Jahresband 1888

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Miscellen.
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Zur Geschichte des Klosters Marienwold.

[Th. HACH Dr.]
 

Einer der freigiebigsten Gönner des St. Brigittenklosters zu Marienwold war zu Ende des 15. Jhrdts. der Lübecker Krämer Hinrich Dunkelgud; er stiftete in der dortigen Kirche nicht nur einen eigenen kostbaren Altar, sondern sprach in einem Testamente von 1487 sogar den, allerdings unerfüllt gebliebenen Wunsch aus, daß eine seiner unverheiratheten Töchter dortselbst in’s Kloster gehen möchte. Was Dunkelgud für Marienwold gethan hat, das melden uns seine eigenhändigen Aufzeichnungen, von denen der verstorbene Professor Wilhelm Mantels in einem Aufsatze „Aus dem Memorial oder Geheim-Buche des Lübecker Krämers Hinrich Duukelgud“ Kenntniß gegeben hat. 1) Nach den von Mantels mitgetheilten Auszügen ist nachstehend das auf Marienwold Bezügliche hier wörtlich wieder abgedruckt. Die vorgesetzten Zahlen beziehen sich auf die von Mantels angegebenen Folien des Memorials.


AUSZÜGE AUS DEM MEMORIAL.
 

Fol. 11 b. (Testament von „1479 up Lychtmyssen“ bestimmt unter anderen Legaten nach Marienwold 10 Mk.)

Fol. 226 b ff. (Testament von 1509 bezw. 1517 bestimmt unter anderen Legaten „auch nach Marienwold noch 1 Last Rogggen, dat se my began myt fyllegen [=Vigilien] vnde myssen unde neme(n) my in er denkelbok eewych“.)

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1) Beiträge zur lübisch-hansischen Geschichte. Ausgewählte historische Arbeiten von Wilhelm Mantels. Jena 1881. S. 341-369.

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Fol. 193 d. 1.A. D. 1496 So let ik maken to s. BYRGETEN, VOR MOLLEN BELEGEN, umme den kerkhof en krüsedracht [Kreuztragung] myt dem rychte [Kreuzigung], dat kostede my 44 Mk. 6 ½ ßl. It. stoet [kostete] dat Marienbilde in der sunnen [ Heiligenschein? 1)] op dem kerkhave 14 Mk., anno 1509. It. dat krusefisck up der juncfrouwen kor myt Maryen unde s. Johan, stot 15 Mk. It. noch en krüse up der juncfrouwen altar 3 Mk. Item noch let ik müren 1 altar an der broder schrank, stot my myt dem sparkalke unde sten unde to müren 3 ½ Mk. It. dorup en sneden tafel, alse Marye in den tempel wart offert [dargebracht (s. g. Praesentatio Mariae)], stot myt dem wygende, dat se de bisschop wygede unde dat altar, boven 100 Mk. It. let ik et umme beschranken (mit Schranken versehen) myt myssingerdrat, stot myt dem smykwerk 31 Mk. 4 ßl. It. up dat altar lynnenlaken unde wollen unde 2 attependium [= antependium, Vorhang-Decke vor dem Altar] stot wol 8 Mk. It. noch 1 lyste [Leiste] von sulveren bokstaven unde myn name in den bokstaven, unde is wol vorguldet unde woch 3 ½ lodige mark unde 6 lot it lot stot 20 ßl., is 77 Mk. 8 ßl. Noch vor Dammasch 2 Mk. unde rot syden 4 Mk., noch makelon. It. noch vor 1 kelk, stot 38 Mk., unde paten [Oblatenschale]. It. 2 sulveren appollen [Abendmahlskannen (ampullae)] wegen 11 Mk. It. 8 garwete, 1 rot flowel [Priestergewänder, darunter eins von rothem Sammet] 28 Mk. It. [1] rüsch gulden stukke, stot de ele 3 Mk., 8 ½ ele 25 Mk. It 1 gel syden stukke, stot 8 Mk. It. 1 gron flowel geblomet [von grünem geblümten Sammet] stot ok 26 Mk. It. 1 fogelken want [mit Vögeln durchwebtes oder netzartiges Zeug] stot 3 Mk. It. 1 rot aresch [Wollenzeug von Arras] steyt 3 ½ Mk. It. 1 wyt drel, stot 2 Mk. 12 ßl. It. 1 brun sardok, stot myt makelon 3 ½ Mk., It. noch 8 alfen [Alben, weiße leinene Priestergewänder], ston 12 Mk.“

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1) Nein, sondern in Mitten der in zwei Hälften getheilten Sonnenscheibe, wie Maria als „regina coelorum“ oft dargestellt wird.

