Jahresband 1895

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


Johann Diderich Findorf,
ein lauenburgischer Maler.

[Johannes Friese]

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Der Engländer Nugent, der längere Zeit am Hofe zu Neustrelitz sich aufhielt und auch am Schweriner Hofe freundliche und gastliche Aufnahme fand, erzählt in seinem 20sten Reisebriefe, datirt Schwerin 28. Novbr. 1766, von einem in Lauenburg geborenen am Hofe in Ludwigslust angetroffenen Hofmaler Findorf (richtiger Findorff.) Dieser Landsmann nimmt umsoviel mehr unser Interesse in Anspruch als in lauenburgischen Geschichtswerken von ihm bisher nicht die Rede ist. Der Vater dagegen wird wiederholt von Professor Haupt (Haupt und Weisser lauenb. Kunstdenkmäler) als Anfertiger von Kunstwerken für Kirchen bezeichnet. Nugent berichtet:

„Ward je ein Künstler mit der ganzen Anlage zur Kunst und mit allen Talenten, die keine Hindernisse zu unterdrücken vermochten, geboren, so war es Johann Diderich Findorf (geb. im J. 1722 den 12. Mai zu Lauenburg an der Elbe.) Sein Vater, ein Tischler, wohnhaft in dem heute Bäcker Knuth gehörenden Hause, führte ihn zu seiner Hantirung an. Nach überstandenen Lehrjahren ging er nach Schwerin, wo er bei dem damaligen Hoftischler Sievert als Geselle in Arbeit kam. Allein dies war der Ort, wo sich sein Genie entwickeln sollte. Er hatte einen unermüdlichen Hang zum Zeichnen, malte auch wohl zwischendurch ein Stück mit Wasserfarben. Durch einen glücklichen Zufall kamen einige seiner Arbeiten

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dem hochseligen Herzog Christian Ludwig zu Gesicht, der bekanntlich einer der größten Kenner und Liebhaber der Malerei und Zeichenkunst war. Um also Findorfs Talenten einen größeren Wirkungskreis zu verschaffen, sollte derselbe bei dem damaligen Bildhauer und Medailleur Nonnheim (in dem Verzeichniß der Werke älterer Meister in der Großherzoglichen Gemälde-Gallerie zu Schwerin, beschrieben von dem Director der Kunstsammlungen Dr. Schlie, ist der Name des Bildhauers „Nauheim“) die Bildhauerkunst lernen. Allein es zeigte sich bald, daß er auch noch hier an den unrechten Ort gekommen war, denn seine angenehmste Beschäftigung war noch immer Zeichnen und Malen; zur Bildhauerei hingegen bezeigte er fast gar keine Lust. Endlich ward es seines höchsten Wunsches gewährt, und der Herzog übergab ihn im Jahre 1742 dem damaligen Hofmaler Lehmann zum weiteren Unterricht. Indessen ließ diese Veränderung auch noch nicht gar zu viel zu einer glücklichen Bildung hoffen, denn Lehmann war ein hochmittelmäßiger Maler, dessen non plus ultra sich auf ein Portrait oder eine bunte Fahne erstreckte. Ueberdies hatte der Mann die Unart an sich, die man allen mittelmäßigen Gelehrten und Künstlern nachrühmt: mit seinen Kentnissen geheim zu sein, damit der Schüler nicht den Meister übertreffen möge. Demohngeachtet brachte es Findorf durch unermüdeten Fleiß soweit, daß er seinen Lehrmeister übertraf. Folgende Anekdote sei ein Beweis seiner unerschütterlichen Geduld. Findorf wollte einst eine Landschaft in Oelfarbe malen, wußte aber noch nicht, daß das Brett oder die Leinewand vorher mit einer steifen Farbe gegründet werden müßte. Er trug seine Farben auf, die aber so wie sie trocken wurden, wieder verschwanden. Er wiederholte die Arbeit öfterer, mit eben dem Erfolg, und sein Meister sah es geduldig an, wie sein Lehrling sich quälte. Findorf trug aber unverdrossen seine Farben zu wiederholten malen so lange auf, bis sie stehen blieben, und da erst entdeckte ihm sein Lehrer das große Geheimnis, wie die Tafel zur Oelfarbe zubereitet werden müsse. Findorf mußte von

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nun an schlechte und mittelmäßige Stücke kopiren, allein der Herzog fand bald, daß seine Kopien besser als die Originale wurden; ihm wurden also bessere Stücke gegeben, und es dauerte nicht lange, so erreichten Findorfs Kopien die völlige Schönheit der Originale. Um diesen hoffnungsvollen Künstler immer mehr aufzumuntern, gab ihm der Herzog außer Wohnung, Tisch und Gehalt, für jede Kopie einen holländischen Dukaten. Dies verdoppelte seinen Fleiß so sehr, daß er nun mit brennender Begierde selbst ein Meister zu werden strebte. Anfangs kopirte er die vortrefflichsten Stücke der Schwerinschen Bildergallerie, und endlich wagte er sich an die Natur selbst. Er malte Blumen, Früchte, Küchenstücke, Thiere und Landschaften nach der Natur, die ihm meisterhaft glückten. Begierig, seine Kenntnisse immer mehr zu erweitern, auch sich mit der Natur im Großen und mit berühmten Meistern bekannt zu machen, bat er um die Erlaubniß, auf Reisen zu gehen. Herzog Christian Ludwig schickte ihn also nach Dresden, allein der Maler, an den er angewiesen war, schrieb zurück:

„Den Menschen könne er nichts mehr lehren.“

Von nun an machte er es sich zum festen Gesetz, nie die Manier irgend eines großen Meisters nachzuahmen, sondern immer der Natur treu zu bleiben, und dadurch erhielten auch seine Arbeiten nachher den außerordentlichen Werth bei Kennern.

