Jahresband 1896

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


DER DOM ZU RATZEBURG.
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(Fortsetzung und Schluß, cfr. Bd. IV, Heft 3 p. 57).


(Fόr den ersten Teil des Aufsatzes bitte hier klicken!)


* * *

D.

BEGRÄBNISSE UND LEICHENSTEINE
IM SÜDLICHEN GANGE DER KIRCHE.

Im Eingange des südlichen Ganges von der Westseite her, ist die verwitwete Frau Stadt-Commissairin Raven aus Ratzeburg in einem gemauerten, aber nicht gewölbten Begräbnisse beigesetzt, welches laut Kauf-Contracts vom 5. April 1785 auf 80 Jahr erkauft ist. Die Grabstätte ist durch ein Viereck von Mauersteinen bezeichnet. 2. Darauf folgt das Begräbniß des Dr. med. Naumann, † 1760, und seiner Frau, † 1768, welches der darauf liegende Leichenstein zeigt, auf welchem in 2 Columnen die Inschrift steht: Hier ruhen die Gebeine des hochedelgebornen und hochgelahrten Herrn Dr. Gerhard Naumann, wail. Landsphysicus des Herzogthums Lauenburg, geboren 1697, d. 15. Nov., gest. 1760, 5. Jul. – Hier ruhet der entseelte Körper der

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wail. hochedelgebornen Frauen, Frau Anna Ilse Kramern, verehelichten Naumann, geboren 24. Aug. 1689, Gest. 24. Sept. 1768.

3.

Weiter hinauf ist Demoiselle Zeitz in einem Sandbegräbnisse beerdiget Anno 1778.

4.

Zur Rechten nach der Capelle hin, liegt ein Leichenstein mit der Aufschrift:
Jochim Borchert Ao. 1547 zu Sterley in Niedersachsen geboren, und Anno 1618, 1. Decemb. im 71. Jahr seines Alters gestorben, ist allhier begraben.
(Er ward auch Schwipert genannt, hatte viele Jahre auf dem Palmberg gewohnt, und vermachte dem Dom-Hospital 50 Mk. Capital, dazu kommen Ao. 1621 noch 100 Mk., die er seiner Schwiegermutter legirt hatte.)

5.

Darneben zur Linken liegt ein Leichenstein mit der Inschrift:
Christoffer Gerlich und seinen Erben. Anno 1543 ist Christoffer Gerlich, Papiermacher, in Meißen zu Fuersbach geboren und 1619, 19. Febr. gestorben, Seines alters in - - (dies ist verwischt) liegt allhier begraben. Gertrud, Seine Hausfrau, starb Ao 1619, 19. Decbr., ihres alters im 62. Jahre. (Er wohnte auf der Papiermühle an der Mechower Mühlenbeck, und legirte dem Dom-Hospital 25 Mk. Capital. Seine Witwe schenkte dem Hospital vor ihrem Tode 12 Mk.)

6.

Hierauf folgt das Begräbniß des wail. Herrn Cammer-Raths Siemssen und seiner Familie. Unter einem alten, etwa 2 Fuß im Quadrat haltenden Grabstein, worauf Anno Dn. 1538 zu lesen ist, und über welchem ein viereckter Ziegel-

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stein mit der Jahreszahl 1779 liegt, ruhet die Leiche des am 14ten May 1779 verstorbenen Herzogl. Meckl.-Strelitzischen Herrn Cammer-Raths Siemssen; linker Hand neben derselben längs den Stühlen No. 82 bis 76 die Witwe desselben seit 1786, und vor den Füßen beider Leichen, neben den Kirchenstühlen No. 75 bis an die Hälfte des dritten Pfeilers hinunter, sind die Kinder derselben begraben An. 1726. 1730. 37. 47. (Von den nachgelassenen Töchtern desselben ist eine im Jahr 1807, die Anderen 1811 auf dem Kirchhofe, unweit der Blockthür, begraben.)

7.

Unter dem alten Leichenstein, auf welchem von der weggetretenen Umschrift weiter nichts zu lesen ist, als die Wort - - starf dorotea vo welghe renner plesse - - daldorp - - -, wie auch neben demselben vor der westlichen Hälfte der Lauenburgschen Prieche und neben den Kirchstühlen No. 72. 73. 74 liegt der Bruder der Frau Consistorialräthin Kohlreif, H. Wichmann, † 1747, wie auch einige Kinder des H. Consistorialraths Kohlreif begraben.

8.

Weiter hinauf folgt das Gutzmersche Begräbniß, diesseits des Pfeilers, an welchem das Bildniß des Sel. H. Probstes Gutzmer hängt. In demselben ist er selbst Ao. 1703, seine Witwe Ao. 1716, seine Tochter, die verwitwete Regiments-Quartiermeisterin Schönberg Ao. 1748, und deren Tochter, die Dselle Schönberg Ao. 1779 begraben. Auf dem Begräbniß liegt ein alter Leichenstein, auf welchem die Worte eingehauen sind:

Dormitorium Laurentii Gutzmeri, ecclesiae hujus pastoris et praepositi. Nat. A. 1636,d. 16: Febr: vocat. 1667 fest. Mich. Denat. 1703 d. 30. Nov.

An dem Rande herum aber ist die alte Umschrift des Grabsteins stehen geblieben:

__     __

___

 
Ano dni. MCCCCLXVIII ipso die bte kathrine Vgis. venerabil. dns.
      _____    
marquard.   drun. vicari. hujus. ecce. or. p. eo.

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9.

Unter dem Gutzmerschen Epitaphium, neben dem Eckpfeiler, liegt ein alter Leichenstein, mit der größtentheils verwischten Umschrift:

    _____  

 

 
An dni. M. D. X. V. - - -. ecclie Raceburgen. Canonicus. O. p. eo.

In dieser Gegend sind einige Kinder des wail. Probstes Ditmar, unter andern drey zugleich im Jahre 1751 verstorbene begraben.

10.

Darauf folgt weiter hinauf das so genannte gemeinschaftliche Gewölbe, worin seit 1676, da es erbauet worden, viele Leichen beygesetzt sind. die in dem Sterberegister verzeichnet stehen. Der Eingang zu demselben ist unter dem alten Grabstein, neben dem Eckpfeiler des Chores, auf welchem von der Umschrift noch zu lesen ist:

Anno dni. M.CCCC.XXVIII in die thimothei ep.

Das Begräbniß ist gemauert, aber nicht gewölbt, sondern mit Bohlen bedeckt. Und eine durch eine Mauer abgesonderte Abtheilung desselben nach der Ostseite hin ist im Jahre 1796 an die Erben der wail. Regierungs-Räthin von Schrader geb. von Wackerbarth zum Erbbegräbniß auf 140 Jahre verkauft worden. Dies ist das folgende

11.

von Schradersche Begräbniß, in welchem die Leiche des am 20. Febr. 1794 verstorbenen Hrn. Major von Schrader, nebst der bereits am 9ten April 1791 verstorbenen 4jährigen Tochter desselben, welche vorher im gemeinschaftlichen Gewölbe gestanden hatte, und endlich die Mutter des Herrn Majors, die verwittwete Regierungsräthin von Schrader, geb. von Wackerbarth, im Jahr 1795 beygesetzt ist. Der darüber liegende Leichenstein enthält die Inschrift:

Eleonora Margareta von Schrader geb. Wackerbarth aus dem Hause Tüschenbeck ging zu Gottes Ruh den 31. Dec. 1795 am Abend eines stillen thatenvollen Lebens. Liebende

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Kinder und Enkel trauren um Ihren Verlust. Ihre Gebeine ruhen nach Ihrem Willen neben Ihrem früher vollendeten guten Sohne, dem Major Friedrich Ulrich von Schrader, Erbherrn auf Walmstorf zu Gott gegangen d. 20. Febr. 1794. Seiner traurenden Witwe, geb. von der Lühe, und seinen Söhnen unvergeßlich. Sie wandelten Gottes Wege und hatten großen Frieden.

(Der Eingang zu diesem Gewölbe geht durch das gemeinschaftliche Gewölbe, und ist nach Einsenkung der letztgedachten Leiche zugemauert worden.)

12.

Weiter hinauf ist die Grabstätte des ehemaligen canonici et Senioris Petrus Claus (†1637) unter dem Leichenstein der die Aufschrift hat:

Petrus Claus, hujus ecclessiae Canonicus et Senior. Obiit M. D. C. XXX. VII d. 1. Octob., aetatis suae 79.

Darüber steht:

Jesus Christus resurrectio et vita nostra. Joh. XI.

An den 4 Ecken sind runde Schilder, worin die Worte stehn:

Oriendo
morimur

Moriendo
orimur

Mors vitae
terminus

Mors vitae
principum

13.

Vor dem Windfang bey der großen oder Blockthür ist das Begräbniß des wail. Chur-Hannöverschen Generals von Maider und seiner Tochter, der Frau von Alten, welches laut Kauf-Contractes vom 15. Nov. 1745 auf 80 Jahre verkauft ist. Auf dem darüberliegenden Leichenstein steht:

Hier ruhet in Gott Christian Julius Maider, Ihro Königl. Mayestät von Groß-Brittanien und churfürstl. Durchl. zu Braunschweig und Lüneburg, bey denen teutschen Trouppen bestallter General-Major, Obrister über ein Regiment In-
 

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fanterie und Commandant dieser Stadt und Festung Ratzeburg, ist geboren 1673 den 26. Julii des Morgens 10 Uhr. Gestorben 1746 d. 17. Jun. seines Alters 72 Jahr 10 Monat 17 Tage hat gedi . . 54 Jahr – und sein einziges Kind Margaretha Juliana Friederica Maider, verehlichte Frau von Alten, geb. d. 9. Oct. 1719, gest. den 21. Oct. 1745 ihres Alters 26 Jahr 2 Tage.

Dieser beyder Seele Gott gnädig sey! Anno 1745 –
Philipp. a. 2te v. 23. Ich habe Luft abzuscheiden und bey Christo zu seyn.

14.

