Jahresband 1887

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


DIE STADT LAUENBURG,

nach einem Reisebericht vom Jahre 1768.

(Mit Anmerkungen von DR. SPRENGELL in LÜNEBURG.)

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Johann Daniel Taube, hannoverscher Hofmedikus, sowie Land- und Stadtphysikus zu Celle, geboren daselbst im Jahre 1727, gestorben 1799, ein eifriger Freund und Beobachter der Natur, gab im Jahr 1769 ein kleines Werk heraus „Beiträge zur Naturkunde des Herzogthums Lüneburg“. Des zweiten Bandes erstes Stück „Bemerkungen auf einer Reise durch die Heide bis Lauenburg“ dürfte, soweit darin über Lauenburg berichtet wird, einer Wiedergabe an dieser Stelle nicht unwerth sein, zumal das Taube’sche Buch recht selten geworden ist. Die Reise, Ende September und Anfang Oktober 1768, ging von Celle über Uelzen, Dannenberg, Hitzacker und Blekede bis zu dem damals bekanntlich hannoverschen Lauenburg, „um die Gebürge daselbst zu untersuchen“ und zurück über Lüneburg und Soltau nach Celle. Taube’s Rechtschreibung und Zeichensetzung sind im folgenden genau beibehalten.

„In Hohnsdorff wird man, um nach Lauenburg zu kommen, über die Elbe gesetzt, welche hier bei mäßigem Wasser, ohngefähr 50 Ruthen Breiten haben mag. Wenn sie aber, wie oft im Winter, oder bei Brechung des Eises, steigt, wird sie ungemein viel breiter. Denn sie könnte, sagt man, nach ihrem jetzigen Bette gerechnet, 20 Fuß höher steigen.

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Diese angegebene Breite von 800 Fuß trifft jetzt nur an einem einzigen Puncte zwischen Hohnstorf und Lauenburg ungefähr zu, gleich ober- und unterhalb dieser schmalsten Stelle ist der Strom auch bei niedrigem Wasser etwas über 300 Meter (1000 Fuß) breit.

Gleich bei Snassendorff bekommt man die Berge hinter Lauenburg, und bald darauf den Theil der Stadt zu Gesichte, welche unten am Wasser gebauet, oder vielmehr als Schwalben-Nester an den Berg geheftet sind. Dieses ist bei hellem Wetter ein reizender Anblick. Er wird um ein grosses durch die hin und wieder seglenden Fahrzeuge und Fischer-Böthe vermehrt. Die Stadt hat eigentlich drei Abtheilungen, welche ohngefähr in 600 Häusern bestehen mag. Die unterste Abtheilung liegt hart am Strande der Elbe, in welcher auch der Krahn steht. Man rechnet, er könne 8 Lasten, die Last zu 5 Schiffpfund, aushalten.

Ein Schiffspfund hat 280 Pfund. Der Krahn ist bereits abgebildet auf einem Abriß der Stadt Lauenburg, welcher sich auf einer Kartenzeichnung der Gegend zwischen Blekede, Boizenburg, Lauenburg, Zollenspieker und Lüneburg befindet. Diese Karte lieferte im Jahr 1579 der damals weithin berühmte Ingenieur und Wasserbaumeister Tileman Stella von Siegen dem Rathe der Stadt Lüneburg, dessen Archiv sie noch heute bewahrt, als man in Lüneburg einen Kanal zwischen der Elbe bei Blekede und der Neetze bei Echem plante, theils zur Abkürzung des Wasserweges von Lüneburg nach der oberen Elbe, theils zur Umgehung des Elbzolls zu Lauenburg. Auf derselben Handzeichnung befindet sich längs der Unterstadt Lauenburg ein ziemlich ausgedehntes, bebuschtes und theilweise mit Gebäuden besetztes Vorland, während das jetzige Werder bei Hohnstorf noch nicht vorhanden ist, die Elbe vielmehr den ganzen Ort entlang unmittelbar den Deich bespült. Tileman Stella trat später aus dem Dienste der Stadt Lüneburg in den der Herzöge von Mecklenburg und bearbeitete hauptsächlich die Entwürfe von Wasserverbindungen zwischen Ostsee und der Elbe und Havel.

