Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


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Miscellen.

Professor Otto Becker
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(N. N.)
 

Am 7. Febr. d. J. verstarb zu Heidelberg der berühmte Augenarzt, Geh. Rath Professor Dr. OTTO BECKER, Director der dortigen Augenklinik. Da der Verstorbene unser Landsmann gewesen, so geziemt es sich wohl, seiner an dieser Stelle zu gedenken. Becker war ein Sohn des Directors der Ratzeburger Domschule und ist in Ratzeburg am 3. Mai 1828 geboren und zwar in dem jetzt vom Rector a. D. Hornborstel bewohnten, dem Kreuzgang und der Aula der alten Domschule gegenüberliegenden Häuschen auf dem Domhof. Seine Mutter war eine Tochter des berühmten Hufeland. Auf der Ratzeburger Domschule, dem jetzigen dortigen Gymnasium, vorgebildet bezogt er 1847 die Universität und studirte zuerst Theologie und Philologie in Erlangen, dann Mathematik und Naturwissenschaften in Berlin. Von hier ging er 1851 als Hofmeister nach Wien und dort wandte er sich von 1854 an dem Studium der Medizin zu. 1859 zum Dr. med. et chir. promovirt, ward er Secundärarzt am Wiener allgemeinen Krankenhause. Von 1862 an widmete er sich dem Specialfach der Augenheilkunde und nachdem er zuerst Privat-, dann klinischer Assistent bei Arlt gewesen, habilitirte er sich 1867 in Wien als Docent für Augenheilkunde; im folgenden Jahre schon erhielt er einen Ruf als professor ordinarius für Augenheilkunde nach Heidelberg, wo er bis zu seinem Tode auf des Segensreichste gewirkt hat. Groß ist die Zahl der von ihm verfaßten und herausgegebenen Schriften und Werke. Seine Augenklinik, nach seinen Wünschen

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und Plänen erbaut, eingerichtet und ausgestattet, gilt als eine Musteranstalt, denn, da er das Hauptgewicht auf seine Lehrthätigkeit legte, so zeichnete sie sich durch eine äußerst vollständige Sammlung aller nur denkbaren zur Untersuchung des Auges und zur Veranschaulichung ersonnenen Vorrichtungen aus. Der Erfolg seiner Lehrthätigkeit ist denn auch ein sehr großer gewesen und nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Auslande strömten ihm viele Hörer zu. Er hatte als Augenarzt einen weit verbreiteten Ruf und verfügte auch über eine bedeutende, stellenweise mit derbem Witz gewürzte Rednergabe. Wie alle guten Lauenburger hatte er seiner engeren Heimath eine treue Anhänglichkeit bewahrt. Vor etwa 3 Jahren noch besuchte er mit seinem Sohne seine Vaterstadt.

Requiescat in pace!

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