Jahresband 1886

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Miszellen.

Ampt und Landtbvch zvr Lowenbvrgk.
 
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Dies von Herzog Franz II. von Lauenburg im Jahre 1618 angelegte, von ihm mit einer eigenhändig unterzeichneten und mit seinem „fürstlichen Daumensecret“ untersiegelten Autorisation versehene Buch befindet sich im Besitz des Hamburgischen Staatsarchivs und ist von dem Archivar Herrn Dr. O. Beneke dem Verein zur Ein- und Durchsicht gütigst zur Verfügung gestellt. Der Zweck dieser Anlegung scheint eine Feststellung der Leistungen gewesen zu sein, die zunächst den fürstlichen Unterthanen im Amt Lauenburg oblagen und bezüglich derer bis dahin einige Unklarheit und Vewirrung geherrscht haben muß. Dies müssen wir aus der obgedachten fürstlichen Autorisation schließen, die wir zunächst hier wörtlich wiedergeben:

„Nachdehme wir von Gottes Gnaden Frantz, Hertzogk zu Sachsen, Engeren und Westphalen auf vielfaltiges vndertheniges anhalten Vnserer Vnderthanen Vnseres Ampts Lowenburgk alle Ihrer Acker, Wiesen vnd Höfe, ohnlangst im verlaufenen 1600 Jahre In Beysein Vnserer eigenen persohne, nachmessen vnd Huefschlagen lassen, Vnd domalig befunden, das vnter Ihnen eine grosse Vngleicheitt der Jehrlichen außgebenden Pächte, Zinsen vnd pflegen gewesen, dadurch viele verkurtzet, vnd endlich in armuht

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solten gerahten sein, Welchem Vnheil Wir aus Landes- Fürst- und Väterlicher vorsorge bey Zeiten vorgebawet, eine gleichheit getroffen, Vnd alles, was Jeder hinfüro iehrlich außgeben vnd an diensten leisten solte, in ein new Landtbuch Zu der Zeit bringen vnd verzeichnen laßen, Nun aber sieder dehme (seitdem) an newen pächten vnd Zinsen mehr datzu kommen, Dahero Wir veruhrsachet, es alles in gegenwertiges buch richtig bringen zulaßen.

Vnd weile derselben ZWEY gleichs lauts gefertiget, Davon Wir dieses in Vnsere Cammer genommen, das Ander Vnserm jetigen Amptschreiber zur Lowenburgk im Ampte zu haben, Vnd Er, sowol seine Successores darnach einzufoderen vnd ihre Ampts rechnungen Zuthunde, vberreichen vnd anbefehlen laßen, Selbiges buch bey vormeidunge Vnserer hohesten Vngnade, in gute acht vnd verwahrunge zu nehmen, darein nichts, außbenommen der Vnderthanen namen, wan die Höfe vnd Erbe mutiret, ohne Vnseren vnd der Vnserigen gnedigen Vorbewußt zu corrigiren, Sondern da irgendt was vorfallen oder newes datzu kommen müchte, dasselbe hinten dem Schluß sein reichlich einschreiben damitt die Summa Summarum nicht verrucket pleibe. – So seind Wir der gnedigen Zuversicht, Sie solchem Gebott in vnderthenigem gehorsamb nachkommen werden.

Vkhrkundtlich haben Wir Vnser Furstlich Daumen Secret hieunten gedrucket vndt mitt eigener handt vnterschrieben. Geschehen auff vnserer Vehste Newenhause (Neuhaus) den 26. tagk May Anno Christi Ein Tausend Sechs hundert vnd Acht Zehenn.

(L. S.) Franz H. zu Sachssen etc.

