Jahresband 1897

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



Beiträge
zur
CHRONIK DER KIRCHEN-GEMEINDE NIENDORF A. D. STECKNITZ.

Mitgetheilt von P. A. LÜDERS in Gr. Berckenthin.

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(Schluß von Bd. V., Heft 1 pag. 43.)

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III.

von Albedyll.
 

Schon seit vielen Jahrzehnten ist der Name von Albedyll den Niendorfern sehr bekannt. Alljährlich am zweiten Ostertage wird das Andenken an die Familie von Albedyll im öffentlichen Gottesdienste erneuert, indem folgende Stiftungsurkunde durch den Prediger vorgelesen oder ihrem Hauptinhalte nach der Gemeinde in Erinnerung gebracht wird.

„Heinrich Otto Freiherr von Albedyll, Königlicher und des Reiches Schweden Generallieutenant, auch Commandant der Kaiserlich freien Reichsstadt Hamburg, war aus einem altadligen Geschlechte entsprossen und wurde im Jahre 1666 im Monat August zu Stolm in Livland geboren. Im 17. Jahre seines Alters trat er in Kaiserliche Kriegsdienste; und als im Jahre 1683 die Stadt Wien von den Türken belagert wurde, half er dieselbe unter göttlichem Beistande von dem Erbfeinde des christlichen Namens befreien. Der König von Schweden Carl XI. machte ihn darauf im Jahe 1686 zum Hauptmann unter seinen Kriegsvölkern. Im

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Jahre 1691 wurde er Major in Sachsen-Gothaischen Diensten und hat unter den Befehlen des Königs Wilhelm von England der Schlacht bei Steinkirchen als Brigade-Major beigewohnt, sich auch in der Belagerung von Heidelberg 1693 als Platz-Major mitbefunden. Seine Tugend, Tapferkeit und edles Betragen bahnten ihm überall den Weg zu hohen Ehrenstellen und erwarben ihm die Liebe und Achtung der Könige und Fürsten. Im Jahre 1694 wurde er zum Obersten in Baireuthischen Diensten bestellt, ging in dieser Würde mit dem ihm anvertrauten Regimente in Venetianischen Sold und erfüllte bei demselben die Pflichten eines guten Anführers in drei Feldzügen und in der Schlacht bei Argos in Griechenland gegen die Türken so rühmlich, daß er bei seiner Rückkunft vom dem Markgrafen von Baireuth, seinem Herrn, zu dessen Rath, Hofmeister, Landeshauptmann und Commandanten der Pleißenburg ernannt wurde. Gedachter Markgraf schickte ihn 1698 als seinen Gesandten an den Königlich Polnischen Hof, woselbst er von Friedrich August, König in Polen und Kurfürst von Sachsen 1699 in Sächsische Dienste aufgenommen und zum Generalmajor bestellt wurde.

Aber die Vorsehung Gottes, die er stets verehrte, wollte ihn noch andere Wege führen. Denn als kurz nachher der nordische Krieg ausbrach, mußte er auf Verlangen des Königs von Schweden die Sächsischen Dienste verlassen und den Schwedischen König Carl XII. auf allen seinen glücklichen und unglücklichen Feldzügen begleiten. In der Schlacht bei Putava wurde er von den Russen gefangen. Nach dreijähriger Gefangenschaft kehrte er aus Moskau nach Deutschland zurück. Im Jahre 1715 hatte er das harte Schicksal, bei der Uebergabe der Festung Stralsund abermals ein Kriegsgefangener, nämlich von Dänemark, zu werden, wurde aber einige Zeit nachher ausgeliefert und war darauf wieder der Gefährte des Königs Carl XII., auch bei der Belagerung von Friedrichshall, wo dieser weltberühmte König sein Leben verlor.

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Endlich ist der sel. Generallieutenant Freiherr von Albedyll 1724 zum Commandanten der Kaiserlich freien Reichsstadt Hamburg erwählt, in welcher Würde er die letzten 13 Jahre seines Lebens still und geruhig zugebracht, bis er 1738 im Januar sanft und selig sein Leben beschlossen, nachdem er solches auf 72 Jahre unter Gottes Segen gebracht hatte.

