Jahresband 1898

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



ZUR MÜNZKUNDE
DES BISTUMS UND
FÜRSTENTUMS RATZEBURG.

[
Max Schmidt]

____________________

Die größte Sammlung der Ratzeburger Münzen befand sich im Besitze des 1878 in Demern verstorbenen Senior und Pastor, Archivrath Dr. Masch, worauf sie in den Besitz S. K. H. des Großherzogs Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz überging und der Sammlung in Neustrelitz einverleibt wurde.

Masch hat ein Verzeichnis nicht nur der in seinem Besitze sondern auch der in anderen Sammlungen befindlichen Ratzeburger Münzen und Medaillen aufgestellt und daneben einige münzgeschichtliche Angaben gemacht, die hier unter Beifügung des von mir gefundenen Materials benutzt werden.

Klargestellt wird die Münzgeschichte des Bistums Ratzeburg schwerlich werden, denn die Quellen für dieselbe sind als verloren anzusehen. Es waren zwei Aktenbunde im Ratzeburger Archiv, aber die sind 1740 nach Neustrelitz eingefordert aber weder zurückgeliefert worden noch jetzt dort vorhanden.

Der Administrator, Herzog Christoph von Mecklenburg, 1554-1592, war der erste, der Bischöflich Ratzeburgische Münzen schlagen ließ, denn bisher sind keine Stücke eines früheren Bischofs aufgetaucht und auch unter den Hohlmünzen des 14. und 15. Jahrhunderts ist keine, deren Bild auf Ratzeburg deuten könnte.

1898/5 - (66)


1898/5 - 67

Heinrich der Löwe hat sicherlich, das läßt sich aus seiner ganzen Politik erkennen, weder einem der von ihm investierten Bischöfe noch einem der von ihm belehnten Grafen die selbständige Ausübug des Münzrechts im Gebiete der Unterelbe und von Nordalbingien gestattet, denn die Münzstätten in Lüneburg, Bardowick, Stade und Lübeck genügten vollständig dem Bedarfe. Aber auch in späterer Zeit, als ihnen das Münzrecht zustand, werden die Bischöfe von Ratzeburg dieses nicht ausgeübt haben, wohl aus demselben Grunde wie die Herzöge von Sachsen-Lauenburg.

Als Reichsfürsten in Kraft des dem Bistum zustehenden Münzrechts ließen der Administrator Christoph und Bischof August Münzen schlagen, welche sie mit dem Namen des Reichslandes und dem davon gebrauchten Titel bezeichneten. Man muß also diese Münzen als Landesmünzen ansehen, denn Christoph hatte überhaupt keine Berechtigung sie schlagen zu lassen, als die, welche Ratzeburg ihm gab, und eben das war auch anfänglich mit August der Fall, der schon Münzen schlagen ließ, ehe er in seinem Erblande zur Regierung kam. Es sind also die beiderseitig hierher gehörenden Münzen als bischöflich zu betrachten.

Zwischen beiden Genannten hatte Herzog Carl zu Mecklenburg den bischöflichen Sitz inne (von 1592-1610), aber der hat keine Münzen mit diesem Titel bezeichnen lassen, obgleich er als Landesherr viele Münzen schlagen ließ. Auch von dem letzten Bischof Gustav Adolph (von 1636-1648) der unter der Vormundschaft seines Oheims Adolph Friedrich stand, sind aus dieser Zeit keine Münzen unter seinem Namen vorhanden.

Zur Seite der Bischöfe in dieser letzten Zeit standen die Coadjutoren, (die historischen Verhältnisse sind in der Geschichte des Bistums von Masch dargelegt) und zwar Herzog Hans Albrecht zu Mecklenburg, Coadjutor des Bischofs August, und Friedrich, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, Coadjutor des Herzogs Gustav Adolph; beide haben auf ihren Münzen den Titel gebraucht und es sind also diejenigen,

1898/5 - 67


1898/5 - 68

welche damit bezeichnet sind, gewissermaßen als Ratzeburgische anzusehen und als solche zu berücksichtigen. Späterhin, nach der Secularisation ließ Herzog Christian Louis zu Mecklenburg noch einige Münzen schlagen, auf welchen er sich blos Fürst zu Ratzeburg nannte oder sie ähnlich bezeichnete, und es sind also auch diese zu den Ratzeburgischen zu rechnen, während die übrigen mecklenburgischen Münzen, die im Titel ĄFürst zu Ratzeburgď haben, auszuscheiden sind.

_____________________

I. CHRISTOPHORUS,
Administrator des Stifts Ratzeburg, Herzog zu Mecklenburg,
Fürst zu Wenden, Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und
Stargard Herr.
1554-1592.

