Jahresband 1896

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


BEITRÄGE
zur
Chronik der Kirchen-Gemeinde
Niendorf a. d. Stecknitz.

Mitgetheilt von P. A. Lüders in Gr.-Berckenthin.

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I.

von Scharffenberg.

Am 6. Nov. 1881 feierte die Kirchengemeinde Niendorf a. d. Stecknitz zugleich mit dem Reformationsfeste ihr dreihundertjähriges Jubiläum.

Vor 1581 war Niendorf a. d. St. ein Theil der Kirchengemeinde Breitenfelde, hatte aber eine Capelle. Wann diese Capelle erbaut worden, wird unaufgeklärt bleiben, zumal da im Jahre 1686 das Breitenfelder Pfarrhaus und wahrscheinlich auch viele Kirchen- und Pfarractendurch eine Feuersbrunst vernichtet wurden. Laut Urkunde des Bischofs Isfridus vom Jahre 1194 existierte damals neben den Kirchen von St. Georg, Mustin, Sedorp, Stralige, Godowe, Nusse auch bereits die Kirche zu Bredenfelde. Vielleicht hat im 13. Jahrhundert Niendorf seine Capelle erhalten.

Im 14. Jahrhundert waren Besitzer von „Sedorp“ die Rittervon Scharffenberg. Dieselben besaßen im folgenden Jahrhundert, um Jahr 1460, zugleich das Gut Niendorf a. d. Stecknitz. 1558 (oder 1559) starb als Besitzer von Seedorf und Niendorf a. d. Stecknitz Burchard von Scharffenberg. Da belehnte Herzog Franz I., obgleich er anfangs erklärt hattte. „das Lehngut se heimgefallen“, den Vetter des

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Verstorbenen, den in schwedischen Diensten stehenden Hans von Scharffenberg, mit dem Gute Niendorf a. d. St. Die Fürsprache des Schweden-Königs Gustav Wasa soll den Herzog besonders dazu bewogen haben. *) Das Gut Seedorf erhielt aber Hans von Scharffenberg nicht. Ein Sohn wohl dieses Hans von Scharffenberg, jedenfalls sein Nachfolger im Besitze des Gutes Niendorf a. St. war Hans Vollrath von Scharffenberg. Dieser wurde das von Gott erwählte Werkzeug, durch welches Niendorf a. d. St. zu einer selbstständigen Kirchengemeinde erhoben wurde. 1581 ermöglichte er die Berufung eines Predigers, indem er der Kirche „die Einkünfte einer Vicarie beilegte, welche seine Vorfahren am Johannis-Altar in der Domkirche zu Hamburg gestiftet hatten, worüber er nicht nur die Einwilligung des Domcapitels unterm 13. Nov. 1581, sondern auch des Herzogs Franz unterm 29. Sept. 1592 nebst dem Pfarrpatronat für sich und seine Nachkommen im Gutsbesitz ausbrachte.“ **) Er berief den Basthorster Pastor Christianus Rede (alias Rode) zum Prediger in Niendorf. ***) Daß der Gründer der selbstständigen Kirchengemeinde Niendorf a. d. St. ein gläubiger Christ und ein bewährtes Glied unserer evangelisch-lutherischen Kirche gewesen, und so aus dankbarer Liebe zu unserem Herrn und Gott dieses edle Werk gethan hat, wird uns mannigfach bezeugt. Unsere Lauenburger Kirchenordnung vom Jahre 1585 berichtet, „daß im Jahre 1531 um Johannis-Baptistätage mitten im Sommer das Evangelium zuerst öffentlich zu predigen angefangen und durch Gottes Gnaden bis dahin,
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*) Peter von Kobbe’s Geschichte und Landesbeschreibung des Herz. Lauenburg, Altona 1837, III. Theil p. 348 f.
**) W. Dührsen: „U. F. C. Manecke’s topographisch-historische Beschreibung der Städte etc. des Herz. Lauenburg“, p. 247.
***) Zu den Einkünften des Pastors in Niendorf a. d. St. gehört laut Verzeichnis vom Jahre 1704: „aus Lüneburg jährlich Luciae die Hebung vor 1 Plaustrum Salis Stardt, unfrey, noch vor ½ Plaustrum Ebzing, unfrey, advicariam St. Johannis Evangelistae in Hamburg gehörig.“ Stardt und Ebzing sind Namen der „Sültzhäuser, darin Saltz kann gekocht werden.“ Vergl. Staphorst Hamb. Kirchengeschichte I, 4, 840.

