Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


[Dührsen, Walter Eugen]

Das Dorf Kühsen im Besitz des Klosters Loccum

(Nachtrag zu S. 171 ff.)
 

Zu der unter obigem Titel in Heft 2 S. 171 ff. mitgetheilten Darstellung des Verhältnisses des lauenburgischen Dorfes Kühsen zum Kloster Loccum wird nachträglich hier noch dasjenige mitgetheilt, was in dieser Beziehung das reichhaltige Archiv des Stifts Loccum nach dem von W. v. Hodenberg herausgegebenen Calenberger Urkundenbuch (Hannover 1858) enthält. In der dritten Abtheilung dieses Urkundenwerks (Archiv des Stifts Loccum) werden folgende Urkunden mitgetheilt:

Urkunde 833.

Gerhard von Krummesse verkauft an Heinrich von Hachede zu Lübeck sein Gut und Dorf Cutzen (Küssen an der Stecknitz, unweit Mölln) im K. Nutzen (Nüsse) im Stifte Ratzeburg auf Wiederkauf nach 30 Jahren. 1) 29. November (f. Andreas auent.) 1431 2)

(Aus einem vom Notar Johann Stormer von Dassel auf Geheiß des Propstes Heinrich Calumwisch an der Collegiatkirche Vthmen, General-Official der Lübecker Curie am 10. Oktober 1441 beglaubigten Transsumpte.)

1) Die Kaufsumme, 780 Lübische Mark, hat er insbesondere zur Lösung aus der Gefangenschaft des Herzogs Bernhard von Sachsen verwandt.

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2) Herzog Bernhard von Sachsen, Engern und Westfalen bekennt, daß die Beschreibung, welche der Abt Johann und der Convent zu Loccum ihm und seinen Oheimen, den Herzögen Heinrich und Johann von Mecklenburg, wegen der Lehnwaare aus dem Gute Kutze ausgestellt, keine Gültigkeit mehr habe. 4. Juli (Am Dage Sunte Olrikes) 1440. (Aus dem Loccumer Copiare Nr. 822. – Abgedruckt bei Scheidt mantissa p. 288.)

Abt Günter und der Convent zu Loccum belehnen am 13. Juli 1457 Meister Heinrich, Dr., und Marquard von Hachede mit dem Dorfe Kütze im K. Nütze, Stifts Ratzeburg, welche Gerhard von Krummesse an ihren Vater Heinrich von Hachede verkauft hat (gleichzeitige Copie).

Beide reversiren sich gegen das Kloster am 22. Juli 1457.

Bürgermeister und Rath der Stadt Lübeck melden dem Abte Arnold zu Loccum am 2. Februar 1472, daß Heinrich von Hachede den versäumten Kanon von dem Lehngute Kütze bei erster Fuhr übersenden und dem Contracte des Klosters Loccum mit seinem verstorbenen Bruder Marquard wegen des Lehnguts Kütze nachkommen will, daß andererseits Herzog Johann von Sachsen daran erinnert hat, das Dorf Kütze sei zwar des Klosters Lehngut, liege aber in seinem Gebiete. (Auf der Außenseite des Briefs auf Pergament die erbrochenen Siegel des Abtes Arnold zu Reinefeld und Secretum burgensium de lubeke,“ letzteres großentheils abgesprungen.)

Abt Arnold zu Loccum meldet dem Rathe zu Lübeck am 29. November 1474, das Gut Kutze, welches Heinrich Hachede nun schon zum zweiten Male drei Jahre hindurch versessen habe, werde einem Andern zu Lehn übertragen werden, zumal sein Herr, Herzog Friedrich der Jüngere von Braunschweig und Lüneburg, und auch der Herzog Johann von Sachsen darauf gedrungen haben, daß solchse

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Gut wieder einem aus dem Ritterstande, wie den von Krummesse, übertragen werde (gleichzeitige Copie).