Seine größeren Münzen ziert das Wappen mit den Bildern der fünf Landesteile. Der Schild ist mit einer Bischofsmütze bedeckt, zu deren Seite die oberen Teile von 2 Bischofsstäben hervorragen, deren Enden sich unten zeigen.

Ueber die Münzstätte und den Münzmeister haben wir die Nachricht, daß vor dem Jahre 1582 der Herzog durch einen Lübeckischen Goldschmied, Hans Wessel, in Schönberg einige ganze, halbe und Ortsthaler (Viertelthaler) habe prägen lassen. Bis jetzt kennt man einen Thaler vom Jahre 1581 von vier verschiedenen Stempeln, einen halben Thaler vom Jahre 1576 und einen Schilling vom Jahre 1588.

Sämmtliche Münzen sind von großer Seltenheit. Eine genaue Beschreibung der Ratzeburgischen Münzen ist vorhanden, muß hier aber aus verschiedenen Gründen unterbleiben.

II. AUGUSTUS,
postulerter Bischof des Stifts Ratzeburg,
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg.
1610-1636.

Nach dem Tode des Herzogs Carl zu Mecklenburg, Administrator des Bistums, gestorben den 22. Juli 1610, welcher keine Andeutung seines Verhältnisses zum Bistum auf seine Münzen setzte, trat der bereits 1596 zum Seccessor ernannte Herzog Augustus zu Braunschweig-Lüneburg die

1898/5 - 68


1898/5 - 69

Regierung an. Sein Wappen erscheint in sechsfacher Gestalt auf den Münzen; vier größere 8- und 12feldige und ein kleines 4feldiges haben den Mittelschild von Ratzeburg, ein kleines zeigt nur den Schild von Lauterberg. Augustus ließ in seiner ersten Zeit auf der Münze in Schönberg durch die Münzmeister Georg Meinhard und Balthasar Kruse prägen; vielleicht sind auch die bis zum Jahre 1623 reichenden größeren Stücke dort entstanden, während die späteren mit 1633 beginnenden Stücke in Clausthal vom Münzmeister Henning Schreiber und Thaler, halbe Thaler und Groschen vom Jahre 1636, sowie auch Sterbemünzen von Henning Schlüter in Zellerfeld geprägt wurden. Ersterer signierte mit H.S., häufig auch daneben mit ein oder zwei Zainhaken, während zwei kreuzweis gelegte Schlüssel zwischen den beiden Buchstaben H S. Schlüterís Zeichen bilden.

Von Augustus existiert eine größere Anzahl von Münzen. Ohne Jahreszahl kommen vor eine silberne Schaumünze, als Zwei- und Dreithalerstück bezeichnet, mit der Inschrift: KUM GELUCK ERLOS HOFFNUNG, welche in die frühere Zeit des Bischofs gehört und mit den Streitigkeiten um das Bistum in Verbindung gebracht wird; ferner ein Dukaten, der in zwei Stempeln bekannt ist. Der Einfachheit wegen werde ich die Anzahl der Stempel bei den folgenden Stücken eingeklammert geben. Mit Jahreszahl giebt es Goldgulden vom Jahre 1618 (3), 1634 (2). Thaler 1616 (1), 1617 (4), 1620 (1), 1623 (7), 1633 (1), 1634 (9), 1635 (5),1636 (16). Halbe Thaler 1623 (2), 1634 (2), 1635 (1), 1636 (3). Viertel-Thaler 1623 (1), 1635 (2). Achtel-Thaler 1623 (2), 1634 (3), 1635 (3), 1636 (3). 1/16-Thaler 1635 (2). Dütchen 1623 (1). Doppelschillinge vom Jahre 1617 (19), 1618 (10), 1619 (3), 1620 (8), 1626 fraglich ob ächt. Groschen vom Jahre 1634 (5), 1635 (1), 1636 (4). Sterbemünzen vom 1. Oktober 1636: Doppel-Thaler (1). Thaler (4). Halbe Thaler (1). Viertel-Thaler (2). Achtel-Thaler (5).
_________________

1898/5 - 69


1898/5 - 70

III. Hans Albrecht,
Coadjutor des Bistums, Herzog zu Mecklenburg etc.
1612-1636.

Die Streitigkeiten über die Nachfolge im Bistum nach dem tode des Administrators Herzog Carl zu Mecklenburg zwischen den Herzögen Augustus zu Braunschweig-Lüneburg und Hans Albrecht zu Mecklenburg-Güstrow endete der Vergleich vom 29. Mai 1611 dahin, daß Augustus das Bistum behielt und Hans Albrecht als Coadjutor anerkannt wurde.

