Jahresband 1890

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg


NACHTRAG

enthaltend Erhebungen betreffend das k. und k. 13. Infanterie-Regiment.

(Die in der Kriegs-Bibliothek vorhandenen Werke sind mit * bezeichnet.)

[Dührsen, W.]
 

Das vormals unter der Nummer 13 bestandene i. J. 1809 aufgelöste Infanterie-Regiment wurde i. J. 1618 durch den kaiserlichen Oberst Julius Heinrich Herzog zu Sachsen-Lauenburg errichtet und hatte nach dessen i. J. 1635 erfolgter Verhaftung laut „Schematismus für das k. und k. Heer und für die k. und k. Kriegs-Marine für 1890,“ noch folgende Inhaber:

1635: Baden-Baden, Wilhelm, Markgraf, F. Z. M., dann Baden-Baden, Leopold Wilhelm, Markgraf, F. M.; 1671: de la Borde, Louis Freiherr, Oberst; 1681: Scherffenberg, Friedrich Graf, F. M, L.; 1688: Starhemberg, Guido Graf, F. M; 1737: Moltke, Philipp Ludiwg Freiherr von, F. M. 1780: Zedtwitz, Johann Franz Anton Freiherr von, F. Z. M.; 1786: Reisky von Dubnitz, Franz Wenzel Freiherr, F. M. L.; 1809 aufgelöst. Weder über das ehemalige, noch über das jetzt bestehende k. und k. Infanterie-Regiment Nr. 13 ist bisher eine Geschichte veröffentlicht worden, doch ist eine solche derzeit beim Regimente in der Bearbeitung. Einige historische Daten, welche jedoch nicht ganz verläßlich sind, finden sich in folgenden Werken vor:

* Gräffer: Geschichte der k. k. Regimenter seit ihrer Errichtung bis auf gegenwärtige Zeiten. (S. 68-76.) Wien 1791. * Gräffer: Geschichte der k. k. Kriegsvölker I. Band, welcher die sämmtliche Infanterie enthält. 2. Auflage. (S. 54-58). Wien 1800. *Thürheim Graf: Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der k. k. österreichischen Armee. II. Band (S. 524-527) Wien und Teschen 1880. Ueber die in kaiserlich österrichischen Diensten gestandenen Herzoge zu Sachsen-Lauenburg finden sich einzelne Aufzeichnungen in folgenden Werken:

*Khevenhiller Fr. Chr.: Annalium Ferdinandeorum. II. Theil. Leipzig 1721, u. z. Rudolf Maximilian Herzog

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zu Sachsen-Lauenburg (S. 242). Franz Carl, Herzog zu Sachsen-Lauenburg (S. 243). Julius Heinrich, Herzog zu Sachsen-Lauenburg (S. 354, dann im 9. Band S. 74, S. 712 und 864). (Alle 3 Biographien mit Porträts). * Lexicon, Allgemeines historisches. 3. Auflage. Leipzig, 1730-1740. (III. Band Artikel „Lauenburg“ S. 117 und 118). *Gauhen: Historisches Helden- und Heldinnen-Lexikon, in welchem das Leben und die Thaten derer Generalen, Admiralen, Feldmarschalle, Obriste u.s.w. vorgestellt werden. Leipzig 1716 u. z. Franz Albert, Herzog zu Sachsen-Lauenburg, kaiserlicher General, gest 1642 (S. 1405-1407). *Pufendorf S. von: 26 Bücher schwedisch und deutscher Kriegsgeschichte etc. Frankfurt a. M. 1688 (betreffs Franz Albert Herzog zu Sachsen-Lauenburg). * Chronologische Geschichte des Erzherzog Johann 1. Dragoner-Regiments (jetzt Nr. 9) S. 2 betreffs Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg gest. 1689. (Manuskript.) * Schematismus für das k. und k. Heer für 1890 (S. 316, 596 und 611.) * Wetzer, L.; Waldstein und die Pilsener Reverse 1634. (In den Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs 1884 S. 195-238). * Herbst: Encyklopädie der neueren Geschichte II. Band. Gotha 1886 (S. 216-217 Lauenburg). Hier auch als Quelle citirt:

a) Kobbe von: Geschichte und Landesbeschreibung des Herzogthums Lauenburg. Altona 1836 und

b) Duve: Mitteilungen zur Kunde der Staatsgeschichte des Herzogthums Lauenburg. Ratzeburg 1857.