Dieser Anweisung entsprechend sind dann in dem Buch die einzelnen Dörfer des Amtes Lauenburg (also auch die bei der Abtretung Lauenburgs bei Hannover

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verbliebenen, linkselbischen) und in ihnen die einzelnen leistungs- und abgabenpflichtigen Grundbesitzer, sowie die ihnen obliegenden Leistungen aufgeführt und verzeichnet und bis in die Mitte des vorigen Jahrhundets fortgeführt. Wir finden darin von linkselbischen Ortschaften die Dörfer Barförde, Hittbergen nebst Brackgarrelstorff und Wendewisch, Sasendorff (Sassendorf), Hohnstorff, Fleck Artlenburg, Awendorff, Tespe mit Marschacht. Darnach folgen die bei Abtretung Lauenburgs an Dänemark dem Amte Lauenburg verbliebenen Ortschaften Krützen, Kruckow, *) Schnackenbeche (Schnakenbek), Tesperhuede , **) Besenhorst *) (später zum Amt Schwarzenbek gelegt), Geisthacht (später lübeckisch-hamburgisch, jetzt hamburgisch), Wordt, *) Johanwarde (Hamwarde), Wiershop (später und auch jetzt zu Gültzow gehörig), Lutow (Lütau), Wangelow, Bartelstorff, Fitzen, Buchen („Jügen Rittmüller S. wittibe Bawermeisterin.
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*) In Krukau, Besenhorst und Worth wurde von einigen Stellen der KÖNIGSPFENNIG entrichtet. Wir finden bei Krukau: „Heine Bawermeister, hatt 1 Huefe, gibt 2 Koninges Pfenninge aufn abendt Trium regum bey Straffe 60 Mark.“ Bei Besenhorst finden wir: „Henneke Riekke Hatt 1 Huefe Landt, gibt: Einen Koninges Pfenning auf abendt Trium regum bey Straffe 60 mark“ und „Jochimb Schlatow, Hatt 1 Huefe landt, gibt Einen Koninges Pfenningk auf abendt Trium regum, bey Straffe 60 Mark“; ebenso Catharina Zien, Bauermeisterin, und Thies Riekke, Hufner, welche auch je 1 Königspfennig zahlen. Endlich bei Worth: „Marten Khyn, Hat 1 Huefe Landt, gibt Einen Koninges Pfenningk aufn abendt Trium regum bey Straffe 60 Mark“. Diese Abgabe ist, was Krukau und Worth betrifft, bis zum Jahre 1847 an das Amt Lauenburg entrichtet und erst seitdem mit in den stehenden Gefällen berechnet worden, wie Linsen, Handb. S. 268 bezeugt. Bemerkenswerth ist, daß eine hohe Geldbuße auf die nicht rechtzeitige Entrichtung dieser geringfügigen Steuer gesetzt war. Ueber den Ursprung derselben ist zu vergl. v. Duve, Mittheilungen etc. S. 36. Nach ihm bildete der Königspfennig ein Zeichen der Anerkennung des Reichsoberhaupts (des Königs) von Seiten der Markleute d. i. derjenigen Wehrmänner, denen die Vertheidigung der Mark oder des Gau’s oblag und

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Anitzo Frantz Christoff Schumacher Zöllner alda.  - - Hat auch den Herrenhoff, darein fallen 4 schf. Korn. Hatt die Burgwiese ***) darauf werden ohngefehr 6 Fueder Hew gewonnen. Dienet neben dem Bawermeister zur Fitzen, wan an der Buchener Schleuse Gebawet wirt, vnd muß einen duchtigen Kerl, wan der Solder gemeihet wirt, schicken, der das Volck zur Arbeit treibet“), Pötrow, Witzeze, Basedow, Buchhorst, Lantze. Darnach folgt die „Statt Lowenburgk“ mit den Einwohnern, die im Amtsbezirk Grundbeseitz und dafür zu steuern hatten, dann die „Newestatt Lowenburk“, der Holewegk (Vorstadt im Amtsbezirk), Oben der Brugke (desgl.) und Unterm Berge (desgl.) – Nach der „Summarum Summa aller jährlichen Ufkunfft des Fürstlichen Ampts Lowenburgk“ gaben die dazu gehörigen