Von Hans Albrechtís Münzen kommen hier nur diejenigen in Betracht, die ihn als Coadjutor bezeichnen; zu den älteren Stücken zählen die Denkmünzen auf den Tod seiner Gemahlin vom Jahre 1616, die in zwei größeren und zwei kleineren Geprägen bekannt sind, und die Doppelschillinge von 1616 (1) und 1618 (2), welche sämtlich ohne Münzmeisterzeichen sind, während der Thaler vom Jahre 1618 (1) ein Kreuz und einen Zainhaken, kreuzweis gelegt zeigt, aber nicht verrät, wo und von wem er geprägt wurde. Viele Jahre hindurch ließen die auf den beiden Münzstätten Boizenburg und Gnoyen geprägten Münzen des Herzogs den Titel Coadjutor unerwähnt, während ihn die von 1633 bis 1635 vom Münzmeister Hans Puls zu Gnoyen geschlagenen führen; daher kommen nur diese hier in Betracht.

Das Wappen ist das bereits früher angegebene Herzogl. Mecklenburgische mit 5 Feldern, auf den großen Münzen mit 3 Helmen bedeckt, von denen der mittelste über dem Köcher einen Pfauenwedel hat, belegt, mit einem Stierkopf, der rechte zwei Büffelhörner, der linke einen offenen Flug.

Außer den bereits angegebenen Stücken kennt man von Hans Albrecht noch folgende Ratzeburger Gepräge: Dukaten vom Jahre 1633 (3); Thaler von 1633 (3); 1634 (1); 1635 (2); Halber Thaler 1634 (1); Achtel Thaler 1634 (2).

1898/5 - 70


1898/5 - 71


ADOLPH FRIEDRICH,
Herzog zu Mecklenburg etc., als Vormund d.
Herzogs Gustav Adolph zu Mecklenburg,
postulierten Bischofs zu Ratzeburg
1636-1648.

Hans Albrecht, der Coadjutor, starb am 23. April 1636, noch vor dem Bischof Augustus, der am 1. October heimging. Sein Sohn Gustav Adolph, geb. 26. Februar 1633, stand unter der Vormundschaft seines Oheims Adolph Friedrich, der zunächst die Coadjutur für seinen Mündel und dann die Postulation desselben zur Bischofswürde betrieb und Vormund desselben blieb. Zu dieser Zeit erscheinen die Thaler mit den Beibuchstaben D. R. S., welche, wenn die Deutung ĄDirector Ratzeburgischen Stiftsď richtig ist, in die Ratzeburgischen Münzen einzureihen sind. Geprägt sind diese Stücke von dem Münzmeister Johann Dase in Wismar. Folgende Thaler kommen hier in Betracht: Vom Jahre 1637 (1); 1639 (1), auch als Doppelthaler vorhanden; 1642 (1) und 1647 (1).

____________________

IV. FRIEDRICH,
Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, Coadjutor des Stifts
Ratzeburg und Domprobst des Erzstifts Bremen 1637-1648.

Dieser, geboren 1574, folgte seinem Bruder Augustus Bischof zu Ratzeburg 1636, in der Regierung seiner Erblande, nachdem er schon 1602 zum Domprobst des Erzstiftes Bremen erwählt war. Zum coadjutor des Stifts Ratzeburg wurde er 1637 ernannt und starb den 10. December 1648. Sein Wappen zeigt elf oder zwölf Felder und ist fünffach behelmt.

Seine sehr zahlreichen Münzen sind bis 1640 von Henning Schreiber in Clausthal geschlagen und mit demselben Zeichen, welches dieser unter Bischof Augustus gebrauchte, bezeichnet, also mit H. S., oder den beiden Buchstaben durch zwei Zainhaken getrennt; jedoch findet sich ersteres Zeichen selten, letzteres bis 1640, kommt aber auch noch auf Thalern von 1644, also nach Schreiberís Abgang, vor. Nach ihm ward Lippold Weser Münzmeister in Clausthal, und sein Zeichen tragen die seit 1640 geprägten

1898/5 - 71


1898/5 - 72

Münzen. Er gebrauchte die Buchstaben L W., oder zwei kreuzweis gelegte Zainhaken zwischen diesen Buchstaben.

