Jahresband 1892

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miscelle.]

Lauenburgische Garnisons im vorigen Jahrhundert.

(Dührsen, W.)
 

Im Jahrbuch für 1890 (III,1) brachten wir in den Miscellen (p. 114 f.) aus dem Braunschweig-Lüneburgischen Staatskalender pro 1761 einige Mittheilungen über Postverbindungen u.s.w. Es ist dem Verein gelungen, antiquarisch die in Lauenburg a. E. bei Joh. Georg Berenberg erschienenen Staatskalender von 1792, 1796 u. 1803 zu dem pro 1761 für die Bibliothek zu erwerben, welch’ letzterer über das im Herzogthum Lauenburg garnisonirende Militair keinen Auffschluß giebt. Im Staatskalender von 1792 finden wir indeß unter der Rubrik „Staabs-Quartiere und Garnison-Stand Sr. Königl. Majestät deutschen Truppen“, daß in Ratzeburg damals der Stab und 5 Compagnien des I. Battaillons des 13. Infanterie-Regiments, 1 Compagnie in Mölln und 1 Compagnie des II. Battaillons desselben Regiments in Lauenburg in Garnison gelegen haben (jedes Battaillon hatte 6 Compagnie’n), außerdem Ratzeburg mit Stade und Haarburg sich in eine Compagnie des II. Artilleriebattaillons getheilt hat. Im „Mondirungs-Verzeichniß der Trouppen“ finden wir, daß das 13. Regiment rothe Röcke, weiße Westen und weißes Unterfutter, hellblaue Aufschläge und Rabatten und silberne Besetzung, die Artillerie hellblaue Röcke, weiße Westen, rothe Rabatten und Aufschläge und goldene Besetzung getragen haben. Jedoch finden wir unter den Garnison-Regimentern auch ein „ratzeburgisches,“ welches rothe Röcke und Westen, weißes Unterfutter, rothe Rabatten und Aufschlage und silberne Besetzung getragen. Als Chef des ratzeburgischen Regiments wird Hermann Melchior v. Wersebe, geb. zu Meyenburg,

1892/07 - 04 - 135


1892/07 - 04 - 136

genannt, als Major Georg Carl v. Biela aus Sundhausen, als Hauptleute (Capitaines) v. d. Decken aus Stade, Ebeling aus Verden und Beckmann aus Mölln, als Lieutenants Hagemeyer aus Warnsdorf, Heydemann aus Lemförde, deWitte aus Osterorde, als Fähndrich Dytherici aus Rottenburg. Nach dem Kalender von 1796 scheint Mölln damals eine Garnison nicht mehr gehabt zu haben, während die von Ratzeburg (fünf Compagnie’n des I. Battaillons 13. Regim. und Stab) und Lauenburg (1 Compagnie desselben Battaillons) noch aufgeführt werden. Nach dem Kalender von 1803 hat nur noch Ratzeburg eine Garnison (Stab und I. Battaillon des 11. Regim.) Oberst des 11. Regiments war W. A. v. d. Osten, Major: Schuster, als Hauptleute werden genannt v. Hademstorff, von Uslar, v. Schlepegrell, v. d. Beck, Cumme, v. Berger, Chüden, v. Ramdohr, v. Benoit und Boden, als Premierlieutenants Kotzebue, Berensbach, Ruperti, Oldenburg, v. Bobart, v. d. Decken, v. Reiche und v. Lösecke, als Sec.-Lieutenants Brauns, Leschen, v. Schlütter, Plate, le Bachelle, v. Heimburg, v. Walsleben, Heise und endlich als Fähndrichs v. Diemar, Wattenberg, v. Wrisberg, v. Both, v. Wietzendorf, v. Uslar, v. Holle und Ecythropel, als Regiments-Quartiermeister Pr.-Lieutenant Bennin. Jedoch ist dabei zu bemerken, daß das II. Battaillon des 11. Regiments in Lüneburg lag. – Heutigen Tages erinnern nur noch in Ratzeburg und Lauenburg die alten Militairkirchhöfe, in Ratzeburg außerdem die alte Caserne und in Lauenburg die vor einigen Jahren in Privatbesitz übergegangene Wache in der oberbrücker Vorstadt, in Mölln aber nichts mehr an die alten Garnisons. Auf dem alten lauenburger Militairkirchhof erinnern einige Leichensteine in ihren Inschriften noch an Solche, die dort ihr junges Leben ausgehaucht haben.

WD.


 

* * *



 

 

 

 



*