Vor der Treppe zum Chor, unter dem dort liegenden glatt getretenen Leichenstein, ist der Eingang zu dem v. Falkenbergschen Begräbniß, welches für den am 8ten August 1678 verstorbenen Major Christian Wilhelm Salfort von Falkenberg, Commandant auf der Vestung und dem Schlosse Ratzeburg, auf Kosten der Erben ausgemeuert worden. (vid Sterbe-Register ad. h. a.) und in welches die Leiche desselben am 8ten Sept. 1678, und seine hinterlassene mehr als 80jährige Wittwe Ao. 1720 beygesetzt ist. Auch ist im Jahre 1698 Hr. Nicolaus Heinr. Bünsow, Fürstl. Meckl.-Rath und Director des Fürstenthums Ratzeburg, ein Schwager des wail. Herrn Major von Falkenberg, darin beygesetzt worden.

In neueren Zeiten sind drey Fräulein von Falkenberg, nämlich 1. Maria † 1789, 2. Agneta † 1793 und 3. Florabella † 1793 an dieser Stelle im Sande begraben worden.

Auf der einen dieser Grabstätten steht die Jahreszahl 1793 auf einem Mauerstein eingegraben.

15.

In der Ecke zwischen dem Lauenburgschen Gewölbe und der Sprützen-Kammer ist der Herr Geheime Canzley-Rath Hildebrand bey hiesiger Herzogl. Regierung, im Jahr 1757, desselben Frau 1780 und ihre zwey jüngsten Kunder † 1776 und 1780 im Sande begraben.

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Die Grabstätte des erstern zeigt der Mauerstein, auf welchem die Jahrzahl 1757 steht.

16.

Eben daselbst liegt der Grabstein des ersten Ratzeburgschen Bischofs mit der Aufschrift:

  ____  
Evermodus epus primus.

17.

Nach der südöstlichen Ecke hin ist das Begräbniß des wail. Fürstl. Mecklenb. Geheimen Legations-Raths Kayser † 1652 unter dem Leichenstein, der die Umschrift am Rande hat:

Seelig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach. Apoc. 14 v. 13.

Auf dem Stein steht:

Der wohledler und hochgelahrter H. Abraham Kayser, J. V. D. und Fürstl. Mecklenburgischer wohlverdienter Geheime und Legationsrath ist Ao 1603 in der Stadt Soest in Westphalen geboren, am 30. 7bris 1652 zu Dobberan in Christo selig gestorben und allhier in sein und der Seinigen Begräbniß beigesetzet. – Dessen Hr. Schwiegervater der wohledler und hochgelahrter Henricus Angelius Weidenhagen J. C. C. und der Röm. Kaiserl. Maj. gewesener Rath und Residens in Lübeck ist zu Helmstädt Ao 1581 geboren, im wahren Glauben an Christum am 26ten xbris 1652 selig allhier gestorben und beygesetzt.

18.

In der südöstlichen Ecke unter dem Fenster ist der Grabstein des 21ten Ratzeburgschen Bischofs Pardanus v. Knesebeck † 1440.

19.

Diesseits desselben längs der Seite des Windfanges liegen hintereinander in geringen Zwischenräumen drey kleine etwa anderthalb Fuß im Quadrat haltende Grabsteine ehemaliger hiesiger Bischöfe, nähmlich:

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a) Gottschalk   6ter Bischof † 1230.
b) Isfridus   2ter Bischof † 1204.
c) Petrus   7ter Bischof † 1236.

20.

In der Sprützen-Kammer, in der Mitte, liegt der Grabstein des 23. Ratzeburgschen Bischofs Johannes III. Preen † 1461.

21.

Eben daselbst, vorn an, ist das Begräbniß des ehemaligen Dom-Probstes Hartwig von Parkentin † 1642, d. 9. Decemb. und d. 26. Jan. 1643 begraben. Auf dem darüber liegenden Leichenstein steht am Rande herum in doppelter Reihe:

Der Wohl-Ehrwürdiger, Wohl-edler, Gestrenger und Vester Herr Hartwig von Parkentin, Landrath, zu Zecher und Niendorf Erbgesessen, ist 1578 am Tage Simonis und Judae geboren, anno 1583 Domherr worden, anno 1621 der
6te Dom-Probst erwählet, anno 1642, d. 9. Decemb. im festen Glauben an Christum gestorben, dessen Körper an diesem Ort ruhet, der frölichen Auferstehung zum ewigen Leben erwartend.

Auf dem Stein steht unter dem Wappen:
1. Joh. 1. Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.

22.

In der hintersten Capelle, diesseits der Blockthür, an der östlichen Seite, ist das Begräbniß des wail. Superintendent Dr. Petraeus, grade unter dem Epitaphio desselben, mit einem Leichenstein, auf welchem aber, da er meist verwittert ist, von der Inschrift fast nichts weiter zu lesen ist, als an dem nördlichen Rande die Worte:

- - - H. Nicolai Petraei, der heil. Schrift Doct. und General-Superintendentis des Stifts Ratzeburg - - -

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23.

Eben daselbst, in der Mitte der Capelle, liegt ein großer Bischöflicher Grabstein, von welchem aber nicht bloß die Bischofs-Mütze und Insignien, sondern auch die ganze Platte am Rande herum, welche von Metall gewesen, samt der Unterschrift abgerissen sind, daher nicht mehr zu erkennen ist, welcher Bischof unter demselben begraben liegt.

24.

In eben dieser Capelle, an der Westseite, ist der Grabstein des wailand Domprobstes Nicolaus v. Gulen (oder Guelen), grade unter dem Epitaphium desselben. An dem Rande herum stehen in doppelten Zeilen die Worte:

Joh. XI. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet und gläubet an mich, der wird nimmermehr sterben.

Auf dem Steine stehen oben zwei Wappen:

H. Nicolaus von Guelen. Anna von Linsthowen.

Weiter unten:

Der wohlerwürdiger, wohledler, gestrenger und Vester H. Nicolaus von Guelen, geb. Anno M.D.L.XXII. XXI. April, in das Stifft Ratzeburg eingetreten Ao. M.D.C.XII, Dom-Probst geworden Ao. M.D.C.XLIII, gestorben Ao. M.D.C.XLVII. XVI. Octobr. – mit dreyen Kindern: Hartwig Heinrich, Jungfrawen Ingborg Margaretha und Anna Dorothea von Guelen. Welchen Stein ihme seine H. L. Hausfrawe legen lassen Ao. 1649.

25.

In der vordersten Capelle ist am östlichen Ende derselben in einer gemauerten, aber mit Sand gefüllten Gruft, die Frau Justiz-Räthin Seip im Decemb. 1788 begraben. Neben der Leiche ist noch ein Platz im Sande südwärts nach dem Fenster hin ledig.

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E.

BISCHÖFLICHE BEGRÄBNISSE IN DER DOMKIRCHE.


Von den 29 Bischöfen, welche das Stift Ratzeburg gehabt hat, sind 25 in der Domkirche begraben. Die übrigen vier sollen, nach Doct. Petrei Bericht anderswo, der eine, Philippus, zu Verona in Italien, der andere, Henricus III, zu Schönberg, der dritte, Georg v. Blumenthal, zu Fürstenwalde, und der vierte, Christoph von der Schulenburg, in Marcha begraben sein. Es sind aber nicht alle in der Domkirche befindliche Begräbnisse der Bischöfe mit Grabsteinen bezeichnet; manche dieser Steine liegen zum Theil unter den Kirchenstühlen versteckt, von anderen sind die Inschriften weggetreten und verwischt, oder die darauf befindlichen gewesenen messingenen Platten und Insignien abgerissen, sodaß nicht zu erkennen ist, welcher von den Bischöfen darunter begraben liegt.

Von den elf ersten Bischöfen sind noch acht Grabsteine vorhanden, welche alle von einerlei Größe und Arbeit sind, etwa 1 Ό Fuß im Quadrat und in drei Zeilen den Namen und die Zahl des Bischofes enthalten. Die übrigen sind größer und haben um das Bildniß des Bischofs die Umschrift am Rande herum in Mönchsschrift.

1.

Evermodus, der erste Bischof zu Ratzeburg von 1148 oder 1154 an, bis 1180. Sein Grabstein liegt im südlichen Gange der Kirche, in der Ecke zwischen dem Lauenburg. Gewölbe und der Sprützenkammer, ist 1 Ό Fuß im Quadrat groß und hat die Inschrift in drei Zeilen:

 

____

 

euermodus

epus

primus.


2
.

Isfridus (Sigfridus), Bischof, von 1180-1204. Sein Grabstein, 1 Ό Fuß im Quadrat, liegt im südlichen Gange, oben an der Seite des Windfanges bei der Blockthür, mit der Aufschrift:

 

____

 

isfridus

epus

secund.

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3.

Philippus (1204-1215). Es findet sich kein Grabstein. (Wurde in Verona begraben.)

4.

Henricus (1215-1228). Sein Grabstein, 1 Ό Fuß im Quadrat, liegt im mittelsten Gange, und hat die Aufschrift:

 

____

 

henricus

epus

quartus.

5.

Lambertus (1228-1229). Der kleine Grabstein desselben im mittelsten Gange hat die Aufschrift:

 

 

____

lambertus

quintus

epus.

6.

Godeschalcus (1229-1230). Sein kleiner Grabstein liegt im südlichen Gange an der Seite des Windfanges. Aufschrift:

 

 

____

gotschalc

sextus

epus.

7.

Petrus, Bischof (1230-1236). Der Grabstein desselben liegt ebenfalls im südlichen Gange beim Windfang, ist 1 Ό Fuß lang und breit, und hat die Inschrift:

 

____

 

petrus

epus

septimus.

8.

Ludolphus (1236-1249). Von diesem findet sich kein Grabstein.

9.

Friedericus (1249-1256). Auf dem kleinen Grabstein desselben im mittelsten Gange steht:

 

 

____

fridericus

nonus

epus.

10.

