Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miscelle.]

Aus dem Braunschweig-Lüneburgischen Staatskalender pro 1761.

(Dührsen, W.)
 

Der Verein hat kürzlich antiquarisch einige alte Braunschweig-Lüneburgische Staatskalender erworben, die schon deswegen für uns von Interesse sind, weil sie in Lauenburg a. Elbe bei Joh. Christ. Berenberg, Königl. privileg. Buchdrucker, „gedruckt und zu finden“ waren. Sie sind von 1737-1803 bei Behrenberg erschienen und auf der Rückseite des Titelblattes eines jeden Exemplars findet sich das unterm 15. September 1736 ertheilte Privilegium abgedruckt. Selbiges ist nach dem Tode des Joh. Christ. Berenberg durch Resolution vom 26. Febr. 1768 seinem Sohne Johann Georg Berenberg, Hofbuchdrucker in Lauenburg, und nach dessen Tode dessen Sohn Eberhard Friedrich Justus Heinrich Berenberg durch Resolution vom 13. Dezember 1797 verliehen. Wie wir Fr. von Omteda’s neuer vaterländischer Literatur p. 277 entnehmen, hatte der Schullehrer Matthias Rohlfs, Arithm. et Math. Buxtehud., anfänglich die Redaction zu besorgen, wie er denn auch den Staatskalender pro 1761 „zum fünf und zwanzigsten mal ans Licht gestellt“ hat. Das erste Verzeichnis der Staatsdienerschaft füllte, nach Ompteda l. c., 58 Seiten, im Jahr

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1750 hatte die Seitenzahl sich verdoppelt, im Jahr 1790 waren es 232 Seiten und der letzte Staatskalender vom Jahre 1803 enthält nebst einem Verzeichniß sämmtlicher adeligen Güter und ihrer Besitzer die Namen von etwa 7200 Staatsdienern auf 264 Seiten. Außer dem oben angeführten Kalender von 1761 besitzt der Verein die Jahrgänge 1792, 1796 und 1803. Die nachstehenden Nachrichten entnehmen wir dem Kalender von 1761. S. 48 finden wir „die bey denen Lauenburgischen Collegiis stehende Bediente“ aufgeführt: J. F. C. von Alvensleben, Landdrost, O. C. von Schrader, A. F. von Laffert und Ulrich Andr. Hans von Wackerbarth, Regierungsräthe. Secretarien: Anton Heinr. Steding, J. H. Kraut, J. D. Schubert und J. Ph. Meyer; Litius, A. Germann Umhalt, C. A. Rabe, Kanzlisten (ersterer Botenmeister) und J. W. Müller Pedell. Bei’m Hofgericht fungirte A. C. von Witzendorf als Hofrichter und außer den beiden genannten Regierungsräthen v. Schrader und von Laffert Landmarschall Detl. von Bülow, Landrath und Cämmerer, Friedr. v. Sidow und C. L. von Bilderbeck als Assessoren, die genannten Steding, Protonotarius, und Schubert als Secretaire und Litius als Kanzlist. Bei’m Consistorium fungirten v. Alvensleben, Präses, v. Schrader, v. Bülow und als geistliche Assessoren Superintendent J. E. Hohenholtz in Ratzeburg und Mich. Chr. Brandenburg, Pastor in Sandesneben. Als Advocaten und Procuratoren finden wir Anno 1761 Joh. Gottlieb Günther, auch Bürgermeister in Mölln, Ph. D. Lembcke, Joh. Nic. Dithmers, auch lauenburgischer Amtsadvocat, N. N. Hohenholtz und J. E. Braband, Stadtcommissarius. Die „löbl. Ritter- und Landschaft des Fürstenthums Lauenburg“ ist vertreten durch die bereits genannten Landmarschall Detlef v. Bülow und Hofrichter v. Witzendorf (auch Oberhauptmann und Domdechant zu Lübeck); „die übrigen Herren Landräthe vacant“. Land-Syndicus Dr. David Jonathan Scharf. – Als Landphysicus finden wir angegeben in Ratzeburg Dr. N. N. Meyenberg. – Unter den K. u. Churf. Consulenten, auch Amtsadvocaten,

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finden wir Alb. Lud. Sezen, auch Gerichtsschulze zu Lauenburg, und Joh. Ditmers; unter den Garnisonauditeurs in Ratzeburg Joh. Buermeister; als zum K. und Churf. Kriegscommissariat gehörend in Ratzeburg Bau- und Proviantverw. Fr. Lorenz Selbitz und Contrib.-Einnehmer Casp. Ant. Trautmann.

