ross belagert vnd sich dergestalt davor vergraben, dass er nicht leicht abzutreiben sein wird. Auch haben die Hollander Capo viride vnd die Stadt Barmo (?) eingenommen.

(1577: Herzogenbusch ist den 21. Septemb. 1577 von der Teutschen Besatzung durch der Staaten General befreiet vnd ist bei ihnen geblieben bis aufs Jahr 1579 ohne jennige Besatzung, wie aber die Staaten damals Volk hineinlegen wollen, ist sie abgefallen vnd zu den Spanischen getreten.

1585: Anno 1585 den 19. Januar ist sie vom Grafen Philip von Hohenlohe überrumpelt; ist aber durch Mannheit der Bürger wieder herausgetrieben.

1601: Anno 1601 den 1. Nov. ist sie belagert durch Grafen Moriz von Nassau vnd ist wegen eingefallenen sehr harten Frostes, dass auch die Schildwachen zu Tode gefroren, den 29. Dec. wieder abgezogen.

1603: Anno 1603 den 19. Aug. hat sie Graf Moriz von Nassau abermals belagert, weil aber Erzherzog Albrecht sich an der andern Seite gelagert und 3000 Mann hineingebracht, hat Graf Moriz die Belagerung den 5. November quitiret vnd ist mit guter ordre wieder abgezogen vnd ist Antonius Schatz, Herr zu Grabentink, zum ersten Gubernator darin verordnet.)

Im Julio ist Graf Hinrich von Bergen, weil er die Hollander vor Herzogenbusch nicht hat vffschlagen können, vber die Issel in die Waalau gefallen, vermeinend den Prinzen dergestalt von der Belagerung abzuziehen, dem aber darin genugsam Widerstand geschieht.

Den 9. August haben die Hollander die Stadt Wesel, Nachts umb 2 Uhr, überrumpelt vnd einbekommen; darin sie gefunden: 180 metallene vnd eiserne Stücke;

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2000 Vaß Biscuit, 5000 Malter Korn, 1000 Tonnen Mehl; ohne anderen großen Vorrath noch 48 Stücke aufm Markt stehend, so ins Lager sollen geführet werden: darvf Graf Hinrich von Bergen die Waalau verlassen müssen.

4. Sept. ist die Stadt Herzogenbusch durch accord übergeben vnd den 7. Sept. ist der Gubernator sammt der Garnison ausgezogen. Die Geistlichkeit von Mannsperson sollen in 2 Monaten ausziehn, die Nonnen mögen ad vitam bleiben. Den Bürgern ist 3 Jahre Bedenkzeit gegeben, zu bleiben, oder wegzuziehn.

7. Julii. 1. In Italia wird am Frieden gezweifelt.
2. Zu Barcelona sind schon 700 Kisten mit Realen eingeladen.
3. In Frankreich müssen alle eingezogene geistliche Güter den Kirchen restituiret werden.

25. Julii. Zu Wien ist ein Französischer Gesandter angelanget, cathegorische Resolution vom Kaiser zu begehren, ob er Frieden oder Krieg in Italien haben wolle?

Aus Spanien ist ein Curier zu Brüssel ankommen, aber ohne Wechselbrief, unde perplexitas major oritur.

30. Julii. Aus Preussen wird ein großes Treffen geschrieben, darin der Schwede obgesiegt. Es schämet männiglich, ungescheut die particularia zu avisiren, wie’s daher gangen.

27. Julii. Die Staaten haben das veste Schloss Ringenberg per stratagema eingenommen, 1 Meile von Wesel, welches den Spaniern die vivra in der Waalau zu verhindern sehr dienlich ist.

Item die Hollander haben die Insul vnd Stadt Carthagena in India eingenommen.

Augustus. Der Kaiser hat dem Chur Sachsen vnd seinem Sohne die geistliche Güter zu behalten zugesagt, wenn er nur deswegen an den Papst um Confirmation schreibe, auch dazu helfen wolle, dass die

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andern restituiret wurden. Respondit: „Er gestünde dem Papste solche Hoheit nicht, erkenne ihn dafür nicht. Der Kaiser vnd alle electores hätten nicht Macht in dieser hochwichtigen Sache zu decidiren, sondern es müsse vor einen allgemeinen Reichstag. Er könne in diesem Falle wider seine Glaubens Genossen nicht handeln.“

September. Die Eidgenossen haben sich de novo verbunden; Leib, Gut vnd Blut zu Beschützung des Vaterlandes neben vnd bei einander aufzusetzen.

