Jahresband 1895

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


MISCELLEN.

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Hieronymus Schulze.


[N. N.]

Im Anschluß an den im letzten Jahrbuch p. 115 f. unter obigem Titel veröffentlichten Aufsatz bringen wir nachstehend versprochenermaaßen den Wortlaut der von H. Schulze an den Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg gerichteten Denkschrift, die sich in Hartw. v. Perkenthinís handschriftlicher Sammlung verschiedener Schriften u.s.w. (von der großen Königl. Bibliothek in Kopenhagen freundlichst überlassen) findet.

Copia. Des Schreibens so der Herr Doctor Schultz an F. G. Hertzog Frantzen geschrieben mit Vorwissen S. F. G. Schwester, des F. G. zum gezeugnus diese Copiam mit eigen Händen Unterschrieben haben Und haben zu diesem schreiben Roloffs von der Luhe Unrichtige Händel Uhrsach gegeben.

Durchlauchtiger Hochgeborner Fürst, E. F. G. sein meine Undertehnige stets bereitwillige Dienste bevor, gnediger Her, E. F. G. haben sich gnediglich zuerinnern, welcher gestalt den negst Vorschienen Freitagk, alß ich im aufzugk bis anhero gewesen, Ich E. F. G. Undertehnigen bericht aus Undtehnigem getrewen Hertzen Und gemuht zutuhende Von dem so ich von Eins Erbarn Rahts zu Lübeck Und Hamburg abgesandten auf meinem Höffe die Freideburg in gehaltenen gästereien, welche ich E. F. G. Und derer Landen Und Leuten zum besten auf meinen Uncosten aufgestanden,

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erfahren, und hierauf E. F. G. vor weiterm Unheil, die aus der erregten Uneinigkeit leichtgeuhrsacht werden konnte, zuerinnern mich Unternommen habe: Welcher gestalt auch E. F. G. mit ganz Ungnedigen herben Vorbitterten und fast ehrenvorletzlichen wortern, mich darauf angefahren, mit Befragung ob ich der obgedachten Stete Kanzler Syndicusdiener bestalter oder nicht: oder da ich ein solcher wehre, was ich dan bey E. F. G. zuschaffen so meiner doch Unaufgehoret und da ich nur den anfang des berichts gemacht und zumrechten grunde erstl. kommen sollen. Solches werden E. F. G. auch Ungezweifelt noch in Unendtfallenem gedechtnus haben und ist dzselbe Von E. F. G. secretario und Cammermeistern Friederico Aepino Rolff von der Luhe und beiden meinen schreiben zu mehrer meiner Verkleinerung mit angehoret worden.


Ob ich nun wol leider mehr dan Zuwol weis was desfals E. F. G. gelegenheit sey und wie ubel dz Uberfahren schmehen und schelten umb geringer Uhrsach willen und wan nicht stets was E. F. G. gefälligt, wirt fürgebracht, E. F. G. Unterlaßen konnen, durch welches dan Viel heilsame nutzbare und gedeiliche rahtschlege, endtweder aufgeschoben oder auch zum offtern wol gahr mit E. F. G. derer iungen Herschafft Landen und Leuten treflichen schaden und nachteihl zu rück gesetzet werden: gleich wie den Sontag zuvor und nun etzliche Jahr hero zum offtern mit nicht geringer gefahr meiner leibes Schwacheit, die leicht ein großers, so ich mein lebtag nicht Zuwiederbrengen, hieraus (: dz Godt gnediglich Verhuete:) zugewarten haben konte, wiederfahren und beiegnet ist und ich es also fast so wol auch andere gewohnet sein solten, So mus ich doch, nachdehm von tage zu tage solcher E. F. G. hitziger ubermeßiger Zorn in mehr und mehr Zunimbt, ich aber mit der Zeit mein alter erreichet, dz ich, der es stets treulich, aufrichtich und guedt (: erkenne es Godt:) meinen tuhe, Zwerlich mich Zuüberwinnen und meine affecten im Zaum zuhalten habe: mich deßn befahren muß, dz wofern kein andere maße midtel und weg zwischen

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E. F. G. und meiner wenigern Persohn (: davon E. F. G. hernacher mein Undertheniges bedenken zuerfahren:) getroffen werden solte, durch welchen dies Verhuetet sein mochte, dz ich dan entweder mich gahr aller radtschlage bey E. F. G. eußern, alles seinen gang Godt gebe zu glück oder Unglück, gedei oder Verderb hingehen laßen, meines Dienstes mich begeben, oder den endtlichen E. F. G. und meinen Untergang gewartende sein mußte, welches beides so wohl E. F. G. alß mir unleidtlich sein würde,