Der mittlere Theil der Stadt liegt sehr eingeschränkt, aber die oberste, hat eine schöne und freie Lage, welche jedoch für Ungewohnte, hinaufzusteigen, sehr beschwerlich ist. Auf der

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obersten Spitze des Berges liegt das Amt-Hauß, welches das ehemalige Schloß ist, davon die Herrschaft, mit dem Ausgange des vorigen Jahrhunderts, nach Hannover fiel. Auf einem andern Berge, aufwerts der Elbe ist der fürstliche Garten, welcher aber jetzo sehr in Verfall geräth. Der Zusammenhang dieser beiden Berge, ist ehemals durch eine Brücke erhalten worden, welche jetzo eingegangen ist. Die Aussicht von beiden, kann nicht schöner seyn. In dem Garten fand ich zwei schöne, sehr grosse Rhus Sumach, eine ziemlich lange Liguster-Hecke, und außer einigen andern nicht beträchtigen Gewächsen, viel Gentiana centaurium.

Letzteres, das Tausendgüldenkraut, in der neueren Botanik Erythraea centaurium genannt, wurde früher als bitteres Arzneimittel sehr geschätzt. Rhus Sumach ist wohl das neuerdings ganz gemein gewordene Gift-Sumach, Rhus toxicodendron, welches aus Nordamerika stammt und schon Linné bekannt war. Der Gerbersumach, rhus coriaria und der Perückenbaum, rhus cotinus, sind ebenfalls hier Fremdlinge und im milderen Südosteuropa heimisch. Von Taube, der Ende September in Lauenburg weilte, nicht verzeichnet ist der Winterling, Erantis hiemalis, eine Ranunculacee, deren goldgelbe Blüthen, in Menge wildwachsend, schon im Februar und März die sonnigen Abhänge des Fürstengartens schmücken. In Gärten wird der Winterling bei uns hier und da gehegt, heimisch ist er erst weiter südlich, an den Südostabhängen der Alpen. Auch die zur Zeit seines Besuches wohl schon baumartigen bejahrten Buxbäume, welche schon von der ersten Anlage des Fürstengartens durch Herzog Franz II. herstammen mögen und noch heute grünen und blühen, erwähnt Taube nicht. Auch des Buxbaums Heimat ist bekanntlich Südeuropa. Die in mehreren Gärten der Oberstadt befindlichen wohl eben so alten riesigen Eibenbäume (Taxus baccata), welche über ihre Umgebung hoch hervorragend, dem Landschaftsbilde ein so eigenartiges und fremdländisches Aussehen geben, scheinen Taube’s Aufmerksamkeit nicht erregt zu haben.

Ehemals ist eine schöne Grotte, mit Spring-Wassern darin gewesen, welche aber, bis auf das Gemäure, welches das Schnecken-Hauß genannt wird, ganz verfallen ist.

Die auf der Elbe fahrende Schiffe, entrichten in Lauenburg
 

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einen Zoll. Sie sind von verschiedener Größe, unter welchen die Berlinische, als die stärkste, hundert Lasten führen können. Die Flösse, welche Stamm- und Stabholz nach Hamburg liefern, heissen Bodens. Ich sahe fünf dergleichen von Havelberg, zu welchen 50 Mann gebraucht wurden. Sie haben hinten und forn Steuerruder, welche Schürpers genannt werden. Alle andern Schiffe, haben einen mast und ein Segel.

In der Elbe wurden jetzo besonders Schnäpels (Cyprinus Nasus) und Neunaugen (Muraena petromyzon) gefangen. Die Fischer, welche hier eine besondere Zunft haben, arbeiten Tag und Nacht mit ihren Netzen, und lösen sich zu gesetzten Stunden ab, als die ordentlichsten Schildwachen. Es ist ein besonderes Gesetz der Fischer, daß sie ihre gefangene Fische vor Morgens um 7 Uhr nicht zu Markte bringen dürfen. Die Neun-Augen werden in ungemeiner Menge in Körben gefangen, und, nachdem sie geröstet und in Essig eingepackt worden, weit verfahren.