Ulricus de Blücher (1256-1283). von ihm findet sich kein Grabstein in der Kirche, aber eine Inschrift an dem westlichen Giebel und der Mauer des Kreuzganges. *)
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*) Vor dem Chor im mittelsten Gange: anno Dni. MCCLXXXIIII XVII kl; Febr. . . . cu sedesset annis XXIII msbs. VI diebs VII.

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11.

Conradus (1283-1291). Sein Grabstein liegt im mittelsten Gange, ist 1 Ό Fuß groß und hat die Inschrift:

 

 

____

conradus

undecimus

epus.

12.

Hermannus de Blücher (1291-1309) Es findet sich kein Grabstein. *)

13.

Marquardus de Jesow (1309-1335). Der Grabstein desselben liegt mittelsten Gange, nach dem großen westlichen Fenster hin, und hat die Umschrift an dem Rande herum:

__

   
Ano dni. M.CCCXXXV die beati ambrosii obiit venerabilis pater et dns.
marquardus, hujus eccl. ep. tredecimus, pontificatus sui

__

   
ano XXVI cujus anima per misericordiam die requiescat in pace.

14.

Volbradus von Dorne (1335-1355). Auf seinem Grabstein im mittelsten Gange, vor der Kanzel, ist die Umschrift:

__

   
Ano dni. M.CCC.LV. in. die. beati. Severini obiit. venerab. pater. et. dns.

 

 

__

Volradus. hui. eccl. ep. qrtus. decimus. pontificatus. sui. anno. vicesimo. 
primo. or. pro. eo.

15.

Otto von Gronow (1356-1357). Der Grabstein desselben ist nicht bekannt.

16.

Wipertus de Blücher (1358-1367). Der Grabstein desselben liegt im mittelsten Gange nach dem Chor hin, an der Nordseite, und ist zum Theil durch den Kirchenstuhl No. 25 verdeckt, daher die Umschrift, welche außerdem an der einen Ecke weggetreten ist, nicht ganz zu lesen. Am 22. Juli
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*) Er lag sonst unter der nördlichen Chortreppe, liegt seit 1878 daneben.

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1811 wurde der Stuhl so weit in die Höhe gehoben, daß die Jahrzahl und die bedeckt liegenden Buchstaben zu lesen waren. Die Umschrift ist, so weit sie noch nicht verwischt ist, folgende:

Anno dni. M.CCC.LXVII inoctava nativitatis marie obiit

venerabilis pater t. dns. - - - blücherr huius ecclie episcopus: cuis.

___

 

aia per misericordia dni. requiescat i. pace.

17.

Henricus II v. Wittorp (1368-1388) Ein Grabstein findet sich nicht.

18.

Gerhardus (1388-1395) Sein Begräbniß ist wahrscheinlich im mittelsten Gange nach dem Chor hin, an der Südseite unter dem Grabstein, der zum Theil durch den Kirchenstuhl No. 3 verdeckt ist. Die Umschrift, so weit sie außer dem Stuhl zu sehen, ist zwar größtentheils weggetreten und verwischt; doch sind am oberen Rande noch deutlich die Buchstaben:

     __  
. . . . nagesimo quinto,

welche zur Jahrzahl des Todesjahres gehören, zu lesen. Diese Zahl 95 paßt aber zu keines anderen, als des Bischofs Gerhardus Todesjahr, der Ao. 1395 gestorben ist.

19.

Detlev von Parkentin (1395-1419). Der Grabstein im mittelsten Gange, nach dem großen Fenster hin, der mittelste unter den drei daselbst liegenden Steinen, hat die Umschrift:

Anno : dni : M.CCCC.XIX : intra : octauas : epiphanias : o venerabilis :

 

__

 

pater. t. dns. : detlephus : de parkentin :

epc :

decims : nonus : huius :

_____

 

__

ecce : pontificatus : sui : anno : XXIIII : cuius aia : requiescat : in : pace.
 

Johannes I. Trempe (1419-1431). Sein Grabstein liegt im mittelsten Gange, zum Theil unter den Kirchenstühlen No. 43. 44. 45. Die Umschrift ist:

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__

___

   
Ano dni. M.CCCCXXXI in die evglste luc. obiit venerabilis pater t.

___

___

  ____
dns. Ihes. de Trempa epus raceburgesis XX in romana curia
confirmatus et consecratus.

21.

Pardamus von Knesebeck (1431-1440). Sein Grabstein liegt im südlichen Gange, in der südöstlichen Ecke bei der Sprützenkammer *) und hat die Umschrift:

__

___

           
Ano dni. M.CCCCXI . sexto die mensis octobris o venerabil. i.

___

___

           
Chro pater dns. pardamus d. Knesebecke hs.

____

___

 

___

___

___ 

__ ___
ecce epc. XXI i. roana curia  secrat. et

firmats.

cs. aia in pace reqescat.

22.

Johannes II. Proel (1440-1454). In der offenen Kapelle an der Nordseite des hohen Chores, wo das Bülowsche Epitaphium ist, liegt der Grabstein desselben mit der Umschrift:

 

___

           
Anno dni. M.CCCC.LIIII decima septima die mensis martii obiit venerabilis
 

 

 

___

 

___

___ ___
 pater et dns.  Johaes prohl huis ecce epc. XXII cuius aia per
misericordia dei requiescat in pace Amen.

23.

Johannes III Preen (1451-1461). Sein Grabstein **) liegt in der Mitte der Sprützenkammer und hat die Umschrift:

 

 

     

___

___ ___
Anno

dni.

M.CCCC.LXI.

in die

dinoysii o

veabilis

 pr. dns.
___

 

____

 

 

___

___  
Johs.

preen

hs. ecce

epc.

XXIII

roe

firmat et secrat
  ___            
cs. aia

req. i. pace.

         

24.

Ludolphus II. von Mölln (1461-1466). Sein Grabstein im mittelsten Gange, zur Hälfte durch den Stuhl No. 17 verdeckt, ***) hat die Umschrift:

Anno

dni.

M.CCCC.LXVI.

mensis

Januarii

die II.

 o pater dns.
Ludolphus

II ds. huius

ecclie

raceburg.

eps

XXIIII cuius
___     ___        
aia reqescat i. pce.        

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*) Seit 1878 in der neuen Taufkapelle.
**) Ist verschwunden, war bei der Restauration 1876/80 nicht mehr da.
***) An der Südwand aufgerichtet 1879.

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25.

Johannes IV. Stahlkoper (1466-1479). Sein Grabstein liegt im mittelsten Gange, zum Theil unter dem Stuhl No. 15. Die Umschrift, welche sich, sowie auf dem vorhergehenden ungemein scharf und deutlich erhalten ist, ist diese:

Anno : dni : M : CCCC : LXXIX : XXI : die : mensis : Januarii : o :
 

____

 

__

__       ___
felicis : meorie : reverds : 1 :

Chro :

pr. et : dns. : Jhes :
   

____

 

___

   
Stalkoper : dei : graa : hs : eccle raceburgens : ep :
 

___

     
XXV : artium : libalium : mgr : medicine : docts. : or. p. eo.

26.

Johannes V. von Parkentin (1479-1510). Ein Grabstein desselben ist nicht aufzufinden. (Dieser Bischof hat die Domkirche, so wie sie jetzt ist, gebauet, und den Mittelgang, der vorhin den beiden Nebengängen gleich war, höher machen lassen, (S. Schröder pap. Meckl. p. 2295) auch die Kapelle zu Bennin erbauet (ibid pa. 2709).

27.

Henricus III. Bergmeyer (1511-1524) starb zu Lübeck und ward in der Kirche zu Schönberg vor dem Altar begraben.

28.

Georg von Blumenthal (1524-1551). Er war zugleich Bischof zu Lebus bei Frankfurt an der Oder, und soll, nach Peträi Bericht, zu Fürstenwalde an der Spree, in der Mittelmark Brandenburg, begraben sein.

29.

Christoph von der Schulenburg 1551 zum Bischof erwählet, resignirte aber 1554 und soll nach Petraei Bericht, in Marcha (wie es in diesem Bericht heißt) begraben sein.

Nach dieser Zeit folgten, theils als Administratores des Stifts, theils als postulirte Bischöfe, bis zur Säcularisirung des Stifts Ratzeburg:

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1) Christoph (als Bischof II) Herzog zu Mecklenburg, Administrator des Stifts Ratzeburg, und Coadjutor des Bisthums Riga, starb zu Tempzin in Mecklenburg und ist in der Domkirche zu Schwerin beigesetzt † den 3ten Januar 1592.

(Administr. 1554-1592.)

2) Carl, Herzog zu Mecklenburg, des vorigen Bruder und Coadjutor, ward Administrator des Stifts, hielt sich viel zu Schönberg, aber auch zu Mirow auf, starb zu Sternberg während des Landtages den 22ten July 1610 und ward zu Bützow begraben.

(Administr. 1592-1610.)

3) Augustus, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, war schon 1596 zum Coadjutor erwählt, ward 1610 Administrator und starb den 10ten Octob. 1636.

(Administr. 1610-1636.)

4) Gustav Adolph, Herzog zu Mecklenburg, ein Sohn des schon vorher zum Coadjutor erwählten Herzogs Johann Albrecht, der aber den 23sten April 1636 zu Güstrow gestorben war. Er ward nach dem Tode des Herrn Augustus von Braunschweig-Lüneb. 1636 als postulirter Bischof des Stifts Ratzeburg von dem Kapitel erwählt, mußte aber dasselbe vermöge des Westphälischen Friedensschlusses 1648, als ein säcularisirtes Fürstenthum, an den Herrn Adolph Friedrich zu Mecklenburg-Schwerin abtreten, wogegen er zwei Canonicate, (in Magdeburg und Halberstadt) wie auch zwei im Dom zu Straßburg (falls die Protestanten dergleichen daselbst hätten) zur Entschädigung erhielt. Sein Name und Wappen steht übrigens an dem einen Kapitelsstuhl auf dem untern Chor an der nördlichen Wand.

(Postul. Bischof 1636-1648.)