Nun ist es ie an dehm dz ich Von Gottes und meines tragendes ambts wegen dazu ich dan auch von E. F. G. mich vor einen Cantzler bestellen laßen, der wie alle Vornunfftige weise Regenten und leute davon schreiben und halten, dz auge und Hertz des Fursten sein, ohn des furgehabten raht, bedencken und gutachten nichts Vornehmen oder Verrichten soll, schuldig und pflichtich sey, E. F. G. zu dem was christl. Fürstl. zu erhaltung E. F. G. glimpfs, gueten nahmens bey jedermenniglichen, insonderheit den negstangeseßenen und benachbarten, so mehr dan die weitabgeseßene, ein auge auf E. F. G. alß einen erst angehenden Regenten haben und zuwißen Verlangen tragen, Ob E. F. G. in D Vorigen Fusstapfen tredten beßer oder arger frommer oder böeßer sein wollen, mit allen undertehnigen trewen Zuermahnen, Daiegen Von dem was Unchristl. Unfurstl. Unglimpflich, tirannisch Unfriedtlich, eigennützigt; den benachtbarten und Undertahnen Unleidlich, schedtlich, und nachtheihlich, hochstes Vermuegens zu rechter oder unrechter Zeit, wie und auf was weise solches geschehen konne und muege abzurahten und abzuwenden, dz ist mein ambt, solches erfodt von mir Godt, mein ehr und mein gueter nahme, auch also, dz wo ich anders handelte, ich Gottes des höchsten Regenten Zorn und Ungnade auf mich laden und vor keinen ehren man bestehen, gehalten oder geachtet werden konte,

Herwieder aber wan ich in dem, wie angeregt, mein ambt getrewlich volnbringe, so sein E. F. G. ebener maßen

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pflichtich und schuldig, mit gedeult, mit gnaden und aller bescheidenheit mich zuhoren, meine rathschlege sich laßen gnedig gefallen und denselben raum und stadt zugeben, oder wo E. F. G. Vernunfftige einreden hedten, dieselben ohn Ubersnaubent ohn iehnigen Zorn schmehen und schelten (: sintemahl nichts auf der welt heilsamen rathschlegen wiederiger ist dan Zorn und unbedechtige resolutionen und erclerunge auf dz was in raht gestellet wirt :) einwenden und darauf sich einer meinung mit meiner wenigen Persohn Vergleichen, dz ich nun die Vorschienen eilff iahr hero, in denen ich doch E. F. G. alß ein redtlicher aufrichtiger man, trewlich gedienet, leib und lebens gefahr umb E. F. G. bestes willens nichts geachtet, nur dz ich E. F. G. bey Landen und leuten erhalten und hoch heben mochte, welches ich auch mit bestande der wahrheit mich ruhmen kann, dz ich negst Godt E. F. G. solches aufgerichtet, beide E. F. G. Fürstl. gemahl mit schwerer muhe und arbeit, auch da es zu beider Zeit am seiden faden gehenget, gleich E. F. G. am besten bewußt ist negst Gott E. F. G. zu wege gebracht und anderer stadtlischen iährlichen pensionen und einkünfften in drittehalb taufendt thaler sich erstreckende, umb E. F. G. bestes willen mich aus Undertehniger und fast Ubermeßiger liebe und trew, in dem ich mich und die meinen zu rück gesetzet, begeben habe, dennoch so viel authoritet und ansehens so viel gnadt und kegenliebe und trew bey E. F. G. herwieder nicht verdienen noch erlangen konnen, dz E. F. G. meine zu derselben tragende liebe und trew nur rechtschaffen behertzigen und in sachen, wie obgedacht, so E. F. G. zum besten gemeinet, mich mit bescheidenheit horen, und in dem gebührliche folge geben mochten, Ich weis leider wol, dz wie E. F. G. her Vedter und Vater m. g. H. Hertzog Julius pflecht zusagen, diese Ungelegenheit, welche dan dies Jahr ungleich mehr dan zuvor bey E. F. G. eingewurtzelt und zugenommen, E. F. G. nicht angeflogen, besondn fast von allen ihren Vorfahren angebohren sey, dan wan ich sehe in die historien und mich