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Fol. 194 b. 2. „Dyt naschresen dat qwam to mynen altar to s. Byrgeten: It. noch geven for kogeler [Kappen] vnde for seter [Baumwollenzeug] 1) under de garwete 7 Mk. Noch vor 1 kruse [gesticktes Kreuz] up 1 garwet 1 Mk. Noch for 1 par flogel [Flügel, Behänge] von syden; Noch 1 par flogel van - [fehlt]. Noch 1 rydelaken vor de tafel [Zug-Gardine vor dem Gemälde] 2) up altar 3 ½ Mk. Noch is dar 1 rusch fylt [russischer Filz] up altar, stot 1 Mk. Noch vor ist altar 1 bavenhut ½ gulden. Noch is to deme altare 1 pesepebret [Räucherpfanne] 3) van myssink unde vorguldet. It. noch eyn slicht unde recht [einfach unverziert] pesebret. It. noch darto 1 furbal [Feuerbohle, Feuerbrett, Einsatz für die Kohlen]. 4) It. is dar 1 myssebok, dat kofte ik, unde 1 del gaf he my, dar ik ist von kofte, her Marqwart Brant [ein Geistlicher]. It. noch 1 schryfft up deme altar in myssink geschrefen, myn name, dat se alle dage myner denken scholen unde myner erfen unde frunde. It. so is dar ene kyste, dar me schal in leggen de garwete unde wat to dem altar hort, stot 4 Mk.

Item vor dem vorschr. altar scholen de broder des klosters alle dage 1 mysse lesen, des somers to 5, unde des wynters to 6 uren. Dar vore gaf ik en 700 Mk. lub., alse ere bref wol mede brynget, de by my is, unde sal blyven by mynen erfen. Unde wen de erfen al verstorven synt, so scholen de olderlude des kramers to Lubeke dat vordegedingen unde vorstan, gelik also Maryen tyde in der kapelle to s. Jacob in Lubeke under dem torme, de de kremer vorstan. It. de bref, de dar up lüt unde tohort, den fint [men] in der kremer kappel in s. Peters kerke in Lubeke in dem schappe, dat dar steyt,

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1) Schetterleinen, oder Schechter = gesteifte Leinwand; s. Hansische Geschichtsblätter 1874. S. 163 164.
2) Nicht „vor dem Gemälde“, sondern vor der „sneden tafel“.
3) Pesebret = Rußtäfelchen (s. g. Pax) s. Med. Wb. 3. S. 323.
4) Richtiger wohl ein s. g. „Wärmapfel“ „ad calefaciendas manus sacerdotis celebrantis tempore hyemali“. s. Otte Handb. d. kirchl. Kunst-Archäol. [5] I S. 393.
 

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dar s. Aunen bilde up steit. It. ok is dar in de bref up myn altar to Marienwolde up de ersten myssen. It. desse brefe unde de brefe, de lude[n] up de tyde Maryen to s. Jacob in Tylinges kapellen, de sint tohope. It. klawes Lange de hest ok befalen des [den] olderluden des krames.“

Fol. 231 b. 3. Testament von 1487: „So were wol myn begerisset sake dat en van mynen dochteren dar wyllen to hadden, dat me se to s. Byrgeten to Maryenwolde int kloster geve: Dat is myn bede unde beger.“

Fol. 228 a. 4. Testament von 1502: „ Est it qweme, dar Goet vor sy, dat Konneke [Dunckelgud’s Frau] sterve myt den kindern kort na my, so begere ik, dat me von mynen nalaten gude make ene ewege mysse to s. Byrgeten to deme altar, dat ik dar hebbe maken laten. Item se behoveden (brauchten) dar wol enc fromysse alle dage“ u.s.w. 1)

Fol. 227 a. 5. Testament von 1507: „De susters vnde broders to Maryenwolde scholen laten lesen alle dage vor mynem altare 1 fromysse .... vor my unde myner werdynnen [Ehfrau] zele unde vor unser vorolderen zele unde vor unser kinder zele unde vor alle vrunde zele unde vor al crysten zele“.

Zieht man den Werthunterschied des Geldes selbst, sowie den Umstand in Betracht, daß kleine Summen in jener Zeit unendlich viel mehr bedeuteten als heut zu Tage, daß damals z. B. ein Ochse 5 Mk. galt, der heute etwa 3-400 R.-Mk. kostet, so dürfen wir den Gesammtwerth der von Dunkelgud auf Marienwold verwendeten Summen, welche sich nach seinen Angaben auf rund etwa 1200 Mk. Lüb. berechnen lassen, als als einen ungewöhnlich hohen bezeichnen und müssen um so lebhafter beklagen, daß von den von Dunkelgud nach Marienwold gestifteten Kostbarkeiten nichts nachweislich sich erhalten hat.

Th. HACH Dr.

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1) Diese Frühmesse stiftete Dunkelgud noch selbst; s. oben Fol. 194 b und Fol. 227 a.




 

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