Jahresband 1900

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


Des Schwerinschen Dompropsten und
Ratzeburger Domherrn, Otto von Estorf,
Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium
(vom 23. Mai 1618 bis zum 10. März 1637),
nebst einer Vorerinnerung des früheren Besitzers dieses Mscr.,

Dr. jur.
A. E. E. L. von Duve.

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Der Verf. dieses „Diarii“ hat sich freilich nicht genannt, allein aus der Erzählung desjenigen, was im November und December 1625 vorfiel und den Verf. selbst, sowie seinen, durch M. v. E. bezeichneten Bruder betraf, erhellet schon, daß der Verf. zur von Estorfschen Familie gehörte; denn Barnstedt war schon damals ein von Estorfsches Ritter-Gut. Besessen ward es zu jener Zeit von dem im Jahre 1566 geborenen und am 29. Juli 1637 gestorbenen Schwerinschen Dompropste und Ratzeburger Domherrn Otto v. Estorf, worüber man einige Nachrichten im (Spielschen) „vaterländischen Archiv“ Bd. IV, Heft 1 p. 7, Band V, Heft 1, S. 207 und dem (Spangenbergschen) „neuen vaterländischen Archive“ Bd. I, Heft 1, S. 132, Bd. II, Heft 2, Seite 405 und Bd. III, Heft 2, S. 393-395 findet und die Urschrift des Diarii (mit Ausnahme einiger wenigen abschriftlich eingerückter Urkunden) von derselben Hand verfertiget, gehört zu der Sammlung von geschichtlichen handschriftlichen und gedruckten Nachrichten, welche jener Dompropst und Domherr Otto v. Estorf eigenhändig veranstaltete, einer seiner Nachkommen aber, der ehemalige Drost v. Estorf, Guts-

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besitzer auf Veersen und Bruder des verstorbenen Generals v. Estorf (von dem die Nachrichten im Spangenbergschen neuen vaterländischen Archiv Bd. II, Heft 2, S. 393-395 herrühren) meinem Vater, dem Hofgerichts-Assessor v Duve durch Verkauf überließ. Ein Vergleichen der Handschrift des Diarii mit anderen in dieser Otto v. Estorfschen Sammlung vorhandenen, mit Otto v. Estorfs Namensunterschrift versehenen Aufzeichnungen, stellet es außer allen Zweifel, daß Otto v. Estorf der Verf. des Diarii war. Sein Bruder hieß M(anngold) v(on) E(storf). –

Eine nähere Prüfung des Inhalts des Diarii ergiebt, daß selbiges nach und nach entstand und in Wahrheit den Namen eines Diarii oder Tagebuches verdiene. Die Quellen der darin enthaltenen Angaben sind leider nicht angegeben; allein abgesehen von demjnigen was der Verf., vermöge seiner Stellung als Ratzeburger Domherr, Schwerinscher Dompropst und Mitglied der Lüneburgschen Ritterschaft zu erfahren Gelegenheit hatte, so bietet die erwähnte Sammlung theils mehrfache Beweise, teils aber Wahrscheinlichkeits-Gründe dar, welche zu der Vermuthung berechtigen, daß die Quellen des Diarii, theils Briefe waren, welche Otto v. Estorf von Freunden oder Verwandten aus den Gegenden erhielt, worauf sich die Nachrichten beziehen und theils die damals schon erschienenen Zeitungen. Von letzteren befanden sich mehrere dicke Convolute in der erwähnten v. Estorffschen Sammlung. Leider sind selbige bei den mehrfachen Wohnungsveränderungen meines verstorbenen Vaters auseinander gefallen und nachher bis auf die wenigen einzelnen Nummern, welche ich dem Vereine für mecklenburgische Geschichte schenkte, verloren gegangen. Auch mehrere Convolute von Briefen an Otto v. Estorf befanden sich in jener Sammlung, wie ich mich aus früherer Zeit erinnere. Diese Convolute haben leider mit jener Sammlung alter Zeitungen ein gleiches Schicksal gehabt und die Bruchstücke, welche ich noch davon besitze, enthalten nichts, was als Quelle des Diarii angesehen werden könnte. Die Urschrift dieses Diarii verkaufte ich der


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Königl. Bibliothek in Berlin unter der Bedingung, die darnach verfertigte Abschrift durch Abdruck bekannt machen zu dürfen. *)

Ratzeburg, den 14. April 1854.
 
A. E. E. L. v. Duve.

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Diarium belli Bohemici et aliarum memorabilium.

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Anno 1618.

Den 23. May haben die Bohemischen Stände Herrn Schlamata und H. Schmissinsky zu Praga auß den Fenstern in den Schloßgraben gestürzt. (Sind aber mit dem Leben davon kommen.)

Den 2. Junii sind die Jesuiter auß Bohemen vorbannet und außgewiesen.

Den 15. Junii hatt der Churfürst Pfalzgraf die dem Bischof zu Speier gehörige Festung Udenheim schleiffen lassen.

Den 15. Junii ist die Stadt Bereell dem Saphojer wieder restituiret.

Den 1. Julii ist Ferdinand zum Köning in Ungarn zu Presburg gekrönet.

Den 20. Julii ist Cardinal Clesel in Wien gefänglich eingezogen.

Den 8. Julii ist die Seeräuber Armada von Holländern und Spaniern zertrennet und geschlagen.

Den 13. Augusti ist G. Tampier mitt 6000 Mann erstmals in Bohemen gefallen.

Den 4. September ist Johann v. Oldenbarneveld im Haag in Verhaft genohmen.
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*) Diese Abschrift, im Besitz der Erben des wail. Pastors Catenhusen in Sandesneben, wird nachstehend veröffentlicht.

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Den 25. Aug. ist das Städlein Pluers in Graubünden durch einen Bergfall gantz bedecket und ruiniret.

2. IXbr obiit Archidux Maximilianus ao aetatis 60.
.. IXbr Pilzna ab Ernesto Mansfeldio deditione capta.
14. Xbr ob. Anna Imperatrix, Matthiae Î conjux.
 

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Anno 1619. *)

Extract der Bohemischen vorgeschlagenen Friedensmittel:

1. Den Majestätsbrieff vom Kaiser vnd König Ferdinando zu confimiren.
2. Einen General-Pardon zu ertheilen.
3. Der Kaiser soll der Stände Völk bezahlen.
4. Der Köning soll den Uffstand nicht eiffern.
5. Die officia mitt beider Religions Genossen zu besetzen, die Kammer und die Land Gerichts Aemter aber mitt Personen sub utraque.
6. Die Jesuiten sollen ewig auß Bohemen bannificiret sein; ihr Collegium den Dominicanern, daß Einkommen aber dem Collegio Carolino zu appliciren.
7. Den Bischoff und Abt vfm Strohof in Prag abzuschaffen.
8. Die ausgewiesenen Herrn sollen deß Königreiches beraubt und ihre Güter confisciret sein.
9. Das Klöstlische Deputat, von einer Herrschaft in Bohemen herrührend, so der Kaiser dem Kleßel vf sein Leben bewilliget, vfzuheben!

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Zwischen Polen vnd Moscow ist der Friede vf 20 Jahre beschlossen und behellt der König das Fürstenthumb Schmolensko vnd gibt dazu dem Moscowiter 2 Tonnen Goldts.

12. Febr. Die Stände haben beschlossen, den Bohemen zu assistiren.
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*) Imo 7br 617 ob. Julius Echte epise. Wurzeburgensis, ei succesit Johann Gottfried von Aschhausen Episc. Bambergensis et praepositus Wurzeburgensis.

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19. Febr. hatt Kaiser Matthias Graff Ernst von Mansfeld in die Acht erklärt.

20. Febr. In Stiria will man die Religion auch frei haben, wie dann etzlicher Orten schon Prediger vffgestellet.

11. Febr. ist zu Paris daß Beilager mit principe Victoria de Saffoye und des Königs Schwester gehalten worden.

20. Martii obiit Matthias Imperator, ao aetatis 62 et 15 dierum; natus fuit anno Chr. 1557 2. Febr..

24. Martii haben die Stände das Schloß zu Linz eingenommen und mit Volk besetzt.

12. Martii obiit regina Angliae, soror Daniae regis.

24. April. die Stände zu Horn *) versammelt, haben König Ferdinando sagen lassen: sie könnten ihn für ihren Herrn nicht annehmen, sondern wie eß die Bohemen eingingen, sie auch thun wollten, begehrten also mit den Herren Bohemen zue leben und sterben.

5. May. Die Mähren haben sich auch zue den Bohemen geschlagen, wie denn auch Oesterreich ob der Ens.

28. May. Durch List des Königes von Spanien wird Metz eingenohmen und Frankreich entwendet. **)

18. May. Die Jesuiten sind auß Mähren proscribiret und dagegen evangelische Prediger eingeführet.

Wie der Fürst zu Lichtenstein dem König wegen der Böhmen ziemlich zugeredet, soll der König zornig zu ihm gesagt haben: „Du hast noch lutherisch Geblüt in Dir, ich will den Bohemen nicht zu viel zusehn.“

Die Mährensche Stende haben verordnet, daß hinfüro der Bischof zue Olmütz und die Prälaten keine Session noch Stimme im Lande oder andern weltlichen Zusammenkünften haben sollen, auch kein Stand mehr sein; man soll ihnen allein victum et amictum geben, wie denn die Lande ob der Ens mit ihren Geistlichen auch also gemacht.
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*) Stadt und Schloß am Flüßchen Teffer im Lande unter der Ens im Oesterreichischen.
**) Diese nachrichtliche Angabe ist im Ms. später gestrichen.

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17. May. die Oesterreicher unter der Ens haben sich auch mitt den Bohemen conföderiret.

13. May ist Johann von Oldenbarnefeld im Haag mit dem Schwerdt hingerichtet ao aetatis 72.

22. May. Auß Ungarn hat man vor gewiß, daß die Jesuiter alda auch eilendt auß dem Lande gemußt.

21. May ist der junge Prinz auß Polen, 100 personen stark, zu Neiße angekommen und reiset nach Wien, begehret den Paß für 3000 Mann, so ihm ganz abgeschlagen.

3. Juni. Der Friede zwischen dem Köning von Frankreich und seiner Mutter ist geschlossen.

12. Juni. Die Ungarischen Gesandten haben Köning Ferdinando vorgetragen, daß die Ungarn ihre alte Conföderation mit den Bohemen zu renoviren entschlossen und bereits im Werke sein, welches aber gar übel vfgenohmen worden. Ihnen ist auch mittgegeben, es erfolge eine Resolution oder nicht, daß sie sich stracks nach Hause begeben sollten.

Die Jesuiten begehren in Oesterreich sicher Geleit, außer Land zu ziehn; ist ihnen aber bis sie mitt einander fort müßten abgeschlagen worden.

10. Junii ist ein Treffen zwischen dem Grafen von Mansfeld und dem Conte de Buquoi geschehen und der Mansfeld ist stark gewesen 7 Fähnlein Knechte und 2 Cornett Reuter umb Pißeck gelegen. Bucquoi ist 5000 stark gewesen; haben in acht Stunden stark mit einander gestritten und Graff von Stirum *) vnd Kapitain Haider sind neben vielen Anderen geblieben.

10. Juni. Zwischen G. Moritz und dem Churfürsten zu Brandenburg ist eine Heirath ob Handen, sollen auch ihr Excellenz die actiones vfm Gulicher und Clevesch Landt mittgegeben werden.

19. Juni. Der Graff von Thurn, als er deß Mans-
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*) Am Rande ist von derselben Hand die Bemerkung hinzugefügt: „ille revixit“.

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felder Niederlag erfahren, ist er vber die Donau gefahren und hat den Tiefenbach mitt 6000 Mann hinterlassen.

23. Juni. Der Markgraf von Jägerndorf ist vf 3000 Ungarn gestoßen und 800 davon erleget; der Vnsern sind 150 geblieben.

Der Obriste Kischki hatt vf 1000 Kürassier, so erst in’s Bucquoi Lager kommen getroffen, ein Prob mitt ihnen gethan vnd 300 erschossen. Ihnen sind nur 2 Roß und 1 Mann geblieben. Vnser Lager ist 2 M. (2000 ?) stark geworbenes Volk, ohne daß aufgebotene Volk.

König Ferdinand hält bei Chursachsen vmb 200 M (200 000?) fl. Anlehn an.

17. Junii. Morgen nimmt die große Versammlung der Stände ihren Anfang.

30. Junii. Dem von Mansfeld ist ein reiche Abtei, eine Meile von Pilsen eingeräumet und soll auf nächsten Landtage alß ein stand in Bohemen erscheinen.

Allen stiftern in ganz Schlesien ist vferlegt: Abschriften ihrer Privilegien, wer solche gestiftet und wie sie zu ihren Gütern gekommen, einzuantworten und sollen die Canonici 1 Tonne Goldes und die Klöster noch so viel hergeben.

Der Prinz auß Polen befindet sich noch zur Zeit zur Neiße am Fieber vbel vf.

Die Mähren sollen hinfort bei Wahl eines Bohemischen Königes ihr Votum so woll alß Schlesien haben.

De eodem. Als im Lande ob der Ens bei Engelhartszell an die 3500 Spanisch Volk vfm Wasser ankommen vnd solches die Stände erfahren, haben sie ihnen mitt ihrem Volk vf den Dienst gewartet, Ketten vber die Donau gespannet vnd vom Landt feuer vf sie geben und also theilß im Wasser erfseufft, theilß sonst zu Todt geschossen.

Die Ungarische Spannschaften haben sich gegen Bohemen vnd Oesterreich resolviret, weill der Baierfürst dem Feindt den Paß offenhalte und Alles durchlasse, ihme in sein Land mitt 16 000 Mann zu fallen.

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25. Junii. Wegen Vereinigung der Niederländischen und Engeländischen, Ostindischen Compagnien ist beiderseits groß Freude und ist die Compagnie der vereinigten Niederlande vf Westindien auch nunmehr gantz beschlossen vnd soll vf diesem gemeinen Landtag jede Provinz sich erkleren, waß sie dazu contribuiren wolle.