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erinnere des berichts er Eltesten E. F. G. getrewen Landtsaßen, so empfinde ich, dz fast kein Hertzog zu Sachsen gelebet der ehrliche Vorstendige und getrewe rahtgebern eine lange Zeit neben und bey sich gedulden und leiden konnen, besondern alsobalt die nicht alles approbiren und loben wollen, sein sie abgeschaffet, herwieder was in brüdere, was gesellen so alles sich gefallen laßen recht oder Unrecht und kein saursehen oder Uberfahren leiden wollen, sein bey den Hocherhoben, lieb und angenehm gewesen, auch Ungeacht dz ihr strefliches lebendt iederman bekandt gewesen, haben doch die stets in der Cammer neben und bey der Herschafft für ande raum und stat und platz haben müßen, und sein der Herschafften viel angenehmer gewesen, so rathschlege zugeben gewüst, wie man am Hove viel reisige viel hochtrabende costliche pferde halten und durch recht oder krum zu solcher Unterhaltunge endtweder von den armen Untertahnen ihr schweis und blut außaugen oder mit Vorsetzunge, Voreußerunge, der Lande und leute die nohturfft aufrichten und zuwege bringen mochte, Wie man aber Landt und leute Vermehren richt und gerecht iedermenniglich mitteihlen Kirchen und schuhlen bestellen sollen, deshalber hat man sich wenig bekümmert wie dan auch umb solche leute, so hiezu rahtzugeben gewust haben.

Aber wie ist hinaus gegangen mit denselben E. F. G. Vorfahren? ein teihl so den nahmen an sich genommen, dz sie Ritter heißen wollen, haben so lange geritten, dz sie von und aus Landen und leuten geridten sein, Ein theil so sich auch von keinen ande den Reutersknechten rathen laßen wollen, was die Rechte und des heiligen Romischen Reichs constitutionen Verordnet, sich nicht lassen anfechten, haben sich und alle ihre nachkommen umb die Chur gebracht, die folgende hertzgen haben stadtliche Schlößere heusere Emptere verkauft vorsetzet, verpfändet, dz wol E. F. G. und wol alle derer nachkommen mit schmertzen zu ewigen Zeiten solche von außen anschaven müßen, also gehet es wan man nicht redtlicher

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aufrichtiger und Vorstendiger Leute rahtschlege anhoren, folgen und allein seins und anderer Unerfarnen leute kopfe Volgen und leben wolle;

Ich weis gahr wol habs auch Von E. F. G. selbst zum offtern gehoret, wan der Zorn Vorhanden gewesen, dz E. F. G. meins, da sie meiner nicht bedurfften, nicht eine stunde lenger zugebrauchen begehrten, an welchem doch weil meine Vielfeltige getrewe Dienste so leicht Vergeßen werden konnen, mir die lenge auch so hoch nicht gelegen wehre, weis auch wol, dz den von hoher gebuhrt wehe und Verdrießen tuhet, wan sie sich von geringes herkommens persohnen reformiren und regiren laßen sollen, Aber Gott gibt nicht stets zugleich benebenst der hohen gebuhrt hohe weisheit und Vorstandt, so zu Regierung Vieler Undertahnen von nohten ist, Ehr setzet dahin einen zum Fürsten und Regenten der doch wenig von Regierungssachen wißenschafft hat, erhebt daiegen einen von geringen herkommen aus dem Kote und wie der Königliche prophet Davidt saget, setzet er denselben benebenst dem Fürsten seines Volcks, Also dz der eine regiren und exequiren der ander was recht rahten und sagen soll,

Es ist noch nie gehoret oder gelesen worden dz einiger Regente auf erden gelebet, so den nahmen es christl. Regenten gefuert (: dan Tirannen haben keine fromme Rähte und Diener zu ihrem furhaben bedurfft:) auch die so doch vor anderen von Gott mit sonde hohen Verstande begabt gewesen, die nicht in ihrer Regirung von Gott hochbegabte, erfarne, Vorstendige leute bey sich gehabt ohn derer raht sie nichts fürgenommen von den sie sich auch willig rahten Und regiren laßen, dz hat gethan der man Godtes Moises, David, Salomon, dz haben getahn die Furtrefliche Romische Kaysern so stets und allewege trefliche rechtsgelahrte und erfahrne Krigesleute und ander bey sich gehabt, deren raht in friedens und Kriges Zeiten sie gebrauchet haben dz tuhen noch auf kegenwertige stunde Kaysern, Kunige Chur und Fürsten, so da lange und nicht wie E. F. G. bruder