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wiewohl in großer Schwachheit und Widerstand, erhalten sei.“ Doch bei einer Kirchenvisitation im Jahre 1564 fand man die Sitten und die religiöse Erkenntniß noch in tiefstem Verfall, man stieß auf viel Unordnung in kirchlichen Dingen. Als daher der Herzog Franz II. 1581 seinem Vater in der Regierung gefolgt war, ordnete er noch in demselben Jahre eine General-Kirchenvisitation an. Die gründliche und allgemeine Durchführung der Reformation und die Einführung fester, geregelter Zustände sollte dadurch angebahnt und vorbereitet werden. Zur Leitung dieser Visitation wurde der Lübecker Superintendent Andr. Pouchenius (1526 zu Gardelegen geboren, studierte 1546 in Wittenberg, seit 1575 Superintendent in Lübeck) berufen. Zu weltlichen Deputierten bei dieser Visitation bestimmte der Herzog fünf aus der Ritterschaft. einer von diesen war unser Hans Vollrath von Scharffenberg. Die wichtigste Folge dieser Visitation war die Kirchenordnung, mit deren Abfassung ebenfalls der Superintendent Pouchenius beauftragt wurde. Schon 1590 fand wieder eine Generalvisitation statt, doch diesmal unter Leitung des General-Superintendenten und Pastors zu Lauenburg Sagittarius. Zu den weltlichen Visitatoren gehörte wiederum Hans Vollrath von Scharffenberg. Wie so durch die Geschichte der Kirche unseres Lauenburger Landes dem Stifter des Kirchspiels Niendorf a. d. St. ein ehrendes Denkmal gesetzt ist, besitzt die Kirche St. Anna in Niendorf selbst noch ein erbauliches Denkmal zur Erinnerung an ihren großen Wohlthäter, nämlich das Scharffenbergsche Epitaphium, ein Gemälde. Vor dem Gekreuzigten knieen Hans Vollrath von Scharffenberg und seine Frau, sowie mehrere Kinder. Oberhalb des Bildes befindet sich der Spruch: „das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören.“ Zu beiden Seiten sind 16 Wappen adliger Familien angebracht. Seitwärts sind noch die Namen des späteren Besitzers Freiherrn von Albedyll und seiner Frau geb. Freiin von Marenholtz. Unter dem Bilde ist folgende Inschrift:

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Anno Xi 1614 d. 23. April haben die beyden Eheleute, der Edle und Ehrenveste Hans Vollrath v. Scharffenbürgk, auf Niendorf Erbgesessenen, und die Edle Ehren-Tugendreiche Frau Catharina v. Aschebergk, Gott zu Ehren, den Ihrigen zum Gedächtnis, und Ihrer Patronatkirchen, so denen von Scharffenbürgk, utriusque sexus inperpetuum Erblich zukombt, dieses Epitaphium zur Zierde setzen und machen lassen.

Hierunter steht noch folgendes:

In memoriam fundatoris huius ecclesiae ac nutritoris quondam generosissimi Hans Vollrath de Scharffenburgk Domini haereditarii in Niendorf et ejus conjugis suavissimae Catharinae de Aschebergk epitaphium hocce temporum injuria ruinam minitans abinteritu vindicari et restaurari curavit Friedericus Christianus Liber Baro Albedyll, ecclesiae nunc Patronus et dominus equestris hujus praedii haereditarius, . . . . . . . . Georgii 11di Camerae . . . . . . Hannoveranae consiliarius intimus. Niendorf A. D. MDCCXLI.

Dieses Epitaphiums Höhe beträgt 3 m und seine Breite 1,70 m.

