Jahresband 1889

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

[Verkauf von Bildern und Cimelien aus der Kirche zu Mölln.]

[B., Dr.]

Verkauf von Bildern und Cimelien aus der Kirche zu Mölln. Witlick sy einem Ersamen Rade gegenwardig und thokamende dath anno 1543 des fridages vor pingsten is vor godt und nutte erkandt von einem rade ock eindrechtiglick beschlaten, dat mahn de sulveren bilde und clenodia der Kercken tho Mollen mochte tho gelde maken und dath sulvige beleggen up renthe, angeseen dat dar sust nein prophit unnd vordeel van gesche, dewile idt so sta, ock bedacht vele pericula, de dar mochten van enthstan und sick begeven. Szo sin disse nhageschrevene bilde und clenodia tho Lübeck tho gelde gemaket und by dem Erbarn Rade tho Hamborch belecht anno d. 43 ahm dage Johannis Baptiste mythsamer dredusent margk lub In guden Jochimdaler, den daler vor 31 ßl. lub., wedder tholosen darvor jarlikes tho gewende hundert und 20 mark renthe, who ehre besegelde breeff meldet, darup gegeven de by einen Ersamen Rade tho Mollen.

Item dath Mauritz bilde gewagen tho Lubeck 11 Mark lodich 11 loth
Nicolaus gewagen 12 mark lodich
Marien bild egewagen 16 mark lodich 1 lot
Mattheus bilde gewagen 13 mark lodich 4 lot
Marien bilde gewagen 6 mark lodich
Jacobus gewagen 5 mark lodich
Philippus gewagen 4 mark lodich 7 lot
Catharina gewagen 10 mark 1 lot
Dath wirigkfath (Weihrauchfaß) 2 mark 14 lot
Dath sulver, dath golt helt, js 40 mark lodich
Dath jdel sulver helt, ist 41 mark lodich
Item van dem vorgulden (40 mark lodich) is gewurden 40 mark lodich 4 lot
Item dath schlichte sulver gewagen up der Stadtwage 40 mark 10 lot
Deith syn sulver 36 mark lodich 10 lot 8 ort.
Dath margk lodich gegeven vor 17 mrk lub gelt, is summa
Söshundert 4 mark 13 ßl.

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Ein Ersamer Radt tho Molne hefft vor guth angesen anno 1555 dwil de Mißbruek des sulvers jn Kercken affgelecht dy dath mahn des sulvers so itzundt nicht nutte ock nicht gebrucket tho gelde gemaket, up dath idt frucht brechte und belecht wurde. Derhalben is ein vorgulde Monstrantz und ein vorguldet Crutze uth ehrer Kercken genamen und Tonies Dreger, Burgern tho Lubeck, thoscheden gedan, welcke in sick geholden hebben jnt fyn 33 mark 8 lot 13 ort sulvers, de mark 17 mark, und dath golt jnt fyn 14 lot 14 ort, dat lot 12 mark, dath sick belopt 679 mark, darvon arbeids lohn 29 mark affgetagen blifft 650 mark. hirto hefft ein Ersamer Radt von der Stadt gelde 350 mark thogelecht und also dusent mark volgemaket, de sin tho Hamborch, dat Hundert vor viff mark Rente, jarlicks up Michaelis bedaget uthgedan worden luth der vorschrivinge darup gemaket.

Witlick sy einem Erbahren Rade jegenwardig unde thokamende, dath de Kerkschwaren hir tho Molne etlike SPANGEN, BROTZEN und KNOPE uth der Kerken genamen und Tonies Dreger, Burgern binnen Lubeck, thoscheden gedan hebben, woruth den gekamen js 30 mark 8 lot golt, de mark 14 lot 14 ort, js fines 28 mark 3 lot 11 ort sulvers und jnt golt 6 ort, js fines 10 lot 8 ort, de mark lodich sulvers 17 mark, und dat lot goldes 12 mark, darvon js gekamen ahn gelde 643 mark. Noch verkofft eine bretze de ganz gebleven vor 16 mark, welcket in summa maket 661 mark, hirvon 6 mark de vortert sin und 25 mark tho scheden affgetagen, so bliwen 630 mark, darto hebben se von uthgeloseden hovetstol gedan 370 mark und also dusent mark gemaket, desulvigen sin tho Hamborch 100 mark van viff tho renth und up Michaelis jarlicks de Rente tho entfangen luth der vorsegelden breve darup gegeven, belecht worden. Actum de Michaelis anno 1555.