Der Cammerer (h. z. T. Kammerherr) G. L. Graf v. Schulenburg war damals Oberforst- und Jägermeister für Lauenburg; derselbe war auch Generalmajor und Drost zu Scharnbeck; H. C. Rasch war Forst-Secretarius, und Joh. Beussel und F. C. Haase Oberförster. Unter den Postmeistern finden wir in Ratzeburg Reg.-Secr. Ant. Hr. Steding als Oberpostinspector für Lauenburg, als K. und Churf. Postverwalter in Mölln Bürgermeister Joh. Gottl. Günther, als Posthalter in Büchen Conr. Ernst Schuhmacher und in Lauenburg Ernst Georg Meyer. Andere Postbeamte werden nicht aufgeführt. – Im Magistrat zu Lauenburg saßen der schon genannte Sezen als Gerichtsschulze, J. D. Scharnweber und J. H. Gnaust als Bürgermeister, Chr. Kober als Camerarius, Dochtermann, Reders und Winter als Senatoren, J. H. Gundelach als Secretair; in Ratzeburg Braband als Stadtcommissarius, Matthießen als Bürgermeister, Brüggemann und Nölting als Camerarien, Rade und Grünberg als Senatoren, A. Jührs als Secretair; in Mölln endlich J. G. Günther als Bürgermeister (mit dem Stadthauptmannsamte war damals der Landmarschall v. Bülow auf Gudow belehnt), J. P. Jenckel als Bürgermeister und Polizeicommissar, Schumacher, Kahl, Groschopf und Schreiber als Senatoren und Wiering als Secretair. Die Aemter waren im Jahre 1761 folgendermaßen besetzt: Amt Ratzeburg Kauffmann als Amtmann, Oldenburg als Amtsschreiber; Amt Lauenburg A. E. v. Plesse als Oberhauptmann, Westphal und Ramberg als Amtmänner; Amt Neuhaus Reinbeck als Oberamtmann und Westphal und Voigt als Amtsschreiber; Amt Schwarzenbek Knoche als Amtmann, Kries als Amtsschreiber und Amt Steinhorst A. J. Reinbeck als Amtsschreiber. An der Spitze eines jeden Amtes

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stand der Landdrost von Alvensleben. Der Oberhauptmann v. Plesse stand auch dem Elbzollamt zu Lauenburg vor, A. F. Meyer fungirte als Zöllner und Just Balemann als „Zollgegenschreiber“. – Auch die Prediger sind angegeben; wir wollen nur die städtischen hier anführen: in Ratzeburg standen, außer dem Superintendenten Hohenholtz, Harms als Diaconus, in Mölln Bote als past. prim. und Elten als Diaconus und in Laueburg Harding und Raphel. – Dann bringt unser Kalender noch das „genealogische Register alle lebenden durchlauchtigsten Höchst- und hohen Häuser in Europa“, darunter auch sämmtliche geistliche Höfe (Trier, Würzburg u.s.w.) und die seitdem mediatisirten kleinen deutschen Fürstenthümer (z. B. Mansfeld, Löwenstein-Wertheim, Oettingen-Spielberg u. a. m.) Endlich am Schluß erfahren wird Näheres über die Postverbindungen. Im Zeitalter des Dampfes, in dem wir leben und kaum eine Postkutsche mehr zu Gesicht bekommen, kommen uns die mitgetheilten Postverbindungen seltsam genug vor. Sonntags und Donnerstags „ganz frühe“ mußte man von Lauenburg abfahren, wenn man mit der fahrenden Post nach Lüneburg und „von da in einer Tour weiter“ nach Celle, Hannover, Hildesheim, Hameln, Einbeck und dem ganzen Harz reisen wollte, Mittwochs und Sonnabends Nachmittag ging’s nach Göttingen, Cassel, Frankfurt, Braunschweig, Leipzig u.s.w. Sonntags und Donnerstags Abends konnte man nach Boizenburg, Mölln, Ratzeburg, Lübeck, Mecklenburg und Schwed. Pommern gelangen, Mittwochs und Sonnabends Nachmittags nach Magdeburg, Berlin u.s.w. An denselben Tagen Abends um 7 Uhr fuhr eine Postkutsche über Escheburg und Bergedorf nach Hamburg. Alle Posten wurden im K. und Churf. „Post-Contoir“ spedirt. Zu den Abgangszeiten kamen auch die auswärtigen Posten in Lauenburg an. Wie man sieht, war für die damaligen Zeiten die Verbindung gar nicht so übel, und wir sind überzeugt davon, daß das Reisen in jener fernliegenden Zeit, wenn es auch in den breiten und tiefen Sandwegen nur langsam vorwärts ging, viel mehr Reiz hatte

