Jahresband 1887

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miszelle]

Freiherr von und zum Stein in Fredeburg. Nach einer alten Ueberlieferung soll der REICHSFREIHERR VON UND ZUM STEIN, wahrscheinlich auf seiner Flucht nach Rußland, wohin er sich via Lübeck begeben haben wird, FREDEBURG passirt und dort einen kurzen Aufenthalt gehabt haben, den er, ohne sich übrigens zu erkennen gegeben zu haben, dazu benutzt hat, seinen patriotischen Empfindungen
auf den Rückseiten zweier Bilder Ausdruck zu geben. In der dortigen uralten s. g. St. Christoffer-Schenke, hart an der alten aus dem Reiche nach Lübeck führenden Landstraße gelegen und noch vorhanden, aber nicht mehr Schenke, hingen an der Wand die Bilder zweier Männer, mit welchen sich damals Vieler Gedanken beschäftigten: das des Kaisers Napoleon und das des genialen Feldherren Erzherzogs Carl von Oesterreich. Der stattliche, vornehme Fremde, in welchem die Tradition Stein erblickt, hat beide Bilder betrachtet, dann Napoleons Bild herunter genommen und auf die Rückseite geschrieben:
 

Als er erschaffen war, der größte aller Geister,
Trat Satanas zurück und sprach: Du bist mein Meister!

Dann hat er das Bild des Erzherzogs Carl herabgenommen und auf dessen Rückseite geschrieben:

Auf dir ruht jedes Deutschen Blick;
Gott gebe deinen Waffen Glück,
Daß du die Hunde treibst zurück!

Die beiden Bilder sind noch lange in der Familie des damaligen Inhabers der Christoffer-Schenke pietätvoll aufbewahrt, später aber leider abhanden gekommen. Die Erinnerung an den interessanten Fremden aber und dessen patriotische Verse hat sich erhalten bis auf den heutigen Tag.

WD.

 

1887/7 - 131


 


 

 

 

 



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