Jahresband 1889

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Miscellen.

Schreiben der Herzoginn Anne Sophie ...

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Schreiben der Herzoginn Anne Sophie (Gemahlinn des Herzoges Friedrich Ulrich von Braunschweig) an den Herzog Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg. *) (Mitgetheilt von Herrn P. Catenhusen in Sandesneben.) Hertzliber sohn. E. Ld. schreiben habe ich ganz woll empfangen. ich muß bekennen, daß ich sehr böse gewesen bin das mihr E. Ld. eim ichtwartzen botten nicht
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*) Friedrich Ulrich, Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel, gewann die Ueberzeugung, daß das Herz seiner Anna Sophia mit der er seit 1614 verheirathet war, ihm nicht gehöre. Als Bischof Christian von Halberstadt 1623 den Herzog Julius von Lauenburg bei Nordheim geschlagen hatte, fand er unter der Beute einen Liebesbrief, den die Herzogin von Braunschweig an den Besiegten geschrieben hatte. Christian sandte diesen Brief an seine Mutter Elisabeth, durch welche er in die Hände ihres regierenden Sohnes Friedrich Ulrich gelangte. Hiervon in Kenntniß gesetzt, schrieb die Herzogin Anna Sophia zunächst den betr. Brief an (den Bruder des Herzogs Julius von Lauenburg) Franz Albrecht von Lauenburg und floh sodann nach Berlin an den Hof ihres Bruders, des Churfüsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Friedrich Ulrich sagte sich von ihr los, ließ sie aus dem Kirchengebet ausschließen, verbot die fernere Auszahlung der ihr angewiesenen Leibgedingszinsen von jährlich 8000 Rthlr. und ließ sie durch das Consistorium in Wolfenbüttel zum persönlichen Erscheinen vorladen. Dieses Verfahren wurde indessen vom Kaiser inhibirt und Friedr. Ulr. sah sich gezwungen, mit Georg Wilhelm in Unterhandlung zu treten. Seine Forderung, Anna Sophia möge ihre Einwilligung zu seiner anderweitigen Vermählung geben, wurde zurückgewiesen, ebenso die Forde-

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von J. H. *) geschrieben haben: aber nun bin ich wider ein wenig zufriden. Gott lob das es sich mit J. H. so wohl anlest. Es ist L. Gotte woll höchlich dafür zu danken, das es noch also geglückt ist, alß ich höre das gewesen sey. Unser here L. Gott behüte ihne in ferner vor Allem Unglück. Das TESTAMENT anlangendt, so behüte mich in L. Gott dafür, vnd laße den Tagk nimmermehr erleben. Ich wollte viel lieber das ich nie gebohren wehre. Ich begehre ihne woll nicht zu erben. Mitt seinem Leben ist mihr mehr gedient, als mitt allem so in der Weldt ist. Ich bin E. Ld. meinung auch das sehr gutt gewesen wehre, wenn schaffskopf **) vndt krumb ***)
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rung, die Sache einem Schiedsgericht zur Entscheidung zu übergeben. Kaiser Ferdinand II., an den Anna Sophia sich gewandt, konnte mit seinem Vorschlage, die Sache niederzuschlagen, in Wolfenbüttel nicht durchdringen. Deshalb ernannte er Ende 1626 den Churfürsten Johann Georg von Sachsen zu seinem Commissarius, und bat ihn, beide Theile persönlich vor sich zu fordern. Demgemäß besetzte dieser im August 1628 unter dem Vorsitz seines Oberhofpredigers Matthias Hoe ein Gericht, dem auch Brandenburgische und Wolfenbüttelsche Abgeordnete beiwohnen sollten. Auch hier war die Ausgleichung noch nicht erfolgt, als nach langem, schmerzlichen Krankenlager in Folge eines doppelten Schenkelbruches Friedrich Ulrich am 11. August 1634, 43 Jahre alt, ohne Nachkommen zu hinterlassen, verstarb. Anna Sophia nahm darauf ihren Wittwensitz in Scheningen, „eine kluge Frau, welche durch Unterhandlungen mit den Obersten der verschiedensten Parteien ihre Unterthanen dem Drucke der Soldatesca zu entziehen und selbst die Universität zu Helmstedt durch ihr Fürwort kräftig zu schirmen verstand.“ Ihr Tod erfolgte erst 1659 (s. Havemann, Gesch. der Lande Braunschweig u. Lüneburg, II. S. 603 ff.) – Franz Albrecht war ein Sohn des Herzogs Franz II. und geboren 31. Octob. 1598. Er ist es, dem man fälschlich zur Last gelegt hat, daß er in der Schlacht bei Lützen den König Gustav Adolph von Schweden meuchlings erschossen habe, eine Anschuldigung, die zuerst der Historiker Puusendorf erhoben hat, die aber h. z. T. wohl Niemand mehr glaubt (vergl. v. Kobbe, Gesch. Lauenburgs II. p. 415 und Vaterländisches Archiv I. p. 271 f.).