3. Julii. Die Ungarn wollen nichts eingehen biß mit Bohemen Fried geschlossen sei. Die Conföderation halten sie nicht nötig zu erneuern, weil sie von Alters her conföderiret sein. Die Haiducken haben sich in Ober Ungarn erkläret, es mitt den Spannschaften zu halten.

4. Julii. Itzt kommt Bericht, daß die Türken in großer Anzahl bei Petrinia sich lagern, alda eine Vestung eilend baven, sich den Paß zu mächtigen in Crain und Steiermarken, derowegen diese Landschaften in großer Gefahr, da sie an Pulver und Anderem sehr entblößet.

14. Julii. 800 Ungarn werden von 500 Solmischen Reitern vnd 600 Musquetire angesprengt, davon nach 5 stunden Scharmützel 450 erleget, 50 gefangen, die vbrige zerstreubet.

19. Juli sind 600 Walonen und 400 pferd vff 1200 Soldaten Bohemische vnd 500 zu Roß bei Graitz getroffen; bei 3 stund lang ist scharmutziret, darin der feind 800 Mann verloren vnd groß Beut bekommen, also die Mansfeldische Niederlage genugsam gerochen. *)

Augustus. Den 5. Aug. ist in Mähren zwischen dem Dampier und den Mähren ein Treffen geschehen vnd obwoll der Dampier 9500 stark, die Mährischen nur 2700 zu Fuß und 1200 zu Roß gewesen, so ist doch die Victorie, nachdem das Treffen ganzer 6 Stunden von 2 bis auf 8 Uhr Abends gewährt, bei den Mähren geblieben, dem Feind vber 3000
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*) Hier ist dem diario eingeschaltet: Echo de synodo Hollandica: Quid synodus? – nodus, fratrum chorus integer – aeger. Conventus? – ventus; estis stramen, Amen. Chronographicum de morte Barnefeldii. Mors apri ardentis, tua erit (causa bona) ruina.


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erlegt, worunter Herzog Maximilian Rudolf von Lauenburg *) mitt geblieben. Der Staub und Rauch ist alle vf den Feind zugangen, dafür Gott billig zu danken.

21. Aug. Die evangelische Spannschaften sind in 22 M. (22 000?) stark beisammen, willens, den Mähren damitt vermöge der alten Conföderation zu Hülfe zu kommen.

23. Aug. ist die catholische Bürgerschaft zu Prag desarmiret.

25. Aug. Dampier ist nunmehr auß Mähren in Ungarn gejagt und darf sich kein Königl. soldat mehr in Mähren sehen lassen.

26. Aug. sindt die Bohemen sampt den unirten Landen zur neven Wahl geschritten und ist der Churfürst zu Heidelberg zum Köning erwehlet.

28. Aug. ist Ferdinandus zum Kaiser erwählet und soll die Könung vf den 9. Septbr. geschehen.

Eodem die. Kommt Zeitung, daß der Dampier einen Anschlag nach Presburg gehabt, welchem die Ungarn in einem paß begegnet und vbel empfangen, deßgleichen die Mähren vf der seiten neben ihme her vf ihn gesetzt, also daß er biß vfs haupt geschlagen. Er Dampier selbst von Rudolf von Tiefenbach, Obristen hart verwundet und mitt 15 Roß ausgerissen.

Leopoldus hatt den östereichischen Stenden die Abhelfung der gravaminum vnd Confirmationem privilegiorum rotunde abgeschlagen, mitt dem Vermelden, daß man sich in diesem Falle nach beschehener huldigung gegen die gehorsamen stände schon werde zu erzeigen wissen.

26. Aug. hat Bucquoi Pißeck im andern sturm, doch mit großem Verluste seines Volkes erobert, Alleß niederhaven, den Primus kopfen, den Capitain Hacken und die Stadt ganz verbrennen lassen, hat über ein Million Geldes darin geraubet.
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*) Am Rande ist von derselben Hand bemerket: „ille revixit“. – Wirklich lebte dieser Herzog auch noch bis zum 1. Octb. 1647, an welchem Tage er zu Lübeck starb.

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September. 8. Septbr. Es verlautet für gewiß, daß durch Makofsky, Kaisers Rudolfi gewesenen Kammer-Diener (den der Kaiser bei seinem leben arrestiren lassen und itzt von den Vinclen nach 15jähriger Gefängniß, ledig gelassen) ein ansehnlicher Schatz gefunden, dabei etzlich Stücke auf 50 Mk. gut gediegenes Gold, wie es gewachsen, neben andern ganz guldenen Trinkgeschirre und viele schöne Artigkeiten sich befinden sollen und beläuft sich, was zur Kunstkammer inventiret auf 800 M. (800 000?) Thaler.

6. Septbr. ist ein Courier auß Siebenbürgen vnd Ungarn, berichtet, daß der Fürst von Siebenbürgen mitt 40 000 Mann im anzuge sei, präsentire davon den Bohemen 21 000 Mann vnd wolle sich in ihre Conföderation und des Reiches Union einlassen. Er berichtet auch, daß Bethlen Gabor schon zum ungarischen König erwählet vnd die Krönung den 17. dieses geschehen soll.

9. Septbr. ist die Krönung in Frankfurt nach Laut der guldnen Bulle glücklich vnd mitt stattlichem Pomp abgangen.

11. Septbr. ist Herr Collonitz seiner haft erlediget *), ist aber im haupt etwaß verwirret.

29. Aug. ist ein treffen zwischen Dampier und den Mähren gehalten, 8 stundt lang. Dampier hatt 2500 verloren, der Mähren bei 500 geblieben.

18. Septbr. soll Bethlen Gabor zum Köning in Ungarn gekrönet werden.

Eodem die ist aber ein Treffen in Mehren vorgangen und deß Dampiers Volk hin und wieder zerstrevet.

13. Septbr. ist Bethlen Gabor mitt 30 000 Mann in Presburgk angelangt vnd mitt 10 000 ist er in die Steiermark gefallen.

Villach ist von Bethlen Gabor erobert.

25. Septbr. hatt die Stadt Wien gehuldiget.

Engeland will Churpfalz 8000 Mann und die Staaten 4000 zu Fuß und 2000 zu Roß halten, so lange dieser Krieg währet.
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*) S. jedoch unten beim Jahre 1620, Jan. 26.

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October. 25. Octbr. ist das Kais. Lager vor Wien von den Bohemen zertrümmert vnd über 4000 erschlagen und ihnen 15 Stück Geschütz genohmen.

30. Octbr. Auß Frankreich hatt man deß Prinzen von Condé Erledigung, doch will der König neutral sein in dem ausländischen Kriege.

November. 4. Novbr. ist Pfalzgraf Friedrich zu Prag zum König gekronet.

December. 10. Dec. Von Wien, daß die Ungarn den König zu Bohemen zum ungarischen Köning machen wollen.

6. Dec. hat sich Pißeck dem von Mansfeld ergeben und ist Don Mathie, Capitain, ein Spanier, nach Pilsen geführet.

Humanaè (?) ist mitt 17 000 Polen überß Gebürg die Partfeld genannt in Ungarn gefallen vnd gräulich tyrannisiret, ist ihme aber von 20 000 Ungarn dermaßen begegnet, daß über 12 000 vfm Platz geblieben. *)

27. Decbr. ist dem Könige zu Bohemen, Pfalzgrafen, ein junger Sohn zu Prag geboren.

24. Dec. ob. elector Brandenburgensis.

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Anno 1620.

9. Jan. ist Zeitung nach Prag gekommen, daß die Conföderation zwischen Bohemen, Ungarn und Siebenburgen allerdings geschlossen.

26. Jan. Dieser Tage ist endlich Hr. Collonisch vom Kaiser seiner langwierigen Gefängniß entlassen. **)

Februar. 27. Febr. ist die Huldigung zue Breslau geschehen. Erzherzog Carl deß Bisthumes Neiße entsetzt vnd des Könings von Bohemen Bruder des Stift wieder eingeben worden.
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*) Die auf vorstehende Erzählung folgende Angabe: „Bucquoi soll an der ungarischen Krankheit zue Wien gestorben sein“ ist mit derselben Tinte, womit sie geschrieben war, durchgestrichen (weil der Verf. des Mscr. später selbige nicht bestätigt fand).
**) Vgl. oben am 11. Septbr. 1619.

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In Polen wollen der Adel vnd die Senatores die Jesuiten außm Lande haben.

17. Febr. sind die Obriste so die Kosaken in Oestereich gebracht mit Trommeten außgeblasen, bannisiret vnd aus Polen ewig verwiesen worden.

Mertius. 10., 11. und 12. Martii ist bei Eckenbergk zwischen Fürst Christian von Anhalt vnd Bucquoi ein stark Treffen vorgangen; die Bohemen haben Victori erhalten vnd sind der Feinde vber 3000 geblieben, der Bohemen bei 100 vnd 400 beschädigt, also dem Feindt sein Anschlag vff Prag mit 20 000 Mann vorhindert worden.

Aprilis. 19. huj. ist abermall ein Treffen bei Kloster Neuburg vorgangen, darin der Feinde bei 7000, der Bohemen bei 1400 geblieben.

(31. Martii ist die Königl. Kindtaufe zue Prag gehalten vnd das Herrlein Rupertus genanndt, nach dem römischen Kaiser Ruperto vom Hauß Pfalz.)

9. April ist der Herr von Felß, Veld Marschalk, neben dem obristen Lieutenants Bornheim, Haucknitz neben 60 von Adel vnd bei 200 soldaten, sampt 18 Capitaine in einem Scharmutzel bei Litzendorf geblieben.

17. und 20. April sindt überall Scharmutzel vorgegangen, darin bei 300 Kosaken geblieben, auch sonsten mehr Kaisersche, den Bohemen ufm Platz geblieben.

25. April ist die Conföderation mitt Ungarn und Siebenbürgen von den Bohemen confirmiret.

Die Geistliche in Schlesien müssen zu dem Kriege 166 900 fl contribuiren.

24. April hatt der Bucquoi Erlassung seines Generalates zu Wien begehret.

Kaiser Ferdinand hatt dem bohemischen König Termin biß vf den 1. Julii zue Abtretung der Krone zugelassen, sonsten die Execution vnd in Reichskonstitutionen gesetzte strafe wider ihn ergehen solle.

28. April ist von den Bohemischen vnd incorporirter Landen Ständen einhellig votiret vnd geschlossen, daß Herzog

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Friedrich Heinrich, Pfalz Graff bei Rein, des Königs zu Bohemen primogenitus zum successore seines Herrn Vaters designiret werden solle, ist auch folgenden Tages dazu designiret und proclamiret.

23. April sindt 1100 frische Kosaken wieder in Mähren eingefallen, aber von ihnen also empfangen, daß 900 vfm platz blieben, von den übrigen 200 so nach Wien entrunnen, nur etwa 10 gewesen, so nicht verwundet und zerhauet. Sollen noch 10 000 Kosaken im Nachzuge sein, deshalb Mann vor Mann in Schlesien vfgeboten ihnen zu widerstehen.

Chur Sachsen hatt vom Köning zu Bohemen ganz erstlich die 6 Tonnen Geldes abgefordert, so Kaiser Rudolfus vom J. Churfürstl. Gn. entlehnet.

20. April. Bethlen Gabor hatt 7000 Mann rüsten lassen, so er den Bohemen zu Hülfe schicken will und wirdt ein Kriegsheer von 40 000 zusammen bringen.

Junius. 11. Junii sind 3000 Englische Soldaten, welche zue Hamburg zue Schiff ankommen, durch’s Landt Sachsen auf Boitzenburgk alda vber die Elbdeichs Lande zu Lüneburgk nach Lentzen und durch die Mark, in Schlesien passiret, dem Köning zu Bohemen zue Hülfe contra Ferdinandum.*)

14. Juni hatt sich zue Wien im Stadt Graben bei dem neven Thor das Wasser in ein natürliches gerunnen Blut verwandelt, so Jedermann sehen können.

30. Mai. Leuwardiae obiit Wilhelmus Ludovicus, comes de Nassou, gubernator Frisiae occidentalis.

Erzherzog Albertus ist nunmehr auch halb todt, da in den Schenkeln kein Leben mehr.

Die Venediger halten bei Ungarn umb Conföderation
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*) Hierauf ist, mit einem N. P. überschrieben, folgende Nachricht eingeschaltet: Unioni vel confoederationi subscripserunt 10. May 1609. 1. Johannes Palatinus noie electoris Palatini. 2. Philippus Ludovicus, Palatinus. 3. Johannes Palatinus. 4. Joachimus Ernestus, Onolsbaccius, pro se et fratre Christiano, Marchione Brandenburgico. 5. Georg Fridricus, Badensis Marchio. 6. Christianus Anhaltinus pro se et fratribus. 7. Sebastianus Walling von Ursing et Sebastianus Faber. J. U. D.

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vnd Renovirung der alten Bündniß an. Item die geistlichen Güter in Ungarn sollen erblich verkaufet werden.

Julius. Zu Efferding in Oesterreich ist Herzog Ernst Ludewig von Sachsen Lauenburg wegen ausgestoßener Drawworte von den Bürgern erschlagen worden.*)

Augustus. 16. hujus ist er Bethlen Gabor zu Neuhaeusel publice zum Köning von Ungarn proclamiret.

In diesem Monat ist der Spinola mitt 25 000 Mann aus Niederland gezogen vnd hatt die Pfalz feindlich angefalllen, Oppenheim, Creutznach, Altzheim und vber 75 Dörfer eingenommen.

September. Prinz Hinrich Friedrich von Nassau ist den Uniirten mitt 7000 Mann zu Hülf kommen.

Der Churfürst zu Sachsen hatt Bautzen in Lausitz pro imperatore belagert und schon 8 Sturme dafür verloren.

