Jahresband 1886

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

[Miszelle]

Sachsen-lauenburgische Capelle im Kloster Maria-Schein bei Teplitz.
 

Als Franz II., Herzog von Lauenburg (oder wie sich die lauenburgischen Herzöge nannten: von Sachsen, Engern und Westfalen) 1619 starb, folgte ihm in der Regierung sein ältester Sohn aus der ersten Ehe mit Margaretha, Tochter des Herzogs Philipp von Pommern, AUGUST, geboren 17. Februar 1577 in Ratzeburg und gestorben als regierender Herr im Jahre 1656. Aus der ersten Ehe desselben mit Elisabeth Sophia, Tochter des Herzogs Johann Adolf von Holstein, in der ihm 6 Kinder geboren wurden, überlebten ihn nur 2 Töchter und seine zweite Gemahlin Katharina, Tochter des Grafen Johann zu Oldenburg, schenkte ihm keine Kinder, so daß sein Halbbruder JULIUS HEINRICH, aus der zweiten Ehe des Herzogs Franz II. mit Maria, Tochter des Herzogs Julius zu Braunschweig, geboren im April 1586, ihm in der Regierung succedirte. *) Julius Heinrich, im Fürstencollegium an der Universität Tübingen ausgebildet, ward schon früh KATHOLISCH, da er erwartete, s. Z. das Bisthum Osnabrück zu bekommen. Er scheint aber der lutherischen Religion stets im Innern zugethan gewesen und geblieben zu sein, denn nicht nur hatte das von ihm beherrschte Land in keiner Weise unter seiner Confession zu leiden, sondern er ließ auch seinen ältesten Sohn und präsumtiven Nachfolger Franz Erdmann in der lutherischen

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*) Franz II. erzeugte 19 eheliche Kinder. Wiederholt mache ich aufmerksam auf das aus der Schloßkirche zu Franzhagen herstammende Altarbild der Kirche in Büchen, welches Franz II. mit seinen Kindern und seiner zweiten Gemahlin darstellt.

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Confession erziehen. Er starb zu Prag im Jahre 1665 und war in erster Ehe mit Anna, Tochter des Grafen Edzard II. von Ostfriesland (Wwe. des Kurfürsten Lugwig VI. von der Pfalz, dann des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden), in zweiter mit Elisabeth Sophia, Tochter des Kurfürsten Johann Georg zu Brandenburg (Wwe. des Fürsten Janus Radziwill) und endlich in dritter mit Anna Magdalena, Tochter des Wilhelm Poppolyn von Lobkowitz (Wwe. des Grafen Zbinkoni von Colovrat) vermählt. *) Die Letztere brachte ihm bedeutende Güter in Böhmen zu. **) Aus der zweiten Ehe stammt der Herzog FRANZ ERDMANN, der bereits wenige Monate nach Antritt der Regierung starb, ohne Leibeserben zu hinterlassen, aber überlebt von seiner Wittwe, die bis an ihr Ende in Grönau auf dem Fürstenhof residirte. Wie angeführt, war Franz Erdmann LUTHERISCHER Religion. Ihm folgte sein Halbbruder JULIUS FRANZ (aus dritter Ehe des Herzogs Julius Heinrich), der letzte lauenburgische Herzog, in der KATHOLISCHEN Religion erzogen und mit Vorliebe auf seinen böhmischen Besitzungen (besonders in Schlackenwerth) residirend.

Die katholische Confession der Herzöge Julius Heinrich und Julius Franz und ihr häufiges und längeres Verweilen in Böhmen auf ihren dortigen großen Besitzungen lassen es als erklärlich erscheinen, daß sich, wie es in der That der Fall, in dem berühmten Kloster MARIA-SCHEIN bei TEPLITZ in Böhmen eine LAUENBURGISCHE Capelle befunden hat und bezw. noch befindet. Was ich darüber habe in Erfahrung bringen können, verdanke ich der Güte des Herrn Directors Seebohm zu St. Richard-

*) vergl. v. Kobbe, Geschichte Lauenburgs III S. 56 ff.
**) vergl. Archiv I Heft 2 S. 175 ff.: Das Städtchen Schlackenwerth in Böhmen, einst Sitz lauenburgischer Herzöge.

