Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


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JOHANNES FALKE,
eine Lebensskizze
von J. v. FALKE,

Director des k. und k. Museums für Kunst und Industrie in Wien.

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Johannes Falke wurde am 10. April 1823 in Ratzeburg geboren, Sohn des Bürgers und Brauers Christoph Friedrich Falke. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und begab sich nach Absolvirung aller Klassen im Herbst 1843 zur Universität nach Erlangen. Seine Bestimmung war Theologie zu studiren. Aber er zerfiel bald mit dieser Bestimmung, welche seinem naturell wenig zusagte. Schon auf dem Gymnasium hatte er sich in poetischen Productionen gefallen und setzte dieselben auf der Universität fort in Verbindung mit litterargeschichtlichen Studien. Anfangs mehr zu Lyrik hinneigend, wandte er sich dann dramatischen Arbeiten zu und schuf mehrere Tragödien und Lustspiele. Mit Witz und Geist und einer flotten, frischen Schreibweise begabt, hoffte er auf diese Weise mit Hülfe der Bühne sich eine Existenz zu gründen und eine Zukunft zu schaffen. Allein dieser Lebensplan verwies ihn auf ein langes Warten, wozu ihm die Mittel fehlten. Er übernahm daher nach einem vierjährigen Aufenthalt auf der Universität Erlangen die Stellung eines Erziehers im Hause des berühmten Brasilien-Reisenden Professor von Martius in München für dessen einzigen Sohn. Dieser Aufenthalt in München in dem von allen bedeutenden Männern vielbesuchten Hause Martius brachte ihm einige angenehme und lehrreiche Jahre, in welchen er neben seinen poetischen Arbeiten sich vorzugsweise mit geschichtlichen Studien beschäftigte und insbesondere

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für ein Leben Ulrichs von Hutten sammelte. Er kam dabei schon zur Einsicht, daß die Gründung einer Existenz allein auf poetische und litterarische Produktionen überaus unsicher sei, und so nahm er gerne eine Stelleung als erster Sekretär am neu gegründeten germanischen Museum in Nürnberg an, welche ihm der damalige erste Vorstand, Hans Freiherr von Aufseß im Jahre 1856 anbot.

Von diesem Augenblick an traten die poetischen Arbeiten in den Hintergrund und die wissenschaftliche Production begann. Er gründete (1856) mit seinem Collegen am germanischen Museum, Dr. Joh. Heinrich Müller, die Zeitschrift für deutsche Culturgeschichte und führte sie mit demselben mehrere Jahre fort. Mit den Arbeiten an dieser Zeitschrift gerieth er bald auf ein Feld, welches seinen bisherigen Neigungen scheinbar entgegengesetzt war, ihn aber doch bis an sein Lebensende fesseln sollte, Handelsgeschichte und Nationalökonomie. Das erste größere Resultat dieser neuen Studien und Arbeiten war die zweibändige Geschichte des deutschen Handels, welche 1859 bis 1860 in Leipzig im Verlage bei Gustav Meyer erschien. Sie war als ein populäres Werk beabsichtigt und geschrieben und ist auch als solches im besten Sinne der Wortes anerkannt worden. Es folgte dann eine kurze Geschichte der Hansa *) als ein Theil jener geschichtlichen Volksbibliothek, welche von Ferdinand Schmidt in Berlin unternommen und von B. Briegl. verlegt wurde, ein Unternehmen, an welchem fast alle bedeutenden Geschichtsschreiber Deutschlands von damals betheiligt waren.

Diese Arbeiten hatten seinen Namen bekannt und geschätzt gemacht und veranlaßten seine Berufung an das königliche sächsische Staatsarchiv in Dresden. Er trat dort als Archivsekretär im Jahre 1862 ein und wurde nicht lange darauf (1864) zum Archivar ernannt. Die Stellung verschaffte ihm nun auch die Möglichkeit sich mit einer jungen Dame aus Nürnberg zu verheiraten. Das Leben in Dresden war
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*) „Die Hansa als deutsche See- und Handelsmacht.“ 1862.


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in mannigfacher Weise anziehend und anregend und bot zugleich durch die große Bibliothek das Material zu weiteren und gründlichen Arbeiten; ebenso das Archiv mit seinem bisher wenig benutzten Material. Die Arbeiten und Pflichten des Amtes erforderten freilich viel Zeit, aber bei tüchtiger Arbeitskraft und unermüdlichem Fleiß war es ihm doch möglich den bisherigen Studien treu zu bleiben und selbst bedeutende wissenschaftliche Leistungen zu Stande zu bringen. Ja das Archiv selbst unterstützte ihn darin, indem er aus dem reichen Acten-Material sich das finanzielle und nationalökonomische zu eigener Benutzung aussuchte. Auf diese Weise entstand die Monographie über die Finanzpolitik und nationalökonomischen Bestrebungen des Kurfürsten August (1868), mit welcher er eine von der Jablonowskischen Gesellschaft in Leipzig gestellte Preisaufgabe lösete und auch den Preis gewann. Zahlreiche kleinere Arbeiten folgten einander in diesen Dresdener Jahren, so für den sächsischen Alterthumsverein auf Grundlage des Quellenmaterials im Archiv, sodann wissenschaftlich-volkswirthschaftlichen Inhalts, oder auch von mehr populärer culturgeschichtlicher Art für verschiedene Zeitschriften. Als Hauptwerk aber und als eine Arbeit von bleibendem Werthe dürfte die durchaus wissenschaftlich gehaltene und gründlich gearbeitete Geschichte des deutschen Zollwesens zu betrachten sein, welche im Jahre 1869 zu Leipzig erschien.

Im Laufe der Dresdener Jahre und unter diesen Arbeiten und Studien hatte sich die Vorliebe immer strenger der eigentlichen Volkswirthschaft zugewendet und eine Prosessur für diese Wissenschaft wäre das Ziel seiner Wünsche gewesen. Allein eine lange schmerzliche Krankheit, welche mit dem Tode endete, ließ ihn nicht zu diesem Ziele gelangen, noch alle die reichen Vorarbeiten in einem größeren Werke, wie es von ihm geplant war, zusammenfassen. Der Tod machte dem treuen, fleißigen und gewiß nicht erfolglosen Leben ein Ende am 2. März 1876. Er hinterließ eine Witwe und vier Kinder.


 


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