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Hertzog Magnus eine kurtze Zeit und auf die post zu regiren gedenken, die halten mit schweren Uncosten trefliche gelarte und erfahrne leute, derer raht sie gebrauchen die sie ehrenlieb wehrt und hoch achten, Nachdehm aber E. F. G. die meiner geringen persohn fast allein in erlangung und erhaltung der einhabenden Lande und leute Vorschiener Jahre gebraucht, mich nun alß geschehen nicht horen, meins rahts (: insonderheit in sachen da E. F. G. ein Vortel endtgehen mochte :) nicht wißen wollen und ich wan ich nur dz maul auftuhe Ubel mit scheltworten empfangen werde, So kann ich nicht aufdenken, wie E. F. G. Regiment lang bestehen und ich hinfuhro mit nutz und frommen E. F. G. Vor einen Cantzler, raht und Diener rahten und dienen konne Wan auch ich schon von E. F. G. absiehen oder mit tode abgehen und ein ander angenommen bestelt und der von E. F. G. ebenermaßen alß mir geschicht, Uberfahren werde, ist kein Zweiffel wofern derselbe kein nar und Unerfahrner also dz ehr nirgens zubleiben wuste, dz derselbe E. F. G. solch Uberfahren zu guete halten und nicht Viel lieber ein Seuhirte dan ein solcher Cantzler sein wollte,

Ich mus es itzo in schrifften E. F. G. kunlich furhalten, was ich kegenwertig zutuhende E. F. G. Ubermeßigen zornigen gemühtshalber Unterlaßn. E. F. G. haben von Godt dem Allmechtigen schone herliche füstliche tugendt und gaben bekommen, aber die alle werden durch den hitzigen Zorn durch begirlicheit des iehnigen so E. F. G. nicht gebuhret und sie gleichwohl Unterm schein, als ob sie es wohl befuegt zutuhende, endtweder an sich zu brengen, oder da sie es in Händen haben mit recht nicht Zuverlaßen, obscurirt und Vorfinstert, dz sie den rühmlichen nahmen der friedfertigkeit, mildicheit bey Vielen sonderlich bey E. F. G. Untertahnen und den Umbligenden und benachbarten stenden, mehrenteihls verlohren haben,

Ich weis dz diese erwehnung E. F. G. Verdrieße, aber Zuversweigen will mir Godts Ambts und ehrenhalber nicht gebühren, Ich sol und mus nicht dem Kunstreichen

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mahler welchen der Tyran Ptolomaeus D ein Regent in Aegipten gewesen, bey sich gehabt, folgen, Von welchem Ptolomaeus begehrt ihn abzuconterfeien.

Und der mahler, alß ehr gewüst, dz der Ptolomaeus nur ein auge hedte, Und sich besorgete, wan ehr ihn auf der seite da ehr eineugigk und scheuslich auch abconterfeien würde, ehr leicht Ungnadt Vom Tyrannen erlangen mochte, und hirumb allein die backen und seiten da ehr wol gestalt, ans licht, die andere und scheusliche us Verborgen und alß ob die nach der Wandt stünde gemahlet und gestellet, auch also Ungnadt und Zorn des Tyrannen Verhuetet hat. Ich soll und mus E. F. G. wor sie eineugigk und scheuslich: dz ist ihre gebrechen und fehle haben, erofnen und vorstelen.

Es ist zuerbarmen, dz. E. F. G. und ich alß der Diener, der doch hieran unschuldig zugleich in der leute mühler kommen sollen; als ob erger im Landt zu Sachsen würde hausgehalten, dan bey Hertzog Magni oder E. F. G. Vorfahren Zeiten. Dz iehnige wirt offendtlich, ob es wol E. F. G. nicht vorkombt, keiner es auch E. F. G. Zuverhuetung weitleufftigkeit durfft offenbahren, in den umbligenden Fürstentuhmbden und stedten geredet auch mir herwieder fürgebracht, und Verursachet sich nirgens anders hero, dan dz zu Zeiten was aufgebürget, nicht zu rechter Zeit bezahlet, dz nicht mit den creditorn guedtliche handtlung gepflogen, dz leute so in hafften und gefengnußen gebracht, nicht in beysein der Rähte oder etzlicher der getrewen Landtschafft furgestellet, bericht und kegenbericht angehoret, besonde wan sie lang genug gestaket und geblaket worden, zu letz wo man Vermercket, ihnen etwas abzustreiffende sey, uber ihr Vermügen mit geldtbußen belegt und gestrafft, dazu auch niemandt richt und gerecht ordentlich mitgeteihlet, wan nachtbahrliche irrunge furhanden, keine Zusammenkunfft gehalten keine bescheidenheit gebraucht, alles mit gescherfften schreiben aus hitzigem gemühte befohlen, furgenommen und furrichtet wirt, zu welchem dan auch itzo kombt die ersteigerunge der Zolle, so fast alle benachbarten wieder

