Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



Aus einer zu Lauenburg unter der Regierung
des Herzogs Julius Heinrich von Sachsen, Engern
und Westphalen vom 1. Januar 1657 bis Georgii 1658
geführten Rechnung. *)

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[Diermissen, J.]


„Ausgaben uff Ihr Fürstl. Gdn. gnädigen Befehlch.

Auff eingelangten gnädigen Befehlch Meines gd. Fürsten und H. Deroselben Baumeister Dionisio Bredekauen zu einlösung zweyer Kupffer und zu Bezahlung der Mahlergesellen auff die verfertigte Arbeit bezahlet . . . . . 36 Rthlr.

Auff meines Gd. Fürsten Befehlch Deroselben bestalten Raht Dr. Vincentio Garmersen für eingekaufte und erhandelte Gartengewächs ausgeliefert . . . . . 333 Rtl. 8 ggr.“

Es sind 16 ggr Banco Species gleich 3 Mark Reichsmünze, also vorstehende Summe gleich 1500 Mark, ein für die damaligen Verhältnisse ansehnlicher Betrag.

„Auff Fürstl. Gd. Befehlch dem Perspectiv Mahler Heinrich Martens auß Hamburg auf seine vorfertigte Arbeit gezahlet . . . . . 8 Rthlr.

Auff Fürstl. Befehlch von einem Schiffer aus Hamburg Namens Karsten Schnöde 3/2 Väßer Zerbster Bier Behueff Sr. Fürstl. Gd. Hoffhaltung außgenommen und gezahlet 12 Rthlr.“
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*) Das Original dieser Rechnung befindet sich im Besitze des Hrn. Postmeister Friese in Lauenburg.

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Das Zerbster Bier muß der Zeit sehr beliebt gewesen sein, in den Monaten März und April 1657 führten auf der Elbe nach Hamburg:

Jochim Deyer aus Tangermünde   6 80/2 Faß
Ernst Jung aus Magdeburg   1 373/2 Faß
Johann Dirichs aus Hamburg   24/2 Faß
Wilhelm Wolter aus Hamburg   15/2 Faß
Carsten Schnöde aus Hamburg   19/2 Faß
Georg Mauke aus Wittenberg   6 40/2 Faß
Barthold Schwormstädt aus Hamburg   64/2 Faß
Johann Mielke aus Hamburg   26/2 Faß
Warner Rotermund aus Magdeburg   25/2 Faß
Johann Kordes aus Hamburg   10/2 Faß
Hans Bresse u. Bartholt Junge aus Hamburg   11/2 Faß
Hartmann Wilke aus Magdeburg   100/2 Faß
Hinrich Otto aus Schönebeck   20/2 Faß
Johann Bolte, Rudolph Büsing und
Christoff Strahl aus Hamburg
  18/2 Faß
Hans Post aus Hamburg   59/2 Faß
Chr. Pohlemann aus Magdeburg   30/2 Faß
Hanß Söteberhs W. aus Hamburg   20/2 Faß

zusammen:

  13/1
und
934/2
Faß

nach jetzigem Gelde zu einem Werthe von 17280 Mark; in der gleichen Zeit des Jahres 1658 wurden: 23/1 u. 1021/2 Faß zum Werthe von 19206 Mark nach Hamburg verschifft.

„Auff Fürstl. Gndn. Befehlch dem Conterfeyer Philip Kilian für allerhand Bilder wieder auszubessern gezahlet 12 Rthlr.“

„AUSGABE INS GEMEIN.

Den vorstehern des hiesigen Schiffamts für ein geliehenes Zau gezahlet . . . . . 1 Rthlr.“

Bei dem Worte Zau = Tau (analog sagte noch vor 30 Jahren ein Plattdeutscher, der hochdeutsch sprechen wollte: zöf = töf für warte), sei bemerkt, daß nachdem im siebenzehnten Jahrhundert das Hochdeutsche in Niedersachsen auch

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diesseits der Elbe Eingang gefunden hatte und zur Schrift verwandt wurde, oft in hochdeutschen Handschriften theils ganz niederdeutsche Wörter, theils sprachwidrige Umformungen solcher vorkommen, die weder hoch- noch niederdeutsch sind, und wofür sich in vorliegender Handschrift manche Beispiele finden, von denen ich einige hervorhebe.

Drögguht, man könnte verleitet werden dies dem englischen dry goods, Zeug- oder Ellenwaaren, gleichzustellen, es wird jedoch hauptsächlich für drög Fleesch, trockenes d. h. geräuchertes Fleisch, im Gegensatz von grön Fleesch, frischem Fleische, gebraucht und kommt sehr häufig in Uxhäuptern und Tonnen verpackt vor. Wenn an einer Stelle unmittelbar nach 2 Päkschen Dröhgguht – 2 Kündchen Drögewahr folgt, so ist es zweifelhaft ob letzteres Wort etwas Anderes bezeichnet als ersteres. Der Rechnungsführer Johann Nakken ist im Anfange des Jahres 1658 gestorben, seine „Witib“ hat durch einen Stellvertreter die Rechnung zu Ende führen lassen und dieser schreibt Drögguht, dagegen hat Nakken stets Treuggutt geschrieben, ebenso treuge – trockene – Kirschen, treuge – geräucherte – Schnepel, treuge Olie.