Bei brausenden Gewässern, als Kaskaden u. s. w. malte er sowohl Wasser als Schaum mit fast unnachahmlicher Kunst und seltenem Glück. Seine Thierstücke geben, nach der Aeußerung aller Kenner, den Oudryschen Stücken nicht das mindeste nach. Unter anderen malte er einst einen Löwen nach der Natur auf ein ausgeschnittenes Brett und stellte ihn im Zimmer auf; dies that solche Wirkung auf alle diejenigen, die ins Zimmer treten wollten, daß sie mit der größten Bestürzung zurücksprangen.

In Blumen-, Frucht- und Küchenstücken wußte er die natürlichen Farben der Früchte sowohl als des ver-

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schiedenen Metalles aufs richtigste zu treffen, und am mehrsten verdient bei all seiner vortrefflichen Arbeit bewundert zu werden, daß er die höchste Mannigfaltigkeit der Färbungen aus sehr wenigen Hauptfarben hervorbrachte.

Auch in historischen Stücken war er groß; unter andern ist die Austreibung aus dem Paradiese eins der schönsten und edelsten dieser Art. Adam und Eva sind beide laufend dargestellt. Eine helle Erleuchtung des Himmels macht eine vorzügliche schöne Wirkung auf beide Figuren, deren Hintergrund etwas dunkler gehalten ist.

Nicht lange vor seinem Tode unternahm er es, eine weit größere Idee auszuführen, wodurch er gewiß sein Andenken unsterblich gemacht haben würde. Dies war die Verkündigung der Hirten auf dem Felde, die auf höchsten Befehl in der Ludwigsluster Kirche gemalt werden sollte. Allein dies große Werk blieb unvollendet, weil er im J. 1772 darüber weg starb. Die noch in den Wolken schwebenden Heerschaaren wurden nur fertig, die Hirten, über Lebensgröße, nebst den Thieren, stehen jetzt noch unvollendet und mit bloßer Kreide gezeichnet da.“

Dieses Werk wurde dann später von dem Hofmaler Johann Heinrich Suhrland vollendet und wird noch heute von den Besuchern der Schloßkirche bewundert.

Nugent sagt von Findorf weiter:

„So groß seine Talente waren, so edel und über allen Ausdruck erhaben war sein Charakter. Ein Christ im ganzen Sinne des Worts und Menschenfreund im umfassendsten Verstande. Auf seinem Sterbebette trug er die Schmerzen seiner Krankheit mit bewunderungswürdigster Duldung, und je mehr sein Ende sich nahte, desto mehr schien seine Seele schon mit den himmlischen Gegenständen beschäftigt zu sein, wovon er sich bei seiner letzten Arbeit das große Ideal entwarf.“

Nach einer Notiz im Ludwigsluster Kirchenbuch ist Findorff am 7. Mai 1772, 50 Jahr 1 Monat und 10 Tage alt begraben, während die Künsterlexica ihn am 3. Mai

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1775 sterben lassen. Das Wahre wird also der 3. Mai 1772 sein. Er ruht auf dem eingegangenen Kirchhof zu Klenow, dessen Kirche er zu Lebzeiten zeichnete.

In der Großherzoglichen Gemäldegallerie zu Schwerin befinden sich von Findorff 58 Gemälde und 33 Originalradirungen im Kupferstich-Cabinet. Erstere sind von dem Direktor der Kunstsammlungen, Hofrath Dr. Schlie, beschrieben, von den Radirungen giebt es noch kein beschreibendes Werk.

Unter Nr. 352 der Gemäldesammlung ist „Selbstbild des Malers“ mit der Bemerkung verzeichnet:

„Er ist nach links gewendet, blickt aber auf den Beschauer. Seine Perrücke ist gepudert. Er trägt einen hellgrauen Rock und ein weißes Halstuch.“

Außerdem existiert noch ein Bild von ihm gemalt von dem Hofmaler Suhrland.

Unter Nr. 395 finden wir:

„Elbufer bei Lauenburg.“ Links hohe lehmige Ufer, welche bewaldet sind, und neben denen im Mittelgrunde, unten am Fluß, ein Theil der Stadt sichtbar wird. Im Vordergrunde ein Bauer und eine Bäuerin. Rechts der Strom und das der Stadt gegenüber liegende flache Ufer mit Gehöften und Bäumen. Auf dem Strom ein Holzfloß das von einigen Leuten getrieben wird.

Dasselbe Bild existirt als Originlaradirung Findorfs vom Jahre 1760 mit der Unterschrift:

„Ihr Berge, wo ich sonst als Knabe mich gefreut, wenn ich euch oft besucht. Euch sey dieses Blatt geweyht.“

Diese Bilder habe ich mit Genehmigung des Herrn Hofraths Schlie für meine Sammlung photographiren lassen, außerdem besitze ich noch aus der Zahl der Radierunggen eine Abbildung von Lauenburg mit der Unterschrift:

„Das Amt Haus und der alte Schloß Thurm zu Lauenburg.“

Der Flügel des Schlosses steht in seiner heutigen Gestalt bereits da, während die Ruinen des abgebrannten Schlosses noch nicht vollständig abgetragen sind.

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Auch ein Bild der Kirche zu Klenow, Grabstätte des Findorff, und noch einige andere Bilder dieses Meisters besitze ich, jedoch ist es mir bisher nicht geglückt, Originalbilder von ihm zu erwerben, obgleich im Privatbesitz noch mancherlei zu finden sein mag.
 

JOHANNES FRIESE.


 


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