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Die vorstehenden Erhebungen, für die auch an dieser Stelle dem Kaiserlich- und Königlichen Kriegsarchiv zu Wien der wärmste Dank des Vereins ausgedrückt wird, verdanken ihre Anregung einer Notiz im „N. W. T.“, welche den Unterzeichneten veranlaßte, sich an das k. und k. Kriegsarchiv mit der Bitte um nähere Auskunfterteilung über die lauenburgischen Herzoge zu wenden, die in Kaiserlichen Kriegsdiensten gestanden.

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Jene Zeitungsnotiz enthielt die Mittheilung von der Verleihung des 71. Regiments an unsern berühmten General-Feldmarschall Grafen von Moltke und erwähnte, daß nicht zum ersten Male ein Regimant der österreichischen Armee den berühmten namen Moltke führe. Das im Jahre 1618 am Beginn des 30jährigen Krieges noch vom Kaiser Mathias gestiftete, 1809 wieder aufgelöste REGIMENT SACHSEN-LAUENBURG Nr. 13 sei von Karl VI. im Jahre 1737 an den Feldmarschall Philipp Ludwig Freiherrn von Moltke, einen Ahnherrn des „großen Schweigers“ verliehen und volle 43 Jahre, bis in die Regierungszeit Joseph’s II., habe die damalige Moltke-Infanterie eines der Elitecorps des österreichischen Heeres gebildet. –

Was die einzelnen in den vorstehenden Erhebungen aufgeführten Lauenburgischen Fürsten betrifft, so übernahm der zuerst genannte Herzog FRANZ als FRANZ II. nach dem Ableben seines Vaters, Herzog Franz I., 1581 die Regierung seines Landes und verstarb 1619. Die übrigen Prinzen sind sämtlich seine Kinder, er war zweimal verheiratet und wurde der Vater von 19 Kindern; aus erster Ehe mit Margaretha, Tochter des Herzogs Philipp von Pommern gingen 5 Kinder hervor (darunter August, der ihm in der Regierung folgte und 1656 verstarb und nicht in kaiserlichen Diensten gestanden hat), aus der zweiten Ehe mit Marie, Tochter des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg entstammten 14 Kinder, darunter seine in den Erhebungen genannten Söhne. *) JULIUS HEINRICH kam im Jahre 1656 zur Regierung und starb 1665. Herzog ERNST LUDWIG ist geboren 1587 und 1620 verstorben (über ihn findet man in diesem Jahrbuch einige Nachrichten.) RUDOLF MAXIMILIAM ist geboren 1596 und 1647 in Lübeck verstorben. FRANZ ALBRECHT ist 1598 geboren und 1642 an einer im Gefecht bei Schweidnitz empfangenen Wunde

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*) Das Altarbild der Kirche zu Büchen zeigt uns in schöner Ausführung den Herzog Franz II., seine zweite Gemahlin und seine 14 Kinder. Das Bild befand sich früher in der Schloßkirche zu Franzhof (Franzhagen.)

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gestorben. Er ist es, dem mit Unrecht der Tod Gustav Adolph’s von Schweden zur Last gelegt wird. *)

FRANZ CARL ist 1594 geboren und 1660 zu Neuhaus gestorben. FRANZ JULIUS (vergl. S. 26 und 27) endlich ist 1584 geboren und in Wien 1634 gestorben. Er war der älteste der Söhne Franz II. zweiter Ehe und residirte bei Anwesenheit im Lande seiner Väter auf dem festen Hause zu Anker. **)