October. Nachdem der Churfürst zu Sachsen 21 Sturme und über 1900 Mann vor Bautzen verloren hatt Er sie doch endlich durch Feuerwerfen bezwungen sich zu ergeben und sind von 1600 **) Häusern nicht über 120 sammt der Kirche mit Rathhaus bestehen blieben.

9. October. Wie Comte Dampier mitt 5000 Mann vor Presburg gerücket, ist Er mit einer kleinen Kugel von hinten ins Genick geschossen die ihm beim rechten Ohr wieder heraus gangen und zu Boden gefallen, darauf ihm ein Ungar unwissend den Kopf heruntergeschnitten, also hatt der Tyran einmal seinen Lohn enpfangen. ***)
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*) Ein zu Hamburg 1621 in 4. gedruckte Leichen Predigt des Pastors Erhard, giebt den 15. Julii 1620 als den Tag an, an welchem dieser Prinz von rebellischem Gesindel bei Everting im Lande ob der Ens plötzlich überfallen und ermordet worden. v. Kobbe’s Lauenb. Gesch. Bd. 2 S. 412, nennt Aschau ein Dorf bei Linz als Ort der Ermordnung durch 4 Bauern, welche betrunken gewesen und erwähnet er noch mehrer Einzelheiten, jedoch ohne Angabe einer Quelle, aus welcher diese Nachrichten geschöpfet waren.
**) Wahrscheinlich hat wohl der Verf. des Diarii sich hinsichtlich dieser Zahl verschrieben und nur 160 Häuser angeben wollen, denn schwerlich befanden sich damals in Bautzen sechszehnhundet Häuser.
***) Vgl. jedoch die Angabe unten beim Monate Febr. 1621.

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November. 8. Novbr. ist ein groß treffen vfm Weißenberg vor Prag geschehen, also daß vf beiden Seiten über 8000 geblieben sein. Die Kaiserschen haben gewonnen vnd hernach Prag mitt Accord bekommen und Köning sampt der Königinn ist [mit der Krone und des Königreiches Privilegium] *) davon kommen. In der Schlacht sind geblieben: [ein Herzog von Weimar] der [junge] Graf [von Thurn, der von Schlick] von Dona und andere Nambhafte auf den Könings Seiten. Der junge Fürst Christian von Anhalt ist gefangen [vnd soll der Graf von Hohenlohe in der flucht vom alten Grafen von Thurn erstochen sein, weil Er heimliche Korrespondenz mitt den Baiern gehabt und darüber die Schlacht verloren.] Gott helfe den Betrogenen!

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Anno 1621.

Januaris. 6. Januar ist die bohemische Königinn eines jungen Sohnes zu Cüstrin genesen vnd ist der am 10. getauft vnd Maximilianus genannt worden.

Pfalz Neuburgs Hoff Prediger D. Jacobus Relling ein Jesuite, ist umb diese Zeit abgefallen und evangelisch geworden. Der catholische Pfaffe aber zu . . . . hofen **) hatt sich selbst erhänget.

28. Jan. obiit Paulus V. cerberus Romanus ao aetatis 68. Pontificatus 15 ao.

29. Jan. ist Pfalzgraf Friedrich Köning in Bohemen, der Markgraf von Jägerndorf, Fürst Christian von Anhalt und Graf Friedrich von Hohenlohe zu Wien öffentlich in die Oberacht erkläret.

Februar. Eine große Vorrätherei so Jacob Mone vnd seine Complices mitt den Spaniern vorgehabt vnd ihnen ganz
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*) Die hier eingeklammerten Sätze sind im Msc. mittelst Durchstreichens getilgt und zwar ersichtlich vom Verf. des Msc. selbst.
**)Von dem Namen sind nur die beiden letzten Sylben lesbar, während die erste, oder die beiden ersten (?) nicht zu entziffern sind; man kann Vilshofen aber auch Pillinghofen als ganzen Namen vermuthen.

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Gelderland vbergeben wollen ist offenbar worden vnd die Vornehmsten sind gefangen nachn Haag geführet.

Die Holländische und Engeländische Armada hatt die Stadt Gibraltar in Spanien eingenohmen.

Es continuiret, daß der Bucquoi vom Grafen von Thurn geschlagen vnd mitt Verlust 2000 Mann sich nach *) - - - - , 7 Meilen zuruck reteriren mussen.

13. Febr. Ludovicus Lusitanus, anno aet. 68 electus in cerberum Romanum, dictusque Gregorius XV., non diu post Cardinalis Aldobrandinus, sedis cubicularius, Aegydius et Galanimius **) (barbara nomina vix deo ipsi nota) subito mortui diaconus, procul dubio in Avernum devoti.

Schlesien hatt sich vff Unterhandlung des Churfürsten zu Sachsen zu deß Kaisers Devotion ergeben.

Martius. Graf Joachim Andrea Schlick ist vom Chur Sachsen Volke gefangen vnd nach Dresden gebracht.

Cosmus II., Großherzog zu Florenz stirbt im Jan. aetatis ao 31, ihm succedirt sein Sohn Ferdinand 12 annorum adolescens sub tutore patruo Cardinale Medicaeo.

31. Martii ist Philippus III. rex Hispaniae gestorben.

Majus. 27. May ist Herr Friedrich von Tiefenbach zu Inspruck mitt dem Swertt gerichtet.

Junius. 21. Junii, stylo novo, sindt 27 Herrn, worunter Graf Joachim Andre von Schlick, gerichtet, etzlichen Handt und Kopf abgehawen, etzlichen die Zunge herausgerissen, etzliche geviertheilet vnd zerhacket. Proficiat hoc Jesuitis, monstris diabolicis. Die Reihe soll sie einmal deo volente wieder treffen!
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*) Der Name des Ortes ist nicht lesbar, die letzte Sylbe scheint „helm“ zu lauten.
**) Der Name Galanimius, welcher deutlich im Msc. steht, ist offenbar entstellet, nur der Buchstabe G könnte vielleicht als C gelesen werden müssen, weil der Verf. des Msc. beide Buchstaben einander ähnlich schrieb. Muthmaaßlich war in der Quelle, woraus die Nachricht geschöpfet, der Name undeutlich oder entstellet angegeben (Gerolanimus?)

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Julius. 9. Julii ist Comte de Bucquoi vor Neuhäusel, wie er die Vestung mit etwa 30 Pferden besichtigen wollen, von der Besatzung überfallen, mitt 4 Schussen getroffen und mit einer Espoy durchrannet vnd sammt fast allen den Anderen erschlagen worden.

16. Julii hatt der von Mansfeldt in der Oberpfalz die Würzburgischen vnd Bambergischen Kriegsvölker geschlagen vnd zertrümmert, daß neben dem Obristen Bauer vber 1000 Soldaten geblieben.

13. Julii ist Albertus Archidux zu Brüssel gestorben.

Augustus. 23. Aug. ist Zeitung, daß Spinola der Besatzung in Jülich Krieg anbieten lassen, dem hat der Gubernator Bilhan (?) antworten lassen: „Er wäre der Zeitung sehr froh, hoffte Stoße außzutheilen vnd dagegen gute Beute einzunehmen.“

11. Aug. ist der Köning in Sweden vor Riga gerücket und dieselbe mitt 31 000 Mann zu belagern angefangen.

September. - - - *) Septbr. ist Jülich von den Spanischen zu belagern angefangen.

In diesem Monat **) hat der Köning zu Sweden die Stadt Riga durch Accord eingenommen.

October. 13. October ist Thabor 7 Male gestürmet, haben aber, wegen der gewaltigen Gegenwehr, die Kaiserschen mussen mit großem Verluste vom Stürmen ablassen.

25. Octbr. ist Frankenthal durch die Mansfelder entsetzet vnd hatt Don Cordova mussen abziehen mitt Verlust 4000 Mann. In der Besatzung sindt etwa bei 100 geblieben.

November. Erzherzog Leopold hatt vber vnd unter Engadin eingenommen vnd wehrloß gemacht vnd sie all ihrer freiheit beraubt. Imgleichen hatt sich Meienfeld dem Leopoldo auch ergeben. Veltlin soll dem Haus Meiland bleiben, hatt
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*) Es war hier Platz zum nachträglichen Eintragen des Monats-Tages offengelassen.
**) Nachträglich ist hier vom Verf. des Diarii übergeschrieben: den 22. Septbr.

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also das Landt leider 3 Puncte ganz und gar verloren, ohne einige Hoffnung wiederzubekommen.

Thabor hat sich den 18. hujus vf General-Pardon ergeben; die Besatzung ist mitt sack und pack ohne Fehnlein abgezogen.

Der fried ist mitt den Polen vnd Türken beschlossen, jedoch mit schweren Conditionen vf der Polen Seiten, inprimis ut omnes amicos et hostes habeat, qui Turcorum amici et hostes sunt. *)

December. Bethlen Gabor hatt Erasmum von Sandor enthaupten lassen, weil der seinen Vetter erstochen haben soll.
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*) Durch seinen Abschreiber hat der Verf. des Diarii die Friedensbedingung hier einschalten lassen und nur die Ueberschrift: „Conditiones pacis zwischen den Türken und Polen“ eigenhändig hinzugefüget. Die Bedingungen werden angegeben: 1) Das Königreich Polen soll hinfüro stets und immerdar einen Oratorem an der Ottomanschen Pforte halten. 2) Auch jährliche Praesente (so bei Menschen gedenken noch niemals gegeben worden) dem Türkischen Kaiser schicken. 3) Er soll an den Tartar Kunig Khan, wie es altem Gebrauch nach schuldig, ein Praesent thun. 4) Es soll das Streifen der Kosaken aufhören, wenn Einer oder Ander aus den Kosaken, dem Bunde zuwider etwas handeln würde, soll es selbigen alsbald in die Ottomanische Pforte zu Handen des alda bleibenden Oratoris liefern, welcher nach des Türkischen Kaisers Willen und Wohlgefallen in desselbigen Gegenwart ihn zur Strafe ziehen soll. 6) Wider das Köning Reich Ungarn und dessen erwählten Köning, wie auch alle confoederirten soll es weder mit Geld noch Volk, weder öffentlich noch heimblich Hülfe leisten, noch auch auf irgend eine Weise noch Wege aus dem Königreiche Polen wider selbige Jemand ziehen lassen. 7) Es sollen auch ferner die Polen in allen und jeden Punkten, die mit den Türkischen Kaiser Solyman aufgerichtete pacta observieren. 8) Ueber das sollen die Polen zu ewigen Zeiten kein Jus auf das Köningreich Siebenbürgen und Moldau praetendiren. 9) Und damit der Türkische Kaiser diesfalls desto besser und mehr gesichert sein könne, mag Er aus den Polnischen Ständen, die sich itzo im Lager befinden, welche Er selbst wählen würde, zu Pfandschillingen hinwegführen und selbige so lange bei sich behalten, bis ein beständiger orator zu Constantinopel angelanget und dies diploma vom Königreich bestätigt würde etc. etc.

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Anno 1622.

Januarius. Der Mansfelder hatt Hagenou durch Accord eingenohmen, daselbst die Leute geplundert und die Bürger desarmiret.

Zwischen dem Kaiser und Bethlen Gabor ist ein fried, davon aber die Teutschen ausgeschlossen, gemacht, auf folgende Conditionen:

1. Bethlen Gabor soll sich deß Königl. Tituls begeben, die Krone und Königreich dem Kaiser wieder abtreten

2. Bethlen Gabor soll haben den Titul eines Reichsfürsten, 2 Fürstenthumb in Schlesien: Oppeln und Ratibor, 7 Spannschaften in Ungarn, die Stadt Caschau, die Vestungen Eßeck, Munkat, Tockay mit Sathmar vf sein Lebenlang.

3. Allen Ungarn Pardon.

4. Was Bethlen verschenket soll wieder zurück vnd von den Ständen wieder abgelöset werden.

5. Die Ungarische Krone soll wieder nach Pressburg gebracht werden. Die Gravamina vfm Landtag erörtert werden.

6. Die Religion beiderseits verbleiben.

7. Die Jesuiter sollen außm Lande bleiben.

4. Jan. ist der von Mansfeld abermals in die Acht erkläret.

Februar. 3. Febr. ist die Vestung Jülich auß Mangel Proviants vnd Leuten, den Spanischen vbergeben nachdem sie im Augusto [1]621 belagert worden.

25. Febr. ist der Kaiser mitt seiner Gemahlin Leonora von Mantua, nachdem Er im Januario mitt ihr zu Insbruck hochzeit gehalten, zu Wien eingezogen, comitatus von seinen beiden Söhnen Ferdinando vnd Leopoldo Wilhelmo.

Aprilis. Glatz ist resolviret sich vff den letzten Mann zue halten.

30. April. Verschienen Montag hatt der Mansfelder die Stadt Burchsell so Spanisch eingenohmen.

29. April. Vergangen Donnerstag ist die Königin auß Bohemen mit einer jungen Tochter niederkommen genannt Loysa Hollandina.

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22. April ist Pfalz Graff Friedrich, König in Bohemen, selbst vierte per posta zu Germersheim beim Mansfelder angelanget.