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uns aufwegigk und unruhig gemacht, Ob und wol nicht ohne, dz von etzlichen E. F. G. Landtsaßen und getrewen Dienern für guedt angesehen, alß E. F. G. die Zolle zu erhohen furhabend geworden, dz man einen geringen aufsatz der den gmeinen kaufleuten nicht sonderer beschwer und zum Versuchen verordnet werden mochte, So haben doch E. F. G. an einem geringen, so die iehnigen in derer bedencken E. F. G. solches gestellet, sich gefallen laßen, nicht ersetiget sein konnen, besondern umb obangeregter E. F. G. begirlichkeit, alles ubermeßig zuerhohen befohlen, Dahero nun Hertzog Ulrich zu Mechelenburg mit den dreien Erbarn Stedten entzlich dahin geschloßen, dz sie keines weges solches E. F. G. guedt sein laßen, Besondern in wenig tagen hierumb beide Chur Fürsten Sachsen und Brandenburg Administratorn zu Magdeburg mit ande in der nehe geseßenen Fürsten und Stenden E. F. G. hern und freunden, dan auch die Romische Kay : May : beschicken und uber E. F. G. zum hochsten sich beschweren und dagen, auch die iegenschantz wieder E. F. G. auf allewege furnehmen, imgleichen auch den Zoll zu Artelenburg zu einigen schimpf und nachteihl E. F. G. alz dz solches bei derer Administration geschehen an andere orter Verlegen wollen,

Nun tragen E. F. G. gnedige wißenschafft, wie ich nicht allein ein solche Verordnete ubermäßige erhohung und steigerung der Zolle aus allerhandt Rechtsgründen und ande erheblichen Uhrsachen wiederraten, besondern alsofort, insonderheit nach dem Vorschienen Sontag im beisein Friederici Aepini und Ruloff von der Luhe E. F. G. undtehniglich und mit großem eifer und ernst ermahnet. E. F. G. wolten die Zoll umb erregtes wiederwillens gantz und durchaus schwinden fallen und abschaffen laßen, Ob nun wol solchs die lenge nach lenger aufgestandener beschwerlichen Uberfahrunge erstridten, habe ich doch auf meine wiederkunfft zur Lavnburg mit schmertzen erfahren, dz es noch bey Voriger newer Verordnunge beruhete, Derowegen ich aus undertheniger getrewer wolmeinung und dz ich

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(: weis Godt :) E. F. G. ungern gonnen wolten E. F. G. der benachbarten wiederwillen auf sich laden und wir mit demselben schwerte, da wir hiebeuor Hertzog Magnum mitgeschlagen, alß dz ehr den benachtbarten für einen Regenten des Fürstentuhmbs Nsachsen unleidtlich wehre, getroffen und geschlagen werden solten, Dan auch dz der Kayserlichen May : Confirmation auf E. F. G. persohn zum Regenten und der nachbarten anbrengen und clagen leicht hinderzogen werden mochte, mich unternommen gehabt E. F. G. noch Vor meinem abreisen bis anhero undertehniglich zu ermahnen zuflihen und zubitten, E. F. G. ia die abschaffung der Zollsteigerunge umb des mir von den abgesandten betrauten bedraulichen furhabens lenger und ferner nicht aufschieben, noch die Churfürsten und Stende an der Elben einige Uhrsache geben uber uns auch auf den angesetzten Creißtage sich zu beschweren und wieder F. F. G. etwas so nachteihlich determiniren und vorabscheiden laßen wolten, Ich bin aber alß ich dies, so doch keinen Verzugt leiden konnen, E. F. G. untertehniglich fürbrengen wollen, dermaßen balt im anfang gehoret, dz ich stillschweigens davon ziehen müßen,

Es hat der Churfürst zu Brandenburg so einen Viel hoheren nachdruck hat, die ersteigerung mit bloßen Vier groschen, so zum Versuchen auch aufgefatz, auf instendiges anhalten S. C. F. G. selbst eigenen Sohns des Hern Administratorn und der andern an der Elbe, solche erhohung abschaffen oder der von J. F. G. bedrauten privation und Verlust des erlangeten privilegy gewertig sein müßen,