Außer den angeführten Bischöflichen Grabsteinen, finden sich noch zwei dergleichen in der Domkirche, von denen sich aber nicht angeben läßt, welcher Bischof darunter begraben

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liegt. Der eine ist ein großer Grabstein, in der obersten, sogenannten Petraei-Kapelle, im südlichen Gange; von welchem sowohl die Bischöflichen Insignien, als die Platten um den ganzen Rand herum, worauf die Umschrift gestanden, und welche von Messing gewesen, abgerissen sind, daher Nichts darauf zu lesen ist. *)

Der zweite ist ebenfalls ein großer Grabstein, welcher im nördlichen Gange, zwischen den Dalldorpschen und Parkentinschen Begräbnissen liegt. Davon sind die Bischöflichen Insignien, welche von Messing gewesen, abgerissen und die Umschrift am Rande herum so weggetreten, daß nichts mehr zu lesen ist. **)

F.

SACHSEN-LAUENBURGSCHES BEGRÄBNISZ-GEWÖLBE.

Das Hochfürstl. Sachsen Lauenburgsche Begräbniß-Gewölbe unter dem Chor der Domkirche zu Ratzeburg zu welchem der Eingang auf der südlichen Seite neben der Treppe zum Chor befindlich ist, ist 30 ½ Fuß von Süden nach Norden lang und 9 ½ Fuß breit. Es sind darin folgende 4 Fürstliche Leichen, sämtlich in zinnernen Särgen in untenstehender Ordnung, beigesetzt, und zwar am nördlichen Ende:

No. 1.

Die Durchlauchtigste Hochgeborne Fürstin und Frau, Frau Catharina, Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, geborne Gräfin zu Oldenburg und Delmenhorst, Frau zu Jever und Kniephusen, ist zu Oldenburg geboren Ao. 1582 den 20. Sept., verheirathet Ao. 1633 dn. 4ten Junii und gestorben Ao. 1644 dn. 29ten Febr. (Das Epitaphium derselben steht auf dem hohen Chor neben dem Altar.)

No 2.

Anno 1626 am 22. Oct. den 20sten Sonntag n. Trinitatis, nach 4 Uhr vor Abends, ist der Durchlauchtige und
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*) Wahrscheinlich der 26. Bischof, Joh. V. v. Parkentin.
**) Dies ist der Grabstein des Bischofs Hermann v. Blücher Nr. 12.

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Hochgeborne Fürst und Herr, Herr Johann Adoph, Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen, auf der Veste Ratzeburg geboren, und Anno 1646 am Tage Georgii dn. 23. Aprill um ½ 1 Nachmittag in wahrer Anruffung Gottes und gewisser Hoffnung der fröhlichen Auferstehung von den Todten, sanft und seelig entschlafen, seines Alters 19 Jahr 6 Monath 1 Tag, dessen Körper in diesem Fürstlichen Erbbegräbniß beygesetzt worden.

No 3.

Von Gottes Gnaden Augustus, Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen, ist geboren Ao. 1577 dn. 17. Febr., hat Ao. 1594 einen Feldzug in Ungarn wider die Türken gethan, Ao. 1619 im Octobr. die fürstliche Regirung angetreten, und ist Ao. 1656 dn. 18. Jan. zu Mittag Ύ auf 12 Uhr in Christo, seinem Erlöser, sanft und selig entschlafen, nachdem Er in das 37te Jahr regiret, und 78 Jahr 11 Monat und 1 Tag gelebet, dessen Seele Gott Gnädig sey, diesem Fürstl. Erb-Begräbniß beygesetzt, eine fröhliche Auferstehung verleihen wolle.

No 4.

Die Durchlauchtigste Fürstin und Frau, Frau Elisabeth Sophia, geborne Hertzoginn zu Schleswig-Holstein, Hertzoginn zu Sachsen, Engern und Westphalen, ist zu Gottorf Ao. 1599 den 12. Oct. zwischen 9 und 10 Uhr zu Abend geboren, Ao. 1620 dn. 5 Mart. dem Durchlauchtigsten Hochgebornen Fürsten und Herrn, Herrn Augusto, Hertzogen zu Sachsen, Engern und Westphalen auf dem Schloß zu Husum ehelich beygesetzt, Ao. 1627 in der auf den 24. Novbr. nächstfolgenden Nacht, zwischen 1 und 2 Uhr auf der Veste Ratzeburg ruhesam und selig gestorben, Ao. 1628 dn. 13. Febr. allhier niedergesetzet, und wartet der frölichen Auferstehung ihres Leibes von den Todten.

Der Eingang zu diesem Begräbniß-Gewölbe ist auf der Südseite des Chors, unten neben der Treppe zum Chor. Auf der Thür steht obenan das Wappen mit der Jahrzahl 1636.

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V. G. G. A. H. Z. S. E. U. W.

Renovatum Ao. 1692.

Renovatum Ao. 1792.

V. G. G. H. S. H. Z. S. E. U. W.

Außer den oben angeführten Inschriften, die auf der obern Fläche der Deckel stehen, sind noch sonst viele Zeichnungen von Wappen, Crucifixen etc. und viele Bibelsprüche, sowohl auf den Deckeln als auf den untern Seitenflächen der Särge eingegraben.

An der nördlichen Mauer, hinter den Särgen, steht ein hölzerner Kasten, worin 8-10 Schädel und mehrere Gebeine ehemals hier beygesetzter Leichen zusammengelegt sind, nachdem die hölzernen Särge, worin sie ehedem gelegen, vergangen sind. –


G.

HERZOGLICH SACHSEN-LAUENBURG.
BEGRÄBNIS-GEWÖLBE AN DER WESTSEITE DES CHORS.

Dieses Gewölbe befindet sich unter dem untern Chor an der Westseite, grade unter der kleinen Kanzel oder dem Lectorio, ist ohngefähr 12 Fuß lang und eben so breit, und geht etwa 3 Fuß in die Erde hinunter. Es stehen darin 8 zinnerne Särge, 5 große und 3 kleine. Zwey der erstern sind jedoch gänzlich zerfallen, indem der eine keinen Boden, der andere noch mehr verwitterte und fast ganz verkalkte, keinen Deckel mehr hat, und die Seitenwände ganz durchlöchert, und zusammengebogen sind. Sie enthalten die Leichnamen einiger Fürstlicher Personen aus dem Hause Sachsen-Lauenburg, nämlich:

1) Der Herzoginn Sibylla, des Herzogs Franz I. (gest. 1581) nachgelassene Wittwe † 1592.
2) Des Prinzen Philipp, des H. Franz II. Sohns, geb. d. 17ten August 1578, gest. 1605 18. April.

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3) Der Princessin Maria, Canonissin zu Gandersheim, geb. 18. Febr. 1576, gest. 13. Mart. 1625, eine Tochter des H. Franz II.
4) Des Herz. Augustus Princessin Tochter Sophia Margareta, geb. 6 August 1622, gest. 6 Mart 1637.
5) Desselben Prinz Franz August geb. 14. Jul. 1623, gest. 19. Apr. 1625.
6) Desselben Prinz Philipp Friederich geb. 11. Nov. 1627, gest. 16 ejusd.
7) Ein kleines Kind in einem Sarge woran gar keine Inschrift befindlich.
8) Ein gänzlich zerfallener Sarg ohne Deckel und Inschrift. Die Särge stehen auf dem Fußboden jedoch etwas erhöhet von Norden nach Süden in folgender Ordnung:

No 1.

Ein großer, aber gänzlich zerfallener zinnerner Sarg, wovon weiter nichts, als die sehr verkalkten und verbogenen Seitenwände übrig ist, auch der Deckel ist nicht mehr vorhanden.

No 2.

Über dem ersten steht ein anderer, ebenfalls sehr verwitterter zinnerner Sarg, wovon der Boden ausgefallen und nicht mehr vorhanden ist.Jedoch läßt sich auf dem Deckel, welcher platt ist, etwa in der Mitte noch die Zeichnung eines Crucifixes und eines Wappens erkennen, welche oben und unten durch ein bogenförmiges Band eingeschlossen sind, auf welchem die Inschrift steht:

Auf dem obern Bande:

V. G. G. S. G. Z. S. D. V. M. H. Z. S. E. V. W. W.

Auf dem unteren, welches noch ein kleineres unter sich hat:

Und ist ihr Alter gewesen 77 Jahr. Gestorben den 18. Juli Anno 92.

(Da der Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg, geboren 1498, gest. 1581, alt 83 Jahr, mit der Tochter des Herzogs Henricii Pii von Sachsen, Sibylla geb. 25. Febr.
 

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1515, Anno 1540 vermählt worden, welche den 18. Julii 1592, alt 77 Jahr, gestorben ist, so ist es wahrscheinlich diese Herzoginn, welche in diesem Sarge beygesetzt worden. Und so wäre die Inschrift zu lesen:

Von Gottes Gnaden Sibylla Gräfin Zu Sachsen Düringen Und Meißen, Herzogin Zu Sachsen Engern Und Westphalen Wittwe.)

No 3. *)

Ein großer zinnerner Sarg mit flachem Deckel aber sauber verziert und mit schön gegrabener Inschrift. Oben an steht ein unkenntlich gewordenes Wappen und darüber die Buchstaben:

G. H. - A. Z.

Darunter steht mit Römischen Buchstaben in Lapidarschrift:

Olympicis natalibus.
S.

P H I L I P P U S.

Dei munere – generosiss adolescens – pietatis exemplum – virtutisque theatrum – patriae amor ac desiderium – lumenque splendidiss. domus ab avis atavisque – antiquiss. – inclyti fortissimique herois – ac domini – D. Francisci II – divina providentia – Ducis Saxon. Angariae ac Westphal. – tunc temporis hanc oram feliciter gubernantis – ex Serenissima heroina – Margaretha – Stettin. Pomeran. etc. ducissa coelo donata – filius II genitus – natus feliciter in fortalitio ac Praesidio – Raceburg. – XVI Kal. VIIbris - - MDLXXIIX – cujus vita immortalitate erat dignissima - - - Leoburgi reddidit – XIV Kal. Maj. inter - - MDCV. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Condidit hic corpus generosus et inclytus heros. Gloria
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*) Ueber den Prinzen Philipp ist zu vergl. Bd. II. Heft 3 p. 114 ff.