Peter von Kobbe in seiner Geschichte und Landesbeschreibung des Herz. Lauenburg, Altona 1837 III. Theil p. 349 berichtet: „In den Zeiten des 30jährigen Krieges theilten die Scharffenbergs das Schicksal der Schacks und Daldorps; sie kamen in Verfall und ihre Güter in die Hände von Gläubigern. Der Rittmeister Hans Scharffenberg hatte zur Wiederansichbringung des Gutes seines Vaters Hans Vollrad, welches die Gläubiger damals inne hatten, von seinem Oheim, dem Obristwachtmeister Pieningk, Geld angeliehen; er konnte nachher nicht die Rückzahlung beschaffen und der Obristwachtmeister Pieningk cedirte seine Forderung an den Obristen Jacob von Wancken, Commandanten der Festung Glückstadt. Dieser kaufte nun (1653) mit Lehnskonsens Niendorf für 15500 Thlr.“ Dem hier genannten Rittmeister Hans von Scharffenberg, wohl dem letzten seines

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Geschlechts, wie auch seiner Gemahlin hat die Niendorfer Kirchengemeinde viel zu danken. Ein wie im Gutsarchiv so auch im Kirchenarchiv vorhandener Actenauszug betr. die im adligen Gute Niendorf a. d. St. radicirenden Capitalien besagt:

I. Nach einem nicht datirten Extrakte eines Testaments und des geheimen Hausbuchs des Hans von Scharffenberg, welches mittelst eines Berichts des Hans von Erlenkamp zu Niendorf vom 19./21. März 1672 dem Sachsen-Lauenburgischen Consistorium insinuirt worden ist, hat der von Scharffenberg 1000 Thlr. dem Predigtstuhl der Kirche zu Niendorf vermacht, welche bei dem „Rath der Stadt Lübeck gegen 4 % unablöslich belegt werden sollen und soll der jedesmahl. Prediger dieser Kirche zu Niendorf jährlich die Zinsen zum augmento seines salarii genießen.“

Derselbe von Scharffenberg hat außerdem noch 500 Thlr. zum Unterhalt der Armen in Niendorf, sowie zur Verpflegung von Kranken und alten Leuten daselbst vermacht, welche gleicher Gestalt, wie das vorige Legat bei der Stadt Lübeck, oder im Falle diese 4 % zu zahlen difficultire, bei einer anderen sicheren Stadt belegt werden sollen.

Beide Legate sollen sowohl dem Niendorfer Kirchen- als dem Sachsen-Lauenburgischen Visitationsbuche einverleibt werden und sollen die Renten des zweiten den Armen von dem Prediger mit Vorbewußt und Bewilligung des Patrons ausgetheilt werden.

II. Nach einem notariell beglaubigtem Extrakt eines Testaments der Frau Maria Margaretha von Peterswaldt geb. v. Gören, de dato Schwerin den 3. Juli 1694, hat dieselbe 1000 Thlr. der Kirche zu Niendorf vermacht, von deren Zinsen das Scharffenbergsche Begräbniß wie auch das Scharffenbergsche Epitaphium und von dem Übrigen die Kirchengebäude zu Niendorf unterhalten werden sollen.

Wie kam es, daß diese Frau Maria Marg. von Peterswaldt geb. v. Gören die Kirche von Niendorf a. d. Stecknitz so freundlich bedacht hat? Das erhellt deutlich aus den in