Majus. Wie Mons. Tilli daß feste Schloß Dillenburg belagert, ist der Pfalz Graf nebst dem Mansfelder, Durlacher vnd Weimar, vber ihn kommen, ihme von der Festung zwischen 2 Waffen gebracht, die Armada gar zertrümmert; was sich nicht salviret, ist niedergehaven; der rest in Wimpfen dahin sie (er?) sich retiriret, überfallen. [Tilli ist hart verwundet nach Heidelberg gebracht.] *)

5. May hatt der Pfalz Graf Ladenburg wieder eingenohmen.

6. und 7. May ist wieder ein stark treffen zwischen dem Tilli vnd Durlacher vorgangen, darin die Durlachischen in die Flucht gebracht und sindt gefangen folgende Officiere: Georg Mande (?) von Steinfels; Johann Wilhelm Einsiedel; Georg Philip von Helmstadt; Johann Wulf von Löwenstein. Folgende sind geblieben: Georg Friedrich von Rieß **); Ulrich von Brand; Johann Philip Hessen; Friedrich von Weiler; Hans Philip Schartlin von Wurtenbach; Ernst Friedrich von Zanten; Georg Ludwig Randt; Moritz Hecker; Philip Reinhard von Kronberg; Christoff von Reibenstein; Wulf Christoff von Lichtenstein; Jacob von Weiler; Hans Georg von Waldenfels; Hans Georg von Brundelstein; Adam Christoff Taubert; Hans Jacob von Gildingen; Johann Witternacht. Von Soldaten sind 1100 gefangen; etzliche Cornet vnd ziemblich anzahl fahnen bekommen, 2 eiserne stück, tragen 1 Kugel von 60 Pfd. 6 große neue Metallne stücke ao [1]614 gegossen. 50 keine Metallne Mörser, 1 großer Mörsel, desßgleichen von allen Soldaten nicht gesehen worden. Noch 2 große nevgegossene Mörsel 50 Wagen mit Pulver, Kugeln, Lunten und anderer Munition, 400 pagagii Wagen, 4 Wagen mit
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*) Die eingeklammerte Satz ist mit derselben Tinte, womit er geschrieben war, nachher durchstrichen, offenbar weil die Nachricht später als falsch erschien.
**) Es kann auch Reuß gelesen werden.

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kunstreichen Strigletten. An Brod, Mehl, Salz, Wein, Viehe und allerlei Victualien eine große Provision. 2 Wagen mit Geld von 125 000 Rschill. bekommen. Auch ist Herzog Magnus von Wirtemberg in diesem treffen geblieben, nebst Pfalz Graf Christian von Birkenfelß.

17. May hat der Mansfelder daß Leopoldsche Volk vor Hagenou angegriffen, geschlagen vnd in die Flucht davon getrieben, also ist selbige Vestung wieder frei vnd entsetzet. Hatt in die 4000 Mann verloren.

Herzog Hinrich Julius zue Sachsen Lauenburg ist von Obentraut gefänglich nach Hagenow geführet worden.

Junius. Nach entsetzung Hagenows ist die Mansfeldische Armada in eill wieder hinweiter marchirt, hatt Darmstadt eingenohmen, den Land Graffen Ludwig vnd seinen Sohn gefangen vnd das gantze Land den Soldaten preißgegeben. Nach dießem, wie der Mansfelder mit Obentraut vbern Rhein gesetzet, Mainz zu besuchen, wirdt der Nachtrab von den Spanischen angegriffen, welchem der Mansfelder wieder zu hülfe kommen vnd die Spanischen auß dem Velt geschlagen; sollen bei 6000 geblieben sein und sindt in Mainz 4 vornehme spanische Obristen todt hinein gebracht.

Die Spanische in Westphalen mutiniren wegen übler Bezahlung, haben vf einmal 15 Fahnen von den Stangen gerissen vnd sich davon gemacht.

Aus Venedig vom 17. Junii wird advisiret, dass die Janitzery zu Constantinopel *) mutiniret, nicht allein ihren Aga und den primo Vezir, sondern auch den Soldan Osman neben seinen Kindern stranguliret vnd seinen gefangenen Vettern Mustaphum wieder zum Soldan eligiret.

17. Junii haben sich die Chur den Bündtern ergeben.

7. Junii hat der Halberstadter Höchst so Maintzisch eingenohmen, Ober Ursel, Siulingen, Suseln (?), Kalbach (?), Sulzbach, Ried, Maintzische Dörfer, abgebrandt. Den
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*) Hier ist mit derselben Tinte und von derselben Hand über geschrieben: „Den 18. Maji“. Dieselbe Nachricht wird übrigens unten beim Monate August nochmals wiederholet.

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10. Junii hatt die Baiersche Armada mit ihme getroffen vnd vber 1000 Mann erlegt; die vbrigen haben sich vber die Schiffbrücken nach Manheim zum Pfalz Grafen salviret.

NB. Uff Himmelfahrts Nacht sind 50 Soldaten vf anstiftung eines von Benningsen zu Bruggen eingefallen, den Hoff eröffnet und Cordt von Steinberg mitt 50 Wunden in seiner Slaffkammer jämmerlich ermordet. Einer darunter, dessen Swester Er zuvor im Niederland die ehe zugesagt vnd geschwängert haben soll, hat ihm mitt einer Beilax in die schulter gehawen, dass die Spitze vorne wieder ausgangen. Der Herzog von Braunßweig hatt den von Benningsen mit 19 Soldaten davor in Haft genommen. Ihre Strafe wird das jus entdecken. *)

Julius. [Der Mansfelder und der Halberstadter sind mitt 10 000 zu Roß und 20 000 zu fuß, mit 20 stücke Geschütz nach Baiern marchiret] **) Inmittelst hatt Tilli Heidelberg, so mit deß Durlachers und Obentrauts Volke wol besetzt, belagert.

Die Mansfelder und Halberstadter sind vom Pfalz Grafen licenciiret, welche darvf ins Lützelburgsche gefallen und großen Schaden darin thun.

August. [Der alte Graf von Thurn vnd deß Bethlens Bruder sind mitt viel 1000 im Anzuge vf Schlesien.] ***)

30. Julii ist zue Oedenburg ein schrecklich Donnerwetter mit regen gewesen, daß man vormeinet die Stadt würde untergehen.

Die besatzung in Klingenberg 140 mann stark, ist vf Accord abgezogen; weil ihnen freier Abzug versprochen, aber nicht gehalten, haben sich Alle unterhalten lassen müssen und
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*) Hinzugefügt ist nachher von derselben Hand mit kleinerer Schrift: Der von Beningsen ist hernach geviertheilet und die übrigen fünfzehn gerichtet.
**) Diese Angabe ist in der Art unterstrichen, daß es zweifelhaft ist, ob sie habe ausgelöschet werden sollen oder ob das Unterstreichen ein Hervorheben der Nachricht bezweckte.
***) Auch diese Aufzeichnung ist in obiger Art unterstrichen.

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ist der Lieutenant an händen und füßen angeschmiedet nach Prag geführet.

In der Markgraffschaft Baden haben die kaisersche Soldaten nicht allein mit brennen und plündern vbel gehauset, sondern auch vber 4000 personen darin jämmerlich niedergehawen, dass eß einen Stein erbarmen mögte.

Zu Bruchsal ist zwischen dem Kaiser und Pfalzgraffen der Vertrag gewiß beschlossen, daß man dem Pfalzgraffen all’ sein landt wieder einräumen vnd wegen der verwüstung etwaß recompenz gebe, dagegen Er für sich vnd seinen Sohn allen Prätension zu der Kron Bohemen sich verzichten solle. Dessen vngeachtet hatt Tilli die Stadt Speyer vnd andere Orte in der Pfalz eingenohmen, frustra contra protestante legato regis Angliae.

Der König in England hatt dem Spanier 4 Schiff mit 300 M. Sterling, so nach Niederlandt gewollt in Arrest genohmen, auch verboten vor Spanien Volk zue werben vnd gehet die hairath mitt Spanien vnd Englang gar zurück.

Zu Fließingen in Seeland ist noch ein Schiff auß Spanien vor Beut eingebracht, vf 16 Tonnen Goldes ästimiret.

Zu Constantinopel haben die Janitzary ihren Kaiser Osman stranguliret und Mustuphum *) ex carcere liberatum wieder zum Kaiser gemacht, weill der aber zum Regiment nicht tüchtig, ist Er wieder abgesetzet vnd deß Osman Sohn von eilf Jahren erwählet vnd haben den primo Vezir vnd 4 Bassen erwürget.

Der Mansfelder vnd Halberstadter, welcher druber durch den linken Arm geschossen vnd denselben abnehmen lassen müssen, haben bei Gemblour mitt dem Don Cordova ein stark Treffen gethan, etzliche 1000 Spanier erlegt vnd sind druf zu Breda zu Graf Moriz gestoßen.
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*) Vgl. unten 1623, Octbr. 13.

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[Herzog Friedrich von Sachsen Weimar ist in dem Treffen geblieben vnd tod nach Breda gebracht. *)

Die Holländer vnd Engländer haben im sinu Persico dem Spanier die Insul und Stadt Ormus genohmen, auch ein Caraquen erobert; daruf 8 Tonnen Goldes Werth bekommen.

September. 16. Septbr. hatt Monsr. Tilli Heidelberg mitt dem Sturm erobert, bei 1100 Soldaten niederhawen lassen; der Bürger ist am Leben geschonet, aber die ganze Stadt vf den äußersten grad außgeplündert.

October. Die Belagerung Bergen op Som hatt der Spinola verlassen vnd sich nach Antwerf gewandt, alda beide Kriegsheer itzo gegen einander liegen. Gott helfe die seinen.

Die Stadt Manheim ist auch vom Tilli erobert, das Schloß aber will sich biß vf den letzten Mann wehren.

26. Octbr. hat sich Glatz ergeben; das Volk ist mitt sack und pack, fliegenden Fahnen und brennenden Lunten abgezogen. Der junge Graf von Thurn ist 2 Tage zuvor mit 6 Pferden heimlich abgezogen.

Der Frieden ist zwischen dem König zu Frankreich vnd denen von der Religion getroffen.

November. Manheim hatt sich dem Tilli mitt Accord ergeben; die Besatzung ist mit sack und pack, brennenden Lunden vnd fliegenden Fahnen abgezogen den 4. Novbr. **)
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*) Dieser Satz ist mit eben solcher Tinte als womit er geschrieben war, durchstrichen als wenn er habe getilgt werden sollen, allein die Striche sind nachher (ein jeder Strich in der Mitte) in der Art radiret, daß es scheint die Absicht bei Wiederherstellung des Getilgten gewesen.
**) Hierauf folgen nachstehende Einschaltungen: Monsr. Tilli Titul: Johann Graf Tserclas von Tilli, Freiherr zu Morbois, Herr zu Balaster und Montigny, der Röm. Kais. Maj. General Lieutenant, Rath und Kammerer.

Ludovici XIII. regis Galliae unicus frater, vocatur Guston Johann Baptista.
27. Martii 1615 ob. Margaretha Henrici IV. Navarrai conjux, dudum propter sterilitatem repudiata, Caroli IX. soror.
Anno 1617. 3. Sept. obiit Julius Echter Ep. Wurtzburgensis,

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Anno 1623.

Februarius. 6. Febr. Philippus Adolf von Egenberg, Dechant zu Würzburg ist zum Bischoff daselbst erwählet.

Vecht hatt der Graf von Stirumb wieder eingenohmen vnd vber 1200 Spanier darin erschlagen.

13. Febr. ist der Dum Dechand H. Fuchs von Dornheimb zum Bischof zu Bamberg erwählet.

Designatio der Fürstl. B Lüneb. Aemter dies und voriges Jahr von den Spanischen und Mansfeldischen Krieges-Völkern ausgeputzt und beraubet. 28. Jan. [1]623 aufm Kreistag übergeben: 1. Lauenförde, 2. Nienober, 3. Brunstein, 4. Fürstenberg, 5. Allersen, 6. Holzminden, 7. Bevern, 8. Amelunxborn, 9. Polla, 10. Humlsenburg, 11. Gronda, 12. Ertzen, 13. Blumenow, 14. Wolpe, 15. Reburg, 16. Lawenburg, 17. Stoltenow, 18. Siedenburg, 19. Warenburg, 20. Erenburg, 21. Depenow, 22. Steyerberg, 23. Kloster Hilligenrode, 24. Stift Bassum, 25. Stift Lochen, 26. Amt Sieke.

25. Febr. ist dem Herzog von Baiern die Churpfalz durch den Kaiser zu Regensburg verliehen, dawider der von Neuburgk stark protestiret.

Martius. 7. Martii hat der freiherr von Anholt Wilshausen eingenohmen vnd die Mansfeldische besatzung fast alle niedergehawen, welche vble Wacht gehalten, eß auch sonsten wegen ihre getriebene Vnzucht wohl verdienet gehabt.

Nachdem uberall eine Konspiration wider Prinz Moritz von Vranien entdecket, alß sind etzliche Konspiranten gefangen vnd den 29. Martii Reinhard Barnefeld enthauptet vnd nachher in seines Vaters Grab gesetzt, die von Gronfeld, Berkel und Bleiswig (?) sindt geköpft und darnach geviertheilet.

Aprilis. Zu Prag sindt in der Palmwoche [am grünen
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anno sedis suae 44. Jlli successit Godfridus von Aschhausen, Episc Bambergensis, p. positus Herbipolitanus.
Nova Belgica in India occidentali ab Hollandis inventa ao 1617.
Carolus IX. Sueciae rex duos reliquit liberos: Gustavum Adolphum et Carolum Philippum.

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Donnerstag] *) in der alten stadt, von den 2 mittlern Spitzen und 2 Thumbthürmen, bei tage zue vnterschiedentlichen Mahlen ein Rauch, gleich einem außgelöschten fackel außgehen gesehen worden, aber inwendig ist im Augenschein nichts zu erkennen gewesen.

12. April hatt sich Frankenthal in der Infantin Schutz begeben.

In Spanien hat man sich der Silberflotte dies Jahr wenig zue genießen, weil die fürnehmsten Schiffe durch Sturm vntergegangen.

Der Obriste Rudolff von Tiefenbach hatt sich zur catholischen Religion bekannt.

Dietrich von Falkenstein ein Mansfeldischer Werber, so vor wenig tagen zue Breslau eingezogen, ist gerichtet, der Andere, so catholisch geworden, ist beim Leben erhalten.

In Konstantinopel haben sich die Janitzari abermals empöret, den Sultan Mustapha **) nach den 7 Thürmen geführet und des Osman Bruder Amurath für ihren Kaiser erwählet.

In der Marpurgischen Successionssache ist ein Vrtheil ergangen wider Landtgraffen Moriz.

Sachsen und Brandenburg wollen in die electionem des Baierfürsten nicht consentiren, haben deß Kaisers gesandten mit schlechter Resolution abgefertiget.

