Jahresband 1891

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Nachtwächter in Mölln. *)

(Dührsen, W.)
 

Bis vor etwa 10 Jahren seit uralter Zeit haben die Nachtwächter zu Mölln um 10 Uhr Abends gesungen:
„Hört Ihr Herren und laßt Euch sagen,
De Klock hett tein slagen.

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*) Bei dieser Gelegenheit wird um Mittheilung von Nachtwächter-Gesängen auch aus anderen Orten Lauenburgs gebeten. In heutiger Zeit muthet uns der fromme und gottesfürchtige Sinn, der in diesen, in stiller Nacht auf offener Straße gesungenen Strophen zum

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Ein jeder bewahre sein Feuer und Licht,
Daß in der Stadt kein Schaden geschicht.
Mit uns sei Gott der Herr,
Ihm sey Lob, Preis und Ehr’!

und Morgens um 4 Uhr:

„De Klock hett veer slagen,
Veer ist de Klock.
Der Tag vertreibt die finstere Nacht.
Ihr lieben Christen seid munter und wach!
Lobet Gott, den Herren!“

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Ausdruck kommt, eigenthümlich und wohlthuend an, und man kann beklagen, daß jetzt in den Städten wenigstens, nicht einmal mehr Nachts das Horn oder die Knarre, (vulgo „Röterwacht“) erschallt, die allerdings gleich den Gesängen den Nachtheil hatten, daß sie den Einbrechern und Dieben Gelegenheit gaben, sich in Sicherheit zu bringen. – An einigen Orten wurde übrigens um 12 Uhr auch gesungen, u. zwar:
 

„Um Mitternacht
Hält Gott die Wacht
Mit Seinen Engelsschaaren.
Vor Wasser- und vor Feuersnoth
Woll’ uns der Herr bewahren.“

W. D.
 

 


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