Zu verschiedenen Jahres-Zeiten werden hier in der Elbe gefangen: Lachse (Salmo salar), Karpen (Cyprinus carpio), Sandau (Perca lucioperca), Quebben (Gadus lota), Störe (Acipenser Sturio), Welze (Silurus Glanis), Hechte (Esox lucius), Parsche (Perca Fluviatilis) und einige andere kleinere Fluß-Fische. Aufwerts der Elbe, bei Schnackenburg und Lanzen, werden zu Zeiten, wiewol selten, Bieber (Castor fiber L. S. N. sp. I) gefangen. Sie sind wohl ehedem, bei hohem Wasser, zu Dannenerg, ja sogar bei Haarburg aus der Elbe gefischet worden. Man suchet diese fleißigen Thiere je mehr und mehr auszurotten, weil sie denen Deichen und Steckwerken ungemeinen Schaden verursachen sollen.

Etwas überwerts Lauenburg, hebt sich das rauhe und sandige Gebürge an, und erstreckt sich am Strom hinunter, bis über Atlenburg hinaus. Es wechselt mit veränderlichem Steigen und Sinken, von der Fläche des Stroms, zu Zeiten auf 40 Ruthen Höhe, und ist oben mit Laubbäumen bewachsen.

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Auch der Kalkberg zu Lüneburg hat die Ehre, von Taube „ein gewaltiges rauhes und wildes Gebürge“ genannt zu werden. Die obige Höhenangabe von 40 Ruthen kehrt später nochmals wieder, kann also kein Schreibfehler sein. Der höchste Punkt des Steilufers der Elbe, etwas über 1 Kilometer unterhalb Lauenburgs, hat 39,7 Meter Meereshöhe. Der Elbspiegel bei Lauenburg liegt durchschnittlich 6 Meter über dem Meeresspiegel. Der Hasenberg, die höchste Kuppe nördlich hinter der Oberstadt ist 70,1 Meter hoch. (Königl. preuß. Landesaufnahme 1879).

Auf der vorhin erwähnten Karte des Tileman Stella von 1579 zieht sich der Wald „im Heese“ genannt, in mäßiger Breite auf dem ganzen Steilufer entlang hinter der Stadt bis zu den ebenfalls bewaldeten Buchhorster Bergen. Die Windmühle am Hasenberge findet sich dort auch schon verzeichnet.

Der Waldname Hees kommt mehrfach im niederdeutschen Sprachgebiete vor, z. B. auf dem Höhenrücken, welcher die Wasserscheide zwischen Aller und Ilmenau bildet, südlich von Uelzen der „Breitehees“.

Zwischen diesem Gebürge und der Elbe, ist gleich unterwerts Lauenburg ein Thal von einigen Ruthen Breite, welches der Kuh-Grund genannt wird. Dasselbige wird jährlich breiter. Wenn das Wasser und Eis hochstehen, spület es von dem Gebürge immer etwas ab, und alsdann schießen beträchtige Stücke von oben nach. Dadurch entstehen in dem Gebürge gerade Wände, welche von unten einen fürchterlich schönen Anblick geben. Hier kann man die Spuren einer ehemaligen gewaltsamen Zerrüttung, an den Erdlagen sehen, wie sie sich, auf viele Ruthen weit, in einem Kreise nach und nach zusammengesetzt, und gegen Nordwesten von neuem gesenkt haben. In diesen Erdlagen ist allerlei untereinander gemischt. Bald findet sich ein gelber, bald dunkler, bald hellweisser Sand, zwischen welchen große Lagen eines herrlichen Thonmergels vorkommen, die hin und wieder von ungeheuren Lasten von Feldsteinen unterbrochen sind. Von diesem Thon-Mergel ist bisher noch kein Gebrauch gemacht worden, und die Einwohner scheinen auch keine sonderliche Neigung dazu zu haben. Doch hat der dasige Herr Amtsschreiber Oldenburg versprochen, Versuche damit zu

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machen. Zwischen denen gedachten Steinlagen, finden sich andere von sehr gutem Thon, unter welchen, dem Ansehen nach, gewiß Pfeiffen-Erde seyn wird.

Taube war ein eifriges Mitglied der 1764 von König Georg III., einem großen Freunde der Landwirthschaft, gestifteten Königlichen Landwirthschafts-Gesellschaft zu Celle, welche noch heute den Mittelpunkt der landwirthschaftlichen Vereinsbestrebungen in der Provinz Hannover bildet. Der große Arzt und berühmte Landwirth Albrecht Thaer, geb. in Celle 1752, gestorben in Möglin 1828, erhielt als Gymnasiast in Celle von Taube Privatunterricht in den Naturwissenschaften.