Philippus Sigismundus Dux B et L. epps Verdensis et Osnabrugensis ist gestorben im Martio vnd darauf das Stift von den Spaniern eingenohmen, wie auch Wiedenburg, der Paff uff Lipstadt, durch Accord erobert. Ist 32 Jahr Bischoff gewesen, ei successit Cardinalis Hohenzollerensis.

11. April ist der Kaiser Ferdinand zu Prag und die Kaiserin den 7. zu Wien von Regenspurg wieder angelanget.

17. Martii ist der Printz in Engeland zu Madrit in Spanien angelanget, und stattlich empfangen worden.
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*) Diese Angabe ist nachträglich von derselben Hand und mit gleicher Tinte übergeschrieben.
**) Vergl. unten beim 13. Octbr.

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Die Stadt Bergen in Norwegen ist ganz abgebrannt vnd also über 4000 *) häuser in die Asche gelegt, ohne das große Spittal und 1 Kirche, den Teutschen gehörig, welche von den Flammen gleichsamb vmbgangen vnd nicht beschädiget worden.

Der Duc de Bullion und Espernon sind gestorben.

29. April waß man von dem Rauch, so am grünen Donnerstag zu Prag an den spitzen der Domkirche am hellen Tag gesehen worden, avisiret, das ist nevlich widerumb von etzlichen 100 personen gesehen worden. Die Bedeutung ist dem lieben Gott bekannt.

Majus. 1. Maj hat der Bischoff zu Speier eine Procession gehalten, die Vestung Udenheim in Schutz A’ pi Philippi, tanquam patroni electi befohlen, dieselbe vmbgetaufet vnd Philipsburg zue nennen befohlen.

Frankenthal hatt sich vf begehren deß Könings in Engelandt in Protection der Infantin ergeben.

Julius. Gregorius XV. pp. mortuus anno aetatis 70.

Der Admiral Eremite hatt die Insul Terzera den Spanischen abgetrungen pro statibus Belgicis.

Nachdem der Graf von Mansfeld vorgangen Winter sich in Ostfriesland, der Bischof von Halberstadt aber Herzog Christian zue Br. vnd Lüneb. sich ins Stift halberstadt vnd das Land Braunßzweig einquartiret vnd vberall viel arme Leute gemacht ist der Halberstadter endlich vfgebrochen vnd dem Tilli, alß welcher vom Kaiser befehl gehabt den Halberstadter zue verfolgen, biß vfs Eichsfeld vnd das Fürstenthumb Grubenhagen entgegen gezogen, doch endlich vf ernstlichs vermahnen der sämtlichen Fürsten vnd Stände den niedersächsischen Kreis verlassen, zue Rinteln vber die Weser gesetzt vnd sich nach Westpfhalen gewendet, welchen der Tilli vfm fues gleichfalls gefolget, zue Höxter vber die Weser passiret vnd den Halberstadter, alß welcher schlechte Kundschaft gehabt, vnd deß Tilli schleuniges anmarchiren nicht
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*) Es wird hier wohl eine 0 zu viel sein?

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glauben wollen, den 7. Sonntag nach Trinitatis, war den 27. Julii im Stromwald, etwa 3 meilen von der Stadt Lohn, erreichet, mit ihm angefangen zue schlagen von morgens umb 7 Uhren biß abends zue vieren vnd ihn endlich zue volliger flucht gebracht; das fußvolk ist fast alles geblieben oder gefangen, 16 stücken geschütz, 2 fewermörser, 250 Wagen, 50 fahndlein und 15 Cornett erobert, 2000 huren und jungen im wasser vnd morast versoffen vnd die Grafen von Thurn, Stirumb, Solms vnd Obriste Frank sindt geblieben. Gefangen sind: Herzog Friedrich von Weimar, Herzog Friedrich von Altenburgk, Graf von Witgenstein, [Graf von Isenburgk], *) Rheingraf Johann Philipp, Graf von Löwenstein, Graf Schlick, [Commissarius General Frank] **), Obrister May, Obrister Sparr, Obrister Schmidt, 30 fürnehme Capitaine vnd andere officiere. Herzog Christian ist durch die Stadt Lohn nach Brekfelt passiret vnd also leider die Schanz zum andern mahl sehr vbel versehn. [Weil dann diese große niederlage durch verrätherei deß Kniphausen geschehen, alß ist derselbe wenig tage darnach in der Schenkenschanz enthauptet vnd in 4 Theil geschnitten cum perpetua nominis sui infamia.] ***)

Augustus. In dem Treffen zwischen dem Halberstadter vnd H. Franz Albrecht von Sachsen, den 25. Junii bei Göttingen geschehen, sind vnter andern Papagien, etzliche briefe ****) gefunden, so selbiger Herzog vnd die Herzogin von B., H. Friedrich Ulrichs Gemahlinn mit einander gewechselt, darüber die Herzoginn außgerissen vnd mit 2 Wagen, unterm Schein, die alte Herzogin zu Schöningen zu besuchen, davon gefahren. die ist nun vom Consistorio citiret ut respondeat
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*) Ist nachher ausgestrichen und obiit beigefügt.
**) Ist nachher durchstrichen und obiit beigefügt.
***) Diese Angabe ist später durchstrichen.
****) Unter den Otto v. Estorfschen Collectionen, welche ich besitze, befindet sich ein Original dieser Briefe, welches muthmaaßlich einer der Officiere des Herzoges Christian als Merkwürdigkeit zu sich nahm und Otto v. Estorf erwarb; eine Abschrift davon enthält die Anl. A.

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accusationi: 1) de proditione, 2) assassinii, 3) veneni et 4) adulterii.

Barbarius, Florentinus Cardinalis ao aetatis 54 in Papam Romanum electus et vocatus Urbanus 8, die 5. Aug.

Antonius Priuli, Dux Venetorum obiit 11. Aug. ao aetatis 75, ao gubernationis suae 5to.


Graff Ernst von Nassow ist mitt 15 Kompagnien in Embden gezogen, dieselbe für’n Tilli zue bewahren.

In Spanien, sonderlich in Sevilla nimmbt die newe Ketzerei, so sich illuminati nennen vnd sehr wider den Rom. Stuhl läufft, stark zue; die wollen ehe den Tod darüber leiden, alß davon abstehn vnd sollen die vornhembste spanische Herrn damit interessiret sein.

31. Aug. Hagae comitum Friderico Palutino natus est filius et vocatus: Ludovicus.

September. 8 Sept. Franciscus Contarenus, Dux Venetianus electus est.

Die Tartaren haben in Polen einen Einfall diß Jahr gethan vnd in 1000 Dörfer abgebrandt vnd an 20 000 Seelen weggeführet.

Lipstadt ist belagert vom Grafen von Rittberg.

Archiepiscopus et Elector Trevirensis mortuus est.

[28. Aug. hat der Printz aus Engeland mit der Infantinn von Spanien sein Beilager gehalten, cui diabolus benedicat.] *)

Lotharius, Trevirensis Elector obiit 17. Sept. ao sedis suae 24, cui successit eps. Spirensis, Philippus Christophorus.

October. 6. October ist der Prinz von Wallis aus Spanien zue Lundon wieder angelanget, von der Hairath aber discuiret man vnterschiedentlich **)

Der Bethlen Gabor ist im starken Anzug wider den Kaiser, hat Villach erobert vnd haben sich die Bergstädte in Ober-Ungarn an ihn ergeben.
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*) Diese Angabe ist nachher durch mehrere kreutzweise Querstriche mit gleicher Tinte zurückgenommen worden.
**) S. unten Jan. 1624.

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13. Octbr. wird von Venedig avisiret, daß der Mustapha, *) weil er die Empörung des ottomannischen Reichs gesehen, das Regiment dem Amurath des strangulirten Bruder [am 11. Januar] **) solle übergeben haben vnd er ins alte Seraglio, alda sein Leben zu enden, solle geführet sein worden.

17. Oct. haben die Belagerten in Lipstadt von Vffgebung der Festung mit dem Feind geaccordiret.

Dem Churfürsten von Mainz hat die Bergstraße in der Pfalz huldigen müssen.

November. 9. Nov. Lipstadt hat sich ergeben vnd ist der Abzug geschehen mit 3 stücken Geschütz, fliegenden Fahnen, Sack vnd Pack mit Begleitung an sichere Orte. Darvf das Haus Sparnberg ***) in Grafschaft Mark belagert worden.

Bethlen Gabor ist in Mähren eingefallen, hat Scalitz eingenommen, thut mit Raub und Brand großen Schaden, ist auch ein Treffen zwischen ihm vnd den Kaiserschen vorgangen, darin beiderseits Viele blieben.

25. Octbr. sind die gefangene Halberstadtische Obristen, als der Herzog von Altenburgk und Weimar, Graf von Schlick, Obrist Frank und Andere, an 18 Personen, durch Nürnberg nach Wien geführet. Gott helfe ihnen.

Die Kais. Armada bei Gottingen ****) ist vom Bethlen vf’s Haupt erlegt, alle Spanier, Italiener vnd Walonen erschlagen, den Teutschen, Bohemen vnd Ungarn Quartier geben, alle Obristen vnd Officiere, wie auch Conte Nipromonte selbst gefangen; diß ist den 24. Nov. von Prag und Niemberg avisiret worden.

Sparnberg hat sich den 24. Nov. dem Grafen von Rittberg ergeben vnd ist die Besatzung mitt fliegenden Fähnlein, Sack vnd Pack abgezogen.
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*) S. oben April 1623.
**) Ist von derselben Hand mit anderer Tinte darübergeschrieben.
***) S. unten 24. Nov.
****) Göding oder Hodonin in Mähren.

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December. 3. Dec. Hagae comitum in Hollandia, Ludovicus, filius Electoris Palatini, baptizatus est.

Ob wohl die Mansfeldische vnd Halberstadtische Trouppen nach getroffenem Accord auß Ostfriesland nach dem Stift Münster ufbrechen wollen, so ist doch zwischen beiden Theilen never Streit fürgefallen, also dass die Mansfeldische vf die Embder vnd diese hinwider vf jene ausgefallen vnd die Embder etzliche nächst gelegene Örter den Mansfeldischen entwältiget. Die Franzosen sein nun einmal einbarchirt, können aber wegen des Frostes nicht fort, leiden so wohl die in Schiffen, als die Uebrigen im Land überaus großen Frost, Hunger vnd Durst. Zwölf Fähnlein Mansfeldische vngefähr, haben einen zue dem Stift Münster gehörenden Passort, Frisoite genannt, bei Kloppenburg, angefallen, aber die darin liegende Anhaltische haben ihnen nicht allein 3 Sturme abgeschlagen, sondern haben sie auch mit Hülfe der andern Anhaltischen, so zu ihnen gestoßen, gegen das alte Öte *) getrieben, belagert vnd sie endlich, weil sie die zu Gnaden nicht annehmen wollen, fast alle gemacht, 11 Fähnlein genommen vnd allein wenig Befehlshaber gefangen. Die Mansfeldische haben keine Entsetzung bekommen können, weil man wegen Eis nicht hat vber die Ems gekonnt.

An der Bergstraße von Darmstadt bis Heidelberg ist ein groß Erdbeben geschehen, also dass die Schüssel von den Wänden, auch Kannen vnd Gläser heruntergefallen. **)

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Anno 1624.

Januarius. Eine halbe Meile von Leuthen in Bohemen
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*) Oythe.
**) Hier ist eingeschaltet: Anno 1478 hat zu Copenhagen in Dänemark gegeben: 1 Paar Stallochsen 24 Schl. lüb., 1 feiste Starke 10 Schl. lüb., 1 Tonne Butter 3 Mk. lüb., 1 Tonne Meth 2 Mk. lüb., 1 Tonne eingebrautes Bier 4 schl. lüb., 1 Schipp Rogken, davon acht eine Tonne machen 4 Pfg. ist die Tonne 2 Schl. 8 Pfg., 1 Schipp Gerste 2 Pfg., 1 Schipp Habern 1 Pfg., 1 Elle Englisch vom Besten 8 Schl. lüb.

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hat sich ein evangelischer Prediger bei einem Edelmann vfgehalten vnd ist vergangen Weihnachten von einer Compagnie Reuter unter der Communion überfallen, viel Leute spoliiret den Pastoren nackend ausgezogen, geschlagen, die Weibsbilder in der Kirche geschändet, hernach den Kelch mit dem gesegneten Wein vnd Brod auf die Erde geschüttet vnd mit Füßen getreten.

Wegen Confusion der Münze und der großen Theurung hat sich nicht weit von Prag ein Weib mit 4 Kindern erhenket, weil sie kein Brod bekommen können.

15. Jan. Die Heirath mit Spanien vnd Engeland soll gar zerschlagen sein, weil aus Spanien eine ungereimbde Erklärung ankommen, dass nämblich die Restitution der Pfalz nun nicht mehr beim Spanier, sondern beim Kaiser zu suchen, dahero in Engeland große Confusiones.

Februarius. Der alte Herzog Wilhelm zu Baiern ist im Kloster bei Regenspurg gestorben.

In Seeland ist ein spanische eroberte Gallion mit Silberplatten, in 3 Millionen Werth, eingebracht.

Bei diesem harten Frost ist G. Hinrich von Bergen mit 15 000 Mann von Bocholt aufgebrochen vnd bei Brunkhorst, *) welche Festung er eingenommen vnd Alles erschlagen lassen, vber die Issel in die Valau gefallen hat aber nur Verlust vielen Volkes, wird zurück weichen müssen, weil Graf Moritz ihm entgegen gezogen. Es sein die Spanier in 30 Jahren nicht so weit vber die Issel in die Valau kommen vnd haben diesmal den Holländern einen großen Schrecken eingejagt vnd das Land in Contribution gesetzet.

1. Januar sind in Barbaria bei 80 Türkische oder Corsaren Seeräuberschiffe gescheitert, 50 davon mit allem Volke zu Grunde gangen vnd 30 ganz vnd gar zerschmettert, dass man sie nicht mehr gebrauchen kann.

