Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Herzog Ernst Ludewig
von Sachsen-Lauenburg.

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[W. Dührsen.]
 

Wie über Herzog Philipp von Sachsen-Lauenburg, seinen Bruder *), ist uns auch über den Obigen, Herzog Ernst Ludewig, eine Leichenpredigt erhalten, die uns über diesen im schönsten Lebensalter verstorbenen hoffnungsvollen Prinzen einige Nachrichten giebt. Diese zu erfahren, wird umsomehr allgemein interessiren, wenn man sich des jähen Todes erinnert, dem der Prinz erlag. Bekanntlich ward er sammt seinem Capitain und einem Edelknaben, wie es scheint ohne jeglichen Anlaß seinerseits, von wüthenen österreichischen Bauern erschlagen. Die in Hamburg bei Paul Langen gedruckte Leichenpredigt, von der hamb. Stadtbibliothek mir gütigst zum Gebrauch überlassen, betitelt sich „Christliche Leichpredigt, vber der fürstlichen Leich- vnd Begräbniße Weyland deß durchlauchtigen Hochgebohrnen Fürsten vnd Herrn, Herrn Ernst Ludewig, Hertzogen zu Sachsen, Engern und Westphalen, Hochlöblicher und Christmilter Gedechtnisse, welcher den 15. Julij Anno 1620 bei Euerting im Lande Ob der Ens, sampt seinem Capitäyn Gadert Herinck, vnd seinem Edelknaben, Jochim Stromberger, im weiten Felde, von Rebellischem Gesindlein plötzlich vberfallen, vnd erbärmlich ermordet vnd getödet, Folgendes nach Lintz gebracht vnd daselbst im Landhause niedergesetzt, Von dannen anhero ins Fürstentumb Nieder-Sachsen geführet, vnd den 6. Monatstag Martij Anno 1621 in der Stadt Kirchen zur Lowenburg, in die
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*) Vergl. Vaterl.-Archiv Band II Heft 3 p. 114 ff.

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fürstliche Begräbnisse, bei J. F. G. Hertzvielgeliebten Herrn Vater und Herrn Bruder solenniter eingesetzt worden. Gehalten in der Stadtkirchen zu Lowenburg, bey fürstlicher Volkreicher ansehnlicher versamblung, durch Johannem Erhardi Wernigerodensem, deß Niedersächsischen Fürstenthumbs General-Superintendenten, vnd Pastoren daselbst, da J. F. G. fürstlicher Cörper in sein Ruhe- und Schlaffkämmerlein ist eingesetzt worden.“

Der in dieser Leichenrede geschilderte Prinz Ernst Ludwig war ein Sohn des am 2. Juni 1619 verstorbenen Herzogs Franz II. und dessen zweiter Gemahlin Maria, Tochter des Herzogs Julius zu Braunschweig-Lüneburg, welche sich am 10. Nov. 1582 mit dem Herzoge vermählt hatte und am 13. Aug. 1626 starb. Der Letzteren, ihren Schwiegertöchtern Agnes, Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, Tochter des Herzogs Friedrich von Würtemberg (vermählt mit Franz Julius) und Anna, Herzogin zu Sachsen, Engern und Westphalen, Tochter des Grafen Edzard II. von Ostfriesland (vermählt mit Julius Heinrich, dessen erste Gemahlin sie war), sowie ihren Töchtern Hedwig Sibylla, Juliane (vermählt später mit dem Herzog Friedrich zu Holstein-Norburg), Hedwig Maria (vermählt später mit dem Markgrafen Hannibal Gonzaga von Mantua) und Sophie Hedwig (vermählt später mit dem Herzog Philipp von Holstein-Glücksburg), gebornen Fürstinnen und Fräulein zu Sachsen, Engern und Westphalen ist die nach damaliger Sitte dem Druck übergebene Leichenpredigt gewidmet und in einer längeren Vorrede den leidtragenden Fürstinnen erbaulicher Trost gespendet. („Wir wollen in vnsers Herrn Gottes Himmlische Apothecam gehen und heilsame Labesalbe daraus nehmen.“ etc.). Dann folgt die Predigt, welcher Hiob (Job) 14,1 (der Mensch vom Weibe geboren lebet eine kurze Zeit etc.) zu Grunde gelegt ist. Im dritten Theile der Predigt finden wir über den erschlagenen Prinzen folgendes:

Herzog Ernst Ludwig ist auf dem fürstlichen Hause Schwarzenbeck am 7. Juni 1587 geboren. Als er 13 Jahre alt war,

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ist er mit seinen beiden Brüdern Franz Julius (geb. 13. Sept. 1584, kaiserlicher Kämmerer und zu Wien 1634 Sept. 28 verstorben; wenn er im Lande war, residirte er auf dem Schloß zu Anker) und Julius Heinrich (geb. 9. April 1586, 1656 regierender Herzog und 1665 gestorben) im Jahr 1600 auf die Universität Helmstedt geschickt und von seinen Eltern persönlich dahin gebracht worden. Die drei Prinzen haben 3 Jahre dort Studirens halber zugebracht und nach dem Zeugniß des Predigers ihre Zeit gut angewandt. Von dort sind sie mit den ihnen zugeordneten adlichen Hofmeistern und Praeceptoren in das fürstliche Collegium zu Tübingen übergesiedelt, wo sie 4 Jahre zugebracht und nicht nur ihren Studien fleißig obgeleben, sondern sich auch in allen fürstlichen Ritterspielen und anderen exercitiis geübt haben. Nach Ablauf dieser Zeit hat der Herzog den Dr. Hektor Mithobius *), fürstl. Rath, nach Speyer geschickt, um in dessen Gegenwart dort die ebenfalls dahin beorderten 3 Prinzen durch drei vornehme Doctores (D. D. Albade, Strassmann und Reinhard) examiniren zu lassen. Nach dem Ergebniß des Examens haben sie die lateinische Sprache nicht alleine gut verstanden, sondern auch ziemlich reden und in der Theologie die „corruptelen“ und Irrthümer der „adversarien“ von der reinen gefunden Lehre Luthers fein unterscheiden können. Dann sind die drei Prinzen nach Frankreich auf die Universität „Ruan“ geschickt und haben dort 3 Jahre zugebracht und in dieser Zeit neben anderen fürstlichen Exercitien die französische Sprache gründlich erlernt und dann sind die beiden jüngsten Prinzen Ernst Ludwig und Julius Heinrich nach England gereist, „um sich weiter zu versuchen und zu versehen.“ Endlich hat der Herzog, ihr Vater sie zurückberufen und um sich zu überzeugen, ob sie auch noch (weil sie an gefährlichen Orten, die Lehre anlangend, gewesen) bei der reinen unverfälschten Lehre Luthers geblieben, durch den Superintendenten und andere Theologen mit ihnen in Religionssachen eine Unterredung halten laßen, deren Ergebniß ein durchaus
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*) Mithobius war Kanzler des Herzogs Franz II.

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zufriedenstellendes gewesen zu sein scheint. Darnach im Jahre 1609 hat dann der Herzog seinen Sohn Ernst Ludwig fürstlich ausgerüstet und an den Hof des Königs von Dänemark und Norwegen gesandt, woselbst er zwei Jahre verweilt hat. Als 1611 der schwedische Krieg angefangen, hat der Prinz daran als Führer von einer Compagnie Reiter von 200 Pferden theil genommen. Schon im folgenden Jahre hat der Prinz vom König eine Oberstenbestallung erhalten und 2 Compagnien Reiter und ein Regiment Fußvolk von 2000 Mann geführt, bis 1612 nach Abdankung von allem andern Kriegsvolk der Prinz sein Amt auch niederlegte.