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*) Vom ihm rührt das berühmte sog. Mantuanische Gefäß her, welches nach manchen Schicksalen jetzt wieder in Braunschweig aufbewahrt wird. Wir finden S. 22, daß er Mantua erobert hat. Bei dieser Gelegenheit, als die Stadt von den Eroberern geplündert wurde, fiel das Mantuanische Gefäß (auch das braunschweiger Onyxgefäß genannt), eine Hauptzierde der Sammlungen des herzoglichen Hauses Gonzaga in Mantua, in die Hände eines Soldaten, der es nur des Goldbeschlags wegen für 17 Ducaten an einen Kaiserlichen Offizier von Sirot verkaufte. Dieser machte es seinem Obersten, dem Herzoge Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg zum Geschenk und nach dessen Tode fiel es an seine Witwe Christina Margarethe geb. Prinzessin von Mecklenburg-Güstrow, nach deren Tode aber an ihre ältere Schwester Sophie Elisabeth, dritte Gemahlin des Herzogs August d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel. Nach ihrem Tode erhielt ihr Sohn Herzog Ferdinand Albrecht I. dieses kostbare Gefäß und so kam es in den Besitz des braunschweig’schen Fürstenhauses. Es ist bekannt, daß der bekannte Herzog Carl II. von Braunschweig das Gefäß mit auf die Flucht genommen und erst seine Universalerbin, die Stadt Genf, im Jahre 1874 es an Braunschweig zurückgeliefert hat. Ueber die Herkunft des Onyxgefäßes giebt es verschiedene Meinungen. Nach einigen soll Mithridates es besessen haben und es nach dessen Besiegung durch Pompejus nach Rom gebracht worden sein. Nach einer anderen Ansicht soll es aus der zweiten Hälfte der Periode der Ptolemäer stammen. Daß Franz Albrecht den Werth dieses Kleinods zu würdigen wußte, geht daraus hervor, daß er von Todesgedanken erfüllt 1642 an seinen Bruder Julius Heinrich darüber schrieb: „ – Das mantuanische geschir, welches ich noch zu Venedig stehen hab, mit dem ich mit der fraw Mutter Benigna Popplin in Tractat stehe, solle aldar abgeholt, und ihr meinetwegen zu einer gedechtnüß gegeben, dies ist mein entlicher militairischer willen“ etc. (Kobbe II p. 416.)

**) Spuren dieses Schlosses lassen sich noch deutlich nachweisen auf dem Bauernvogteigehöft zu Anker und der gegenüberliegenden Ackerkoppel.

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Sowohl Franz II. als seine Söhne Ernst Ludwig, Franz Carl und Franz Albrecht sind in der Fürstengruft zu Lauenburg beigesetzt. *) Der später (S. 38 ff.) genannte JULIUS FRANZ war ein Sohn des Herzogs Julius Heinrich; mit ihm starben 1689 die lauenburgischen Herzoge aus. Der S. 36 genannte FRANZ ERDMANN war ein Sohn des Herzogs Julius Heinrich aus dessen zweiter Ehe mit Elisabeth Sophie, des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg Tochter, Wittwe des Fürsten Janus Radzivil, und geboren 1629 zu Theusing. Er starb 31. Juli 1666, wenige Monate nach Antritt der Regierung und ist gleich seiner Gemahlin Sibylla Hedwig, einer Tochter des Herzogs August, in der Fürstengruft zu Lauenburg beigesetzt (Schlepper I. c. S. 29.). Ihm folgte in der Regierung sein Halbbruder Julius Franz, wie angegeben der letzte lauenburgische Herzog, aus der dritten Ehe des Herzogs Julius Heinrich mit Anna Magdalena, Wilhelm Poppolyn von Lobkowitz Tochter, des Grafen Zbinkoni von Colovrat Wittwe. Seine Schwester Maria Benigna Francisca war mit dem (S. 37 genannte Fürsten OCTAVIUS PICCOLOMINI zu Amalfi vermählt. Julius Franz sowohl, als sein Vater Herzog Julius Heinrich sind, soviel bekannt, in Schlackenwerth in Böhmen, im dortigen, leider gänzlich zerfallenden Mausoleum beigesetzt. Dort werden auch ihre Gemahlinnen beigesetzt worden sein.

W. DÜHRSEN.
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*) Vergl. Schlepper, a. d. Gesch. d. St. Lauenburg, S. 28 ff.


 


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