Jahresband 1887

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



Miszellen.
 
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Verhandlungen über die Einführung einer Bieraccise in Mölln 1612. Da im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts die Finanzverhältnisse der Stadt Lübeck sehr ungünstige waren, so nahm der Rath ernstlich darauf Bedacht die Einnahmen möglichst zu vermehren. Zu diesem Behufe wurden von ihm unter andern die Kämmereiherren beauftragt, mit dem Rathe zu Mölln wegen Einführung einer Bieraccise in Verhandlungen einzutreten. Ueber den Gang und das Ergebniß derselben ist in das sogenannte Kämmerei-Inventarienbuch die nachfolgende Aufzeichnung eingetragen.

Nachdem E. E. Rath aus den jährlichen Kämmereirechnungen befandt, daß auf das Städtlein Mölln eine große Unkostung gewendet, auch wenig dajegen eingenommen wardt denn außerhalb des Zollens und der Mühlenheuer, welche doch Regalia seien, gebe der Rath und die Bürger zu Mölln dem Rathe allhier jährlich nicht mehr als 40 Mark Stadtsteuer, sonsten wehren sie mit keinen Schatzungen an Schoß, Türkensteuer, Accise oder dergleichen einigen Diensten beschweret, da doch die Bürger und Unterthanen im Ambte Bergerdorf und anderen eines Ehrb. Rathes Aemtern und Gebieten, ja die Bürger in der Stadt Lübeck solches jährlich ausgeben und leisten müssen. Da herjegen hätten sie nicht alleine unter dem

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Rath allhier ziemliche gute Nahrunge, Justiz, Schutz, Schirm und dergleichen, sondern auch ihre Frei- und Gerechtigkeit in civil und criminal, in Ackern, Wischen, Weiden, Holtzungen und Landwehren, mehr als manche freie Reichsstadt, will geschweigen andere benachbarte kleine Fürsten Stätte haben. Aus diesen und andern mehr Ursachen, insonderheit daß auch der bürgerliche Receß vermag, daß die Landgüter etwas besser mochten genutzet werden, so hat E. E. Rath denen Kammerherrn befohlen mit dem Rathe und dem Brauwerke zu Mölln zu handeln, daß sie von jeder Tonne Bier sollen 4 Schillinge Accise geben, doch dergestalt, daß 2 Schillinge davon der Rath zu Lübeck allein solte haben, 2 Schillinge aber solte der Rath zu Mölln behalten zu Unterhalt und Erbauung des Städtleins, und wollte E. E. Rath dagegen nicht alleine dem Brauwerk gute Ordnung machen und alle Beförderung thun, sondern auch von Jahren zu Jahren das Bier also setzen, damit sie, die Brauer, ohne Schaden bleiben kondten.

Darauf da den 14. Mai 1612, als die Möllnischen umb Bescheidt anhielten, daß ihnen die Tonne Bier von 2 Mark 8 Schillinge wiederumb auf 3 Mark mochte gesetztet werden, haben Herr Jochim Wibbeking und ich, Heinrich Brockes, ihnen zu Möllen E. E. Rathes Begehr und Meinung angezeiget, ihnen nicht alleine alle vorher gehende und andere Motiven mehr zu Gemüthe führende, sondern auch daneben zu verstehen gebendt, was deswegen andere benachbarte Obrigkeiten bei ihren Unterthanen angeordnet, und daß sie vermittelst ihrer Huldigung, Eidt und Pflicht solchs ebensowoll zu thuende schuldig, die Accise auch ein solch Mittell wehre, welchs nicht allein sie, sondern auch die Frembde, so die Biere trunken und abholten, bezahlen mußen. Da sie auch solche Accise gutwillig ausgeben würden, sollte ihnen alsobald das Bier ihrem Begehren nach gesetzet werden. Hierauf haben sie sich mit einander besprochen und angemeldet, daß ihnen unträglich, ja unmüglich fallen würde, solche Accise zu entrichten, bittendt E. E. Rath möchte

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sie bei ihrer alten Freiheit laßen, gleich wie E. E. Rath ihnen allewege, insonderheit bei dieser Huldigung zugesaget. Und ob ihnen woll dagegen allerhandt wiederumb geantwortet worden, so sein sie doch bei ihrer Meinung geblieben und ist ihnen auch das Bier nicht höher gesetzet worden.

Und als die Kämmerherren den 23. Mai davon zu Rathe referirt, hat der Rath für guth angesehen, daß man nochmals bei ihnen wegen der Accise sollte anhalten. Und weil ich, Heinrich Brockes, eine Zeitlang nach Hollandt verreiset wahr, hat E. E. Rath in meinem Abwesen durch den Herren Syndicum Brambach, Herrn Joachim Wibbekingk und Herren Heinrich Brömbse nochmals mit ihnen reden laßen, aber alles umbsonst. Und wie dieselben zu Rathe folgendt referiret, ist für gut angesehen, daß nochmals durch die Kämmerherrn und Brambachium mit dem Möllnischen der Accise halber solle geredet werden. Welches dan den 15. Sept. allda zu Mölln nach aller Notdurft geschehen, mit Anzeige, daß ihre Freiheit darinne nicht bestünde, daß sie zu ihrem Beschutz und Unterhaltung nichts sollten contribuiren. Sie sollten  es für gewiß glauben, daß Mölln der Stadt Lübeck in 20 Jahren mehr gekostet zu Unterhaltung, als es in 200 Jahren ihr hätte eingebracht, und das kein Dorf bei der Stadt Lübeck wehre, davon der Rath nicht mehr zu heben hätte, als von Mölln; und weil der Rath vermerkete, daß ihnen die Accise auf 4 Schillinge zu hoch zu sein bedünkte, so wolle es der Rath bei ihren 2 Schillingen bewenden laßen, und möchten sie alsdann für sich das S[t]ädtlein Mölln in guten Bau und Wehre erhalten. Daß sie sich auch erboten hätten, sie wollten anstaat der Accise lieber jährlich den
Türkenschatz geben, so wehre doch solches nicht ein so bequemes Mittel als die Accise, insonderheit der Armuth und konnte nicht groß austragen. Zu der Accise müßen auch die Frembden, ja auch die reisenden Leute zulegen. Sie sollten bedenken, was ihre Nachbarn andern Herrschaften jährlich contribuiren müßen, insonderheit die von Bergerdorf