Die Münzreihen bestehen aus Dukaten ohne Jahreszahl (2) und Thalern ohne Jahreszahl (24). Fünf-, vier- und dreifache Thaler 1639 (2); Thaler 1637 (4); 1638 (4); 1639 (5); 1640 (6); 1641 (6); 1642 (5); 1643 (7); 1644 (6); 1647 (4); 1648 (4) und ein nach seinem Tode geprägter Thaler von 1649 (1). Halbe Thaler ohne Jahreszahl (2); vom Jahr 1637 (2); 1638 (2); 1639 (4); 1640 (3); 1641 (3); 1642 (1); 1644 (1); 1645 (2); 1646 (4). Viertel Thaler vom Jahr 1637 (1); 1638 (2); 1639 (3); 1641 (2); 1644 (1); 1645 (1); 1647 (1).

Denkmünze auf den zwischen Herzog Friedrich mit den Söhnen seines Bruders Georg, Christian, Ludwig und Georg Wilhelm abgeschlossenen Successionsvertrag vom 10. Juni 1646. In Gold zu 40 Dukaten, in Silber zu 2 1/16 bis 2 5/16 Lot. Sterbemünze auf Margaretha Herzogin zu Sachsen-Koburg, Witwe des Herzogs Johann Casimir, Schwester des Herzogs Friedrich. 7. August 1643. Thaler (2); Halber Thaler (1); Achtel Thaler (1). Der Sterbethaler Friedrichs (3) gehört nicht zu den Ratzeburgischen

____________________

CHRISTIAN LUDWIG,
Herzog zu Mecklenburg etc. 1658-1692.

Die Gründe, welche diesen wunderlichen Herrn bestimmten, specifisch Ratzeburgische Münzen schlagen zu lassen, werden wohl schwerlich zu ermitteln sein.

Das Bistum Ratzeburg war im westphälischen Frieden secularisiert und dem Hause Mecklenburg überwiesen worden, und da es feststeht, daß der am 19. October 1663 zum Katholizismus übergetretene Fürst eine besondere Vorliebe für die Ratzeburger Kirche zeigte, so mag er sich vielleicht als Nachfolger der ehemaligen Bischöfe betrachtet und darum die Ausmünzung wieder aufgenommen haben. Von ihm

1898/5 - 72


1898/5 - 73

rührt auch das jetzige Wappenbild des Fürstenthums Ratzeburg, im roten Felde ein silbernes goldgekröntes Kreuz, her.

Die Münze auf dem Domhofe zu Ratzeburg war 1671 eingerichtet und der Aufsicht des Dömitzer Münzmeisters Henning Kemper (Zeichen: drei sternförmig gestellte Zainhaken) übergeben, aber die Ratzeburger Münzen wurden nur bis 1673 geprägt, während die Offizin für die Mecklenburgischen Münzen in Betrieb blieb.

Am 25. Juni 1673 kauft Kemper für 30 Reichsthaler verschiedene Gegenstände vom Münzgerät des entwichenen Lauenburgischen Münzmeisters Ilders in Ratzeburg. Später war die Münze an Michael Wagner, wahrscheinlich einen Bruder des Lauenburgischen Münzpächters Lorenz Wagner verpachtet, der einen gewissen Rhodatz zum Münzmeister hatte. Aber sie münzten gleich verschiedenen umliegenden kleinen, sogenannten Heckenmünzstätten so schlecht, daß gegen diese alle im Jahre 1689 eine Exekution stattfand, wobei die verschiedenen Münzstätten zerstört wurden. Kommandiert waren dazu von dem in Boizenburg stehenden Dragoner-Regiment des Oberst Franck 30 Mann.

In Ratzeburg wurde die Offizin völlig zerstört und das Gerät in den See geworfen. Man fand 43 Stempel, und zwar 16 zu Groschen, 6 zu dukaten, 2 zu Reichsthalern, 14 zu Zweidritteln, 2 zu Dütchen, 1 zu Schillingen und 2 unkenntliche, sämtlich mit dem Brustbild, Namen und Wappen des Herzogs Christian Ludwig. Michael Wagner war in Lübeck angehalten, aber vom Senat gegen Kaution entlassen worden; er flüchtete nach Kopenhagen und ward dort inís Gefängnis geworfen.

Die für Ratzeburg in Betracht kommenden Münzen des Herzogs Christian Ludwig aus den Jahren 1671-73 sind die folgenden: Der seltene Thaler vom Jahre 1672 mit CHRISTIAN : LVDOV : D : G : PRINC : RATZEBVRG (1) von dem es auch einen Doppelthaler giebt. Zweidrittel-Thaler vom Jahre 1671 (1); 1672 (1), beide ebenfalls von großer Seltenheit; Eindrittel-Thaler von 1671 (1) und die Groschen von 1672 (1) und 1673 (1).

Max Schmidt.

 

____________________



 

 

 

 



*