Martius. Dem Cardinal von Dietrichsstein ist anbefohlen, die vbrige Evanglische Prediger vollends abzuschaffen.
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*) Am Rand ist von derselben Hand hinzugefügt: den 16. Febr.

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Der alte Graf von Thurn ist mit 2 Dienern unbekannt in dem Haag angelangt.

Zu Leutsch bei Zyps soll der Markgraf von Jägerndorf mit Tod abgegangen sein *) vnd der von Hofkirch sehr vbel auf sein.

Die Türken, Schweden vnd Moskowiter haben den Frieden mit Polen vfgekündiget.

27. Martii. Die Verrätherei der Jesuiten wider die Roscheller, Ladigiera und Monsr. de Soubise ist entdecket vnd 1 gehangen vnd 2 bannisiret, so den falschen Brief geschrieben. Ladigiera hält beim König stark an, den Graubündern im Veltlin vnd dem Pfalzgrafen Hülfe zu thun, mit Erbieten eine Armada im Delphinat zu versammeln vnd persönlich in Mailändischen Stato zuführen.

29. Martii ist Landgrafen Ludewig zue Marpurg die Huldigung geschehen.

Chursachsen vnd Brandenburg sollen sich wegen der Jülichschen Landen Possession auch sonsten verglichen haben, vf künftigen Reichstag zue kommen, da der H. Bavarus als ein Churfürst erscheinen wird.

In der pfalzischen Liberei, so nach Rom gesendet, sollen uralte Briefe gefunden worden sein, dass der ganze Stato Polognese **) der Römischen Kirche zugehörig, welche die Venediger wider Recht besitzen, dahero ihn der Papst zue restituiren begehret.

Aprilis. Marcus Antonius de Dominis Erzbischof zue Spalatro, welcher wieder aus Engeland kommen vnd revociret, ist ins Castel S. Diabolo, wollte sagen S. Angelo vom Papst gefänglich gesetzt.

Majus. 3. Januar hoc anno hatt ein Lieutenant zu Langgönß, Landgraf Philip zugehörig, ein Betbüchlein aus deß Pastoren daselbst, M. Justi Geilfusii Hauß, nämblich Johann Arndts Paradis Gärtlein, genohmen vnd es den 7. Jan. in den Offen ins fewer geworfen, welches die Wirthinn
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*) Von derselben Hand ist hier übergeschrieben: 14. Martii.
**) Bolognese.

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vber 2 Stunden hernach ganz vnversehrt mitt vnter dem glühenden Kohlenhaufen herausgezogen vnd ist dem Hauptmann nach Giessen und dann dem Landgrafen Philippen nach Butzbach zugeschicket worden.

Zu Ischlaw ob der Ens hatt es so dick Getreide geregnet, dass mans mit Schaufeln hat vfheben können.

13. Maji. Vergangen mittwochen hatt das Wetter zue Regenspurg in den Pulver Thurm beim Hammerthor eingeschlagen, daß Pulver in 300 Centner angezündet, den Thurm, die ringmauer, daß Kloster S. Emerian, vber 300 häuser vnd das Jesuiter Collegium zersprenget vnd vber 160 000 fl. schaden gethan.

6. Maji. Aus Westindien continuiret, dass die Holländer den vesten Hafen Fernambuco vnd noch eine Stadt in Brasilien eingenohmen, dadurch den Spaniern großer Abbruch geschehen kann. Sie haben auch die spanische Flotte bei Brasilien geschlagen vnd vberweldiget.

Auch hatt die Holländische See Armada mitt der portugiesischen Flotte an 60 Segeln, in Ostindien stark geschlagen vnd dieselbe vberwunden vnd viele schiffe in grundt geschossen, dahero der Verlust in Ostindien obhanden.

Junius. Auß Engeland, Schotten und Irland sindt alle Geistliche vnd Jesuiten außgebannet vnd alle katholische desarmiret worden.

Auff den 14. Julii sollen sich alle Jesuiten vnd pfaffen auß England, Irland und Schottland bei Leib- vnd Lebensstrafe begeben, dieweil solcher Religionszwang in der Pfalz vorgeht vnd ist mitt der heurath von Frankreich ganz kein Zweifel. So ist der Tresorier in ewige Gefängniß condemniret vnd soll 50 000 Pfd. Sterling erlegen, zue strafe.

Julius. Die Jesuiten haben ihren Proceß beim Parlament in Paris verlohren, derhalben sie auß der Stadt Troyes weichen müssen.

Der Vice Re von Mexico rebellirt gegen Spanien, will selber König in America sein, hatt die Niederländische Flotte vmb Hülfe angerufen.

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In ganz Bohemen vnd Mähren sindt die Bibel vnd Postille zue lehren verboten, so wirdt auch die Klocke nicht restituiret werden.

Der Herr von Dort, so für 7 Monat alß Admiral nach Westindien geschiffet, hat den vornehmsten Hafen und Residenz Stadt Dolos los Santos eingenohmen; eß wirdt auch der Mexikaner vffstandt confirmiret vnd daß der Admiral Eremite Arica in Peru, nicht weit von Cusco erobert habe.

28. Julii. Spinolae Cavalera hat bereits Breda berennet vnd ist mitt der Infanteria deß andern Tages gefolget.

August. Erzherzog Carl ist Bischoff zu Passow erwählet weil Leopoldus resigniret vnd des Herzogen zu Urbino einzige Dochter geehelicht vnd damit selbiges Herzogthumb befreiet.

Die Jesuiten haben newlich dem Kaiser den schönen Flecken Haimburg, 2 Meilen von Wien gelegen, abgeschwatzet.

Aus Mähren sollen sich alle Evangelische Unterthanen begeben vnd lässt sich ansehen, dass man dieser Orte mit den Lutheranern den gar aus machen werde.

Graf Hinrich von Bergen ist mit 15 000 Mann zue Ross vnd Fuß vfgebrochen vnd hatt das Haus Marzenberg, die Stadt Cleve und Gennep erobert ohne das Schloss, welches sich noch halten thut.

Spinola hat die Stadt Breda belagert den 27. Aug. Graff Hinrich von Bergen verlässt, wegen Prinz Hinrich Friedrichs Ankunft mit 16 000 Mann Gennep vnd begibt sich zum Spinola ins Lager.

October. Das Land ob der Ens, Horn, Ritterstadt *) und Stetten, so der Rebellion angehangen sind dem Kaiser mit Leib, Ehr, Hab, Gut vnd Privilegien verfallen erkläret vnd haben die Prediger innerhalb 6 Tagen aus dem Lande weichen müssen.

15. Ocbtr. hatt die Pfalzgräfin einen jungen Prinzen geboren, hat nun 6 Söhne vnd 2 Töchter.

Tilli hat sein Hauptquartier [im Schloss Cassel
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*) Riederstorf?

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genommen] *) vnd soll sein Volk nun zur Hülfe zum Spinola ins Niederland ziehn.

Der Herr von Dortt ist in Westindia vor der Festung **) von einem Indianer mit 1 Pfeil vor den Kopf geschossen, davon er todt geblieben.

November. Aus dem Lande ob der Ens sind vf einmal 483 Prediger ausgetrieben worden.

Die Bündter, 3000 stark, haben Meienfeld wieder eingenohmen. Die 12 000 Franzosen, so umb Genff gelegen sind vf Graubünden zupassirt. Die Zürcher vnd Berner sind auch 12 000 stark nach Bündten vfgebrochen.

16. Octbr. haben die Bündter Hauptleute 1500 stark den Steig ohn’ Widerstand eingenohmen.

December. 10. Dec. ist Franciscus Contarinus der Herzog zue Venedig gestorben.

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Anno 1625.

Januarius. Der Marquis de Couvere ***) hat fast ganz Veltlin wieder eingenohmen. In der Vestung Sandria hatt man 2 große Stück Geschütz gefunden, so vngefähr für 100 Jahren dem Könige in Frankreich im Mailändischen Kriege genohmen. Murbachen haben sie auch eingenohmen.

Die Katholischen Orte in der Schweitz haben sich vnter östereichischen vnd baierschen Schutz begeben.

Herzog Wilhelm von Weimar ist seines Arrestes zu Neustadt entlassen.

Der alte Graf von Thurn ist von den Venedigern für einen Veld Obristen angenohmen.

Im Haag hat ein Weib 6 Kinder geboren.
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*) Diese Worte sind so unterstrichen, daß es ungewiß bleibt, ob dadurch ein Ausstreichen oder ein Hervorheben der Nachricht bezwecket ward.
**) Für den Namen ist hier Platz gelassen, allein selbiger unausgefüllet geblieben.
***) S. unten 1625, Februar.

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Breda zu entsetzen, hat man das Wasser zu Keilenburg stauet, damit der Spanier gedrungen werde, seine Schanzen zu verlassen.

Der Graf von Mansfeld befindet sich mitt seinem Volke zue Calais dahin Engländer vnd Franzosen häufig kommen.

Die Westindianischen Schiffe so bishero im Texel gelegen, sind mit einem guten Ostwinde außgelaufen.

Der Admiral Jacob Willikes ist mitt seinem Schiffe in Holland glücklich angekommen.

4. Jan. hatt Herzog Wilhelm zue Weimar ein Abbitte dem Kaiser gethan zue Wien, ist ohn Straf und Verweiß pardonniret.

Erzherzog Carl ist zu Madrit in Spanien gestorben vnd Antonius de Dominis Bischof zu Spalatro, welcher zue Rom im Castell Sct. Angeli gestorben, ist als ein Ketzer sammt seinem Buche verbrannt.

Die Stände haben die Stadt Gork, *) so die Spanier für 2 Jahren entzogen, mit List wieder einbekommen.

Johannes Cornarus, Dux Venetiarum electus, die Sabbathi ante 10. Jan. stylo novo anno aetatis suae 74.

CONDITIONES FOEDERIS INTER GALLIAM,
ANGLIAM, BELGAS, SABAUDIAM ET VENETOS:

Es ist zwischen dem König von Frankreich, England, hiesiger Herrschaft Venedig, Herzog von Savoia und anderen Potentaten aufgerichtete Liga etzlicher maßen also beschlossen:

Dass zwischen hochgedachten Potentaten eine Conföderation offensive und defensive vor die Freiheit von Italia, des Veltlins und der Pfalz sei aufgerichtet.

Dass jetzt besagte Liga, Ihrer Kais. Majestät und König von Hispania, durch Gesandten höchstgedachter Potentaten solle insinuiret oder kund gethan werden, mit dieser Protestation, soferne das Veltlin und die Churpfalz an ihren rechten Herrn
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*) Die Buchstaben des Namens sind dergestalt geschrieben, daß man im Vergleich mit andern Buchstaben der Art auch Goth, Gorz, Gort oder Goch lesen kann, es wird wohl Gorkum sein.

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nicht sollte restituiret werden, dass die Liga würde genothdrängt werden, die restitution mit den Waffen in Werk zu richten.

Auch dass die Liga dem Bapst solle notificiret und Ihre Heiligkeit vermahnt werden, sich auch in selbige zu begeben und das Evangelische exercitium neben dem Katholischen zu gedulten und dass dersoselben vergönnet worden eine Frist von 2 Monaten, nachdem der Krieg wird angefangen sein, Sich zu resolviren. Gleichfalls solle auch gehalten werden mit den Herzogen von Florenz gegen Integrität des Hafens von Toscano.

Dass der König in Frankreich verbunden sein solle, eine Armada von 25 000 Mann zu Fuß und 4000 Pferde in Italia zu schicken; der Herzog von Savoya soll 5000 zu Fuß und 1500 Pferde halten; die Venetianer 1000 zu Fuß und 2000 Pferde und dass darüber noch der König von Frankreich zu Marsilien unterhalten soll eine Armada von 24 Galleon und 40 Bertoni umb die Resire dero Enden durchzulauffen und zu verhindern, daß die Spanischen mit Volk oder Geld nach Genua kommen mögen.

Dass die Schweitzer zugleich mit den Grisonern hinab nach Como und Veltlin ziehen, davon 2 Regiment vom König von Frankreich und eins von den Venetianern bezahlet werden sollten.

Dass die Venetianer eine Armada im Golfo, umb die Refiren von Buglia anzufeinden und zu recuperiren, aufrichten sollten.

Dass der König von Engeland und die Holländer eine Armada von 100 Bertoni unterhalten sollen umb die Schiffart der Ost-See nach Spanien der verdächtigen Waaren zu verhindern und das stretto di Gribalterra einzunehmen und die Silber-Flotte zu verhindern.

Wenn das Herzogthumb von Meiland occupiret wurde, solle damit disponiret werden nach Henrichs des Vierten, das größer gemachter Ordnung und im Fall sich einige difficultät
 

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ereignen wurde, soll solche vom Bapst remittiret werden. Das die Differentien und Mißverstand zwischen den Herzogen von Savoya und Mantua in der Liga compromittiret und zu Ende des Krieges von derselben decidiret und inmittelst zwischen ihnen alle actus hostilitalis suspendiret sein sollen.

Dass der König von Frankreich und Venetianus mit Geld und Volk zugleich helfen sollen, um den Pfalz-Grafen wieder in seinen Stand zu setzen. –

Februar. Aus Spanien wirdt avisiret, daß die Holländer in Mare del . . . *) 8 spanische Schiffe zu Grund geschossen.

Marquis de Couvere **) hat Cleve ***) eingenohmen.

11. huj. ist Mansfeld mit 18 000 Mann vnd 300 Schiffen zu Flißingen angelangt.

Der Graf von Rietberg ist mit Tode abgangen.

Joachim Ernst, Markgraf zu Anspach ist mitt Tode abgangen.

Martius. 4. Martii obiit Berlini: Joachimus Sigismundus, Marchio Brandenb. frater Electoris.

Johann Eustachius von Westen (?) ist Teutsch-Ordens-Meister worden.