Sodann ist er nach München gezogen und hat sich in den Dienst beim Herzog von Baiern begeben, ist aber 1615 wieder in dänische Dienste als Oberst getreten und als solcher mit bei der Belagerung Braunschweigs gewesen. „Anno 1618 seind F. F. G. auch auffs Käys. seiten gewesen vnd dem Kriege beygewohnet.“ (vergl. S. 7.) Im Jahre 1620 ist dann der Prinz vom Schloße zu Neuhaus, durch Beichte und Abendmahl wohl vorbereitet von dem dortigen Hofprediger Heinrich Lemke, mit seinem Gefolge aufgebrochen, um sich nach Wien zu begeben und dem Kaiser seine Dienste anzubieten. Bei dem Städtlein Euerting im Lande ob der Ens angekommen, haben sie den Tag zuvor ihre Pferde und Gesinde zu Wasser auf der Donau nach Linz fahren laßen, der Prinz aber ist mit Gadert Hering, seinem Capitain, und einem Edelknaben Jochim Stromberger vom Schiff abgetreten und hat sich mit seinen beiden Begleitern zu Fuß nach Euerting *) begeben, um von dort pr. Post nach Wien zu gelangen. Sie haben dort keine Pferde bekommen können und als sie nun nach dem etwas außerhalb der Stadt liegenden Posthause gegangen, sind sie von „Rebellischem Gesindlein“ alle drei ganz plötzlich überfallen, niedergeschlagen und getödtet worden. Ihre Leichen haben die Nacht über auf dem Felde gelegen. Das ist geschehen
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*) Es wird das heutige Efferding im Lande Ob der Enns sein, in der Nähe von Linz.

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am 15. Juli 1620, Abends zwischen 6 und 7 Uhr. Am andern Tage ist die fürstliche Leiche wieder nach Euerting zurückgebracht, bekleidet und in einen Sarg gelegt und dann zu Wasser durch 50 Musketiere nach Linz geschafft, wo der Magistrat, eine Compagnie Reiter und 200 Musketiere, sowie der Clerus vor der Stadt die Leiche feierlich empfangen und unter Glockengeläute und Salveschießen in ein Wirthshaus geleitet haben. Dort hat die Leiche 4 Tage gestanden, bis der Sarg fertig gestellt worden. Auf Befehl des Herzogs von Baiern ist die Leiche dann ins Landhaus (wahrscheinlich ein herzogliches Schloß) gebracht worden, geleitet vom Herzog von Tesche „als seiner F. G. hochseliger Herr Vetter“ (eine Tochter Franz I. und Schwester des Herzogs Franz II., Zedena oder Sidonia Katharina war mit dem Herzog Wenceslaw zu Teschen und Glogau vermählt gewesen), sechs herzoglich baierischen Kammerherren und Kaptainen und anderen vornehmen Offizieren. Am andern Tage ist durch einen lutherischen Geistlichen die Leiche dort eingesegnet, am darauf folgenden Tage sind die Leichen der beiden prinzlichen Begleiter feierlich mit einer Leichenpredigt auf dem Kirchhof zu Linz, den die Lutherischen inne hatten, „mit christlichen Ceremonien Ehrlich begraben“ worden, während die fürstliche Leiche so lange im Landhause verblieb, bis die Mutter, die Herzogin Wittwe sie holen ließ, denn sie konnte es nicht übers Herz bringen, ihren Sohn dort, wo er von „Rebellischen, Rachgirigen und blutdürstigen Leuten“ erschlagen worden, beerdigen zu lassen. Die Leiche ward also in die Heimath geschafft und traf am 24. Januar 1621 zu Franzhagen ein, woselbst sie bis zum Tage der Beisetzung, 6. März, blieb, um dann in der fürstlichen Gruft in der Stadtkirche zu Lauenburg beigesetzt zu werden. – Der Leichenpredigt ist nach der Sitte der damaligen Zeit beigefügt eine Elegia an den Prediger in lateinischen Hexametern von M. Paulus Neovinus in Boizenburg a/Elbe, dann eine „Invectio in mortem fallacem, et certam incertam“, ebenfalls in lateinischen Hexametern, von Christ. Colerus, Spec. Superint. ac Pastor Raceburgi Saxoniae in aede D. Petri, endlich ein „monimen chartaceum“.

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(cum non haberet marmoreum) den Manen des verst. Prinzen in lateinischen Hexametern gesetzt von Matth. Borstel, Ecclesiastes aulicus.

In der Fürstengruft zu Lauenburg ist der die irdischen Ueberreste des unglücklichen Prinzen bergende Sarg noch nachzuweisen (vergl. Schlepper, aus der Gesch. d. Stadt Lauenburg p. 28 und 30.)

W. DÜHRSEN.


 


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