Noch wollen E. F. G. die doch zumahl ungewis sitzen und noch nicht midten uber den im wege, besondern unten an den wurtzeln des berges sein und allerhandt beschwerunge von ihren gebrüdern sich zubefahren haben, mit solcher abschaffunge aus der doch E. F. G. so wenig alß dem Churfürsten zu Brandenburg oder der Kun : May : zu Dennenmark, so auch die ersteigerung der Zoll fallen laßen, schimpf und Verkleinerung endtstehen

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konnte, mit abschaffung solcher erhohung sich lenger aufhalten, Was ich nun damahls rahten wollen, dz will ich noch hiemit untertheniglich gerahten und E. F. G. auch alle derer nachkommen für dem bevorstehenden Unglück, auch dz Godt mit gnaden abwende des noch ubrigen von dem uhralten hochloblichen Fürstentuhmb endtlichen Untergang treulich Vorwarnet haben und wollen E. F. G. noch D. Adams noch jemandts anderen rahts weiter erwarten, dan dieses keinen Verzug leiden kan und hat man sein bedencken nicht desto minder H. Ulrichen zu Mechelenburg und den dreien Stedten zuüberschicken und dan weiter darauf die guedtliche handtlung mit Denen Von Lübeck erstlich folgig auch mit den anderen auf bequeme schiedtliche midtel und wege zusuchen und furzunehmen,

Wan es dan an dehm, dz. E. F. G. Fürstentuhmb dz Landt zu Sachsen umb E. F. G. hochloblichen Vorfahren und selbst eigenen sünde willen dermaßen herunter gesetzet ist, dz wan alle Vernunfftige, godtfruchtige, hochbegabte, geralte, und erfahrne leute alle ihre radtschlege in ein zusammen trugen, dennoch nicht sollten wißen aufzudencken, wie nicht allein dz arme zerreißenes und hochbeschwertes Furstentuhmb im Vohrigen standt nach zeiten zu brengende, besondern auch dz Ubrige so E. F. G. in Händen durch meine von Godt mitgeteihlete rahtschlege, des dan hohes und Niedriges standes allen E. F. G. Untertahnen und den umbligenden Stenden genugsam bewust ist, bekommen haben, also zuerhalten sei, dz. E. F. G. derer ein her bleiben und ihr iunge herschafft herwieder auferben mochten, es auch weiter an dehm, dz. allein hierumb, dz. E. F. G. meinen undertehnigen raht nicht folgen, wie das hiedurch zum offteren und noch kurtz fur absterben E. F. G. hern Vaters christmilder gedechtnus geschehen ist in dem E. F. G. dero hern Vatern auf S. F. G. Veterliches begehren etzliche geringschetzige puncte nicht einwilligen wollen, die wiederruffung der beschehenen donation auf dz Landt zu Hadeln, den hoff Olpen und anders auf welches ich von S. F. G. allbereit guete

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Vertrostung gehabt, gehindert, desgleichen auch durch ebenmeßiger E. F. G. eigenen fursatz und hitzigen gemuhte Viel nutzbahre rahtschlege mit E. F. G. hern Vedtern und Vatern Hertzog Julio zu Braunseweich, zu ruck gesetzet worden, Von welchem allen, weil es zu lang sein werde und E. F. G. dern selbst wißenschafft haben, so wol auch was zum offtern der hitzige Zorn fur mistrowen bey E. F. G. getrewen Ridter und Landtschafft kegen E. F. G. erreget durch welches auch Viel fachen zu rück geblieben, Will ich nun kein weitere erinnerung tuhen, So muß ich obangezogener Uhrsach halber mit Godt vom Himel bezeugen, weil E. F. G. von dem Zorn nicht abstehen und heilsamen rathschlägen ohn Uberfahrung und wiederwillen, welche dan bey rathschlegen nicht sein kann noch will, raum und stadt geben nicht konnen noch wollen und derer raht alleine folgen, alles in den Windt schlagen, gering achten und was E. F. G. gefällig approbiren und loben und doch von Regierungs händelen gantz keine wißenschaft haben, dz ich fast nacht und tag mich engste und plage, wie doch solch midtel zutreffen sein muege, dadurch E. F. G. bewogen werden, nichts ohn raht ehrlicher und Verstendiger leute furzunehmen, derer heilsamen rahtschlegen unangesehen ob die E. F. G. nicht allerdinge im ersten anschaven zutreglich und gefällig, durchaus folgen, auch die iehnigen von welchen die rahtschlege herfließen, aus aller Vordacht eigenes nutzens laßen und dem allen derer trew aufrichtigkeit ehre und redtlicheit in viel wege E. F. G. gespüret und ehrfahren getrowen und vor redtliche und ehrliche leute die halten und achten mochten, und kan gleichwohl wegen des offt und Vielgedachtes E. F. G. hitzigen gemuths, keinen andern weg aufdenken, noch mit aller Vernunfft und meinen funf sinnen begreifen, wie ein beßer zutreffen stunde, dan dz E. F. G. einen alten ehrlichen, ansehnlichen in Historien und Regierungs händeln erfahrnen vom Adel, der bei E. F. G. mehr dan ich, welcher nunmehr E. F. G. alzumein gemacht, zum Stadthalter hedten erwehlet und angenommen: Dem-