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die, um dauernd an die Mark oder den Gau gefesselt zu sein, mit Grundbesitz, den man ihnen zuwies, seßhaft gemacht waren. Wie dem auch sei, jedenfalls ist diese noch bis in die Neuzeit hinein erlegte Steuer uralt.
**) Bei Tesperhude heißt es: „1. Philip Pfeifer, Zöllner Hatt 1 ½ Viertel Landt vnd eine Kleine Wiese in der Marsch bey den Awendorffer wiesen, von 1 Fueder Hew, gibt nichts, hat auch das Werder frey, vermuege F. g. Vorschreibunge, dienet F. g. mit einem reisigen Pferde.“ Dieser Philip Pfeifer war zu Oedenburg in Ungarn am 24. Juli 1586 geboren, erst lauenburgischer Feld-, hernach Hoftrompeter und Zöllner in Tesperhude, welchen Dienst er 18 Jahre verwaltet hat. Von dort ist er als Elbzollverwalter nach Lauenburg befördert worden und nach einer 24jährigen Dienstzeit am 9. Oct. 1658 verstorben (G. Strasberg, Denkmal der Zimmermann, Blechfeßer, Pfeiffer und Fritschen Famil. Hamb. 1720).

***) Interessant ist, daß bei Büchen eine Burgwiese angegeben wird, da doch von einer in oder bei Büchen gelegenen Burg geschichtlich nichts bekannt ist. Man könnte aber diesen Umstand als eine Bestätigung der auch von v. Kobbe gehegten Vermuthung ansehen, daß in Büchen die von Carl dem Großen angelegte Burg HOCHBUCHI gestanden habe. Bekanntlich ist die Frage, wo Hochbuchi gelegen habe, sehr bestritten. man vergl. v. Kobbe Geschichte Lauenburgs I. S. 48-49.
 

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298 Huefe landes („2schff. vnd 4 ½ spindtt korn einsaht“)(„ohne der Priester vnd Coster länderey“) ordinari 2583 Thaler 8 ßl. 7 ½ Pfg. (738 Thlr. 10 ßl. 2 Pfg. Woldtfuhrgeldt, 754 Thaler 15 ßl 6 ½ Pfg. Michaelisgefälle, 967 Thaler 18 ßl. 6 Pfg. Ablager „vff Ostern“, 122 Thaler 22 ßl. 0 Pfg. Johannisgefälle, 8 ßl. 5 Pfg. „an 3. Köninges Pfenningen vfn abendt Trium regum“), ferner 277 Schneidelschweine, 312 Gänse, 1637 Hühner, 6077 Eier, 48 Scheffel Mehl, 118 Drompt 7 Scheffel Roggen, 200 Drompt 4 Scheff. 4 Spint Hafer, 290 ¾ Pfd. Flachs, 1243 Pfund Flachs oder Hede „werden gespunnen“. Die Lauenburger mit den Vorbürgern zahlten an Garten- und Landheuer, Wisch- und Dienstgeld um Michaelis 209 Thaler 10 ßl. ½ Pfg. und 77 Rauchhühner. – Nachgetragen ist dann noch Juliusburg mit Thömen, vormals Abbendorff, welches Herzog Augustus von Lauenburg Ao. 1620 dem Franz Heinrich v. d. Kettenburg abgekauft und dem Amte Lauenburg zugelegt hatte.

Schließlich sei hier noch angeführt, in welcher Weise nach dem „Landtbuch“ die Bauern zu Kriegsdiensten herangezogen wurden. Wir finden z. B. bei Barförde folgendes: „Die Barförder, so allhier mit namen laut der Reuter rolle vorzeichnet sein, haben Jeder einen Baum zur reuter rustunge empfangen, Sollen dafür Jeder zeit vf erforderen in nohtfällen mit einem reisigen Pferde, rüstunge, buchsen und anderen datzu gehorigen sachen die fertig sein erscheinen, Vnd sollen die rustungen vnd Zeuge bey Jedem erbe erblichen pleiben. Desgleichen haben alle die Bawleute (Bauleute=Hufner) in diesem Ampte ein Jeder einen Baum Zur rustunge empfangen, Seindt derowegen mit den Barforderen wegen der Musterunge in gleicher gerechtigkeitt.“ (Folgt die Reuterrolle.)

Hiernach scheint der Herzog seinen zu Kriegsdiensten verpflichteten Bauern zur Equipirung nicht Geld, sondern

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anstatt desselben Bäume aus der Forst gegeben und ihnen überlassen zu haben, die Bäume zu verkaufen und aus dem Erlös sich Rüstungen, Büchsen etc. anzuschaffen.  W. D.


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