Jahresband 1886

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



[Miszelle]


Die Möllner Kirche.

 

Im Anschluß an „die Epitaphien in der Möllner Kirche“ (Heft 2, S. 137 ff.) wird hier noch nachgetragen, daß in der „KUNSTTOPOGRAPHIE DEUTSCHLAND“ von Dr. WILH. LOTZ auch die Möllner Kirche Erwähnung findet (Band I, Cassel 1862). Lotz hat seinen Anführungen die Mittheilungen in den Jahrbüchern für die Landeskunde der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg Bd. I. p. 79 ff. zu Grunde gelegt, wo der verst. Pastor Vollbehr in Mölln die Kirche und deren Kunstwerke eingehend beschreibt und von letzteren diverse Abbildungen liefert: so von dem TAUFBRUNNEN und dem berühmten SIEBENARMIGEN LEUCHTER. Vollbehr beschreibt auch das colossale CRUCIFIX über dem Eingang nach dem Chor und den herrlichen hölzernen LEUCHTER am Gewölbe des südlichen Seitenschiffs aus katholischer Zeit, sowie verschiedene hölzerne Figuren, Christus, Maria und etliche Apostel und Märtyrer darstellend und aus dem Kloster Marienwold herrührend, die aber leider seitdem nach Lübeck verkauft und daher jetzt nicht mehr in der Kirche vorhanden sind. Endlich wird auch einer KANZEL (oder eines KIRCHSTUHL DES BISCHOFS mit davor stehendem Betpult) von geschnitzter Arbeit in rein gothischem Styl gedacht, welche so vorzüglich gewesen, daß CHAPUY sie in seine Musterabbildungen mittelalterlicher Kunstwerke aufgenommen (Le moyen-âge pittoresque par Chapuy. Paris 1838. fol IIième partie. Tab. 64). Dieser Kirchstuhl ist seitdem verschwunden, dem Vernehmen nach von einem Kirchjuraten, der Bäcker war, zur Heizung des Backofens verwandt! Vollbehr schreibt dies interessante Kunstwerk dem 14. Jahrhundert zu. Endlich beschreibt Vollbehr auch noch zwei ABENDMAHLSKELCHE, silbern vergoldet; der eine, ältere, ist in Abbildung dem Bericht beigegeben und offenbar von hohem Alter und großem Kunstwerth; der andere, jüngere, scheint von einer Gretke Schillinghes ums


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Jahr 1500 gestiftet zu sein. – Schließlich sei hier noch bemerkt, daß Lotz auch des THÜRKLOPFERS an der alten Rathausthür gedenkt. Derselbe befindet sich in der Sammlung des Vereins und ist nach Lotz abgebildet bei Ramée, moyen-âge No. 210 Fig. 5W. D.
 

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