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selben (wofer es E. F. G. also mitgefelt) mich und andere zugeordnet, Also und dergestalt, dz E. F. G. denselben Stadthalter und Rähten Vollnkommene macht und gewalt bestes ihres Verstandes E. F. G. und des Landessachen zuuerrichten. E. F. G. alle wochen auf eine gewiße Zeit und stunde relation, was Vorlauffen einzubringen, auch da es von nohten und der sachen geschaffenheit erfurderte, E. F. G. bedenckens gebrauchten, gegeben und zugestellet hedten, Wie solches auch in anderer Chur und fürstl. houen gebreuchlich, auch der gantz viel exempel angezogen werden konten, also wehre von Unnothen, dz E. F. G. so für der Zeit sonsten graw, alt und schwach worden, da sie ferner alles durch ihren kopf gehen und sich mit iedeman beißen und zanken und alle mühe und sorge auf sich laden musten, Wohero nun ein solcher zunehmende sey, wirt billig gefraget? ich hilte es daour, E. F. hedten wol solch einen in ihrem selbst eigenem Lande und wehre hiezu Bartoldt von Berckentin nicht undienlich, da der anders hiezu mochte Zuuermuegen sein, zu fremden, welch E. F. G. bey ihren hern und freunden aufzurichten, durf ich nicht rahten, darumb dz ihnen die Gelegenheit des Landes und E. F. G. unbekandt sein, auch dz sie E. F. G. und des Landes beste so wol alß ein geseßener Vielleicht nicht befurdern mochten,

Nun ist nicht ohne dz auf einen solchen Stadthalter der seine Haufhaltung einstellen und mit Weib und kindt und gesinde ehrlich unterhalten werden sollte, nicht ein geringer Uncost ergehen werde, wan aber der nutz benebenst den Uncosten ergehen werde, wan aber der nutz benebenst den Uncosten gesetzet, wirt nutz den Uncosten in weitem ubertreffen, So muste auch die Hoffhaltunge eingezogen, dz bawendt eingestellet und in andern der Uncosten ersparet werden, dan es E. F. G. eigendtlich dafür erachten wollen, dz kein tuhen auf der welt, keine roße, knechte, dienere, heusere, festunge in Summa nichts, es mag von Unvorstendigen so hoch alß es wolle gehalten werden, E. F. G. mehr und hoher Ziere, mehr ansehens, ruhmlos und lobes bey hohen und nidrigen persohnen gebe, da auch E. F. G.

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in friedes und kriges Zeiten mehr nutzes und frommens von zugewarten haben, dan wan sie bey umb und neben sich haben, alte grawe heubtere, die da Godt fruchten, dz recht ehr und tugendt lieben, die ihres handels und wandels halber im Reich teuscher Nation bekandt sein, gnade und gunst bey iedermenniglich haben und von deswegen E. F. G. und derer inugen herschafft sachen furdern und fortsetzen konnen und muegen, Was auf die wirt gewandt kan zum offtern in einer stunde hundertfach Vorgolten und eingebracht werden, hedten dieselbe bey E. F. G. Vorfahren auch noch bey itzlichen; E. F. G. gebrudern gewesen, raum und platz mehr dan Ungeschicket, leichtfertige Unbekandte und Fuckschwentzere, haben muegen, wurde es viel beßer dan geschehen, mit ihnen ergangen sein. Nach diesem will hoch von nothen sein, E. F. G. einen erlichen, warhafftigen und beglaubten man zum Rentemeister bestellen, dem Verordnen, wohero er des Stadthalters, Rähte, Dienere besoldung, was mit den creditorn vorhandtlet von terminen zu terminen erlegen wohero die Cammergerichts Advocaten besoldet auf tageleistung und Vorschickung nohturfftige Zehrunge genommen werden wollen und in solchem dem Verordneten Rendtmeister keinen eintrag tuhen laßen, Wan auch mit Creditorn gehandelt (: die sich dan alßbalt, wan sie nur wißen, dz sie mit einem warhafftigen und redtlichen man, auf den sie Vorweisen, zu schaffen haben, leichtsam sich behandeln laßen werden :) und da wo irgens noch kein gelt auf die bestimbte terminen eingekommen, dz dan der bestalter Rentemeister in den benachbahrten Steten und Lendern gueten glauben habe, so lange bis dz gelt fellich, geldt aufzutreiben und also was aufgesagt bey den creditorn war machen muege, dergestalt wirt es auch in andern Chur: und Fürstl. hoffen gehalten und wirt nach E. F. G. geringen gelegenheit solches auch gantz wol ins werk zurichtende sein, Es werden auch hierdurch E. F. G. abermahls vieler großer muhe vieles Uberlauffens, manens und plagens, aus welchem E. F. G. zu ubermeßigen Zorn