*) Julius Heinrich, Bruder des Herzogs Franz Albrecht.
*) Der Herzog Friedrich Ulrich, Gemahl der Herzogin.
*) Die Schwiegermutter der Herzogin.

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(Kruwb ?) vor seinen schenkel hatten mugen den hals brechen, ich wollte alles drumb geben, so ich in der Weldt habe, das es geschehen wehre. Gott gebe das es noch geschicht. *) Denn es ist hoch von nöten vndt hohe Zeit, denn es wirdt hie al zu dull, mich verlangt das E. Ld. her kommen, damit das sie nur sehen, denn sie könnens nimmer glauben, Wenn E. Ld. kommen, nehmen sie sich ia woll in acht. Denn schaffskopf wahret mich so eigentlich, vndt sollte sie merken, daß wir über kruwb lachten, würde ich mein Vnglück nicht halb wissen. E. Ld. glauben nicht, Wie hoch das sie ihnn itzo helt: sie helt ihnn so vor klug, aber er ist doch woll entschuldiget, er stirbt woll ein narr. Was erstrewen sich doch E. Ld. das sie mihr den brieff so ohn J. H. von der schönen Damen geschrieben ist, schicken. Ob die schon schöner ist, so weiß ich doch wohl, das mich J. H. mehr libet, als sie, vnndt dürffen mihr E. Ld. solches nicht versichern. Ich weiß es vorher beßer wie sehr vnndt hoch das er mich libet, vnndt mehr als ich meritire, ohne E. Ld. sagen vnndt wenn mihrs E. Ld. schon anders sagten, glaubte ich doch nicht, dan ich weiß es beßer. Es ist doch gutt das mehr Leutte sein, die es sehen, daß er schön ist: Denn sonsten wann ich es gesagt habe, hat es nicht sein müßen. Nun bin ich alleine nicht die solches sagt. Ich halte, die gantze Weldt wird es bekennen müßen Wenn sie die Wahrheit sagen will. Das arme Mensch hatt sich woll wenig zu erstrewen vndt der Kerl noch viel weniger. Er kriegt woll eine Richtige; er muß Luft haben hörner zu tragen. Vielleicht ist es ihme so außersehen. Das ich so politisch werde, weiß ich schier itzo nicht was ich bin. Denn ich binn in meinem sinne so verwirret, daß ich nicht weiß, Wo ich zu Hause gehöret. Aber die Hembder dunkt mich, kann E. Ld. die Frau Mutter zu Halle, oder zu Schöningen woll geben.

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*) Hierzu ist am Rande als Zusatz hinzugefügt: „Können E. Ld. künstlen, so thun sie es vmb Gots willen.“

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Dann ich weiß, daß sie E. Ld. von dem Ohrtt angenehmer sein als von mihr.

Das meßer vndt die Gabel ist besteldt. Die schue auch, so bald als ich sie bekomme, sollen sie E. Ld. haben.

Vmb das Hertz bekümmern sich E. Ld. nicht, daß ist fertig. Ich darf es aber nicht hinschicken, dieweil es so vnsicher ist. Ich denke mehr ahn J. H. als er vndt E. Ld. glauben können, denn der glaube ist bißweilen schlecht bei euch.

E. Ld. gedenken doch damit schaffskopf sein mehr bey Vns, zieht sie mitt allem hin in die Stadt der alte teuffel trawet sich zu Schöningen nicht. Sie muß gewiße kein gutt gewissen haben.

Befehl E. Ld. hiemit in Gottes schutz

Ich bin vnndt bleibe
Ew. Ld. gantz getrewe Dienst-
willige muhme vnndt
F. Mutter von Herzen
Anne Sophie.

A. Monsieur mon Fils
Monsieur Francis Albrecht
Duc de Sachsen
A
Regensburg

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Auf der ersten Seite dieses Briefes steht als NACHSCHRIFT folgende Aeußerung:

„Ew. Ld. küssen meinentwegen J. H. auffs Hertze vndt die hende vnndt füße. Wollte Gott ich möchte es verrichten. Wollte hoffen der schenkel sollte von stunden ahn beßer werden. Ich hoffe vnser Gott soll mich baldt so glückselig werden laßen.“



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