Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miscelle.]

Aus den Protocollen des Lübecker Raths.

(Brehmer, W., Dr.)
 

1655. Als ein Bürger den Rath der Stdt Mölln auf Rückzahlung einer Anleihe von 2000 Mark belangte, die er ihm zur Zeit der Mansfeldischen Einquartierung gemacht habe, bemerkte der Rath in seiner Erwiderung, daß die Kosten, welche der Stadt und deren Bewohnern aus jener Einquartierung entstanden seien, sich auf mehr als 63308 Mark beliefen

1657. Als in Mölln vom Hauptmann, dem Rathe und den Kirchenvorstehern ein Prediger gewählt und beim Rathe zu Lübeck um dessen Bestätigung nachgesucht ward, verweigert sie der letztere, da der Pastor zu Mölln, weil ihm das jus nominandi genommen sei, Widerspruch eingelegt hatte. Zugleich ward beschlossen, daß sich der Vorsitzende des Lübeckischen Consistorii und der Superintendent bereden sollten, ob es bei der Wahl bleiben könne oder nicht. Im ersteren Falle müsse aber der Gewählte in Lübeck eine Probepredigt halten, sich auch examiniren lassen.

1657. Als sich der König von Schweden auf seinem Feldzuge gegen Dänemark der Stadt Mölln näherte, verlangte er von dem dortigen Hauptmann, daß ihm zum 18. Juli von der Stadt 50000 Pfund Brod, 400 Tonnen Bier, 70 Ochsen, 100 Schafe, 20 Tonnen Salz und für den Generalstab allerlei Viktualien geliefert würden.

1657. Am 12. August quartierten sich 80 schwedische Soldaten, die 160 dänische Soldaten geleiteten, in Alt-Mölln ein, da ihnen der Eintritt in die Stadt Mölln verweigert wurde, doch mußten deren Bewohner ihnen die erforderlichen Lebensmittel liefern.

1658. Ein Lübeckischer Corporal wird mit acht Reitern am 11. Januar nach Beidendorf geschickt, um darauf zu achten, daß es bei der Einquartierung schwedischer Soldaten ordentlich zugehe. Als er sich von hier nach Wulfsdorf begiebt, wird er von dem Herzog Franz Erdmann von Sachsen-Lauenburg überfallen und gefangen genommen. Dieser verweigert ihre Auslieferung, indem er behauptet, die Lübecker hätten zuerst auf

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ihn geschossen. Solches wird aber von den Bauern, die Zeugen des Vorfalles gewesen sind, bestritten. Der Lübeckische Rath wendet sich deshalb mit einer Beschwerde an den König von Schweden, der ihnen erwidert: Er wisse wohl, daß der Herzog viele Streitigkeiten mit der Stadt habe. Sollte derselbe wieder in seiner Angelegenheit des Königs Völker benutzen, so möge der Rath sie gefangen nehmen und dem Könige schicken, der wolle sie strafen, daß der Rath Gefallen daran habe.

1658. Januar. An Stelle des verstorbenen Pastors zu Breitenfelde ward von Lübeck ein neuer Geistlicher gewählt. Bevor aber dieser in sein Amt eingeführt ward, ließ der Herzog von Lauenburg einen andern von ihm gewählten Geistlichen gewaltsam durch seinen Superintendenten in das Amt einsetzen. Sobald dieses der Lübeckische Rath erfuhr, legte er hiergegen bei der Ratzeburger Regierung durch einen Notar Verwahrung ein, zugleich befahl er, daß der von ihm ernannte am nächsten Sonntag in Begleitung von 100 Soldaten eingeholt werden solle; finde man die Kirche verschlossen, so solle man durch das Fenster einsteigen und ein neues Schloß an der Kirchthür anbringen, auch den Schlüssel wohl verwahren; habe sich der Küster in der Aufbewahrung des alten Schlüssels vergangen, so solle er abgesetzt werden. Der Oberst erhielt die Weisung, wenn der Kirchhof besetzt sei, mit Stücken, die er aus Mölln mitzunehmen habe, darauf „spielen“ zu lassen. Dem neuen Geistlichen ward aufgegeben, sich nach seiner Einsetzung in Mölln aufzuhalten und sich zur Besorgung seiner Amtspflichten jedesmal „unter Convoi“ nach Breitenfelde zu begeben. Am 30. Januar berichtete der Superintendent, daß die Einführung des Geistlichen unter Begleitung von 100 Musketieren von ihm vorgenommen sei, daß der Lauenburger sich damit begnügt hätte gegen Vornahme der Handlung zu protestiren, worauf er durch einen Notar reprotestirt habe. Die Sache ward alsdann beim Kammergericht anhängig gemacht, das zu Ungunsten des Herzogs von Lauenburg entschied und ihm aufgab,

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die Schlüssel der Breitenfelder Kirche an den Rath zu Lübeck auszuliefern. Unterm 23. Juli erklärt ersterer, daß er bereit sei dieser Auflage zu entsprechen.

1658. Der Herzog von Lauenburg verbietet, daß zukünftig in Mölln gebrautes Bier in seinen Landen verschenkt werde. Um den Möllner hirfür Ersatz zu gewähren, gestattet der Rath, daß ihr Bier innerhalb der Landwehr in den bei den Schlagbäumen gelegenen Krügen und auf dem Fischerbuden getrunken werden dürfe. Ein Gesuch, die Einfuhr des in Ratzeburg gebrauten Rommeldeus zu verbieten, ward abgelehnt, „da man jenes Getränk, das hier so viel getrunken werde, alsdann zum Nachtheil der Accise hineinstehlen wird.“

1668. Verfassungsstreitigkeiten, die in Mölln zwischen dem Rathe und der Bürgerschaft entstanden waren, werden durch die Lübeckischen Kämmereiherren ausgeglichen.

Dr. W. BREHMER.

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