Zwischen Schweden vnd Polen ist der Friede getroffen (26. Septbris.) vf etzliche Jahre, Alles bald nach des Schweden Begehren. Er behält den Titul eines Königes von Schweden, imgleichen ganz Liefland so wohl auch alle eroberte Örter in Preussen, als Elbingen, Pillau, Braunsberg, Marienburg. Marienburg soll der Churfürst von Brandenburg in Besatzung nehmen; dagegen ihm zur Assecuration Memel eingeben. Das Einkommen zu Marienburg soll der Pole haben, außerhalb was vff die Besatzung gehet.

Der Friede zwischen Polen vnd Moscow wird im künftigen Februarii zu Ende laufen.

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IN DOROPHAGUM AULICUM EPIGRAMMA.

Quo tendis Dorophage, nequam perjure? Putasne
Displicuisse deo dudum tua facta potenti?
Justiciae tibi nullus amor; tibi nullus honesti
Ardor; es egregius simulator, dissimulator.
Non nisi vir proelio bonus es; non justus et aequis;
Non inte candor, cuncta utilitate metiris.
Prodens ore favos, meditare pectore fraudes.
Argentum tibi numen habes, tibi fabula coelum.
Fabula sunt superi, mors, orcus; denique nulla
Religio cordi est; paucis ut omnia dicam.
Nil tam blasphemum, tam detestabile, iniquum,
Quod tibi non pretio sanctum, tolerabile, justum.

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At tu, crede mihi, tandem tua praemia habebis,
Atque licet, tibi fraude pares pro more favorem,
Vel nocens aliis, tamen est Deus arbiter, et sic
Fraude cooperta, scelerata mente peribis.

Quod faxit Deus!

Theodorus Philatetes.

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ARNIM
per

“αναγραμμα : Rab nim.“

Arnim, Du Rabenkind, ich sage,
Dass Dich der höchste Teufel plage.
Bist Du vom Teutschen Blute geboren? –
Der Teufel hat Dich ausgekoren.
Raben gewiss nicht sein so schlimm,
Wie dieser Heuchler Arnim, Rabnimm.
Er hat betrogen Land vnd Leut,
Dafür ist er des Teufels Beut.
Nicht hat der Türk in seinem Land;
Solche Mamelucken, es ist eur Schand,
Dass man Dich rühmt einen Patriot,
Wofür vns doch behüt, o Gott!
Ich meine, das heißt schön sinceriren
Mit Gleisnerei die Leut vexiren,
Denn Pommern, Meklenburg und Mark
Nicht mehr Geld denn einigen Quark.
Meinst Du denn, Du Capaunenfuß,
Dass Dir nicht einmal diese Nuss
Gar schwer wird aufzubeissen sein,
Wenn Du wirst leiden der Höllen Pein?
Bei Gott kein Ansehn der Person,
Ob Du gleich hier ein Marschalk schon
Vnd meinst zu sein ein großer Herr,
Hast doch Schand für große Ehr.
Nimm Du Rab’, vnd friss Dich satt

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Gott solches also beliebet hatt’,
Der diesem Raben ein Zaum ins Maul
Gelegt an, wie einem Gaul,
Vnd wird’s dennoch nach Deinem Kopf
Dir nicht gehen, Du kahler Tropf.
Du hast verrathen mit großer Schand,
Chur Brandenburg, Dein Vaterland.
Wo bleibt nun der getreue Lehnmann
Der einmal hat gelobet an
Bei seiner Seelen Seligkeit
Haus Brandenburg zuzufügen kein Leid?
Ihr Creditoren freuet Euch nun
Bald wird Arnim zu erscheinen geruhn
Mit vollem Beutel, Sack vnd Pack
Zu bezahlen auf Sct. Nimmers Tag.
Stralsund, Stralsund, Du edle Kron,
Ich hoffe Du sollst geben das Lohn
Dem Arnim vnd seinem Geschmeiß,
Auch hat der Teufel die Hölle schon heiß.

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Anno 1630.

Den 15. April ist Johann Metziger von Nördlingen, Kaiserl. Commissarius, zu Halberstadt öffentlich geviertheilet vnd die 4 Stücke vf 4 Straaßen gehangen, weil vber ihn erwiesen, auch von ihm selbst gütlich vnd peinlich gestanden, dass er vor etzlicher Zeit bei des Fürst. Bischofs Tafel zu Würzburg die höchste Potentaten vnd Stände des Reichs, ehrvergessen vnd leichtfertiger Weise, durch Rede angegriffen vnd verleumdet, nämlich formaliter:

1. Man müsse den Churfürsten, Bischofen vnd Ständen des Reichs Hände vnd Füße abhauen, bloß den Kopf lassen vnd sie also schwächen, dass der Kaiser eine mehrere Macht als bis dato vber sie habe. Es sei genug, wenn sie sein, wie die welsche Bischofe. Wann

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dies geschehe, müsse man gleichfalls über den Herzog von Baiern, mit dem es hernach bald werde gethan sein.
2. Es könne des Kaisers reputation, Hoheit vnd Gehorsamb nicht recht eingeführet, oder erhalten werden, so lang die liga Armee in esse verbleibe, dahero nothwenidg, selbige zu dissipiren vnd abzuthun.