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sed nullo fine premenda manet. Lux Publica. – Principis Ignis.

Das übrige ist unleserlich geworden.

No 4.

Ein zinnerner, etwa 6 Fuß langer Sarg, mit erhabenem Deckel, vielen Verzierungen und Inschriften.

Auf der Oberfläche des Deckels stehet oben an:

Vorwahr er trug unsere Krankheit, und lud auf sich unsere Schmertzen. Wir aber hielten ihn für den, der von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missethat willen verwundet, und um unserer Sünde willen geschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Friede hätten und durch seine Wunden sind wir geheilet.

Dura pati virtus. Spes mea Christus.

Darauf das Wappen und unter demselben die Inschrift: Anno 1622, 6. August zwischen 12 und 1 Uhren der Nacht ist das wailandt Durchläuchtige und hochgebore Vreulein Sophia Margaretha, Vreulein zu Sachsen, Engern und Westphahlen, uff der Veste Ratzeburgk geboren, und Anno 1637 in der uff den 6ten Martii folgenden Nacht vmb eilff Uhr, ihres alters im funfzehenten Jahre an den Flattern gar sanft und selig gestorben, und dessen Körper in diesem fürstlichen Erbbegräbniß beygesetzt worden: Röm. 14. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, darumb, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.

Auf der linken Seitenfläche des Deckels steht in der Mitte: 1. Cor. 15. 22. Gleich wie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden. Joh. 11. Jesus: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich gläubet, der wird leben ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und gläubet an mich, der wird nimmermehr sterben.

Auf der rechten Seitenfläche des Deckels: Joh. 5. Christus: Es kommt die Stunde, in welcher alle
 

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die in den Gräbern sind, werden meine Stimme hören, und werden hervor gehen, die da Gutes gethan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Uebels gethan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

An der oberen Seitenfläche des Deckels am Kopfende:

Hier liege ich und ruhe von aller meiner Arbeit, in ohngezweifelter Hoffnung der Auferstehung meines eignen Fleisches am jüngsten Tage zu ewgen Leben.

No 5.

Ein großer, 8 Fuß langer, zinnerner Sarg mit erhabenem Deckel, vielen Verzierungen und Inschriften, worin die Leiche der wail. Prinzessin Maria, Canonissin zu Ganderheim, des Hr. Franz des II und seiner Gemahlin Margaretha Tochter beigesetzt ist.

Auf der Oberfläche des Deckels sind am oberen Ende zwei Wappen eingegraben, unter welchen die Namen der Eltern der Verstorbenen stehen:

V. G. G. Franz II. H. Z. S. E. U. W.
V. G. G. Margaretha. G. Z. S. P. (Gräfin zu Stettin Pomern)
H. Z. S. E. U. W.

Weiter unten:

V. G. G. Maria, erwählte Canonissin des Stifts Gandersheim, Hertzogin zue Sachsen, Engern und Westphalen, ist geboren zue Ratzeburgk, im Jahr unsers Erlösers Jesu Christi 1576, d. 18. Februarii, Nachmittags zwischen 3 u. 4 Uhren, ist gestorben zum Schwartzenbeck, d. 13. Martii d. Morgen zwischen 3 u. 4 Uhren 1625.

Auf der rechten Seitenfläche des Deckels steht in 3 Abtheilungen von unten nach oben zu:

Apocal. 14 v. 13. Und ich hörete eine Stimme vom Himmel zu mir sagen: Schreibe: Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Wercke folgen ihnen nach. Röm. 14 v. 7. 8. Unser keiner lebt ihm selber, und keiner stirbt ihm selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn.

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Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn.

Joh. 11 v. 25. 26. Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich gläubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und gläubet an mich, der wird nimmermehr sterben.

Auf der linken Seitenfläche des Deckels in 3 Abtheilungen von oben nach unten:

Job. 19. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken. Und ich werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihm schauen, und kein Fremder.

Job. 14. Der Mensch vom Weibe geboren, lebet kurze Zeit, und ist voll Unruhe, gehet auf wie eine Blume und fällt ab, fleucht wie ein Schatten und bleibet nicht. Er hat seine bestimmte Zeit, die Zahl seiner Monden stehet bey dir, du hast ein Ziel gesetzet, das wird er nicht übergehen.

Psalm 118. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herren Werck verkündigen. Thut mir auf die Thore der Gerechtigkeit, daß ich da hinein gehe, und dem Herrn danke. Das ist das Thor des Herrn, die Gerechten werden da hinein gehen.

An der oberen Seitenfläche des Deckels am Kopfende:

Sap. 4. v. 2. Der Gerechte, ob er gleich hie zeitlich stirbt, ist er doch in der Ruhe. Denn er gefällt Gott wohl und ist ihm lieb.

No 6.

Ein kleiner, 3 Fuß langer, zinnerner Sarg, mit erhabenem Deckel, worin die Leiche des Prinzen Franz August, des Herzogs Augustus und seiner Gemahlin Elisabeth Sophia Sohnes, beigesetzt ist.

Auf der Oberfläche des Deckels stehen am oberen Ende 2 Wappen, darunter die Namen beiderseitiger Eltern:

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D. G. G. A(ugustus) H. Z. S. E. U. W.
V. G. G. E(lisabeth) S(ophia) G. Z. H. (Gräfing zu Holstein)
H. Z. S. E. U. W.

Weiter hinunter gegen die Mitte:

Anno 1623, den 14. Jul. den Morgen ein Vierthel für 6 Uhr, ist der wailandt Durchläuchtiger hochgeborner Fürst und Herr, Herr Franz Augustus, Hertzog zu Sachsen Engern und Westphalen, hochsel. Gedachtenusse auf der fürstlichen Vestunge zu Ratzeburg, auf diese Welt geboren. Anno 1624, dn. 19. April des Abends ein Vierthel nach acht Uhren, ist J. F. G. auf dem fürstlichen Hause Lowenburg in Jesu Christo entschlafen.

Auf der rechten Seitenfläche des Deckels steht der Länge nach:

Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein ander Name den Menschen gegeben, darinnen sie sollen selig werden, denn der Name Jesus Christus. A. Ge. 4.

Diesem Jesum geben alle Propheten Zeügniß, daß durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfahen sollen. A. Ge. 10.

Er ist um unserer Sünde willen dahin gegeben, und um unserer Gerechtigkeit willen auferwecket. Rom. 4.

Auf der linken Seitenfläche des Deckels:

Der keine Sünde gethan hat, und ist keine Betriegerey in seinem Munde erfunden worden. Der nicht wiederschalt, do er gescholten ward, nicht drewte, do er litte. Er gabs den hin, der da recht richtet. Der unsere Sünde selbst geopfert hat an seinem Leibe auf dem Holtz, auf daß wir der Sünde abgestorben seyn und der Gerechtigkeit leben, durch welches Wunden ihr seyd heil worden. 1. Pet. 2.

Ich bin ausgegossen wie Wasser, alle meine Knochen haben sich getrennet. Meine Zunge klebet an meinem Gaumen, und man leget mich in des Todes Staub. Ps. 22.

An der Seitenfläche des Deckels oben am Kopf-Ende stehet:

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Ich weiß, daß mein Elöser lebt, und er wird mich hernach aus der Erden auferwecken. Und werde darnach mit dieser meiner Haut umgeben werden, und werde in meinem Fleische Gott sehen. Denselben werde ich mir sehen, und meine Augen werden ihn schauen, und kein Fremder. Job. 19.

Am Fuß-Ende des Deckels:

Ich liege und schlafe ganz in Frieden, denn der Herr hilft mir, daß ich sicher wohne. Ps. 4.

Der Gerechte, ob er gleich zeitlich stirbt, ist er doch in der Ruhe. Sap. 4.

Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben von nun an. Apoc. 14.

No 7.

Ein kleiner, 2 Fuß langer, zinnerner Sarg mit erhabenem Deckel, worin die Leiche des am 11. Nov. 1627 geborenen und am 16. ejusd. gestorb. Prinzen Philipp Friedrich des H. Augustus von Sachsen-Lauenburg Sohnes beigesetzt ist.

Auf der Oberfläche des Deckels steht oben an das fürstliche Wappen mit der Jahreszahl 1627.

Darunter:

Der durchläuchtiger und hochgeborner Fürst und Herr, Herr Philipp Friedrich, Hertzog zu Sachsen Engern und Westphalen ist auf der Veste Ratzeburg d. 11. Novembris 1627, Nachmittages ein halb Vierthel nach zwey Uhren geboren und d. 16. ejusdem Nachmittages ein Vierthel nach ein Uhren seliglichen entschlafen.

Auf der linken Seitenfläche des Deckels:

Aus dem Buch der Weisheit im 2. Cap.:

Aber der Gerechten Seelen sind in Gottes Hand und keine Quaal rühret sie an. Für den unverständigen werden sie angesehen, als stürben sie, und ihr Abschied wird für eine Pein gerechnet, und ihre Hinfahrt für ein Verderben: aber sie sind im Friede. Ob sie wohl vor den Menschen viel Leidens haben, so sind sie doch gewisser

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Hoffnung, daß sie nimmermehr sterben. Sie werden ein wenig gestäupet, aber viel Gutes wird ihnen widerfahren. Denn Gott versucht sie und findet sie, daß sei sein werth sind.

 Im 5. Cap.:

Alsdenn wird der Gerechte stehen mit großer Freudigkeit, wider die so ihn geängstiget haben, und so seine Arbeit verworfen haben. Wenn dieselbigen denn Solches sehen, werden sie grausam erschrecken vor solcher Seligkeit, der sie sich nicht versehen hätten.