Abt Johann zu Reinefeld bittet den Abt Arnold zu Loccum am 21. December 1474, von dem vorstehenden Entschlusse abzustehen (Siegel des Abts Johann); desgl. der Rathsherr Bernhard Darsau zu Lübeck am 24. Januar 1475 (Siegel). Domherr Volkmar von Anderten zu Lübeck ersucht den Abt zu Loccum am 25. Mai 1475, die Sache in Betreff des Heinr. Castorp, Andreas Geverdes, Bürgermeister zu Lübeck und anderer Vormünder der nachgelassenen Kinder Heinrichs von Hachede doch bis etwa Johannis anstehn zu lassen, wo er nach Hannover zu kommen und die Sache zu vermitteln gedenke (Siegel abgefallen). Abt Arnold und der Convent zu Loccum belehnen am 2. Nov. 1475 die nachgelassenen Kinder des Rathsherrn Dr. Heinrich Hachede zu Lübeck, Heinrich und Johann, mit dem Dorfe Kütze im K. Nütze, Stifts Ratzeburg (Concept). Der Revers der Vormünder ist ebenfalls am 2. November ausgestellt (6 Siegel).

Bürgermeister und Rath zu Lübeck thun am 13. October 1520 kund, daß Götz von Wickede, durch Kränklichkeit verhindert, in eigener Person zu dem vom Abte Burchard Stöter nach Loccum auf den Montag nach „Luce Evangeliste“ ausgeschriebenen Lehntag zu erscheinen, den Wicke Schulte bevollmächtigt hat, statt seiner jegliches Erforderliche wegen des Lehngutes Kutze (Küssen im K. Nüsse) zu verhandeln (Siegel der Stadt Lübeck).

Goslick Lunte, Schwager des verstorbenen Goslick (Götz) Wickede, ersucht den Abt Burchard am 17. Juni 1527, da er mit den Gebrüdern Hans und Heinrich von Hachten (Hachede) wegen Uebertragung des Dorfs und Guts Kutze in Unterhandlung stehe, um eine vorläufige Mittheilung, ob er dabei der Einwilligung desselben sich werde erfreuen dürfen (Siegel). – Der Abt antwortete am 1. Juli 1527, mit Befremden über eine solche Unterhandlung ohne

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sein Wissen, er gewärtige die Ankunft eines Bevollmächtigten in dieser Sache (Copie). Abt Magnus und der Convent zu Loccum belehnen am 13. Juli 1528, unter Vorbehalt des jährlich zu entrichtenden Zinses von 2 Tonnen Heringe, den Gottschalk Lunte durch dessen Bevollmächtigten, dem Hauptmann Friedrich von dem Werder zu Lübeck, mit dem Dorfe Kutze im K. Nutze, Stifts Ratzeburg, welches der Domherr Heinrich von Hachede zu Lübeck und dessen Bruder Hans, Söhne des Rathsherrn Dr. Heinrich von Hachede, dem Gottschalk Lunte verkauft und der Rathsherr Gottschalk von Wickede zuletzt inne gehabt hat. Bei der Wahl eines neuen Abtes, oder bei Antritt eines andern Lehnältesten soll das Lehn gesonnen werden. „Welker irkantnisse schall synn eyn sulueren schale van veertheyn Rinschen gulden gudes synes suluers“ (gleichzeitige Copie). – Der Revers erfolgt am 25. Januar 1530 (Siegel des Gottschalk Lunte).

Abt Magnus zu Loccum belehnt am 24. Februar 1527 den Rathsherrn und Richter Anton von Stitten zu Lübeck mit dem Dorfe Kutze, und der Belehnte ertheilt dem Abte seinen Revers (Siegel abgefallen). Die Erneuerung der Belehnung wird am 8. Januar 1536 durch Bürgermeister und Rath zu Lübeck bei dem Abte Walter zu Loccum für Anton von Stitten erbeten (Siegel abgesprungen). – Bürgermeister Anton von Stitten zu Lübeck verspricht am 2. October 1551, nach Beilegung eines Streits mit dem Kloster Loccum, welches an die Stelle des Abtes Walter, von dem er das Dorf Kutze zu Lehn empfangen, den jetzt regierenden Abt Arnold erwählt hat, durch Vermittlung des Bürgers Thile Kuckuck zu Münder, sobald der Abt Walter früher sterben sollte, die Belehnung vom Abte Arnold zu suchen (Siegel in rothem Wachse). – Anton von Stitten wünscht dem Abte Richard zu Loccum Glück zu seiner Erwählung am 5. Februar 1563 (Siegel). –