Gesalzene Limonie können nicht gesalzene Citronen sein, ebensowenig sind gesoltene Kirschen, gesalzen: im Dänischen heißt bei Früchten „sylte“ einmachen, candiren und wird solten die gleiche Bedeutung haben. Auffallend ist es, daß gesalzene Limonien so häufig in größeren Quantitäten z. B. 5 Pipen in einem Posten vorkommen. Dehlen = Diehlen, Kalch = Kalk, Wandt = Tuch, Uxhaupt = Oxhoft (vergleiche Halfhoft, ein halber geräucherter Schweinskopf) und Huxhaubt, welches an das englische hoghead, Schweinshaupt, ein großes Faß wie Oxhoft, erinnert; Gruben = Grupen für Graupen; Barnausch Bier = Bernauer Bier. Flüchtig Gutt, im Dänischen heißt Flyttegods das Gut, mit dem man aus- und umzieht. Raachleder = behaartes Leder, (niederdeutsch rug = rauh, vergl. Rauchhuhn) Mede = Meth, Pechling = Packleinen, Masqueback die ossa

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sepia des Tintenfisches. Ferner Petersinen, Schaar, Schnitterling und Gerin. Specereien und Gewürz werden aufgeführt, der alte Ausdruck dafür: Kraut, niederdeutsch Krut kommt schon nicht mehr vor, (vgl. Krutkramer). Im I. Bande der Jahrbücher für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig-Holstein und Lauenburg in einer Schilderung des Haushalts des Ritters Hans von Alefeld nach dem haseldorfer Gutsregister vom 1495 bis 1501 wird darüber Verwunderung ausgesprochen, daß so viel Kraut, welches man doch selbst hätte bauen können, von Hamburg bezogen wäre. Schließlich erwähne ich den veralteten Ausdruck Rootscher, getrockneten Kabeljau, der damals in großen Mengen versandt wurde.

„Einem Schiffmann, Gabriel Volgeraht alhir, daß er mich den 3. Julii in Fürstl. Angelegenheiten nach Hamburg geführet, den 3. Julii gezahlet . . . . 2 Rthlr. 16 ggr.
In Hamburg und auf der Reise verzehret – Rthlr. 16 ggr.

Den beyden Schiffleuten Frantz Hilmers und Lorentz Thun daß sie den Gärttner und Klempeler auff Hamburg geführet, gezahlet laut Quit. und Fürstl. Gnad. Unterschrift
2 Rthlr 16 ggr.

Der Kranmeisterschen ihre ganzjähre Besoldung von Mich. 1656 bis Mich. 1657 wie auch was sie zu Olie und Vett ausgethan zu Schmierung des Kraans gezahlet
16 Rthlr. 23 ggr. 6 Pf.“

Es würde dies eine geringe Besoldung gewesen sein, wenn die Haupteinnahme des Kraanmeisters nicht in Accidentien bestanden hätte.

„Der Kraanmeisterschen, daß Sie durch 3 Persohnen 3 Tage Erde ins Krahnhauß schieben lassen, wie auch für etzliche Salztonnen Behueff der Böden ausgethan gezahlet
2 Rthlr. 13 ggr. 6 Pf.

Dem Schiffmann Gabriel Volgeraht alhir, welcher mich Johan Nakken in Fürstl. Geschäfften nacher Hamburg geführet gezahlet
3 Rthlr. 8 ggr.

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Auff sothaner Reyse verzehret
2 Rthlr.

Dem hiesigen Vogelfänger Antohn Bodien zu einkauffung 2 schl. Hanffsamen zu Behueff der Phasahnen gezahlet
1 Rthlr. 20 ggr.

Dem Schiffmann Gabriel Volgeraht, daß er mich auff Befehl des H. Cantzlers mit etzlichen Geldern auf Hamburg geführet
3 Rthlr.

Ein gantzes Jahr passirliches Papier gezahlet
6 Rthlr.

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Die Rechnung schließt:

„Darüber Jh. F. Gnd. hiermit unter Dero Fürstl. Handunterschrift quittiren und solche Rechnung in Einnahmb und Außgab ratificiren.

Signatum Schlackenwerth *), den 12. Jan. A 1659.

Juliuß Heinrich
Herzog zu Sachsen.“

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*) Schlackenwerth in Böhmen war eine Besitzung der Lauenb. Fürsten. Die Tochter des letzten Herzogs Julius Franz, Franziska Sibylla, + 1733 zu Ettingen, welche mit dem berühmten Feldherrn, dem Markgrafen von Baden-Baden, vermählt war, vermachte ihre böhmischen Güter, unter diesen Schlackenwerth, an die katholische Linie Baden-Baden, nach deren Erlöschen selbige an die Nachkommen ihrer älteren Schwester gefallen sind.

DIERMISSEN.
 


 


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