Jahresband 1889

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Eitzen'scher Priestereid (um 1585).

[B., Dr.]

Eitzen'scher Priestereid  (um 1585). „Ich N. N. Prediger des heiligen Evangelii, ordentlicher Weise durch den Willen Gottes geehrt und berufen, schwöre bei dem heiligen Namen Gottes und meines Erlösers Jesu Christi, daß ich die heilige göttliche biblische Schrift in allen Punkten, Artikeln und Worten halte und glaube wahrhaftiglich.

Zum andern, daß ich auch das heilige apostolische Symbolum und die andern wahren Symbola, so von der heiligen allgemeinen christlichen Kirche sind approbieret und angenommen, halte und glaube wahrhaftig in allen Artikeln unseres christlichen Glaubens, nach der Richtschnur göttlichen Wortes und also auch in dem Artikel von der unzertrennlichen Vereinigung der beiden Naturen, göttlicher und menschlicher, in der einigen unzerteilten Person Christi, welche unzertrennliche Vereinigung keine Zeit oder Tod in Ewigkeit kann auflösen oder teilen.

Zum dritten, daß ich auch die Augsburger Consession zusamt der Apologie, Schmalkaldischen Artikeln und beiden Katechismen des heiligen Vaters und Lehrers Doktoris Martini Lutheri halte und glaube wahrhaftig.

Zum vierten und besondern, daß ich auch die Worte meines lieben Herrn und Heilandes in seinem heiligen Abendmahl und Testament, nämlich, das ist mein Leib, der für Euch gegeben wird, das ist mein Blut des neuen Testaments, das für Euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden halte und glaube wahrhaftiglich, in dem einfältigen Verstande der klaren Worte, nämlich daß der wahre wesentliche Leib meines lieben Heilandes Jesu Christi, der für mich in den Tod am Kreuz gegeben ist und das wahre wesentliche Blut meines Heilandes

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Jesu Christi, welches für mich vergossen ist, in dem heiligen Abendmahl wahrhaftig sei gegenwärtig und wahrhaftig ausgeteilt werde an allen Orten der Welt, da das Abendmahl nach der Einsetzung des Herrn Christi gehalten wird und auch von allen Menschen, die in der ganzen Christenheit zum Tisch des Herrn gehen, empfangen werde, als des Herrn Christi Worte lauten: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für Euch gegeben wird, trinket alle daraus, dies ist mein Blut des Neuen Testaments, das für Euch und für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden und als auch des heiligen Apostels Pauli Worte sagen, daß das Brod des Abendmahls sei die Gemeinschaft des Leibes Christi und der gesegnete Kelch sei die Gemeinschaft des Blutes Christi, das ist wer das gesegnete Brod des Abendmahls empfanget, der empfanget den wahren Leib Christi und wer aus dem gesegneten Kelch trinket, der empfahet und trinkt das wahre Blut Jesu Christi, die Gläubigen zur Vergebung der Sünden und zur Vereinigung mit dem Herrn Jesu Christo und zu ihrer ewigen Seligkeit, die Ungläubigen aber zum Gericht. Gleichwie diese Lehre vom hochwürdigen Sakrament ist erklärt in der Augsb. Conf., Schmalk. Art. und beiden Katechismen des heiligen Vaters und Lehrers Lutheri, welche Schriften und Bekenntnisse ich auch in diesem Artikel halte und glaube wahrhaftiglich und recht und bei diesem meinen Eid mich verpflichte durch die Hülfe und Gnade Gottes meiner befohlenen Gemeinde getreulich, unverfälscht und unverändert vorzuhalten und zu lehren bis an mein Ende.

Zum fünften, daß ich alle falsche Lehre und Irrtume darin die von der Wahrheit der heiligen göttlichen Schrift und von den heiligen apostolischen und anderen approbierten wahren Symbolis, zu dem auch von der wahren reinen Lehre der Augsburgischen Consession Apol. Schmalkaldischen Artikeln und Katechismen Lutheri abweichen und gegen dieselbige Lehre andere erdichtete opiniones, Irrtume, falsche und verführerische

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Deutungen in einigen Punkten oder Artikeln hervorbringen, damit sie die reine Lehre verfälschen und die heilige Einigkeit des Glaubens zerstören und die simplen Leute im Glauben irre machen, mit wahrhaftigem Eifer hasse, verwerfe, verdamme und mich denselbigen in ihren Secten, wie dieselbigen mögen genannt werden, nicht wolle heimlich oder offenbar anhängig machen.

Zum sechsten und besonderen, daß ich der Wiedertäufer und Sacramentschwärmer, Carstedianer, Zwinglianer, Kalvinisten oder wie dieselben nun oder in folgenden Zeiten mögen genannt werden, gotteslästerige Lehre gegen die Nötigkeit und Kraft der heiligen Taufe und gegen die wahre Gegenwärtigkeit, Austeilung und Empfangung des wahrhaftigen, wesentlichen Leibes und Blutes Jesu Christi im heiligen Abendmahl, wo dasselbige durch die ganze Welt in die Christenheit nach des Herrn Christi Einsetzung gehalten wird, für unecht, falsch, lügenhaftig und verführerisch halte und bekenne und derhalben mit wahrhaftigem Eifer hasse, verwerfe und verdamme und meine befohlene Gemeinde nach meinen Gaben durch die Gnade und hülfe des heiligen Geistes fleißig und getreulich bis an mein Ende will vor solchem Irrtum warnen und will mich auch nicht mit solcher gottesläster. Gesellschaft weder offenbar oder heimlich teilhaftig und anhängig machen; auch gefährlicher, ärgerlicher Weise, da es die Not zu widersprechen, nicht erfordert, von den sacramentiererischen, gotteslästerigen und anderen verführerischen Irrtümern vor den Laien nicht disputieren, sondern will die unwandelbare, wahrhaftige Lehre und Glauben von der Wahrheit und Allmächtigkeit unseres Herrn Jesu Christi und von der unzertrennlichen Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der einigen ungeteilten Person Jesu Christi und von der wahrhaftigen, wesentlichen Gegenwärtigkeit des wahren Leibes und Blutes Jesu Christi im heiligen Abendmahl durch die Gnade Gottes und Beistand des heiligen Geistes helfen erhalten und fortpflanzen.

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Dies Alles schwöre ich ohne Falschheit und Arglist mit guter Conscienz, so wahrlich mir Gott helfe!“

Dieser von dem Generalsuperintendenten für Holstein, Paul von Eitzen, verfaßte Priestereid, sollte auch den lauenburgischen Geistlichen aufgelegt werden. Für Holstein war er angeordnet, weil dort Paul von Eitzen die Concordienformel abgelehnt hatte 1580, - man vermutete weil der ehrgeizige Mann sich beschwert fühlte zur Abfassung der Bekenntnisschrift nicht mit hinzugezogen zu sein – ohne doch sich dem Verdacht aussetzen zu wollen, als sei er mit dem Lehrinhalt der Formel nicht einverstanden. In Lauenburg aber hatte man die Concordia angenommen und so wurde nach einem Gutachten des Verfassers unserer Kirchenordnung, des Superintendenten Puchenius die Einführung dieses – schwülstigen wortreichen – Eidesformulars glücklicher Weise abgelehnt.

Dr. B.

 

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