In den Klüfften stehen verschiedene Kräuter, von welchen unten, und soweit ich reichen und sehen konnte, Tussilago farfara, Arctium lappa, Lotus corniculatus, Gratiola officinalis und Arnica montana die mehresten Stellen besetzten.

Ich fand in der Gegend des sogenannten Johannis-Quels eine Lage sehr blättrichten Torfs, welcher mehrentheils aus noch ganz kenntlichen Birken-Rinden und Mooß besteht. Er liegt jetzo frei am Urfer der Elbe, aber er hat eine Last Erdlagen von mehr als 40 Ruthen Höhe über sich. Zwischen den Blättern dieses Torfes, befinden sich Gesäme von allerlei Kräutern und Früchten. Ich fand Erbsen, Wicken, eine Art, welche den Thlaspi arvense ähnlich sehn, Wassernüsse, die aber alle gedrückt waren, und Haselnüsse, zum Theil noch mit eßbaren Kernen. Ich würde nimmermehr geglaubt haben, daß diese Samen-Körner, durch eine so lange Reihe von vielleicht Jahrhunderten, ihre keimende Kraft beibehalten hätten. Allein die Versicherung aller Einwohner, bei welchen ich deshalb nachfrug, bekräftigte es einmüthig, daß, besonders die Wicken, sehr gut auflieffen, und daß der Versuch damit im Fürstengarten gemacht sei.

Die Angabe von 40 Ruthen Höhe der über dem Torflager lagernden Erdmasse erscheint hier noch ungeheuerlicher als die frühere. Der tiefste Punkt des muldenförmigen Lagers liegt nach Keilhack 11 Meter über dem mittleren Elbspiegel, 12 Meter unter der Plateauoberfläche. Die erste ausführliche Beschreibung dieser gewöhnlich
 

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als Braunkohlenlager bezeichneten fossilen Bildung hat der unlängst in Lauenburg verstorbene Rektor W. Claudius, ein Enkel des Wandsbecker Boten Matthias Claudius, gegeben in einem Aufsatze „flüchtige Blicke in die Natur des Südrandes des Herzogthums Lauenburg“, welche 1866 in dem Jahreshefte des naturwissenschaftlichen Vereins für das Fürstenthum Lüneburg erschien und im ersten Jahrgange dieses Archivs von 1884 nochmals abgedruckt ist. Eine ausführliche wissenschaftliche Arbeit hat Dr. Keilhack in Berlin in den Jahrbüchern der königlich preuß. geologischen Landesanstalt für 1884 geliefert, unter dem Titel „über ein interglaciales Torflager im Diluvium von Lauenburg an der Elbe“. Wie schon die Bezeichnung interglacial andeutet, findet Keilhack die hohe Bedeutung des Lagers hauptsächlich darin, daß seine Ueberschüttung mit Diluvialmassen den Beweis liefert für eine zweimalige Gletscherzeit, d. h. Ueberlagerung unserer Gegenden durch einen ungeheuren Inland-Gletscher. Aus der fossilen Flora des Lagers ergiebt sich für die Zwischengletscherzeit ein ähnliches Klima wie das heutige.

Nach Keilhack giebt es im steilen Elbufer noch drei ähnliche aber kleinere Torflager, eines 1 Kilometer elbabwärts von dem erwähnten und 2 in der Nähe von Tesperhude.

Durch das Abspülen des Elbstroms, werden, besonders bei hohem Wasser, viele Versteinerungen in dieses Thal geschwemmt, welche hauptsächlich in folgenden bestehen: Echinites, Conus sowol als Corythes beide in Silice, Ostracites, Pertinites, Entalites, Belemmnites, Coagula von allerlei Orthoceratiten, welche aber seltener vorkommen und nicht viel über einen Zoll lang sind, und fast alle Arten von Coralloiden, hauptsächlich die verschiedenen corallia fabularia Wallerii.

Am Strande der Elbe liegen ungemein viele sogenannte Wurmfräßige Feuersteine (Silex igniarius cretaceus Waller) von grossem Gewicht, welche fast alle ihre Kreideartige Haut haben. Hin und wieder, wiewol seltener, lieset man Stücke Kreiden, weiße sowol, als rothe, auf.

Wallerius war um die Mitte des 18. Jahrhundert ein berühmter Professor der Mineralogie in Upsala und neben seinem Zeitgenossen Linné von Taube am meisten verehrt und citirt.
 