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müßen jährlich Accise, Schoß und Türkensteuer geben und dazu noch Teich und Dämme halten, auch andere Dienste thun, und der Rath zu Lübeck habe so woll über sie als die Bergerdorfer zu gebieten. Und wan sie es in der Güte nicht thun wollten, wehre dem Rathe nicht schwer, sie dahin zu halten, daß sie es müßen ausgeben. So konnten sie auch solchs woll thun ohne ihren Schaden, denn es würde das Bier darnach gesetzet und, da sie 2 Schillinge Accise geben, hätten sie 4 Schillinge wieder einzunemen. Aber solches alles und was ihnen mehr wardt zu Gemüthe geführt, wolte nichts bei ihnen verfangen und helfen, sie legten es auf ihr Bitten, der Rath möchte sie verschonen. Also sein wir den Tag mit Unwillen von einander gegangen.

Den 16. Sept. haben wir die Bürgermeister und Kämmerherren wiederumb kurtz vor unserm Abzuge fordern laßen und sie ermahnt. Sie sollten sich eines andern bedenken, wir besorgten, unsere Relation würde dem Rathe sehr frembdt zu hören sein und würde sie zu andern Dingen Uhrsache geben, damit wir sie gerne verschont sehen. Darauf sagte der Bürgermeister: Sie wolten sich noch eins mit dem Rathe und Brauwerk besprechen. Und nachdehm sie solches gethan, sein sie wieder zu uns auf den Hof gekommen und angemeldet. Sie fanden sich nochmahls beschweret, die Accise auszugeben, baten E. E. Rath wolle sie damit verschonen, sie wollten sonst gerne thun, was möglich wehre und wollte das Brauwerk allein dem Rathe von Lübeck jährlich erlegen anstatt der Accise 300 Mark. Wir haben ihnen angezeigt, daß wir solches anzunehmen nicht befehligt und weil sie nochmahls bei ihrer Meinung und Verweigerung geblieben, müßten wir es dem Rathe referiren, welches dan von uns erstlich im November geschehen.

Ob nun woll E. E. Rath gute Fug und Macht auch Gelegenheit hatte gegen die Möllnischen mit der Accise zu verfahren, auch die 2 Schillinge von der Tonne jährlich woll 1000 Thaler austragen konnte, so hat doch der Rat aus

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allerlei bedenklichen Ursachen für guth angesehen, daß man die äußersten Mittell mit ihnen nicht eben zu der Zeit solte für die Handt nemmen, sondern mit gewißer Condition und Vorbehalt die 300 Mark jährlich, so lange bis E. E. Rath damit eine Anderung machen würde, zu acceptiren. Darauf habene wir Kämmerherren die beiden Bürgermeister und 2 des Raths von Mölln anhero mit ihrem Stadtschreiber beschrieben und auf der Kämmerei allhier ihnen den 3. Dezember angezeiget, daß wir nemtlich Befehl hatten, nochmals sie zu vermahnen und zu vernehmen, ob sie die 2 Schillinge Accise guthwilling auszugeben gemeinet; begehrten darauf ihre Erklärung, ehe und bevor wir ihnen des Raths amtlichen Bescheidt anmeldeten. Und als die nochmals bei ihrem Verweigern, Bitten und Erbieten verharreten, ist ihnen dieser  Bescheidt geworden: E. E. Rath hätte sich nicht versehen, daß sie sich der ausgesetzten geringen Accise sollten also zugegen und verweigerlich gestellt haben und wolte sich der Rath nochmahls derselben Forderung, so auf aller Billigkeit beruhete, mit nichten begeben, sondern die Exekution und Einnahme der Accise bis zu anderer Zeit zu dieser Stadt Nutzen und Besten reserviret und vorbehalten haben, sie auch gleicher Gestalt, wie die Bergerdorfer mit jährlichem Schoße und Türkensteuer nach dieser Stadt erheischender Notdurft billicher und traglicher Weise zu belegen. Immittelst aber wollte E. E. Rath anstatt der Accise allein und so lange es ihnen gefällig wehre, die 300 Mark jährlich auf die bestimpte Zeit, wan sie ihre Mühlenheuer aufbringen, von ihnen zu empfangen geruhen. Doch daß sie die 300 Mark also collectiren und einbrächten, daß die Armuth damit nicht beschweret oder andere Unbilligkeit dabei verspüret werde, sonsten würde E. E. Rath darin ein Einsehen und Aenderung thun müßen. Welches sie dan also angenommen und dafür gedanket.

Darauf ist ihnen von uns das Bier auf 3 Mark gesetzet worden, so lange bis unser Herr Gott beßer Zeit verlehnen

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wird, denn der Scheffell Gerste galt damals 17 auch 18 Schillinge und war nicht woll zu bekommen.

W. BREHMER DR.
 


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