Jahresband 1889

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miscelle.]

Herzog Philipp von Sachsen-Lauenburg.

[Dührsen, Walter]

Herzog Philipp von Sachsen-Lauenburg. Dieser am 18. April 1605 im jugendlichen Alter gestorbene lauenburgische Prinz war ein Sohn des Herzogs Franz II. von Sachsen, Engern und Westphalen aus dessen erster Ehe mit Margaretha, Tochter des Herzogs Philipp von Pommern, welche im Kindbette zu Ratzeburg am 8. Sept. 1581 starb, und geboren am 17. August 1578, ein Bruder des 1656 als regierender Herr verstorbenen Herzogs Augustus. Die Geschichte vermeldet uns Nichts über ihn und wir würden wohl garnichts über ihn und von ihm wissen, wenn uns nicht eine vortreffliche „Christliche und Tröstliche Leichpredigt Vber der Fürstlichen Leich vnd Begräbnüß deß weylandt durchleuchtigen vnd Hochgebornen Fürsten vnnd Herren, Herren Philippen, Hertzogen zu Sachsen, Engern vnd Westphalen, löblicher vnd Christmilter gedächtnus, welcher dieses jetztlauffenden 1605. Jars am 18. Monatstage Aprilis halbwege 4 Vhr gegen morgen auff dem fürstlichen Schloß Lawenburg in warer erkentnüß vnd bekentnüß Christi vnd anrufung seines nahmens seliglichen in Gott entschlaffen vnd aber darnacher am 28. May in ansehnlicher vnd volkreicher versamlung Christlichen vnd fürstlichen im Thumb vnd Stifft zu Ratzenburg ist begraben worden“, erhalten wäre. Dieselbe ist von dem fürstlich niedersächsischen Hofprediger zur Lauenburg Johannes Rhuelius, Ortrantius, am 28. Mai 1605 im Dom zu Ratzeburg gehalten und in Hamburg im selben Jahre durch Paul Lange gedruckt und dem Vater, sowie dem Bruder des Verstorbenen (Augustus) gewidmet worden. Zu Grunde gelegt ist der Predigt der schöne Spruch aus dem 56. Capitel des „geistreichen“ Propheten Jesaias „Aber der Gerechte kommt um und ist Niemand, der es zu Herzen nehme; und heilige Leute werden aufgerafft und Niemand achtet darauf. Denn die Gerechten werden weggerafft vor dem Unglück. Und die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern.“ In hübscher und erbaulicher Weise erörtert die

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Predigt, wer diejenigen seien, deren Tod wir uns zu Herzen nehmen sollen und dann wie die Wenigen, die das zeitige Absterben der Gerechten beachten und christliche Schmerzen darüber empfinden, getröstet werden sollen. Am Schlusse seiner Betrachtungen sagt der Verfasser: „Das ist einfältig die Summe dieser Predigt Esaiae, ohne weitleufftige wiederholung; denn ich befürcht längere Predigt sey euch verdrießlich, maß ist zu allen Dingen gut vnd ein Prediger soll wissen auffzuhören“ und beschriebt uns das Leiden und Sterben des Prinzen, der nicht nur ein guter Sohn und Bruder, sondern auch ein ausgezeichneter Mensch gewesen sei; er habe seine Eltern und Geschwister herzlich lieb gehabt, sich freundlich gegen die im Leben unter ihm Stehenden erwiesen und es gebe wohl keinen, der ihm nicht im Leben alles Gute gegönnt, nun aber im Tode ihm eine fröhliche Auferstehung mit Mund und Herzen wünsche. Da er aus „Heroischem Geblüte“ entsproßen und seines Vater als eines löblichen und alten Kriegsfürsten Exempel vor Augen gehabt, so habe er zu „dergleichen Heroischen thaten sonderliche lust, begierde vnd verlangen getragen.“ Aber ehe es dazu gekommen, habe Gott ihn zu Sich genommen und als er das Herrannahen seines Endes wahrgenommen, habe er auch gar wohl und ritterlich zu dem letzten Kampfe sich schicken gelernt. Er habe ihn, den Verfasser zu sich kommen lassen und trotz seiner Schwachheit ihm die Psalmen ganz und fertig recitirt und folgenden Tages das Abendmahl empfangen und dann gesagt, er wolle sich nun auf Gott verlassen, auf der er allewege sein Vertrauen gesetzt nach dem von ihm gewählten und geführten Symbolum G. H. A. Z. (Gott hilft alle Zeit). Wenn die Krankehit etwas heftig geworden, so haber er gesagt: „Wann nun der fromme Herr Cristus käme, so were es vmb einen stoß zu thun.“ Unter den frommen Gebeten des Verfassers sei dann der Prinz sanft und „wie man ein Lichtlein ausbläset, ohne schmeckung vnd sehung des Todes, auch einiger verwandelung vnd vngeberdiger zickung der Gliedmassen“ entschlafen.

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Er sei ein guter frommer Christ gewesen, habe Gottes Wort fleißig und mit Ernst gehört und die ganze Zeit über bei den Gottesdienstes in der Kirche zu stehen sich nicht verdrießen lassen. –

Der Predigt angebunden sind mehrere Nachrufe, wie wir heute sagen würden, in lateinischer Sprache und recht guten Hexametern: eine Naenia seu Threnodia funebris, welcher am Schlusse ein s. g. Chronodistichon hinzugefügt ist, von Eleasar Cnefelius, *) Licentiat der Rechte und fürstl. Rath zu Lauenburg, dann eine von M Paullus Neovinus, Pastor an der Kirche zu Boizenburg, an den Hofprediger Joh. Rhuele (aulae Leoburgi mystam) wegen seiner Leichenpredigt gerichtete Widmung und endlich noch ein Nachruf in lateinischen Hexametern an den verstorbenen Prinzen von Joan. Burmeister, Pastor in Gültzow. Diesem „Chartaceum (hoc quia marmoreum non poteram) monumentum“ ist dann ebenfalls ein Chronodistichon beigefügt. – Die fürstliche Leiche ward im Dom zu Ratzeburg beigesetzt. Folgendes Epitaph gab in früherer Zeit (es wird jetzt nicht mehr vorhanden sein) von diesem Todesfalle Kunde: „Olympicis natalibus S. PHJLJPPUS Dei munere – generosiss. adolescens – pietatis exemplum – virtutisque theatrum – patriae amor ac desiderium – lumenque splendidiss. domus ab avis atavisque – antiquiss. – inclyti fortissimique herois – ac domini – D. Francisci II – divina providentia – Ducis Saxon. Angariae ac Westphal. – tunc temporis hanc oram feliciter gubernantis – ex Serenissima heroina – Margaretha – Stettin. Pomeran. etc. ducissa coelo donata – filius II genitus – natus feliciter in fortalitio

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*) Derselbe hat wiederholt Kirchenvisitationen mit abgehalten als Vertreter des Herzogs, so 1614 in Lauenburg (Schloßkirche). Vgl. Heft 2 dieses Bandes p. 160 ff. Damals war er Dr.

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ac Praesidio – Raceburg. XVI Kal. VIIbris - - MDLXXIIX – cujus vita immortalitate erat dignissima - - - Leoburgi reddidit XIV Kal. Maj. inter - - MDCV. - - -

W. D.

 


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