3.
Solche armada wollte zwar den Namen haben, als hätte sie viel Gutes ausgerichtet; das Widerspiel sei wahr; da sie ohne die Kaiserliche nie nichts gethan, wie in der nächsten dänischen Niederlage zu sehn gewesen, wenn das nicht die Kaiserliche verrichtet, wären die Tillyschen geflohen, als wenn man mit Prügeln hätte unter sie geworfen.

4.
Als nun der Bischof zu Würzburg gesagt: „warumb man nur immerzu in Franken vnd nicht in Schwaben quartierte?“ hat Metziger vermeldet: „Schwaben sei ein Bislein für den Friedland.“ Item: es hatte derselbe gesagt: „Er müsse noch einem Churfürsten den Kopf herunter schlagen lassen,“ mit vielen dergleichen Schmäh und lästerlichen Anzeigen mehr wider die gesammten Churfürsten etc. etc., woran er ehrvergessen, leichtfertig, schelmisch, ehr vnd treulos gehandelt vnd mehr denn meineidig geworden.

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Majus.      KÖNIG CHRISTIANS SCHREIBEN AN DIE STADT LÜBEK:

Unsern gnädigsten, wohlgemeinten Willen zuvor, Ehrsam liebe Besondere! Uns zweifelt nicht, Ihr habet nunmehr wohl vernommen, was gestalt Unsre Stadt Hamburg, wie Wir gegen dieselbe per viam retorsionis dasjenige, was sie von Uns und Unsern Unterthanen, wider altes Herkommen, ohn’ jennige Befugniss an Zolle vnd Impost erhoben, wiederumb einzubringen Verordnung gemacht, urplötzlich zugefahren vnd uf vorgehende Conspiration gemeiner Bürgerschaft, etzliche ihrer Schiffe zum Orlog armiret, mit Volk vnd Geschütz

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besetzet vnd Uns damit unverwarnter Sache, auch unerwartet Vnsrer Resolution vf ihre an Uns, durch einen gemeinen Botenläufer abgeschicktes Entschuldigungsschreiben vnd dabei anmaaßlich geschehner Insinuation eines von ihnen durante bello zu Vnserm vnd Vnsers fürstlichen Hauses Holstein Präjudiz und Schimpf expractisirten privilegii, so wohl zu Wasser als zu Lande angefallen, auch mit Schießen vnd Tumultuation, alle mögliche Hostilitäten verübet, Unsere Pinassen, die Wir zu Behuef dieser Unsrer Vestung bei diesen geschwinden Zeiten ordinarie unterhalten, feindlich angefallen vnd sich deren Theils bemächtiget vnd zu vermehrten Spott, als im Triumph die Elbe hinaufgeführet, theils bis in die See verfolget, sich darüber öffentlich vernehmen lassen, sie wollten diese Unsre Stadt schleifen vnd niederreissen, auch keinen Stein auf dem andern lassen.

Wiewohl Wir nun große Ursache hätten, auf Mittel und Wege, auch solche Bereitschaften zu gedenken, solche Schimpf und Feindesthätlichkeiten, deren sich gemeldeter Pöbel vnd ihr Anhang wider Vns, ihren gehuldigten Herrn, so hochmüthig gebrauchet, gebührlich zu retundiren, so wollen Wir doch in diesen Zeiten, dem tollsinnigen gemeinen Mann, der sich zu dieser Friedensstöhrung verleiten lassen, so weit es Vns nur, gebührenden Respects halber immer möglich, lieber Zeit vnd Raum geben, ihre landfriedbrüchige Sedition vnd ihr gottloses Vorhaben zu bereuen, als novis motibus, zum Nachtheil des publici boni vnd völligen Vntergang gemeinen Wesens einige Wege bahnen. Ob Wir auch wohl berichtet, dass Vnsere gemeine vnd tumultirende Bürgerschaft obgemeldet, sich Eurer Hülfe vnd dass Ihr ihnen mit Volk vnd andern Mitteln succuriren würdet, mit vollem Munde rühmen solle, so können Wir doch demselben keinen Glauben beimessen, dass Ihr eine solche unverantwortliche turbationem paus publicae, wider die Reichsconstitutionen vnd Verfassung mit Evrem Zuthun

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approbiren vnd also in einen unnöthigen Krieg vorsetzlicher Weise vnd ohn erkannten Grundes vnd Beschaffenheit der Sachen, Euch praecipitiren vnd Uns zu einer offenen Fehde gleichsamb wider Unsre Intention vnd Willen dringen werdet.