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den „Mecklenburg. Anzeigen“ 1884 Nr. 25 und 26 durch Bartholdi-Zarrentin veröffentlichten „alten Testamenten früherer Besitzer des v. Könnemannschen Ritterguts Pritzier.“ Des schwedischen Majors Hans von Scharffenberg Ehefrau Maria Marg. geb. von Göhren (al. Gören) war nach dem Tode dieses ihres ersten Gemahls mit dem Geh. Rath Heinr. Hermann von Peterswaldt vermählt. Um 1708 ist sie verstorben. Unterm 3. Juli 1710 bescheinigte der Freiherr von Erlenkamp auf Niendorf a. d. St., daß von dem Herrn Geh. Rath von Peterswaldt, Erbherrn auf Pritzier, die Summe von 1000 Thlr., welche dessen verstorbene Frau Gemahlin Maria Margarethe geb. v. Göhren an die Niendorfer Kirche vermacht habe, richtig ausbezahlt sei. Diese Eheleute Hans von Scharffenberg und seine Gattin, welche für die Niendorfer Kirchen-Gemeinde so segensreiche Wohlthäter geworden sind, gereichen zugleich vielen zu leuchtendem Vorbilde durch das schöne Zeugniß ihrer Demut und ihres Glaubens. In ihrem vom 11. Juli 1667 datirten Testament bitten sie zuvörderst „die höhe göttliche Allmacht demütigst, ihnen alle ihre von Jugend auf begangene und zu begehende Sünde aus väterlicher göttlicher Barmherzigkeit bis zu ihrem sel. Abscheiden zu verzeihen und bis an ihr letztes Ende im wahren Glauben an das wahre Verdienst Jesu Christi fest und beständig zu erhalten. Ihre abgestorbenen Leiber sollen adligem christlichen Gebrauche gemäß zu Niendorf im Fürstenthum Niedersachsen in der Kirche in ihrem Erbbegräbniß oder wo sie sonst bei ihren Lebzeiten ihr Absehn nehmen werden, als in ihrem Schlaf-Kammer-Ruhe-Bettlein beigesetzt werden, woselbst sie die herrliche Erscheinung des Sohnes Gottes und die fröhliche Erweckung und Auferstehung zum ewigen Leben erwarten sollen.“
 


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II.

von Erlenkamp.

Jacob von Wancken war 1662 gestorben. Sein Sohn Jacob Christian sah sich im Jahre 1670 aus pekuniären Gründen genöthigt, das Gut Niendorf a. d. St. zu verkaufen. Hans von Erlenkamp, Oberalter zu Hamburg, war der Käufer.

Zu Neapel lebte eine adlige Familie de Campo. Ein Zweig derselben befand sich später in Schwaben und nannte sich von Kamp. Im Kriege gegen die Türken bewährte sich ein junger von Kamp als tapferer Held und zwar besonders auf einem Schlachtfelde, wo viele Erlen standen. Den ruhmgekrönten Streiter erhob Kaiser Karl V. in den deutschen Reichsadel. Bei dieser Veranlassung änderte der genannte Held seinen Familiennahmen in von Erlenkamp. Wohl ein Enkel desselben war der am 10. Nov. 1606 geboren, am 10. März 1681 entschlafene Hans von Erlenkamp, der als ein verdienter Bürger Hamburgs gerühmt wird *). Er war 1677 Präses des Oberalterkollegiums zu Hamburg **). Kaiser Leopold I. erhob ihn bereits 1674 in den Freiherrnstand. Das 1670 erstandene Gut Niendorf a. d. St. erhielt 1681 des Verstorbenen zweiter Sohn Hans Hinrich, während der jüngere Bruder Ernst das Mecklenburgische Majoratsgut Vielist besaß.

Die werthvollen vasa sacra in Niendorf a. d. St. weisen auf von Erlenkamps als Wohlthäter der Niendorfer
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*) Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, neue Folge, II. Band 1866 S. 124.
**) Verheirathet war er mit Susanne Amsinck, Tochter des Senators Rudolf Amsinck und Frau geb. de Hertoghe zu Hamburg. Dieser Rudolf Amsinck war 1577 zu Hamburg geboren, wurde 1619 Senator. Sein Vater hieß Willem Amsinck und war der Stammvater der Hamburgischen Familie Amsinck. In Folge der Religionskriege in den Niederlanden war er seines evangelischen Glaubens wegen, um 1576 nach Hamburg geflüchtet. Hier war er Kirchgeschworner an St. Petri, Vorsteher des Waisenhauses etc. Siehe Ed. Lorenz Meyer und Oscar L. Tesdorpf Hamburger Wappen und Genealogien, Hamburg 1890 S. 2 ff.