Seine Gemahlin, Frau Ilsa Anna geb. von Schwiechelt aus dem Geschlechte der Erbmarschalle des Bisthums Hildesheim, ward geboren im Jahre 1666 und vermählte sich 1698, da sie erste Hofdame der Königin Christiana Eberhardina, Gemahlin des Königs Friedrich August in Polen war. Sie hat in fast beständiger Abwesenheit ihres Eheherrn in der Fremde unter vielen Ungemächlichkeiten sich der Erziehung ihrer drei Kinder gänzlich gewidmet und selbigen zu einem Beispiele wahrer Gottesfurcht und aller christlichen Tugenden gedient. Im Jahre 1734 im Mon. December ist sie im Glauben an ihren Erlöser entschlafen, nachdem sie ihr Leben auf 68 Jahre gebracht hatte..

Im Jahre 1746 hat die Leichen dieser seiner verehrungswürdigsten Eltern deren ältester Sohn, wail. Königlicher Großbritannischer und Kurfürstlich Braunschweig-Lüneburgischer Geheimer Rath Friedrich Christian Freiherr von Albedyll als Erbherr des adligen Gerichts Niendorff und Patron dieser Kirche von Hamburg bringen und in seinem Erbbegräbnisse hieselbst beisetzen lassen.

Der jüngste Sohn aber, Heinrich Otto Freiherr von Albedyll, wail. Königlich Polnischer und Kurfürstlich Sächsischer Oberstlieutenant und Kämmerer, hat gestiftet, daß deren Gedächtniß jährlich am zweiten Ostertage in öffentlicher Versammlung erneuert werde.

Eben derselbe hat auch zu gleicher Zeit das Gedächtniß seiner liebewerthesten Gemahlin wail. Christiana Amalia geb. von Pleß aus dem Hause Cattelbogen (Herz. Mecklenburg) auf gleiche Weise wollen begehren lassen.

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Wohlgedachte seine christliche Gemahlin war geboren im Jahre 1720, trat zur andern Ehe im Jahre 1745 (alias 1744) und ist am 1. Weihnachtstage 1746 (alias 1745) im Vertrauen auf die Erlösung Jesu entschlafen, nachdem sie ihr Alter auf 26 (alias 25) Jahre gebracht hatte. Sie ist nebst ihrem Söhnlein, von dem sie wenige Tage vor ihrem Ende entbunden wurde, gleichfalls hierher zur Ruhe gebracht.“

Voll Dank gegen die entschlafenen Eltern und tief erschüttert durch den so frühen Heimgang seiner Gattin fühlte sich der in vorstehender Stiftungsurkunde genannte jüngere Bruder des das Gut Niendorf besitzenden Friedrich Christian Freiherrn von Albedyll gedrängt, durch eine segensreiche Stiftung das Gedächtniß der theuren Entschlafenen für die Zukunft zu sichern. Er vermachte nämlich am 14. Jan. 1747:
 

1.


 
  200 Thlr. mit der Bestimmung, daß von den Zinsen der Prediger zu Niendorf für die Osterverlesung 4 Thlr., die älteste Pfarrwittwe 1) und der Küster je 1 Thlr. erhalten sollen, während die übrigen 2 Thlr. zur Unterhaltung des Grabgewölbes zu verwenden sind.
2.










 
  300 Thlr. mit folgender Bestimmung: a. Wenn eine Wittwe bei der Pfarre zu Niendorf vorhanden ist, soll dieselbe von den Zinsen 6 Thlr. erhaltne, weil kein Wittwenhaus vorhanden sei, auch nicht gebaut werden könne. Ist keine Wittwe da, so soll der Prediger 3 Thlr. erhalten und sollen 3 Thlr. zur Zierde des Altars und der Kanzel, d. h. zur Altar- und Kanzelbekleidung verwerthet, bezw. zu solchem Zwecke deponirt werden. b. 2 Thlr. sind am zweiten Ostertage armen Leuten in Niendorf darzureichen. c. Ueber 4 Thlr. kann der Patron verfügen, sei es, daß er dieselben an Arme des Gerichts Niendorf austheilt, sei es daß er sie zu andern wohlthätigen Zwecken innerhalb der Kirchengemeinde Niendorf verwendet.

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1) Ist keine Wittwe vorhanden, so soll der Thlr. dem Prediger zufallen.

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In der Niendorfer Kirche erinnert aber noch mehr an die Eltern von Albedyll. Im Fußboden der Kirche ist eine „gut gearbeitete“ Grab-Steinplatte. Außer dem Wappen finden wir auf derselben folgende Inschrift:
 

Ruhestätte
Ihro Exellence des Königl. Schwedischen Generallieut. und Obristen über ein Regiment zu Fuss wie auch Commandant
der löblichen Stadt Hamburg Herrn
Heinrich Otto von Albedyll Freiherrn
und seiner Familie, nach Ableben des letzten Kindes
in sechzig Jahren nicht zu eröffnen.