Haben demnach nicht umhin wollen, Euch Unsre Gemüthsmeinung zu entdecken vnd dies zuvörderst zu berichten, der gänzlichen Zuversicht, Ihr werdet Euren Mitvereinigten zu Hamburg unterschiedene hitzige vnd hochmüthige Zunöthigungen vnd Violenz, die sie wider Uns, ihren König vnd Herrn, dem sie Huld und Treue gelobt, auch für viele Wohlthaten, die ihnen vor allen andern Staaten, von Uns erwiesen, hochlich obligiret sein, so unverantwortlichen Fürgenohmen, nicht allein keinen Beifall geben, noch in ihren Excessen sie rückstrecken, sondern sie vielmehr davon abmahnen vnd abhalten helfen. Daran werdet Ihr zu dieser Zeit ein gemeinnützig Werk verrichten vnd vielen Uebeln vnd hochschädlichen gefährlichen Consequenten, zu Eurer eigenen Wohlfahrt vnd gemeinen Aufnehmen vnd Gedeihn in Zeiten begegnen vnd Wir bleiben Euch mit Königl. Gnaden wohl zugethan. Geben in Unser Veste Glückstadt, den 3. Mai anno 1630.

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6. Maji. Zu Erfurt sind Mainzische Gesandte angelangt, etzliche Schlösser vnd Aemter, so die Herzoge von Weimar vnd Grafen von Gleichen von Chur Mainz zu Lehn haben, einzunehmen, denen sich aber der Fürst vnd die Grafen widersetzt vnd die Häuser mit Volk belegt vnd Hülfe von Chur Sachsen begehrt.

5. Maji haben der Fürst von Metternich vnd Dr. Semmler zu Halle die Huldigung wegen des Kaisers Sohn eingenommen, von da nach Wolmirstedt vorrücket, dahin eilig Chur Sachsen Commissarien gefolgt vnd wider Obgesagtes gar eifrig in churfürstl. Namen

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protestiret. Wie nun dies praetendere endlich ablauft will die Zeit geben.

Fernambuca in Indien ist von den Hollandern eingenommen vnd die Spanier daraus verjagt.

Junius. Im Junio ist der König von Sweden mit einer mächtigen Armada in Pommern, dem nothleidenden Religionswesen vnd der Teutschen Freiheit zu Hülfe, angelangt vnd hat Stralsund, das ganze Land Rügen, Stetin, Stargard, Wolgast vnd andere namhafte mehr, welche die Kaisersche verlassen, eingenohmen vnd besetzt.

Julius. Ist der Administrator Christian Wilhelm von Brandenburg zu Magdeburg heimlich wieder angelangt, mit der Stadt sich conjungiret. Das Stift mehrentheils wird eingenohmen, doch von den Kaiserschen wird er daraus vertrieben vnd in Magdeburg fest blocquiret, hofft vff Entsetzung von Schweden.

In Italia ist auch umb diese Zeit wegen des Herzogthumbs Mantua ein großer Krieg zwischen dem Kaiser, Spanien vnd Frankreich entstanden. Mantua wird mit stürmender Hand eingenommen vnd von den Kaiserschen geplündert und Altringer zum Gubernator gesetzt *)

25. Septbr. ist Marquis Ambrosius Spinola, der berühmte Kriegesheld vnd Gubernator zu Mailand gestorben.

November. G. Colaldo ist im November zu Chur in Rhaetia gestorben.

November. [Im November ist Kolberg in Pommern von König Gustavo Adolpho Suedo mit stürmender Hand eingenohmen und die Besatzung wegen ihrer zu Pasewalk verübten großen Tyrannei mehrentheils niedergehauen.] **) Den 28. Januar 1631 ist es noch nicht
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*) Es war hier anfänglich die Nachricht mitgetheilet: Altringer wäre in Mantua gestorben. Dies ist jedoch später (als nicht bestätiget) durchstrichen.
**) Diese ganze Angabe ist später durchstrichen und dasjenige hinzugefügt was ihr folgt.

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über gewesen, sondern hart belagert gehalten. Den Ende wird die zeit geben *)

24. Dec. vff Christabend hat der König von Sweden Greifenhagen, Garz vnd das kaiserl. Veldlager mit Gewalt angegriffen, die Pässe, sowohl das Lager mit stürmender hand einbekommen vnd die Kaisersche ganz in die Flucht geschlagen.