Gleich hier mag noch erwähnt werden, daß des Hamburger Syndicus Johann Moller Tochter Elisabeth Catharina, geb. 1638, gestorben nach 1701, mit Ernst Hinrich Baron von Erlenkamp, Kurmainzischen Residenten am niedersächsischen Kreise, vermählt war, s. Meyer-Tesdorpf a. a. O. p. 270.

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deutlich hin. Eine silberne inwendig vergoldete Kanne trägt die Inschrift: Ab Erlencampis 1680 donatum vas, sumtibus Patroni F. C. L. B. Albedyll transformatum et magis amplum redditum MDCCLV. Zugleich mit der Kanne ist auch die silberne inwendig vergoldete Hostiendose 1680 geschenkt worden, sowie wahrscheinlich auch der silberne, ebenfalls im 18. Jahrhundert restaurirte, inwendig und auswendig vergoldete Kelch mit der Inschrift: calicem vetustate corruptum impensis suis restaurari et gentis insignibus ornari curavit F. C. L. B. Albedyll Patronus MDCCLV. Außerdem besitzt die Kirche noch einen silbernen in- und auswendig vergoldeten Kelch nebst gleichartigem Hostienteller. Auf ersterem steht „Anna Dorothea von Erlenkamp geb. von Holstein.“ Innerhalb der Kirche befindet sich an der Nordwand derselben das Erlenkampsche Wappen. Dahinter Helm, Handschuhe und Schwert. Dasselbe Wappen schmückt die Platte oberhalb der von Erlenkampschen Familiengruft unmittelbar vor dem Altar. In dem Schilde des Wappens sehen wir drei Erlen. Auch die Helmzier mit 1 Erlenbaum erinnert uns an das mit Erlen besetzte Schlachtfeld. In genannter Gruft ruhen: 1. „Dominus Johannes Henricus liber baro Erlenkamp, reverendissimi Domini Electoris et archiepiscopi Magontini Anselmi Francisci status consiliarius Camerarius et Saxoniae superioris et inferioris legatus extraordinarius, dominus in Vielist, Neuendorff, Grabau, Ulrichshausen, Schönau, . . . . . . Ankershagen . . . . , natus Ao. Domini 1642 . . . mortuus Ao. 1697 (Deus sempiternam requiem et beatam resurrectionem concedat in magno illo die. – Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein.) 2. „Anna Dorothea Freifrau von Erlenkamp geb. Peters. An dieses Tageslicht gekommen d. 28. März 1668. Geheirathet Ao. 1693 d. 30. April. In dem Herrn selig entschlafen Ao. 1704 d. 12. Aug.“

Der Tod dieser Freifrau von Erlenkamp erfolgte bald nach der Geburt eines Sohnes, denn im Niendorfer Kirchen-