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schacht bei Teplitz. In der Historia Mariascheinensis des P. Joannes Miller S. J. 1710 (Brüx 1769) findet sich folgendes verzeichnet:

„Den 25. Febr. (1665) ist anhero kommen Ihro Durchleucht Maria Benigna Fürstin Piccolomini von Aragona Wittib, gebohrne Herzogin von Sachsenlauenburg. Nach bey dem Gnadenbild verichteter Andacht hat sie dem P. superior folgende von U. L. Frauen empfangene Wohlthat erzehlet: Als ihrem Herrn Vater Julius (d. i. Julius Heinrich) regierendem Herzogenn zu Sachsenlauenburg schon über die 70 Jahr seines Alters von vier Leibärzten das Leben abgesprochen worden, und kein menschliches Mittel mehr fruchten wollte, ist sie Fürstin in dieser eußersten Noth auf die Knie niedergefallen, ihrem kranken Herrn Vater Gott eifrigst befohlen, und weil sie viel von unserm Gnadenbild gehört hatte, ihn U. L. Frauen verlobet. nach gethanem Gelübd ist der Herzog wieder zu sich kommen, also daß er damahls, wie sie dieses erzehlete, wieder hat ohne Menschenhülfe in einem so hohen Alter allein gehen können. Den 14. Octo. hernach ist jetztgedachten Herzogs einziger Sohn und Erbprinz Julius Franziskus mit seiner Gemahlin, und ganzer Hofstadt anhero kommen, und seiner Andacht in unser Kirch abgewartet, von welchem künftig ein mehres.“

„In diesem Jahre (1684) hat Ihro Durchleucht Julius Franciscus regierender Herzog zu Sachsen-Lauenburg in Begleitschaft seiner 2 Prinzessinnen Franziska Hedwigis und Augusta Margaretha wie auch der fürnehmsten Hofbedienten unser Kirch besuchet; nach gepflogener Andacht hat er wie schon oben im 14. Bericht gemeldet aus eignem Antrieb versprochen eine aus den sieben Kapellen des Umgangs aufführen zu lassen.

1685. Zu Winterszeit, da das Wetter am frostigsten war, hat Ihro Durchleucht Julius Franciscus Herzog zu
 

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Sachsen-Lauenburg u. s. w. seine Andacht bei uns. Gnadenbild Morgens von 5 Uhr an, sammt seiner Hofstaat verrichtet, vor dem Gnadenbild auf bloßer Erde kniend 3 heilige Messen angehöret und sich mit dem H. W. Sacrament speisen lassen. Im folgenden Jahr hat Ihro Durchleucht 500 Gulden zum Kapellenbau anhero geschicket, welcher Bau im Jahre 1688 ziemlich zum Stand kommen.“

Von der sachsen-lauenburgischen Kapelle, zu deren Erbauung nach dem Vorstehenden Herzog Julius Franz im Jahre 1686 500 fl. gestiftet, scheint nach weiteren mir zugegangenen Mittheilungen nichts mehr vorhanden zu sein, als der Name; und auch dieser Name wird nicht immer gebraucht, viel häufiger heißt sie die reichstädter Kapelle (wahrscheinlich weil die Lauenburger wie in Schlackenwerth auch in Reichstadt häufig bei ihren Aufenthalten in Böhmen residirten; dort starb auch der letzte Herzog 1689). Die Bilder in derselben sind neu und das schöne schmiedeeiserne Thor nebst dem daran befindlichen sachsen-lauenburgischen Wappen sind von Kaiser Ferdinand, dem Oheim des jetzt regierenden Kaisers von Oesterreich, gestiftet; von Letzterem wird die Kapelle jetzt unterhalten. Die jetzige Kirche nebst Capellen ist 1702 gebaut, man dürfte also den Namen der alten Capelle auf die neue, da dieselbe die erste vom Haupteingang links war, übertragen haben.

So stößt man, fern von der Heimath der alten Herzöge, wie in Schlackenwerth auch in Maria-Schein bei Teplitz und wahrscheinlich auch in Reichstadt *) auf sachsen-lauenburgische Reminiscenzen.    W. D.

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*) REICHSTADT ist mehr als die übrigen böhmischen Besitzungen der lauenburgischen Herzöge dadurch bekannt geworden, daß es mit etlichen anderen ihrer böhmischen Herrschaften (Buschtirad u. s. w.) fnach vielfachem Besitzwechsel vom Kaiser von Oesterreich unter dem Namen des Herzogthums Reichstadt dessen Enkel, dem ehem. König von Rom, Napoleon II. zur Ausstattung bestimmt wurde (vergl. von Kobbe III pag. 92. 93).
 



 

 

 

 



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