Auf der rechten Seitenfläche des Deckels:

Im 4. Cap.:

Der Gerechte, ob er gleich zeitlich stirbt, ist er doch in der Ruhe. Denn das Alter ist ehrlich, nicht das lange lebet, oder viel Jahre hat. Klugheit unter den Menschen ist das rechte graue Haar, und ein unbefleckt Leben ist das rechte Alter. Denn er gefällt Gott wohl und ist ihm lieb, und wird weggenommen aus dem Leben unter den Sündern. Und wird hingeruckt, daß die Bosheit seinen Verstand nicht verkehre, noch falsche Lehre seine Seele betriege.

Im 5. Cap.:

Aber die Gerechten werden ewiglich leben, und der Herr ist ihr Lohn, und der Höchste sorget fur sie, darum werden sie empfahen ein herrliches Reich und eine schöne Krone von der Hand des Herrn, denn er wird sie mit seiner Rechten beschirmen und mit seinem Arm vertheidigen.

Die Mutter dieses Prinzen, die Herzogin Elisabeth Sophia, erste Gemahlin des Herzogs Augustus, starb am 25. Novbr. 1627 und ist im großen fürstlichen Gewölbe in der Domkirche beigesetzt.

No 8.

Ein kleiner, 2 ½ Fuß langer, zinnerner Sarg mit glattem Deckel, ohne alle Verzierung und Inschrift; da der Deckel sich zum Theil aus seinen Fugen abgelöst hat, so

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sind inwendig die Stücke des vermoderten, hölzernen Sarges, worin die Leiche gelegen, wie auch die Hirnschale und einige Knochen des kleinen Körpers noch zu sehen sind. In beiden Begräbniß-Gewölben sind also folgende Fürstliche Leichen beigesetzt:

1. Sibylla, H. Franz I. von Sachsen-Lauenburg Gemahlin, geborne Gräfin von Sachsen, Thüringen und Meißen, Herzog Henrici Pii Tochter, geb. dn. 25. Febr. 1515, gest. 18. Julii 1592 (im kleinen Gewölbe No. 2).

2. Maria, des Herzogs Franz II. von S. L. Tochter, Canonissin zu Gandersheim, geb. dn. 18. Febr. 1576, gest. 13. Mart. 1625 (im kl. Gew. No. 5).

3. Philipp, des Herzogs Franz II. Prinz, geb. 17. Aug. 1578, gest. 18. April 1605 (kl. Gew. No. 3).

4. Augustus reg. H. zu Sachsen-Lauenb., geb. 17. Feb. 1577, gest. 18. Jan. 1656 (gr. Gew. No. 3).

5. Elisabeth Sophia, dessen erste Gemahlin, geb. Hzgn. zu Schleswig-Holstein, geb. 12. Oct. 1599, gest. 24. Nov. 1627 (gr. Gew. No. 4).

6. Catharina, dessen zweyte Gemahlin, geb. Gräfin zu Oldenburg-Delmenhorst, geb. 20. Sept. 1582, gest. 29. Febr. 1644 (im gr. Gew. No. 1).

Und folgende 4 Kinder H. Augustus aus erster Ehe, mit Elisabeth Sophia geb. Gräfin zu Holstein.

7. Sophia Margaretha, geb. dn. 6. Aug. 1622, gest. dn. 6. Mart. 1637 (im kl. Gew. No. 4).

8. Franz August, geb. 14. Jul. 1623, gest. 19. Apr. 1624 (kl. Gew. No. 6).

9. Johann Adolph, geb. 22. Oct. 1626, gest. 23. April 1646 (im gr. Gew. No. 2).

10. Philipp Friedrich, geb. 11. Nov. 1627, gest. 16. ejusd. (im kl. Gew. No. 7).
 

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IV.

VON DEN GLOCKEN IM THURM DER DOMKIRCHE.

Es sind drei Glocken im Thurm der Domkirche, die größte davon ist im Jahr 1727 durch den Glockengießer Lorenz Strahlborn in Lübeck umgegossen worden, nachdem die alte im Jahr 1707 vom Glockengießer Castael auf dem hiesigen Kirchhofe gegeossene Glocke am 21. Aug. 1727 geborsten war.

Diese neue Glocke hat auf der Rathswaage in Lübeck (welche nach dem Gießhause gebracht war, aber sobald die Glocke mit dem Gewichte nur ins Gleichgewicht gebracht, samt der Glocke und den Gewichten auf die Erde gefallen, indem der Waagebalken sich gekrümmt, die Oehsen geborsten und die Stricke zerrissen, wobei jedoch weder die Glocke noch die dabei arbeitenden Menschen Schaden genommen haben) gewogen: 23 Schpfd. 11 Ließpfd. 1 Pfd. oder 6595 Pfd.

Hierzu hat der Glockengießer empfangen:
 

Die alte Glocke, welche gewogen 18 Schpfd. 1 Lpfd. 10 Pfd. oder 5064 Pfd. dafür Gießkosten incl. des Abgangs im Feuer à Pfd. 3 ßl.   316 rthl. 24 ßl.
     
An neuem Zusatz 1531 Pfd. à Pfd. 15 ßl.   478 rthl. 21 ßl.
     
Die beiden neuen Lager wiegen zusammen 80 Pfd.
Die alten haben gewogen 40 Pfd.
   
     
Davon an Gießkosten à Pfd. 8 ßl.   6 rthl. 32 ßl.
     
Für den Zusatz von 40 Pfd. à 15 ßl.   12 rthl. 24 ßl.
     
Trinkgeld für den Gesellen   4 rthl. - - ßl.
    _____________

N. 2/3

  818 rthl. 5 ßl.
     
Für Zimmer-, Tischler-, Schmiede-Arbeit, Reisekosten, Fuhrlohn, Rüstzeug, Tagelohn, Trinkgeld beim Auf- und Abbringen der Glocke ist ausgegeben   70 rthl. 38 ßl.
    _____________

Summa

  888 rthl. 43 ßl.

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Inschriften der großen Glocke.
Auf der Vorderseite in Uncial-Buchstaben:

Im Jahr nach Erschaffung der Welt 6237. Nach der Geburt Jesu Christi des Einigen und allgemeinen Erlösers der Menschen M.D.CCXXVII.

Unter der hohen hochpreislichen Regierung des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Adolph Friederich des III.

Herzogs zu Mecklenburg.
F. D. W. Z. S. V. R. G. Z. S. D. L. R. V. S. H.
im XX Jahre

hat mit Bewilligung Herrn Barthold Christoph Balecken hochfürstl. zur Regierung des Fürstenthums Ratzeburg verordneten Geh. Cantzley-Raths diese Glocke auf der Thum-Kirche-Kosten umgießen lassen Gottfried Kohlreif Th. L. und bey gedachter Kirche P. P. C. und Structuarus, durch Laurenz Strahlborn, Stückgieser der Stadt Lübeck.

Auf der Südseite steht das Herzogl. Mecklenburg. Wappen und unter demselben drey eingegossene Münzen mit untergesetzten Namen nach den Anfangs-Buchstaben.

Am obern Rande oder der Haube steht in zwey Reihen:

Bedenkt den Tod, der Tag kommt bald Da die Posaune Gottes schallt.
Thut Buß und feyert eure Feste so,
Daß ihr damit den Himmel machet froh.


An dem untern Rande oder dem Tonring steht ebenfalls in zwey Reihen herum:

Versammelt euch, daß Hertz, Mund, Ohr und That
Dien’ eurem Gott, so wie ers gerne hat.
Ach betet früh und spat, ihr Jungen und ihr Alten
Das ihr mögt Gott Wort und Luthers Lehr behalten.

____________________

Die mittlere und die kleine Glocke auf dem Thurm sind beyde zugleich durch den Glockengießer Albrecht Benning in Lübeck im Jahr 1678 gegossen worden.

Die mittlere wiegt 13 Schpfd. 14 Lpfd. 7 Pfd. oder 3843 Pfd.
die kleine wiegt 10 Schpfd. 2 Lpfd. oder 2828 Pfd.

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Für beide zusammen ist à 2 ßl. 9 pf. für das Pfd. umzugießen, und 11 ßl. für das Pfund neuen Zusatz, überhaupt bezahlt worden   717 rthl. 16 ßl.
     
Von den beiden alten wog
die mittlere 2856 Pfd.
die kleine 1860 Pfd.
   
     
Die beiden Klöppel sind besonders bezahlt worden, und kosten auf der Bäck 21 rthl. und in Lübeck, so sie völlig fertig gemacht worden 8 rthl. 16 ßl. Mit Einschluß derselben betragen alle Unkosten an Arbeits- und Tagelohn   43 rthl. 12 ßl.
    ___________

Summa aller Kosten

  760 rthl. 28 ßl.

Die Inschriften und Verzierungen sind an beiden Glocken gleich, bloß an dem obern Rande sind die Inschriften verschieden.

Auf der mittleren steht an dem obern Rande herum:

Jehova mihi adest, non timebo, quid faciat mihi homo Psal. 118 v. 6.

Auf der kleinen steht am obern Rande:

Fidentem nescit deseruisse Deus.

Auf beiden Glocken steht an der Südseite das Herzoglich Mecklenburg. Wappen und unter demselben in 5 Reihen:

Ad mandatum Sereniss. et Celsiss. Principis ac Domini, Domini Christiani Ludovici, Die gratia Ducis Megapolitani, Principis Vandalorum, Swerini et Raceburgi Comitis Suerinensis, Terrarum Rostochii et Stargardiae Dynastae, Equitis Ordinum Regis Christianissimi.

An der Nordseite das Hoinckhusensche Wappen und unter demselben:

Dns. Henricus Hoinckhusen hujus ecclesiae Canonicus vltimus et Aedilis me fundandam curauit Anno 1678.

Am untern Rande steht auf der Nordseite:

Albert Benninck me fecit Lubecae.