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Abt Richard zu Loccum belehnt am 5. October 1563 den Bürgermeister Anton von Stitten zu Lübeck auf’s Neue mit dem Dorfe Kutze bei Lübeck im K. Nutze, Stifts Ratzeburg (gleichzeitige Copie). Der Revers ist am 28. October ausgestellt (Siegel).

Notar Kaspar Schrader thut am 5. August 1564 kund, daß Meister Simon Pfeil als bevollmächtigter Anwalt des Gottschalk von Stitten, Sohn des verstorbenen Bürgermeisters Anton Stitten zu Lübeck, an Ort und Stelle öffentlich protestirt hat gegen das Einreiten von etwa 14 Reitern in das Dorf Kuetze bei Lübeck im K. Nüsse, Stifts Ratzeburg, nachdem derselbe bei Hans Dültzen von Lauenburg, einem der Reiter, gefragt, warum das geschehen sei, und dieser ihm gesagt hat, sein Herr von Sachsen wolle auf Anrathen seiner Räthe fernerhin das auf seinem Gebiete liegende Dorf in keines Fremden Händen mehr wissen und habe durch sie den Bauern befehlen lassen, nur ihm fortan unter seinem Schutze Dienste zu leisten.

Gottschalk von Stitten ertheilt dem Abte Richard zu Loccum seinen Revers am 4. September 1564 (Copiar zu Loccum Nr. 828 Fol. 484). – Abt Johann belehnt denselben am 13. Februar und empfängt einen Revers vom 10. April 1566 (Siegel). – Abt Johann belehnt den Rathsherrn Gottschalk von Stitten zu Lübeck am 9. November 1580 und erhält dessen Revers vom 30. März 1581 (Lehnrevers mit dem Siegel Gottschalks).

Urkunde 963.

Abt Johann, Prior Georg Oldendorf, Senior und Kleidermeister Georg Lüring, Subprior Jakob (Hermening) und der Convent zu Loccum belehnen Konrad Wedemeier und Tilemann Busing mit dem Dorfe Kutzen (Küssen) im K. Nutze (Nüsse) Stifts


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Ratzeburg, weil ihr Vasall, der Rathsherr Gottschalk von Stitten zu Lübeck, seiner Lehnspflicht nicht nachgekommen ist. 1. März (Dingestags post inuocauit) 1583.

Aus dem Concepte.

Urkunde 971.

Abt und Convent zu Loccum übersenden dem Dr. jur. Lorenz Vomelius Acten hinsichtlich des Dorfs und Guts Küssen 1). Loccum, 2. Februar 1592.

Aus einer Copie.

1) Sie ersuchen den Dr. jur. Lorenz Vomelius, Prokuratoren und Notar, bei dem Kammergerichte zu Speyer nach Einsicht beikommender Acten dahin zu wirken, daß der zur Exekution stehende Proceß, betreffend das ihnen spoliirte Dorf und Gut Kutzsche (Küssen) im Amte Ratzeburg, Fürstenthums Sachsen-Lauenburg, wie er vor dem Tode des alten Herzogs Franz von Sachsen, Engern und Westfalen, welcher dasselbe gewaltsamer Weise eingezogen, gestanden hat, wieder aufgenommen und gegen dessen Sohn, den jüngeren Herzog Franz von Sachsen, welcher zwar vorgiebt er sei nur verordneter kaiserlicher Administrator, sich aber anderswie als haeres vel successor in feudo Imperij gerirt, fortgesetzt werde (Copie.)