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Ich fand in dem Sande des Ufers Nuga lutraria, Nesterweise, in welchen sich zu Zeiten kleine Perlen finden sollen und Buccinium flaviatile mit artigen braunen Bändern. Diese letzteren liegen auch Nesterweise beisammen.

Wenn man von Lauenburg nach den Schleusen der Stäckenitz geht, welche nahe, überwerts der Stadt, in die Elbe tritt, kommt man, nachdem ein böser Sandberg erstiegen ist, vor dem Berge vorüber, welcher noch jetzo der Goyen-Berg genannt wird; zum Beweise, daß in denen ganz alten Zeiten hier eine Gerichtsbarkeit oder Gaue gewesen sei, deren Amt jetzo in unsern Ländern gemeiniglich durch einen Hohgrefen, als einem wirklichen Nachfolger in dieser Stelle besorgt und gewöhnlich zu zu den Amts-Unter-Bedienten gerechnet wird.

Taube meint die in einigen Aemtern im Südtheil des Fürstenthums Lüneburg bis zum Jahre 1851 befindlich gewesenen Gohgräfen, entsprechend den Amtsvögten bei den übrigen Aemtern. Der Personenname Hografe findet sich in dortiger Gegend öfters. Hochgericht ist wohl Hohgericht = Gohgericht.

Die obere Schleuse der Stäckenitz ist viel beträchtiger als die untere, und ein sehr schönes unf festes Werk. Dieser Fluß verschaffet Lübeck und der daran liegenden Gegend, die Schiffarth in die Elbe. Die Fahrzeuge, die auf derselben herauf und herunter schiffen, sind bei weiten nicht so groß, als die Elbfahrer. In der Gegend nach der Schleuse fand ich sehr viele Hedera helix und Spergula nodosa und in dem Fluß selbst Trapa natans, Wasser- oder Stachel-Nüsse.

Die Wassernuß, Trapa natans, findet sich jetzt bei Lauenburg nicht mehr, sie scheint sich aus dem nördlichen Deutschland bis auf einige wenige Stellen zurückgezogen zu haben. In dem diluwialen Torflager finden sie Taube und Keilhack. Sie ist heute besonders in Südosteuropa heimisch.

In Lauenburg ist die Vieh-Seuche vor 2 Jahren zweimal gewesen. Man hat allerlei Mittel, wiewol vergebens, dawider gebraucht. Einiges Vieh ist durch einen Zufall gerettet worden.
 

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Man hat sie, noch lebendig, in Gruben geworfen, damit man, wenn sie gestorben wären, sie nur lediglich mit Erde bedecken dürfte, und die mehresten sind gesund wieder herausgezogen worden. Vielleicht hat die kühle Erde einen Wechsel der Krankheit verursachet. Bei der Seuche ist hauptsächlich die Bräune eingetreten, ehe der Tod erfolgt ist. In denen Lauenburigschen Gegenden wütet die Ruhr sehr selten. Von Auszährungen und Schwindsuchten, finden sich wenige Fälle. Ob man gleich vermuthen sollte, daß die Einwohner dieser bergichten Stadt, weil sie gezwungen sind, oft grosse Lasten über stickle Anhöhen zu tragen, denen Kröpfen sehr ausgesetzt seyn würden, so habe ich doch nicht eine einzige mit diesem Uebel behaftete Person bemerkt.

In Artlenburg, Avendorf und Tespe kommt Kropf jetzt mehrfach vor. Sonst ist er in unseren Gegenden sehr selten.

Ich besuchte die Werkstat eines sehr geschickten Tischlers, welcher ein artiges Modell eines Hauses verfertiget und an denselben allerlei sich bewegende Figuren angebracht hatte. Diese Bewegung geschahe durch Uhrsand.

Wegen der bergichten Lage der Stadt, bedienen sich die Einwohner eines Karns mit 2 Rädern und einer Deichsel, wo vor 2 Pferde bei einander gespannt sind. Dieses Fuhrwerk nennen sie Stell.

Der Ausdruck Stell kommt auch anderwärts in unsern Gegenden vor, z. B. für die Räder nebst Axe beim Pfluge, und überhaupt für ein Räderpaar mit Axe. Der Stellmacher ist etwa ebenso verbreitet wie der Rademacher.
 


 


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