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buch steht verzeichnet: „d. 22. Juli (1704) ist des Hochwohlgebornen H. Baronen Johannis Ernesti von Erlenkamp und seiner Gemahlin ihr Kind Ernestus Johannes getauft. Die Gevattern sind gewesen: H. Ernestus von Erlenkamp, Freiherr; Johann Langhans in Hamburg und Fräulein Barbara Eleon. v. Erlenkampen.“ Die Verstorbene wird die Schwiegertochter des vorher genannten 1697 verstorbenen Hans Hinrich von Erlenkamp und die Gemahlin des Johann Ernst von Erlenkamp gewesen sein. Laut Niend. Kirchenbuch starb d. 24. Mai 1718 „der hochwohlselige Herr Baron.“ Steht nun in demselben Kirchenbuch sowohl 1728 als auch 1730 als Gevatter „der hochwohlgeborne Herr Baron Johann Lorentz von Erlenkamp, hiesigen Ortes Erbherr“ verzeichnet, so schließen wir daraus, daß dem 1718 verstorbenen Vater der Sohn Johann Lorentz von Erlenkamp im Besitze des Gutes Niendorf a. d. St. gefolgt ist. Auch dessen Gemahlin hatte die Vornamen Anna Dorothea. Denn 1727 sind im Niend. Kirchenbuch als Gevatterinnen eingetragen: „die hochwohlgeborne Frau Baronesse Anna Dorothea von Erlenkamp, d. hochwohlgeborne hochfreiherrliche Fräulein Elisabeth von Erlenkamp.“ Zur Bestätigung dient auch noch folgender Auszug aus genanntem Kirchenbuch: „1729 d. 7. Januar ist mein kleines Töchterlein, damit der Allerhöchste mich Franc. Christoph Schumachern, p. t. Pastor allhier, und meine liebste Elsabe Maria am 3. hujus des Morgens Glocke 2 beschenket, zur h. Taufe gebracht und benahmet worden Anna Dorothea Margaretha, dabei als Pathen gezeuget haben die hochwohlgeborne Frau Anna Dorothea Freiherrin von Erlenkamp, meine hochzuehrende Patronin, und Frau Elsabe Stapeln, M. Mich. Fried. Stapels, gewesenen Pastoris allhier, nachgelassene Wittwe, meine Schwiegermutter, und Herr Conrad Ernst Schumacher, Königl. Großbritannischer und Br. Lüneb. bestallter Zöllner zu Büchen, mein einzig geliebter Bruder. Die Taufe hat verrichtet (S. T.) der Herr Pastor von Breitenfelde Joh. Jac. Schmidt.“ Kopulirt wurde zu Niendorf a. d. St. am 24. Febr. 1731 „Herr Julius

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Benedictus von Klenk, wohlbestallter Lieutenant unter Ihro Königl. Majestät von Dänemark und Norwegen mit der hochwohlgebornen hochfreiherrlichen Fräulein Braut, Frl. Maria Eleonora Baronesse von Erlenkamp, des weil. hochwohlgebornen H. Johann Ernst Freih. von Erlenkamp, Erbherrn auf Neuendorf, hinterlass. Frl. Tochter.“ Noch ist zu berichten, daß des Hans Hinrich von Erlenkamp, jüngerer Bruder Ernst, welcher 1664 als Licentiat der Rechte zu Straßburg promovirte und damals eine Disputation „de simulatis contractibus“ verfaßte, Philipp Jacob Spener zum Frende gehabt hat. Auf der Hamburger Commerzbibliothek befinden sich „votivae acclamationes quibus viro nobilissimo et clarissimo Domino Ernesto Erlenkamp cum V. Jd. Jun. summum in utroque jure gradum Licentiati solemniter capesseret gratulantur domini Patroni fautores et amici . . . . . Ao. MDCLXIV.“ Unter den genannten Gedichten ist auch eins von Spener. In der Zeitschrift des Vereins für Hamburg. Geschichte, Neue Folge, II. Bd., der wir auch diese Mittheilung über Ernst von Erlenkamp entnommen haben, ist a. a. O. p. 126 dasselbe veröffentlicht und sodann hinzugefügt: „Spener, als er die vorstehenden Zeilen schrieb, konnte nicht ahnen, daß sein junger Freund ihm dereinst (1683) den Kummer bereiten würde, ihn zu der katholischen Kirche übertreten zu sehen. Da dieser Schritt der Baronisirung der Familie unmittelbar vorherging, so dürfen wir sie wohl in Beziehung zu einander setzen.“

1731 verkaufte Johann Lorentz von Erlenkamp das Gut Niendorf a. d. St. für 38000 Thlr. an den gräflich Stolberg-Wernigerodischen Hofmeister Johann Christoph v. Scheel. Doch 1739 *) schon kam es in den Besitz der Familie von Albedyll.

(Schluß folgt.)

 

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*) Linsen statistisch. Handb. für das Herz. Lauenb. 1872 p. 404 hat hier 1738, doch 1739 ist richtig, denn im Niendorfer Kirchenrechnungsbuch ist bemerkt, daß die Kirchenrechnung pro Ostern bis Trin. 1739 von Herrn v. Scheel noch abgenommen ist.
 


 



 

 

 

 



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