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als h. z. T., wo man mit dem Dampfroß gleichmäßig rasch durch schöne und häßliche Gegenden jagt, ohne mit seinen Reisegenossen bekannt zu werden. Viele behagliche Wirthshäuser lagen an den Landstraßen und wohl bei allen hielten die Postkutschen an, damit nach der staubigen, beschwerlichen Fahrt Reisende und Pferde sich erquicken konnten. Viele Wirthshäuser erwarben sich als Verpflegungsstellen einen guten Ruf (z. B. der Fortkrug in Langenlehsten, die Christopherschenke in Fredeburg etc.), nach etlichen wurden die Landstraßen benannt (z. B. Wasserkrüger Weg nach dem Wasserkrug in Sarnekow. Der Name wird schwerlich dem dort an Durstige verabreichten Wasser entnommen sein, denn die damalige Generation stillte auf Reisen ihren Durst ebenso wenig mit Wasser wie die jetzige!) Von Mölln fuhr Mittwochs und Sonnabends Abends 5 Uhr die Post nach Boizenburg und Lauenburg und von da weiter ins Reich hinein, Montags und Freitags Morgens 7 Uhr nach Ratzeburg, Lübeck, Mecklenburg u.s.w. Von Hamburg kam 2 Mal wöchentlich eine fahrende Post via Bergedorf, Escheburg, Schwarzenbeck, „mit welcher auch alles in und aus dem Lande Hadeln gehet und kommt.“ Von Ratzeburg fuhren 2 Mal wöchentliche Posten nach Lübeck, von wo Anschluß nach Kiel und ganz Holstein war, zweimal nach Süden ins Reich via Mölln und 2 Mal via Gadebusch ins Mecklenburgsche, nach Pommern u.s.w.

Anzuführen ist zum Schlusse noch, daß in der Rubrik „Von den Sonnen- und Mondfinsternissen“ ein kleiner Artikel in unserem Kalender der „Erscheinung Veneris in der Sonnen“ gewidmet ist. Im Jahre 1761 war also ein VENUSDURCHGANG und der Kalender verfehlt nicht, auf diese „gar seltene Himmelsbegebenheit“ besonders aufmerksam zu machen. Am 5. Juni Abends 10 Uhr 14 Min. Eintritt der Venus, am 6 s. M. früh 1 Uhr 55 Min. die „näheste Zusammenkunft dieser Planeten.“ Es wird versichert, daß eine solche Erscheinung nur ein einziges Mal von einem einzigen Astronomen gesehen worden: Ao 1639, d. 24. Nov. alten Kalenders von dem Astronomen

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Jeremias Horroxius in England. – Ueber das Militair, welches im vorigen Jahrhundert in den 3 lauenburgischen Städten garnisonirte, hoffen wir im nächsten Jahrbuch einige Notizen liefern zu können.

W. D.

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