 

Der oft Gewalt und Neid
Grossmüthig überwunden,
Hat nach so manchem Streit
Hier seine Ruhe funden.

Das zugehörige an der Südwand der Kirche hängende Epitaphium 1) aus Marmor, Alabaster und Sandstein mit allegorischem Schmuck und kriegerischen Emblemen trägt folgende Inschrift:

Henrico Ottoni L. B. Albedyll ex vetusta nobilitate Livonica, regum et regni Sueciae copiarum pedestrium praefecto, Caroli XII. regis in untraque fortuna comiti, postremis XIIII. annis R. P. Hamburg. praesidii praeposito, qui obiit d. VII. Januar a. MDCCXXXVIII, annos natus LXXI, et Ilsae Annae de Schwiechelt ex mareschallis haereditariis Episcopatus Hildeshemensis, quae decessit d. VII. Decembr. a. MDCCXXXIV, annos nata LXVIII,

parentibus venerandis, amantissimis,

filius natu maximus Friedericus Christianus L. B. Albedyll M. Brit. regis et Electoris Brunsvic. Luneburg. consiliarius rei dominicae intimus hoc pietatis et grati animi m. p.
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1) cfr. H. Linsen statistisches Handbuch für das Herz. Lauenburg 1872 p. 633.
 

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Idem dominus haereditarius in Niendorff et ecclesiae hujus patronus carissimorum parentum exuvias Hamburgo huc transferri et sepulcro concamerato j. c.

Auf Kosten des Gutsherrn Friedrich Christian Freiherrn von Albedyll wurde im J. 1745 die Kirche restaurirt. 1754 schenkte derselbe 2 messingene Leuchter für den Altar; auch ließ er im folgenden Jahre die von der Familie von Erlenkamp geschenkten Abendmahlsgeräthe renoviren. So hat die Niendorfer Kirchengemeinde auch diesem Gutsherrn und Patron viel zu danken. Am 30. Juli 1769 entschlief er. In dem Grabgewölbe der Kirche, in welchem sich 14 gut erhaltene Särge befinden, sind auch die Särge, in denen die irdischen Ueberreste des Freiherrn Friedrich Christian von Albedyll und seiner Ehefrau Henriette Eleonore geb. von Mahrenholtz ruhen. Auch steht dort der Sarg der den 25. Dec. 1745 in Hannover entschlafenen Christiana Amalia von Albedyll geb. von Pleß wie der ihres Söhnleins. Das Bild dieser so früh entschlafenen Frau von Albedyll schmückt die Südwand der Kirche in Niendorf. Unter dem Bilde befindet sich folgende Inschrift:

Hoc jacent exuviae Christianae Amaliae de Pless ex domo Cattelbogen bene natae d. XXIX Nov. a. MDCCXX, auspicato nuptae d. XXVII Dec. MDCCXLIIII Henrico Ottoni L. B. Albedyll, Regis Poloniae, Electoris Saxoniae cubiculario, pie et placide defunctae d. XXV Dec. MDCCXLV biduo post partum filii unici Henrici Friederici Christiani, matri nonnisi quatriduo superstitis, conjugi optimae maritus amantissimus H. M. P. C.

Laut Niend. Kirchenbuch fungirte d. 21. Juli 1744 als Gevatterin die Gräfin Barbara Friederica Taube geb. Baronesse Albedyll. Demnach war ein naher Verwandter der Familie von Albedyll der Graf Jacob Johann Taube, welcher 1769 Besitzer des Gutes Niendorf a. d. St. wurde. Auf der an der Kirchthurmspitze befindlichen Wetterfahne steht die Inschrift: J. J. G. T. 1793. Laut Niend. Kirchenbuch

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„starb am 19. März 1800, Mittags 12 Uhr zu Lübeck der Herr Jacob Johann Graf Taube, K. Großbr. u. Churf. Braunschw. Lüneb. General-Lieutenant u. Chef des 11. Infanterieregiments, gew. Patron dieser Kirche, seines Alters 71 Jahre 10 Monate 13 Tage und wurde hier zu Niendorf am 23. März feierlich beerdigt in dem herrschaftlichen Erbbegräbniß.“

1800 kam das Gut Niendorf in den Besitz des den 1. Dec. 1755 zu Lübeck geborenen Hamburger Domherrn Dr. jur. Paul Daniel Lamprecht. Seit 1822 ist es in den Händen der Familie Metzener.
 






 


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