Jahresband 1900

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Ursula von Sachsen-Lauenburg.

[M. A. St.]

In dem „Ehrengedächtnus der Weilandt durchleuchtigsten Hochgebornen Fürstin und Frauen, Frauen Ursulen geborn zu

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Sachsen Engern und Westphalen, Hertzoginn zu Braunschweig und Lüneburg“ vom Hofprediger Gödicke findet sich manches, welches das skizzenhafte Bild dieser vortrefflichen Frau, über die wir im Jahrbuch von 1898 (V 3, p. 61 ff.) berichteten, recht gut vervollständigt.

Ihr Vater war Franz I., Herzog von Lauenburg, ihre Mutter Sybilla, geb. Landgräfin von Thüringen. Ao 1553 wurde sie im Schlosse zu Lauenburg geboren. Ihr Elternhaus und ihre Kindheit mögen in Folge des sehr bewegten Lebens, das ihr Vater führte, und der zeitweis wenig glücklichen Ehe, in welcher er mit der Herzogin lebte, nicht sehr fröhlich gewesen sein. Sie kam schon als Kind zum Besuch zu ihrer „Muhme“, der Fürstin Syndonia von Braunschweig-Lüneburg, zur Herzogin von Teschen in Schlesien u. A. Mit 15 Jahren lernte sie bei ihren Eltern den Herzog Heinr. von Braunsch.-Lüneburg-Dannenberg kennen und lieben, verlobte sich mit ihm und ward ihm 1569 angetraut. Dem neuvermählten herzoglichen Paar scheint es pecuniär im Anfang nicht sonderlich ergangen zu sein. Pastor Gödike sagt, daß die Verstorbene viel Kummerniß gehabt bei den „intraden, welche im Anfang ihrer Ehe und Hoffhaltung etwas geringfügig gewesen.“ Aber die tugendsame Fürstin hat es immer so einzurichten gewußt, daß sie ihrem Stande und Herkommen gemäß hofhalten konnte, ohne die Unterthanen zu beschweren, „dazu große Vorsichtigkeit und Fleiß von nöthen gewesen.“

Vier Söhne und drei Töchter wurden dem Paar in 9 Jahren beschert. Herzog Heinrich und Fräulein Sophia sind jung verstorben, die anderen aber sind mit Mühe und Fleiß erzogen; es wurden gelehrte Präceptores am Hofe gehalten und als beide ältesten Söhne erwachsen waren, wurden sie nach Straßburg geschickt (Studiums halber) und reisten dann in Welschland einige Jahre. Ao 1598 starb der Herzog; seine treue Gemahlin hat ihn, welcher an den Beinen irgend einen Schaden hatte, der besonders im Alter (er war 20 Jahre älter als sie) sich bemerkbar machte, immer

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mit Geduld und Liebe behandelt und ihn bis an’s Ende treulich gepflegt. –

Nun oblag es ihr, die Kinder allein zu erziehen und dieses für eine Wittwe gewiß nicht leichte Werk hat sie vortrefflich zu Ende geführt. Ihr jüngster, sehr begabter Sohn besuchte die Universitäten zu Rostock und Tübingen und reiste dann in Frankreich, England und den Niederlanden. Die Prinzessinnen jener Zeit hatten es indessen nicht so gut wie ihre Brüder: sie die Fräulein sein auch auff J. J. F. F. G. G. anordnung im Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Präceptores fleißig unterweiset und sonst zur Gottseligkeit, Tugendt und vorsichtiger und fleissiger Hoff- und Haußhaltung angeweiset und gewöhnet worden.“ 1602 hatte die Fürstin das große Unglück, ihren zweiten Sohn Herzog Franz, der „ein rechter Fürst von Person, Statur, Sitten und Verhalten war“, durch Ertrinken bei Straßburg zu verlieren; und ein Jahr vor ihrem Tode verlor ihre älteste Tochter Sybilla Elisabeth, welche an den Grafen von Oldenburg und Delmenhorst vermählt war, ihren Gatten, welcher Schmerz das treue Mutterherz natürlich sehr ergriff. – 1620 ist die Fürstin Ursula auf ihrem Wittwensitz im Kloster zu Scharnebek selig entschlafen; nachdem sie am Tage vorher der Hochzeit ihres Amtsschreibers mit einer ihrer Kammerfrauen persönlich beigewohnt hatte zugleich mit ihrem ältesten Sohn, dem Herzog Julius Ernst, und seiner Gemahlin Sybilla, welche beide ihre Gäste waren. Der Fürstin wird nachgerühmt, daß sie sehr gut und wohlwollend zu ihren Dienstboten war, welche Alle mit großer Verehrung an ihr hingen. So ist sie denn auch zu diesem ihrem Beamten, trotzdem sich der Husten, der sie im Winter geplagt, auch in jenem Herbste sich einstellte, gegangen, um seinen Ehrentag zu verschönern, - hat beim Hochzeitsmahle an dem Ehrenplatz gesessen und sich des Glückes des jungen Paares gefreut. Am andern Tage ist ihr Befinden schlimmer geworden, eine Kammerfrau hat ihr aus ihrem Gebetbuch vorlesen müssen, und dann ist sie sanft entschlafen, schmerzlich vermißt

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von ihren Angehörigen und Unterthanen, denen sie eine treusorgende Mutter und Herrin war.

Sicherlich redet noch verschiedener Kirchenschmuck in der Scharnebeker Kirche von dem Leben und Handeln dieser prächtigen Fürstin; - sie ist eine eifrige Christin gewesen und hat in ihrer Wittwentracht, welche sie nach ihres Gatten Tode nicht mehr ablegte, allsonntäglich den Gottesdienst besucht, bis sie in einer besseren Welt wieder mit „ihrem lieben Herrn“ vereint wurde. –

M. A. St.

 

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