Landsbergen, den Pass in der Mark, hat er auch darauf eingenommen vnd die Kaiserschen daraus gejaget. Fernandus de Caqua (?) Obrister in Greifenhagen ist zu Stetin vom Schuss gestorben, der Räuber des Pommerlandes.

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Anno 1631.

Januaris. Nachdem Greifenhagen vnd Garz vom König in Sweden erobert vnd die Kais. Armee sich zwischen Königsberg vnd Landsberg versamblet, ist der König vf sie zugezogen vnd hat sie in voller bataglia gefunden; darvff der Rheingraf mitt 20 Compagnia Kürassier vnd der Baudissin mit der Infantaria sie angegriffen vnd in die Flucht gebracht, denen der König an einem füglichen Ortt, mitt einem ganzen Hauffen vorgewartet und meistentheilß in die Oder zu springen genöthiget. Sparre, der Obriste, ist in währender Schlacht davon geflohen und mitt drei Wagen durch Kustrin kommen, mehr alß 1000 pagagi wagen sindt von den Sweden erobert; was darvf, so den Pauern **) vnd Anderen genohmen, hatt man ihnen wieder geben, daß Uebrige ist den Soldaten Preiß geben worden. Vber 30 Stücke Geschützes ist den Kaiserschen auch
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*) Vgl. unten.
**) Das hier gebrauchte Wort „Pauer“ statt Bauer läßt wohl vermuthen, daß die vorliegende Nachricht Abschrift eines von einem Obersachsen herrührenden Berichtes ist.

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abgenohmen. Ist darvf durch Kustrin passirt vnd geht die rede, dass Er mitt 24 000 zue Fueß vnd 6000 zu Roß vf Magdeburgk zuziehe.

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1. Vff Frankreichs seiten (den 12. Jan.) wirdt noch vielen stenden im Röm. Reich beygepflichtet zue assistiren vnd habe Frankreich dem anstandt oder frieden eine wechserne nase vorerst angesetzet.

2.
In Vngarn newe vnruhe wirdt vermuthet, weil Bethlen Isluan *) dem Ragotzi weichen müssen.

3.
Rex Angliae hatt sich erkläret, im fall Spanien seine wegen restitution der pfaltz gethane verheißung in gesetzter zeit nicht nachkomme, soll der friede nichts sein, sondern zerschlagen.

4.
In Niederland ist man resolviret, den Krieg zu continuiren vnd zeitlich inß veldt zue ziehen.

5.
Vnd Sweden ist mitt den Kaiserschen in Pommern vnd der Marke in voller arbeit

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22. Jan. hatt sich eine schreckliche historia zugetragen mitt dem Obristen Hinrich Ludwig von Hatzfelt zue Rostock; alda frue morgens ein licenciatus juris Jacobus Varenmeier (der gleichwohl im Haubt etwaß verrücket gewesen) zue gemeldeten Obristen kombt, sub praetextu, alß hätte Er waß wichtiges mitt ihme zue reden, seine Diener abzuschaffen bittet, darnach vmb einen pass anhalten thut. Indem nuhn der Obrister solchen pass selber zue schreiben im werke ist, ergreifft der licenciatus ein beil, so an der wandt henket und hiebt ihm in den halß, dass Er zur erden sinket, wischet bald mitt dem messer vber ihn her vnd sneidet ihme den Kopf gar ab vnd geht damit davon und nimbt das Haubt mitt, worvber Er vf frischer tadt ergriffen vnd schrecklich torquiret worden, auch endlich in der
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*) So scheint der Name geschrieben zu sein.

1901/1 - 73


1901/1 - 74

tortur seinen geist aufgeben. Hatzfeld aber ist hingangen ohn Zweifel quo Tullus et ancus.

Schawpfenning hatt der Koning in Sweden schlagen lassen: einen so groß alß ein Rthlr. Auff einer seiten stehet ein klein Kindt vf einem grabe, ein Creutzlein im arme haltend und sich gleichsamb daran lehend; vffm rande steht:
 

Das Patengeld mir Christus gab

vf der andern Seiten:

In seinem blutt, kreutz, Todt vnd grab.

Der andere Schawpfenning ist in der große eines 1 Rthlr. Vf einer seiten eine handt auß den wolken, helt eine runde Kugel, ein Swert, ein vfgeschlagenes buch, ein Spaten. In circumferentia steht: Imperando orando laborando consistit. Vf der andern seiten steht: Deus hoc anno, Legem, Regemque omnipotenti manu protegat, ornet, alat.
 

(Schluß folgt.)
 

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