Aus diesen beiden Urkunden die dem Möllnischen Stadtbuch (Band II im kgl. Staatsarchiv) entnommen sind (die Abrechnung von Tonies Dreger ist auch noch vorhanden), sieht

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man wohl wie der Magistrat, der durch die Reformation Eigentümer der Kirche geworden war, mit dem Kirchengut umgegangen ist. Während anderswo das Kirchengut sofort eingezogen wurde, ließ man hier 12 Jahre verstreichen, ehe man die Kleinode der Kirche versilberte. 1543 will man noch der Gefahr abgöttischen Mißbrauchs vorbeugen, 1555 ist die Gefahr bereits nicht mehr vorhanden. Man muß es ja bedauern, daß man den kunsthistorischen Wert solcher Kleinodien nicht bedacht hat, aber solche Erwägungen lagen dieser Zeit fern. Im übrigen wollen wir uns freuen, daß die Schätze der Kirche zu Gute gekommen sind: wer kann aber sagen, wo die Gelder der Kirchen geblieben sind?

Dr. B.

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Die oben S. 80 ff. nach v. Meyer (Grdl. Nachr. u.s.w. II S. 4 ff.) citierte Urkunde lautet genau (vgl. Hasse: Schleswig-Holstein-Lauenburgisches Urkundenbuch II S. 23 mit zwei Correkturen nach dem Original):

Wy Albertus van der gnaden godes Hartoge to Sasszen u.s.w. Don witlick und bekennen dat wy mit rade unser oruwen Elenen, unsen Borgern to Mollne de nu zin und noch tokamende zin hebben gegeven geven und uplaten mit dussem breve unse höve gultzow und pinnow mit allem tobehoer id en zi an holte wolden acker wischen weiden buschen broke, water zeen diken stromen uth und invloten, alze de Malstein stan, to erer vuringe mastinge vischkery weidinge und beteringe der hüser und Statt, bett ewigen tyden to brukende to besittende und to netende, ock begnaden wy unse Borger mit dem wickbolt Rechte In und buten der statt to weldigen, daß scholen ze jarlikes veer vrame borger weelen, de ene und der Stadt mit Rade vorwesen men ane Nutte noch Neete, wen de dat jar weldedigt en hebben, So schal de olde raat in sine borgerlike stede stan und veer Nye borger to vorstande der Statt weelen und dat schal me zu jarlik holdende wesen ane benetinge, were

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den sake de to blode effte gode drepe de de ver to raade nicht en schlichten kunden, so scholen ze noch VI. olde borger mit rade bevragen unde de Sake to godes und aller hilligen lave to deger betasten, dat wy nenem walt don laten am live effte gode, des wy van gade orloff hebben to dedigen, Ock scholen unse borger seker zin, wo unse vruw effte wi effte unse lude in de stat kamen und teeren, dat en willen wy enen leffliken gelden und ere holde Here zin, Ock schal me den vromden Mann to lycke helpen, men neenen huszeten borger mit kummer efft vencknisz besveren und enen meer godicheit, alz dat vorbrock straffwerdicheit iss beneten laten, wat sake suß were to unser borger nadeel, dat schall me an uns laten scriven dat jo nenem borger schall leet bescheen, Dusse begnadinge scholen unse nakamende Hartogen to Sassen holdende wesen, To urkunde hebben an dussem breve, wy unse Ingezegel laten hengen, de geven und schreven to lowenborch na gades bort im dusent twee hundert veer und foftigsten Jahre am Avende Pauli Conversionis.

Im Anschluß an diese Urkunde sei es vergönnt ein pium desiderium in Bezug auf unser Urkunden auszudrücken. Wir sind in Mölln so gut damit gestellt, daß es eine lohnende Arbeit sein würde, ein MÖLLNISCHES URKUNDENBUCH herauszugeben. Das von Hasse herausgegebene Urkundenwerk wird über das Mittelalter nicht hinauskommen. Wir aber haben die Möglichkeit, durch die Ratsbücher zumal, eine Reihe von Urkunden herstellen zu können, welche durch die Jahrhunderte hindurch bis 1689 ein anschauliches Städtebild gewährte, wie das nur bei wenigen kleineren Städten in Deutschland der Fall sein dürfte.

Dr. B.

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