Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



Nachträge zum limes Saxoniae.

(Zweiter Nachtrag, Fortsetzung zu S. 62 ff. *)

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[Handelmann, Prof.]
 

Was den lauenburgischen STEINBERG (Steinburg) in der Gemarkung Franzdorf anbetrifft, so habe ich ganz besonders dem Herrn Rentmeister Hönerloh in Steinhorst zu danken für eine gefällige Durchzeichnung aus der im Jahre 1747 aufgenommenen Verkoppelungskarte von B. Duplat. Der Hügel ist hier als „gemeinschaftliche Weide“ bezeichnet, wie er auch noch heutzutage die „Schweineweide“ genannt wird, und der kahle unfruchtbare Boden war niemals zu anderen Zwecken brauchbar. Südwärts von demselben breitet sich ein Waldbestand, die Steinborgs Rie (Rie gleichbedeutend mit bewaldetem Sumpf oder Bruch) aus, von dem noch ein Überrest vorhanden ist, dagegen die nordwärts längs der Eicheder Scheide belegene Breiden Rie ist, wie ich mich aus eigener Anschauung überzeugen konnte, vollständig abgeholzt, so daß man eine freie Aussicht auf die Kirche von Eichede und in weite Ferne hat. Die alte Gemeinweide lag also ursprünglich mitten im Walde versteckt und eignete sich deshalb sehr gut zu einer Zufluchtsstätte in Kriegszeiten. Eine als Fahrweg dienende Mulde theilt die Kuppe in zwei ungleiche Hälften, und auf dem Westende, welches ziemlich steil in die Niederung abfällt, hat man geglaubt, die Überreste eines ehemaligen Walles zu erkennen; ich wage nicht, darüber mit Sicherheit zu entscheiden, wenn auch der Lauf der Zeit viel verwischt und geebnet haben mag, an eine regelmäßige, vertheidigungsfähige Umwallung ist jedoch nicht zu denken. Auf Duplat’s Karte sind hier noch vereinzelte Bäume angedeutet; die kleinen Kreise können sich vielleicht
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*) Erst während des Druckes eingegangen. D. R.

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auf freiliegende Felsen beziehen. Und die Schraffirung innerhalb der östlichen Hälfte allenfalls auch auf eine Grandgrube. Erratische Blöcke ragen noch an vielen Stellen aus der dürftigen Grasnarbe hervor; aber daß hier auf der Kuppe des Steinbergs jemals ein frühmittelalterliches, mit Felsen fundamentirtes Bauwerk gestanden haben sollte, ist mir unwahrscheinlich geworden. Nichtsdestoweniger halte ich diesen Hügel nach wie vor für den LIUDWINESTEIN.

Ungefähr einen halben km westwärts von der „Schweineweide“ (Steinberg), innerhalb des holsteinischen Geheges STEINBURG finden sich bemerkenswerthe Steinwälle, welche die Topographie (Bd. II S. 472, Dorf Sprenge) als „Wallüberreste einer alten Burg“ anspricht. Der Boden des betreffenden niedrigeren Höhenzugs ist gleichfalls ganz unfruchtbar; doch mit Baumwuchs. Die Wälle sind gegenwärtig 1 m hoch, 1 m breit und aus rohen Felsblöcken kunstlos zusammengefügt; sie sind übrigens zum Theil zerstört, und durch Erdwälle ersetzt, wie es in neueren Zeiten zu geschehen pflegt, wenn man die Steine anderweitig verwerthen kann. Eine genauere Aufnahme, welche ich den Herren Forstaufseher Homann in Todendorf und Lehrer Suhr in Kiel verdanke, zeigt ganz unregelmäßige und ungewöhnliche Formen: ein geschlossener und etwas gekrümmter, 110 m langer Steinwall, von Süd nach Nord gerichtet und mit der Front gegen West, welcher sich am nördlichen Ende umbiegt und 36 m lang nach Osten, dann noch als Erdwall eine Strecke nordostwärts fortsetzt. An den großen, S.-N. Wall, 40 m vom nördlichen, 70 m vom südlichen Ende, lehnt sich ein von West nach Ost gerichteter Steinwall, jetzt noch 120 m lang. Es kommt also die ungefähre Figur eines T heraus. An das südliche Ende des S.-N. Walles schließt sich ein nach Ost laufender Erdwall, der in seiner weiteren Fortsetzung (auf einer Seite Steinwall) sich dem großen W.-O. Walle nähert, als ob hier ein schmaler Eingang von Ost sein sollte. Nördlich von dem W.-O. Wall, aber ohne Zusammenhang mit den anderen Wällen sind noch Spuren eines zerstörten Steinwalles.

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Ich gestehe, daß ich aus dieser Anlage, welche keineswegs den natürlichen Linien des Höhenzugs folgt, sondern auch die Abhänge und etwas von den beiderseitigen Wiesen mitumfaßt, nichts zu machen weiß; an ein wirkliches Vertheidigungswerk ist nicht zu denken. Am ehesten könnte man die südliche Hälfte mit dem schmalen Eingang m. E. als eine Einhegung oder Hürde auffassen, worin das in den benachbarten Wäldern weidende Vieh zusammengetrieben wurde. Über die nördliche Hälfte in ihrem gegenwärtigen Zustande muß ich mich jeder Vermuthung enthalten.

Da sowohl die stormarnsche Steinburg wie der lauenburgische Steinberg mitten im Walde lagen, so hatte es keine Schwierigkeit, zur weiteren Deckung im Nothall schnell vertheidigungsfähige Verhaue anzulegen.


 


 


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