Am 18. Mai 1601 ersucht Herzog Franz von Sachsen, Engern und Westfalen seinen Schwager, den Herzog Heinrich Julius von Braunschweig und Lüneburg, durch einen seiner Räthe dahin zu wirken, daß ihm das zu seinem Amte Ratzeburg gelegte Dorf Kußen, über welches schon sein Großvater Magnus und Vater Franz, Herzöge von Sachsen, Engern und Westfalen, mit den Aebten und Stifte zu Loccum einen Proceß geführt und ihm hinterlassen haben,

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der, wie er erfahren, dahin ausschlage, daß er das Dorf restituiren solle, - bei solchem Stande der Dinge von dem Abte einerseits und von Konrad Wedemeier, Großvogt zu Calenberge und Tilemann Busing, des Stifts Amtmann, anderseits käuflich überlassen werde. Schloß Lauenburg (Copie.)

Am 3. März 1618 verkaufen Abt Theodor, Prior Burchard, Siechenmeister Johann Meineke und der Convent zu Loccum der Herzogin Maria von Sachsen, Engern und Westfalen, gebornen Herzogin von Braunschweig und Lüneburg, durch Vermittelung des Dr. Hektor Mithoff, Syndicus der Stadt Hannover, das vor dem Kammergerichte zu Speyer streitige Dorf Kuesche im K. Nutze, Stifts Ratzeburg, und die Neubelehnten Konrad Wedemeier und Tilemann Busing willigen, nach Empfang einer Abfindungssumme, in diesen Verkauf. Loccum (Copie.)

Am 30. März 1622 ersucht Franz Julius, Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen, den Abt Theodor, Prior Burchard, Siechenmeister Johann Meineke und den Convent zu Loccum um Ueberlassung derjenigen, das von seiner Mutter, der verwittweten Herzogin Maria, gebornen von Braunschweig und Lüneburg, ihnen abgekaufte Dorf Kühßen im K. Nuße betreffenden Acten über den vor dem Kammergerichte zu Speyer geführten Proceß, welche sie von den Erben des Dr. Vomelii Staperts, Procuratoren und Advocaten daselbst, einzuziehen sich erboten hätten. Newehag (Neuhaus i. L.?) (Siegel und Unterschrift)

Am 12. December 1622 ersucht Herzog Franz Julius das Kloster Loccum um Ausstellung einer besiegelten copia transactionis et cessionis des seiner Mutter, der verwittweten Herzogin Maria von Sachsen u. s. w., von demselben verkauften streitigen Dorfs Kühsen, welches ihm seine Mutter überlassen habe, an dessen Besitzergreifung er aber von seinem Bruder August behindert werde. Anckher (Franz Julius.)

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Am 22. Mai 1623 ersucht die Herzogin Maria von Sachsen u. s. w. den Convent zu Loccum um Auslieferung des ihr abhanden gekommenen mehrmals schon von ihrem Sohne, dem Herzoge Franz Julius von Sachsen etc., angeforderten Kaufbriefs über das ihr nach Erlegung der Kaufsumme cedirte Gut und Dorf Küessen, welches sie diesem ihrem Sohne überlassen hat. Wittwensitz Neuhaus (zweimal das Siegel der Herzogin in schwarzem Lacke auf der Außenseite des Briefs). – Am 20. März erneuert der Herzog Franz Julius solche Bitte. Anckher (Siegel und Unterschrift des Herzogs). – Am 5. April 1624 erklärt sich Abt Theodor und der Convent zu Loccum außer Stande, den Kaufbrief noch einmal auszustellen, da ihnen der Handel bereits entfallen sei. Der Originalbrief müsse sich in den Händen seiner Mutter befinden. Loccum (gleichzeitige Copie).

Am 16. April 1705 ersuchen Abt, Prior und Convent zu Loccum die Fürstlich Braunschweig-Lüneburgische Regierung, ihnen das ihrem Kloster im Jahre 1564 durch den damaligen Herzog Franz den Aeltern von Sachsen-Lauenburg mit gewaffneter Hand entrissene Dorf Kutsche oder Kuesche im K. Nutze, Amts Ratzeburg, nun das Land Lauenburg an das Haus Braunschweig-Lüneburg gefallen sei, wieder zukommen zu lassen. Loccum (Concept).

 


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