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bewogen werden, endthoben, zu dem erhalten E. F. G. einen ruhmlichen und furstlichen nahmen, erhalten guedt Vertrauen bei E. F. G. Rähten, dieneren, so alsdan ihr befohlnes ambt mit unterthenigem hertzen und gemuhte verrichten werden und mußen, erhalten glauben bey den benachbarten bey ihren selbst eigenen Underthanen, es werden dadurch auch E. F. G. swere hendel und sachen, so ohne geldt bestecken bleiben, Vorrichtet, da sonsten, weil aus E. F. G. henden ubel geldt zubrengen ist, zum offteren aus mangel des gelts sachen Verseumet werden, die zu ewigen Zeiten mit großem Gelde nicht zuwiederbrengen sein, gleich hieuon Dr. Schein iungsthin mir anzeigung getahn und E. F. G. zu erster gelegenheit selbst berichten wirt, was albereit am Kay: Cammergericht, wegen deßn, dz nicht zeitlich gelt hinauf geschickt, Vorabseumet sey worden, Dieser Rentmeister kann E. F. G. von quartalen zu quartalen aller aufgaben rechnung tuhen, E. F. G. was sie zu ihrer nohturfft, nohtwendigen gebewten und anderen bedurfen, uberreichen, durch welches dan stets zuersehen, darauf auch anschlege zumachende, wie E. F. G. Cammerguedt zuverbeßern, wie die hoffhaltung einzuziehen, woher alle Uncosten und aufgaben zunehmende, da dan ein ieder dz seine zutuhende mit allen Undertehnigen trewen, bereit und willig sein wirt,

Dies ist mein bedencken, (: so ich weis Gott :) tuhe aus Untertehnigem getrewen hertzen und gemuhte ohn iehnigen eigen nutz und iehnigen privat affect nur allein, alß ich es Vorstehe, dz es nach E. F. G. gelegenheit sein muße, auch E. F. G. derer hertzlibsten gemahl und jungen herschafft zu nutz und guetem gereichen und kommen konne, durch dies mein schreiben so E. F. G. in gnaden erwegen, nicht einmahl, besondern zum offtern Vorlesen, aufheben, auch wol ande E. F. G. hern und freunden, ehrlichen und vorständigen leuten, nicht unerfahrnen, ungeschicketen, ohrenblesern, welchen solches nicht gefallen wirt, communiciren und mitteihlen, ja auch E. F. G. Kinderen hinderlaßen

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muegen, auf dz sie zu ersehende, was E. F. G. vor leute bey sich gehabt, wie die geraten und E. F. G. den gefolget und also derer hochloblichen Vorfahren in diesen erspurten mengelen, ihnen selbst Landen und leuten zu ewigen Vorderb und Untergang (: davor E. F. G. und der hochbegabten schonen jungen herschafft Godt mit allen gnaden gehueten wolle :) nicht folgen, allein getrewer leute radt in allen sachen gebrauchen und die lieb und wehrt halten muegen, Dazu E. F. G. und E. F. G. jungen herschafft der lieber getrewer Godt seine miltreiche gnadt und segen Vorleihen und fur allem Ungluck leibes und der sehlen behueten wolle, in des gnedigen schutz und schirm ich E. F. G. mit derer hertzlibsten gemahl M. g. F. und Fraven und junge herschafft gantz getrewlich empfehlen tuhe, E. F. G. kurtze resolution hierauf in Undertehnigkeit alhie erwartende eilendt Scharmbeck den 7. Septembris Anno 83.


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