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In dem kleinen oder sogenannten Kling-Thurm befinden sich drei Glocken. Zwei davon gehören zur Uhr, zu welcher die eine die Stunden, die andere die Viertelstunden schlägt. Die dritte (Kling-Glocke) wird zum Einläuten an Sonn- und Festtagen, wie auch bei Hochzeiten und Kindtaufen gebraucht. Letztere ist im Jahr 1752 durch den Glockengießer Johann Heinrich Armowitz in Lübeck umgegossen worden, und wiegt 91 Pfd., da die alte nur 67 Pfd. wog. Die Glocke, welche die Viertelstunden schlägt, war bis 1689 auf dem großen Thurm, woselbst also damals vier Glocken waren. In diesem Jahr ward sie, als die kleinste derselben, weil sie nicht gebraucht wurde, herunter genommen und nach dem kleinen Thurm gebracht, wo vorher nur eine Glocke war, welche die Stunden und halbe Stunden anzeigte (s. Vis.-Prot. 1641.)

Auch ist noch eine kleine Glocke in der Kirche an dem Balken unter dem Crucifix, welche mit der Uhr verbunden ist, und auf welche vermittelst eines von der Uhr heruntergehenden Drahtes durch einen Hammer die halben Stunden, und seit 1689 alle Viertelstunden (aber nicht die vollen Stunden) angedeutet werden (s. Vis.-Prot. 1641). Desgleichen war sonst noch eine Meßglocke bei dem Altar, welche aber nach der Kirche zu Ziethen gekommen. (S. Vis.-Prot. 1641, Fol. 103b.)

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ZUSÄTZE.

Zu S. 24 No. 4.

Das Taufbecken ist von geschlagenem Messing, sechseckig mit getriebenen Figuren, die Taufe Christi vorstellend.

Um den Rand herum steht:
Anno 1648 haben die B. Meisters von H. Hinrich Leers Mol (Mühle) dies Becken vorert. Jürgen Ruge. Jacob Mosbeck. Jasper Lickesedt. Hinrich Kol. Köne Brosel. Nillies Fliege. Abraham Aspers. Johann Becker. Johann Dernel. Hinrich Fliege.

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Zu Bd. IV, 3 S. 38 No. 11.

An dem Monumente der Frau Elisabeth v. Parkentin, geb. v. Lepeln, welches von Stein gehauen ist, befinden sich in der Hauptgruppe 3 Figuren, knieend und betend vor dem Kreuze Christi. Auf einer schräg hinauf gehenden Tafel stehen mit erhabenen und vergoldeten Buchstaben die Worte:

Ich glaube an Jesum Christum den Gekreuzigten. O, Mensch, diesen schaue an, liebe ihn, nimm sein Creutz auf dich und folge ihm.

Auf einer unten befindlichen schwarzen Marmortafel ist die Inschrift eingegraben und die Buchstaben vergoldet:

Nobiliss Elisabethae Lepeln, Adami Filiae Ao. MDXCVII d. X. Mart. natae, relictis duobus dulciss. liberis filio filiaque et superatis oibus vitae hujs. molestiis Ao. coniugii IIX. aetatis fere XXVII pie placides. in certa immortalis vitae spe Ao D.C.XXIV. IIX. Febru. denatae et heic sepultae, Coniugi dilectiss. desideratiss. hocce. constantis fidei amorisque perfectum nonumentum Hartwich a Parkentin. Eggardi F. hujus ecclae Canonicus M. L. M. Q. P. e. C.

Oben auf dem Monumente stehen auf beiden Seiten ovale schwarze Tafeln mit Inschriften.
Zur Rechten:

Paulus 2. Cor. 4. Wir wissen, daß Der, so den Herrn Jesum hat auferwecket, auch uns auferwecken wird.

Zur Linken:
Christus Joh. II. Wer an mich gleubet, der wird leben, ob er gleich stürbe. Und wer da lebet und gleubet an mich, der wird nimmermehr sterben.

Zu Bd. IV, 3 S. 45 No. 1.
Auf dem Krügerschen Leichenstein stehet:

Hier ruhen bis zur Auferstehung die Gebeine eines Ehepaares. Heinrich Krüger, geb. d. 12. Novbr. 1708, gestorben d. 7. Januar 1789 – Und Marie Catharine Lucie Krüger, geb. Müller, geboren d. 11. Febr. 1721, gestorben d. 28ten Jan. 1808.

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Zu Bd. IV, 3 S. 46 No. 3.

Auf dem Leichenstein des Post-Inspectors Steding ist die Inschrift:

Hier ruhen in Gott die Gebeine des Herrn Anton Heinrich Steding, königlichen und churfürstlichen Regierungs-Secretarii und Ober-Post-Inspectors. Gebohren d. 20. Julii 1702, gestorben d. 10. Decbr. 1764. – Ingleichen der Frauen, Frauen Catharinen Elisabeth Rungen, verehlicht gewesenen Steding, gebohren d. 15. Septr. 1707, gestorben d. 27. Decbr. 1769.

Zu Bd. IV, 3 S. 47 No. 8.

Inschrift auf dem Leichenstein des Herrn von Laffert: Hier ruhen die Gebeine des hochwohlgeb. Herrn Georg Ludolph von Laffert, Erb- und Gerichts-Herrn auf Lehsen, geboren d. 13. Novbr. 1723, gestorben d. 16. August 1758. 2 Tim. 4. Cap. V. 7:

Ich habe einen guten Kampf gekämpfet.

Zu Bd. IV, 3 S. 47 No. 9.

Auf dem Leichenstein der verwittw. Frau von Laffert, geborne von Fabrice, stehet:

Hier ruhen die Gebeine der hochwohlgebornen Frauen, Frau Marien Margarethen verwittibten von Laffert, gebornen von Fabrice, des wailand königl. Groß-Brit. und Churfürstl. Braunschw. Lün. Geheimbten Cammer- und Regierungs-Raths zu Ratzeburg, Herrn Herrn Hieronymi Wigandi von Laffert, Erbherrn auf Lehsen und Wittorff hinterlassenen Gemahlin, welche den 8. Julii 1671 geboren, den 8. Junii 1687 vermählt, den 5. Dec. 1728 Wittibe worden, und nach rühmlichst geführtem Wittiben-Stande und christlich-gottseligen Lebens-Wandel, den 22. Septemb. 1738 in dem Herrn sanft und selig entschlafen ist.

Marc. XIII, 13 :
Wer beharret bis ans Ende, der wird selig.

Zu Bd. IV, 3 S. 49 No. 15.

Inschrift auf dem Leichenstein des Ober-Commissair Kayser:

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Ruhe-Kammerlein für Martin Kayser und seine Erben, Seiner Königlichen Majestät von Groß-Britannien und churfürstlichen Braunschweig. Lüneburgischen Ober-Commissarii.

Neben dem Wappen steht auf beiden Seiten:
Lobe den Herrn meine Seele und vergiß nicht was er dir Gutes gethan hat. Ps. CIII. V. II.

Unter dem Wappen:
Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte gethan hast. Gen XXXII. V. 10. Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Wercke folgen ihnen nach. Apocalypsis XIV. V. XIII.

Zu Bd. IV, 3 S. 4 No. 10.

Verzeichniß der Leichen, welche in dem gemeinschaftlichen Begräbniß-Gewölbe seit der Erbauung desselben im J. 1676 beigesetzt sind.

    Anno
1. Katholischer Pater Friedr. Hiltrop aus Lübeck 1676.
2. Der Münzmeister Andreas Hill 1678.
3. Fr. Maria Toden, verwittwete Schröder 1681.
4. Hinrich Stern 1682.
5. Johann Däkens, ein Calviner -- --
6. Hr. Lt. Pellicerus, Fürstl. Niedersächsischer Hofrath -- --
7. Abraham Peltzer, ein Calviner 1684.
8. Wittwe Ursula Walther, geb. Müldern 1684.
9. Jacobus Stephani, kathol. Pater aus Schwerin anhero gebracht 1686.
10. Christ Ludw. Gutzmer, Pastoris filius 1684.
11. Hrn. Secr. Behnkendorfs Söhnlein 1691.
12. Hrn. Johann Schleelen Hausfrau 1690.
13. Hr. Secr. Joh. Klopstock 1692.
14. Hrn. Cammermeist. Philipp Schlüters Söhnlein 1693.

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    Anno
15. Hrn. Apotheker Haetke Tochter, so in Lübeck gestorben -- --
16. Hrn. Ernst Heinr. Mader, Gerichtsschulz in Ratzeburg 1696.
17. Hr. Secret. Behnkendorf 1697.
18. Hrn. Cammermeist. Schlüters Mutter, Fr. Micke Magdalena Paxmann, des wail. Gräfl. Hessischen und Lippischen Hofraths und Canzleidirectors Dr. Schlüters Wittwe 1699.
19. Hr. Cammermeister Schlüter in Ratzeburg 1701.
20. Des wail. Meckl. Güstrow. Küchenmeister Uppenborn Wittwe, Cath. geb. Pfeil 1706.
21. Hr. A. R. Schmidt aus Hamburg 1711.
22. Hr. Secret. Eschenbach, hieselbst 1717.
23. Fr. Marg. Dahlmann, geb. Eggers und 1721.
24. deren Tochter, des Hr. Secret. Eschenbach Wittwe, Frau Christina Maria geborne Amelung, beide zugleich beerdiget
25. Wittwe Gertrud Paulsen aus Hamburg 1740.
26. Hr. Bothstede, Administrorator der Leersschen Mühlen -- --
27. Fr. Catharina Elis. Bölten, geb. Mecklenburg 1747.
28. Hr. Gebhardi, Lauenburgscher Secret -- --
29. Des Hrn. Commiss. und Organisten Godduhn Ehefrau hieselbst 1751.
30. Ww. Pastorin Seelenhorst d. Hrn. Godduhn Frauen-Schwester 1760.
31. Des Hrn. Godduhn zweite Ehefrau 1762.
32. Hr. Commiss. und Dohm-Organist Godduhn 1765.
33. Wittwe Secr. Gebhardi in Ratzeburg 1767.
34. Fr. Secr. Schultz, auf dem Dom 1774.
35. Der Fr. von Issendorf 6 Wochen altes Kind 1775.
36. Hr. Secretair Schultz, hieselbst 1779.
37. Fräulein von Schrader 1791.
38. Hr. Major von Schrader 1794.