27. Martii stilo vet.obiit Jacobus VI. Rex Britanniae, ultimus hujus filius in Regem proclamatus est.

Aprilis. 23. April stilo novo obiit Mauritius Nassovius, eximius ille et fortunatus bellator, ao aetatis 58, gubernationis vero anno 41, cui successit frater ejus Fridericus Henricus de Nassow. ****)
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*) Der Name ist nicht lesbar; er besteht aus 3 Buchstaben, wovon der erste ein S und der dritte ein l zu sein scheint, vielleicht Sul (Sulia?).
**) S. oben 1625, Januarius.
***) Der Name ist nicht lesbar, die drei ersten Buchstaben scheinen Cle zu sein und der ganze Name nur aus einer oder zwei Silben zu bestehen.
****) Eingeschaltet ist hier: Anno 1595. 14. Januarii obiit Ferdinandus senior, Ferdinandi Imi filius, Maximiliani II. et Caroli frater,

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Breda hatt sich dem Spinola ergeben den 29. Maji.

Poloni *) in ep. Wartislavensem electus 3. Maji.

Junius. Der König zu Dänemark, nachdem er gesehn, dass es sich zu keinem frieden im Reich anlassen wolle, hatt eine Armada von 25 000 Mann versammelt vnd dieselbe im Namen des Niedersächsischen Kreises an den Weserstrohm geführet. Deren Verrichtung gibt die Zeit.

Julius. Der Kaiser hat von der Stadt Nürnberg begehret: 1) die Restitution aller Klöster vnd geistlichen Güter vnd freies exercitium catholicae religionis; 2) 20 Tonnen Goldes zum Anlehn; 3) sollten sie einen kaiserlichen Richter vnd Schuldheißen einnehmen vnd ohne denselben auch nicht das Geringste handeln.

Der König zu Dänemark alß Niedersächsischer Kreis-Obrister hatt defensive sein Volk an die Weser geführet vnd wie er zu Hameln sein Quartier genohmen vnd einst **) vf dem Wall reiten vnd die Wache besichtigen wollen, ist er mit dem Gaul in ein alt Gewölbe, 10 Ellen tief gefallen, daß der Gaul gestracks todt blieben, ihn aber hat man nach 3 Stunden mit Mühe wieder heraus gebracht.

18. Julii ist Monsr. Tilli mit 40 Compagnien zue Roß vnd vielem Fußvolke zue Höxter vber die Brücken marchiret, ins Land zue Braunsweig einen Einfall gethan vnd Alles mit Raub, Mord vnd Brand erfüllet vnd ohn Widerstand viel Schlösser vnd Häuser eingenommen.

25. Julii ist der Ladigiera zu Turino gestorben. ***)
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Venoponti, cui successit Rudolphus Imp. Tratris filius, in comitatu Tyrolensi.

Ernestus Maximiliani II. filius 10. Febr. 1595 obiit Maria Christina Caroli filia Ferdinandi II. soror nupsit Sigismundo Transylvano 8. Febr. 1595.


*) Der Name ist nicht lesbar. Die zweite Silbe scheint mit o zu schließen, die dritte mit g anzufangen.
**) Von derselben Hand ist nachträglich übergeschrieben: 21. Julii.
***) Nachher ist jedoch von derselben Hand später mit anderer Tinte hinzugefügt: den 16. August aber hat er noch gelebet.

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Augustus. Sitschi hatt sich noie Bethlen Gabors der Festung Villack per stratagema impatroniret.

Der Schwede hatt in Liffland Kochenhusen 20 Meil von Riga mit Sturm, hernach Niedorf auch erobert, darnach Dorpt eingenommen vnd Pernow belagert.

24. Aug. ist Johann Michel von Obentraut zum General-Obriste-Lieutenant vber die Dänemarkische Armee proclamiret, hatt darvf einen Anschlag vf des Tilli Lager gemacht vnd ihm vber 3000 erlegt.

September. 13 huj. hatt Tilli Nienburg heftig bestürmt aber mit Schanden vnd Schaden vnd Verlust vieles Volkes abziehen vnd die Belagerung quitiren müssen, Limpach ist ihm gefolgt vnd viel Volkes niedergehauen, auch etzlich Geschütz vnd große Beute bekommen. 2. ist vom *) . . . Ausschuss und . . . **) jenseits der Weser von dem zu Tilli ziehenden Volke bei 6000 erschlagen. Tilli liegt im Holz verschanzet, der König hat ihn umbringt, dass er nicht über die Weser kommen kann vnd sei des Königes Volk so eifrig, dass auch 20 vf 100 Tillische setzen dürffen vnd sei bei den Tillischen große Furcht.

Ex Riga, den 21. Julii. Der König auß Sweden ist den 30. Junii alhie ankommen mit 28 Orgelschiffen vnd 24 Galleon, ohne andere Schiffe vnd den 5. Julii durch die Stadt mitt dem ganzen Kriegsheer gezogen, hat bereits Liefland, was vbrig an Vestungen, so wohl ein Theil von Estland in sein Gewalt gebracht, ziehet nach Littauen.

Jarislow in Polen ist den 24. Aug. Nachts an 4 Orten angelegt vnd die ganze Stadt in 4 Stunden sammt allen Waaren, uf viel Millionen Geldes Werth, verbrannt, wie eben ein großer Jahrmarkt vnd viele Kaufleute aus Persia, Türkei vnd andern Orten dagewesen.
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*) Der Name ist unleserlich und abgekürzet; er fängt mit einem B an, vielleicht (Braunschweigischen?).
**) Auch hier ist das Wort unleserlich.

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Vom 28. Junio ist gewisse Zeitung endlich gekommen dass die Bahia entsetzet vnd die spanische Flotte zerstrevet worden.

Der von Hohenzollern, Bischof zu Osnabrück ist gestorben.

Baia tandem ab Hispanis ditione recuperata.

October. 9. huj. hat Walstein Halberstadt deditione einbekommen für den Kaiser. Item hat das ganze Stift Magdeburg occupiret, außerhalb die Städte Magdeburg vnd Halle.

Herzog Friedrich von Altenburg vnd der Obriste Obentraut sind 25. Octbr. in einem nächtlichen Einfall bei Hannover geblieben.

November. Graf Franz Wilhelm von Wartenberg ist Bischof zu Osnabrück erwählet.
 

Rebus in Imperio lapsis, victoria sacris
Vertitur in precibus, vertitur in lacrimis.
 

Epigramma.
 

Signa dolorifero minitantur in orbe ruinam.
Astra sonant, satanas infremit, orcus ovat.
Haeresis obtenebrat tua scripta Luthere veneno.
Saevit et occidit Mars urensque minis.
Elyseos intra muros peccatur et extra.
Mundus et immundus caede dolisque furit.
Christe salutis auctor, vultures discute diros
Parta cruce tuo, transfer ad astra pios!
 

MANSFELDISCHER EINFALL in NIEDER-SACHSEN.

Im Novbr. [1]625 ist der Mansfelder mit seiner Armada von der Weser nach der Elbe durchs Land marchirt, ist den 27. Novbr. zu Barnstedt *) mit 150 Pferden und 300 Soldaten Nachts gelegen, welches Nachtlager meinem Bruder M. v. E. vber 300 Rthl. gekostet.
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*) v. Estorfsches Gut zwischen Lüneburg und Uelzen.

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28. und 29. Novbr. ist er vber die Elbe gesetzt vnd zue Lauenburg sein Quartier genohmen.

1. Dec. bin ich in Lübeck gezogen cum familia in mein gedingtes Haus.

4. Dec. hat Herzog Franz Carl zu Sachsen Ratzeburg mit Accord eingenohmen, sein Volk in des Stifts vnd Kapitels zue Ratzeburg Güter einquartieret vnd die Leute zu Grunde verderbet. Gott gebe ihm dafür seinen Lohn!

19. Dec. ist die Landwehr vor Lüneburg, die Hasenburg genannt, von etzlichen muthwilligen Reutern, so Feuer in das Dach geschossen, angestecket vnd in Grund abgebrannt bis vf den Thurm.

6. Dec. hatt M. v. E. vom Lieutenant Benedict Groten einen Knecht mit 2 Pferden zur Salva Guardia auf meinen Hof zu Barnstedt genohmen, giebt ihm täglich 1 Rthlr. vnd frei Futter vnd Mehl.

20. Dec. Abends zwischen 5 vnd 6 Uhr unter der Mahlzeit wurden dem Knecht die beiden Pferde vom Hofe, der doch verschlossen, gestohlen vnd durch eine Pforte durch den Pachthof genohmen. Dafür hatt der Lieutenant von meinem Bruder 120 Rthlr. gefordert vnd bekommen.

25. Dec. in der Nacht fallen etzliches Gesindel zu Lübeck auß dem Holstenthore, erschlagen 17 Kinder vnd 2 Weiber vnd bringen 16 Pferde heim.

29. Dec. fallen sie aus allen drei Thoren. Die aus dem Mühlenthor, erwischen eine Compagnie Pferde zu Wulfsdorf (ist Holsteinisch), erlegen was sie können, bringen früh Morgens 75 Pferde vnd andere gute Beute heim. Die aus dem Burgthor treffen zue Bechelsdorf (gehört dem Kapitel zu Ratzeburg) einen Lieutenant an, erschlagen denselben neben 9 oder 10 Personen vnd bringen 16 oder 17 Pferde mitt. Der ausm Holstenthore kommen unverrichtet wieder, weil der Feind zu stark gewesen.

Wie aber bald darvf das Geschrei kommt, dass 19 Lübische so ausgefallen in einem Dorfe vom Feinde umbringet

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worden, als fallen 30. December im Mittag umb 11 Uhr bei 2000 allerhand Gesindel, item an 100 Pferde etwa mit 2 Stück Geschütz hinauß, treffen eine Compagnie Reuter im Felde an, von circa 4 oder 500 Mann, setzen an sie, schlagen sie in die Flucht, werden bei 100 erlegt vnd vber 100 Pferde vnd andere Beute heim gebracht.

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Anno 1626.

22. Jan. ist zue Lauenburg mitt dem Generale accordiret durch Herrmann Klamor von Mandelsloh, Stiftshauptmann vnd Otto von Estorf, dass er das Stift ganz quitiret vnd 6000 Rthlr. empfangen solle.

30. Jan. ist Herzog Franz Carl von Sachsen Regiment von Ratzeburg vnd des Obristen Lieutenant Conrad Kolben von Wartensleben Regiment von Schönberg abgeführet vnd zu Ratzeburg wieder einlogiret.

31. Jan. früh Morgens umb 4 Uhr wird Herr Ulrich Wackerbarths Windmühle ufm Stift Grund und Boden gebauet, durch 3 Soldaten angestecket vnd in die Asche gelegt, ohn Zweifel ist dies ihnen suborniret worden gewesen.

18. Febr. ist Kolben von Wartensleben Regiment von Ratzeburg abgeführet.

Umb diese Zeit hat der Churfürst zu Sachsen Reichsthaler schlagen lassen darauf auf einer Seite gestanden:
 

»Usque ad aras.«

„Bis an den Altar und nicht weiter
Ist mein Gebrauch und alte Sitt.“
 

Auf der andern Seite:

„O teutsche Treu und Redlichkeit
Wo findet man dich zu dieser Zeit!
Ist das recht vnd wohlgethan
Dass man den Schalk so bergen kann,
So ist auch nicht unrecht
Daß der Untere seinen Herrn schlägt.“

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In effigiem Dni. Christiani Ducis
Brunsvicensis et Lunaeburgensis.

Hoc vultu, his armis, truculentum fertur in hostem
Et patriae et religionis amor,
Heros Guelfiades, cui Christi a nomine nomen
Fors bona felici detulit augurio.
Qui cupidus factis majorum extendere famam
Implevit late solis utramque domum.
Macte animi, princeps generoso et fortiter aucta
Fortunam passam nunc propriore sequi
Si laevam tibi Mars ferus abtulit ictu,
At superat vindex dextra, favente Deo,
Quae tandem infamem victrix superabit Iberum
Et Bojum nostris cedere coget agris;
Gentem infandam hominum! cui non cordi ara sed arca.
Cui regio curae, non pia religio.
Dii faciant, sat nostra ipsis ubi plectere visum
Saepius aucta novis crimina criminibus,
Ut fas ultrici hac tibi sit comprescere dextra
Tot data damna, pio dictaque probra gregi
Ac Duce te renomat spoliatum cantaber aurum
Et vastet Bojas advena miles opes.

Ennius Bonamicus
Esemohrii F.
A. MDCXXVI.

Obiit hoc mense 5. Febr. Wilhelmus Bavariae Dux, ao aetatis suae octuagesimo.

Martius. Der Friede zwischen dem Könige von Frankreich vnd den Hugenotten ist nunmehr, Gott Lob, getroffen vnd wird der Krieg wider Spanien mit desto größerem Ernst fortgesetzet werden.

Aprilis. Die Friedens-Tractation zu Braunsweig ist ganz zerschlagen vnd wird nun bald der Krieg mit Macht angehn.

Mansfeld vnd der Obriste Fuchs sind in die Mark

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gerückt, haben Stendal, Brandenburg vnd endlich Zerbst eingenohmen vnd alda ihr Quartier gehalten.

13. April ist ein Treffen zwischen Mansfeld und Walstein vorgangen an der Dessauer Brucke darin zu beiden Theilen viele geblieben. Walstein hat den Sieg erhalten. *)

Herzog Adolf von Holstein vnd Herzog Franz Albrecht zu Sachsen sind vom Herzog Christian, Bischofen zu Halberstadt bei Schmalkalden geschlagen vnd ihre Regimenter getrennt. [Herzog Adolf gefangen vnd der zu Sachsen tödlich verwundet] **)

Den Jesuiten in Frankreich sind folgende Artikel vorgehalten zu unterschreiben, vnd sollen sie von der Krone gehalten und aufm Lande bandisiret werden, nämlich:

1) dass des Königes Krone vnd Schwerd absolute von Gott vnd sonst von Niemand andere dependire;

2) dass der Bapst keine Macht noch einig Gebiet coactive noch corrective vber’n König habe;

3) dass der Bapst keine Gewalt hätte den Köig zu excommuniciren;

4) dass der Bapst keine Macht habe, des Königs Unterthanen ihrer Eide vnd Pflichten gegen Ihre Majestät zu erlassen.

