Jahresband 1886

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miszelle]


Die Sacristei in der Kirche zu Mölln.
 

 

1886/6 - 397

(Nachtrag zu S. 162 Note u. Berichtigung.) Von geschätzer Seite ist der Verf. der Mittheilung: „Die Inschriftsteine in der Sacristei der Möllner Kirche“ (S. 158 ff.) darüber aufgeklärt worden, wie die Sacristei zu dem Namen „Gerbekammer“ gekommen. Derselbe hängt nicht mit dem Schusteramt zusammen, auch nicht damit, daß in diesem Raume, der seit langer zeit den Beichtstuhl des Pastors prim. bildet, den Beichtenden von ihrem Beichtvater moralisch „das Fell gegerbt“ wird – wie einige Möllner sich die Sache erklären -, sondern gerwe, garwe, gerwete, garwete (altdeutsch gerwi, garwi) bedeutet in Mittelniederdeutsch Kleidung, besonders priesterliche, welche die katholischen Geistlichen in der Sacristei an- und abzulegen pflegten. Demnach würde Garwkammer (falsch verhochdeutscht: Gerbekammer) gleichbedeutend mit Kleiderkammer (kirchlicher Kleiderkammer) d. i. Aufbewahrungsort für die priesterlichen Gewänder in der katholischen Zeit sein. (cf. Lübecker Urkundenbuch II. p. 901, wo in seinem dort mitgetheilten Testament der Priester Hermann Hofe 1350 u. A. verüfgt: Item eis (sc. fratribus Predicatoribus) do meum hochtides gherwe blaueum, meum vireldaghes gherwe purpureum et meum werkeldaghes gherwe.
W. D.

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