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NB. Diese beiden letzten Leichen sind Anno 1796 in dem hintersten, durch eine Mauer abgesonderten Theil des Gewölbes, welches zu einem Familien-Begräbnis auf 140 Jahre erkauft worden, gebracht, und darauf der Eingang zu diesem Erb-Begräbniß zugemauert worden.

Seit dieser Zeit sind auch im gemeinschaftlichen Gewölbe keine Leichen mehr beigesetzt worden.

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V
.

ALTARGERÄTH, KELCHE U. DGL.

Zu dem Altargeräth der Domkirche gehören unter andern drei silberne, stark vergoldete Kelche mit den dazu gehörigen Patenen und zwei Oblaten-Schachteln, gleichfalls von Silber und vergoldet.

1) Ein silberner, vergoldeter Kelch, 36 Ύ Loth schwer, mit sechsseitigem Fuß, welcher unten in 6 Rundungen ausgebogen ist. Auf der einen dieser Rundungen ist ein kleines gegossenes Cruzifix befestiget, und am Rande herum stehet die Umschrift:

 

___

 

___

       
Dns. Ansverus Scipma Canos. Raceburgen. Fundator

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Pentis Vicarie Me. Fieri. Fecit Anno 1536. *)

An dem Knauf zwischen dem Fuß und dem obern Theil des Kelches stehen auf sechs hervorragenden, rautenförmigen Erhöhungen die Buchstaben:

I. H. E. S. V. S.

Die dazu gehörige Patene ist 9 ½ Loth schwer, ohne Verzierungen, außer, daß am Rande ein in einem Kreise eingeschlossenes Kreuz gestochen ist.

2
) Ein etwas größerer, silberner, vergoldeter Kelch 34 Ύ Loth schwer, mit sechsseitigem Fuß, welcher unten ein
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*) Von dem Grabstein dieses Ansveri Schipmann s. Bd. IV, 3 p. 57 Nr. 7.

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geradliniges Sechseck bildet. An der einen Seite des Fußes ist ein gegossenes Cruzifix aufgenietet, an der anderen das Hoinckhusensche Wappen gestochen, mit der Umschrift:

H. Hinricus Hoinckhusen – Canonicus Raceburgensis 1662.

An den 6 Ecken des in der Mitte befindlichen Knaufs stehen 6 blaue, rautenförmige Steine, auf welchen die Buchstaben I. H. E. S. V. S. eingeschnitten, und die Vertiefungen mit Silber ausgefüllt sind.

Die hierzu gehörende Patene wiegt 9 Ό Loth, hat oberwärts am Rande ein Kreuz. Auf der unteren Seite ist das Hoinckhusensche Wappen, etwas größer als auf dem Kelche, und mit eben derselben Umschrift gestochen.

3
) Eine silberne, aus- und inwendig vergoldete, ovale Oblaten-Schachtel, 12 Loth schwer, am Deckel und dem Umkreis der Schachtel mit Laubwerk graviret. Am Rande des Deckels stehet:

Laurentius Gutzmer Eccles. Cathedr. Ratzeburg. Pastor. Anno 1681.

4
) Ein kleiner Kelch zum Gebrauch bei Kranken-Communionen mit dazu gehörender Patene und Oblaten-Schachtel in einem Futteral.

Der Kelch hat einen zirkelrunden, ganz glatten Fuß ohne Randerhöhung und ist 16 Ό Loth schwer. Am Rande des Fußes ist ein gegossenes Cruzifix befestiget, und die Umschrift in deutschen Fractur-Buchstaben:

bertoldus de ritzerowe me contulit. orate pro eo.

Daneben steht ein herzförmiges Wappen. Auf den 6 rautenförmigen Erhöhungen des Knaufs sind kleine Rosen gestochen.

Die dazu gehörende Patene, 7 Ό Loth schwer, ist mit 4 ausgebogenen Rundungen vertieft. Am Rande steht ein Kreuz in einem Zirkel.

Die kleine Oblaten-Schachtel ist rund, ganz glatt und ohne Verzierung, aus- und inwendig vergoldet, und wiegt

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3 1/8 Loth. Unter dem Boden stehet: H. Z. N. 1680 (vielleicht Helena zur Nedden, des Pastors Gutzmer Ehegattin).

5
) Eine silberne, etwas vergoldete Kanne mit Deckel und Handgriff, 43 Loth schwer, welche Frau Ursula, geb. v. Bülow (sel. Hans v. Daldorp nachgelassene Wittwe, † 22. April 1666), zur Haltung des heiligen Abendmahls geschenkt hat. die gravirten Felder sind vergoldet, unten stehen die v. Bülow und v. Daldorpschen Wappen. Oben auf dem Deckel der Name: Ursula von Bülow 1604.

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VI.

NACHRICHTEN VON DEN LETZTEN CANONICIS
DES RAZTUEB. DOM-CAPITELS.

Nachdem der letzte Bischof, Christoph von der Schulenburg, im Jahre 1554 das Bisthum resignirt hatte, und der Herzog Christoph von Mecklenburg Administrator des Stifts geworden war, waren bis zur Säcularisirung des Bisthums im Jahre 1648 folgende Dompröbste:

1. Ludolph von Schacke, † 1598, dn. 25. April
2
. Bernhard von Dannenberg, † 1605, dn. 12. Mai.
3
. Henricus von Daldorp, † 1621, dn. 21. April.
4
. Hartwich v. Parkentin, † 1642, dn. 9. Decbr.
5
. Nicolaus v. Gulen, † 1647, dn. 17. Octob.
6
. Hans Heinrich von der Lühe, letzter Domprobst, † 1656, dn. 16. Novbr.

Die Namen der Capitularen, welche theils in den Visitations-Protocollen, theils in anderen Nachrichten vorkommen, sind folgende:

1576 bestand das Dom-Capitel unter dem Administrator des Stifts, Herzog Christoph von Mecklenburg, aus 10 Capitularen, deren Namen und Wappen über der Kanzel der

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Domkirche zu sehen sind. 1581 waren bei der Visitation der Stifts-Kirchen zugegen (s. Vis.-Prot.):

1. Ludolph Schacke, Praepositus.
2. Bartholdus Lützow, Decanus.
3. Simon Lucanus, Senior.
4. Bernhard a Dannenberg, Canonicus et praefectus
(Amtmann).
5
. Herman Soltovius, Canonicus.

1589
kamen im Visitations-Protocoll vor:
1. Ludolphus Schacke, Praepositus, † 1598.
2. Bernhard a Dannenberg.
3. Henricus Daldorp.
4. Otto Schacke.
5. Hermannus Soltovius.
6. Richard von Wolde.
7. Andreas Stralendorf.

1599
werden im Visitations-Protocoll genannt:
1. Bernhard a. Dannenberg, Praepositus.
2. Henricus Daldorp, Decanus.
3. Otto Schacke, Senior
(war bei der Visitation nicht zu zugegen).
4. Andreas Stralendorf.
5. Hermann Soltovius.
6. Paschasius Schacke.
7. Petrus Nicolaus (Claus), Canonicus et Secretarius.

1606
waren Capitulare (s. Domhospital-Rechnungsbuch pag. 173): 1. Henricus Daldorp, Praepositus, Erbgesessen zu Wotersen im Lauenburgschen. 2. Andreas Stralendorf, Decanus, † 1610. 3. Mag. Hermanus Soltow, Hamburgensis, Senior, † 1618, 3. Oct. 4. Paschasius Schacke, Structor, Erbgesessen zu Basthorst in Niedersachsen, † 1607, 1. Mart. 5. Hartwich v. Bülow, Erbgesessen zu Pocrent in Mecklenburg. 6. Johannes Mewes, Marci Mewes civis Lubecensis filius.

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7. Petrus Claus, Raceburgensis, Praefectus.
8. Hartwich v. Parkentin, Eggardi filius
, Erbgesessen zu Zecher in Niedersachsen.
9
. Otto von Estorf, Erbgesessen zu Bernstedt im Fürstenthum Lüneburg.
10
. Gregorius von Parckentin, Erbgesessen zu . . . . . in Niedersachsen.

1620
werden im Visitations-Protocoll genannt:

1. Henricus a Daldorp, 1606 Praepositus, † 1621.
2. Hartwich von Bülow, Decanus, † 1639.
3. Petrus Claus. Raceburg. Senior, Canonicus et praefectus, † 1. October 1637.
4. Hartwich a Parkentin, Eggardi filius, Canon. et Aedilis, † 1628, 9. Decbr. (Michael Neovinus Secretarius Capituli et Notarius publ.)

1641
waren bei der Visitation:

1. Hartwich von Parkentin, Praepositus, † 1642.
2. Joachim v. Blücher, Decanus, † 6. Decbr. 1644.
3. Illust. Princeps Augustus, Dux Saxoniae, Senior.
4. Nicolaus a. Gulen, Sub senior Canonicus et Aedilis
, nachmals Dom-Probst.
5. Hans Heinr. von der Lühe
, nachmals Dom-Probst.
6. Detlevus a Bülow
, nachmals Decanus.
7. Hans Rave, Canon., nachmals Senior.
8. Ernestus Bunsovius
, Canon., nachmals Senior.
9
. Andreas von Bernstorf, Canon.
10
. Henricus Hoinckhusen.
11
. Carol. Jürgen v. Mecklenburg.
12
. Valentin a Daldorp, Canon.

1648 wurde das Stift säcularisirt, und die letzten damals lebenden Canonici, nach deren Absterben das Dom-Capitel aufhörte, waren folgende, sowie ihre Namen und Wappen an den beiden Capitels-Stühlen auf dem untern Chor stehen:

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1. Hans Heinrich von der Lühe, Praepositus, † 1656, 16. Novbr.
2. Detlev von Bülow, Decanus, † 1662.
3. Hans Rave, Senior. † 1658.
4. Ernestus Bunsow, Aedilis, †
als Senior 1667.
5. Andreas von Bernstorf, † 1655.
6. Henricus Hoinckhusen, †
als Canonicus ultimus et Aedilis 1683.
7. Valentin a Daldorp, † 1651.
8. Carl Jürgen v. Mecklenburg, † 1657.


 

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