Majus. Der Mansfelder hat in dem Treffen an der Dessauer Brücke 37 Fahnen vnd 2 Cornett verloren, sindt bei 3000 umbkommen vnd darunter die Obristen Ryhoff, Turney, Spardorf, Wiedburg. Item 30 Fähndriche und 28 Capitaine vber Kniphausen gefangen; 300 Kniphausensche Reuter sind öffentlich vor Schelme ausgerufen.

Wie der Königl. Dänemarkische Gesandte neulich zum Könige von Frankreich gesagt: es wäre nunmehr ein öffentlicher Religionskrieg vnd dass sein König deswegen Hülfe von ihm begehrte vermöge gemachter Allianz, soll der rex Galliae geantwortet haben: ists ein Religionskrieg, damit
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*) Vgl. die spätere Nachricht vom Mai.
**) Diese Nachricht ist nachher mit gleicher Tinte durchstrichen.

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habe er nichts zu thun, er wäre catholisch, wolle also leben vnd sterben und mögten die Ketzer zum Teufel fahren und es ihnen gehn wie es wolle. Reponsum huic Gallo dignum!

Junius. In Oestereich ob der Ens ist ein großer Vfstand von etzlichen vnd 30 000 Rittern, Herrn, Adel, Bürgern und Bauern erfolgt, denn nachdem sie Kais. Majestäten ersuchet, sie bei freier Conscientia, dem lieben wahren Worte Gottes vnd dem Ihrigen verbleiben zu lassen, nun aber keine gütliche Resolution erfolget, als haben sie vor einen Mann zu stehen zusammen geschworen vnd sich geresolviret vmb ihrer Seelen-Religion zu kämpfen vnd ritterlich zu streiten, denn unmännlicher Weise von ihrer christlichen Religion abzufallen, ihre Eltern vnd sich selbst zu verfluchen, welches das allerabscheulichste sei, so zu erdenken.

30. Mai. Die Bauern machen im Lande ob der Ens üble Handlung, denn sie sind bereits bei 70 000 (?!) beisammen, haben schon Wels, Steier, Limbach, Gemünd vnd andere Orte eingenohmen, führen in ihren Fahnen nachfolgende Reime:

„Vom Baierschen Joch vnd Tyrannei
Vnd seiner großen Schinderei,
Mach’ uns o lieber Herr Gott frei!
Weil es gilt die Seel’ vnd auch das Blut,
So gebe uns Gott einen Heldenmuth.“
 

Vf der andern Seite:
„Es muß nun einmal sein.“

Dom. Trinitatis hat Tilli Münden mit Sturm, nachdem er 3 Male abgetrieben, erobert vnd Alles was lebet darin umbringen lassen, hatt bei 4000 Mann dafür verloren. Aus großer Tyrannei vnd Blutdürstigkeit hat Tilli keinen Menschen zu Münden begraben, sondern sie alle in das Wasser werfen lassen. O inhumana crudelitas, tandem aeterno igne expianda!

6. Junii ist Herzog Christian zue B. vnd L. Bischof zu Halberstadt gestorben, soll ihm Gift beigebracht worden

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sein vnd sind ihm 2 Würmer abgangen, der eine ist 4 Ellen lang gewesen.

2. Junii hat der König zu Dänemark das Haus Vörde vnd ganze Stift Bremen occupirt vnd ist der Erzbischof nach Lübeck gewichen.

Der Schwede ist mit 200 Segeln vf Preussen eingefallen, hat sich Elbingen vnd Marienburg schon bemächtigt. *)

Julius. 19. Julii obiit Elisabetha, vidua B. et L., Regis Daniae soror et vidua Henrici Julii Ducis Br. et Lüneb. dyssenteria ao. 1626.

Der König in Sweden hatt Elbingen, Stuhm, Mefie, Kryschbork und Dirschow eingenohmen; Marienburg hatt sich, ehe denn ein einziger Schuß hineingethan, ergeben. Das Schrecken in Preussen ist groß, da man nichts aus sagen kann, als dass es eine große Strafe Gottes ist. Scheint also, dass er sich des ganzen Landes Preussen leichtlich werde bemächtigen, weil er keinen Widerstand findet. Er läßt Niemand Gewalt thun oder plündern, ausgenommen wo die Leute verlaufen sin, da gibt er’s den Soldaten preis.

Ein Emissarius hat sich lassen verlauten: Bethlen Gabor plantabit sobolem in media Turcia et hic ab ima parte perrumpet Poloniam, ab altera Gustavus noster et hic coangustabit Poloniam, ut quo se vertat, nesciat.

Der König von Schweden begehrt von jeder Hufe Landes 50 Rthlr. in specie; der große Werder hat vber 3600 Hufen Landes, der kleine nicht halb so viel.
 

GRAVAMINA DER OBERENSSCHEN BAUERN IN OESTERREICH:

1) Der Statthalter zu Linz, Herberstein, habe das Religions-Reformations-Werk angefangen, Prediger vnd andere Leute aus’m Land geschaffet;

2) dass man wegen der verstorbenen das Erdreich viel zu theuer kaufen müsse;
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*) Vgl. die gleichfolgenden ferneren Nachrichten zum Julius-Monate.

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3) dass von den ausgeschafften Leuten so vberaus große Nachsteuer abgetrungen;

4) dass vorm Jahr zu Zwiefalten vnd Neckarmünde wegen der Religion viel ehrliche Leute sehr gemartert worden, dessen sie sich auch zu befürchten;

5) dass nun viele Jahre her, die Beuern, Bürger vnd gemeine Mann, mit dem monatlichen Garnisongeld also geschweret, dass sie nicht mehr fertig können;

6) dass sie hin vnd wieder im Lande vnd in Städten von den Soldaten viel leiden müssten vnd hiegegen hülflos gelassen würden.

Begehren hierauf vom Kaiser:

1) Die Freiheit der Religion vnd des Gewissens;

2) Die Abführung der Soldaten ausm Lande;

3) die Abstellung der Garnison-Gelder;

4) amnestiam omnium petentium vnd dass dies für die Niederlegung der Waffen effectuiret werde, alsdann erböten sie sich zur parition.

Augustus. Die Stadt Halle in Sachsen hat dem Walstein dato 26. Octbr. 1625 usque ad 22. Julii 1626 Contribution erleget: 270 671 fl. 9 Ggr.

28. Julii hat der Administrator zu Halle das Schloß Ritzebüttel den Hamburgern mit Lift abgenohmen. *)

10. Aug. hat sich Göttingen dem Tilli ergeben ergeben per accord.

(27. Julii obiit dyssenteria Ludovicus Landgravius Hasiae Darmstadiensis.)

17. Aug ist zwischen dem König zue Dänemark und Graf Tilli eine Schlacht gehalten im Lande zu Braunsweig bei Lutter am Bahrenberge, darin Tilli das Feld behalten, weil des Königs Reuter nicht fechten wollen, sondern davon geritten. Sind viel vornehme Officiere geblieben.
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*) Später ist von derselben Hand mit anderer Tinte hinzugefügt: hat es ihnen im Augusto restituiren müssen auf Befehl des Königs.

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Auf der Wahlstadt sind todt gefunden: Wersebe, Nortproth, *) Landgraf Philipp zu Hessen, Graf zu Solms, der Rheingraf so Catlenburg abgebrannt, General-Commissarius Sivert Powisch, nebst vielen anderen hohen Officieren vnd Befehlshabern. Gefangen sind: der Obriste Lochhauschen, ein Graf von Stolberg, Obriste Twachting, Berent Gos, Courville Französischer Obrister, Gunternach, Königl. Hofmarschal N., General-Commiss. Rantzow hart verwundet vnd viele Andere.

September. Der von Savoia will den Stillstand nicht länger continuiren, sondern sein Interesse wird Genua fortsetzen.

Nachdem der Herzog zu Holstein Ordinanz bekommen, die Bauern anzugreifen vnd er darvf bei Neukirchen mit Sengen vnd Brennen jämmerlich, insonderheit mit den Weibspersonen übel gehauset, auch den Abgesandten der Bauern wie sie gefragt, ob das des Kaiser Befehl wäre, zur Antwort gegeben: weil es Nacht, müßten sie Licht haben, als haben die Bauern ergrimmet, ihn vor Tages angegriffen vnd ihm 23 Fahnen Fußvolk neben der Reuterei, bis vf 500 Mann erleget, 6 Stück Geschütz vnd alle Pagage-Wagen bekommen.

Eben desselben Tages **) haben die Baiersche bei Ried die Bauern auch angegriffen, aber mit Verlust etzlich 1000 zurückgetrieben worden. Der Baierschen sollen bei 8000 geblieben sein.

30. Aug. Der Schwede hat die Darzker Preis geben, verbrennet vnd plündert alles was ihnen gehört, hat ihnen bereits vf 28 Tonnen Schaden gethan. ***)

17. Septbr. obiit Johannes Schweickardus Elector Moguntinus, ao aetatis 75; sedis suae 23.

Insidiae contra Regem Galliae detectae, multique complices incarcerati

Steinbrügge, Hannover vnd Neustadt am Rübenberge
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*) So steht mit deutlichen Buchstaben.
**) Am Rande ist hinzugefügt: NB. den 19. Septbr.
***) Am Rande ist hier von derselben Hand bemerket: pingue mendacia.

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haben sich dem Tilli mitt Accord ergeben; item Verden, Hoya vf Gnad vnd Ungnad, da haben die Soldaten sich vnterstellen müssen.

October. Es ist abermals ein Treffen zwischen den Baierschen vnd Bauern vorgangen, darin die Baiersche wiederumb geschlagen vnd etzliche 100 geblieben; die Bauern sind itzo erst recht lebendig vnd gar vfstutzig worden.

Der Mansfelder vnd die Türken haben sich mitt der Kaiserl. Armada bei Neuhäusel *) geschlagen, darin der Obriste von Merode, Graf von Zrin vnd in 2000 Teutsche, ohn die Ungarn geblieben Graf von Schlick vnd Walst in sollen die Flucht genohmen haben.

Novigrod ist vom Türken eingenohmen und Neuhäusel von ihnen belagert.

Die Schwedischen haben Butzkow entsetzt vnd Polen in die 800 erlegt.

Der Englische Admiral Milord Willeby ist mitt 54 wohlarmirten Schiffen auf Spanien abgesegelt.

17. Octbr. ist Georg Friedrich Greifenkla von Vollrath, Bischof zu Würzburg vnd Domprobst zue Maintz, zum Erzbischof vnd Churfürsten zue Mainz erwählet worden.

Laurentius de Medicis, Ducis Florentiae filius, ist vmb diese Zeit durch Teutschland, dasselbe zu besichtigen gereiset vnd ist den 17. Octbr. zu Wathlingen bei Julio Brunmarretig vber Nacht vf seinem Hofe gelegen; ist des andern Tages in Zelle mit wenigem Comitat eingelassen, aber nicht zur fürstlichen Tafel herauf gefordert worden.

November. Bei Neuhäusel ist zwischen Bethlen, Mansfeld vnd den Türken an einer Seite vnd dem Walsteiner ein Treffen geschehen, darin beiderseitig etzliche 1000 geblieben vnd der Graf von Schlick, [der] **) Gen.-Wachtmeister Don
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*) Vgl. unten zum November.
**) Die hier eingeklammerten Worte sind im Mse. nur durch einen Buchstaben angedeutet, welcher an andern Stellen für durch, der, des, die, dem, das gebrauchet wird; mit Rücksicht auf die spätere Nachricht hinsichtlich des Löse-Geldes für den Grafen von Schlitz und

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Lorenz de Majestra, [durch] einen Bohemischen Ob.-Lieutenant gefangen nach Trenschin geführet worden.

December. Die Bauern ob der Ens sind in 3 Wochen gar überwunden vnd geschlagen worden, also dass der Donaustrohm wieder offen vnd die Unterthanen um Gnade bitten.

De dato 19. Dec. ist ein Gesandter, Namens Reichard von Walenrod, vom Kaiser zu Zell angelangt, mit Avisen, dass der Kaiser die Herzoge zu Lothringen vnd Wirtemberg deputiret, mit dem Pfalzgrafen wegen des Friedens zu tractirten vnd wolle die Infantinn den König zu Dänemark zu Deponirung der Waffen disponiren vnd solle der Herzog zu Lüneburg, Herzog Christian, neben dem General Tilli mit des Kreises Ständen dahin handeln, dass sie sich vom Könige abthun sollten, dagegen ein Jeder bei der Religion geschützet werden solle.

Der Bethlen Gabor begehrt vom Grafen von Schlick 60 000 Rthl. Kauzion, dazu will der General Walstein 20 000, Herzog Franz Albrecht 10 000 und der Graf selbst 16 000 Rthl. hergeben, der Rest soll auch bald folgen.

Im Lande ob der Ens, de dato 19. Dec., sollen sich die Bauern wieder sammeln, weil der Richter zu Steier, Namens Mattelshofer, gespießt vnd D. Holzmüller als Rädelsführer geviertheilet vnd noch mehr Andere hingerichtet worden sein. Auch ist der Obriste Wislingen, des Ritterstandes vnd der Bauern obrister Wachtmeister, an Ketten nach Linz gebracht vnd liegen zu Ens vnd anderen Orten auch viel gefangen.

Aus Berlin, de dato 12. Dec. hatt man, dass der Kaiser dem Brandenburger die Lehn übers Fürstenthumb Pommern confirmiret habe.


(Fortsetzung folgt.)

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auf den Umstand, daß die Böhmen Verbündete von Bethlen Gabor waren, sind die gleichen Buchstaben in der vorliegenden Nachricht durch die Worte erkläret, welche ihnen am passendsten zu sein schienen.
 

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