Jahresband 1887

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Miszelle]

 

Die Anlage einer Schäfferei durch den Stadthauptmann zu Mölln 1612. Hierüber findet sich in dem Kämmerei-Inventarienbuche die nachfolgende Aufzeichnung.

Anno 1612 15. Sept. ist wegen des Haubtmannes zu Mölln Unterhaltung und, weill der Receß de Anno 1605 vormag, daß die Einkommen der Stadtgüter zu verbessern, die Ausgaben aber so viele möglich zu verringern, verordnet, daß hinfüro drei reisige Möllnische Diener und Pferde nebenst des Haubtmannes drei riesigen Pferden sollen gehalten werden, und weil seine Bauernpferde, so er zu dem Ackerbau gebrauchet, abgeschaffet sein, ihm die Underthanen zu Breidenfelde wieder zugeleget und ihnen hingegen ihre andere Dienste sind abgenommen.

Demnach sich auch der Haubtmann zu Mölln beklaget, daß sein meister Acker sehr weit von der Hand liege bei dem wüsten Dorfe Drüsinge und ihm die Mistweichung kanz felle, auch mit hinaus zu fahren ist. Da nun das ganze wüste Dorf und Guth Drüsen E. E. Rathe zu Lübeck zu kompt und zu dem Hofe geleget worden, es aber von den Möllnischen und anderen Nachbahren, so viele die Weide daselbst belanget, mehr als von ihm gebrauchet und genutzt würde, so hat er beim Ehrb. Rathe angehalten, daß ihm zur Verbeßerung seines Ackerbaues und seines Dienstes möchte vergönnet werden, allda beim Drüsen eine Schäfferei auf seine Unkosten auszurichten, und daß ihm aus dem Drüsener Holtze das Holz mochte gegeben werden und, was die Baukosten anlanget, daß ihm dieselbe von seinem Succeßore oder dem, so die Schäferei annehmen würde, wieder erstattet werde. Welches denn E. E. Rath für gut angesehen und consentiret, so ferne der Ort allda

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gelegen, daß man ohne Jemandes Schaden und der Nachbaren Verhinderung eine Schäfferei anrichten könne. Also wir Verordneten der Kämmerei aber den 15. Sept. solchen Ort mit den Schreibern und Bedienten zu Ritzerau besichtiget und darin verabscheidet: Haben die Möllnischen also baldt des folgenden Tags sich wegen solcher Schäfferei Anrichtung nicht alleine gegen uns beschweret, sondern auch zu Rathe suppliciret fürgebende, daß die Schäfferei allda sehr ungelegen, auch ihnen zum Präjuditz und Schaden gereichen würde, sintemahl sie bereits geringe Weide für ihr Vieh und die Stadt Mölln den dritten Theil an dem Drüsinger Guthe hatte, wie solchs ihre Vorfahren vor langen Jahren gekauft und so noch im Besitz hätten laut einer Verschreibung, so sie mit übergeben.

Es hat ihnen aber E. E. Rath auf unsere vorgehende Relation und fernere Erkundigung ihrer habenden Gerechtigkeit durch uns die Verordneten der Kämmerei den 3. December zum Bescheide geben laßen, daß das gantze wüste Dorf und Gudt Drüsen Ein Ehrb. Rath Anno 1520 von der Jäden zu Mollen Erben an sich gekaufet, wie solches die Vorschreibung und Consens, wie auch des Rathes zu Mölln darüber verfertigte Verschreibung ausweisete, darin mit keinem Worte gedacht, daß der Rath von Mölln daran Part oder Theil habe, wie solches in dieser Stadt Privilegienbuch verzeichnet und ihnen daraus ward vorgelesen. Dero wegen es E. E. Rath sehr befrembdete, warumb sie sich über Anrichtung einer Schäfferei oder andere Gelegenheit, so Ein Ehrb. Rath zu dieser Stadt Beste daselbst für nehmen möchte, zu beschweren hätten. Und ob sie woll eine alte Verschreibung antzögen, daß sie den dritten Theil des Drüsens gekauft, so stünde doch in solcher Verschreibung auch viel ander Dinges, insonderheit der Drüsener Sehe, welche doch Hertzog Frantz von Sassen hatte. Woher also ihre alten Verschreibung, so sehr alt, nicht richtig, auch von den Fürsten von Sachsen nicht consentiret oder confirmiret und vorangeregte unsere Verschreibung wehre der ihrigen gar zu wieder. Es

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wehre zwar nicht ohne, daß sie in possessione des dritten Theils der Holtzunge und Mast im Drüsener Holtze wehren laut eines Vertrages, so Anno 80 durch die Kammerherren mit ihnen wehre aufgerichtet, aber an Beweis des Tituls würe es ihnen mangeln, wie denn auch an dem Feldmarkede. Andere Weide wehre man ihnen nicht geständig. Sie sollten fürlieb nehmen, was sie bishero genoßen, und sollten das Vieh etwas weniger machen und damit auf dem ihrigen bleiben. Ein Ehrbarer Rath wolle auch das ihrige nutzen und gebrauchen, es wehre gleich aus der Schäfferei oder anders nach ihrem Gefallen.

Damit seien sie zufrieden gewesen und hinab gezogen.

W. BREHMER DR.
 



 

 

 

 



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