Jahresband 1892

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



MISCELLEN.

Das Herrnburger Kreuz
.

(Dr. Hellwig)

(Die Abbildung des Kreuzes befindet sich nicht
hier im Text, sondern vor dem Titelblatt!)

 

Bei Gelegenheit einer Fußtour im Juli 1889 wurde mir bei Herrnburg ein alter Stein gezeigt, der dort, etwa einen Kilometer vom Dorfe entfernt, einsam auf der Heide steht. Es war darauf ein Crucifix zu erkennen, an dessen Fuße links und rechts je eine Gestalt kniet, darunter ein Wappen und eine unleserliche, zum Theil schon abgebröckelte Inschrift. Da der Stein mein ganzes Interesse erregte, ließ ich es mir angelegen sein, denselben wiederholt aufzusuchen, ihn zu reinigen und Abklatsche von der Inschrift zu nehmen. Herr Lehrer Holst-Herrnburg hatte die Freundlichkeit mich hierbei zu unterstützen und nicht nur einen vollständigen Abklatsch der Inschrift, sondern auch eine Skizze des Bildwerks anzufertigen. Nunmehr vereinigte Herr Buchhändler M. Schmidt seine Bemühungen mit den meinigen, und es gelang uns durch fortgesetzte, mühevolle Untersuchungen Inschrift und Zeichnung soweit zu enträtseln, als das überhaupt noch möglich sein dürfte. Das Resultat ist folgendes: Der Stein hat eine Höhe von 2,30 m. , eine Breite von 0,67 m. und eine Dicke von 0,15 m. Zeichnung, Wappen und Inschrift verdeutlicht das beigegebene Bild, welches nach der Zeichnung des Herrn M. Schmidt ausgeführt ist. Ob die Figur rechts vom Beschauer einen Mönch oder eine Dame vorstellt, bleibt fraglich, da das Gesicht weggeschlagen ist. Auch die Füße der

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Christusfigur fehlen. Das Wappen, Lilie und Schwert, hat sich in keinem Wappenbuch auffinden lassen. Die Inschrift lautet:

Anno domini 1466 die XVII Augusti
obiit hic hinrik pomert dum
peregre vadit. Criminis o . . . . .
. . . li suique et suorum. Huic d . . .
. . hoc filius decanus hamb-
urgensis. Memores astote suarum
precor animarum.

d. i. Im Jahre des Herrn 1466 am 17. Tage des August starb hier Heinrich Pomert, als er auf der Pilgerschaft war. Des Verbrechens . . . . . seiner und der Seinen. Dies widmete ihm der Sohn, ein hamburgischer Dekan. Ich bitte, seid ihrer Seelen eingedenk.

Die Lücke hinter criminis auszufüllen ist bis heute noch nicht geglückt. Vom Hamburger Dekan Pomert ist weiter nichts bekannt, als daß er in der That existierte und diese Würde bis zum Jahre 1466 bekleidete.

Dr. HELLWIG.


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